RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#11 von gerd , 31.12.2012 11:27

Am 11. April 1945 kam das Rattern der Fahrzeuge immer näher und näher. Gruppen von Dorfbewohnern standen zusammen, besonders auf den Höhen gegen Westen. In Heilgersdorf stießen Flieger nieder. Ein krachen und schon stiegen Rauchsäulen auf. In Dietersdorf brennt es. Von den Höhen von Welsberg aus konnte man die Veste brennen sehen, westlich davon, in Richtung Rodach waren auch schwarze Rauchsäulen zu sehen .
Nun konnte man auch auf der Rodachtal Straße Staubwolken erkennen. Sie kamen aus Sesslach, Setzelsdorf und Rechelsdorf. Zur gleichen Zeit fahren Panzer über Schloss Wiesen, Sorghof nach Schottenstein. Es hieß, die Panzer fahren schon auf Bodelstadt zu. Aber dort war die Itzbrücke gesprengt worden. Deshalb bog die Spitze der Panzer nach Schottenstein ab, um dann die einzige Brücke über die Itz, bei Rossach zu erreichen.
Gegen 16.30 Uhr kamen die ersten Panzer den Hülsengraben (Gleussner Straße)herauf. Zur gleichen Zeit kommen auch Panzer von Sorghof aus an der Tischer-Linde an. Sie waren bei Wiesen abgebogen und nahmen den Weg über Sorghof-Steinbruch nach Schottenstein. Da der Weg dort sehr schmal war, wurden Bäume von 20cm Durchmesser einfach umgefahren . Die Straßen und Wege hatten schwer gelitten und waren zusammen gefahren. Besonders in den Kurven!
Ein Gefühl des Entsetzen überfiel einem. Seit dem Dreißigjährigen Krieg, vor 300 Jahren, hatte kein feindlicher Soldat unseren Ort betreten! Wo ist unser stolzes Militär und wo ist der Geist unserer Väter geblieben?
Dem ersten Panzer folgten ununterbrochen weitere, bis in die Nacht hinein. Einer nach dem anderen. Auch bei Tischer herein kamen immer mehr.
Der Einmarsch in Schottenstein ging glatt vonstatten. Es fiel kein Schuss. Der Ort blieb verschont!
Die Panzer nahmen ihren Weg weiter über Rossach,Gleußen,Herreth ins Maintal. Eine andere Kolonne fuhr von Rossach aus auf der Reichsstraße 4 nach Untersiemau und Coburg. Eine andere Kolonne nahm den Weg von Sesslach aus über Watzendorf nach Untersiemau. (Diese Einheit hat dabei wohl die Radarstation besetzt-Gerd)
Bei Untersiemau gab es Hindernisse und auf der Siemauer -Höhe waren Abwehrkanonen eingebaut worden. Diese begannen zu feuern und wurden dann aber von Amerikanischen Tieffliegern zum Schweigen gebracht.An einigen Stellen im Ort brannte es und auch in Richtung Birkach a. F. stiegen starke Rauchwolken auf.
Nach dem Durchzug der Panzerspitzen durch Schottenstein blieben mehrere bewaffnete Fahrzeuge abends hier zur Bewachung. Sie nahmen Aufstellung auf der Angerwiese. Doppelposten und Streifen waren im ganzen Dorf. Nach 20 Uhr durfte die Bevölkerung nicht mehr auf die Straße, die Nacht zum 12. verlief ruhig.
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#12 von gerd , 31.12.2012 16:34

Vom frühen Morgen des 12.4. an, bewegten sich die Panzerkolonnen wieder von Westen kommend stundenlang durch den Ort. Schwere Raupenfahrzeuge waren darunter.Gegen Nachmittag wurde Räumungsbefehl für verschiedene Häuser im Dorf gegeben. Etwa 16 Anwesen mussten geräumt werden. Das ging nicht ganz ohne Probleme ab!Truppen mit ihren Fahrzeugen bezogen teilweise diese Quartiere, andere zogen weiter in Richtung Rossach. Die Brücke dort über die Itz bildete praktisch ein Nadelöhr. Alle Fahrzeuge mussten über diese Brücke. Gegen 16.00 Uhr hörte man aus der Richtung von Bamberg und den Itzgrund herauf ungeheuren Kriegslärm! Vier deutsche Flugzeuge überflogen das Aufmarschgebiet der Amerikaner und auch Schottenstein wurde überflogen. Den Maschinen schlug überall das Abwehrfeuer entgegen. Aus Richtung Herreth waren Abschüsse von schwerer Flak zu hören und man sah am Himmel die schwarzen Flakwölckchen. In Schottenstein scheint nur schweres Maschinengewehrfeuer (20mm) und leichte Flak (37mm) geschossen zu haben.
Die Flugzeuge verschwanden bald in nördlicher Richtung, um kurz darauf aus westlicher Richtung wieder zu erscheinen. Erneut setzte das Abwehrfeuer ein. Die Bevölkerung hatte große Angst und alle verkrochen sich in den Kellern und gebauten Schutzräumen. Die Kinder sammelten nach dem Angriff hunderte von leeren Patronenhülsen ein. Von den Flugzeugen wurde keines getroffen. Sie flogen in östlicher Richtung wieder davon.
Ein Teil der geräumten Anwesen wurden nicht besetzt, die Truppen erhielten gegen Abend den Befehl zum Weitermarsch.
Die Nacht zum 13.April verlief wiederum ruhig. Der Durchzug weiterer Truppen hielt aber auch am Tage weiter an. Gegen Mittag wurde von der "Hohen Allierten Militärkommision" bekannnt gegeben, das alle Waffen, Fotoapparate sowie Ferngläser beim Bürgermeister abgegeben werden mussten. Die Ausgehzeit wurde auf 7-20 Uhr begrenzt, das Entfernen vom Heimatort auf 3 km eingeschränkt.
Immer weiter schoben sich die amerikanischen Truppen von uns aus nach Süden und Osten vor. Aus Richtung Bamberg vernahm man noch stärkeres Atrilleriefeuer.Die Nacht zum 14.4. 1945 blieb ruhig, nur auf der Itzgrundstraße fuhren, von Coburg kommend die ganze Nacht amerikanische Fahrzeug Kolonnen nach Süden.
Auch während des Tages (14.4.) ließ der Zug der Fahrzeuge nicht nach. Schottenstein wurde später weniger vom Nachschub gewahr. Pioniere bauten Brücken über die Itz bei Bodelstadt. Gegen Abend fuhr auf den Höhen bei Kaltenbrunn,Gleußen,Draisdorf,Herreth,Rossach und bei Welsberg Artillerie auf. Dies sollte nur eine Vorsichtsmaßnahme sein, falls ein Gegenschlag der Deutschen Truppen zu erwarten wäre! Auf der Freiberger Höhe schoss die Artillerie in der Nacht in Richtung Staffelstein und es waren die Einschläge deutlich zu hören.
In der Nacht vom 14. zum 15.April 1945 brannte die mittlere Kuppe der Eierberge bei Draisdorf ab.
In den folgenden Tagen ereignete sich nichts, nur auf der Reichsstraße 4 (B4)gingen die Transporte Tag und Nacht in beiden Richtungen weiter. Während des Vormarsches begleiteten amerikanische Flugzeuge ihre Truppen, um von der Luft aus die Marschstraßen gegen Überfälle zu sichern. Es waren leichte Flugzeuge die überall landen konnten und langsam flogen. Sie landeten in den Itzwiesen, bei Rossach und auch bei Schottenstein.
Am 18./19. und 20. April wurde nochmals die Freiberger Höhe mit schwerer Artillerie besetzt. Die Geschütze schossen wieder in Richtung Staffelstein und von dort aus hörte man schwere Einschläge.
In Schottenstein mussten wieder Anwesen geräumt werden. Auch im Lindachholz zwischen Rossach und Gleussen biwakierten amerikanische Truppen. In Gleussen,Rossach und Welsberg lagen viele Truppen.
Am 2. Mai 1945 wurde der Bevölkerung bekannt gemacht, das in Lichtenfels eine Amerikanische Militärregierung eingesetzt sei. Der davon beauftragte Landrat gab verschiedene Anordnungen bekannt. So war die Ausgehzeit täglich von 6-19.00 Uhr begrenzt, Entfernen vom Wohnort bis 6 km. An den Häusern mussten Personenverzeichnisse angebracht werden, die über die Bewohner und deren Alter Auskunft gaben.
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#13 von gerd , 31.12.2012 18:34

Verwaltungsmäßig hat sich in Schottenstein noch nichts geändert. Bürgermeister war Georg Siller, Hs. Nr. 54 . Seine Gemeinderäte waren alle noch im Amt. Zur Zeit des Einmarsches der Amerikaner waren in Schottenstein Einquardierte aus Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg, Schweinfurt, Würzburg, aus dem Saarland, Rheinland, Westfalen, Ostpreußen, Pommern, und aus Niederschlesien. Zusammen 238 Personen.
Flüchtlinge aus Niederschlesien kamen mit Pferdefuhrwerken hier an. Sie waren teilweise 8 Wochen unterwegs. Außerdem waren sechs französische Kriegsgefangene und sechs polnische und 16 ukrainische Zivilarbeiter in Schottenstein. Für diese ausländischen Leute und Arbeiter galten die von den Amerikanern verhängten Ausgehzeiten und Entfernungsbegrenzungen nicht. Es wurde von der deutschen Bevölkerung als Schmach empfunden, das sie abends in ihren Häusern bleiben mussten, während die Ausländer herum laufen durften.
Nach dem Einmarsch der Amerikaner war das gesamte deutsche Sicherheits-System außer Kraft gesetzt. Es gab keine Polizei mehr und niemanden der für Ordnung sorgte, außer die Amerikaner.
Plünderungen
In Coburg wurden in den leeren Kasernen Polen und Russen, welche aus Gefangenenlagern entlassen waren, untergebracht. Diese unternahmen regelmäßig Raubzüge in die Bauerndörfer. Meist mit gestohlenen Autos. Benzin gab es auf dem Schwarzmarkt. Ihre Ziele waren Gastwirtschaften aber auch Schnapsbrenner und vor allem Bauernhöfe.
Plünderungen und Einbrüche gab es in der Gastwirtschaft Tischer in Schottenstein.
Einmal waren hier wieder Polen tätig, als die Männer vom Oberdorf schnell zur Stelle waren . Auch mein Vater kam mit unserem scharfen Schäferhund und der sprang den erst Besten an und hatte ihn sofort an der Jacke gefasst. Die anderen wurden eingefangen und sofort verprügelt. Das was sie gestohlen hatten wurde ihnen wieder abgenommen und dem Auto die Reifen zerstochen und die Scheiben zertrümmert.
Einmal wurden an der Gastwirtschaft Tischer drei Mann gefangen und an die Wand gestellt. Eduard Heuschmann kam mit der Mistgabel und wollte einen von ihnen erstechen. Andere Dorfbewohner konnten ihn aber von seinem Vorhaben abhalten.
Ein andermal kamen sie Nachts und waren ins Haus der Gastwirtschaft eingebrochen. Bei dieser Aktion waren auch zwei Amerikaner dabei. Sie fuhren mit dem Jeep vor das Haus .Pfarrer Wurmthaler wurde geholt weil er englisch sprechen konnte. Der wollte mit den Einbrechern verhandeln. Doch es wurde mit der Pistole auf ihn geschossen und die Kugeln verfehlten ihn nur wenig und schlugen in der Hausmauer ein.
Nach dieser Attacke baute mein Vater die Sirene von der Dreschmaschine vorne in unserem garten auf die dort stehende Telegraphenstange und legte eine Leitung in das Haus, damit wir sie einschalten konnten.
Diese Methode war sehr gut, die Amerikaner und die Leute im Dorf wurden sofort alarmiert wenn sich wieder Ausländer im Dorf etwas holen wollten.
Waren die Amerikaner von Rossach aus dann schnell da ,legten sie den Ausländern Handschellen an und sie wurden abgeführt.
Eines Tages kamen gegen Mittag drei Polen zu uns auf den Hof und wollten ein Schlachtschwein haben. Sie wollten es am Abend ausgenommen abholen. Daraufhin fuhr mein Vater mit unserem Motorrad, für das wir nun wieder Benzin hatten, sofort nach Rossach zu den Amerikanern. Daraufhin kam ein Jeep, besetzt mit drei Mann zu uns auf den Hof gefahren. Sie stellten den Jeep hinter der Scheune ab und setzten sich zu uns in die Stube.
Wir versorgten sie mit Getränken und sie gaben uns dafür Kaffee. Ich glaube es hat den Soldaten hier bei uns gefallen, da sich unsere Frau Sachs "persönlich" um sie kümmerte.
Die Polen kamen in der Nacht nicht. Die Soldaten sagten uns, wenn sich wieder Polen zeigen würden sollten wir sofort die Sirene einschalten und eine Streife der Amerikaner käme sofort nach Schottenstein.
Zwischen Welsberg und Schottenstein wurde ein Mann erschlagen. Wer er war, woher er kam und von wem er erschlagen wurde wusste niemand. Er wurde auf dem Friedhof in Schottenstein begraben.
Daraufhin durften wir nicht mehr zu der aufgelassenen Radarstaion nach Neuses durch den Wald gehen. Denn dorthin sind wir oft gegangen um uns etwas brauchbares zu holen.
Ein Deutscher Soldat ertrank in der Itz bei Schleifenhan. Er wollte wohl ungesehen den Fluss überqueren und ertrank dabei. Auch er wurde in Schottenstein beerdigt.

Langsam normalisierte sich die Lage wieder . Es gab wieder Benzin und auch Diesel für den Traktor. Mein Vater hatte eine Sondergenehmigung der Amerikaner, sodass er sich in der Besatzungszone frei bewegen konnte. Er und der spätere Bürgermeister Gustav Elflein waren von den Amerikanern mit der Leitung der Gemeinde beauftragt, bis die ersten freien Wahlen abgehalten wurden.

Schottenstein gehörte damals zum Bezirksamt Lichtenfels. Mein Vater hatte dort oft am Bezirksamt zu tun. Einmal fuhr ich mit ihm mit dem Motorrad mit nach Lichtenfels. Zwischen Staffelstein und Lichtenfels fuhr eine Kolonne Militärfahrzeuge. Sie begegneten einem Pferdefuhrwerk, auf dem einige Leute und auch ein kleiner Junge saßen. Die Pferde scheuten und rissen aus und dabei viel der Junge vom Fuhrwerk herunter und verletzte sich am Kopf schwer. daraufhin wurde ein Sanitätswagen der Amerikaner gerufen, der Junge wurde verarztet und mit seiner Mutter nach Hause gebracht.

Karl Beland aus Schottenstein, wurde am 27. März 45 in Oberitalien gefangen genommen. Er kam in ein Lager bei Livorno. Dort wurde nach den Berufen der Leute gefragt. Es hatte sich herum gesprochen, das Bauern, Bergleute und Eisenbahner zuerst entlassen werden sollten.
Beland hatte sein Soldbuch noch und da war auch auf der ersten Seite sein Beruf-Maler- angegeben.
Er riss daraufhin die erste Seite aus dem Buch heraus und gab sich als Bauer aus....Schon am dritten Tag wurde er entlassen, kam nach Bad Aibling und von dort aus wurden sie von einem Amerikanischen Lastauto nach Kaltenbrunn gefahren.

Viele Berichte ,die ich hier nieder geschrieben habe, stammen von älteren Zeitzeugen, welche sich an den Einmarsch der Amerikaner erinnern. Ich habe diese Zeit ebenfalls erlebt, doch als Kind hat man eine andere Sichtweise als ein Erwachsener. Bei diesen Zeitzeugen möchte ich mich bedanken um diese wahrhaft schlechte Zeit der Nachwelt zu erhalten!
F.f.

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#14 von faraway , 01.01.2013 04:59

Gerd,

danke fuer den guten Beitrag, der diese Zeit wieder mal so richtig auferstehen laesst. Gut gemacht!!!

Hast Du eigentlich noch Finger?


Angelika

 
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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#15 von gerd , 01.01.2013 09:51

..........
ich schreibe mit dem Daumen weiter....

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#16 von gerd , 01.01.2013 11:15

DAS ERBE
Nach dem Abzug der Amerikaner ließen sie einen defekten Dodge, er war als Funkwagen ausgerüstet, in Oberau bei Staffelstein stehen. Der Kühler war kaputt.
Mein Vater wurde 1946 zum stellvertretenden Landrat des neu gebildeten Landkreises Staffelstein gewählt, ließ den Dodge reparieren und nach Schottenstein bringen. Hier wurde er in der Dreschmaschinenhalle am Tischersee untergestellt. Der Dodge musste ab und zu einmal bewegt werden. Das machte ein Praktikant. Mit dem Dodge kam man überall hin, denn er war gut geländegängig.
Zwischenzeitlich wurden Verhandlungen mit der Firma Amag-Hilpert in Bayreuth aufgenommen. Diese Firma baute Pumpen und rüstete Fahrzeuge zu Feuerwehrfahrzeugen um. Das Auto wurde dorthin gebracht und umgerüstet. Als es fertig war kam es zurück nach Schottenstein und diente lange Jahre als leistungsfähigstes Feuerwehrauto im Landkreis. Der Dodge und seine Mannschaft bewährte sich bei zahlreichen Bränden .Das Auto verrichtet heute noch als Oldtimer neben einen neuen Fahrzeug, seine ihm zugedachten Dienste.
In den 70 er Jahren wurde das Fahrzeug von Mitgliedern der Schottensteiner Feuerwehr überholt. Große Unterstützung erhielt die Feuerwehr durch Spezialisten der US Division in Bamberg. Sie waren bei der Beschaffung von Ersatzteilen behilflich und standen mit Rat und Tat immer zur Verfügung.

Manöver in unserem Gebiet
Nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen aus Thüringen im Sommer 1945 fanden hier entlang der "Zonengrenze" wie es nun hieß immer wieder Manöver statt. Es wurden Grenzzäune errichtet und der "Kalte Krieg" warf seine Schatten voraus. Auf beiden Seiten, im Westen wie im Osten wurde aufgerüstet.
Nachdem sich zwei Deutsche Staaten gebildet hatten wurden auf beiden Seiten junge Männer zum Wehrdienst eingezogen. Bei uns wurde die Bundeswehr gegründet, zuvor hatte sich der Bundesgrenzschutz gebildet. Auf östlicher Seite wurde die Nationale Volksarmee und die Grenztruppen aufgestellt.
Bei uns wurde der Bundesgrenzschutz durch Einheiten der Amerikaner die in Bamberg stationiert waren unterstützt. Teile davon wurden in Abständen immer wieder von Bamberg nach Coburg verlegt und waren in einem Kasernen Gebäude untergebracht. Von hier aus wurde die Grenze Tag und Nacht abgefahren und überwacht.
Um diese Einheiten einsatzfähig zu halten, wurden übers Jahr verteilt Manöver abgehalten, die sich bis an die Grenze erstreckten.
In den 50er Jahren übten Panzerverbände hier in unserem Gebiet. Bei Schloss Wiesen wollten sie die Rodach überqueren. Der Fluss war an manchen Stellen nur 2-3 Meter breit. Ein kleiner Fluss eben. Doch die Tiefe ist unterschätzt worden. Ein Panzer wollte in voller Fahrt den Fluss überqueren und versank bis auf ein kleines freies Stück vom Turm im Wasser! Nur die Kanone und der Turm schaute noch etwas heraus. Zwei Soldaten der Besatzung konnten sich gerade noch retten, aber der Fahrer kam nicht mehr heraus und ist dabei ertrunken!
Über mehrere Tage erstreckten sich dann die Bergungsarbeiten des Panzers. Wir Buben waren natürlich dabei. Der Panzer im Fluss staute dort das Wasser der Rodach so auf, das der Fluss über die Ufer trat und die Wiesen dort überschwemmte. Das erschwerte die Bergungsarbeiten! Der Wiesengrund dort glich eher einen umgepflügten Sumpfgebiet, als einer Wiese!
Die Manöver nahmen mit der Zeit zu. Bei uns auf den Höhen wurden schwere Kanonen aufgestellt. Die Besatzungen und andere Truppen lagerten in den Waldgebieten.
Scheinbar war das gebiet bei der Tischerlinde beliebt, denn dort standen manchmal eine Funkeinheit oder eine Feldküche.
Beliebt bei den Soldaten war das in Schottenstein selbst gebraute Bier, sowie der Schnaps..."Schottensteiner Südhang"...Dafür bekamen die Kinder Dosen mit Keksen und allerlei anderen Essbaren. Die Soldaten gingen in die Gasthäuser des Ortes. Beliebt war Gastwirtschaft Schleicher. Dort aßen sie Schnitzel mit Pommes. Was war an diesen Tagen in der Ortschaft geboten....der Dollar stand gut!.....
Einige Male kamen Fusstruppen ins Dorf. Sie wurden an die Grenze nach Rodach gebracht und mussten zu Fuss von dort nach Bamberg in die Kaserne zurück laufen.
Solche Märsche wurden auch im Winter durchgeführt. Es war damals sehr kalt, als so eine Einheit am Abend nach Schottenstein kam. Der Bürgermeister fragte an, ob wir die Truppe bei uns unterbringen könnten?
Es waren rund 50 Soldaten und einige Offz. Die Soldaten wurden in allen heizbaren Räumen untergebracht, die Offz. schliefen bei uns im Haus. Einige konnten sich in Deutsch unterhalten. Es wurde Kaffee getrunken und es war ein schöner Abend, den wir da mit den fremden Soldaten erlebten. Durch diese Einquartierung war natürlich einiges in der Ortschaft geboten und auch das Gasthaus war damals gut besucht.
Am nächsten Morgen wurden große Mengen Kaffee gekocht und große Mengen an Eiern mit Schinken in die Pfannen gehauen.
Die Soldaten nahmen danach Aufstellung, die Offz. bedankten sich für die freundliche Aufnahme und die Einheit zog in Richtung Bamberg davon.Sie hatten auch ein Auto dabei, was Fusskranke aufnehmen konnte.

Dieser Bericht, soll durch Aussagen von Zeitzeugen weiter geschrieben werden.
Donnerstag 10. Mai 2001 Kurt Schramm, Altenberg 4 Schottenstein 96274 Itzgrund

Leider konnte dieser interessante Bericht nicht mehr vollendet werden!

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#17 von gerd , 01.01.2013 18:10

Wer den besagten Dodge der Schottensteiner Feuerwehr sehen will, bei Google eingeben "Feuerwehr Schottenstein" da ist das Fahrzeug abgebildet.

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#18 von Rolf Metzner , 01.01.2013 19:56

Ja Gerd, das war ein spannender Zeitzeugenbericht vom bereits verstorbenen Zeitzeugen Kurt Schramm, den Du hier im Forum aufbereitet und damit vielen Forumslesern zugänglich gemacht hast.

Wenn man diese Erinnerungen der dabei Gewesenen nicht irgendwo festhält, gehen sie verloren (eben weil die Zeitzeugen dieser Epoche nach und nach versterben).

Ähnliches über die letzten Kriegstage habe ich auch in meinen Zeitzeugenbefragungen zur Radarstation erfahren (Naja, Schottenstein und Watzendorf/Neuses an den Eichen/Gossenberg liegen ja auch nah beieinander).

Noch eine Frage an Dich: Weißt Du, ob Dein (bereits verstorbener) Zeitzeuge Kurt Schramm aus Schottenstein und mein Zeitzeuge Hilmar Schramm aus Neuses a.d.E. verwandt sind?


Und weil der Feuerwehr-Dodge von Schottenstein so schön ist, hier im Forum noch ein Foto:


 
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zuletzt bearbeitet 01.01.2013 | Top

RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#19 von gerd , 01.01.2013 20:27

Hallo Rolf, zu den Schramms kann ich leider nichts sagen. Das müsste aber leicht zu erfahren sein?

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RE: Kriegsende Coburger Land - Schottenstein

#20 von Rolf Metzner , 05.06.2016 15:51

Zitat von gerd im Beitrag #16


DAS ERBE
Nach dem Abzug der Amerikaner ließen sie einen defekten Dodge, er war als Funkwagen ausgerüstet, in Oberau bei Staffelstein stehen. Der Kühler war kaputt.
Mein Vater wurde 1946 zum stellvertretenden Landrat des neu gebildeten Landkreises Staffelstein gewählt, ließ den Dodge reparieren und nach Schottenstein bringen. Hier wurde er in der Dreschmaschinenhalle am Tischersee untergestellt. Der Dodge musste ab und zu einmal bewegt werden. Das machte ein Praktikant. Mit dem Dodge kam man überall hin, denn er war gut geländegängig.
Zwischenzeitlich wurden Verhandlungen mit der Firma Amag-Hilpert in Bayreuth aufgenommen. Diese Firma baute Pumpen und rüstete Fahrzeuge zu Feuerwehrfahrzeugen um. Das Auto wurde dorthin gebracht und umgerüstet. Als es fertig war kam es zurück nach Schottenstein und diente lange Jahre als leistungsfähigstes Feuerwehrauto im Landkreis. Der Dodge und seine Mannschaft bewährte sich bei zahlreichen Bränden .Das Auto verrichtet heute noch als Oldtimer neben einen neuen Fahrzeug, seine ihm zugedachten Dienste.
In den 70 er Jahren wurde das Fahrzeug von Mitgliedern der Schottensteiner Feuerwehr überholt. Große Unterstützung erhielt die Feuerwehr durch Spezialisten der US Division in Bamberg. Sie waren bei der Beschaffung von Ersatzteilen behilflich und standen mit Rat und Tat immer zur Verfügung.
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Ich besuchte heute das große Feuerwehrfest in Beuerfeld (150 Jahre Feuerwehr Beuerfeld); der Festumzug bestand aus 60 Feuerwehrgruppen.
Im Rahmen des Festumzuges führte die Feuerwehr Schottenstein auch ihr historisches DODGE-Feuerwehrfahrzeug mit.
Ich befragte den zuständigen Feuerwehrler und Fahrer zur Geschichte dieses Fahrzeuges und bekam etwas abweichende Informationen im Vergleich zu oben:

Die Erstzulassung dieses Fahrzeuges erfolgte am 01. Juli 1942. Bis Kriegsende 1945 sei dieses Fahrzeug zur Gegenspionage in Deutschland eingesetzt gewesen (was mit Gegenspionage gemeint ist, konnte mir nicht genau erklärt werden).
Nach Kriegsende kam dieses Fahrzeug in Nürnberg zur Versteigerung. Ersteigert hat es Freiherr Otto von Dungern, Besitzer des Landgutes Oberau/Staffelstein.
Hier wurde der Dodge (noch im Outfit des amerikanischen Armeefahrzeuges) in der Landwirtschaft verwendet mit Anhängerkupplung und Anhänger.
Im Rahmen der Währungsreform 1948 wurde dieses Fahrzeug zur Verteilung der DM-Banknoten in den Landkreisen Lichtenfels und Staffelstein (oder sogar noch im weiteren Umfeld) eingesetzt.
Dann erwarb der Landkreis Staffelstein unter dem Landrat Oskar Schramm (der aus Schottenstein stammte) diesen Dodge von Freiherrn Otto von Dungern und ließ ihn für die Feuerwehr Schottenstein in Bayreuth bei der Firma Paul Ludwig zum Feuerwehrauto umbauen.
In der Gemeinde Schottenstein tat er dann vom 17.08.1951 bis 1981 seinen Dienst als Feuerwehrauto.

Hier ein paar aktuelle Fotos dieses historischen Dodge Feuerwehrautos vom heutigen Feuerwehrfest in Beuerfeld:


 
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