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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Coburger Geschichte
Christian Offline



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26.03.2009 22:45
Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Vor 100 Jahren starb einer der bekanntesten Coburger Künstler. Sein Name findet sich sogar in einem bekannten Internet-Lexikon und sucht man nach ihm in den bekannten Suchmaschinen, so finden sich zahlreiche Abbildungen seiner Werke. Gemeint ist hier der Bildhauer Ferdinand Lepcke, der am 23. März 1866 in Coburg, im Hause Leopoldstraße 27, geboren wurde. Sein Vater Ernst betrieb dort eine Gastwirtschaft, welche später den Namen „Himmelsleiter“ und „Neue Welt“ trug. Der junge Lepcke verlebte seine früheste Kindheit in der Leopoldstraße. Schon bald erkannte man sein künstlerisches Talent. Dieses zu fördern, machten sich seine Eltern zur Aufgabe. So schickten sie ihn nach Berlin, wo er im Atelier der Brüder Biber und an der Schule des Kunstgewerbemuseums seine Ausbildung zum Bildhauer erhielt. Von 1882 bis 1892 studierte er schließlich an der Berliner Kunstakademie und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammten. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer. Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er 1891 den großen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Im Jahre 1897 wurden in Berlin und in Bromberg / Westpreußen (heute in Polen liegend) seine ersten Werke aufgestellt. Dabei handelte es sich um die Statuen „Bildhauer“, einst vor der Berliner Nationalgalerie stehend, und die „Bogenspannerin“. Einen Abguss der „Bogenspannerin“ findet sich noch heute in Coburg, an der Bahnhofstraße. Dieser entstand 1908 und wurde vier Jahre später an der Ecke zur Itzanlage aufgestellt. Doch es finden sich noch weitere Werke des Künstlers in Coburg. Auf Kosten des preußischen Staates schuf Lepcke im Jahre 1902 für die Stadt Bromberg den „Sintflutbrunnen“. Im gleichen Jahr machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Auch sollte ein zweiter Sintflutbrunnen in Coburg entstehen. Nach ersten Bedenken stimmten der Stadtrat und das herzogliche Staatsministerium 1905 der Idee Lepckes zu. Als Standort wählte man die sogenannte „Zollbauerswiese“, den heutigen Rosengarten Für dieses Modell nahm Lepcke geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich. Die Einweihung des Brunnens fand schließlich am 15. November 1906 in Beisein des Herzogspaares statt. Lepcke wurde in diesem Zusammenhang das Ritterkreuz 1. Klasse verliehen. Nach diesem Exkurs in die Geschichte des Sintflutbrunnens sollen nun auch seine anderen Werke vorgesellt werden. Von dem Künstler stammt nämlich auch die Bronzefigur „Heimkehr“ auf dem Ernstplatz. Ihre Aufstellung erfolgte 1908. Eine lebensgroße Bronzestatue der Phryne, ein Werk das Lepcke bereits 1900 für eine Liegewiese am Schlachtensee in Berlin geschaffen hatte, findet sich im Hofgarten, in der Nähe des Kunstvereins. Dieser Abguss, der ursprünglich am Schillerplatz aufgestellt war, wird auf das Jahr 1908 datiert. Über die zahlreichen Arbeiten Lepckes, die außer den bisher erwähnten in Coburg noch vorhanden sind, liegen genaue Aufzeichnungen im Stadtarchiv, bzw. in den Städtischen Sammlungen vor. Umfangreiche Ausführungen dazu bietet ein Führer von Coburg aus dem Jahre 1921, bearbeitet von Heinrich Langbein, und mehrere Hinweise in den Häuserbüchern Ernst Cyriacis. Dabei handelt es sich um kleinere Figuren aus Bronze oder Gips. Die Namensbezeichnungen lauten u.a.: „die Badende“, „am Bach“, „das böse Gewissen“, „die Wasserträgerin“, „Hero“, „Überrascht“, „Wiedersehen“ oder „Riesenspielzeug“. Bemerkenswert ist noch die Figur des „Phidias“. Diese Plastik stellt den großen Meister der griechischen Bildhauerkunst dar und ist im westlichen Hofgartenpavillon (im Volksmund auch „Milchhäusle“ genannt) untergebracht. Bei diversen Musemsnächten kann sie besichtigt werden. Das Werk in Marmor befindet sich in der Berliner Nationalgalerie. Lepcke hat im Übrigen alle oben erwähnten Plastiken seiner Vaterstadt vermacht. Leider schlummern diese noch in den Depots der Städtischen Sammlungen und sind so der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aus der näheren Umgebung ist allerdings noch ein Werk Ferdinand Lepckes bekannt. 1908 schuf er für den Bismarckturm in Hildburghausen ein Bronze-Relief, das noch heute das Bauwerk ziert. Weitere Werke waren dem Künstler aber nicht mehr vergönnt. Ferdinand Lepcke starb am 12. März 1909 im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung in Berlin. Heute erinnern seine Schöpfungen an diesen bedeutenden Coburger Künstler. Sein Geburtshaus in der Leopoldstraße fiel in den 1980er Jahren einem Neubau zum Opfer.

Abbildungen:
1. Ferdinand Lepcke und sein Werk der Sinflutbrunnen (Sammlung Christian Boseckert)
2. Die Bogenspannerin in der Bahnhofstraße (Sammlung Christian Boseckert)
3. Die Phyrene im Hofgarten (Foto: Christian Boseckert, 2008)

Angefügte Bilder:
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 Brunnen & Ferdinand Lepcke.jpg  Bogenspannerin.jpg  Nackt.jpg 
gerd Offline



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28.03.2009 12:53
#2 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Christian, ist es möglich,das in der Gaststätte "Neue Welt" in der Leopoldstr.die Vereinsbrauerei als Bierlieferant tätig war?
War das später von der Ev. Kirche ein Objekt?Ich hab doch irgendwo gelesen,das die Brauerei dort als Lieferant oder sogar als Besitzer des Anwesens in Erscheinung trat!?
gerd

Christian Offline



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28.03.2009 14:00
#3 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Hallo Gerd,
deine Annahme ist richtig. Die Vereinsbrauerei lieferte viele Jahre das Bier für die "Neue Welt". Das Lokal war auch lange Zeit Versammlungs- und Einkehrstätte der Coburger SPD. 1897 werden Beinert & Recknagel (= Vereinsbrauerei) als Eigentümer des Hauses genannt. Beide verkauften das Anwesen während des 1. Weltkrieges an die Holz- und Rohrmöbelfabrik Derichs & Sauerteig, ansässig in der Uferstraße.
Ab 1927 findet sich die Evangelische Kirchengemeinde als Hauseigentümer in den Adressbüchern. Es diente seinerzeit als Gemeindehaus, bevor das neue Gebäude am Glockenberg 1959 eingeweiht wurde. Danach erfolgte der Verkauf an die katholische Kirchengemeinde. Diese riß das Gebäude in den 1980er Jahren ab. In dem Neubau befindet sich meines Wissens nach die Geschäftsstelle der Caritas.

Gruß
Christian

Christian Offline



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31.03.2009 12:24
#4 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten
Hier noch zwei Bild-Zusätze zum Thema Lepcke:



Die Bronzestatue "Heimkehr" auf dem Ernstplatz



Das Haus Leopoldstraße 27 heute. Im Vorgängerbau wurde Lepcke 1866 geboren.
gerd Offline



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31.03.2009 13:37
#5 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Christian, bei dem Haus dort,habe ich doch noch einen Durchgang, mit einer Treppe im Gedächtnis, die hinauf zum Garten führte?Unten war eine Gittertüre vorhanden.(gibts da von dem haus evtl. ein Foto?)
gerd

Christian Offline



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31.03.2009 13:52
#6 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Gerd ich habe von dem Haus und dem Durchgang ebenfalls ein Foto gemacht. Bei unserer letzten Exkursion (du erinnerst dich vielleicht) habe ich von den Biergärten am Festungsberg gesprochen. Dieser Durchgang führte einst zum Biergarten der Loreley, welcher bis zum Hofgarten reichte. Der katholische Kindergarten war damals noch nicht gebaut worden und befindet sich auf dem Gelände dieses Biergartens.

Gruß
Christian

Coburgerin Offline



Beiträge: 347
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29.12.2011 03:53
#7 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

Die Bogenspannerin in der Bahnhofstraße

Die hat mir schon immer gut gefallen. Hab oft auf der Bank gesessen und sie angeschaut. Aber das ?Häuschen? dahinter, oder viel mehr davor, kenn ich net.

Christian Offline



Beiträge: 5.735
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27.12.2012 22:25
#8 RE: Coburger Künstler - Ferdinand Lepcke (Beitrag vom 27.03.2009) Zitat · antworten

In den Kunstsammlungen der Veste Coburg werden zur Zeit die Werke Ferdinand Lepckes ausgestellt. Sie entstammen hauptsächlich aus dem Depot der Städtischen Sammlungen.

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