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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Coburger Persönlichkeiten
Christian Offline



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03.09.2010 14:05
Der Nadlermeister und Handelsmann Johann Andreas Adami (Beitrag vom 04.09.2010) Zitat · antworten

Nach ihm sind in Coburg ein Berg und eine Straße benannt. Trotzdem weiß kaum jemand etwas über den Namensgeber dieser Fahrwege. Die Rede ist von Johann Andreas Adami. Der heutige Aufsatz will Licht in das Dunkel seines Lebens bringen und geht der Frage nach, warum im Westen der Stadt ein ganzes Areal nach ihm benannt wurde. Johann Andreas Adami kam am 13. April 1692 in Coburg als Sohn des Nadlermeisters Hans Adami zur Welt. Er verbrachte seine Jugend im Hause Ketschengasse Nr. 19, wo sein Vater einen Handwerksbetrieb führte. Die Familie Adami stammte ursprünglich aus Luckau in Sachsen, wanderte aber im Jahre 1680 nach Coburg aus. Der Sohn Johann Andreas führte dort das Nadlergewerbe weiter und bildete sich zum Handelsmann (eine ältere Bezeichnung für einen Kaufmann) weiter. Diese Kombination von Handwerker und Kaufmann war nichts ungewöhnliches. Besonders dieses Gewerbe war eines der ersten, welches bereits im 18. Jahrhundert einer beginnenden Industrialisierung ausgesetzt war. Der Preis- und Konkurrenzdruck der dadurch auf den Märkten entstand, ließ die Lebensbedingungen für die Nadler schwieriger werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben mussten sie ihre Preise anpassen – in vielen Fällen nach unten hin – oder ergriffen zusätzlich den Kaufmannsberuf, der zusätzliches Geld einbrachte. Johann Andreas Adami übernahm schließlich 1727 den Betrieb von seinem Vater, der im gleichen Jahr gestorben war. Anscheinend war das Adami´sche Unternehmen zu jener Zeit wirtschaftlich sehr erfolgreich, denn der neue Betriebsinhaber ließ sogleich sein Wohnhaus in der Ketschengasse komplett abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen. Es handelt sich dabei um das Haus, was sich heute noch an dieser Stelle befindet. Aufgrund seines großen Vermögens, welches er durch seinen Betrieb gewann, war es ihm schließlich auch möglich im Jahre 1741 ein großes Gartengrundstück am Kleinen Judenberg, westlich von Coburg, zu erwerben. Die Geschichte dieses Kaufes hat der Chronist Karche in seinen Jahrbüchern niedergeschrieben. Er erzählt dabei die tragische Geschichte des Coburger Tuchmachermeisters Johann Georg Ketschenbach. Dieser war unterwegs von Naumburg zurück nach Coburg, wo er Wollwaren verkaufte. Während eines Aufenthaltes im Vogtland wurde dieses Geld von Unbekannten gestohlen. In dieser Situation sah sich Ketschenbach genötigt seinen Berggarten am Kleinen Judenberg zu verkaufen. Von diesem Ereignis erfuhr auch Johann Andreas Adami. Er setzte sich mit Ketschenbach in Verbindung und erwarb das Grundstück für 360 fl. Kauff- und drei Spechisthaler Gönnegeld. Der Garten am Kleinen Judenberg wurde fortan der Adamigarten genannt und umfasste das Gebiet des heutigen Schnürsgartens. Adami baute in seinem neuen Garten ein kleines Häuschen, das wohl ein Vorgängerbau des heutigen Jean-Paul-Hauses war. Noch neun Jahre sollte das Areal in Adamis Besitz bleiben. 1750 starb Adami während einer Kutschfahrt auf der Rückreise von Leipzig nach Coburg im kleinen Ort Judenbach bei Sonneberg, vermutlich an Herzversagen. Der knapp 58jährige wurde noch an dem gleichen Ort beerdigt. Das Erbe Adamis trat seine Ehefrau Catharina Maria und die gemeinsamen sechs Kinder an. Die Familie Adami bewohnte das Haus in der Ketschengasse noch bis in die 1770er Jahre hinein. Den Adamigarten erhielt im Erbgang die eine Tochter Adamis, Regina Maria, die den herzoglichen Hoftrompeter Georg Gotthold Waldsachs geheiratet hatte. Dieser gründete dort 1774 den ersten Coburger Biergarten Das ist jedoch eine andere Geschichte. Der Name des Adamigartens wurde jedoch in der Folgezeit auf den ganzen Berg übertragen. So wurde aus dem Kleinen Judenberg der Adamiberg. Diese erst mündliche Bezeichnung übernahm die Stadt Coburg im Jahre 1861 auch offiziell, als sie unterhalb des Berges die Adamistraße anlegte. Die Namensgebung blieb bis heute unverändert.

Bildquellen:
Bild 1: Das Wohnhaus Adamis in der Ketschengasse Nr. 19, von ihm 1727 erbaut. (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 2: Die Südseite des heutigen Adamiberges (Foto: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3: Die Westseite des heutigen Adamibergs mit dem Schnürs Pavillion (Foto: Christian Boseckert, 2010)

Angefügte Bilder:
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 Ketschengasse 19.jpg  Adamiberg Südseite.jpg  Adamiberg Ostseite.jpg 
Jürgen Offline



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04.09.2010 10:09
#2 RE: Der Nadlermeister und Handelsmann Johann Andreas Adami (Beitrag vom 04.09.2010) Zitat · antworten

Danke, Christian! Wieder ein toller und hochinteressanter Bericht!

LG
Jürgen

... unser Coburg ist doch einzig schön ...

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