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 Coburger Geschichte
Christian Offline



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08.05.2009 08:51
Das Prinzenpalais in der Steingasse (Beitrag vom 08.05.2009) Zitat · antworten
Das ehemalige Prinzenpalais, ein langgestreckter viergeschossiger Bau, der die Südseite der Steingasse gegenüber dem Schloss Ehrenburg bestimmt, diente im 18. Jahrhundert als Residenz des Coburger Erbprinzen. Das chronologisch 1464 datierte Haus ist urkundlich im Besitz des Coburger Bürgers Heinrich Bucher 1468 nachweisbar und umfasste den Flügel zur Steingasse. Die Buchers bewohnten nach dem Häuserforscher Ernst Cyriaci die Hofstatt von 1406 bis 1604. Im Jahre 1483 kaufte Heinrich Bucher ein ehemaliges Beginenhaus an der Seite zum Kirchhof dazu, wodurch er sein Grundstück vergrößern konnte. Damit war der heutige Umfang des Anwesens bereits am Ende des 15. Jahrhunderts erreicht. Ein baugeschichtliches Zeugnis aus jener Zeit ist der sogenannte Sitzungssaal im Erdgeschoss des Hauses. Hier hat sich noch die spätgotische Bohlenbalkendecke mit Farbmalereien erhalten, die jedoch aus statischen Gründen mit verdoppelten Unterzügen mit Schiffskehlprofil und an den Außenwänden von einfachen Streichbalken gestützt werden muss. 1731 fanden aufgrund akuter Baufälligkeit umfangreiche Umbauten im Haupt- und Rückgebäude für den Sitz der Geheimen Ratskollegien (Vorläufer des späteren Staatsministeriums) statt. Aus dieser Zeit stammen die drei Rundbogenportale an der Steingasse bzw. am Kirchhof. Von 1740 bis 1827 existierte vom Haus ein herrschaftlicher Gang zur Morizkirche. Seine Reste sind noch heute an der Fassade der Stadtpfarrkirche erkennbar. Dieser Gang war auch notwendig geworden, da zwischen 1786 und 1800 der damalige Erbprinz Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld das Gebäude als Residenz wählte. Hier lebte er mit seiner Familie und hier wurde vermutlich auch u.a. sein Sohn Leopold, der spätere erste König der Belgier geboren. Der Erbprinz ließ einige Räume im klassizistischen Stil ausstatten. Zwei Zimmer davon sind noch weitgehend original erhalten. In einem davon, einem Salon mit klassizistischer Wandvertäfelung, hat gegenwärtig der 3. Bürgermeister der Stadt Coburg sein Arbeitszimmer. Ab 1803 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1808 bewohnte der Coburger Staatsminister Theodor von Kretschmann das Anwesen. In dieser Zeit wurde das Gebäude „Ministerium“ genannt. Die Schultradition des Hauses begann 1848 als die Realschule dort einzog. Diese hatte noch bis 1965 zwei Klassen in dem Hause untergebracht, obwohl es, erst durch die Oberrealschule, dem späteren Gymnasium Ernestinum und der im Jahre 1955 eröffneten Realschule am Glockenberg bereits andere Schulstandorte gab. Auch die Hochschule Coburg hatte in diesem Haus ihre Wurzeln. Sie zog hier 1894 als herzogliche Baugewerksschule ein. Danach wechselten häufig die Bezeichnungen. Ab 1920 hieß die Einrichtung Staatliche Bauschule, später Höhere Technische Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Staatsbau- und Ingenieurschule bezeichnet. Bis zur Eröffnung des neuen Hochschulgebäudes im Jahre 1967 hinter dem Schloss Hohenfels, blieb diese Schule im Hause Steingasse 18 – 20 ansässig. Anschließend, bis in die 1980er Jahre hinein, diente das Haus noch den Coburger Gymnasien als Ausweichquartier. Eine Diskussion um eine neue Nutzung oder den Abbruch des leer stehenden Gebäudes setzte allerdings im Jahre 1972 ein, die acht Jahre später zu Überlegungen über die Umnutzung des Prinzenpalais führte. Die zum Teil durchgreifende Neugestaltung des Komplexes als Ämtergebäude der Stadtverwaltung, vor allem als Sitz der Bau- und Schulbehörden der Stadt, erfolgte 1987 nach dem Abbruch des Rückgebäudes, welches bereits drei Jahre zuvor abgerissen wurde. Im Jahre 1989 konnte das neue Ämtergebäude der Stadt seiner Bestimmung übergeben werden. Die Baumaßnahmen waren damals allerdings sehr umstritten. Vor allem die Tatsache, dass durch einen neuen Flügel im Kirchhof, die alte Ratsschule aus dem Jahre 1576 abgerissen wurde, lag den Coburgern besonders schwer im Magen. Bei den Arbeiten dort stieß man auf die Reste der alten Benediktinerpropstei aus dem 13. Jahrhundert. Sorgfältig wurden die Mauerreste damals freigelegt, so dass diese heute noch im Keller des Ostflügels des Ämtergebäudes im Rahmen des Grabungsmuseums dem Besucher frei zugänglich sind. An die Zeit als Prinzenpalais erinnert eine Gedenktafel am Haus, welche 1981 im Zuge der 150-Jahr-Feier der Ausrufung Prinz Leopolds von Sachsen-Coburg zum König der Belgier, enthüllt wurde.

Bildquellen:
Bild 1: Altansicht nach Leopold Oelenheinz (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 1: Das Prinzenpalais als Baugewerkschule (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg)
Bild 2: Das Herzogspaar Auguste Caroline Sophie und Franz Friedrich Anton (Sammlung HG Coburg)
Bild 3: Gedenktafel für Leopold I. König der Belgier (Sammlung Christian Boseckert)
Bild 4: Das heutige Gebäude (Sammlung HG Coburg)
Angefügte Bilder:
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