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Dieses Thema hat 12 Antworten
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 Coburger Geschichte
Christian Offline



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30.01.2009 11:29
Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Jahrhunderthochwasser in Coburg
Anfang Februar 1909 wurde Coburg und das Coburger Land von einer schweren Jahrhundertflut heimgesucht. Plötzlich steigende Temperaturen, gepaart mit starken Regenfällen, ließen den Schnee im Thüringer Wald rasch schmelzen. Wie stark der Regen war, zeigt diese Aussage eines Coburgers: „Durch das plötzlich einsetzende Tauwetter und den anhaltenden Regen war heute morgen die Straße Pilgramsroth in einen tosenden wilden Gebirgsbach verwandelt.“ Flüsse und Bäche konnten die Wassermassen von Regen und Schnee nicht aufnehmen. So schwoll ab dem 4. Februar der Wasserstand der Itz und seiner Nebenflüsse stark an. Um zwölf Uhr mittags maß man an der Mohrenbrücke einen Pegelstand der Itz von 2,40 Metern (normal 0,40 Meter). Drei Stunden später erreichte er bereits 3,40 Meter an gleicher Stelle. Die Stadtverwaltung rief noch am gleichen Tag Katastrophenalarm aus. Als erste Maßnahme wurde der Unterricht an allen Coburger Schulen abgebrochen und die Schüler nach Hause geschickt, da man befürchtete, dass die Kinder durch die Flut nicht mehr nach Hause gelangen könnten. Zeitgleich erfolgte die polizeiliche Sperrung aller Coburger Itzbrücken, mit Ausnahme der Ketschenbrücke (heutige Schlachthofbrücke), wegen akuter Einsturzgefahr. Doch es sollte noch Schlimmeres bevorstehen.
Bereits um zehn Uhr abends konnte der Verkehr zum Bahnhof nicht mehr aufrechterhalten werden, da zu diesem Zeitpunkt das Wasser am Bahnhofsplatz bereits 1,20 Meter hoch stand. So blieb den Bahnreisenden von außerhalb nichts anderes übrig, als im Bahnhofsgebäude auf eine Verbesserung der Lage zu warten. Um nicht im Bahnhof übernachten zu müssen, errichtete die Pionierabteilung des hier in Coburg stationierten 6. Thüringer Infanterie-Regiments Nr. 95, zwei Notbrücken zum Bahnhofshotel und zum Hotel „Reichsgraf“. Beide Häuser boten den Reisenden eine Unterkunft für die Nacht.
Am 5. Februar, um ein Uhr morgens, erreichte der Pegelstand an der Heiligkreuzbrücke mit 4, 15 Metern seinen Höhepunkt. Was das Wasser allerdings anrichtete sah die Bevölkerung erst am nächsten Morgen. In den Häusern der Bahnhof-, Kreuzwehr-, Löwen-, Heiligkreuz- und Mohrenstraße (bis zum heutigen Kaufhof) war das Wasser in das Erdgeschoss eingetreten und hatte Ladengeschäfte, Büros und Wohnungen zerstört. Das gleiche Schicksal erlebten die Bewohner der Seifartshof- und Viktoriastraße, sowie der unteren Judengasse, des Zinkenwehrs und des Ernstplatzes. Teilweise von der Flut heimgesucht wurden die Mühl- und Walkmühlgasse. Die Freiwillige Feuerwehr war pausenlos im Einsatz, vollgelaufene Keller leer zu pumpen und größeren Schaden zu verhindern. Unterstützt wurde sie von der Sanitätskolonne Coburg und Mitgliedern der Coburger Stadtverwaltung. Umso erleichterter war man als im Laufe des Tages das Hochwasser langsam zurückging. Nichtsdestotrotz war der Postverkehr weiterhin erheblich gestört und alle Coburger Schulen geschlossen. Teilweise waren auch die Schulgebäude (beispielweise die Heiligkreuz- und Rückertschule) den Fluten zum Opfer gefallen.
Der 6. Februar brachte bereits eine große Entwarnung. So schnell das Hochwasser kam, so schnell ging es wieder zurück und so konnten viele überflutete Straßen wieder passiert werden. Auch der Schulunterricht konnte, mit Ausnahme des Unterrichts an der Heiligkreuz- und Rückertschule, wieder aufgenommen werden. Insgesamt wurde in der Folgezeit zwar zahlreiche Schäden an Brücken und Gebäuden festgestellt, doch Menschen kamen durch diese Naturkatastrophe nicht zu schaden. Die Auswirkungen auf den Landkreis waren wie folgt:

Ketschendorf.
Durch die Überflutung der Itz und des Rückstaus des Ketschenbaches kam es zur Überflutung des westlichen Ortsteils im Bereich des heutigen Postwegs und der Wassergasse. Vieh und Anwohner mussten evakuiert werden. Die Hauptverkehrsstraße von Coburg nach Bamberg (heutige Ketschendorfer Straße) konnte durch den Bau einer Notbrücke vor einer Überflutung bewahrt werden. Die Itzbrücke nach Ahorn stürzte infolge der Wassermassen teilweise ein.

Neuses bei Coburg:
Der Ort war mehrere Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Südöstlich des Ortes (Höhe Rodacher Straße) entstand ein See, welcher bis nach Coburg, an den Kanonenweg reichte.

Cortendorf:
Durch die starke Strömung wurde die Brücke hinter der Brauerei Scheidmantel (heutige Brücke an der Cortendorfer Straße) weggerissen.

Meschenbach und der Itzgrund:
In Meschenbach kam es zur Überflutung des Bahndammes. Der betroffene Bahnverkehr nach Rossach konnte aber aufrecht erhalten werden. Im Itzgrund bildete sich von Coburg bis Rattelsdorf ein großer See, welcher sämtliche Felder, Straßen und Brücken bedeckte.

Neustadt bei Coburg:
Die Stadt blieb weitestgehend von der Hochwasserkatastrophe verschont. Lediglich die Wohnhäuser, welche direkt am Fluss Röden angrenzten, standen unter Wasser und wurden beschädigt.

Oeslau und Mönchröden (heutiges Rödental):
Das Hochwasser überflutete die Rödenbrücke in Mönchröden, wodurch beide Ortsteile voneinander abgeschnitten waren. Der Bahnhof Oeslau (heute Bahnhof Rödental), die Domäne und die Kirche St. Johannis standen ebenfalls unter Wasser.

Das Rodachgebiet:
Das Gebiet zwischen Rodach, Großwalbur und Gauerstadt glich einem großen See. In Großwalbur zerstörte das Hochwasser eine Brücke und überflutete den Bahndamm der Strecke Coburg – Rodach. Der Sachschaden blieb allerdings gering.

Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 war jedoch kein lokales Ereignis. Die Flut hatte große Teile Thüringens, Frankens, Hessens, des Rheinlandes und des Elbegebietes bei Magdeburg heimgesucht. Heute wird die Stadt Coburg durch den Froschgrundsee, und in wenigen Jahren auch vom Goldbergsee bei Neuses, vor großen Hochwassern geschützt.

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Jürgen Offline



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30.01.2009 11:40
#2 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Christian,
Hinter der Scheidmantel war - zumindest ab den 50er Jahren keine Brücke mehr vorhanden.
Die jetzige Brücke im Trassenverlauf der Cortendorfer Straße wurde erst in den 70er Jahren gebaut (ich war damals Bauleiter). Von irgendwelchen Fundamenten oder Brückenresten haben wir weder an der Itz noch am Hahnfluss irgend Spuren gefunden - auch beim Kanalbau nicht.
Gruß Jürgen

Stefan Offline




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30.01.2009 16:28
#3 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Christian,
sehr schöner Beitrag.
Ich habe noch ein Foto von der überschwemmten Heiligkreuzschule, muss mal suchen ....

gerd Offline



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30.01.2009 17:25
#4 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Auf dem Foto 3 und 4 von Norbert,ist sehr schön das Gebäude "vom Gagel"-(Hintergrund-Bildmitte)zu sehen.Dort mündet die Lauter in die Itz.Und das war schon immer ein kritischer Punkt.Deshalb wurde dort in den 5o er Jahren eine gekrümmte Betonmauer errichtet,die den Einlauf der Wassermassen der Lauter in die Itz verbessern sollte.(Sieht man heute noch).Ob der Bau der Mauer gleichzeitig mit dem Neubau der Heiligkreuzbrücke einher ging?-Erinnert sei,das damals neben der Heiligkreuzbrücke ein Holzsteg für Fussgänger errichtet wurde,wie er auch neben der alten Judenbrücke längere Zeit stand.(dieser Holzsteg an der Judenbrücke ist gut auf dem Hochwasserfim von 1967 zu sehen)

Christian Offline



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30.01.2009 20:20
#5 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Jo, aber das war nicht vor 100 Jahren

Jürgen Offline



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31.01.2009 11:24
#6 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Gerd,
derartige Uferbefestigungen erfolgen auch meist bei Brückenneubauten - so mit Sicherheit auch hier.
Mit solchen Baumaßnahmen will man Auskolkungen u. ä., die durch den Brückenneubau entstehen könnten (strömungstechnisch), vermeiden.
Übrigens, der damalige Holzsteg bei der Heiligkreuzbrücke ist mit dem an der alten Judenbrücke identisch; dieser wurde nur den neuen Gegebenheiten angepasst und repariert. Die Heiligkreuzbrücke wurde übrigens im Jahr 1955 erneuert.
Gruß Jürgen

gerd Offline



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31.01.2009 12:29
#7 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Jürgen,ist noch bekannt,wann der Holzsteg an der Judenbrücke dann errichtet wurde?-Ich glaube der stand längere Jahre dort?
gruß Gerd

Christian Offline



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31.01.2009 13:10
#8 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Gerd,
der Fußgängersteg an der Judenbrücke existierte von 1963 bis 1980 (Vgl. Boseckert - Judengasse, S. 16 und 17)

Zu Jürgen,
die Information über eine Brücke hinter der Brauerei Scheidmantel habe ich aus der Coburger Zeitung von Anfang Februar 1909. Anscheinend muss zumindest in dieser Gegend eine Holzbrücke gestanden haben.

gerd Offline



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31.01.2009 13:14
#9 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Christian,ich streue Asche auf mein Haupt!!

Christian Offline



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31.01.2009 13:17
#10 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Ich sag immer Gerd, man muss im Leben nichts wissen, nur wo es geschrieben steht.

Jürgen Offline



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31.01.2009 14:20
#11 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Christian,
das war auch meine Vermutung: Nur dürfte der damals gebrauchte Begriff "Brücke" etwas hochgegriffen oder zumindest irreführend sein. Wahrscheinlich handelte es sich um einige über das Flussbett und mit Bohlen abgedeckte Baumstämme, die u. U. nach Hochwässern immer wieder erneuert werden mussten und nur als Feld- oder Weidezufahrt dienten.
Da ja dsa ganze dortige Gebiet vor meinen Baumaßnahmen ausschließlich landwirtschaftlich genutzt wurde, nehme ich persöblich an, dass diese "Brücke" in der Hauptsache der Zufahrt zu dem Geländestück zwischen Itz und Hanfluss diente.
Die Trassenführung der Rosenauer Straße ist nach meiner Meinung alt - erkennbar an der Bebauung (Scheidmantel und Brauereigaststätte), so dass das Gelände westlich der Itz jederzeit einfach erreichbar war.
Gruß Jürgen

Stefan Offline




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31.01.2009 14:57
#12 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Hallo Jürgen,
bevor die Cortendorfer Str. gebaut wurde, gab es einen Fußweg durch die Felder vom ehemaligen Sportplatz des TSV Cortendorf (zuvor der "Große Eisteich" der Brauerei Scheidmantel) zum Griesbach.
Ich kann mich auch noch an Schrebergärten oder besser Gemüsegärten am Hahnfluß etwa auf Höhe des heutigen Vitadroms erinnern.
Auf einem Plan von 1862 von Cortendorf kann ich keine Straße oder Brücke erkennen.
Es gab allerdings schon immer eine kleine Brücke von der Brauerei über die Itz zu den Eisteichen. Diese ist aber etwas erhöht gebaut und kann nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Jürgen Offline



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31.01.2009 15:18
#13 RE: Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 (Beitrag vom 30.01.2009) Zitat · antworten

Genauso habe ich es noch in Erinnerung - man muss nur aufpassen, dass man nicht verschiedene Baumaßahmen durcheinander bringt!
Gruß Jürgen

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