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Dieses Thema hat 23 Antworten
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 Coburger Persönlichkeiten
Seiten 1 | 2
Christian Offline



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09.10.2009 09:38
Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Nach der Entlassung von Alfred Sauerteig aus dem öffentlichen Dienst ernannte die US-Militärregierung den Gewerbeschullehrer Eugen Bornhauser am 12. Mai 1945 zum kommissarischen Oberbürgermeister. Warum gerade Bornhauser dieses Amt erhielt ist leicht zu erklären. Zum einem genoss er das Vertrauen der amerikanischen Besatzungsmacht. Er war in der Zeit des Dritten Reiches nie der NSDAP beigetreten und trat auch nicht politisch in Erscheinung. Zum anderen hatten viele Coburger Bürger ihn darum gebeten, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Da stellt sich die Frage was für eine Persönlichkeit Professor Bornhauser war? Eugen Bornhauser wurde am 31. Juli 1887 in Waldshut-Tiengen, an der deutsch-schweizerischen Grenze gelegen, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums studierte er in Karlsruhe auf Lehramt und bestand im Jahre 1908 das Staatsexamen als Gewerbeschullehrer. 1910 folgte er den Ruf des Gewerbeschuldirektors Fritz Dürr nach Coburg zu kommen und dort an dessen Anstalt zu unterrichten. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges promovierte er im Studienbereich Staatswissenschaft an der Universität Erlangen. Seine Doktorarbeit hatte den Titel: „Die Verfassungsgeschichte von Coburg“. Anscheinend hatte Eugen Bornhauser seine neue Heimat bereits tief ins Herz geschlossen. Von nun an widmete sich Bornhauser mit seiner ganzen Kraft dem Ausbau der Gewerbeschule mit dem Erfolg, dass die Schule im Jahre 1937 ein eigenes Gebäude in der Kanalstraße bekam. Aber auch die persönliche Anerkennung seiner Dienste blieb nicht aus. 1920 wurde er zum Gewerbeoberlehrer befördert. Aufgrund dieser Arbeit besaß er ein

hohes Ansehen in der Coburger Bevölkerung. Als schließlich im Mai 1945 ein neuer kommissarischer Oberbürgermeister gesucht wurde, fiel die Wahl auf Bornhauser. Er wusste, dass er keine leichte Aufgabe übernehmen würde, doch setzte er sich dafür ein, dass viele Härten für die Coburger Bevölkerung gemildert worden sind. So verbesserte sich in seiner Amtszeit die Versorgungslage mit Lebensmitteln. Während im Mai 1945 nach der Lebensmittelzuteilung nur 5,6 kg Brot, 800 Gramm Fleisch und 400 Gramm Fett pro Kopf zur Verfügung standen, erhöhte sich der Anteil pro Person im August 1945 auf: 10 kg Brot; 1,4 kg Fleisch und 400 Gramm Butter. Dazu sollten noch 10 kg Kartoffeln, drei Liter Milch, 62,5 Gramm Käse und 12 Gramm Quark kommen. Gleichzeitig wurde in der Ära Bornhauser durch die Amerikaner zweimal die Ausgangssperre für die Coburger Bevölkerung, die es seit dem Kriegsende gab, reduziert. Zunehmend begann auch die Demokratisierung. Durch Unterstützung der Amerikaner wurden neue Parteien gegründet und ein Stadtausschuss als Vorläufer eines noch zu wählenden Stadtrates gebildet. Aber auch mit Problemen hatte Eugen Bornhauser zu kämpfen. So wurde aufgrund der einsetzenden Entnazifizierungsmaßnahmen ca. 85% der 328 Beschäftigten der Stadtverwaltung entlassen. Einen solchen Aderlaß konnte man nicht ohne weiteres kompensieren. Außerdem stellte die Frage der ehemaligen Zwangsarbeiter, die vorwiegend aus Polen und der Sowjetunion kamen ein großes Problem dar. Sie stahlen Kleidung und Tiere am helllichten Tage und töteten sogar Menschen. So schreibt der Kürschnermeister Max Krahl in sein Tagebuch: „15. Mai 1945: Immer wieder Raub, Mord und Totschlag der Polen an die Zivilbevölkerung“. Selbst die US-Militärpolizei konnte lange Zeit dem nicht Einhalt gebieten. Erst als die Fremdarbeiter wieder in ihre Heimat verbracht worden sind, konnte dieses Problem gelöst werden.


Mit der Zeit war wohl die US-Militärregierung mit der Amtsführung von Eugen Bornhauser unzufrieden. Um seiner Entlassung zuvor zukommen, erklärte er am 19. Dezember 1945 seinen Rücktritt vom Amt des kommissarischen Oberbürgermeisters. Der im Jahre 1946 gewählte, erste Coburger Stadtrat nach dem Krieg, würdigte Bornhausers Leistungen für die Stadt ausdrücklich. Eugen Bornhauser zog sich mit seinem Rücktritt aus der aktiven Politik zurück und arbeite wieder im Schuldienst. 1947 wurde er, inzwischen zum Professor ernannt, Nachfolger seines Mentors Fritz Dürr Direktor der Gewerbeschule, die unter ihm später in Berufsschule umbenannt wurde. Im Jahre 1952 wurde er nach 42jähriger Tätigkeit im Coburger Schuldienst pensioniert. Er hatte auch in seiner fünfjährigen Amtszeit als Berufsschuldirektor in dieser schwierigen Zeit außerordentliches geleistet. Es sei auch erwähnt, das Professor Bornhauser sich in verschiedenen Positionen zum Wohle der Allgemeinheit betätigt hat. So war er von 1945 bis 1947 Vorsitzender der Coburger Landesstiftung, gehörte der Niederfüllbacher Stiftung als deren Mitglied an, war von 1946 bis 1953 Vorsitzender der Gesellschaft für Musikfreunde und beteiligte sich maßgeblich an der Wiederbegründung der Loge „Zur Fränkischen Krone“, die während der Nazizeit verboten wurde. Seinen Ruhestand konnte Eugen Bornhauser leider nicht mehr genießen. Nach langer schwerer Krankheit starb er am 07. November 1957 im Alter von 70 Jahren in Coburg.

Bildquellen:
Bild 1: Professor Eugen Bornhauser (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg, Nachlass Walter Schneier)
Bild 2: Wohnhaus von Professor Eugen Bornhauser am Festungsberg (Foto: Christian Boseckert)
Bild 3: Die Coburger Berufsschule in der Kanalstraße, wo Prof. Bornhauser von 1947 bis 1952 als Schuldirektor wirkte. (Sammlung Boseckert)

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Weinwanderer Offline



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09.10.2009 20:16
#2 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Hallo Christian, das scheint mir in guter und wohl abgewogener Bericht zu sein. War sein Nachfolger dann schon Dr. Langer?
Ich glaube, manche Coburger Persönlichkeiten, vor allem aus der ersten Hälfte des etzten Jahrhunderts sind schwieriger zu würdigen.Besonders gilt das etwa für Herzog Carl Eduard. Ob sich da wohl jemand heranwagt? Einfacher wäre es bestimmt, über seine Gemahlin Viktoria Adelheid etwas zu schreiben.
Gruß
Helmut

Christian Offline



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10.10.2009 10:02
#3 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Hallo Helmut,
nach Eugen Bornhauser folgte der SPD-Politiker Ludwig Meyer als Oberbürgermeister nach. Seine Amtszeit endete 1948. Danach kam erst Walter Langer.

Einen Aufsatz von einer DINA-4-Seite über Carl Eduard zu schreiben ist nahezu unmöglich. Dazu ist Carl Eduard eine zu komplexe Persönlichkeit. Man möge sich das nochmal vor Augen führen: Carl Eduard war ein gebürtiger Brite, dessen Weg zum Nationalsozialismus führt. Dazu ist erstmal wichtig, was Carl Eduard für ein Mensch war oder umgangssprachlich gesprochen, wie hat er getickt? Bereits in den 1960er Jahren hat der damalige Vorsitzende der Historischen Gesellschaft Dr. Eugen Priesner eine Biografie über Carl Eduard herausgebracht. Eben dieser Wandlung ist es geschuldet, das die Person Carl Eduard immer noch stark polarisiert. Einen ausgewogenen und neutralen Aufsatz über den letzten Herzog hat Harald Sandner in seinem Buch "Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha 1826 bis 2001" verfasst. Letzteres ist als Einstieg in das Thema gut geeignet.

Gruß
Christian

Weinwanderer Offline



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10.10.2009 18:07
#4 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Hallo Christian,
Dank für die Informaton. Dass man hier keine umfassende Arbeit über Carl Eduard verfassen kann, ist mir schon klar.Ich wollte halt den Namen mal antippen.
Das Buch von Dr. Priesner habe ich vor Jahren schon gelesen. Es erschien mir schon arg schönfärberisch.
Wahrlich schwer zu verstehen ist, wie der Brite C.E. zu einem so glühend deutsch-national Gesinnten werden konnte. Immerhin war sein Herkunftsland in zwei Kriegen Kriegen Gegner Deutschlands. Und in der Zwischenzeit waren Deutschland und England ja auch nicht gerade befreundet. C.E. müße eigentlich in erheblichen Loyalitätskonflikten sich befunden haben.Man hätte strengste Zurückhaltung und nicht intensive Unterstützung des NS-Regimes von ihm erwarten können.Merkwürdig.
Was mir noch auffiel ist, dass zu der Frage von Norbert, was denn nun die "Verbrechen" von C,E. gewesen seien, eigentlich unbeantwortet im Raum stehen blieb.
Dass C.E. polizeilich gesuchten Mitgliedern der Organisaton Consul um 1920 Unterstützung zuteil werden ließ, ist doch als Tatsache unstreitig?
Gruß
Helmut

Christian Offline



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10.10.2009 18:43
#5 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Letztere Aussage ist nicht ganz korrekt. Sandner schreibt dazu: "Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch (Berlin, März 1920) bietet Carl Eduard dem am Putsch beteiligten Chef der Birgarde Ehrhardt, Kapitän Hermann Ehrhardt, auf der Veste Coburg Unterschlupf (in den Kasematten der Burg werden auch Waffen versteckt). Nachdem die Brigade Ehrhardt von der Reichswehr aufgelöst wurde (war so im Oktober 1920), gründete Erhardt mit einigen seiner Getreuen die Organisation "Consul", die für zahlreiche politische Attentate (Bsp.: Erzberger, Scheidemann, Rathenenau) verantwortlich war.

Über die Coburger Historiker vor 1990 muss man sagen, dass sie allgemein das Herzogshaus immer etwas in einem schöneren Licht und etwas überhöht darstellten. Da wurden negative Dinge ignoriert (Scheidung von Ernst I. und Herzogin Luise, die unehelichen Kinder Ernsts II. etc. etc.) Heute sieht man das anders. Man stellt sie heute als normale Menschen dar, die in ihrer Zeit lebten.

faraway Offline




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10.10.2009 22:47
#6 RE: Herzog Carl Eduard Zitat · antworten

In bezug auf C.E. denke ich folgendes:

Erstens, war er, wie Christian ganz richtig ueber Mitglieder des Herzoghauses sagt, ein Mensch seiner Zeit.

Zweitens, was es einen etwaigen Zwiespalt seiner Loyalitaeten angeht: Hat man in Coburg wirklich vergessen das C.E. als ganz junger Mensch (15jaehrig) nach Deutschland gebracht wurde und das er dort, noch dazu unter der Ueberwachung des Kaisers, nach deutschem Denken fuer seine kommende Stellung als Oberhaupt des Herzoghauses erzogen wurde? Gewiss, zu der Zeit der NSDAP hatte er schon abgedankt, nicht aus freier Wahl, sondern weil die Monarchie abgeschafft wurde, aber.... man sollte sich mal ueberlegen wie die Bevoelkerung u. die Regierung einer Stadt, die zu jener Zeit schon einen, eindeutig auf der Seite der Nazipartei stehenden Stadtrat hatte, wohl reagiert haette, wenn er sich auf die Gegenseite gestellt haette!

Gibt es denn ausser einer kleinen Anzahl von Personen im Forum wirklich niemanden der sich diese damalige Situation richtig vorstellen kann und fuer die Menschen von damals Verstaendnis aufbringen koennte? Das C.E. sich in einem ganz scheusslichen seelischen Zwiespalt befunden hat, duerfte wohl nicht extra erwaehnt werden muessen. Ich finde er hat sich, den gegeben Umstaenden nach, genau so verhalten wie es von ihm erwartet wurde, wie viele andere auch. Weshalb er ja wohl auch nicht als Kriegsverbrecher verurteilt sondern als "Nur Mitlaeufer" beurteilt wurde.


Jürgen Offline



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11.10.2009 13:05
#7 RE: Herzog Carl Eduard Zitat · antworten

Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen, die sich früher nie mit Geschichte befasst haben und erst recht nicht mit der Zeit nach 1918, den Schwachsinn der wielfach verzapft wird nur "nachlabern"!! Wäre CE zum Gegenteil übergegangen (Kommunismus usw.) würden ihn heute viele "in den Himmel heben". Aber das war Gott sei Dank nicht der Fall. Und was ist schlimm daran, Vertreter des SRK in Deutschland zu sein? Oder sollte Humanität heute nicht mehr gefragt sein? Und wenn sich heute manche Briten über ihn aufregen, dann sollten sie doch mal Fotos aus der Zeit vor dem WK II anschauen! Mir ist da ein Bild in Erinnerung, auf dem ein Umzug (nach meiner Erinnerung ein Trauerzug) zu sehen ist, auf dem als einziger CE in Wehrmachtsunkform und Stahlhelm teinehmen musste, da man ihm andere Kleidung verwehrte. Alle anderen trugen ihre altn Traditionsunformen, nur CE durfte diea nicht. Ein Affront sondersgleichen!! Denn immerhin war er ja auch ein Spross der königlichen Familie und wurde wie ein Aussätziger behandelt! Gentlemanlike??

LG
Jürgen

... unser Coburg ist doch einzig schön ...

Feldwebel M Offline




Beiträge: 576
Punkte: 576

11.10.2009 14:07
#8 RE: Herzog Carl Eduard Zitat · antworten

Lieber Jürgen,

daß mit dem "nachlabern" trifft den Nagel auf den Kopf. Du hast vollkommen Recht. Von denen die jetzt schimpfen, möchte ich gerne denjenigen mal fragen, was sie damals gemacht hätten. Wer ohne Schuld ist werfe jetzt den ersten Stein !

Grüße Fw M

Gast
Beiträge:

11.10.2009 14:17
#9 RE: Herzog Carl Eduard Zitat · antworten

Zitat von Feldwebel M
Lieber Jürgen,

daß mit dem "nachlabern" trifft den Nagel auf den Kopf. Du hast vollkommen Recht. Von denen die jetzt schimpfen, möchte ich gerne denjenigen mal fragen, was sie damals gemacht hätten. Wer ohne Schuld ist werfe jetzt den ersten Stein !

Grüße Fw M


faraway Offline




Beiträge: 1.235
Punkte: 1.243

11.10.2009 16:42
#10 RE: Herzog Carl Eduard Zitat · antworten

Zitat von Feldwebel M
Lieber Jürgen,
daß mit dem "nachlabern" trifft den Nagel auf den Kopf. Du hast vollkommen Recht. Von denen die jetzt schimpfen, möchte ich gerne denjenigen mal fragen, was sie damals gemacht hätten. Wer ohne Schuld ist werfe jetzt den ersten Stein !
Grüße Fw M



GENAU!!!

Angelika

Weinwanderer Offline



Beiträge: 34
Punkte: 34

12.10.2009 13:25
#11 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Offenbar habe ich mit meinem kleinen Bitrag in ein Wespennest gestochen, wie die teilweise erregten Äußerungen zeigen. Christan hat sich seinem Wesen als Historiker entsprechend erfreulich sachlich geäußert, auch dem, was faraway schreibt kann ich teilweise zustimmen.
Natürlich war auch CE ein Kind seiner Zeit. Das sind wir alle. Mit diesem Satz kann man aber letztlich alles entschuldigen. Auch ein Schwede-Coburg war, um ein Beispiel zu nennen, war ein "Kind seiner Zeit". Ich hoffe nicht, das jetzt Leute aufstehen und Schwede-Coburg verteidigen. Ich meine, dass man, auch dann, wenn einem seine Heimatstadt und die schöne Umgebung von Coburg gefällt, man gleichwohl das Recht hat, auch manche dunkle Stellen, die es auch in der
Coburger Vergangenhet leider gibt, in einem Forum über die Geschichte Coburgs anzusprechen.
Die allgemine Geschichte Deutschlands ab Oktober 1918 ist mir wohl bekannt, vielleicht mehr als machem, der hier in diesen Forum beteilgt ist. Es ist für mich nachvolziehar, dass große Teile des Bürgertums Furcht vor einer Machtübernahme durch eine rote Revolution hatten und dass die militärische Gegenwehr dagegen Zustimmung und Unterstützung bei vielen fand. Das werfe ich keinem vor; kaum einer (auch ich nicht)kann sicher sagen wie er sich damals verhalten hätte. Begründet war die Furcht vor einer wirksmamen roten Machtübernahme wohl nicht, wie viele Historiker sagen. Bekanntlich hat die Regierung Ebert kommunistische Aufstände gewaltsam zerschlagen (was den glühenden Hass der Rechten auf Ebert allerdings nicht beseitigt hat!).In Coburg übrigens bestand die "rote Revolution" in Form der Arbeiter- und Soldatenräte aus durchaus harmlosen Leutchen.
Wer damals und meinethalben auch später mit einer nationalen Gruppierung sympathisierte, wird von mir nicht verurteilt, auch CE nicht, bei dem es mich allerdings nach wie vor etwas wundert, dass er sich von seinen britischen Wurzeln und seiner Familie so entfernt hat. Aber gut, das war eben so. Kritisch wird es meiner festen Überzeugung nach allerdings dann,wenn jemand sich an schwerer Gewalt oder kriminellem Unrecht beteiligt. Die Organisation Consul war zunächst legal, nach ihrem Verbot nach dem Kappputsch 1920 gingen ihre Mitglieder zum Teil in den Untergrund und verübten schwerste Gewaltverbrechen bis hin zu bekannten Fememorden. Dass CE beteiligt war,evtl. als Mitwisser, weiß ich nicht und will es auch nicht behaupten. Auf jeden Fall hat er aber dem flüchtigen Kapitän Ehrhardt nach dem Kappputsch Unterschlupf gewährt. Der Kappputsch zielte darauf ab, die vefassungsmäßige demoratische Ordnung in Deutschland zu beseitigen, was damas wie auch heute als in schweres Strafdelikt (Landesverrat bzw. Hochverrat)nach dem Strafgesetzbuch war. Einen an dieser Tat Beteiligten vor der Strafverfolgung zu schützen
war ebenfalls ein strafbares Vergehen, das auch heute noch als "Strafvereitelung" erhebich bestraft werden kann. Das bleibt somit als Fakt bestehen. Man kann aus dem Verhalten von CE schließen, dass er mit Sicherheit Demokratie und Weimarer Rpublik völlig ablehnte (wie damals leider ein großer Teil der Menschen, was zu 1933 erheblich mit beigetragen hat.
Ich glaube nicht, dass man die Eigenschaft von CE als Präsident des Roten Kreuzes bei seiner Würdigung als positive Eigenschaft heraniehen kann. Das NS-Regime hat m nur eine solche Person in dieses Amt geholt, von der man annehmen konnte, dass keinerlei Kritik, sondern Anpassung zu erwarten war. Ich habe auch nicht gehört, dass CE bei dem NS-Regime ernstlich angeeckt wäre. Oder weiß jemand etwas darüber zu berichten, dass er sich für eine menschenwürdige Behandlung der russischen Kriegsgefangenen eingesetzt hätte, die in den Lagern wie die Fliegen starben (man komme mir jetzt bitte nicht mit den Untaten der Gegner!). War CE in seiner amtlichen Funktion berechtigt, die deutschen Konzentrationslager zu besuchen? Wenn ja und er hätte Dachau besucht, dann hätte er dort zwei weitere Angehörige des Hochadels antreffen können, nämlich Max und Ernst von Hohenberg, Söhne des letzten (1916 ermordeten) österreichischen Thronfolges Franz Ferdinand und seiner Gemahlin, die in Dachau inhaftiert waren und sadistisch erniedrigt und gequält worden sind (siehe Erika Bestenreiner, Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg, Seite 287 ff.). Wenn sich CE für derartige Verfolgte und Kriegsgefangene energisch eingesetzt hätte, dann hätte er meine Hochachtung verdient.

faraway Offline




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12.10.2009 18:03
#12 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Zu den hier geschriebenen Worten: ....."es wundert mich das C.E. sich so von seinen britischen Wurzeln und seiner Familie entfernt hat"......

Man scheint vollkommen vergessen zu haben, das George V, 1917 den Familiennamen des englischen Koenigshauses von "Sachsen-Coburg-Gotha" zu "Windsor" geaendert hat. Warum? Weil es ihm von von gewissen Leuten klar gemacht wurde, das es unter den gegeben Umstaenden nicht klug war, die Abstammung von einem deutschen Koenigshaus zu betonen. (Wikipedia: "The House of Windsor").

Wie "unbequeme" Familien Mitglieder damals von der "Royal Family" behandelt wurden zeigte sich auch an der Reaktion auf die Bitte von Zar Nicholas II an seinen Cousin, ihm und seiner Familie Unterschlupf in England zu gewaehren. Was der Abschlag dieser Bitte zur Folge hatte, duerfte ja wohl bekannt sein.

All das ist ja wohl, aus der Sicht der Englaender zur damaligen Zeit, verstaendlich, obwohl, sollte man seine Familie wirklich so behandeln?

Aber...... man sollte sich deshalb nicht "wundern", das sich C.E. von seinen "britischen Wurzeln" so weit wie moeglich abgewendet hat. Mit ein wenig Einfuehlungsvermoegen muesste es doch fast jedem moeglich sein sich vorzustellen, was in dem Herzog damals vor sich ging.

Angelika

Feldwebel M Offline




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12.10.2009 20:27
#13 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Der Etruskerkönig Brennus rief nach der Erorberung des uralten Roms um 500 v. Chr.

" vae victis "

was soviel bedeutet wie " Wehe den Besiegten "

Der Besiegte wurde meistens für die eigenen Verbrechen und die des Siegers gleich mitbestraft.

So war es, so ist es und so wird es auch in Zukunft sein.

Die deutschen Gefangenen in russischen Lagern und die von den Amerikanern auf den Rheinwiesen zusammmengepferchten POW hätten dazu sicherlich interessante Geschichten erzählen können.

Jürgen Offline



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13.10.2009 14:12
#14 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Hallo Angelika,
ich gebe Dir Recht, behaupte aber trotzdem, dass nich CE die Wurzeln gekappt hat, sondern seine eigene Familie, die ihn m. E. als "persona non grsata" betrachtet hat.
Hallo Weinwanderer,
die Sache mnit Besuchen des deutschen DRK-Vertrezters in den KL (ist die eigentliche damals gebräuchliche Abkürzung) dürfte es mehr als schwierig gewesen sein. Zu Gesicht hätte er nur die "mustergültigen Lager" (in Anführungszeichen, weil mir solche Begriffe immer einen mehr als bitteren Geschmack verursachen) bekommen. Die KL, auf die Du die wahrscheinlich anspielst (Buchenwald, Dachau, Oranienburg, die Lager in und um Auschwitz und in Nedersachsen), haben weder das IRK noch eventuell CE zu Gesicht bekommen; lediglich das KL Theresienstadt wurde immer "vorgeführt". Ob CE, dem man ja einen engen Kontakt zu Hitler nachsagt, jemals ein solches Lager hätte besuchen dürfen und ob er überhaupt Kenntnis von solchen Lagern hatte oder hätte erlangen können möchte ich bezweifeln. Alle Insassen irgendwelcher KL, die das Glück hatten entlassen zu werden, waren zu äußerster Verschwiergenheit "verdonnert" worden, ansonsten wären sie sofort wieder inhaftiert worden. Und wie hätte er vermuten können, dass es dersartige Todeslager überhaupt gibt? mWenn doch seine - so muss man wohl sagen - vorgesetzte Stelle - das IRK ein Lager besichtigt hat (übrigens soweit mir bekannt ist, hauptsächlich durch das Schwedeische Rote Kreuz und hier Graf Bernadotte) und das die Situation als erträglich dargestellt hat?
Dass CE mit Sicherheit für eine Demokratie war, dürfte allgemein verstänlich sein, wenn man nur die Erziehung des Adels betrachtet; eine Diktatur dagegen kommt der Erziehung schon wieder näher: Die Alleinherrschaft einer Person.
Wenn nun noch die damalige Situation mit Soldatenräten, kommunistischen Kampfverbänden, das Hausen des Kumminismus in Russland (das Zarenhaus war ja auch mit CE verwandt) betrachtet, konnte CE sich nur auf die Seite der "Rechten" schlagen - egal, was da vorgefallen sein könnte (bitte hier auch die Lage der Medien und der Berichterstattung beachten).

LG
Jürgen

... unser Coburg ist doch einzig schön ...

faraway Offline




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13.10.2009 19:29
#15 RE: Coburger Oberbürgermeister - Dr. Eugen Bornhauser (Beitrag vom 10.10.2009) Zitat · antworten

Hallo Juergen,

wie Du sagst ist es ja ziemlich sicher das sich die Familie von C.E. von ihm abgewendet hat, das ist ja eben das Schlimme!

Was es die Beschuldigung mancher wegen der KL angeht, da gebe ich Dir nun vollkommen Recht. Hatte die selben Gedanken aber dazu fehlte mir zuviel Information. Man war ja im Dritten Reich ganz besonders geschickt damit das, was wirklich vor sich ging, von der Welt, der Bevoelkerung und gewissen hoeher gestellten Personen zu verheimlichen. Waere das nicht der Fall gewesen, waere eben doch vieles anders gekommen.

Gruss, Angelika

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