Im Econ Verlag ist ein Buch erschienen,welches die Geschichte der Fa. Brose beschreibt. Interessant ist u.A. das hier auch auf die Tätigkeit der Fa. während des 2.W.K. eingegangen wird.
Seit 1939 war das Unternehmen in der Rüstungsproduktion tätig. Herausragend aus der Produktion ist ein 20 Liter Kanister,der bis 1943 den Schriftzug "Brose Coburg" trägt.Später werden alle bei Brose produzierten Kriegsgeräte mit der Signatur "fhm" gekennzeichnet. Es werden Aufschlagzünder und Teile für 2cm Panzergeschosse sowie ab 1940 auch Teile für die 2cm Sprenggranate gefertigt. Konnte bei der Kanisterproduktion eine Steigerung erreicht werden,blieb aber die Munitionsfertigung zurück,was auf den einsetzenden Facharbeitermangel zurück zu führen ist. Allein zwischen Anfang Juni 1939 und Ende Mai 1940 werden im Reich ca. fünf Millionen Soldaten zum Kriegsdienst eingezogen,gut vier Millionen davon aus "Kriegswichtiger Arbeit"! Das stellt die Unternehmen vor eine letztendlich nicht lösbare Situation. Die Lücken die der Krieg in die Reihen der Beschäftigten reißt,müssen rasch geschlossen werden,wenn die vom Staat ständig angehobenen Produktionszahlen erfüllt werden sollen. Gelingt das nicht,drohte den Unternehmen eine kommisarische Geschäftsleitung bis hin zum Zwangsverkauf! So geraten die Betriebe immer mehr in die Fänge der Bürokratie,wo sie Rechenschaft ablegen müssen über Entwicklungskosten,Stückpreisbildung,Bedarf an Maschinen und letztendlich Arbeitskräften. Erst wenn diese Kalkulationen staatlicherseits überprüft waren, erfolgten Aufträge und Zuteilungen von Rohstoffen,Maschinen und Arbeitskräften durch die Arbeitsämter. Selbstverständlich kommen auch in Coburg Fremdarbeiter zum Einsatz.Wie viele es zu welchem Zeitpunkt gewesen sind,ist derzeit nicht bestimmt zu sagen,weil die Stadt dieses Kapitel ihrer Geschichte ohne angemessene Bearbeitung zu den Akten gelegt hat!!(unliebsames wird halt gerne vom Tisch gewischt!s.C.E.!!) Im Dez.1940 taucht das Metallwerk Brose erstmals in der Arbeitskräfte-Zuweisungstabelle der Rüstungsinspektion Nürnberg auf.Allerdings werden von den geforderten zehn "Ia.Kräften" lediglich drei zugewiesen.Damit ist das Coburger Unternehmen auch auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Der Höchststand ist im Sommer 1942 erreicht,als bei Brose 200 "Russen",also Bürger der Sowjetunion,60 Kroaten und etwa 20 Franzosen beschäftigt sind.Von den Kroaten abgesehen handelte es sich um Kriegsgefangene. Weil das Deutsche Reich mit der Bereitstellung von Kriegsgefangenen für die Herstellung von Waffen und Munition gegen die Auflagen der Genfer Konvention verstößt,bemühen sich die Behörden verstärkt,Kriegsgefangene in den Zivilstatus zu überführen.Das bringt den Beteiligten teilweise Erleichterungen aber auch viele Nachteile.Einerseits verbessert sich ihre Entlohnung,andererseits entzieht der neue Status sie dem Schutz der Genfer Konvention und des internationalen Roten Kreuzes. Bis Mitte 1944 machen von den ca. 800 000 französischen Gefangenen,nur 220 000 von dieser Möglichket gebrauch! Franzosen sind seit September 1940 als erste Ausländer bei Brose im Einsatz.Von den 40 beantragten Kriegsgefangenen werden aber nur die Hälfte zugewiesen. Für ihre Unterbringung mietet Brose das "Werkstattgebäude" des Rechnungsrates A.Catterfeld,an der Saarlandstrasse 5(Judenberg)an. Der Backsteinbau mit Schlafraum,Tagesraum und einer kleinen Küche,mit Wasch und Toilettenanlagen,"elektrischem Lichtanschluss" sowie,seit Ende 1940,einer "Telefon-Anlage", nimmt die Franzosen auf! F.folgt.
Spätestens im Sommer 1940 werden in Ketschendorf und Wüstenahorn die ersten Kriegsgefangenenlager der Stadt eingerichtet.Die in Ketschendorf Gefangenen sind bei diversen Firmen der Stadt im Einsatz,die in Wüstenahorn untergebrachten anfangs 182 französischen Kriegsgefangenen des Arbeitskommandos 1556 werden unter anderem im Stadtbauamt und in den städtischen Werken eingesetzt.Ähnliches gilt für die Gefangenen des Arbeitskommandos 1556a in Mährenhausen,einem Nebenlager von Wüstenahorn. Um nicht in die totale Abhängigkeit von der staatlichen Bürokratie zu geraten,betreiben viele Coburger Firmen ihre eigenen Lager.Das grösste Lager mit Zivilgefangenen unterhält,nach dem Stand von 1944,die Maschinenfabrik Waldrich!Unter den 92 Insassen sind Franzosen,Russen,Tschechen und Angehörige anderer Nationen. Zu diesen kleineren Lagern gehört auch das Lager an der Ketschendorferstrasse von Brose,wo Franzosen,wohl ehemalige Kriegsgefangene,welche bei Brose beschäftigt sind,leben. Auch die Fa.Trutz,Sonntagsanger,hatte französische Kriegsgefangene(20),die ebenfalls in dem Haus Saarlandstrasse 5 wohnten.Diese Haus scheint 1944 geräumt worden zu sein und die Franzosen wurden in das Lager Ketschendorferstrasse umgesiedelt(1944 waren noch 11 Gefangene dort vorhanden!) Die zweitstärkste Gruppe unter den bei Brose eingesetzten ausländischen Arbeitskräften bilden 60 Kroaten.Sie werden im Febr. 1942 für ein Jahr für "kriegswichtige Aufgaben " im Metallwerk Brose verpflichtet und leben in einem "Arbeits und Wohnlager"! Als nach und nach einige von ihnen,meist Ehepaare,den Wunsch äussern,privat zu wohnen,hat man keine Einwände,bereut das aber bald,als sich herausstellt,daß eines der Ehepaare seine Wohnung als "Absteigequartier für bereits flüchtig gewordene Kroaten" benutzt. Es zeigt sich,wie komplex sich der Arbeitseinsatz von Ausländern im Dritten Reich darstellt! Nachdem der Feldzug 1941 gegen die Sowjetunion begann und bis zum Ende des Jahres 1941,ca.3,35 Millionen Krieggefangene in die Hände der Wehrmacht kamen und hier bis Februar 1942 ca 2 Millionen Tote zu beklagen waren,wurden nun die Kriegsgefangene Russen (bis 1945 fast 2 Millionen)als potentielle Arbeitskräfte zur Zwangsarbeit in Deutschland eingesetzt.Etwa 200 von ihnen im Werk Brose in Coburg. Am 12.Mai 1942 wird bei Brose bekannt gegeben,das "sowjetrussische Kriegsgefangene "ankommen.Sie werden im Werk I und auch im Werk II in geschlosssenen Gruppen zum Einsatz kommen. Den einzelnen Abteilungen stehen "Hilfswachleute" vor,die von der Firma ernannt und von der Wehrmacht vereidigt werden.Allen Nichtbefugten ist der Umgang mit den Russen verboten. Die 200 Gefangenen unterstehen einen Lagerkommandanten und etwa 20 Soldaten,meist ältere,wehruntaugliche Männer.Deren Aufgabe ist es,die Russen täglich zur Arbeitsstätte zu führen und darauf acht zu geben,das sie nicht mit anderen Gefangenengruppen oder der Zivilbevölkerung zusammen treffen. Brose ist für die Unterbringung und Verpflegung der Gefangenen zuständig. Hierfür ist das "Büro Speer" der Ansprechpartner und von dort kommt auch der Befehl,auf einem von der Stadt Coburg angemieteten Gelände hinter dem Werk I,"Heeresbaracken" aufzustellen.Die Kosten für die Aufstellung und Einrichtung des Lagers belaufen sich auf ca. 47.000 RM. Brose ergänzt die Sanitären Anlagen dort,ebenso die Eß- und Aufenthaltsräume.An Weihnachten 1942 und 43 werden die Gefangenen mit Rasierzeug,Zigaretten und Spielkarten bedacht.Auch werden ihnen in bescheidenem Umfang Gartengeräte und Musikinstrumente ausgehändigt. F.folgt
Die Fa. Brose ist in der glücklichen Lage,das sie keine KZ Häftlinge und auch keine jüdischen Zwangsarbeiter einstellen muss.Das Werk ist zum einen nicht in dem Maße wie manches andere Unternehmen von den letzten großen Einberufungswellen betroffen,die diesen auch noch die letzten Facharbeiter entziehen. Brose will nicht,wie im Gegensatz dazu, manch andere Unternehmen,ihre Produktion teilweise an die östliche Peripherie des Reiches verlagern,wo sich die großen Konzentrations- und Vernichtungslager befinden. Dadurch stellt sich für Brose die Frage der Einstellung von KZ Häftlingen gar nicht. Die Fremdarbeiter reichen aber nicht aus,die vom Staat vorgegebenen Produktionsvorgaben zu entsprechen. Kein Wunder also,das der Lagebericht der Rüstungsindustrieinspektion Nürnberg,was die "Ausbringung" der 2cm Munition betrifft,negativ ausfällt,was auf den Facharbeitermangel zurückzuführen ist. Es gibt also nur noch die Möglichkeit,auf "die Deutsche Frau" zurück zu greifen!Für Brose ist das aber keine neue Perspektive,im Gegenteil.Schon seit 1940 sind zahlreiche Frauen beim Metallwerk beschäftigt,welche vom Arbeitsamt zum "Kriegshilfsdienst"abgestellt wurden. Die Belegschaft vom Jahre 1944 zeigt auf:Von den 827 Beschäftigten sind 200 russische und 17 französische Kriegsgefangene,210 sind "deutsche Männer"und 400,also beinahe die Hälfte der Belegschaft, "deutsche Frauen".Diese bilden das Gros der Belegschaft während des 2.W.K. in Coburg. Nach Unterlagen ist die Fa. Brose zum Jahresbeginn 1944 unter anderem in zwei Unterausschüssen des Hauptausschusses Munition vertreten,ausserdem in den Sonderausschüssen für "Transport-Gefäße und Behälter",sowie für "Schlösser und Beschläge" Und weil das Werk auch an der Reparatur der JU 52,sowie der "Sturzkampfbomber" JU 87 und 88 beteiligt ist,gehört es auch den für den Flugzeugbau zuständigen Ausschüssen an. So werden also nicht nur Teile für gepanzerte Wehrmachtsfahrzeuge,sondern auch Zünder,Patronenhülsen,20 l Einheitsbehälter und anderes Gerät,wie z.B. Skibindungen oder auch Flugzeugtanks hergestellt. So produziert das Metallwerk Brose bis zum Einmarsch der Amerikaner,am 11. April 1945,mit noch knapp 150 Mitarbeitern weiter. Das Werk wird von der Militärregierung zunächst stillgelegt und unter Militärverwaltung gestellt. Im Werk 2 lässt die Militärregierung dann später Maschinen der Firma Zeiss-Opton GmbH aufstellen,die dort bis 1951 "photographidche Objektive" herstellt. Zum Oktober 1945 nimmt ein "Treuhänder" seine Arbeit auf.Zu diesem Zeitpunkt hat das Metallwerk Max Brose noch 19 Mitarbeiter! Nach dem Oktober 1945 beginnt aber wieder die Produktion,genehmigt durch die Militärregierung in München. Der Firmenkatalog von 1946 hat wieder "Atlas"Produkte im Programm. Neben Fensterhebern und Kurbler,wird selbstredend der 20 Liter Kanister weiter produziert,Bügeleisen der Marke "Atlas",Bratpfannen sowie Blumengiesskannen.Letztere werden aus ehemaligen Gasmasken- Büchsen der Wehrmacht hergestellt. Besonders gefragt sind in dieser Zeit Küchenherde, welche vom Staatskommisar für das Flüchtlingswesen geordert werden.
Zitat von gerd Brose will nicht,wie im Gegensatz dazu, manch andere Unternehmen,ihre Produktion teilweise an die östliche Peripherie des Reiches verlagern,wo sich die großen Konzentrations- und Vernichtungslager befinden. Dadurch stellt sich für Brose die Frage der Einstellung von KZ Häftlingen gar nicht. Die Fremdarbeiter reichen aber nicht aus,die vom Staat vorgegebenen Produktionsvorgaben zu entsprechen.
Nur die reinen Vernichtungslager wie Auschwitz waren im Osten. KZs und deren Außenlager gab es nicht nur im gesamten Reichsgebiet, sondern in allen besetzten Gebieten (meines Wissens sogar in NEC).
Ich glaube also, dass es in Wirklichkeit andere Gründe gehabt haben muss, wenn Brose entweder keine KZ-Häftlinge beschäftigen wollte oder konnte/durfte.
Nach meiner Kenntnis war Max Brose doch der Erfinder des (mechanischen) Fensterhebers, oder? ____________________________________________________________________________________________________________ Ja das denke ich auch.
"Der Unternehmer Max Brose fertigte 1928 erstmals Kurbelfensterheber. Durch den Einsatz der 1926 patentierten Schlingfederbremse war es erstmals möglich, die Fahrzeugscheibe in jeder beliebigen Position zu halten. Diese sogenannten Kurbelapparate wurden unter dem Markennamen „Atlas“ angeboten. Kunden waren u. a. Daimler-Benz, Volkswagen sowie Borgward und Lloyd."
Borgward und Lloyd, da wird uns Oldies ja schwach in der Brust
Faraway, der Lloykoplast-Bomber sagt Dir sicherlich noch was, bevor Du zu den Straßenkreuzern mit Flügeln gewechselt bist.
Da muß ich Angelika recht geben. Man findet doch so vieles über Coburg hier raus was man vorher nicht wußte. Zum Beispiel,was hat hier Herr Brose mit diesen Scheck gezahlt.
....wie "In Franken" zu lesen ,baut also die Fa. Brose für ihre Mitarbeiter eine Fussgänger-Brücke über die Itz,damit die Leute ihre PKWs auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände parken können. Zusätzlich,bis dort die Parkplätze fertig sind,bietet die Firma ihren Mitarbeitern an,vom Parkplatz einer Discothek in MESCHENBACH(!) einen Shuttle-Bus einzusetzen,der die Mitarbeiter aus den südlichen Landkreis von dort aus nach Coburg bringt! Hervorgerufen durch die angespannte(Park) Lage am Anger,wo jetzt die Oberfrankenausstellung stattfand und in Zukunft sich das nicht bessern wird,da ja der Anger bald nur noch kostenpflichtig als Parkplatz z.V. steht,war sicher die Fa.Brose zu diesen Schritten gezwungen... Was waren das für Zeiten,als der Parkstreifen an der Itz in der Uferstrasse,praktisch von der Eisenbahnbrücke(ehemals als Zufahrt zur SÜC gedacht)bis hinunter an die Wassergasse reichend,als Parkplatz für die wenigen LKW und zum abstellen der LKW Anhänger genutzt werden konnte!...lang,lang ists her....