|
Patrick, hier ist was ich über den Stetzenbach hab. Ich hab auch ein altes Bild vom Gefängnis, von oben in der Straße gesehen, weiß aber nicht wie ich das hier reinbringe.
Der Stetzenbach Durch die heutige Leopoldstraße in Coburg, die bis 1850 Steztenbach hieß, floß in früherer Zeit ein Bach, der Stetzenbach, der auch der Straße ihren Namen gab. Der wasserreiche Bach, der vom Pilgramsroth kam und durch die Quellen im Probstgrund und in der Weinstraße verstärkt wurde, hatte für die Stadt große Bedeutung. Nicht allein, das sein Wasser die Stadtmühle in der Herrngasse betrieb, füllte er auch die Gräben vor der Stadtmauer. Er konnte aber auch für die Anwohner sehr gefährlich werden. Bei Unwettern flossen so gewaltige Wassermengen in den Bach, das er über seine Ufer trat und die Häuser an der Straße unter Wasser setzte. Am 5. Juli 1679 in der Nacht was so großes Wasser im Stetzenbach das alle Keller voller Wasser standen. 1761 um Johanni waren zahlreiche Gewitter, die mit Wolkenbrüchen verbunden waren, dadurch dreimal der Stetzenbach in der nach ihm benannten Vorstadt in dem Eckhaus bei dem Brunnen bis an das unterste Fenster stand. 1784 Ende April war im Steztenbachdie Wassernot so groß, das die Einwohner den Einsturz ihrer Häuser befürchteten.
Ein Wolkenbruch, der am 9.Juli 1926 auf der Brandensteinebene nieder ging, war die Ursache, das gewaltige Wassermassen zu Tal gingen, die großen Schaden anrichteten. Der neue Kanal in der Leopoldstraße konnte die Wassermassen nicht fassen. Die schweren Schachtdeckel wurden in die Höhe gehoben, und bald floß in der Straße das Wasser über einen Meter hoch. Die unteren Räume der tiefstehenden Häuser standen bald vollständig im Wasser. Die gewaltigen Wassermassen kamen so schnell herunter, das ein Mann im Hause Leopoldstraße 1 von ihnen überrascht wurde und die Tür seines Zimmers im Erdgeschoß nicht mehr aufbrachte, da der Hausplatz voll Wasser stand. Da das Fenster vergittert war, konnte er sich nicht mehr selbst befreien. Er konnte erst im letzten Augenblick noch gerettet werden.
Der Lauf des Stetzenbaches Im Stetzenbach (Straße) früherer Zeit jahrhundertelang offen auf der rechten (südlichen) Seite der Bach, viel tiefer als die Leopoldstraße heute liegt. Die Häuser gegenüber zeigen noch die Höhe der alten Straße. Treppenstufen führen hinunter in den Hausplatz und die Fenster sitzen tief, eine Folge späterer Auffüllung zum Teil in der Zeit, als man den Bach abdeckte. Am Ende der Leopoldstraße bog der Bach zum Schloßplatz hinum und verzweigte sich dort. Ein Arm floß an der äußeren Stadtmauer hin durch die Schwarze Allee und mündete bei der Hahnmühle in den Hahnfluß. Von der Hahnmühle führte ein Steg über den Bach. Ein Tor in der Mauer öffnete den Weg zur Mühle.
Ein weiterer Arm floß an der inneren Stadtmauer entlang, den Graben an der Ost-und Nordseite des Schlosses füllend, nach Westen bis an den Salzmarkt, über den Theaterplatz und weiter an der Georgengasse entlang. Auf dem ehemaligen Graben stehen heute die Gebäude der Coburger Bank und Alberti, wo beim Bau der Keller 1954 der Graben gefunden wurde. Weiter floß er zwischen dem Spitaltor und seinem Vortor, dem äußeren Spitaltor, und an der Mauer entlang. Bei der Grabengasse wendete er sich zur Mühlgasse und mündete dort in den Hahnfluß. Das war jedoch erst in späterer Zeit. Vorher floß der Bach weiter zum Judentor. Der Graben wird wohldort in den Ablauf des Schloßgrabens geleitet worden sein. 1462 wurde der Graben vom Spitalturm bis an das Judentor an Heinz Eßbacher auf 12 Jahre, jedes Jahr 4 Gulden überlassen, vermutlich für Fischzucht. 1631 gegen Ende des Monats Mai färbte sich das Wasser in dem Stadtgraben vor dem Judentor gegen das Spitaltor rot wie Blut. Der Ablauf des Schloßgrabens führte durch die Herrngasse über den Markt und durch die Judengasse in den Hahnfluß beim äußeren Judentor. Von ihm wird berichtet: Am 25. März fiel mitten auf dem Markt ein Loch ein. Die Wächter fanden einen alten Dohlen, so mit Eichholz bedeckt gewesen, welcher von der Herrengasse nach der Judengasse ging. Ehedem soll der Stetzenbach diesen Lauf gehabt haben und das Haus Nr. 203 auf dem Markt eine Mühle gewesen sei. Ein anderer Bericht darüber lautet: In der Stadt befindet sich eine Mühle in der Herrngasse 201, deren Rad das Wasser eines Baches aus dem Stadtgraben an der jetzigen Ehrenburg inBewegung setzte, und welches an dem langen Kram am Regierungsgebäude, die Judengasse hinab, in den Hahnfluß floß. Über die Mühle selbst wird berichtet: Das Haus Bezirk III Nr. 77 (heute Herrngasse 2) die alte Heuwaage, war früher eine Mühle, die das Wasser zum Betrieb aus dem Stadtgraben erhielt. Die ehemalige Heuwaage und die frühere Kemenate (Herrngasse 4) wurden 1821 vom Magistrat an den Bierbrauer Braun verkauft.
Der Kanalbau Als Wallgräbern für die Stadt nicht mehr notwendig waren, begann man 1798, sie einzuebnen und Anlagen zu schaffen. So brauchte man auch das Wasser des Stetzenbaches nicht mehr zum Füllen der Gräben. 1810 wurden die Schloßgräben eingeebnet und der Stetzenbach umgeleitet. 1810 dem 10.September Kanalbau im Stetzenbach aus Steinen abgetragener Stadtmauern. In diesem Jahre wurde auch der Stetzenbach, welcher vorher in die Schwarze Allee hinabfloß, durch einen Dohlen nahe dem Ketschentor zugeleitet. Der Dohlen, ein unterirdischer Kanal, begann vor dem Marstall. Er kreutzte die Steingasse vor dem inneren Steintor und führte zur Unteren Anlage. Bis hierher besteht der Kanal vermutlich nicht mehr. Der weitere Verlauf des Stetzenbaches ist noch zu verfolgen: Untere Anlage, am Bärenturm vorbei zum Lichten-steinturm, an der Casimirstraße entlang, am Ketschentor vorbei zur Goethestraße, durch das Grundstück Lungershausen an der Goethestraße, durch das Grundstück Geith am Schillerplatz hin zur Itz.
Über diesen Kanal ist zu berichten: Beim Bau eines Wasserbasins für den Luftschutz im zweitren Weltkrieg wurde in dem Rasen vor der Ratsschule in der Unteren Anlage dieser Kanal wieder gefunden. Bis zum Salvatorfriedhof wurde er damals festgestellt. Bei der Verlegung der Fernheizung in der Unteren Anlage im Jahre 1957 wurde der unterirdische Kanal des einstigen Stetzenbaches wieder aufgefunden. Sein Verlauf wurde vom Anfang der Unteren Anlage bis zum Lichtensteinturm erforscht und im Plan eingetragen. Er verläuft im Rasen neben dem Weg durch das im zweiten Weltkrieg angelegte Löschwasserbasin, vor dem Bärenturm vorbei und dann neben dem Weg vor der Friedhofsmauer entlang zum Lichtensteinturm. An verschiedenen Stellen wurden auch Einstiegsschächte gefunden: vor der Ratsschule, nach dem Bärenturm, vor der Friedhofsmauer und beim Lichtensteinturm. Der Kanal bis zum Bärenturm ist aus Sandsteinen gemauert und mit einem Kreisbogen abgedeckt. Die Wandstärke beträgt etwa 30 cm. Die Höhe des Kanals ist unterschiedlich: die größte Höhe hat er vor der Ratsschule mit 1,90 m, die kleinste beträgt 1,50 m. Auch die lichte Weite beträgt 0,65 bis 1 m.
Der Kanal ist trocken, ein Zeichen, das das Wasser des Stetzenbaches nicht mehr durchfließt. Vor dem Bärenturm mündet einzweiter, etwas niedriger und schmaler Kanal beim ersten Schacht in den alten Kanal. Er kommt von der Oberern Anlage her. Beim dritten Schacht in der Unteren Anlage zweigt der offentsichtlich neuere Kanal wieder ab und wendet sich nach dem Albertsplatz zu. In diesem Kanal fließt klares Wasser. Der alte Kanal vom Bärenturm an, am Lichtensteinturm vorbei, durch die Casimirstraße bis zum Ketschentor, ist ein Sandstein-gewölbe, etwa 1 m hoch und breit. Vom Ketschentor an bis zur Itz liegen Betonrohre mit einem Durchmesser von 1 m. Am Mühldamm münded der alte Stetzenbachkanal in die Itz.Ein Teil des Wassers aus dem von der Oberern Anlage kommenden Kanals floß bei dem Wolkenbruch im Jahre 1926 beim Schacht in der Unteren Anlage in den alten Kanal und machte eine Reinigung notwendig. Für gewöhnlich ist auch dieses Kanalstück trocken. 1821 wurde in Coburg damit begonnen, den Stetzenbach, der in einem offenen Graben durch die Stadt floß, mit Steinen abzudecken.
Am 3.September 1826 war der Kanalbau beendet. Die Kosten wurden zum Teil von den Anliegern aufgebracht. Die Steine zum Abdecken hatten die im Steztenbach wohnenden Geschirrhalter größtenteils unentgeltlich angefahren. Die meisten Hausbesitzer im Stetzenbach hatten ihren Anteil an den Kosten pünktlich bezahlt. Zwei Handwerker aber weigerten sich und waren durch nichts zu bewegen, ihren Betrag zu leisten. Die Stadt aber wollte das Geld haben. Schließlich beschloß der Magistrat, das rückständige Geld einzutreiben. Der Beschluß lautete: Da der Schuhmacher Meister Gutgesell die zum Kanalbau im Stetzenbach annoch schuldigen Beyträge von 14 fl. rhein. in Güte noch immer nicht bezahlt hat, wo wird der Amts-und Stastgerichtsdiener Zeidler hierdurch beauftragt, sich bey dem Mstr. Gutgesell solange gegen die tägliche Gebühr von 12. kr. rhein. auf Exekution einzulegen, bis derselbe Zahlung geleistet hat. Nach Verlauf von 3 Tagen ist übrigens von dem Erfolg der Exekution Anzeige zu machen, damit im Falle, das sich der Schuhmacher Mstr. Gutgesell länger seiner Zahlung-Verbind-lichkeiten zu entziehen suchen sollte, die Auspfändung alsbald verfügt werden kann. Schuhmacher Gutgesell zahlte darauf gleich seinen Betrag zu dem Kanalbau.
Jetzt ging der Magistrat gegen den zweiten Säumigen vor. Der Beschluß lautete: nachdem der Schuhmacher Mstr. Gutgesell Zahlung geleistet hat, der Webermeister Knoth aber noch mit 5 fl. 30 kr. Beytrag im Rückstand ist, so hat sich der Amtsdiener Zeidler auch bey diesem gegen die tägliche Gebühr von 6 kr. auf Exekution einzulegen. Ob und wann der Webermeister seinen Betrag bezahlt hat, wird nicht berichtet. Wenn er aber von dem Einlieger befreit sein und die drohende Auspfänderung verhüten wollte, so mußte er zahlen.
Vor dem Eintritt des Baches in den ausgemauerten Kanal am oberen Ende des Stetzenbaches war der Bach durch eine Schütze abgeschlossen, so das sich gegenüber dem herzöglichen Waschhaus, (1861 wurde es als Schwugericht umgebaut-Gefängnis Leopoldstraße 57) eine größere Wassermenge sammeln konnte. Dieser kleine Teich, später Feuerteich genannt, wurde Ende des 19. Jh zugeschüttet. Ein Stück oberhalb des Teiches war der Bach überbrückt. Von der Überbrücking an baute der Besitzer des Grundstückes Döbrich aus Quadersteinen einen überdeckten Kanal, der sich dann verzweigte. Dadurch wurde Boden gewonnen und 1872 ein Haus mit Garten in dem Dreieck erbaut. Vorher stand eine Scheune dort. Im Volksmund wurde das Haus Kaffeemühle genannt. Als Verkehrshindernis wurde es 1939 abgerissen. Später baute man einen Kiosk an seine Stelle.
Der Stetzenbach heute Viele Jahre war der alte Stetzenbach verschwunden. Die alten Stetzenbacher erzählten immer noch von ihm, was sie von ihren Vorfahren gehört hatten. Aber genaueres wußten sie nicht. Erst 1966 tauchte der alte Kanal wieder auf. Im Oktober und November 1966 wurde bei Aufgrabungsarbeiten in der Leopoldstraße-es wurden Wasser-und Gasleitungen neu verlegt-der alte Stetzenbach aufgedeckt. Vor dem Haus Nr. 32 läuft er direkt am Bürgersteig hin. Vor dem Haus Nr. 48 an verläuft er, vom Probstgrund kommend, schräg über die Straße nach dem Bürgersteig vor Haus Nr. 46. Von da wird er in den einstigen Feuerteich gemündet sein. Der Boden des Kanals ist mit trockenem Schlamm bedeckt. Von der Abdeckung bis zur Straßendecke wurden vor den Häusern 46 und 48 etwa 70 bis 100 cm, vor dem Haus 32 über 1 m gemessen. So viel tiefer floß der alte Stetzenbach. Im unteren Teil der Leopoldstraße wurde der Graben nicht angetroffen. Hier floß er wohl tiefer und die Aufschüttungen waren höher. Der alte Lauf des Stetzenbaches besteht also nicht mehr.
Dem Wasser aus dem Pilgramsroth, dem Probstgrund und der Weinstraße wurde ein neuer Weg gegraben. 1910 bis 1912 wurde ein neuer Kanal gebaut. In ihm fließt nun das Wasser des alten Stetzenbaches. Vor dem ehemaligen Gefängnis in der Leopoldstraße befindet sich ein Versatzung (Reiniger) in dem sich das Wasser vom Pilgramsroth, dem Probstgrund und der Weinstraße sammelt und der mitgeführte Schlamm sich absetzt. Der neue Kanal führt in der Mitte der Leopoldstraße hin zur Straße Hinterm Marstall, kreuzt die Steingasse, dann ein Stück durch die Obere Anlage und schräg hinunter zur Unteren Anlage, wo er bei Schacht 1 vor dem Bärenturm den alten Kanal trifft. Bis zum Schacht 3 läuft das Wasser im alten Kanal. Hier trennt er sich wieder. Der neue Kanal führt durch die Untere Anlage zumAlbertsplatz, weiter dann zum Grundstück der Landwirtschaftschule. In Richtung Westen endet er am Mühldamm in der Itz. Der Stetzenbach besteht demnach immer noch. Nur der Weg hat sich geändert. Aber immer noch fließt sein Wasser in die Itz.
| |