Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 446 mal aufgerufen
 Coburger Geschichte
Christian Offline



Beiträge: 5.790
Punkte: 5.984

05.11.2010 08:52
Spuren jüdischen Lebens in der Judengasse (Beitrag vom 06.11.2010) Zitat · antworten

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Mittelalters, so stellt man fest, dass Menschen jüdischen Glaubens oft verfolgt, ausgegrenzt und getötet worden sind. Der Höhepunkt dieser Verfolgung sollte aber erst im 20.Jahrhundert sein. Darum soll es heute aber nicht gehen, sondern um die Lebensweise der jüdischgläubigen Menschen im Mittelalter, speziell in Coburg. Dabei darf man die äußeren Gegebenheiten, wie sie oben genannt werden, nicht außer Acht lassen.

Die ersten Hinweise auf jüdisches Leben in Coburg findet man bereits Mitte des 13.Jahrhunderts. Wo sie damals in Coburg lebten, weiß man heute nicht mehr. Erst ab 1350 dürften sich die Juden den Bereich der unteren Judengasse angesiedelt haben. 1382 werden erstmals vier jüdische Haushalte erwähnt. 1418 sind es bereits neun jüdische Haushalte. Es scheint eine Zeit der Blüte und der Nichtverfolgung gewesen sein. 1393 wird erstmals eine Synagoge erwähnt, die man in der Nähe des Judentores suchen muss. Eine genaue Ortsangabe ist leider nicht möglich. In dieser Zeit entstand auch eines der frühesten Zeugnisse jüdischen Glaubens, ein Pentateuch (besteht aus den fünf Büchern Moses), dass 1395 in Coburg, in hebräischer Handschrift verfasst wurde. In diesem Buch ist auch eine Wehranlage illustriert, die vermutlich die Veste Coburg darstellt. Damit wäre es die älteste, bekannte Darstellung der Veste. Dieser Pentateuch befindet sich heute im Besitz des Britischen Museums in London. Entdeckt wurde diese Kostbarkeit 1979 von Frau Helen Gutman, einer ehemaligen Coburgerin, die wegen ihres jüdischen Glaubens in die USA emigrierte.

1413 erlaubt Markgraf Wilhelm von Meißen seinen jüdischen Untertanen in Coburg, die Anlegung eines Friedhofs. Dieser Friedhof lag zwischen der unteren Judengasse, der Walkmühlgasse und dem Hahnfluss. Beim Neubau des Hauses Judengasse 50 (heute Mutter-Kind-Cafe "Der kleine Muck" ) im Jahre 1896, entdeckte man dort menschliche Knochenreste und eine jüdische Grabplatte.

Aber bereits nach 1413 deutete sich bereits die nächste Judenverfolgung an. Der Chronist Karche berichtet "1422 wurde den Juden der Aufenthalt zu Coburg vom Bischof Johannes zu Würzburg verboten und den Christen aller Umgang mit ihnen untersagt. Zum Kennzeichen mussten die Juden ein rotes Schild an der Brust tragen."
Und so dürften bis 1447 alle Juden aus Coburg vertrieben worden sein, da zu diesem Zeitpunkt in den Chroniken erwähnt wird, dass durch eine Verfügung des Herzogs Wilhelm von Sachsen die Coburger Synagoge in eine christliche Kirche umgewandelt werden soll. Mit einer großen Spende eines Coburger Bürgers konnte diese Umwandlung vollzogen und die neue Kirche der heiligen Maria geweiht werden. Wie lange diese Marienkirche existierte oder wann sie abgerissen wurde, wissen wir ebenfalls nicht.

Erst ab 1533 haben sich Juden wieder in Coburg angesiedelt. Im Jahre 1880 zählt man bereits 210, und im Jahre 1925 sogar 316 jüdische Glaubensangehörige. Seit 1873 gab es auch wieder eine Synagoge, die in der St. Nikolauskapelle untergebracht war. Ein jüdischer Friedhof wurde 1874 auf dem Gelände des neuen Friedhofs auf dem Glockenberg angelegt.
Heute ist all dies Geschichte, denn seit den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 gibt es keine jüdische Gemeinde in Coburg mehr. Übrig geblieben sind die oben genannten Fragmente die die Stürme der Zeit überdauert haben. Und natürlich erinnern die Judengasse und das Judentor an das mittelalterliche Siedlungsgebiet an Sie.

Bildquellen:
Bild 1: Siedlungsplatz der Coburger Juden im Spätmittelalter bzw. Frühe Neuzeit (Zeichnung Christian Boseckert)
Bild 2: Der ehemalige Judenfriedhof, heutiger Zustand (Bild: Christian Boseckert, 2010)
Bild 3: Die beim Neubau das Hauses Judengasse 50 entdeckte Grabplatte auf hebräisch und deutsch (Repro: Christian Boseckert aus der Coburger Heimat Band III von Ernst Eckerlein)

Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
 Stadtplan.jpg  ehemaliger Judenfriedhof A.jpg  Fahne437a.jpg 
Schubi Offline



Beiträge: 144
Punkte: 146

05.11.2010 12:03
#2 RE: Spuren jüdischen Lebens in der Judengasse (Beitrag vom 06.11.2010) Zitat · antworten

Danke für deine Mühe, sehr guter und informativer Beitrag.

Coburgerin Offline



Beiträge: 347
Punkte: 347

08.11.2010 22:28
#3 RE: Spuren jüdischen Lebens in der Judengasse (Beitrag vom 06.11.2010) Zitat · antworten

Klasse Christian, immer wieder gut neues von Coburg zu lesen.

 Sprung  


Xobor Ein Kostenloses Forum von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen