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Dieses Thema hat 14 Antworten
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 Das Coburger Umland
gerd Offline



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04.03.2012 17:57
Gleichberge Zitat · antworten

Hat jemand hier im Forum zu den Bergen "Grosser und kleiner Gleichberg",die ja bei guter Sicht von Coburg aus zu sehen sind,Erkenntnisse oder kennt sich da aus? Am Fusse das Städtchen Römhild/Thüringen.

Feldwebel M Offline




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04.03.2012 18:28
#2 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Auf dem großem Gleichberg befand sich vor der Wende ein Objekt der russischen Armee. Auf dem Weg hinauf kommt man an einem Denkmal für die Gefallenen des 2. WK vorbei.

Phoenician Offline



Beiträge: 224
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09.03.2012 20:48
#3 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Hat jemand hier im Forum zu den Bergen "Grosser und kleiner Gleichberg",die ja bei guter Sicht von Coburg aus zu sehen sind,Erkenntnisse oder kennt sich da aus? Am Fusse das Städtchen Römhild/Thüringen.
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Angefügte Bilder:
Gleichberge 001.jpg  
gerd Offline



Beiträge: 4.386
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09.03.2012 22:16
#4 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Leider haben diese Bergkegel dort bei der Ortschaft Römhild auch eine weniger schöne Geschichte.Schon in alter Zeit wurde am Nordhang des grossen Gleichberges ein Basalt-Steinbruch eröffnet.
Wer anderes als die damaligen Machthaber im 2.W.K.nutzten von 1943 bis 1945 diesen Steinbruch für ein sogenanntes "Arbeitserziehungslager"..Es war bekannt unter AEL-Römhild.Hierher wurden Zwangsarbeiter gebracht,die sich an ihrem Arbeitplatz schuldig gemacht hatten(z.B. durch Sabotage)Sie mussten mehrere Wochen im Steinbruch unter furchtbaren Bedingungen schuften und waren den Drangsalen ihrer "Kapos" ausgesetzt.Viele haben diese Torturen dort nicht überlebt.
Als schon der Kanonendonner der vorrückenden US-Army im Jahr 1945 zu hören war,wurde ein Treck von rund 400 gehfähigen Häftlingen zusammengestellt und diese,an den Ortschaften vorbei,über Sonneberg,Kronach,den Frankenwald,Fichtelgebirge bis ins Oberpfälzische Flossenbürg getrieben,wo sich ja das berüchtigte KZ befand.Es ging sogar noch weiter bis in die Tschechei hinein,wo sie dann von den Soldaten der US Army befreit wurden.Viele ,welche den Strapazen dieses Marsches nicht gewachsen waren wurden erschossen.
Die nicht gehfähigen Häftlinge welche im Lager am Gleichberg zurück blieben,wurden im Steinbruch erschossen,bzw. man trieb sie in einen Sandstollen,erschoss auch dort einige,doch ein Teil der Leute dürfte in dem Stollen erstickt sein.
Als man im jahre 1947 durch einen Hinweis darauf aufmerksam wurde,erschienen Sowjetische Offiziere, liessen den verschütteten Zugang zu dem Sandstollen frei legen und machten eine furchtbare Entdeckung.Unmittelbar hinter dem Eingang fand man ineinander verschlungene Leichen,die in Verwesung übergegangen waren.Bei der Identifizierung der einzelnen Körper,fielen diese,schon als Skelett und nur noch von den Stoff Fetzen zusammen gehalten ,auseinander.
Der Sandstollen,der etliche Meter in das Bergmassiv hinein lief,hatte links und rechts Nischen,wo auch Sand abgebaut wurde.Auch hier fand man verweste Leichen,die teilwiese übereinander lagen.
Es dauerte Tage,bis alle Leichen aus den Stollen heraus gebracht werden konnten,teilweise war es sogar nicht mehr möglich die einzelnen Körper auseinander zu halten.Man legte die Überreste zusammen in einen Sarg.
Es sollen dort weit über 70 Menschen umgekommen sein.

gerd Offline



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06.08.2013 20:33
#5 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Da bin ich gestern mit der BMW mal an die ehemalige Grenze bei Rottenbach gefahren. Wenn ich dort oben bin statte ich meistens dem ehemaligen Bahnhof Görsdorf einen Besuch ab. Ich war überrascht das am Bahnhof von einer Coburger Baufirma Bauarbeiten durch geführt werden. Am Eingang zu dem Wochenendgrundstück stehen jetzt zwei alte Bahnschranken und dienen als Fahnenmaste. Einen Bauarbeiter nach den Besitzer gefragt, sagte er mir, das hier ein Besitzerwechsel statt gefunden hätte. Der neue Besitzer des ehemaligen Bahnhof Görsdorf ist nun ein Unternehmer aus Lautertal.
Auf die dort seit neuester Zeit aufgestellten beiden Bahnschranken angesprochen , meinte der Bauarbeiter, das die am Coburger Güterbahnhof gestanden hätten und so vor dem Schneidbrenner gerettet wurden.
Auch wenn es belanglos erscheinen mag, ist es schön, das solche Sachen erhalten bleiben. Und so ganz ungewöhnlich ist das dort auch nicht, denn unmittelbar am Bahnhof war früher ein Überweg, der mit Schranken gesichert war.
Man kann sich nicht vorstellen, was früher auf der Werrabahn los gewesen ist, auch wenn die Strecke größtenteils nur einspurig befahren werden konnte.( Von den rund 150 km Werrabahn von Lichtenfels nach Eisenach, waren nur ca. 30 km zwei spurig befahrbar)
So unscheinbar sich das "Bahnhöfle" Görsdorf auch zeigt, es kam Ihm damals eine entscheidende Rolle zu.
War hier nicht nur der Scheitelpunkt(etwa bei der Ortschaft Heid) zwischen Coburg und Eisfeld zu finden, so wurde beim Görsdorfer Bahnhof bald ein Ausweichgleis erforderlich, denn die langen Güterzüge, die damals aus dem Kali Revier zwischen Meiningen und Eisenach über die Werrabahn nach Süddeutschland und sogar bis nach Italien abgefahren wurden, mussten den schnelleren D- und Eilzügen den Vorrang lassen.
Weitere Ausweichmöglichkeiten auf der Strecke waren der Bahnhof von Tiefenlauter und weiter runter ein Ausweichgleis etwa auf der Höhe zwischen Unterlauter und Dörfles Esbach gelegen.(Genau lässt sich das aber heute nicht mehr lokalisieren, weil dort die Autobahn die Landschaft entscheidend verändert hat!)
Auch heute noch ist ja die Strecke bis nach Lichtenfels einspurig und bei Seehof im Lichtenfelser Forst ist ebenfalls eine Ausweichmöglichkeit gegeben.

gerd Offline



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06.08.2013 20:43
#6 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Für die umgekommenen KZ Häftlinge vom Großen Gleichberg wurde später eine Gedenkstätte errichtet.
Auf meiner gestrigen Tour kam ich dann auch zur Ortschaft Waldhaus, zwischen den Gleichbergen gelegen. Hier befindet sich auch das Steinsburg Museum.
Auf dem dortigen Parkplatz, eine Frau zur Gedenkstätte angesprochen, meinte sie ,da die Gedenkstätte etwas abseits im Wald liegt, wäre sie in schlechten Zustand und nur von Zeit zu Zeit kämen Ausländer und Jugendgruppen welche dort Blumen nieder legten.
Wen interessiert es denn, was dort geschah?----Vergessen!....

Stammbus Offline



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07.08.2013 12:49
#7 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #5

Auch heute noch ist ja die Strecke bis nach Lichtenfels einspurig und bei Seehof im Lichtenfelser Forst ist ebenfalls eine Ausweichmöglichkeit gegeben.


Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es in Thüringen auch mindestens einen zweispurigen Abschnitt gibt oder zumindestens gab. Nicht zu vergessen der Abschnitt Coburg-Creidlitz, der nach meiner Kenntnis nachträglich auf zwei Gleise erweitert wurde, und bis zum Bau der Frankenbrücke auch zwischen "Hauptbahnhof" und Güterbahnhof ebenfalls zweigleisig war.

gerd Offline



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07.08.2013 18:15
#8 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Stimmt Erhard! Und unter der Frankenbrücke soll wieder ein zweites Gleis verlegt werden.
Bei dieser Gelegenheit :......

Ich zitiere einmal aus dem Buch :"Die Werrabahn" von Dietsch,Goldschmidt,Löhner.

Im August 1947 verhandelten in Bielefeld die Reichsbahn aus West und Ost über die Eröffnung neuer Übergänge. Zur Entlastung des Engpasses Bebra-Würzburg wurde auch die Wiedereröffnung der Werrabahn bzw. Werratalbahn zwischen Coburg und Gerstungen vereinbart.(!)
Ab Sept. 1947 sollten sechs Durchgangsgüterzüge in jeder Richtung rollen. Es waren sogar schon die Fahrzeiten geregelt.
Zur Aufnahme des Zugverkehrs kam es aber nicht, nach wie vor waren alle Fernmeldeverbindungen zwischen Eisfeld und dem Bahnhof Görsdorf unterbrochen.(Der Bahnhof Görsdorf liegt auf Bayerischen Gebiet,die Ortschaft Görsdorf aber in Thüringen)
In Hauptsache konnten sich die beiden Bahnverwaltungen über die Lokomotivfrage nicht einigen.
Die Reichsbahndirektion Erfurt sah sich nicht in der Lage,Lokomotiven für die Züge zwischen Bebra und Coburg bereit zu stellen und schlug vor, von Coburg bis Gerstungen Loks aus der Direktion Nürnberg und von Gerstungen bis Bebra der Direktion Kassel einzusetzen.
Für das Coburger Bahnbetriebswerk war dieser Vorschlag jedoch schon wegen der unerträglich langen Ausbleibezeiten(!) des Lokpersonals und der fehlenden Übernachtungsräume in Gerstungen nicht annehmbar, eine Bespannung der Züge ab Coburg hielt man maximal bis Meiningen für vertretbar, das Vorhandensein der acht Lokomotiven vorausgesetzt.
Im Juli 1947 hatte die Direktion Nürnberg die Anweisung gegeben, den Bahnhof Görsdorf so herzurichten, dass ab den 4.August 1947 die Züge bis Görsdorf verkehren könnten. Als erster Zug erreichte dann an diesem Tag der Mittagszug GmP 8264 um 12.53 Uhr den Bahnhof Görsdorf. Der bis dahin bestehende provisorische Posten Haltepunkt 110 Görsdorf, konnte somit wieder aufgelassen werden!
Jedoch bei weiteren Gesprächen der Allierten 1947 in Berlin kam es zu keinen Vereinbarungen wegen Eröffnung neuer Eisenbahnübergänge.
Im Frühsommer 1948 sah es kurzzeitig so aus, als ob die Wiedereröffnung in greifbare Nähe gerückt war. Die Strecke war wieder hergerichtet worden, auch Fernmelde und Sicherungsanlagen waren intakt. Für die Dampfloks stand sogar Ruhrkohle zur Verfügung(!)
Dann machte jedoch die am 24.Juni 1948 einsetzende Berlinblockade alle Hoffnungen, die Werrabahn wieder zu eröffnen zunichte!

Das Jahr 1949 brachte dann einen gravierenden Einschnitt für der Werrabahn nördlich von Coburg, bei dem es sogar auf dem Coburger Marktplatz zu einer Protestversammlung kommen sollte.....

Rolf Metzner Offline




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07.08.2013 18:46
#9 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Hier mal ein Kursbuch der WERRA-Bahn "Eisenach-Meiningen-Lichtenfels" (bzw. umgekehrt) von 1944 (mit Haltepunkten in Tiefenlauter und Görsdorf):

gerd Offline



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16.08.2013 09:19
#10 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Aus dem Werk: "Die Werrabahn" von den Autoren,Dietsch,Goldschmidt und Löhner, einige interessante Sätze, wie sich vor langer Zeit der Bahnbetrieb gestaltete!

Wer heute nach Lichtenfels-Innenstadt fährt, unterquert in der Coburger Straße die Bahn.
Diese Unterführung wurde erst in den 3o er Jahren des letzten Jahrhundert gebaut. Zuvor war dort ein Bahnübergang, dessen Schranken meist geschlossen waren. Das kam dadurch, weil dort die Strecke der Werrabahn, der Frankenwaldbahn und die Gleise nach Hof abgingen. Hinzu kam ständiger Rangierverkehr. Es stauten sich die Fuhrwerke und wenigen LKWs, die es damals gab. Längere Wartezeiten waren an der Tagesordnung. Um wenigstens den Fussgängern eine Möglichkeit zu geben, die Geleise zu überqueren, baute man dort einen eisernen Übergangssteg. Der wurde zunächst von den Passanten auch angenommen, aber bald stellte es sich heraus, das die Situation alles in Allem zu umständlich war. Letztendlich kam es dann zum Bau einer Unterführung und das Problem war gelöst!
Dort in der Coburger Straße befand sich von alters her schienengleich das Coburger Tor und die Geleise waren zunächst nur mit Lattentoren gesichert, auf und zu gemacht von einem Bahnbediensteten!.
Eine zeitgenössische Schilderung aus Lichtenfels :
....der Hardla (das war der Bahnwärter am Coburger Tor) hat ins Horn gestossen und schließt die Lattentore ,erst auf der stadtauswärtigen und dann auf der inneren Seite. Die Fussgänger, die noch den Übergang im Laufschritt erreichen möchten, werden beiderseits zurück gescheucht. Der Hardla hat indessen die, an blauweißer Schnur getragene Signaltute und die lange Blechhülse mit der Signalfahne umgehängt und den unnahbaren "Dienstkopf" aufgesetzt!
Fuhrwerkslenker und Fußgänger harren zunächst ruhig der Dinge, die da kommen sollen......

Der Werrazug lässt auf sich warten...Er hat für seine 40 bis 50 Wagen nur 3 bis 4 bediente Bremsen(!!)welche den Zug nur bei langsamer Fahrt an der richtigen Stelle im Bahnhof zum stehen bringen können!
Endlich naht der Werrazug! Ein Veteran des Lokomotivbaues bringt ihn heran. Der dünne ,lange Schornstein sowie das fehlen jeglichen Wetterschutzes für das Personal,(Lokführer und Heizer) kennzeichnen das Aussehen der Maschine.
Auf den Dächern der Fracht und Personenwagen, auf eisernen Sitzen, ist das Bremspersonal untergebracht. Auch diese Männer hatten keinerlei Deckung vor Wind und Wetter; einzig Lammfellmützen, Schafpelze und Filzstiefel schützten sie vor der Winterkälte und den Schneestürmen des Thüringer Waldes...!

Später wurden dann für die "Bremser" auf den Waggons die Bremserhäuschen eingerichtet und die Dampfloks bekamen ihre Führerhäuser.
Als dann die Herren Westhinghouse und Knorr ihre Druckluft Bremsen entwickelt hatten und zur Serienreife brachten, konnten die "Bremser" auf den Zügen entfallen.

gerd Offline



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18.08.2013 13:34
#11 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Welchen Stellenwert die ehemalige Werrabahn für Coburg hatte ,kann man an folgenden Beispielen erkennen...
...1936 wurden die Frachttarife leicht angehoben. Trotzdem wurden am Coburger Güterbahnhof täglich bis zu 130 Waggons umgeschlagen. Innerhalb von 24 Stunden wurden 45(!) Güterzüge vom Güterbahnhof abgefertigt. Davon kamen 22 an und 23 verließen die Veste-Stadt.
Interessant ist, das damals schon ein Güterkraftverkehr der Reichsbahn existierte und hier ein, wenn auch nur geringer Anteil des Güteraufkommens, von einer Spedition Forkel im "Güter Schnellverkehr" zwischen Coburg und Eisfeld mit LKWs befördert wurde! Hierzu wäre anzumerken, das damals die Reichsstraße 4,spätere Bundesstraße 4,durch das Lautertal nach Eisfeld lief und eine der wenigen ausgebauten Straßen im Coburger Land war....(Wer hätte sich damals vorstellen können, das einmal die Bahn sich aus dem Stückgut Verkehr total zurück ziehen und alles dem LKW Verkehr überlassen würde?)
Die Briefpost sorgte mit täglich etwa 30 bis 35,jeweils 1 Meter hohen Säcken für Aufkommen im Coburger Güterbahnhof. Die Post kam aus Nord und Westdeutschland und erreichte somit über die Werrabahn ihr Ziel.

gerd Offline



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27.08.2013 12:10
#12 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Wie ich schon erwähnt habe, war ja die ehemalige Werrabahn mit einer Gesamtlänge von rund 150 km (Eisenach-Lichtenfels) nur auf ca. 30 km zweispurig ausgebaut worden. Um hier weiter bauen zu können, scheiterte es wohl an den finanziellen Mitteln.
Wichtig für diese Bahnlinie waren wohl die frühen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Nicht nur durch "arbeitsbeschaffende Maßnahmen", sondern auch durch Bahn-Interne Verbesserungen konnten Kosten gesenkt, die Durchlassgeschwindigkeit der Züge verbessert werden. So wurde z.B. bei der Station Grub a.F. eine Blockstelle errichtet, Ausweichgleise im Bahnhof Görsdorf, Dörfles- Esbach sowie in Seehof eingebaut werden.(Bei dieser Gelegenheit ist der kleine Bahnhof Görsdorf neu entstanden)Umfangreiche Signal Anlagen mussten hier erstellt werden.
Hier konnten nun Zugkreuzungen statt finden, was sich auf die Zugfolge positiv auswirkte.
Da im Lauf der Jahre die Güterzüge immer länger wurden, reichten oftmals die vorhandenen Ausweichgleise in der Länge nicht mehr aus und es mussten z.T. Waggons abgehängt werden, um nach einer Zugkreuzung wieder in den Zug eingestellt zu werden. Das erforderte eine Menge an Rangierarbeit und Zeit.
Auch hier wurden die Gleisanlagen verbessert und man kam letztendlich zur Überzeugung, das ein weiterer zweispuriger Ausbau der Bahnlinie nicht mehr erforderlich sei.

gerd Offline



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12.09.2013 20:55
#13 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Am 18. Febr. 1856 kam es in der Nähe der Schleusebrücke bei Grimmelshausen in Thüringen zum ersten Spatenstich für die neue Werrabahn. Der Ort liegt etwa genau in der Mitte der neu zu erstellenden Bahnlinie, die von Eisenach nach Lichtenfels gebaut werden sollte.
Zwischen der Ortschaft Heid in Thüringen und Tremersdorf auf bayerischer Seite begannen am 22.März 1856 die Bauarbeiten.
Man muss wissen, das zu dieser Zeit, sich das Deutschland über zahlreiche Länder und Herzogtümer erstreckte, welche ihre eigene Währung und Maßeinheiten hatten!
Das Jahr 1866 begann für die Werrabahn, die schon 10 Jahre ihren Dienst versah, hoffnungsvoll. Ein lebhafter Aufschwung mit den damit verbundenen Einnahmen war zu verzeichnen.
Allerdings kam es zu militärischen Konflikten zwischen Preussen und dem Österreichischen Bund, dem auch Bayern angehörte. Sachsen -Meiningen stand geographisch zwischen den Fronten, politisch aber auf der Seite von Bayern.
Die Verlegung des Kriegsschauplatzes in die Nähe der Werrabahn machte alle Hoffnungen auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage aber wieder zunichte!
Die feindlichen Heere nahmen an den Endpunkten der Bahnlinie Aufstellung und eine der ersten militärischen Handlungen war die Stilllegung der Strecke zwischen Eisenach und Coburg, vom 20.Juni bis 18. Juli 1866. Und auf der Strecke Coburg - Lichtenfels vom 20. Juni bis 7. August 1866. Die Zweigbahn von Coburg nach Sonneberg wurde nur vom 6. bis 11. Juli 1866 nicht befahren!
Die Stilllegung wurde von der Thüringischen Eisenbahn Gesellschaft beschlossen. Auf deren Veranlassung hin , konnten noch einige Lokomotiven, sowie Waggons nach Erfurt in Sicherheit gebracht werden.
Ein zeitgenössischer Bericht:
" Als die Coburger Soldaten ihr Land entblößt hatten, weil sie bei den Preussen standen, hatten die Bayern das Coburger Land besetzt! Die Bayern hatten nichts schnelleres zu tun, als die Schienen von Coburg nach Ebersdorf weg zu reißen. Dann bauten sie wieder und so ging es fort, bis sie wieder in ihr Land getrieben wurden!"
Das alles ging nicht ohne große Schäden für die Werrabahn ab, besonders die Telegraphenapparate in Meiningen und Walldorf wurden von den Truppen zertrümmert. Hinzu kamen Zerstörungen an Übergängen und Durchlässen .Einige Lokomotiven und Wagen, welche in Lichtenfels stehen geblieben waren, wurden auf bayerischen Strecken eingesetzt!

Die Kosten der Zerstörungen zwischen Coburg und Lichtenfels wurden aber später durch die bayerische Regierung erstattet.

Am 26. Juni 1866 wurde das Herzogtum Meiningen von bayerischen Truppen besetzt. Im Bahnhof von Meiningen wurden die Telegraphenleitungen zerstört und die Schienen
entfernt. Als kurze Zeit später die Preussischen Truppen anrückten, floh Herzog Bernhard, der auf Seiten der Bayern stand ,nach Mellrichstadt.
Nach dem Einmarsch der Preussischen Truppen wurden die Bahnanlagen wieder hergerichtet und der Betrieb konnte am 18.Juli 1866 wieder aufgenommen werden!

Ergebniss dieses Krieges, den die Preussen gewonnen hatten, war die Tatsache, das Herzog Bernhard von Sachsen-Meinigen abdanken musste. Sein Sohn Georg II. sollte danach der regierende Herzog des Landes werden.

gerd Offline



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12.09.2013 21:16
#14 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Am 1. Oktober 1895 übernahm die "Königliche preußische Eisenbahnverwaltung" die Betriebsführung der Werrabahn, die ja bis dahin der "Thüringischen Eisenbahn Verwaltung" unterstand. Die Preußische Eisenbahnverwaltung wurde in "Königliche Eisenbahndirektionen" unterteilt ( KED) und die werrabahn der KED Erfurt einverleibt.
Durch die Eingliederung der Werrabahn in die preußische Verwaltungsstruktur, erhielten die Stationen/Bahnhöfe Eisenach, Meiningen, Coburg und Lichtenfels den Rang 1. Klasse! Später sollte noch der Bahnhof Salzungen dazu kommen.
Nachdem nun die Bahnlinie zu Preussen gehörte, nahm die Werrabahn einen nie geahnten Aufschwung!
Strecke, Bahnhöfe sowie Fahrzeuge wurden grundlegend modernisiert und aus der alten Werrabahn wurde innerhalb weniger Jahre eine gut organisierte und leistungsfähige Eisenbahn!

gerd Offline



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15.09.2013 09:11
#15 RE: Gleichberge Zitat · antworten

Nachdem die Werrabahn in die Hände der KED Erfurt gekommen war, nahm diese Bahnlinie einen starken Aufschwung, wie bereits berichtet.
Als im Jahre 1889 das "Coburger Tor" in Lichtenfels abgebrochen war, blieb aber die Situation dort an einen der meistgenutzten Bahnübergänge unbefriedigt.
Neben täglich ca. 150 (!!)Personen und Güterzügen, die den Bahnübergang passierten, kamen viele Lokomotivfahrten zu bzw. von den beiden Lokschuppen hinzu. Außerdem fanden viele Rangiermanöver statt, sodass die Schranken über die Coburger Straße ständig zu waren.
Wartezeiten von Passanten und Fuhrwerken von bis zu einer Viertelstunde und länger waren an der Tagesordnung!
Daraufhin wurde dort ein Steg über die Gleise errichtet, der den Passanten dienen sollte.
Zunächst von den Leuten angenommen, wurde er aber immer weniger benutzt, denn es kam öfters vor, das die Leute oben auf dem Steg waren und unten die Schranken geöffnet wurden Einzig die Kinder hatten ihren Spaß dabei, denn es war ein Wettbewerb in den Kamin einer Lokomotive zu spucken oder im Winter einen Schneeball da hinein zu werfen, was aber meistens misslang, denn bei Minusgraden war der Steg in weiße Dampfwolken gehüllt und wer oben auf dem Steg stehen blieb war binnen Kurzem schwarz wie ein Schlotfeger.
Mit ähnlichen Problemen kämpften die Coburger, denn im Anschluss an die alte Judenbrücke, war ebenfalls ein Bahnübergang. Hier konnte man in Richtung Judenberg, Adamistraße und Neuer Weg die Gleise überqueren. Da sich auf Seite der Adamistraße früher Güterschuppen befanden und die produzierten Waren aus der Stadt dorthin gebracht werden mussten, staute sich der Verkehr ebenso wie in Lichtenfels.
Als man später dann die Bahnlinie vom Schlachthof Bahnübergang in Richtung Bahnhof höher legte, geschah dies aus mehreren Gründen.
Die Judenbergunterführung schaffte Abhilfe für den dortigen Bahnübergang. Ebenso gestaltete sich die Situation bei der Callenberger Unterführung, denn dort war zunächst ebenfalls eine Schranke!
Auf dem Bahnhofsgelände gestaltete sich die Situation teilweise sehr gefährlich, denn verschiedene Bahnsteige konnten nur durch Überschreiten der Gleise erreicht werden, was immer wieder zu Unfällen führte!
Durch die Anhebung der Gleise im Coburger Bahnhof konnte der Tunnel als Zugang zu den Bahnsteigen geschaffen werden, wie er bis heute besteht.
Bei Bodenbohrungen dort im Bahnhofsbereich kam Flusskies und Schwemmsand zum Vorschein. Deshalb liegt es nahe, das dort früher Wasser der Itz und der Lauter geflossen ist. Obwohl der neue Bahnhof dann im Eingangsbereich höher gelegt wurde, kam es bei Hochwasser, welches die Itz und ihre Nebenflüsse heran brachten ,stets zu Überschwemmungen. Erst der Bau des Schönstett Speicher im oberen Itzgrund brachte dann Entspannung für den Bahnhof.(Erinnert sei dabei an das Hochwasser Weihnachten 1967, als dort "Land unter " war!

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