RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#41 von Sandner ( Gast ) , 14.12.2005 12:43

In Bezug auf den Beitrag von Archiv der SGCoburg kann man nur sagen: gut so! Logisches Denken öffnet manchmal die Augen. Die Wunschträume zerplatzen dann natürlich wie Seifenblasen. Es wird aber im Jahre 2005 nun wirklich Zeit das Gerücht "Geheimgang zur Veste" dorthin zu bringen wo es hingehört: ins Reich der Fabeln und Sagen.


Sandner

RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#42 von Archiv der SGC ( Gast ) , 14.12.2005 17:37

Ich habe 2x ein Praktikum auf der Veste Coburg als Waffenrestaurator absolviert, wo ich auch die Gelegenheit hatte die Kellergewölbe recht ausführlich zu begutachten!
1.1 Man müßte sich erst einmal Gedanken machen, wann dieser "Geheimgang" denn gebaut wurde!
2.1 Welche Gebäude standen, bzw. wurden neu gebaut, die unter Umständen den Gang versperren bzw. zu seiner Verfüllung beigetragen haben könnten.
3.1 Wozu sollte er gedacht sein (für Einzelpersonen? Fuhrwerke? Truppenverschiebungen?)?
Nehmen wir einfach einmal an, daß dieser Gang zu Casimirs Zeiten gebuddelt wurde! Da sollte ´man ´mal darauf hinweisen - alle Landvermesser in Ehren! - :
1.2 Daß es auch heute noch sehr schwierig ist einen solchen Tunnel von 2 Seiten aus anzugraben!
2.2 Selbst, wenn man nur von einer Seite aus gräbt, wäre es vielleicht in der damaligen Zeit, mit den damaligen Mittel möglich gewesen die Veste nicht zu verfehlen - aber wo kommt man ´raus?
3.2 Wohin mit den gewaltigen Mengen an Abraum?
4.2 Beim Bau in Lehmschichten bräuchte man zudem Unmengen an Stützmaterial!
5.2 Bei Fels ein gigantischer, zeitaufreibender Aufwand, der Unmengen an Mensch und Material verschwendet hätte, wobei die riesigen Mengen an Steinabraum mit Sicherheit in der heutigen Zeit noch sichtbar wären! Man hätte damit wohl locker die Baugrube von der neuen HUK auffüllen können!
6.2 Egal welche Bauart gewählt wurde, wäre mit Sicherheit auf dieser Länge eine wasserführende Schicht getroffen worden! Wenn man sich den Höhenunterschied zwischen der Veste und zB. der Hofapotheke vor Augen hällt kann man sich vorstellen, daß die Wassersäule, die auf einen Verschluß des Ganges in der Stadt wirken würde, daß man selbst mit den heutigen Mitteln diese nicht bändigen könnte! Eigentlich wäre es diesbezüglich für die Stadt sogar von Vorteil gewesen, da man keine Brunnen hätte bauen müssen! Dies hätte aber nur so lange funktioniert wie alle die diesen Gang benutzen sich ordentlich die Füße gewaschen haben.
7.2 Für die damalige Zeit wäre es sicher am besten gewesen einen Graben zu ziehen, einen Kellergang mit zB. Ziegeln zu errichten und den Rest wieder zu verfüllen - aber Achtung Punkt 3.2 + 6.2! (Könnte man heute aber mit Luftaufnahmen feststellen!)
Ein solcher Bauaufwand hätte mit Sicherheit mehrere Jahre in Anspruch genommen, wäre auf keinste Art und Weise zu verheimlichen gewesen und hätte das "Stadtsäckel" ordentlich "traktiert"!
8.2 Die Mauern wurden vor noch nicht alzu langer Zeit (auch die Gewölbe) renoviert - wobei nicht der geringste Hinweis gefunden wurde, obwohl man sicherheitshalber 1.1 berücksichtigen sollte!
Nun dazu, wo der Gang auf der Veste enden könnte:
1.3 Auf der Bärenbastei wäre ja wohl (gehen wir davon aus, daß bis zu diesem Zeitpunkt alles geheim geblieben wäre!)der taktisch schlechteste Ausgang, wenn man überlegt, wie gut er zu sehen gewesen wäre!
2.3 Besser wäre es in den Kellergewölben gewesen! Man hätte dann nur noch den Schrank mit Casimirs Unterhosen davorschieben müssen und bis auf 2 - 3 Eingeweihte alle anderen: Ingenieure, Arbeiter, Ziegellieferanten, Holzlieferanten, Stadtkämmerer, Schmiede, Fuhrwerksbetreiber usw. usw. um die Ecke bringen müssen! - Oder hat man vielleicht die Pest geholt (!) um die Existenz des Ganges zu verheimlichen?
Kurzum: Spätestens seit der französischen Besatzung wurde die Veste taktisch uninteressant. D.h. den Leuten war es egal ob sie bei einem Hausbau o.ä. einen "Geheimgang" verschütteten oder nicht! Und spätestens jetzt würde die Zeit dagegen arbeiten: Die paar Maurer oder Baumeister hätten einen vielleicht teilweise eingestürzten Gang entweder nicht zur Kenntnis genommen oder es wäre von der "Presse" ausgeschlachtet worden!


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#43 von Archiv der SGC ( Gast ) , 14.12.2005 17:40

Entschuldigung, daß ich mich teilweise wiederhole, aber es sind mir noch ein paar Punkte eingefallen, die ich nicht so einfach aus dem Zusammenhang reißen wollte!!!


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#44 von Archiv der SGC ( Gast ) , 14.12.2005 17:57

Es war wohl u.a. ein hervorragender Platz für einen "Vorgeschobenen Beobachter" der mit dem Beschuß ggf. vertrieben werden sollte!


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#45 von gerd , 14.12.2005 18:04

Stimm ich dir völlig zu,Andreas.Man sollte auch nicht vergessen wie groß das Coburg zu Casimirs Zeiten war!
Zu dem Hinweis von dem "Abraum",der aus so einem Gang herausgebracht werden müßte:Mittlerweile habe ich das Panzerwerk Schoenenbourg der Maginotlinie im Unterelsass/Frankreich 4 mal besucht.Im Reiseführer wird die Geschichte erzählt.Hier ist nachzulesen das man den Abraum unweit der unterirdischen Anlage als zwei mächtige Bergkegel aufschüttete,bzw.die herausgebrachte Erde wieder zum "modellieren" der 6 Kampfblocks,von denen nur die versenkbaren Panzerkuppeln herausschauen,verwendete.
Weiter wird erwähnt,das beim bergmännischen Vortrieb der Stollen Wassertaschen angeschnitten wurden,die so ergiebig waren,das daß Bauvorhaben manchmal zu scheitern drohte.(Man kanalisierte dann die Wasseradern und nutzte sie so als Wasserversorgung für das Werk).
Schoenenbourg liegt ca.30 Meter unter der Erde,Kaserne,Werkstätten,Küchen ,Filteranlage usw.usw. und erstreckt sich ca.1,5 KM von den beiden Eingangsblocks bis zum vordersten Kampfblock!
(Wen es interessiert einfach mal bei Google Schoenenbourg eingeben.-In Deutsch gibtes viele Bilder und die Geschichte zu sehen!)


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#46 von gerd , 14.12.2005 18:15

Zu dem Autor Dr.Albin Schuberth.Ich habe ihn persönlich gekannt.Da er im Krieg seinen linken Unterarm verloren hatte und kein Auto besaß,machte er seine Recherchen und Touren für das Buch alle mit dem Fahrrad und mit einer Hand!!Das ist schon allein eine Leistung!!


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#47 von Christian , 14.12.2005 19:18

Ich sehe die ganze Sache gelassen.
Fakt ist das 1843 ein Ministerialbeamter aufgrund einer Akte aus dem Jahre 1734 an der Bärenbastei mit Erlaubnis von Herzog Ernst I. Ausgrabungen vorgenommen hat. Es wurde damals nichts gefunden. Also stellt sich die Frage ob die Bärenbastei den Ausgangspunkt eines Geheimganges darstellte, schon gar nicht mehr.

Das in einer Akte des Coburger Staatsministeriums ein Hinweis auf einen Gang zwischen Veste und Stadt zu finden war, halte ich nicht für ausgeschlossen, wenn es diesen Gang wirklich gegeben hätte. Ich möchte auch nicht wissen was in den Geheimakten unserer Regierung zu finden ist. Sowas hat es sicher auch damals schon gegeben.



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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#48 von Exil-Coborcha , 14.12.2005 22:47

ich glaube der type vom archiv weiß was über den geheimgang, den er entdeckt hat. er will uns nur nicht daran teilhaben oder darf es uns nicht verraten und deshalb dieser einsatz


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#49 von Exil-Coborcha , 14.12.2005 22:49

im ernst: also die ganzen thesen von den damaligen mittel muß ich wiederlegen. ich meine wer eine burganlage von der größe bauen kann, kann auch nen graben buddeln! und es wäre nicht die einzige burganlage mit unterkellerung. zudem ist es ja auchnet die einzige unterkellerung am festungsberg.

ich glaub noch weiter fest drann. und das bernsteinzimmer liegt gleich daneben


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RE: Orte der Zerstörung - Coburg am Ende des 2. Weltkrieges

#50 von Archiv der SGC ( Gast ) , 15.12.2005 11:36

Ich hatte gestern Abend ein sehr interessantes und ausführliches Gespräch mit einem ehem. Luftwaffenpiloten!
Er erzählte mir (leider tut er das nur selten), daß er am 24.04.45!!! - er gehörte zum JG 300 Kennung gelbe 13! - zu einem Schüttbombenangriff mit 11 anderen FW 190 D9 auf den Eisenacher Bahnhof aufstieg. Er hatte die Erlaubnis von seinem Kommandeur über Coburg zum eigenen Feldflugplatz Neustadt/Kleve zurückzufliegen! (War üblich, da ein direkter Rückflug sonst den eigenen Platz verraten hätte!) Da er im Radio von Straßenkämpfen ua. in Coburg hörte, flogen sie im Tiefstflug (max. 100mtr.!) über den Lokschuppen Richtung Brockardt und Kanonenweg und kurvten nochmals ein. Sie bemerkten keine Straßenkämpfe und brennenden Häuser, auch stießen sie auf keinerlei Abwehr! Eine Verwandte teilte ihm später mit, daß sie erst dachten, es wären einige verrückte Amerikaner bis sie die Hoheitszeichen auf den Flächen erkannten.
Er berichtete außerdem, daß er Ende September 1945 auf der Brandensteinsebene war und dort blutenden Herzens ca. 10 FW 190 D9 (Reihenmotor - Vorstufe zur TA 152 für die, die mit dieser Bezeichnung nichts anzufangen wissen!) in Reihe stehend (!!!!!!!!!!!!!!!!), aber ausgeschlachtet vorfand!
Stehend! - Jetzt frage ich mich:
1. Nach einer Bruchlandung ist normalerweise der Propeller verbogen und das Fahrwerk weggerissen!
2. Nach einer Bauchlandung ist auch der Propeller verbogen und die Maschine äußerst stark beschädigt! Auf jeden Fall wäre die Technik, die zum Ausfahren des Fahrwerks nötig wäre, absolut unbrauchbar! 1945 durch Ersatzteilversorgung außerhalb des Heimatplatzes für eine Reparatur unmöglich!

Für meine Quelle lege ich meine Hand ins Feuer! Gerd - Er kannte auch Schanzi!


Jetzt seit Ihr dran!


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