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 Coburger Geschichte
Christian Offline



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16.10.2009 09:18
Das Gasthof "Zum Löwen" am Oberen Bürglaß (Beitrag vom 17.10.2009) Zitat · antworten

Coburg besitzt eine Vielzahl traditionsreicher Einkehrstätten. Man denke dabei nur an die „Loreley“ oder dem „Goldenen Kreuz“ in der Herrngasse. Doch es gibt noch weitere bedeutsame Lokalitäten in der Vestestadt, die eine lange Vergangenheit vorweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das italienische Spezialitätenrestaurant „Maccaroni“ am Oberen Bürglaß, das alten Coburgern noch als Gasthaus „Zum Löwen“ bekannt ist. Hier lässt sich die Geschichte der Gastronomie bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.


Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

Ursprünglich gehörte das Anwesen einer Familie Hübner, die dort eine Schreinerei betrieb. Das Grundstück bestand damals aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit einer großen Tordurchfuhrt in der Mitte, einigen Nebengebäuden und einem Hof. 1846 verkaufte die Familie Hübner ihr Anwesen an den Büttner, Bierbrauer und Bierwirt Johann Peter Spühler. Damit war der Grundstein für die spätere Gaststätte im Hause gelegt. Aufgrund der auf das Gebäude gelegenen Braugerechtigkeit, konnte Spühler in seiner Bierwirtschaft sein selbstgebrautes Bier ausschenken. Geradezu ideal für die Brautätigkeit im Hause, waren die großen Keller unterhalb des Anwesens. Diese Keller erstrecken sich vom Oberen Bürglaß bis an die Allee. Sie bestehen aus einem zentralen Raum mit einem Stollen, der in Richtung Süden führt. Daran schließt sich nach Norden hin ein größerer kreuzgratgewölbter Raum mit Mittelstütze an. Von hier führen zwei längere tonnengewölbte Stollen in Richtung Allee. Richtung Westen folgen auf unterschiedlichen Ebenen drei im Winkel angeordnete und mittels Durchgängen verbundene tonnengewölbte Räume. Die Bauzeit dieser Kelleranlage, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller diente, lässt sich nur ungenau datieren. Man schätzt, dass sie zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden ist. Genauere Quellen fehlen bislang dazu.


Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

Man weiß jedoch, dass sie seit der Ära Spühler als Bierkeller benutzt wurden. Dieses Bier scheint zur damaligen Zeit einen guten Zuspruch erfahren zu haben, denn erst 1872 gab Johann Peter Spühler seinen Betrieb aus Altersgründen auf. Da aus der eigenen Familie kein Nachfolger zur Verfügung stand, verkaufte Spühler das Anwesen an den Bierwirt und Bierbrauer Jacob Ehrlicher aus Eicha. Ihm gelang es die Hausbrauerei und die Bierwirtschaft erfolgreich weiter zu führen. Davon zeugt ein Gedicht des Coburger Mundart-Poeten Georg „Schursch“ Eckerlein der einst schrieb: „Es besta Halbbier dös hot´s ahm, Beim Ährlicher auf´m Börglaß gam.“ Schon bald schenkte man den Gerstensaft auch außerhalb der Bierwirtschaft, beispielsweise in späteren Gaststätte „Weberstüble“ in der Webergasse aus. Die Beliebtheit des Ehrlicher-Bieres machten auch Investitionen notwendig. 1872 wurde die Anlage eines Braukessels und eines neuen Kühlschiffs im Wohnhaus am Oberen Bürglaß installiert. Ein Jahr später erfolgte die Einrichtung einer Malzdarre. Jacob Ehrlicher indes führte die Brauerei mit angeschlossener Gaststätte bis 1903. Danach verkaufte er das Areal an den Gastronomen Carl Bonengel, der ebenfalls zahlreiche Umbauten durchführte. So ließ er 1910 das Wohnhaus um eine Etage erhöhen und es durch den Maurermeister Christian Renner im Jugendstil umgestalten. Durch diesen Umbau wurde aus der einfachen Bierwirtschaft ein feines Speiselokal, das gerne von den Coburgern besucht wurde. Den Niedergang der Brauerei läutete schließlich der Erste Weltkrieg ein. Aufgrund von Rohstoffproblemen, Mangel an Brauern usw. gab Bonengel 1920 den Braubetrieb auf und verkaufte die Brauerei an die Coburger Hofbräu AG. Er selbst führte aber die Gaststätte noch bis 1927 weiter. Danach erfolgte ein weiterer Umbau durch die Coburger Hofbräu. Es entstanden eine Kegelbahn und der bis heute noch beliebte Wirtsgarten über den Bierkellern. Schon damals existierte dort ein Saalbau, der gerne von Schüler- und Studentenverbindungen genutzt wurde. Auch die Coburger Schlaraffia hatte dort ihre Zusammenkünfte. Heute steht dieses Gebäude leer und harrt einer Nutzung.




Der Name „Zum Löwen“ taucht erstmals 1929 auf. Die Hofbräu verpachtete das Speiselokal an diverse Gastronomen. Der bekannteste unter ihnen war der gebürtige Österreicher Leo Harth, der von 1956 bis 1972 als Wirt im „Löwen“ schaltete und waltete. Nach 1977 übernahm der Italiener Walter Piasini die Gaststätte und machte daraus ein italienisches Spezialitätenrestaurant. Dieses wurde unter der Familie Giuffre als „Dal Passadore“ bis 1998 weitergeführt. Nach einem Besitzer- und Pächterwechsel heißt das Lokal nun „Maccaroni“ und kann ebenso eine große Beliebtheit unter den Einheimischen vorweisen, wie auch der frühere Gasthof „Zum Löwen“.

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