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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Coburger Geschichte
Christian Offline



Beiträge: 5.555
Punkte: 5.741

09.10.2005 11:37
Die Judenbrücke Zitat · antworten
Die Judenbrücke


Blick auf die Judenbrücke Richtung Norden (Foto: Hellmut Worch)

Unter den zahlreichen Brücken Coburgs, sticht die Judenbrücke besonders hervor. Sie ist der älteste Übergang an der Itz der heute noch erhalten ist.
Im Mittelalter gab es insgesamt nur drei Brücken in Coburg. Eine davon war die Judenbrücke. Der Standort war gut gewählt - kamen doch die Kaufleute aus Frankfurt am Main auf der alten Reichsstraße den Judenberg herunter und wollten nach Coburg um hier Rast und Geschäfte zu tätigen. Später ging es weiter nach Prag. Deshalb war hier der Bau einer Brücke zur Überquerung der Itz unbedingt notwendig.
Erstmals wird die Judenbrücke 1470 erwähnt. Damals handelte es sich allerdings nur um ein einen Holzsteg der wohl nur für Fußgänger taugte. Im Jahre 1607 begann man eine größere Brücke aus Eichenholz zu bauen, die erst 1612 fertig werden sollte.


Die Judenbrücke auf dem bekannten Isselburg-Stich aus dem Jahre 1626

Als eine Besonderheit wurde im Jahre 1629 an dieser Brücke ein sogenannter "Naschkasten" errichtet, eine Art Käfig mit aufklappbarem Boden, der zur Bestrafung von Übeltätern diente.
In den folgenden Jahrzehnten waren dann immer mal wieder Renovierungen fällig. Das lag besonders an den Frühjahrshochwassern und dem treibenden Eis auf der Itz, welches der Brücke zu schaffen machten. So wurde 1642 ein neues Geländer auf der Brücke installiert, nachdem das alte durch die Fluten weggespült worden war. Doch bereits 1653 heißt es in einem Art Polizeibericht:

Es ist gefährlich über die Judenbrücke zu reiten, da kein Geländer vorhanden ist. Dem Forstmeister Seel ist ein großes Unglück zugestoßen, indem, er auf die Brücke zugeritten ist, die Enten unter der Brücke aufgescheucht hatte und davon sein Pferd scheu geworden ist und mit ihm in die Itz gesprungen ist.

Eine gründliche Erneuerung ist dann schließlich im Jahre 1667 erfolgt. 1764 zerstörte ein großes Hochwasser die gesamte Holzbrücke. Sie wurde, wie es damals hieß, "weggeführt". Danach führte 20 Jahre ein Provisorium über die Itz.
Am 28. Juni 1783 erfolgte dann die Grundsteinlegung für die heute noch stehende Steinbrücke. Dabei wurden Steine der ehemaligen Coburger Stadtmauer verwendet. Nach Beendigung des Brückenbaus brachte man zwei Schrifttafeln flussaufwärts an, die leider nicht mehr vorhanden sind. Darauf stand in Latein zu lesen:

Dieses öffentliche Werk wurde durch die Bemühungen der Meister Holzbaumeister Johann Michael Roeder und Steinbaumeister Meier durch den Magistrat errichtet.

Dieses Werk wurde wegen der Schwierigkeit der Wasserstauung unter der Regierung des Fürsten und Menschen Ernst Friedrich Herzog von Sachsen errichtet.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts musste die Judenbrücke fast Jahr für Jahr dem Eis und dem Hochwasser trotzen, so zum Beispiel 1819 und 1839 als die Brücke sogar drohte einzustürzen.

Ab 1858 bekam die Judenbrücke eine neue Funktion. Jetzt waren es nicht nur Kaufleute die die Brücke nutzten, sondern auch Bahngäste. In den ersten Jahren nach der Eröffnung des Coburger Bahnhofs gab es dorthin nur einen Zufahrtsweg und das war der durch die Judengasse und über die Judenbrücke. Eine Mohrenstraße oder eine Bahnhofstraße wurden es viel später angelegt.
Auch den zunehmenden Verkehr durch Automobile in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte die Brücke noch aufnehmen. Allerdings kam es im Dezember 1923 zu einem spektakulären Unfall. Ein Lastwagen mit Anhänger stürzte damals von der Brücke in die Itz und nahm dabei das steinerne Brückengeländer mit.
Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts merkte man dass die Brücke den immer größer werdenden Verkehr nicht mehr aufnehmen konnte. Es kam zu dem bis heute umstrittenen Beschluss eine neue Brücke zu bauen, die einige Meter flussaufwärts, errichtet wurde. Seit 1978 nimmt nun diese neue Brücke der Judenbrücke diesen Verkehr ab.


Die Judenbrücke, fotografiert von der Alexandrinenbrücke Richtung Süden (Foto: Christian Boseckert)

Trotzdem hat man die alte Brücke nicht abgerissen. Nein im Gegenteil, sie tut heute noch ihren Dienst, allerdings wie es sich für einen "Senior" gehört nur noch in bescheidener Weise. Und das ist für eine historische Steinbrücke auch gut so.

Verfasser des Artikels:
Christian Boseckert

kilroy ( gelöscht )
Beiträge:

09.10.2005 20:08
#2 RE: Die Judenbrücke Zitat · antworten

ingrid Offline



Beiträge: 2.846
Punkte: 2.846

11.10.2005 16:10
#3 RE: Die Judenbrücke Zitat · antworten
Super gemahct Christian!!


Und wer Schreibfeeler findet, der kann sie behalten!

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