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Dieses Thema hat 98 Antworten
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 Coburger Geschichte
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gerd Offline



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16.06.2016 20:48
#61 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Der charaktervolle Hans Hartmann von Erffa war 1660 gestorben. Die oberste Festungswacht übernahm der altenburgische Oberstleutnant Veit Dietrich Wagner, der auch der Veste Maßfeld vorgesetzt wurde und wie Erffa Landeshauptmann und Obersteuereinnehmer war. Dieser etwas weitschweifige aber ehrenhafte Mann verdient Anerkennung wegen seiner ersten Sorge um die Instandsetzung der Veste. Wagner der schon 1668 starb fertigte 1663 einen großen Bericht über die Arbeiten am Fürwitz und am äußeren Wall der Veste. Den Fürwitz hätte man gerne beseitigt, aber das Abtragen war zu kostspielig ,das Sprengen unmöglich, weil der ganze Berg aus Letten, Kies, Ton und weichen roten Sandsteinen bestand. So steht er heute noch.
Wagner setzte sich für Verstärkungen an den Aussenwerken ein: Blockhäuser auf den Bastionen längs des äusseren Wall, Erdwerke zur Befestigung der Nordseite und eine "Fausse-Braie (Vorwall oder Niederwall) um einen halben Mond" vor der großen Ausfallpforte im Graben zwischen den beiden Rundtürmen (!) an der Südwest Seite. Die Landstände bewilligten dazu 600 Gulden und die Fronleistungen, der Herzog schoß 2323 Gulden bar und Bauholz aus seiner Rentei zu. Was immer von diesen Bauten vollendet wurde ist verfallen.
Dagegen hatten die von Herzog Friedrich Wilhelm II. von Altenburg 1669 begonnenen Bauten längeren Bestand. Sie wirken in gewisser Weise als Krönung der Veste, da nun die- den jeweils vorgeschobenen Mauern folgende-Toranlage mit dem inneren gotischen Tor einen fast unmilitärisch hübschen Abschluß erhielt. Es entstand bis 1670 das Renaissance-Tor in der Ringmauer, die den mittleren Verteidigungsgang vom unteren trennt und das daranstossende Gewölbe des Torweges, nebst Wurfloch für Granaten und Steine, wie es sich dem Besucher heute darstellt. Von diesem Torweg in der mittleren Ringmauer aus, wurde nach links ein langer gewölbter Gang zum mittleren Verteidigungsgang hinaufgeführt, in einer Breite, die mit Kanonen befahrbar ist. Der Gang ist bis jetzt wohlerhalten geblieben, er führt bis hinauf in die gedeckte Batterie.(Stand W. Föhl-50er Jahre!)F.f.

gerd Offline



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17.06.2016 09:57
#62 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

1671 wurde das äußere barocke Schmuckportal errichtet, daß der Veste einen würdigen Eingang gab. Der Architekt und Erbauer des Portals war C.W.Gundermann aus Altenburg. Er hatte einen Kostenanschlag von 494 Gulden vorgelegt, wovon er 102 Gulden erhielt. Aber es war damals wie heute: die wirklichen Kosten betrugen über 900 Gulden. Dazu geriet der Baumeister noch in eine Auseinandersetzung mit dem Kommandanten über die Anlage der Zugbrücke. Oberst von Stange setzte durch, daß die Zugvorrichtung unter der Erde angebracht wurde, während Gundermann sie mit Steingewichten, Rollen und Wellen hinter dem Portal aufstellen wollte.
Gleich beim Bau des Barock-Tores wurde die große Inschrift Tafel über dem Bogen angebracht, die bis heute den geneigten Wanderer um Fürbitte für die "heldenmütigen" Vormünder und den fürstlichen Jüngling ersucht, unter denen das hohe Portal erbaut wurde, dessen plastischen Schmuck der Bildhauer Meister Langenhan ausführte.
Einer der hervorragendsten und am meißten be und umgebauten Teile der Veste, die Hohe Bastei, erhielt in diesen Jahren ebenfalls die bis heute bewahrte Form.-Mit dem Abbruch der westlichen Torbrücke hatte nun die Festung eine abgeschlossene,150 Jahre fast unverändert bleibende Gestalt erhalten, die bis in die Gegenwart noch überall durchdringt.
Dreißig Jahre nach Abschluß dieser Arbeiten verfaßte der biedere Chronist G.P.Hönn in seiner Sachsen-Coburgischen Historia eine Beschreibung der gesamten Veste, die eine gute Bestandsaufnahme um 1700 darstellt und in ihrer nüchtern-ernsten Art auf die Gebäude der Festung und ihren oft erprobten Verwendungszweck in Kriegs und Friedenszeiten Bezug nimmt. F. f.

gerd Offline



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17.06.2016 15:36
#63 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

" Herzog Friedrich Wilhelm zu Altenburg hat endlich diese Veste zu ihrer Perfektion gebracht und obwohl die Höhe und "Stickeln" des Berges worauf sie gelegen, ihr eine natürliche Festigkeit gemacht, so ist sie doch außer der starken Mauer und tiefen Gräben mit drei Ravelinen wohl umschlossen, deren eines die Neue und das andere die Bären Bastei, wegen der allzeit darinnen gehaltenen Bären, das dritte aber die Hohe Bastei genannt wird und kann man von diesen beiden ersten die Stadt zugleich wohl defentieren und überschießen.
Die Hohe Bastei ist gegen den Berg, von welchem die Festung allein beschossen werden kann (der Bausenberg), gerichtet und von überaus starkem Mauerwerk ausgeführt . Weil aber ein ziemlicher Hügel, der Fürwitz genannt, dieser allzu nah gelegen, daß zu besorgen es möchte sich dessen ein Feind dieser Bastei zu Schaden bedienen so wurde solcher mit nicht geringen Kosten abgetragen!
Das Inwendige von der Festung besteht in zwei großen Plätzen um welche verschiedene Gebäude gesetzt, als I. die Fürstliche Residenz, in welcher sich in dem vorigen Seculo Churfürst Friedrich Johannes und Johann Friedrich zum Öfteren geraume Zeit aufgehalten. Die darein gebauten Gemächer an Stuben, Kammern und Sälen stehen außer denen, welche von dem Commandanten bewohnt werden, der Zeit ganz ledig. Untersolchen wird die Stube gezeigt, worinnen sich Luther bei einem halben Jahr verborgen aufgehalten.
In den oberen Stockwerk sind etliche Zimmer, darin Frau Anna, Herzog Johann Casimirs verstoßene Gemahlin gefänglich erhalten worden. Zuoberst sind in einigen Kammern eine große Menge alter, unbrauchbarer Pferde und Manns-Harnische. In dem untersten Theil sind viele gute Gewölbe gebaut, in deren einem das alte Archiv aufgehoben." F. f.

Rolf Metzner Offline




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17.06.2016 20:23
#64 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Gerd hat mich gebeten, zu seinen letzten Vesteberichten noch diese Bilder einzustellen:

Vestebericht Gerd (1).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (2).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (3).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (4).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (5).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (6).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Vestebericht Gerd (7).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

gerd Offline



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17.06.2016 20:25
#65 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Gegenüber ist die Salpeter-Siederei, das Brauhaus und die Darre,-an die Gebäude stößt die Kirche, deren äußerliche Form ihr hohes Alter anzeigt. Ob aber diese die St.Peters Kirche, welche 1268 Graf Conrad von Wildberg einen Zehnt zugeeignet, oder die Petri und Paul Kapelle gewesen sei, lasse dahingestellt sein.
Der Zeughäuser allhier sind zwei, welche alle mit vielen, zu beschreiben unnötigen Stücken, Gewehren und Munition angefüllt. Für Offiziere und Soldaten gibt es hier so viel Quartier und Wohnungen, daß sich gar wohl bei Kriegszeiten ein Regiment darin einquartieren kann. So haben wohl auch ehebevor darin ein paar Compagnien zu Pferd genugsame Stallung für ihre Pferde gehabt.
Was man für einen Vorrath an Getränk in den Kellern aufbewahren kann, ist unter anderem daraus abzunehmen, weil deren theils doppelt über einander gesetzt und von so einem geräumlichen Eingang, daß man an einem Ort mit Wagen und Pferden hinunter fahren kann. Nicht minder hat man auf vielen Böden zur Aufschüttung der Frucht genungsame Gelegenheit.
Obwohl auch eine feste Zisterne, darin das Wasser von den Dächern geleitet wird, stets voll Wassers, außerdem auch noch innerhalb des äußeren Thores vor zwei Jahren (also 1698) ein Springbrunnen gesetzt worden, so steht doch der vornehmste Brunnen in der Mitte des Platzes unter einem Haus bedeckt, aus dem man vermittels eines großen Rades, welches der hierzu bestellte Brunnentreter zu treten pflegt, die genügsame Nothdurft an Wasser heraufziehen kann.
Den allhier wohnhaften Pfarrer,Schulmeister,Offizieren,Konstablern,Zeugmeister,Musterschreiber,Schmied und dergleichen ist jedem seine Wohnung eingethan.
Sonsten finden sich hierinnen verschiedene Pulverthürme, Wind-Roß -Tret und Handmühlen ein Laboratorium, ein Brau, Vorrats, Schaf und Backhaus.
Diese Festung hat nur einen Eingang auf einem schmalen Weg, welcher außer der Mauer, Pallisaden und Schlagbäumen, mit vier Thoren und einer Zugbrücke wohlverwahret ist. Ohne herrschaftlichen Specialbefehl wird niemand hinaufgelassen, die Festung daher auch stets verschlossen gehalten."F. f.

gerd Offline



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17.06.2016 21:21
#66 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zu den Bildern von links nach rechts:
I.) Das Barockportal ist uns heutigen Besuchern der Veste geläufig. Aber wohl nicht mehr der kleine Turm darüber, an dessen Stelle sich heute der Bulgarenturm befindet. Auf den Basteien standen kleine Fachwerkbauten. B.Ebhardt soll beim Neubau der Burgschänke(Fachwerkbau) auf deren Ansicht zurück gegriffen haben...
II.) Ebenfalls über dem "Eingang zum Tunnel", im Westhof stand ein Fachwerkhaus. Auf dem Plan von 1625 als "...Mühle" bezeichnet. Im Hintergrund sieht man das alte Schafhaus, heute der Herzoginbau. Gerade noch zu sehen die "Zwiebel" vom Blauen Turm. Rechts ist die "Rote Kemenate" oder "das Vogelhaus" oder "der Kongressbau" oder "der Carl Eduard Bau"-(so oft wechselte das Haus seinen Namen!)zu erkennen.
III.)Das heutige Barockportal-jeden Besucher bekannt.
IV.) Die Schnittzeichnung der "Roten Kemenate" (unter dem heutigen C.E.Bau)zeigt die beiden übereinander stehenden Keller mit dem Zugang vom Westtunnel aus
V.) Die Mechanik der Zugbrücke am Barockportal. Interessant, das auch für Personen eine Zugbrücke vorhanden war (??)
VI.)Dieser Grundriss aus dem Jahr 1625 zeigt die Situation im Westlichen Teil der Veste. Beim genauen bedrachten kann man das VORTOR vom West Tor unter dem damaligen (kleinen) Roten Turm erkennen.(Vergleiche hier mit den Bildern von Rolf in der Bildergalerie Modell der Veste. Es ist das Vortor schön zu sehen, wie es R.Artmann im Modell gebaut hat!).Hier eingezeichnet die abgebrochene Rampe, welche die Zufahrt zur Veste aufnahm. Ebenfalls sind die Mauern des Gegenwall zu sehen (am oberen Bildrand und unten links). Wie sich der Fahrweg dort, wo er den Gegenwall durchschneidet früher gestaltete, wäre interessant zu erfahren! Man bedenke die sehr große Steigung von der Fahrstraße hinauf zum Wall (Graben) und dann weiter über die Rampe bis hinauf zum Tunnel Eingang!
VII.) Ein Schnitt durch die Kasematten der Bärenbastei.Es wird erzählt das hier der angebliche Gang von der Stadt herauf zur Veste münden sollte. W.Föhl geht in seinen Buch auf diesen Gang ein...mehr dazu.....F.f.
Die Federzeichnungen hier fertigte R.Appeltshausser für das Büchlein von W.Föhl an, das zur 900 Jahrfeier 1956 erschienen ist.F.F.

gerd Offline



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18.06.2016 12:17
#67 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Festungskommandanten
Oberst von Stange folgte im Kommando der Veste Oberst A. Muth aus Erfurt(1680 bis1697)den R. von Milkau ablöste. Er hatte die Musterung, Zählung und Besichtigung des Landvolkes vorzunehmen, unter das alle Männer von 20 bis 50 Jahren zählten, auch die Untertanen der Ritterschaft. Bei der Musterung im Lande war mit darauf zu achten, daß an den Grenzen, Flüssen und Engpässen die Dämme, Hohlwege und Furten mit Schlagbäumen, Fallbrücken und Pallisaden wohlversehen blieben.
Oberst von Könitz (1710 bis 1719)war ein bequemer und nachsichtiger Befehlshaber, unter dem sich die Disziplin auf der Festung lockerte und immer mehr dem Idyll anglich, das wir bei den strümpfestrickenden, tobackschmauchenden Stadtsoldaten in den Reichsstädten dieses Jahrhunderts kennen.
Nach ihm übernahm Oberst von Hanstein das Kommando (1719 bis 1748), ein Soldat der kein Blatt vor den Mund nahm und es den Räten und Federfuchsern drunten in der Kanzlei am Markt ordentlich gab. Er hat sich aufs äußerste bemüht, Mittel für die Instandhaltung der Veste zu erlangen.1727 fiel sang und klanglos ein Stück der Mauer (?) in den Graben; es wurde wieder aufgebaut. Trotz zahlreicher, derber Mahnungen des rührigen Kommandanten erreichte er nur, daß der große Ziehbrunnen gereingt und ein eigener Büchsenmeister für die Wartung der Geschütze angestellt wurde.
Im Jahre 1733,als die Flammen des Heidelberger Schlosses und die Ruinen der pfälzischen Festungen und Städte wieder in Erinnerung traten, witterte der Krieger Morgenluft:
Da die Herzöge beschlossen hatten, Coburg und Rauenstein als Zufluchtsort für dero höchste Personen vor den im Lande umziehenden Franzosen in Stand zu setzen, glaubte Hanstein, daß nun auch etwas für die Veste getan werde. Es kam zu einer eingehenden Untersuchung, ob wirklich die Veste durch einen unterirdischen Gang mit dem Stadtschloß Ehrenburg verbunden sei. Das Vorhandensein einer solchen bequemen Fluchtmöglichkeit auf die Veste bewegte nicht nur die fürstliche Familie damals ungemein, auch Herzog Ernst I. unternahm 1839 ernste Nachforschungen-wie denn der Glaube an diesen Gang noch heute Einwohner und Besucher in angenehmes Gruseln versetzt.
Aber es gibt nur einen Menschen, der ihn je beschrieben hat-und das ist eben Adam von Hanstein auf Einberg gewesen, der dem Regierungsrat J.S.Kopp bei einer Einvernahme zu Protokoll gab: "Daß er als Page bei Anwesendheit des Herzogs Albrecht von Saalfeld mit seinem fürstlichen Herrn, dem er mit der Fackel vorgeleuchtet habe, durch jenen Gang nach der Veste gegangen sei. Der Eingang zu diesem Gang sei in der Schloßkapelle der Ehrenburg gewesen, die vor dem großen Brand des Schlosses 1689 sich in dem nach der Steingasse zu gelegenen Flügel befand.(?) Auf der Bärenbastei seien sie heraus gekommen.Er selbst sei damals noch sehr jung gewesen und habe deshalb nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit den Gang bedrachtet, könne deshalb etwas Näheres darüber nicht angeben." Das ist immerhin das Zeugnis eines redlichen Mannes, daß einzige, das wir besitzen-abgesehen von einen unterirdischen Gang im Norden der Veste.(Hierbei dürfte es sich um den Gang handeln, der vom Fürstenbau aus zum Brunnen an der Nordseite der Veste führt.)
Als Hanstein selbst befehlsgemäß die Nachforschungen nach dem Gang aufnahm, verliefen sie genauso ergebnislos wie die von ihm angestrebten Verbesserungen des baulichen Zustandes der Festung....F.f.

Rolf Metzner Offline




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18.06.2016 14:36
#68 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #67
.......Auf der Bärenbastei seien sie heraus gekommen........

Hier:

Zugang zu Kasematten unter Bärenbastei (Geheimgang).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

gerd Offline



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18.06.2016 20:45
#69 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

... das ist der geheimnisvolle verschüttete Gang...wenn man genau hin schaut kann man den Geist von Hanstein sehen...

gerd Offline



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19.06.2016 21:38
#70 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Oberst Hanstein hatte unter seinem Kommando eine Garnison von 43 Mann, an Mannschaften 1 Feldwebel,1 Pfeifer,2 Tambours,3 hGefreite und 33 Gemeine. Die Stärke hat öfters geschwankt:1662 waren es 39 Mann, davon 24 vergeiratete mit zusammen 43 Kindern;1680 zählte die Garnison 18 Mann und diese Zahl hatte sich den Räten so fest eingeprägt, daß die Herzöge Christian Ernst und Franz Josias 1738 darauf zurückkamen und die Herabsetzung der Garnisonsstärke auf diesen Idealfuß gegen den Widerstand Hansteins, aber mit besonderen Dank seitens der Ritterschaft und Städte beschlossen. So umfaßte denn die Stärkemeldung am Ende des Jahres nur noch den Kommandanten und Major Muffel, Festungspfarrer Schulmeister,Vorratsverwalter,Zeugwart,Brunnentreter,Feldwebel,2 Korporale,3 Fourierschützen,2 Gefreite,3 Tambours, den Profoß und Stockknecht,16 Gemeine (darunter der Büttner, Schmieds usw.)Wegen der 12 Konstabler sollte weitere Verordnung ergehen. Hahnstein behielt dann 26 Köpfe als endgültigen Bestand.
Es war ein bunt zusammengewürfeltes Völckchen , darunter erfahrene Krieger von den Schweden, Sachsen und Maizern. Ihre Herkunftsorte lagen weit auseinander, aus dem Coburger Land stammten die allerwenigsten. Unter den Konstablern waren viele Handwerker. Manche Festungssoldaten blickten auf ein ehrwürdiges Alter zurück. Grauköpfe zwischen 70 und 80 Jahren waren keine Seltenheit. Daneben gab es aber auch Zwanzigjährige . Die Mehrzahl war evangelisch. Eine ihrer größten Kümmernisse waren die mitleiderregenden Monturen, die verschlissen und fadenscheinig manchen fast vom Leibe fielen. Auch die Gewehre waren derart beschaffen, daß-wie der Kommandant von Brandenstein berichtete-kein Mann mit ihnen Schildwache zu stehen imstande war; sie seien veraltet, von ungewöhnlicher Länge, das Lederwerk an Koppeln, Patronentaschen und Riemen völlig zerrissen. Abhilfe kam nicht.1797 wurden die im Zeughaus liegenden Gewehre verkauft. Es blieben nur 582 vorrätig. F. f.

gerd Offline



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20.06.2016 20:35
#71 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Ein erstes Inventar der Veste war 1604 von Herzog Johann Casimir aufgenommen worden. Johann Ernst folgte 1634 diesem Beispiel; es wurden 44 Geschütze,1187 Handschusswaffen,5299 Geschützkugeln,41291 Gewehrkugeln,514 Granaten gezählt. Vorhanden waren ferner 207 vollständige Harnische,75 Rüstungen für Bürger,113 für Landsknechte,24 für Soldaten, dazu je 140 Brust und Rückstücke,549 Visierhauben und Helme,243 Helleberaden und Partisanen,19 Morgensterne,220 Turnier und Schlachtschwerter. Die Handwaffen und Rüstungen werden in einem Inventar von 1735 nicht mehr aufgeführt; sie dürften bereits als Stücke von historischem Wert im Fürstenbau verwahrt worden sein.1735 besaß die Veste 49 Geschütze,354 Rohre (?),310 Musketen, die dazugehörige Munition,56 Schwerter,256 Stilets,68 Piken,6 alte Kompanie Fahnen und große Vorräte an Geräten aller Art. Übrigens werden in einem Inventar von 1700 auch drei Zentner Tabak nebst 200 Tabakpfeifen für die Mannschaften verzeichnet. Rauchen tat not, denn oft herrschte empfindlicher Brennholzmangel in den Unterkünften, der zum "organisieren" von Holz verleitete. Die Soldaten ließen es sich auch nicht entgehen, vom äußeren Wall aus auf Hasen und Rebhühner zu schießen. Sie erlegten in einem Winter ihrer 20 Stück, bis ihnen diese willkommene Schießübung durch Verordnung nach langen Hin und Her verboten wurde. Es blieb ihnen jedoch der eigene Wirt, der sein Bier aus der fürstlichen Kellerei bezog und billiger als das in der Stadt ausschenkte. Dieser Festungswirt verkaufte auch Brot, Käse, Butter und Heringe.
Wenn ein Soldat das Zeitliche segnete, kam er in nächster Nähe der Veste bequem unter die Erde, da -um 1663-ein Raum hinter dem Fürwitz als Gottesacker hergerichtet war. Zur gleichen Zeit wurde eine ständige und selbstständige Festungspfarrerstelle geschaffen an deren Inhaber die Garnison jedoch nur selten reine Freude hatte. Der eine Pfarrer entpuppte sich als zänkischer, unfeiner Geselle mit höchst giftiger Zunge, der seinen Beichtkindern weiblichen Geschlechts zweifelhafte Anträge machte, der andere war ein Hitzkopf, der sich über den Mangel an soldatischer Zucht, die Nachlässigkeit der Offiziere, die Verrohhung der Sitten mit mehr oder weniger gutem Grunde arg ereiferte. Die Garnison half sich in solchen Fällen mit passiven Widerstand gegen den Besuch der Predigt und mit Berichten des Inhalts: sie könne sich mit dem Pfarrer unmöglich länger vertragen, sondern müsse in Finsternis, Irrtum und gänzlicher Verwahrlosung über armen Seelen bleiben-nicht gerade ein wirksames Argument einen Geistlichen gegenüber, der laut und oft kundtat, man könne in der kleinen Kirche keinen Schritt tun, so trete man auf Ehebrecher, Ehebrecherin, Hurer oder Hure. Tatsache bleibt, daß die meißten Pfarrer vom Konsistorium versetzt werden mußten. Die Pfarrei selbst wurde 1827 eingezogen, nachdem schon 1725 die Kirche auf der Veste als baufällig und lebensgefährlich geschildert wird, daß die Garnison lieber in die Stadtkirche ging. Der Stadtpfarrer übernahm später die Garnisonpredigten.
Als Hanstein 1748 starb, trat an seine Stelle der Kammerjunker und Stallmeister J.P. von Stange als Geheimer Kriegsrat, Oberster der gesamten Miliz und Festungskommandant-aber nur für drei Jahre. Ihm folgte (1752 bis 1776) der Oberst und Geheime Rat C.F. von Gersdorff. Nach ihm kamen Vizekommandant G. von Heldritt (bis 1788),und Adam S. von Brandenstein, unter dem die Veste bis zu seinem Tode 1804 ihres bisherigen wehrhaften Charakters ganz und gar verlustig ging. F. f.

Rolf Metzner Offline




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21.06.2016 08:13
#72 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #71

...............
Wenn ein Soldat das Zeitliche segnete, kam er in nächster Nähe der Veste bequem unter die Erde, da - um 1663 - ein Raum hinter dem Fürwitz als Gottesacker hergerichtet war.
................


Dieser Friedhof war schon mal Thema im Forum:

Relikte eines alten Friedhofes


Im Katasterplan von 1860 ist dieser Friedhof noch eingezeichnet:

Friedhof Veste-Garnison.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Interessant noch, was Klaus Weschenfelder in seinem Buch "Veste Coburg" zu diesem Friedhof schreibt (dem Text ist auch ein Plan von 1802 beigefügt; rote Unterstreichung "Der Gottesacker" von mir):

Friedhof, Weschenfelder, Veste Coburg.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Rolf Metzner Offline




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22.06.2016 11:38
#73 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Hab' mich heute nochmal genauer auf dem Areal des alten Veste-Friedhofes nach Überbleibseln umgeschaut, außer Resten der Friedhofsmauer und wenigen Grabsteinrelikten aber nichts mehr gefunden:

Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (5).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (6).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (2).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (4).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (7).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (1).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Veste-Friedhof, Relikte, 22.06.2016 (3).JPG - Bild entfernt (keine Rechte)

Meinen Erinnerungen nach gab es dort bis in die 1990er-Jahre noch mehr Grabsteine und auch Grabplatten.

gerd Offline



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22.06.2016 21:20
#74 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Um 1767 tauchte der Plan auf, nicht nur wie bisher schon zuweilen hochgestellte Gefangene auf der Festung zu verwahren, sondern dort oben ein Zuchthaus einzurichten. Es dauerte noch 14 Jahre, bis die Ordnung für dieses Zuchthaus in Druck gehen konnte. Man wählte das "kleine Zeughaus" als geeigneten Bau, der jetzt für seine neue Bestimmung eingerichtet wurde. In die großen, übereinanderliegenden Säle des Hohen Hauses, durch deren einen entlang der Aussenmauer der abgeschlossene Wehrgang lief, fiel nur von der Hofseite helles Licht.1782 wurden neue Fenster gebrochen und die Säle in kleinere Zimmer unterteilt. Ins untere Stockwerk kamen die Gefängnisse und Schlafstätten für Schwerverbrecher, im oberen lagen die Wohnungen des Zuchtmeisters und Zuchtknechtes, die Arbeitsstube, die 1798 in eine Glasschleiferei gewandelt wurde, und weitere Kammern für die Züchtlinge. Als später die Sachsen-Meiningischen Zuchthäusler dazu kamen, wurde der Feldwebel von der Veste zur Hilfeleistung im Zuchthaus angewiesen.
Im Jahre 1801 befanden sich zwei Häftlinge "vom Zivil" und 17 Züchtlinge,7 Frauen darunter, in diesem Hause. Mit dem Zuchthaus war eine Besserungsanstalt verbunden, die bei einer Neuordnung 1826 streng von ihm geschieden wurde. Nachdem schon häufiger Geisteskranke in dieser Anstalt Aufnahme gefunden hatten, wurde 1838 ein amtliches Irrenhaus eröffnet, daß zwei Jahre später zehn Insassen zählte, darunter sechs Unheilbare. Die Aufhebung des Zucht und Korrektionshauses auf der Veste erfolgte 1860,gleichzeitig wurde die Landeskranken und Irrenanstalt von der zu neuem Ansehen gelangten Burganlage wegverlegt.

Von nennenswerten Bauten ist bis zum Ende der zweiten Bauperiode nicht mehr zu berichten. Herzog Franz Josias ließ 1756 Arbeiten an der Bastion neben dem Stumpf des Roten Turmes ausführen, wie eine Inschrifttafel 17 FJ 56 über dem Eingang des Haupttunnels zeigt. Der um sein Haus und die Kunstsammlungen der Veste so sehr verdiente Herzog Franz Anton hat in seiner zu kurzen Regierungszeit 1800/06 ebenfalls einige unumgängliche Besserungen ausführen lassen. Die Contre-Escarpe war eingestürzt, die Steine wurden von baufreudigen Einwohnern verschleppt, die morsch gewordenen Pallisaden des Aussenwalles verheizt. Er beschloß die Folgen aus den politischen, militärischen und finanziellen Gegebenheiten seiner Zeit zu ziehen.F.f.

gerd Offline



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25.06.2016 07:37
#75 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Bei Franz Anton wird vor allem der Gedanke mitgespielt haben, die Festung angesichts der französischen militärischen Vormacht bewußt zu entwaffnen, um kriegerische Verwicklungen zu entgehen. So hob er 1802 die Festungsbesatzung förmlich auf und beließ an ihrer Stelle nur eine Invalidenkompanie als eine Art "Wach und Schließgesellschaft". Vorher schon begann er mit der Einebnung des Aussenwalles. Sein Minister von Kretschmann ging noch einen Schritt weiter, indem er den Verkauf aller Festungskanonen zur Verbesserung der traurigen Finanzlage des Landes vorschlug. Der Herzog stimmte zu und empfing 1802 von einen Bamberger Gastwirt und Stadtrat für den Zentner Kanonenmetall je 42 Reichstaler, im ganzen 22470 Taler. Mag dies auch kläglich klingen: dennoch hat gerade Franz Anton in seinen Kindern den europäischen Ruf des Coburger Hauses begründet.
Als neuer Stadt und Festungskommandant folgte dem Herrn von Brandenstein 1804-1829 F. von Boxberg, der aus dem holländischen Heere kam. Als letzter bekleidete diesen Posten der treffliche Soldat Freiherr von Schauroth, der aus preußischen Diensten in das Rheinbund-Regiment der Herzöge von Sachsen getreten war, in Tirol, Spanien und Rußland gekämpft und sich dabei einen offenen Blick erworben hatte. Er nahm die Geschäfte der Festungskommandantur von seinem Wohnsitz in der Stadt wahr und erwies sich als treuer Berater bei der Bewahrung des Vätererbes der Veste. Seine Aufgaben waren fast ganz auf Inspektionen und Revisionen zusammen geschmolzen.
Die Zeit um 1800,die den vollkommenen Tiefstand des Wertes der Veste als einen Waffenplatz brachte, schließt mit dem Bericht des Coburger Chronisten Karche über einen Brand auf der Veste im Jahre 1822,der noch einmal auf eine der heikelsten Schwächen der Festung hinweist: der Mangel an Wasser.
"Früh halb neun Uhr kam auf der Festung zwischen dem Zuchthause (Hohes Haus) und dem Blauen Turm bei der Zisterne, wo 30 Klafter Holz lagen, Feuer aus, das schnell um sich griff. Durch die Tätigkeit der Coburger Einwohner, der Bürgermädchen und Mägde(!),die das Wasser von der Stadt hinauftrugen, wurde das Feuer wieder gedämpft. Da eben viele Wagen (zum Markt) vom Lande in der Stadt waren, ließ der Magistrat diese bespannen und Fässer mit Wasser hinauf zur Veste fahren. Auch wurden auf dem Wege überall kleine Bierküfflein aufgestellt, damit das wassertragen dem weiblichen Geschlechte erleichtert werden möchte. Bei diesem Brande ist der mit Ziegeln gedeckte Wehrgang auf der hohen inneren Ringmauer der Veste, zwischen dem Hohen Hause und dem Blauen Turm, zu Grunde gegangen. F. f.

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