RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#91 von Christian , 16.11.2019 09:41

21. Wildenheid

Beginn des 15. Jh.:
Bau eines ersten adeligen Ansitzes durch die Herren von Kemmaten

1430:
Erste greifbarer Schlossbesitzer: Heinz von Kemmaten, ein Wasserschloss

1551
Bau eines zweiten Schlosses durch Wilhelm Schott zu Schottenstein

1569
Die Kemmater verkaufen das Schloss an Georg Truchsess von Wetzhausen

1661
Verkauf des Schott´schen Schlosses an Tobias Franz von Landenberg

1668
Beide Schlösser erwirbt der Rittmeister Wolf Sebastian von Bronsard

1852
Übernahme der Rittergüter durch den Coburger Staat (Domänenamt)

1878
Parzellierung des Rittergüter

1890
Wird das Schott´sche Schloss durch ein Feuer zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Architektur des Kemmater Schlosses:
Massives steinernes Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss verschiefert

Heute Nutzung des Kemmater Schlosses: Schulhaus


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RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#92 von Rolf Metzner , 18.11.2019 13:36

Zitat von Christian im Beitrag #91
21. Wildenheid
Beginn des 15. Jh.:
Bau eines ersten adeligen Ansitzes durch die Herren von Kemmaten
1430:
Erste greifbarer Schlossbesitzer: Heinz von Kemmaten, ein Wasserschloss
1551
Bau eines zweiten Schlosses durch Wilhelm Schott zu Schottenstein
1569
Die Kemmater verkaufen das Schloss an Georg Truchsess von Wetzhausen
1661
Verkauf des Schott´schen Schlosses an Tobias Franz von Landenberg
1668
Beide Schlösser erwirbt der Rittmeister Wolf Sebastian von Bronsard
1852
Übernahme der Rittergüter durch den Coburger Staat (Domänenamt)
1878
Parzellierung des Rittergüter
1890
Wird das Schott´sche Schloss durch ein Feuer zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Architektur des Kemmater Schlosses:
Massives steinernes Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss verschiefert
Heute Nutzung des Kemmater Schlosses: Schulhaus



Nach Ulrich Göpfert:

Die blutige Kindstaufe im Schloss Wildenheid


Feier zur Kindertaufe im Oktober 1542 endete mit einer blutigen Tragödie

Es gibt kaum ein Schloss in unserer Heimat, in dem sich nicht einmal eine blutige Tragödie abgespielt hat. Auch im Wildenheider Schloss, der heutigen Schule, geht noch der Geist eines Neustadter Bürgers, des Ahnherrn vieler Neustadter und Wildenheider Familien, um. Er wurde bei einem fröhlichen Kindstaufschmaus mit dem Dolch eines adligen Herrn in die Ewigkeit hinüber gemordet.

Es war im Oktober 1542
Im Wildenheider Schloss war der Storch eingekehrt und Hans von Kemmaten, der Ältere, der glückliche Vater, lud etwa fünfzehn Edelleute und einige angesehene Neustadter Bürger mit ihren Familien ein. Unter ihnen waren: der Forstmeister Sigmund von Birkig und dessen Brüder Melchior und Otto, Hans von Schönstadt, Martin von Hutten, der Neustadter Hauptmann Philipp Brenner, Lorenz Uellein, ein erfahrender Kriegsmann, Hans Braunschmidt, der Ältere, einen Mann von 67 Jahren, und dessen Sohn Hans Braunschmidt, der Jüngere.

Der Kindstaufschmaus begann schon in aller Frühe. Man sprach dem Essen und vor allem dem Wein tüchtig zu und schon beim Frühstück waren die Köpfe erhitzt, besonders bei den jungen Männern. Mitten in die schönste Gemütlichkeit platzte jäh ein Streit zwischen Jacob von Kemmaten, dem Vetter des Schlossherrn, und dem jungen Braunschmidt.

Der junge Edelmann scheint den jungen Bürgersohn etwas von oben herab behandelt zu haben. Aber da kam er bei dem jungen Braunschmidt übel an. Dessen Bürgerstolz hatte vor dem Adel nicht allzu großen Respekt, vor allem nicht vor jener Linie der Herren von Kemmaten, der Junker Jacob entstammte. Mit dessen Vater war schon des Braunschmidts Großvater bös zusammengeraten. Der junge Braunschmidt war zudem noch einer, der sich vor nichts fürchtete, "ein Geradezu", der sagte, was er dachte und daher oft genug in Raufhändel kam. Bei einer solchen Schlägerei hatte er auch ein Auge eingebüßt.

Die beiden jungen Männer hatten zunächst friedlich miteinander gezecht und waren, während die alten Herren ihre vom Wein erhitzten Köpfe im Schlosshof dem Herbstwind aussetzten, in der oberen Stube beim Wein geblieben. Da kam der junge Herr von Kemmaten auf``s "Krebsen" zu sprechen. Er hatte mit den Braunschmidten einen Bach gemeinsam, der in den Schafsee ging. In dem hatte Bartel Braunschmidt, der noch nicht mündige Bruder des Hans, Krebse gefangen, ohne die Hälfte an den Kemmater abgeliefert zu haben. Jakob von Kemmaten verbat sich das in anscheinend schroffer und beleidigender Art. Nun brauste der Braunschmidt`sche Jähzorn auf. "Was willst denn du, du armseliger ohnmächtiger Edelmann!" Im Nu stand` s vor einer Rauferei. Da kam der Schlossherr dazu und schaffte seinen Vetter aus der Stube.

Beim Mittagsmahl war alles wieder in schönstem Frieden und auf den Abend zu waren die Frauen in der Frauenstube und der größte Teil der Gesellschaft wieder im Schlosshof. Der junge Braunschmidt aber saß mit einigen vom Adel noch oben beim Wein. Da trat plötzlich der junge Kemmater wieder in die Stube. Das war für den Braunschmidt ein rotes Tuch. "So, da kommst du wieder, Kemmater?" schrie er, "wir wollen die Krebse endlich teilen!" und sprang vom Tisch auf. Da nahm der Kemmater einen Trinkbecher und schleuderte ihn auf den jungen Braunschmidt. Aber nun gab` s für diesen kein Halten mehr. Im Nu war eine wilde Schlägerei im Gange, Schwerter und Dolche wurden gezogen. Drei, vier stürzten sich auf den jungen Braunschmidt und versuchten ihn zum Fenster hinaus zu stürzen.

Den jungen Kemmater hatten einige Frauen, die aus der benachbarten Stube hinein geeilt waren, gepackt und auf die Boorlaube hinaus gedrängt. Lorenz Uellein, der aus dem Hof herauf geeilt war, entriß dem Kemmater das Schwert, und mischte sich unter die Raufenden in der Stube. Dort hatte sich die Situation völlig gedreht. Die drei Herren von Birkig hatten, verärgert über Jacob Kemmater, die Partei des jungen Braunschmidt genommen, und kreuzten die Schwerter mit Hans von Schönstadt, der auf der Seite des Kemmater war.

Da sprang der alte Hans Braunschmidt dazwischen, um Frieden zu stiften und brach im nächsten Augenblick mit einem Aufschrei zusammen. Ein Dolch war ihm heimtückisch in die Seite gefahren.

Unterdessen tobte der junge Braunschmidt weiter und man hatte die größte Mühe, ihm sein Messer zu entreißen. Die anderen waren aber durch das Blut des alten Mannes, der den ganzen Tag über still gewesen war, wieder ernüchtert.

Als dann der Hans von Schönstadt wieder hereinkam, und den Alten fragte, wer ihn gestochen hätte, erhielt er die Antwort: "Da fragt ihr noch, Junker?" Ihr seid`s gewesen!" Hans von Schönstadt beschwor, er sei nicht der Täter. "Wie käme denn ich dazu, lieber Braunschmidt? Ihr habt mir doch im Leben schon so viel Gutes erwiesen. Und meinen Vater auch. Ich bin`s nicht gewesen."

Der alte Braunschmidt aber blieb darauf bestehen, war aber, wie er noch kurz vor seinem Tod - er starb in der Nacht in seinem Neustadter Haus - sagte, der Überzeugung, dass Hans von Schönstadt nicht ihn, sondern einen anderen habe treffen wollen.

Die Söhne des Ermordeten und seine Schwiegersöhne Hans Stehtmann, Caspar Großkopf und Jacob Langbein klagten Hans von Schönstadt wegen des Mordes an. Der Akt mit den Angaben des Schönstadters und der Zeugen ist noch vorhanden.

Hans von Schönstadt versuchte die Schuld auf den jungen Braunschmidt zu schieben, dessen blutiger "Brackenfelder" später in der Stube gefunden worden war. An den Schwertern und Dolchen der anderen aber hatte man kein Blut gefunden. Sie hatten es wohl abgewischt. Eine Reihe von Angaben des Schönstadters wurde als falsch nachgewiesen. So versuchte er, es so darzustellen, dass der junge Braunschmidt, nachdem er gesehen habe, was er angerichtet, sich selbst hätte zum Fenster hinaus stürzen wollen.

Einer seiner Belastungspunkte gegen den jungen Braunschmidt war: "Die Leiche des Alten hat zu bluten angefangen, als sein Sohn an die Bahre trat." Das ist ein alter germanischer Aberglaube, der ja auch in der Siegfried-Sage eine Rolle spielt. Als Hagen der Mörder Siegfried` s an die Bahre des jungen Helden trat, brach die Wunde wieder auf.

Die Untersuchung gegen Hans von Schönstadt dauerte über zwei Jahre und beschäftigte sogar die Universität Wittenberg. Es konnte aber nicht erwiesen werden, dass der Schönstadter tatsächlich den tödlichen Stich getan habe und so wurde die Familie Braunschmidt mit ihrer Klage abgewiesen. Gegen den jungen Braunschmidt aber hatten sich keine Verdachtsgründe ergeben, dass er den tödlichen Stich getan habe.



Hier noch 3 aktuelle Fotos dieses Schlosses als Schulgebäude:


 
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RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#93 von Christian , 23.12.2019 14:44

22. Burgruine in Fürth am Berg

1348 Erstmalige Erwähnung als Amtsburg des Bischofs von Bamberg, danach Residenz der adeligen Amtmänner zu Fürth

1489 Erwähnung einer Waldglashütte auf dem Burggelände.

1525 Beschädigung im Bauernkrieg.

1660 Aufgabe der Amtsburg, der Bamberger Amtmann verlegt seine Residenz ins Dorf.

1740 Zerschlagung des dazugehörigen Rittergutes und beginnende Verwahrlosung der Burg, Anlage wird zu einem billigen Steinbruch.

1850 Verbot des Steinebrechens durch die Coburger Landesregierung.

1960 Sprengung der letzten größeren Teile der Burganlage.


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RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#94 von Christian , 25.01.2020 09:46

23. Schloss Hassenberg

1316 Erstmalige Erwähnung einer Burg im Besitz der Grafen von Wildberg

1406 Konrad von Brandenstein auf Hassenberg

1429 Verkauf an Heinz von Redwitz

Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg

1684 Die Redwitzer verkaufen das Schloss an der Coburger Kammerdirektor Stockhorner von Starein.

1689 Bau des gegenwärtigen Schlosses als ein frühes Beispiel des Klassizismus

1690 Bau der Schlosskirche

1694 Isaak Buirette von Oehlefeld, Bankier, erkauft.

1711 Heinrich Johann von Schilling, General, erkauft.

1750 Hauptmann Georg Albrecht von Kanne, erblich.

1782 Wilhelm von Wasmer, erblich.

1857 Zwangsversteigerung wegen Verschuldung des letzten Schlossbesitzers, Übernahme durch den Staat

1858 Umbau zu einem Gefängnis

1877 ein "Weiberzuchthaus für die sieben Thüringer Staaten" (bis 1911)

1914-18 Kriegsgefangenenlager

Nach 1933 Gefängnis für politische Gegner

Das Schloss steht heute leer und ist durch Umbau völlig entstellt. Ein architektonisches Kleinod ist hingegen die Schlosskirche.


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RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#95 von Christian , 24.02.2020 08:42

Unteres Schloss zu Untersiemau

1195 Erwähnung eines ersten Siemauer Ritters.

nach 1200 Bau des heutigen unteren Schlosses durch die Siemauer.

1635 stirbt das Geschlecht der Siemauer aus.

1637 Hans Adam von Könitz neuer Eigentümer.

1866 Aussterben der Herren von Könitz auf Untersiemau

1911-19 Umbau des Schlosses in Auftrag des Kommerzienrats Hermann von Schroedel-Siemau durch Bodo Ebhardt

1997 verkauft die Familie von Schroedel-Siemau das Anwesen

1999-2003 Sanierung des Schlosses

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:...sserschloss.jpg


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zuletzt bearbeitet 24.02.2020 | Top

RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#96 von Christian , 26.02.2020 09:02

Oberes Schloss zu Untersiemau

1195 Erwähnung eines ersten Siemauer Ritters. Dieser sitzt auf dem oberen Schloss.

1521 Verkauf des Schlosses durch die Siemauer an die Herren von Brandenstein

Ende des 17. Jh.: Verkauf an die Familie Muffel von Eschenau (Nürnberger Patriziergeschlecht)

Nach 1680 Bau des heutigen Schlosses unter der Familie Muffel von Eschenau

danach im Erbgang an die Familie von Könitz (bis 1832)

1866 Besitzer ist die Herzogliche Landesbank zu Coburg

1870 Karl Fischer, Historiker, erkauft.

1888 Adolf Barth, Zigarrenfabrikant, erkauft.

1899 August Schubert, Brauereibesitzer, erkauft.

1902 Josef Ott, Schneidermeister, erkauft.

1923 Carl Busch, Hotelbesitzer (Dieser Familie gehört das Schloss heute noch)

1945 Flüchtlings- und Vertriebenenunterkunft

1960 Geplanter Umbau zu einem Gasthaus mit Fremdenzimmer (nicht realisiert)

heute: leerstehend

https://de.wikipedia.org/wiki/Oberes_Sch...Untersiemau.jpg


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RE: Rodachtal im Westen vom Coburger Land

#97 von Christian , 28.03.2020 09:11

Schloss Scherneck

Um 1350 Existenz eines Adelssitzes

1580 Philipp von Lichtenstein zu Wiesen

1621 Wilhelm von Streitberg zu Ahorn

1638 Im Besitz der Landesherrschaft

1642 Ein Haus und adeliger Ansitz mit Wassergraben

1645 Jacob Drach, Kanzler zu Coburg

1659 Dr. Johann Christian Amling, Gutsbesitzer zu Meeder

1682 Baron Hans von Völlderndorf und Waradein

1700 Georg Christoph von Merklin auf Scheuerfeld

In den nächsten 200 Jahren hatte das Schernecker Rittergut 13 verschiedene Eigentümer bzw. Besitzerfamilien, von denen nur vier länger als zwei Jahrzehnte aushielten: die von Hendrich auf Ahorn (1714-73) die von Imhoff auf Hohenstein (1773-1800), die Familie Greiner (1800-25) und die Freiherrn von Lichtenberg bzw. Steinau (1825-60).

1861 Im Besitz der Brüder Heinrich und Georg Gutgesell

1908 im Besitz der Brüder Theodor und Emil Oswald

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Sc...s_Scherneck.jpg


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Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt



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