RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#11 von Weinwanderer , 12.10.2009 13:25

Offenbar habe ich mit meinem kleinen Bitrag in ein Wespennest gestochen, wie die teilweise erregten Äußerungen zeigen. Christan hat sich seinem Wesen als Historiker entsprechend erfreulich sachlich geäußert, auch dem, was faraway schreibt kann ich teilweise zustimmen.
Natürlich war auch CE ein Kind seiner Zeit. Das sind wir alle. Mit diesem Satz kann man aber letztlich alles entschuldigen. Auch ein Schwede-Coburg war, um ein Beispiel zu nennen, war ein "Kind seiner Zeit". Ich hoffe nicht, das jetzt Leute aufstehen und Schwede-Coburg verteidigen. Ich meine, dass man, auch dann, wenn einem seine Heimatstadt und die schöne Umgebung von Coburg gefällt, man gleichwohl das Recht hat, auch manche dunkle Stellen, die es auch in der
Coburger Vergangenhet leider gibt, in einem Forum über die Geschichte Coburgs anzusprechen.
Die allgemine Geschichte Deutschlands ab Oktober 1918 ist mir wohl bekannt, vielleicht mehr als machem, der hier in diesen Forum beteilgt ist. Es ist für mich nachvolziehar, dass große Teile des Bürgertums Furcht vor einer Machtübernahme durch eine rote Revolution hatten und dass die militärische Gegenwehr dagegen Zustimmung und Unterstützung bei vielen fand. Das werfe ich keinem vor; kaum einer (auch ich nicht)kann sicher sagen wie er sich damals verhalten hätte. Begründet war die Furcht vor einer wirksmamen roten Machtübernahme wohl nicht, wie viele Historiker sagen. Bekanntlich hat die Regierung Ebert kommunistische Aufstände gewaltsam zerschlagen (was den glühenden Hass der Rechten auf Ebert allerdings nicht beseitigt hat!).In Coburg übrigens bestand die "rote Revolution" in Form der Arbeiter- und Soldatenräte aus durchaus harmlosen Leutchen.
Wer damals und meinethalben auch später mit einer nationalen Gruppierung sympathisierte, wird von mir nicht verurteilt, auch CE nicht, bei dem es mich allerdings nach wie vor etwas wundert, dass er sich von seinen britischen Wurzeln und seiner Familie so entfernt hat. Aber gut, das war eben so. Kritisch wird es meiner festen Überzeugung nach allerdings dann,wenn jemand sich an schwerer Gewalt oder kriminellem Unrecht beteiligt. Die Organisation Consul war zunächst legal, nach ihrem Verbot nach dem Kappputsch 1920 gingen ihre Mitglieder zum Teil in den Untergrund und verübten schwerste Gewaltverbrechen bis hin zu bekannten Fememorden. Dass CE beteiligt war,evtl. als Mitwisser, weiß ich nicht und will es auch nicht behaupten. Auf jeden Fall hat er aber dem flüchtigen Kapitän Ehrhardt nach dem Kappputsch Unterschlupf gewährt. Der Kappputsch zielte darauf ab, die vefassungsmäßige demoratische Ordnung in Deutschland zu beseitigen, was damas wie auch heute als in schweres Strafdelikt (Landesverrat bzw. Hochverrat)nach dem Strafgesetzbuch war. Einen an dieser Tat Beteiligten vor der Strafverfolgung zu schützen
war ebenfalls ein strafbares Vergehen, das auch heute noch als "Strafvereitelung" erhebich bestraft werden kann. Das bleibt somit als Fakt bestehen. Man kann aus dem Verhalten von CE schließen, dass er mit Sicherheit Demokratie und Weimarer Rpublik völlig ablehnte (wie damals leider ein großer Teil der Menschen, was zu 1933 erheblich mit beigetragen hat.
Ich glaube nicht, dass man die Eigenschaft von CE als Präsident des Roten Kreuzes bei seiner Würdigung als positive Eigenschaft heraniehen kann. Das NS-Regime hat m nur eine solche Person in dieses Amt geholt, von der man annehmen konnte, dass keinerlei Kritik, sondern Anpassung zu erwarten war. Ich habe auch nicht gehört, dass CE bei dem NS-Regime ernstlich angeeckt wäre. Oder weiß jemand etwas darüber zu berichten, dass er sich für eine menschenwürdige Behandlung der russischen Kriegsgefangenen eingesetzt hätte, die in den Lagern wie die Fliegen starben (man komme mir jetzt bitte nicht mit den Untaten der Gegner!). War CE in seiner amtlichen Funktion berechtigt, die deutschen Konzentrationslager zu besuchen? Wenn ja und er hätte Dachau besucht, dann hätte er dort zwei weitere Angehörige des Hochadels antreffen können, nämlich Max und Ernst von Hohenberg, Söhne des letzten (1916 ermordeten) österreichischen Thronfolges Franz Ferdinand und seiner Gemahlin, die in Dachau inhaftiert waren und sadistisch erniedrigt und gequält worden sind (siehe Erika Bestenreiner, Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg, Seite 287 ff.). Wenn sich CE für derartige Verfolgte und Kriegsgefangene energisch eingesetzt hätte, dann hätte er meine Hochachtung verdient.

Weinwanderer  
Weinwanderer
Beiträge: 34
Punkte: 34
Registriert am: 12.09.2009


RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#12 von faraway , 12.10.2009 18:03

Zu den hier geschriebenen Worten: ....."es wundert mich das C.E. sich so von seinen britischen Wurzeln und seiner Familie entfernt hat"......

Man scheint vollkommen vergessen zu haben, das George V, 1917 den Familiennamen des englischen Koenigshauses von "Sachsen-Coburg-Gotha" zu "Windsor" geaendert hat. Warum? Weil es ihm von von gewissen Leuten klar gemacht wurde, das es unter den gegeben Umstaenden nicht klug war, die Abstammung von einem deutschen Koenigshaus zu betonen. (Wikipedia: "The House of Windsor").

Wie "unbequeme" Familien Mitglieder damals von der "Royal Family" behandelt wurden zeigte sich auch an der Reaktion auf die Bitte von Zar Nicholas II an seinen Cousin, ihm und seiner Familie Unterschlupf in England zu gewaehren. Was der Abschlag dieser Bitte zur Folge hatte, duerfte ja wohl bekannt sein.

All das ist ja wohl, aus der Sicht der Englaender zur damaligen Zeit, verstaendlich, obwohl, sollte man seine Familie wirklich so behandeln?

Aber...... man sollte sich deshalb nicht "wundern", das sich C.E. von seinen "britischen Wurzeln" so weit wie moeglich abgewendet hat. Mit ein wenig Einfuehlungsvermoegen muesste es doch fast jedem moeglich sein sich vorzustellen, was in dem Herzog damals vor sich ging.

Angelika


 
faraway
Beiträge: 1.235
Punkte: 1.243
Registriert am: 25.03.2005

zuletzt bearbeitet 12.10.2009 | Top

RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#13 von Feldwebel M , 12.10.2009 20:27

Der Etruskerkönig Brennus rief nach der Erorberung des uralten Roms um 500 v. Chr.

" vae victis "

was soviel bedeutet wie " Wehe den Besiegten "

Der Besiegte wurde meistens für die eigenen Verbrechen und die des Siegers gleich mitbestraft.

So war es, so ist es und so wird es auch in Zukunft sein.

Die deutschen Gefangenen in russischen Lagern und die von den Amerikanern auf den Rheinwiesen zusammmengepferchten POW hätten dazu sicherlich interessante Geschichten erzählen können.


 
Feldwebel M
Beiträge: 576
Punkte: 576
Registriert am: 21.06.2009

zuletzt bearbeitet 12.10.2009 | Top

RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#14 von Jürgen , 13.10.2009 14:12

Hallo Angelika,
ich gebe Dir Recht, behaupte aber trotzdem, dass nich CE die Wurzeln gekappt hat, sondern seine eigene Familie, die ihn m. E. als "persona non grsata" betrachtet hat.
Hallo Weinwanderer,
die Sache mnit Besuchen des deutschen DRK-Vertrezters in den KL (ist die eigentliche damals gebräuchliche Abkürzung) dürfte es mehr als schwierig gewesen sein. Zu Gesicht hätte er nur die "mustergültigen Lager" (in Anführungszeichen, weil mir solche Begriffe immer einen mehr als bitteren Geschmack verursachen) bekommen. Die KL, auf die Du die wahrscheinlich anspielst (Buchenwald, Dachau, Oranienburg, die Lager in und um Auschwitz und in Nedersachsen), haben weder das IRK noch eventuell CE zu Gesicht bekommen; lediglich das KL Theresienstadt wurde immer "vorgeführt". Ob CE, dem man ja einen engen Kontakt zu Hitler nachsagt, jemals ein solches Lager hätte besuchen dürfen und ob er überhaupt Kenntnis von solchen Lagern hatte oder hätte erlangen können möchte ich bezweifeln. Alle Insassen irgendwelcher KL, die das Glück hatten entlassen zu werden, waren zu äußerster Verschwiergenheit "verdonnert" worden, ansonsten wären sie sofort wieder inhaftiert worden. Und wie hätte er vermuten können, dass es dersartige Todeslager überhaupt gibt? mWenn doch seine - so muss man wohl sagen - vorgesetzte Stelle - das IRK ein Lager besichtigt hat (übrigens soweit mir bekannt ist, hauptsächlich durch das Schwedeische Rote Kreuz und hier Graf Bernadotte) und das die Situation als erträglich dargestellt hat?
Dass CE mit Sicherheit für eine Demokratie war, dürfte allgemein verstänlich sein, wenn man nur die Erziehung des Adels betrachtet; eine Diktatur dagegen kommt der Erziehung schon wieder näher: Die Alleinherrschaft einer Person.
Wenn nun noch die damalige Situation mit Soldatenräten, kommunistischen Kampfverbänden, das Hausen des Kumminismus in Russland (das Zarenhaus war ja auch mit CE verwandt) betrachtet, konnte CE sich nur auf die Seite der "Rechten" schlagen - egal, was da vorgefallen sein könnte (bitte hier auch die Lage der Medien und der Berichterstattung beachten).


LG
Jürgen

... unser Coburg ist doch einzig schön ...

Jürgen  
Jürgen
Beiträge: 1.089
Punkte: 1.089
Registriert am: 13.06.2006


RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#15 von faraway , 13.10.2009 19:29

Hallo Juergen,

wie Du sagst ist es ja ziemlich sicher das sich die Familie von C.E. von ihm abgewendet hat, das ist ja eben das Schlimme!

Was es die Beschuldigung mancher wegen der KL angeht, da gebe ich Dir nun vollkommen Recht. Hatte die selben Gedanken aber dazu fehlte mir zuviel Information. Man war ja im Dritten Reich ganz besonders geschickt damit das, was wirklich vor sich ging, von der Welt, der Bevoelkerung und gewissen hoeher gestellten Personen zu verheimlichen. Waere das nicht der Fall gewesen, waere eben doch vieles anders gekommen.

Gruss, Angelika

 
faraway
Beiträge: 1.235
Punkte: 1.243
Registriert am: 25.03.2005


RE: Herzog Carl Eduard

#16 von Feldwebel M , 13.10.2009 21:30

- oder wie Carl von Clausewitz sagte:

"Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik unter Einbeziehung anderer Mittel".

Info unter : http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Clausewitz

Wer hat also die alleinige Schuld: Die P........

 
Feldwebel M
Beiträge: 576
Punkte: 576
Registriert am: 21.06.2009


RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009)

#17 von faraway , 13.10.2009 22:50

Zitat von Norbert
Es gab auch diesen Herzog.



Ein sehr schoenes, vor allem seltenes (wo er mal laechelt) Bild.

Gruss,
Angelika

 
faraway
Beiträge: 1.235
Punkte: 1.243
Registriert am: 25.03.2005


RE: Herzog Carl Eduard

#18 von faraway , 13.10.2009 22:52

Zitat von Norbert
Was ist Krieg? Krieg ist wenn sich Menschen,
die sich nicht kennen,gegenseitig tot schießen
auf Befehl von Menschen, die sich zwar kennen,
sich aber nicht gegenseitig tot schießen.



Jawohl, und daher kompletter Wahnsinn!

Gruss,
Angelika

 
faraway
Beiträge: 1.235
Punkte: 1.243
Registriert am: 25.03.2005


RE: Herzog Carl Eduard

#19 von Jürgen , 14.10.2009 14:42

Allen, die sich mehr für die KL usw. interssieren, empfehle ich folgende Literatur (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Fred Wander "der siebte Brunnen" (er war Häftling in versch. KL, wie Auschwitz, Ohrdruf, Buchenwald); Eugen Kogon: Der SS-Staat; Walter Schellenberg: Memoiren (er war Untergebener von Heydrich), Canaris, Goebbels usw.
Habe mich - und tue es noch - mit dem Thema stark beschäftigt. Ein Grund hierfür ist z. B. meine Mitgliedschaft bei der GTGJ (Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal). Dort versuchen wir eine Erklärung für den Bau der Stollen im Jonastal (zwischen Crawinkel bei Ohrdruf und Arnstadt) zu finden.


LG
Jürgen

... unser Coburg ist doch einzig schön ...

Jürgen  
Jürgen
Beiträge: 1.089
Punkte: 1.089
Registriert am: 13.06.2006


RE: Herzog Carl Eduard

#20 von Feldwebel M , 14.10.2009 17:35

Hier noch ein Link über die Kriegsgefangenenlager auf den Rheinwiesen:

http://www.rheinwiesenlager.de/

Grüße Fw M

 
Feldwebel M
Beiträge: 576
Punkte: 576
Registriert am: 21.06.2009


   

Stadtbaurat Max Böhme (Aufsatz vom 03.07.2009)
Coburger Künstler - Stadtbaurat Max Böhme (Aufsatz vom 03.07.2009)



Xobor Ein Kostenloses Forum von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen