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Dieses Thema hat 16 Antworten
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 Die Geschichte Coburger Straßen
Seiten 1 | 2
Christian Offline



Beiträge: 5.675
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15.08.2011 19:13
Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Also ich vor ein paar Wochen die Kreuzung Zinkenwehr / Goethestraße näher vorgestellt habe, habe ich mich entschlossen, einige weitere Kreuzungspunkte in Coburg zu erforschen. Der bekannteste ist die Kreuzung Mohrenstraße / Löwenstraße / Hindenburgstraße.

Als 1890 die Mohrenstraße angelegt wurde, gab es hier noch keine Kreuzung, lediglich, eine Einmündung in die Löwenstraße. Die Trassierung der Hindenburgstraße erfolgte erst 30 Jahre später. Auch danach war diese Kreuzung nicht so bedeutend, da die Hindenburgstraße noch Jahre lang eine Sackgasse war. Sie führte nur bis zur Hauptpost. Erst mit dem Durchbruch zur Bahnhofstraße gewann sie an Bedeutung. Doch kommen wir zu den Häusern, die an dieser Kreuzung stehen.

Das erste Haus, welches ich vorstelle ist die Mohrenstraße 15a (siehe Foto). Es wurde 1887 durch den Baumeister Hans Rothbart für den Kaufmann Adolf Berghold errichtet und diente ursprünglich als vornehmes Wohnhaus. Das ist nicht untypisch, denn die Mohrenstraße war ursprünglich eine reine Wohngegend für das wohlhabende Bürgertum. Erst nach und nach siedelten sich hier Geschäfte an und machten so die Mohrenstraße zur Einkaufsstraße. Trotz allem konnte das Gebäude Nr. 15a diesen Wohnhauscharakter bewahren. Weitere Hausbesitzer waren 1924 Emil Frommann aus Leipzig, 1928 der Korbwarenfabrikant Max Lang, 1937 dessen Kinder in Erbengemeinschaft und 1977 Ingeborg Zimmerlein.

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 Mohrenstraße 15a.JPG  Mohrenstraße 15a II.jpg 
Stammbus Offline



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17.08.2011 20:29
#2 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Zitat von Christian
Das ist nicht untypisch, denn die Mohrenstraße war ursprünglich eine reine Wohngegend für das wohlhabende Bürgertum. Erst nach und nach siedelten sich hier Geschäfte an und machten so die Mohrenstraße zur Einkaufsstraße.



Galt das auch für die obere Mohrenstraße zwischen der Mohrenkreuzung und dem Spitaltor?
Die Gebäude machen den Eindruck, als wären hier immer schon Geschäfte geplant gewesen.

Christian Offline



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19.08.2011 13:03
#3 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Zitat von Stammbus


Galt das auch für die obere Mohrenstraße zwischen der Mohrenkreuzung und dem Spitaltor?
Die Gebäude machen den Eindruck, als wären hier immer schon Geschäfte geplant gewesen.



Teils, teils. Einige wenige Geschäfte gab es bereits, beispielsweise das Cafe Schilling. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Mohrenstraße 1 Konditorei (= Schubart), 1 Bäckerei (= Schilling), 1 Wäschegeschäft, einen Porzellan- und Glaswarenladen sowie ein Tüncher- und Malergeschäft. Das Aussehen als Wohnstraße überwog allerdings. (Quelle: Ernst Eckerlein, Aus der Geschichte der Mohrenstraße)

Christian Offline



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19.08.2011 18:48
#4 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Eine alte Aufnahme aus den 1930er Jahren

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 Straßenansicht (Richtung Norden) & Mohrenkreuzung & Tageblatthaus.jpg 
Stammbus Offline



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19.08.2011 19:17
#5 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Danke. Eigentlich erstaunlich, in einer gehobenen Bürgergegend ein Tüncher- und Malergeschäft. Dazu das Tageblatt-Haus, das ja sicherlich auch die Druckerei enthielt, und damit einen gewissen (nächtlichen) Maschinenlärm, auch durch Auslieferungsfahrzeuge.

Ich bin auf die weitere Folgen gespannt.

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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19.08.2011 19:32
#6 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Zwischen dem alten Tageblatthaus und dem anschliesenden Gebäude von Farben Elchlepp,(heute eine Bank?) stand die Rotationspresse wo die Zeitung gedruckt wurde.Hier hielten die LKWs und luden die grossen Papier-Rollen ab,die dann irgendwie in das Gebäude transportiert wurden.Waren die Tore dort geöffnet und die Presse lief,verstand man sein eigenes Wort nicht!(Selbst auf der Strasse !)
Wenn ich heute beruflich zu E.C. Baumann nach Kulmbach komme,ist das aber noch genauso mit dem Lärm dort!(Bayerische Rundschau und Tageblatt)

Coburgerin Offline



Beiträge: 347
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20.08.2011 00:06
#7 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

War da nicht mal ein Zahnarzt drin?

Christian Offline



Beiträge: 5.675
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20.08.2011 14:50
#8 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Ja, ein Zahnarzt Dr. Wittmann.

Christian Offline



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20.08.2011 16:47
#9 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Kommen wir nun zu Teil 2:

Auf dieser Gegenüberstellung sieht man die Mohrenkreuzung von der Hindenburgstraße aus. Das Tageblatt-Haus wurde 1926 vom Architekten Arthur Bergmann errichtet. Zuvor stand dort ein Wohnhaus, welches dem Lautermüller Georg Roschlau gehörte. Roschlau war der größte Grundstücksbesitzer im Bereich der Mohrenstraße. Als diese angelegt werden sollte, verkaufte er sein gesamtes Grundstück an die Stadt, was ihm viel Geld einbrachte. An der neuen Straße errichtete er von diesem Geld sogleich ein eigenes Wohnhaus. Das Wohnhaus Georg Roschlaus wie auch das Tageblatt-Haus sind inzwischen Geschichte. 1973 errichtete man an gleicher Stelle den Kaufhof mit seiner äußerst gewöhnungsbedürftigen Hausfassade. Orientierungspunkt bei beiden Aufnahmen ist das Eckhaus Löwenstraße 11 mit seinem Erker.

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 Coburg 20.jpg  Coburg 21.jpg 
Coburgerin Offline



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21.08.2011 00:01
#10 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Genau Christian, zu dem bin ich nämlich öfter gegangen.

Christian Offline



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26.08.2011 09:45
#11 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Kommen wir nun zum 3. Teil des Aufsatzes:

Das hier dargestellte Eckhaus an der Mohrenkreuzung ist ein Doppelhaus mit den Adressen Mohrenstraße 20 und Löwenstraße 11. Der vordere Teil gehört daher zur Löwenstraße. Der Gebäudekomplex wurde 1889/1890 vom Baumeister Johann Michael Probst errichtet und blieb in dessem Besitz. Ursprünglich handelte es sich beim Gebäudeteil an der Mohrenstraße um ein reines Wohnhaus. Nur der Eckladen zur Mohrenkreuzung existierte von Anfang an und beherbergte zunächst eine vornehme Gaststätte. Später zog hier ein Damenputzgeschäft Fries ein, welches 1905 von Margarethe Einmahl übernommen wurde. Dieses Damenputzgeschäft Einmahl existierte bis 1979! Danach war in dem Eckladen ein Spielwaren- und Modegeschäft untergebracht. Heute hat hier die Fastfoodkette "Subway" eine Filiale.

Der zweite Laden an der Mohrenstraße entstand erst durch einen Umbau im Jahre 1953. Hier konnte man bis 1988 die Buchhandlung Seitz finden. Seitdem haben in diesem Ladengeschäft mehrere Modeläden versucht.

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 Mohrenstraße 20.JPG  BILD2007.JPG 
Ralf Weber Offline



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08.01.2014 00:28
#12 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Hallo,
meine Patentante war Inge Zimmerlein. Leider haben mir die Kinder nicht mitgeteilt, dass sie im letzten Oktober gestorben ist. Ich habe mich daher jetzt ein wenig im Netz umgesehen und bin auf eure Seite gestossen. Im Jahr 1957 als 7-jähriger Junge bin ich ganz allein mit der Eisenbahn aus dem Raum Frankfurt zu meiner Patentante gefahren, sie holte mich am Bahnhof in Lichtenfels ab mit einem blaumetallicfarbenen Ovali Käfer. Ich wohnte im Haus Mohrenstrasse 15 a, meine Lieblingsbeschäftigung war u.a. in dem Erker im 1. Stock zu sitzen und die vielen Autos anzuschauen, die über die Kreuzung fuhren. Soviele Autos gab es in meinem Heimatort nicht. Interessant war auch, dass auf der Kreuzung eine Heuer Ampel installiert war. Für einen Automobilhistoriker wie mich ist klar, was das für eine Ampel ist, aber die wenigsten dürften heute noch wissen, was eine Heuer Ampel ist. Diese hängt in der Luft über der Kreuzung. Es läuft ein Zeiger, der auf ein grünes Feld (freie Fahrt!) oder auf ein rotes Feld (stop!) zeigt. Ich versuche, ein Foto einer Heuer Ampel anzuhängen. Vielleicht gibt es sogar ein Foto der Kreuzung mit dieser Heuer Ampel? Tante Inges Eltern waren Erich und Agathe Albrecht, Inhaber der Korbmöbelfabrik Carl Lang & Co. (wenn ich es richitig erinnere). Die Tante war eine geborene Lang und hatte den Betrieb mit in die Ehe gebracht. Onkel Erich hatte einen gelben 1957er Opel Rekord mit weißem Dach. Er war passionierter Angler. Einmal fuhr ich mit den beiden an den Stacheldrahtzaun an der Strasse nach Sonneberg, die einfach so an der Grenze aufhörte. Es war für mich als Kind schwer beeindruckend, die "Zonengrenze" in all ihrer Brutalität zu sehen mit den Grenzsoldaten, deren Körperhaltung total abweisend war. Meine Tante Inge heiratete Achim Zimmerlein, Sohn eines Zahnarztes aus der Mohrenstrasse. Achim ging immer mit mir zu einem Spielwarenhändler, wo ich Wiking Autos geschenkt bekam. Diese Wiking Autos bilden den Grundstock meiner Wiking Sammlung. Noch heute kann ich sagen, welche Wiking Modelle aus Coburg sind. Wie hieß denn gleich der Händler? Das Geschäft war in einem Arkadengang, wenn ich mich recht erinnere. Ich glaube, ich war 2 oder 3 x in Coburg bei Tante Inge zu Besuch. Eine warmherzige liebevolle Patentante. Seit Jahren telefonierten wir ab und zu und ich wollte sie immer noch ein mal besuchen. Am 04.01., ihrem Geburtstag rief ich an, aber bei der Nummer kam die Ansage "kein Anschluß unter dieser Nummer".
Ich grüße Coburg aus Hofheim im Taunus
Ralf Weber
Heuer Ampel.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

maniac Offline



Beiträge: 85
Punkte: 89

08.01.2014 06:47
#13 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Der Spielwarenhändler könnte der Herr Engelstädter gewesen sein, der hatte sein Geschäft im Stadthaus am Markt.

Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.636
Punkte: 1.656

08.01.2014 07:18
#14 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Hallo Ralf,

hier erst mal die Mohrenstraße mit Heuerampel an der Mohrenkreuzung zur Erinnerung:

Mohrenstr. im Licht der Leuchtstofflampen mit Heuerampel an der Mohrenkreuzung.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Wenn Du damals hier Deine WIKING-Autos bekommen hast, dann war es bei Spielwaren-Engelstädter im Stadthaus (siehe Markierung), wie "Maniac" vermutet.

Stadthaus, Spielwaren Engelstädter.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Ich bin übrigens ebenfalls passionierter WIKING-Sammler und auch bei mir bilden die Modelle aus meiner Kindheit den Grundstock meiner inzwischen sehr umfangreichen Sammlung.
Mein erstes WIKING-Modell (KRUPP-Titan-Lastzug) habe ich nach Beendigung meines ersten Schuljahres 1954 in der Spielwarenabteilung des Kaufhauses BRANDT in der Spitalgasse bekommen (siehe Markierung):

Spitalgasse Richtung Markt, ca. 1964.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Es gab in Coburg eine Korbmöbelfabrik Carl & Lang in der Sally-Ehrlich-Str. 2 (die Produktionsräume befanden sich rückwärtig vom abgebildeten Haus):

Coburg-Sally-Ehrlich-Str. 2, Firma Carl & Lang.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Ich bin als Student LKW gefahren und es war für mich verdammt schwierig, rückwärts in die Einfahrt von Carl & Lang reinzufahren, um Korbmöbel aufzuladen.

Stammbus Offline



Beiträge: 1.497
Punkte: 1.567

08.01.2014 07:43
#15 RE: Die Mohrenkreuzung Zitat · antworten

Dabei gab es in der Mohrenstraße ja auch Spielwaren-Erpf, der williger Empfänger meines Taschengeldes und der (im doppelten Sinne) umgesetzten Inhalte meines Weihnachtswunschzettels war.

Mit Wiking-Autos haben wir wohl alle gespielt. Bei Erpf gab es ja auch Straßennetze auf teppichartigen Unterlagen dafür.

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