Der Vergleich mit Schloss Linderhof stammt von Morsbach/Titz.
Der Eigentümer hat noch einen Originalplan des Gartens, den Wöhner gezeichnet hat. Zur Rekonstruktion des Gartens wurden einige Bäume gefällt. Dies führte, wie die hölzerne Schallschutzwand entlang der Goethestraße, zu einem ziemlichen Rauschen im Coburger Blätterwald.
Ernstplatz 12 Ehemalige Sonntagsschule mit Hexenturm
1668 zwei Häuser, eines davon das Hexenhaus (sprich Hexengefängnis). Die Gebäude gehörten zum Stadtgefängnis, der Fronveste.
1721 Möhring, Stadtknecht, wohnt in einem der Häuser.
1781 wurde die Fronveste neu erbaut.
1823 Magdalena Zeidler, Amtsdienerswitwe lebt in dem neuen Haus.
1837 Philipp Muther, Stadtgerichtsdiener, lebt hier.
1861 Umbau der Fronveste zur Sonntagsschule (bis 1863)
1863 Eröffnung des Schulgebäudes.
1863-98 Sonntagsschule 1898-1924 Landwirtschaftliche Winterschule sowie waren hier die Taubstummen-Schule und kurzfristig die Baugewerksschule (heutige Hochschule Coburg) hier untergebracht.
1901 Ausstellungsräume des Kunstvereins hier eröffnet.
Für die 1860er passt das, was man an der Fassade sieht, sehr gut zu einem spätklassizistisch geordneten Historismus mit Elementen des Rundbogenstils (in Deutschland damals sehr verbreitet) und neogotischen Dekoranklängen:
Rundbogenfries unter der Traufe (die Reihe kleiner Bögen): Das ist ein sehr typisches Motiv des Rundbogenstils bzw. romanisierender Historismusformen.
Burg-/Schloss-Anmutung (hochgezogene Mittelpartie, zinnenartige Silhouette/Attika, „wehrhafte“ Dachzone): Das entspricht der romantischen Mittelalter-Rezeption der Zeit.
Erker als Statusmotiv mit spitzbogig/maßwerkartig wirkenden Ornamentfeldern: eher neogotische Dekor-Reminiszenz (nicht konstruktive Gotik, sondern Zitat/Schmuck).
Wichtig ist: 1866/67 ist „früh“ für manche der später sehr häufigen Gründerzeit-Übersteigerungen. Hier wirkt es eher wie ein repräsentativer Solitär (Villa/Stadtpalais) mit bewusst gesetzten historischen Motiven statt wie eine typische Massen-Mietshausfassade.
2) Architektonisches Vorbild / Vorlageidee
Mit der Datierung 1866/67 würde ich das „Vorbild“ so fassen:
Italienische / süddeutsche Palastarchitektur der Renaissance als Grundidee der repräsentativen, symmetrisch gedachten Stadtfassade (Piano-nobile-Gedanke, starke Mittelbetonung durch Erker/Avantcorps).
Romanik als Formspender (Rundbogenfries, arkadisierende Zierbänder).
Mittelalterliche Burg-/Schlossromantik als Bildprogramm (wehrhafte Dachzone, „Schloss-Silhouette“), ergänzt durch neogotische Zitate im Ornament.
Also: kein einzelnes konkretes Vorbild, sondern ein damals sehr typisches „gelehrtes Stil-Mix“-Programm: Palast + Romanik + Burgromantik.
3) Welche soziale Schicht?
1866/67 ist die Bauzeit, in der solche repräsentativen, steinern wirkenden Fassaden fast immer ein klares Statussignal sind:
Das Haus ist ein historistischer Altbau in neugotischen Formen (1860er-Jahre-Neugotik). Typische Merkmale:
Treppengiebel-Risalit in der Mitte (stark vertikal betont, „mittelalterlich“ wirkende Silhouette).
Spitzbogen-/maßwerkartige Motive (v. a. am Portalbereich und in dekorativen Feldern) – klassische Neugotik-Zitate.
Altane/Balkon mit kleiner Arkadenbrüstung als repräsentatives Element.
Sandstein-Quaderfassade + Friesband unter der Traufe (kassetten-/ornamentartig), insgesamt eher „steinern, vornehm“ als reine Putzfassade.
Diese Kombination ist typisch für die Phase, in der man städtische Miet- und Wohnhäuser bewusst „mittelalterlich“ veredelte, um Tradition und Status auszudrücken.
Errichtungszeit.
Laut bau- und denkmalgeschichtlicher Beschreibung wurde Ernstplatz 2 in Coburg 1865/1866 (teilweise auch als 1866 genannt) im neugotischen Stil errichtet.
Architektonisches Vorbild (welche „Vorlage“?)
Das Vorbild ist weniger ein einzelnes konkretes Gebäude, sondern ein Formenkanon der mittelalterlichen Gotik, wie man ihn im 19. Jahrhundert romantisierend wiederaufgriff:
Maßwerk als Zitat (dekorativ, nicht konstruktiv wie im Mittelalter)
Treppengiebel (häufig als „altstädtisch/nordisch“ gelesene Mittelalter-Reminiszenz)
In Coburg kommt dazu, dass das Ensemble unter Einbeziehung von Resten der mittelalterlichen Stadtmauer entstand – das verstärkt das „mittelalterliche“ Programm.
Welche soziale Schicht?
Das Gebäude wird in der Beschreibung als repräsentatives Mietwohnhaus bzw. Wohn- und Geschäftshaus eingeordnet – also kein Arbeiterwohnhaus. Daraus folgt sehr plausibel:
(Oberes) Bürgertum / gehobene Mittelschicht als Zielgruppe: Kaufleute, Beamte in höheren Positionen, Ärzte/Juristen, wohlhabende Mieter bzw. Nutzer von Geschäfts-/Büroräumen.
Die repräsentative Mittelachse (Portal + Altane + Giebel) ist ein klares Statussignal, das man für zahlungskräftige Bewohner und eine gute Adresse einsetzt.
Baustil: Historismus – Neugotik mit „Stadtmauer-/Wehrturm“-Inszenierung
Erkennbar sind mehrere typische Merkmale der Neugotik bzw. der romantisierenden Mittelalterrezeption des 19. Jahrhunderts:
Runder, weit vorspringender Turmbau mit Zinnenkranz: das ist bewusst „wehrhaft“ gestaltet und zitiert Burg-/Stadtbefestigungsarchitektur.
Sandsteinquader-Fassade (werksteinartig, schwer und dauerhaft wirkend): das passt zur repräsentativen, „historisch“ aufgeladenen Gestaltung.
Insgesamt schlichte, streng gereihte Fenster am anschließenden Hauskörper – typisch für Miet- und Wohnhäuser, die ihren Status eher über Masse/Material und einzelne Akzente (Turm, Zinnen) zeigen als über flächige Ornamentüberladung.
Kurz: Ein neugotisch gestaltetes Mietwohn-/Wohn- und Geschäftshaus, das sich bewusst als „Stadtmauerhaus mit Turm“ inszeniert.
Wann errichtet?
Das Gebäude gehört zu einem Ensemble mehrerer Häuser und wurde 1865/1866 im neugotischen Stil errichtet.
Architektonisches Vorbild / Vorlage
Die „Vorlage“ ist hier sehr konkret die mittelalterliche Stadtbefestigung als Leitbild:
Das Haus entstand unter Einbeziehung von Resten der mittelalterlichen Wehrmauer.
Der runde Turm steht in Zusammenhang mit dem historischen Hirtenturm (spätmittelalterlicher Wehrturm/Stadtmauereckturm); im Kern soll noch älteres Mauerwerk enthalten sein.
Damit ist das architektonische „Vorbild“ nicht nur allgemein Gotik, sondern sehr stark: Coburger Stadtmauer/Wehrturm-Typologie, im 19. Jahrhundert neugotisch weitergestaltet bzw. in ein Mietshaus-Ensemble integriert.
Soziale Schicht: wer konnte/wollte hier wohnen?
Das Gebäude wurde als repräsentatives Mietwohnhaus (später mit Laden/ Gewerbe im Sockelgeschoss) angelegt. Daraus folgt als wahrscheinliche Zielgruppe:
Baustil: Historismus mit starkem Klassizismus-/Renaissancebezug (Rundbogenstil)
Am Bau lassen sich mehrere klare Stilmerkmale ablesen:
Streng symmetrische, „palastartige“ Kubatur mit horizontaler Gliederung (Sockel–Hauptgeschoss–Attika/Dachzone) → typisch für Neorenaissance / Neoklassizismus im Historismus.
Rundbogenfenster im Erdgeschoss (gleichmäßig gereiht) → ein Kernmotiv des Rundbogenstils (romanisierend/renaissancehaft), im 19. Jh. sehr beliebt für öffentliche und halböffentliche Bauten.
Dreiecksgiebel (Tempelgiebel) als Abschluss eines Risalits → klares klassizistisches Zitat.
Rechts ein Fassadenteil mit kolossaler Ordnung / Pilaster- bzw. Säulenmotivik und starkem Dachaufsatz → erinnert bewusst an städtische Palazzi und repräsentative Saalbauten.
Das Ganze wirkt insgesamt weniger „mittelalterlich“ (keine Zinnen/ Maßwerkdominanz), sondern demonstrativ bürgerlich-repräsentativ.
Kurzfassung: Historismus, vor allem Neorenaissance/Neoklassizismus mit Rundbogenstil-Elementen.
Wann wurde es errichtet?
Das Coburger Gesellschaftshaus wurde in den 1870er Jahren als Gesellschaftshaus der großbürgerlichen Vereinigung „Verein“ errichtet; als Baujahr wird 1873 genannt.
Klassizistische Tempel- und Staatsarchitektur: Tempelgiebel, starke Ordnungselemente (Pilaster/Säulen), insgesamt „offizielle“ Repräsentationssprache.
Dazu Rundbogenstil als 19.-Jh.-Übersetzung „historischer“ Formen für bürgerliche Repräsentationsbauten (Fest-/Saalhäuser, Museen, Bahnhöfe etc.).
Das passt auch zur Funktion: Ein Gesellschaftshaus wollte Würde, Ordnung, Seriosität und Weltläufigkeit ausstrahlen – genau das liefern Renaissance/Klassizismus als Bildquellen.
Welche soziale Schicht?
Sehr klar: Großbürgertum / gehobenes Bürgertum.
Begründung:
Das Gebäude wurde explizit als Gesellschaftshaus einer großbürgerlichen Vereinigung gebaut.
Solche Häuser dienten Bällen, Konzerten, Banketten, Clubräumen – also dem gesellschaftlichen Leben der städtischen Elite (wohlhabende Kaufleute, Unternehmer, höhere Beamte, akademische Eliten).
Spätklassizismus (spätklassizistischer Historismus) – also eine klassisch gegliederte Stadtvilla mit zurückhaltender, „geordnet“ wirkender Fassadensprache.
Woran man das am Bau erkennt:
Klare, ruhige Fassadenflächen ohne üppige Historismus-Ornamentik.
Streng gereihte Fensterachsen und eine deutliche horizontale Gliederung (Sockelzone vs. Obergeschoss).
Rundbogenfenster im Obergeschoss (und teils als Fenstergruppen) – das passt gut zur klassizistischen/italienisierenden Villenmode des 19. Jh.
Giebelrisalit (vorgezogene Giebelfront) als dezenter repräsentativer Akzent.
Starkes Dachgesims mit Konsolen (klassizistische Traufausbildung).
Errichtungszeit
Laut Denkmalliste handelt es sich um eine Stadtvilla, 1864 erbaut, spätklassizistisch, Entwurf/Zuordnung: Johannes Girtanner.
Architektonisches Vorbild / „Vorlage“
Die Formensprache orientiert sich an der klassischen italienischen Villa-/Palazzo-Tradition, wie sie im 19. Jahrhundert bürgerlich adaptiert wurde:
Kurz: italienische Renaissance-/Villa-Idee, übersetzt in spätklassizistische Stadthausarchitektur.
Soziale Schicht
Als Stadtvilla in zentraler Lage ist das sehr wahrscheinlich ein Bau für das gehobene Bürgertum / obere Mittelschicht (z. B. wohlhabende Kaufleute, höhere Beamte, Juristen/Ärzte). Die zurückhaltend-edle Gestaltung ist typisch für Status über Proportion, Lage und Bauqualität – weniger über Ornamentfülle.
Putzfassade mit eher ruhiger, repräsentativer Gliederung
symmetrisch gedachte Komposition der Straßenfassade
ein betonter Mittelteil bzw. leicht hervorgehobener Fassadenabschnitt
dreieckiger Giebelaufsatz im oberen Bereich, ein klassisches Motiv
regelmäßige, hochrechteckige Fensterachsen
insgesamt ein villaartiger, herrschaftlicher Aufbau statt eines einfachen Bürgerhauses
2) Errichtungszeit
1861 Das passt zeitlich sehr gut in die Übergangsphase von:
Spätklassizismus
zu frühem Historismus
mit Anklängen an die Neorenaissance
Man könnte also sagen:
Bauzeitlich gehört das Haus in die frühe Gründerzeit bzw. in den Übergang vom Klassizismus zum Historismus.
3) Architektonisches Vorbild
Das wahrscheinlichste architektonische Vorbild ist die italienische Renaissancevilla, vermittelt über den europäischen Klassizismus und die Palladio-Rezeption.
Warum?
der Dreiecksgiebel erinnert an antike Tempelformen, wie sie im Klassizismus beliebt waren
die villaartige Komposition verweist auf das Ideal der italienischen Landvilla
im 19. Jahrhundert wurden solche Häuser oft nach dem Vorbild von Renaissancepalästen und Villen Oberitaliens gestaltet
4) Soziale Schicht
Dieses Haus dürfte sehr wahrscheinlich zur gehobenen bürgerlichen Schicht gehört haben, eventuell sogar zum Großbürgertum.
Dafür sprechen:
die Größe des Gebäudes
die repräsentative Gestaltung
die freistehende Lage in gartenartiger Umgebung
der deutlich höhere Bauaufwand gegenüber einem normalen Wohnhaus
Solche Häuser wurden im 19. Jahrhundert typischerweise bewohnt von:
wohlhabenden Kaufleuten
Fabrikanten / Unternehmern
höheren Beamten
Professoren, Ärzten, Juristen
regionalen Honoratioren
Also eher:
obere Mittelschicht bis Großbürgertum, nicht Arbeiterschicht und auch nicht einfacher Mittelstand.
5) Gesamteinschätzung
Zusammengefasst würde ich das Haus so beschreiben:
Eine villenartige, spätklassizistische Wohnarchitektur von 1861 mit frühhistoristischen bzw. neorenaissancehaften Einflüssen, orientiert an der italienischen Renaissancevilla und errichtet für die gehobene bürgerliche Schicht.