Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#1 von gerd , 28.12.2012 17:08

Da fällt mir ein längerer Bericht in die Hände den ein gewisser Kurt Schramm aus Schottenstein im Jahr 2001 nieder geschrieben hat. Die Familie Schramm betrieb als Hobby eine kleine Sternwarte am Ortsrand von Schottenstein, welche wohl heute noch existiert(?)
Herr Schramm ist aber leider schon verstorben , doch ich will ihn mit seinen Bericht, noch einmal zu Wort kommen lassen!(gering gekürzt)

DER ZWEITE WELTKRIEG UND SEIN ENDE
Amerikaner in Schottenstein
Kurt Schramm Schottenstein 21.Mai 2001

Vorwort zu den Schriftsätzen : Amerikaner in Schottenstein und Umgebung mit einer Beschreibung des Vorrückens der Alliierten Streitkräfte und dem Angriff auf die Städte , sowie eine kurze Zusammenstellung der Verpflegungslage.
Geschrieben wurde alles von Kurt Schramm Schottenstein, in den Jahren 1998-2001 in der von O. Schramm gebauten Sternwarte auf dem PC.
Da ich erst seit 3 Jahren mit diesem Gerät arbeite und erst mit 61 Jahren mit dem Schreiben an der Maschine und am PC begonnen habe, sind Fehler nicht auszuschließen!
Artikel 1 gliedert sich in folgende Absätze :
1. Aufzeichnungen der Pfarrer in den Kirchenbüchern und der Befragung von Zeitzeugen ,sowie Schilderungen meiner Eltern und Großeltern. Aufzeichnungen meines Vaters während des Krieges.(Bei der Befragung von Zeitzeugen gab es manchmal verschiedene Darstellungen , welche in Einklang gebracht werden mussten).Erlebnisse an die ich mich noch erinnern kann, seit ich mit dem Denken begonnen habe.

2.Aufzeichnungen des NSDAP Propagandaleiters J. Engelhard/Schottenstein.

3.Den Artikel "das Essen", habe ich von Zeitzeugen erzählt bekommen und teilweise selbst miterlebt. Hier konnte ich Parallelen zur Nahrung im Mittelalter feststellen!

Alle Schriften und Bilder über Oskar Schramm habe ich aus meinem Archiv entnommen.(??)
Diese Artikel werden bei neuen Erkenntnissen fortgeschrieben und wenn Gott will veröffentlicht. Sollten Unklarheiten bestehen, bin ich gerne bereit im Rahmen meiner Möglichkeiten diese zu beseitigen. (leider ist aber Herr Schramm ,als er über der Arbeit war verstorben!)

Kurt Schramm Schottenstein Dienstag 3.April 2001

Jüngere Geschichte Schottenstein von K. Schramm 1998
Ereignisse 1945 aufgeschrieben von Oskar Schramm 1945
Januar 1945
1.1.45 Adolf Hitler spricht zum letzten mal im Radio
2.1.45 19 Uhr Großangriff auf Nürnberg, von Schottenstein aus gut zu beobachten. Viele Bomben, der Himmel blutrot gefärbt!
12.1.45 Beginn der russischen Großoffensive.
18.1.45 Warschau wird durch die Russen eingenommen
Februar 1945
8.2.45 Einquartierungen aus dem Osten, zwei Mädchen Namens Kange
14.2.45 Dresden wird in Schutt und Asche gelegt
März 1945
(hier folgt eine längere Aufzählung von Städten welche gefallen sind!)
April 1945
.....
7.4.45 Coburg wird beschossen
in Ostpreußen , Königsberg-werden 27000 Deutsche von den Sowjets gefangen genommen.
8.4.45 Seßlach und Memmelsdorf/ Ufr. von den Amerikanern besetzt.
8.4.45 die Veste Coburg brennt
11.4.45 17.30 Uhr Panzer rollen durch Schottenstein. Die Besatzung ist vollzogen , ohne das ein Schuss gefallen ist. Wir stehen nun unter amerikanischer Oberhohheit. Unübersehbare Mengen an Panzern und Fahrzeugen fahren durch Schottenstein Richtung Rossach und Coburg.Amerikanische Flugzeuge sichern den Vormarsch.
15.4.45 Nachmittag, plötzlich sehr starkes amerikanisches Flackfeuer über Schottenstein. Einige deutsche Flugzeuge waren am Himmel erschienen.Sie wurden beschossen. Die Leute flohen in die Schutzkeller.
16.4.45 Bei uns sollen 16 Amerikaner einquartiert werden, ist aber abgewendet worden . Auf dem Hof von Siller wurden 16 Deutsche Soldaten gefangen genommen,sie haben sich ergeben und waren ohne Waffen.
27.4.45 Viele Schottensteiner hatten Einquartierungen und mussten ihr Haus verlassen.
Zylinderhüte waren sehr gefragt und wurden mitgenommen....

Kriegsende 1945
29.4.45 Bedingungslose Kapitulation Deutschlands
30.4.45 München besetzt,in Berlin 51000 deutsche Soldaten von der Roten Armee gefangen genommen.
Die Italien Front ist zusammen gebrochen.^
Mai 1945
2.5.45
Hitler ist angeblich an Gehirnbluten gestorben...(interessant, was da alles verbreitet wurde?!!)
Hans Fritsche (das war der bekannte Rundfunksprecher, der auch heute noch bei Dokumentaraufnahmen im Radio oder Film zu hören ist) wurde gefangen genommen und behauptet Hitler und Göring hätten Selbstmord begangen!....hier stimmt etwas nicht, denn Fritsche saß noch beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess mit Göhring auf der Anklagebank....
5.5.45 Über Hitler ,Göring Goebbels und Bormann ist nichts genaues zu erfahren. Die bedingungslose Kapitulation ist in der Lüneburger Heide vollzogen worden. Siegesfeiern in England. Ruhe in Berlin jede Straße nur ein einziges Trümmerfeld!1 Million deutsche Kriegsgefangene.2 Millionen Flüchtlinge auf den Straßen Schleswig Holsteins unterwegs.
7.5.45 Furchtbare Gräueltaten in den KZs wurden bekannt gegeben. Die Leichen von Goebbels und seiner Frau wurden in Berlin gefunden, ebenso die Leichen der Kinder.
8.5.45 Offizielles Ende des 2.W.K. in Europa. Vereinzelt wird aber noch kurz weiter gekämpft an abgelegenen Stellen!
9.5.45 Göring mit Frau und Kind verhaftet.
10.5.45 Deutschland muss sich selbst ernähren, keine Einfuhr von Nahrungsmitteln zu erwarten.400 000 Amerikaner sollen in Deutschland als Besatzer bleiben.
12.5.45Furchtbare Hungersnot in Holland , Massensterben.
13.5.45 Über 6 Millionen Kriegsgefangene in England und USA
16.5.45 Die Deutsche Industrie soll nur für die Wiedergutmachung arbeiten...
26.5.45 Tokio durch Luftangriffe vollständig zerstört...
Juni 45
6.6.Thomas Mann heute 70. Geburtstag
(diese Aufzeichnungen stammen von Oskar Schramm, damals nieder geschrieben)Neu geschrieben von Kurt Schramm am Donnerstag den 6.April 2000
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#2 von gerd , 28.12.2012 21:56

Die Zeit von 1928 an und die NS Zeit....hierzu Zeitzeugen.
Die politische Anschauung in der Nachkriegszeit(1914-1918) war beherrscht von zwei Faktoren. Einem Liberalismus und einem stark betonten Sozialismus. Die Männer welche von der Front nach Hause kamen, waren Sozialdemokraten. Fast rührend mutet es an, wenn Baronesse Klara von Schott erzählt, wie jene Männer mit finsterer Mine ihr begegneten und doch behutsam mit ihren Gespann in den Straßengraben fuhren, damit Baronesse nicht von der Straße gehen musste!
Die Schottensteiner wollten grimmige Revolutionäre werden und konnten doch nicht aus ihrer Haut. Es fehlte ihnen eine überlegene Führung.
Gefährlich wurde es erst , als ein Sohn des Ortes, Fritz Dressel kam!
Dressel war Werksmeister bei Krupp in Essen und kommunistischer Landtags Abgeordneter im Bay. Landtag. Dieser entsann sich seines Heimatdorfes und kam öfters nach Schottenstein und in die umliegenden Dörfer. Als dieser Abgeordnete in den Dörfern Versammlungen mit großem Zulauf hielt, trat Pfarrer Winter entschieden gegen ihn auf und konnte das große Übel verhindern , das seine Partei hier die Oberhand gewann.
Fritz Dressel gehörte dem Wiederstandskreis der weißen Rose in München an. Mit den Gebr. Scholl hatte er Kontakt. Dressel wurde von den Nazis verhaftet und nach Dachau gebracht. Nach einer Zeit der Belehrung wurde Dressel entlassen. Er sollte seine Reden unterlassen , sonst würde er wieder nach Dachau deportiert werden. Dressel machte aber weiterhin Propaganda für die KPD, kam wieder nach Dachau und wurde dort ermordet Nach Aussagen seiner Frau wurde er erschlagen.

Erst einer anderen "Größe" gelang es die Massen an sich zu ziehen. Am 16.Okt 1932 spricht Hitler auf dem VFB Sportplatz in Coburg. Der Zulauf war sehr groß.
Bis 1933 blieb Schottenstein standhaft. Doch nun kam ein Schullehrer Namens Hoffmann, auf dessen Rat die Gemeinde hörte. Er spielte sich als Führer auf und die Leute glaubten ihm und liefen mit fliegenden Fahnen zum NS über!(Hoffmann war Bezirkssprecher der NSDAP in Oberfranken).
Er war es, der bei allen Feiern große Reden hielt.

Der Kriegsbeginn am 1. Sep.1939
Über Nacht wurden die Reservisten mobil gemacht. Alle liefen mit gedrückter Stimmung herum.Es wurden mehr und mehr Männer eingezogen. Von den Wehrfähigen Männern waren es 144 (Schottenstein, Bodelstadt und Welsberg )Gefallen sind davon 23,einer ist in der Gefangenschaft gestorben, ein anderer auf dem Weg in die Heimat. Zur Wehrertüchtigung wurden 9 Jugendliche eingezogen, sie waren meist Flakhelfer. Dem Volkssturm gehörten 52 Männer an.Zum Schutz der Anwesen wurde eine weibliche Feuerwehr aufgestellt.
Im Dorf gab es auch unangenehme Elemente unter den Parteigenossen. Der damalige Bürgermeister war auch nicht die Person, der eine Gemeinde führen konnte! Es sollen noch weitere solche "Könner" in Schottenstein das Sagen gehabt haben....

NSDAP
Die SA hatte in Sesslach ihre Niederlassung. Ein gewisser Schläger und ein Ratgeber waren dort die maßgebenden Leute. Der Mann von der "Post-Martha" fuhr fast täglich mit dem Fahrrad und in Uniform nach Sesslach zur Tagung. Er war ein echter Nazi! Er hat als Maler bei Beland gearbeitet.
In Rossach hatte die SS ihre Zentrale. Die Hauptmacher waren die Gebr. Schlottermüller. Sie wohnten hinter der Gastwirtschaft Schramm. Auch in Buchenrot, Schottenstein und Großheirat waren einige bei der SS!


Am Sonntag den 8.April 1945 überflog ein amerikanischer Bomber im Tiefflug den Itzgrund. Er war irgendwo im Nordosten von Deutscher Flak angeschossen worden. Weitere amerikanische Flugzeuge begleiteten ihn. Die Maschine sackte immer mehr ab, was von Schottenstein aus gut zu beobachten war. Bei Draisdorf streifte er bereits ein Wäldchen auf der Dürrenberger Höhe. Er drehte in Richtung Herreth ab. Ein Besatzungsmitglied sprang mit dem Fallschirm ab, ein weiterer Flieger ebenfalls, kam aber dabei zu Tode. Der erste Fallschirmspringer ging bei Lahm nieder und wurde dort gefangen genommen.
Die Maschine ging bei Herreth mit einer Rauchwolke am Rande der Eierberge nieder. Vier Flieger fanden dabei den Tod.
Auch auf Deutscher Seite gab es noch dabei Tote. In Herreth waren Deutsche Soldaten einquartiert, welche die Besatzung des Bombers gefangen nehmen wollten. Plötzlich explodierten die noch im Bomber hängenden Bomben. Zwei der Deutschen Soldaten waren sofort tot,18 wurden schwer verletzt und 17 leicht. In Herreth blieb keine Fensterscheibe ganz, schwere Eisenteile wurden bis ins ca. 400-500 m entfernte Dorf geschleudert. Selbst in Schottenstein, das ja einige km entfernt liegt, erzitterten durch die Explosion die Häuser!
Auch bei Ahorn stürzte ein britischer Bomber beim Hühnerberg ab. Die Flieger kamen alle ums Leben. Sie wurden auf dem Friedhof von Ahorn beigesetzt. Später wurden sie auf dem Soldatenfriedhof am Tegernsee umgebettet.
An die Bombenangriffe auf Nürnberg oder Schweinfurt kann ich mich noch gut erinnern! Wir machten unser Radio an und so konnten wir erfahren welche Städte angegriffen wurden. Wir gingen Nachts auf die Höhe zur " Tischerlinde" und sahen wie sich der Nachthimmel rot verfärbte und auch die Lichtblitze der explodierenden Bomben waren gut zu sehen. Zu Beginn der Angriffe waren die "Christbäume" der Pfadfinderflugzeuge zu sehen, welche langsam zu Boden gingen und den nachfolgenden Bombern die Richtung des Abwurfes markierten. Ebenfalls konnte man die hoch in den Himmel reichenden Flakscheinwerfer bei guter Sicht beobachten. Dann begann die Flak zu schießen und es waren auch Bomber zu sehen, welche in der Luft brannten oder total explodierten.
An den Angriff von Dresden am 14.Febr. kann ich mich gut erinnern. Am Tage flogen hunderte von Bombern, begleitet von schnellen Jägern in östlicher Richtung in grosser Höhe über uns hinweg. Man konnte die weißen Kondenzstreifen gut am Himmel sehen. Von Deutschen Jägern war weit und breit nichts zu sehen und so konnten die Bomber ruhig ihrem Ziel entgegen fliegen!
Wir mussten nur einmal unseren Schutzraum aufsuchen. Er lag gleich hinter unserem Haus. Ein Bomberverband wurde von Deutschen Jägern angegriffen und es kam zu einem Luftkampf .Dabei warfen Bomber in Notwürfen ihre Bomben ab und es kam in Scherneck zu Bränden, weil Brandbomben verschiedene Anwesen entzündet hatten.
Unser Felsenkeller war sehr sicher .Am Eingang hatten wir zusätzlich starke Baumstämme senkrecht aufgestellt und somit die starke Türe noch einmal geschützt.
In unserem Keller gingen auch die Nachbarn mit rein..Fam. Dinkel, Holzheid, und Rödel.
Ein zweimotoriger Bomber stürzte zwischen Kaltenbrunn und Untermerzbach im Wiesengrund ab. Die Motoren bohrten sich tief in den feuchten Boden.Sie wurden von Luftwaffen Soldaten mit Flaschenzügen gehoben und dann abtransportiert. Wir Buben beobachteten den Vorgang. Ob die Piloten überlebt haben weis ich nicht.

Kurz vor Kriegsende fuhr meine Mutter mit dem Fahrrad nach Coburg um dort Besorgungen zu machen. Auf dem Heimweg, bei Untersiemau fuhr auf der B4 eine Kolonne deutscher Militärfahrzeuge. Es dauerte nicht lange bis zwei Tiefflieger erschienen und die Kolonne unter Feuer nahmen. Die Soldaten und auch meine Mutter gingen im Straßengraben in Deckung und warteten den Angriff ab. Es wurde niemand getroffen. Nur manche Fahrzeuge hatten Einschusslöcher von den Bordkanonen der Flugzeuge. Meine Mutter erklärte danach, das sie in nächster Zeit nicht mehr nach Coburg fährt, denn so etwas wollte sie nicht mehr erleben.
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#3 von gerd , 29.12.2012 07:53

Im Krieg
Wir waren gut informiert, da wir einen "Volksempfänger" hatten. Heimlich wurde BBC London abgehört, was aber durch Strafe verboten war! Ich erinnere mich noch genau, als die Alliierten in Frankreich gelandet waren und später den Rhein bei Remagen überschritten hatten. Bei uns im Land ging die Propaganda weiter für den Endsieg. Auch noch, als Stalingrad gefallen war. Die Verwundeten welche in die Heimat zurück kamen berichteten das der Krieg nicht mehr gewonnen werden könnte!
Mein Onkel Adolf Schramm war verwundet nach Hause gekommen. Nach einigen Monaten wurde er aber wieder eingezogen und starb dann an der Ostfront.
Das Jahr 1942 war bei uns ein sehr kalter und Schneereicher Winter. Da unsere Soldaten für einen Winter in Russland nicht die richtige Bekleidung hatten, wurde durch das "Winterhilfswerk" gesammelt. Es wurden besonders Mäntel und Pullover gesammelt. Auch unsere Ski mussten wir bei Ludwig Rebhan abgeben. Wir bauten uns daraufhin neue beim Schreiner Gebr. Brückner. (Diese gut gedachte Sammlung stellte sich aber später als fast nutzlos heraus!)

Ich kam 1941/42 in die Volksschule nach Schottenstein. Zuvor musste ich zwangsläufig den Kindergarten besuchen, welcher neben dem Anwesen Rost stand. Ich mochte ihn und die Kindergärtnerin gar nicht und drückte mich wo ich konnte. Als ich zur Schule kam hatten wir den Lehrer Ludwig, einen älteren guten und freundlichen Mann. Im 2. Schuljahr hatten wir ein Fräulein Hagen aus Bamberg. Sie war sehr jung und hatte mit den großen Jungen ihre liebe Not! Sie ließ sich aber nichts gefallen.
Bei manchen gab es was auf die "Pfoten". Die Stöckchen dazu mussten diejenigen hinter der Schule im nahen Gebüsch holen. Die meisten Schläge bekamen die Brüder Helmut und Alfred Schad. Sie hatten jeden Tag etwas angestellt oder ihre Hausaufgaben nicht gemacht. In der Schule wurden alle Missetaten bestraft .Die meissten Delikte waren Feuer schüren in der Flur. Obst stehlen. Abends nicht rechtzeitig nach Hause gehen. Einwohner ärgern. Rauchen und Fenster einwerfen. Unerlaubt Fische fangen in der Itz wurde besonders bestraft!
Ein großer Teil unserer Beschäftigung in der Schule war "Körperertüchtigung" und "Geländeübungen" mit der Hitlerjugend . Auch mussten wir in der Itz das Schwimmen lernen.
Wir schwammen entweder unterhalb der Mühle oder im sogenannten "Schusters-Winkel", 200 m unterhalb der Mühle. Es wurde dort über die Itz ein Seil gespannt, an dem wir uns festhalten konnten, weil es dort auf der Mühlau Seite sehr tief war. Wir Kinder durften dort am Tage baden.Am Abend kamen dann die Älteren und wir mussten dort verschwinden...
Bei schlechtem Wetter hatten wir manchmal Schulfrei. Oft mussten wir in der Schule mit dem Luftgewehr das schiessen lernen.Das Gewehr war ein umgebauter Karabiner 98k den ich heute noch habe.
Im Frühjahr und Sommer mussten wir Kinder die Kartoffelfelder nach Kartoffelkäfern absuchen. Reihe von Reihe wurde nach den Käfern abgesucht und auch nach Larven Ausschau gehalten. Jeder hatte ein Gefäß und die Käfer wurden dann verbrannt.
Die Felder mussten wir öfters absuchen und es wurde uns gesagt, das die Käfer von feindliche Flugzeugen abgeworfen wurden.
Es wurden auch laufend Flugblätter im Dorf verteilt, mit Parolen wie : "Pssst...Feind hört mit".
Als alle Lehrer zur Wehrmacht eingezogen waren, hatten wir Schulunterricht bei Kirchenrat Roth. Der wohnte im "Olgabau" im Schloss Er war ein alter Mann, schon im Ruhestand und tat was er konnte.
Den Winter über hatten wir in den Gastwirtschaften Unterricht. Da kein Heizmaterial für die Schule vorhanden war wurde abgewechselt. Einmal hatten wir bei Bauer, Schleicher oder Helbig Unterricht. Die großen Buben mussten am Tag vorher immer die Schultafel in die andere Gastwirtschaft tragen. Mit Deutschen Gruß "Heil Hitler" begann der Unterricht.
Bevor die Flüchtlinge kamen waren alle Klassen in der oberen Schule untergebracht.
Kurt Schramm beschreibt nun die Radarstation bei Neuses a.d. Eichen/Watzendorf.
Ich will hier nicht darauf eingehen, denn der Bericht ist hier im Forum ausgiebig behandelt worden.(s.d.)
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#4 von gerd , 29.12.2012 10:15

Die Post
Früher wurde die Post mit dem Postauto von Lichtenfels über Rossach nach Schottenstein gebracht. Mit diesem Postauto konnten auch 5 Personen mitfahren, z.B. nach Rossach oder Lichtenfels. Als das Benzin noch knapper wurde kam die Post mit dem Zug nach Kaltenbrunn. Sie musste täglich dorthin gebracht und auch abgeholt werden. Dann eben mit dem Handwagen! Als der Munitionszug in Zapfendorf in die Luft flog, kam überhaupt keine Post mehr durch.
Auch der Molkereibesitzer Huck aus Kaltenbrunn schimpfte immer, wenn im Winter das Postauto sowie der Milchfahrer Conrad mit seinem Pferdegespann wegen zugewehter Straßen nicht rechtzeitig durch kam!.(Kaltenbrunn hatte ja eine bekannte Molkerei) Im Kaltenbrunner Bahnhof (heute ist da das Restaurant "La Stadione" drinnen) trafen sich die Poster von Kaltenbrunn, Untermerzbach, Gleussen, Schottenstein und Herreth und warteten auf den Zug.
Die Tiefflieger flogen regelmäßig auch die Bahnstrecke Bamberg-Dietersdorf ab. Wenn sich ein Zug dort befand, wurde er beschossen. Es wurde meist Nachts gefahren.
Bei Angriff verkrochen sich die Poster und der Bahnhofsvorsteher Schleicher von Kaltenbrunn in einem kleinen Keller und warteten bis die Flieger wieder weg waren. Sie hatten es sich in dem Keller gemütlich gemacht, stellten einen "Kanonenofen" da hinein und wenn es welchen gab, tranken sie im Winter Glühwein.
In der Baywa Werkstatt in Bamberg arbeiteten russische Kriegsgefangene. Ihnen ging es schlecht. Sie hatten nichts anzuziehen und nichts zu essen. Als Essen gab es meißt gemahlene Runkelrüben, gedämpfte Kartoffel, altes Gemüse .Manchmal bekamen sie Fische aus dem Main.
Die Russen lebten in einem Lager in der Nähe von Bamberg. Sie wurden später abtransportiert. Man verlud sie auf die Bahn und brachte sie bis Staffelstein. Dann mussten sie durch den Lautergrund über Stublang,Kümmersreuth laufen. Wohin ist mir nicht bekannt. Sie wurden von SS Soldaten begleitet und wer sich von den Russen etwas von einem Acker holen wollte wurde von den SS Leuten erschossen . Es gab einige Tote damals.
Einmal fuhr ich mit meinem Vater von Kaltenbrunn nach Bamberg mit dem Zug, weil wir kein Benzin für unser Motorrad hatten.
Im Zug saßen Arbeiter und Bauern. Wegen der Tiefflieger war das Licht in den Abteilen abgedunkelt worden. Ein Arbeiter wollte lesen und schimpfte, das er nichts sehen konnte. Er nahm seinen Spazierstock und schlug die Verdunkelung mitsamt der Waggonscheibe herunter. Dann war es hell!
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#5 von gerd , 29.12.2012 13:19

Die Westfront rückte immer näher. Ganze Einheiten zogen sich zurück und warteten auf die angekündigte Wunderwaffe. Doch die kam nicht! Einmal waren Offiziere bei uns einquartiert, einige Tage lang. Sie redeten mit meinem Vater und Großvater Friedrich über die Lage und einige beschlossen sich von der Truppe abzusetzen und nach Hause durchzuschlagen. Sie waren aus dem Frankfurter Raum. Einer war der Sohn des Besitzers eines Hotels am Frankfurter Römer. Er kannte einen Teil der damaligen Partei Größen...
Die Amerikaner waren schon in Frankfurt. Die Offiziere wollten mit dem Auto bis in die Rhön fahren und dann zu Fuss weiter laufen. Sie hatten gute Waffen bei sich und wollten sich gegen deutsche SS Leute wehren. Jedenfalls stand auf Fahnenflucht die Todesstrafe. Ob sie zu Hause angekommen sind, weiß ich nicht!
Vom 12. April an war Schottenstein ohne Strom. Die Bauern konnten kein Futter schneiden und mussten "lang Füttern". Ungeschnittenes Gras und Stroh, sowie Heu. Das Pumpwerk der Wasserleitung ging ebenfalls nicht. Alles Wasser musste am Dorfbrunnen mit der Butte oder mit Eimern geholt werden. Erst am 5. Mai wurde Schottenstein wieder mit Strom versorgt. Die Schulen waren vorerst geschlossen, während die Kirche nur am 15. April geschlossen war.
Durch die noch im Lande verbliebenen Ausländer, hauptsächlich Polen, wurde in den Städten und auf dem Lande geplündert. Es wurde alles mitgenommen. Hauptsächlich Schnaps, Fleischwaren, sowie Wertgegenstände und auch Kleidung.
Eine ordentliche Denmobilisierung gab es nicht. Die Truppen, soweit sie nicht geschlossen in Gefangenschaft gingen, lösten sich von selbst auf und zogen ihrer Heimat zu. Auch aus unserem Ort sind welche "heimgezogen". Der langjährige Pfarrer Wurmthaler, sowie Erich Freiberger.
Pfarrer Wurmthaler trat am 16. April 1945 aus der Gegend von Iserlohn seinen Heimweg an. Er lief Richtung Gießen, Marburg, Fulda, Rhön, Gleichberge und legte dabei die etwa 350 km in 17 Tagen zurück. Er machte zwei Ruhetage und traf dann am 2. Mai 1945 hier in Schottenstein in der Nacht ein.
Von A. Siller erfuhr ich, dass einige Tage nach der Besetzung, nachts an ihr Fenster geklopft wurde. Sie machte es auf und davor stand Pfarrer Wurmthaler.
Er hatte sich bis Schottenstein durchgeschlagen. Da Siller am oberen Ortseingang wohnt und das Dorf besetzt war, erkundigte er sich wie er ungesehen in sein Pfarrhaus gelangen konnte. Da überall in den Strassen amerikanische Fahrzeuge standen.A. Siller gab ihm den Rat, hinten über den Pfarrgarten nach Hause zu gehen, was er auch befolgte und gut zu Hause ankam.
Erich Freiberger löste sich in Hallstadt bei Bamberg von den deutschen Truppen. Es war dort kein halten mehr möglich.Er schlug aber nicht den direkten Weg nach Schottenstein ein, da der Itzgrund voll von Amerikanischen Truppen war.
Von Hallstadt aus lief er in Richtung Burg Giech,Steinfeld,Stadelhofen.Hier wurde er von den Amerikanern überholt und änderte seine Marschrichtung nach Osten.Er lief dann über kleiner Staffelberg Richtung Westen. Entlang des Mains wollte er bei Unnersdorf die Brücke über den Fluss nehmen und wurde dort von Amerikanern beschossen.Der Fluss führte damals Hochwasser und konnte nicht überquert werden. Erst bei Haussen gelangte er über den Fluss .Daraufhin übernachtete er im Banzer Forst und lief dann bis ins Lindachshölzchen. Hier verweilte er einen Tag und beobachtete Schottenstein aus der Ferne .Am 22.April 1945 kam Erich Freiberger in Uniform an seinem Elternhaus in Schottenstein an.

Krieg Ende
Am 4.4.45 wird Suhl durch die 3. US Armee besetzt. Am 8.4. und 9.4. Beschuss der Stadt Coburg durch Tiefflieger. Einige Stunden lang.
Am 10.4. wird die Veste in Brand geschossen. Um 5.00 Uhr früh, am 11.4.45 wird die Stadt Coburg mit Artillerie beschossen und es entstehen zahlreiche Brände. Gegen die Mittagszeit wird Coburg an die Amerikaner übergeben.
Verschiedene Dörfer des Coburger Landes wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. So war schwer getroffen worden Gauerstadt und Lempertshausen.Es gab Opfer unter der Zivilbevölkerung.
Als Deutsche Einheiten Schottenstein verliesen, stellten sie in unserer Scheune ein nagelneues Lastauto ab. Wir hätten es gerne behalten, aber am nächsten tag holten die Soldaten das Auto ab,fuhren damit bis nach Altenbanz und sprengten es da in die Luft!
Eine andere Einheit befahl ,die zwischen Bodelstadt und Kaltenbrunn stehenden Pappeln um zu sägen und sie quer über die Straße zu legen.Es war schade um die schöne Allee....Alle noch anwesenden Männer mussten die Pappeln umsägen und der Volkssturm mit einigen Soldaten die Brücke nachts bewachen.
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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#6 von gerd , 29.12.2012 17:51

Eine Waffen SS Einheit bezog in der Scheune von Erwin Herr Quartier. Zwei Tage später rückte eine andere SS Einheit an. Sie befanden sich ebenfalls auf dem Rückzug. Die Amerikaner waren schon sehr nahe. Die SS Einheit beschoss die Amerikaner von Dietersdorf aus, als diese in Gemünda waren. Daraufhin wurde das Anwesen Moltan und ein anderes von den Amerikanern in Brand geschossen.
Auf Veranlassung dieser SS Einheit mussten nun die Pappeln, welche erst kurz vorher zwischen Bodelstadt und Kaltenbrunn über die Straße gelegt wurden, wieder entfernt werden, damit man passieren konnte!! Zugtiere mussten angespannt werden um die schweren Pappeln wieder weg zu schaffen! Als diese SS Einheit durchgefahren war, sprengte sie die dortige Brücke in die Luft! Die Brücke über die Rodach, an der Kadersmühle hätte schon vorher gesprengt werden sollen und war auch für die Sprengung vorbereitet. Die Zündung der Ladung versagte aber und so blieb die Brücke stehen . Wir Buben wussten, das die Ladung auf der Memmelsdorfer Seite im Steinsockel der Brücke untergebracht war, aber es war uns zu gefährlich daran zu hantieren und das Pulver heraus zu nehmen...Beim Neubau der Brücke wurde die alte Brücke abgerissen und dabei die noch vorhandene Sprengladung entdeckt....Ein Sprengkommando musste erst die Ladung unschädlich machen! Wie viele Fahrzeuge sind über die Brücke gefahren, ohne das man davon wusste?
Überall in der Flur, hauptsächlich im Wald liefen Gruppen von Soldaten umher. Im "Tännigholz" verscharrten sie ihre Gewehre und auch ein Maschinengewehr .Nach dem Einmarsch der Amerikaner wollten wir die Gewehre holen, aber sie waren nicht mehr da.
Die Soldaten wollten nach Hause oder zu den Amerikanern überlaufen. Das wurde aber mit dem Tode bestraft. Auch bei uns kamen in der Nacht oder im Morgengrauen Soldaten vorbei und baten nach Essbaren.
Zu dieser Zeit war das "Fliegende Standgericht Major Helm" im Coburger Land unterwegs und an einer Linde zwischen Creidlitz und Ketschendorf wurde ein Deutscher Soldat aufgehängt...Er wollte nach Hause...er war aus Frohnlach!.
Bereits am 8.4. 1945 waren die Amerikaner in Memmelsdorf. Wahrscheinlich wurde aus strategischen Gründen erst Unterfranken besetzt? Als meine Eltern mit dem Ochsengespann auf dem Tännigsacker Gerste säen wollten, wurden sie beschossen. Wir hatten keine Pferde und auch keinen Diesel für den Schlepper damit wir säen konnten. Ob die Amerikaner gezielt geschossen hatten, weiß ich nicht. Meine Eltern verließen fluchtartig das Feld und gingen nach Hause.
In Memmelsdorf war eine Panzersperre geschlossen worden. Daraufhin wurden alle Männer des Ortes von den Amerikanern in der Kirche für drei Tage eingesperrt worden. Sie waren ohne Verpflegung.
Als das bekannt wurde, entfernten die Schottensteiner sofort ihre Panzersperre!

Die Einnahme Sesslachs
Der damalige Lagerhausverwalter der Baywa in Sesslach, ein echter Nazi, erklärte meinem Vater kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner." Der erste Panzer, der nach Sesslach kommt gehört mir!"..." Ich werde ihn mit der Panzerfaust abschießen!" An geeigneter Stelle ließ er sich ein Schützenloch ausheben. Mein Vater erklärte ihm darauf, das es Sinnlos sei, denn die Amerikaner würden Sesslach zusammen schießen. Er ließ daraufhin von seinem Vorhaben ab.
Ein Soldat der Amerikaner kam beim Einmarsch in Sesslach ums Leben. Beim durchfahren des engen Hattersdorfer Tores streifte die geöffnete Luke am Turm des Panzers das Tor und der Soldat wurde von der Luke erschlagen!
Schläger und seine Gefolgsleute wurden von den Amerikanern gefangen genommen. Sie wurden nach Hammelburg gebracht. Alle fünf Nazis von Sesslach wurden auf einen Panzer gesetzt und durch Sesslach gefahren. Einer konnte abspringen, es wurde auf ihn geschossen. Doch er konnte entkommen und verbarg sich in einem Kellerstollen.
Bis kurz vor dem Eintreffen der Amerikaner lag auf dem Geyersberg eine Deutsche Funkeinheit. Sie hatten dort ihre Funkantennen und andere Gerätschaften aufgebaut .Diese Funkeinheit verlies den Geyersberg und später begannen die Jungen von Sesslach mit dem Abbau von brauchbaren Dingen der Funker. Diese Einheit zog sich in Richtung Itzgrund zurück.
Nachdem die Schottensteiner erfahren hatten, das die Memmelsdorfer 3 Tage lang eingesperrt waren, beschlossen sie die Panzersperren abzubauen .Dieser Beschluss wurde laut Zeitzeugen auf der Straße am Schloss gefasst! Bürgermeister war Georg Siller. Es waren noch Johann Präcklein, Christian Schramm, Oskar Schramm , Eduard Heuschmann anwesend. Der Bürgermeister war bleich wie ein Toter, denn die SS war noch in Bodelstadt. Und er sagte, wenn sie einen aufhängen, dann ihn!
Zugegen war auch noch die Baronesse von Schott, die meinte es wäre besser die Sperren zu beseitigen, ehe das Dorf zusammem geschossen würde.Die Sperren wurden beseitigt und mein Vater und die Baronesse beschlossen, bei Auftauchen der ersten Amerikanischen Fahrzeuge eine weisse Fahne zu hissen,was sie dann auch taten.
Bei uns kamen die Amerikaner am Nachmittag des 11. April 1945. Es war ein herrlicher Frühlingstag.
Erst fuhr ein Jeep mit Insassen von Bodelstadt her durch das Dorf in Richtung Rossach. Gegen 16.30 Uhr rollten die ersten Panzer durch das Dorf. Sie kamen von Sesslach über den Sorghof und von Bodelstadt. Fahrzeuge aller Art kamen aus dem Hohlweg an der Tischerlinde hervor und bogen ins Oberdorf ein. Es viel kein Schuss, denn es waren keine Deutschen Soldaten mehr da.
Wir Kinder standen oben in unserem Garten und staunten , als wir schwarze Soldaten auf den Fahrzeugen sahen. Sie waren freundlich und warfen uns Schokolade und Kekse zu. Das meiste bekamen die Mädchen!
Es waren etwa 100 Fahrzeuge aller Art, die da ins Dorf kamen. Panzer, Lastautos und Jeeps. Alle waren voller Lehm und Dreck, weil sie den kürzesten Weg von Sorghof nach Schottenstein genommen hatten und durch den Wald und über die Äcker gefahren sind. Der Weg nach Sorghof war über Jahre hin später nicht zu befahren.
Besagter Hohlweg war nur ca. 3 Meter breit und die Randsteine flogen durch die Luft. Der größte Teil der Fahrzeuge fuhren durch das Oberdorf zum Deutschen Eck und die "Leiten" hinunter zum Sportplatz. Einige versuchten mit ihren Panzern den Kirchenrangen hinunter zu fahren, aber ohne Erfolg.
Diese ersten Kampfeinheiten fuhren nach Rossach , weil dort die einzige Brücke über die Itz noch stand. Alle anderen waren gesprengt worden. Die Amerikaner fuhren dann auf der B4 nach Coburg, ein Teil nach Alten Banz, ein anderer nach Staffelstein. Andere besetzten die Höhenzüge. Den ganzen Tag und die Nacht rollten die Fahrzeuge durch das Dorf. Jede Gasse und jedes Anwesen wurde abgefahren. Die Amerikaner redeten so gut es ging mit den Anwohnern und wollten wissen ob noch Deutsche Soldaten im Ort seien.
In der Feldscheune von Adolf Schramm hatten sich aber 16 Deutsche Soldaten versteckt. Sie stellten sich den Amerikanern und wurden gefangen genommen. Bei Siller im Hof nahmen sie Aufstellung und es wurde ihnen alles abgenommen. Uhren , Ringe und alles Andere. Was unbrauchbar war wurde auf einen Haufen geworfen und angezündet. Dann kam ein Lastauto und sie wurden weg gebracht.
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#7 von gerd , 30.12.2012 09:25

Am 12.April begann eine wilde Schießerei. Im Oberdorf waren Flak und Schützenpanzer in Stellung gegangen .
Von Osten her kamen deutsche Flieger und sie wurden aus allen Rohren der Amerikaner beschossen. Die Amerikaner hatten bei Schloss Wiesen ein Nachschublager eingerichtet, das wahrscheinlich angegriffen werden sollte.
Wir Jungen waren auf der Wiese von Brückner. Da standen 2 Schützenpanzer und ein Flakgeschütz. Die Amerikaner saßen auf ihren Fahrzeugen und trieben ihre Spässe mit uns. Ich bekam meinen ersten Kaugummi im Leben von einem Schwarzen Soldaten und er musste mir erst zeigen was man damit macht. Das ging nicht ohne großes Gelächter der anderen Soldaten ab.
Plötzlich sprangen sie an ihr Flakgeschütz und die anderen begannen mit den Maschinengewehren auf den Fahrzeugen zu schießen. Ein großer Lärm entstand und wir rannten in den nahen Hohlweg in Deckung. Das hatten wir ja bei den Geländeübungen schon gelernt.
Als die Schießerei endlich vorbei war, rannten wir nach Hause und es gab ein "Donnerwetter" von den Eltern! Die und Nachbarn hatten im nahen Schutzkeller Zuflucht gesucht und waren in großer Angst um uns, weil wir ja noch draußen waren.
Danach zog der größte Teil der Amerikaner von Schottenstein ab. Der Schwarze Soldat, der mir den Kaugummi geschenkt hatte winkte mir noch zu als sie weg fuhren....
Nun blieb nur noch eine Verpflegungseinheit am Sportplatz mit einer Feldküche stehen. Die stand im Hof der unteren Schule. Sie versorgte umliegende Einheiten.
Die Schule war geräumt worden und diese Einheit blieb ca. 14 Tage dort.
An der Tischerslinde war noch eine Funkeinheit stationiert . Die legten bis nach Memmelsdorf und Neuses/ E. schwarze Leitungen. Als auch diese Einheit weg war, zwickten wir die Leitungen auseinander und rollten die Kabel mit Hilfe der Erwachsenen auf. Die Amerikaner ließen alles unbrauchbare liegen, denn sie hatten genug Material.
Der größte Teil der Amerikaner stellte sich mit den vielen Fahrzeugen auf der Wiese, dem heutigen Sportplatz auf. Andere Fahrzeuge standen im ganzen Dorf. Auf der Wiese von Adolf Brückner und am Bauersee hatten auch einige Schützenpanzer Stellung bezogen. Diese erste Kampfeinheit kümmerte sich um das Geschehen im Dorf wenig. Die Soldaten waren auch verschlossen und wohl froh, das kein Widerstand geleistet wurde. Sie blieben alle bei ihren Fahrzeugen.
Wenig später erschien eine andere Einheit. Sie hatte den Auftrag die Nazis, Bürgermeister und SA Personen zu finden. Teilweise wurden diese Leute dann mitgenommen.
Der SA Mann Schad verschwand mit seiner Frau für einige Tage nach Lichtenfels. Bei seiner Rückkehr wurde er aber verhaftet und in das Lager nach Hammelburg gebracht. Dort war er 1 Jahr interniert.
F.f.

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#8 von gerd , 30.12.2012 12:02

Offz. dieser Einheit gingen auch zum damaligen Bürgermeister. Der kam aber mit ihnen nicht klar und so kamen sie zu uns ins Haus. Es war ein Offz.,ein Dolmetscher und 2 Soldaten mit Gewehren. Sie redeten mit meinem Vater und Großvater. Ein Herr Tehlen aus Hamburg, der bei uns wohnte und in Hamburg bei Borgwarth war, sprach gut englisch und verständigte sich mit den Amerikanern. Sie wollten alles über das Dorf wissen. Danach musste im Dorf "ausgeschellt" werden(ein Mann ging mit einer Glocke in der Hand durchs Dorf und verkündete so sein Anliegen!), das alle Waffen, Fotoapparate und Ferngläser beim Bürgermeister abgegeben werden müssen.
Am nächsten Tag fuhren im Hof vom Bürgermeister einige Jeeps und ein LKW der Amerikaner vor. Die Leute brachten nun ihre Waffen und ein Am. Offz. begutachtete alles. Jeder hatte ja im Dorf Waffen. Was gute Waffen waren kamen in dem Dodge alles andere wurde auf den LKW verladen und weg gefahren.
Die Fam. von Loeffelholz brachte die gesamte Waffensammlung des ehemaligen Kriegsministers von Württemberg Schott zu Schottenstein. Diese hätte nicht abgegeben werden müssen. Die Amerikaner suchten sich die schönsten Stücke aus und fuhren damit weg. Das Lastauto dagegen fuhr mit den Karabinern und anderen Waffen in den Wald zwischen Welsberg und Neuses/E.schlugen die Gewehre an den Bäumen kaputt, warfen die Munition auf einen Haufen, gossen Benzin darüber und zündeten alles an.
Der große teil verbrannte. Nach einigen Tagen liefen wir dorthin und holten uns ,was noch brauchbar war. Vor uns war doch nichts sicher!
Diese Amerikaner blieben etwa eine Woche in Schottenstein, in Rossach aber noch länger. Zu dieser Zeit wurden wieder Häuser beschlagnahmt. Auch unser Haus sollte geräumt werden. Mein Vater hatte schon die wertvollen Gegenstände in der Scheune vergraben und nun räumten wir die Betten in die Abstellkammer in die Scheune und richteten dort unsere Schlafstätten ein. Als ein Offz. das Haus in Augenschein nahm, redete Herr Tehlen mit dem Offz. und wir brauchten das Haus nicht zu räumen. An der Haustüre wurden einige englische Worte geschrieben und somit blieben wir verschont.
In den anderen Häusern, welche besetzt waren wurde viel Schmutz und Dreck hinterlassen.
Beliebte Andenken welche mitgenommen wurden waren Zylinderhüte, Teddybären und anderes. Die Teddybären machten die Amerikaner an ihren Panzern fest und fuhren davon.
Die in der Maschinenhalle gelagerten Panzerfäuste wurden von einer Sondereinheit unschädlich gemacht. Etliche solcher Waffen wurden auf einen LKW geladen und in der Wassergasse aufgeschichtet. Es kam eine Sprengladung darunter und dann wurde alles in die Luft gejagt!
Die Wirkung war für das Dorf verheerend! Mein Vater beschwerde sich dann bei den Soldaten und die nächste Sprengung erfolgte weiter vom Dorf entfernt.
In der Wassergasse entstanden durch die Sprengung zwei ordentliche Löcher von 2 metern Tiefe .Diese Löcher wurden bei der späteren Flurbereinigung noch vertieft und sind jetzt wertvolle Biotope für Frösche und andere Tiere!
F.f.

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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#9 von gerd , 30.12.2012 18:09

Auf den heutigen Sportplatzgelände bauten die Amerikaner ein Verpflegungslager auf. Am Weg zur Mühlau Brücke stapelten sie Kisten und Kartons mit Südfrüchten, Konserven und Zigaretten . Sie hatten soviel an Material und Essen...es war für uns unfassbar! Wir hörten immer nur, das der Feind am Ende sei! Für uns Kinder viel so manches ab. Ich bekam zum ersten mal im Leben eine Apfelsine. Für mich ganz allein! Wie man die schälen und essen musste?....
Wenn wir unbeobachtet waren schlichen wir uns an die gestapelten Kartons ran und öffneten sie mit dem Messer . Die grünen Dosen nahmen wir mit zur Itz und schauten dort rein was darinnen war. Welche "Schätze" fanden wir da! Schokolade, Kekse, Zucker, auch Kaffee war in manchen Dosen. Und was besonders wichtig war, es gab da auch Unmengen von Zigaretten!...Das waren gute Tauschobjekte.
Die Amerikaner fuhren im Dorf herum und tauschten Zigaretten gegen Eier oder Benzin oder Kaffee. Auf den Kaffeedosen stand "maxwell coffee".
All das hatten wir lange Jahre vermisst. Auch war Schnaps und Bier von den Amerikanern gefragt. Aber die Soldaten waren sehr vorsichtig...erst mussten die Deutschen trinken, dann tranken sie selbst! Wenn der Alkohol seine Wirkung tat, gab es keine "Feinde " mehr und alle waren recht lustig.
An der Kreuzung Rodachstraße-Rodachsberg war eine fahrende Werkstatt eingerichtet. Hier wurden Motoren von Panzern und Autos ausgetauscht. Die alten Motoren ließen die Amerikaner einfach stehen, sie brauchten sie nicht mehr. Die Schottensteiner holten sich Teile davon welche man eben brauchen konnte.
Auf den Feldern neben der Tischerlinde landete ab und an ein kleines Flugzeug. Für uns war das eine aufregende Sache, aber wir durften das Flugzeug nur aus einiger Entfernung bedrachten.
Im Juli kam dann ganz unangemeldet ein Lastauto mit 26 Flüchtlingen aus dem Osten hier an. Obwohl wir schon voller Flüchtlinge waren mussten die Leute zusätzlich unter gebracht werden. In dieser Zeit ging alles drunter und drüber. Niemand wusste so recht wer das Sagen hatte. Die Nazis waren verschwunden oder damit beschäftigt ihren Kram beiseite zu schaffen.Hitlerbilder und Uniformen wurden verbrannt. Blos alles weg, was uns belasten konnte! Manche dachten aber viel weiter...und versteckten Relikte aus der Zeit. Man konnte ja nicht wissen was man davon noch einmal gebrauchen konnte? Manches sollte sich bewahrheiten....
F.f.


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RE: Kriegsende Coburger Land-Schottenstein

#10 von gerd , 30.12.2012 18:46

Wie das Kriegsende und der Einmarsch der Amerikaner von einem Mann der NSDAP gesehen wurde, soll in den folgenden Bericht erzählt werde.


Aufzeichnungen des NSDAP Propagandaleiters Hans Engelhardt
Er schreibt folgendes:
Nachfolgend will ich die Besetzung durch fremde Truppen und alle Vorkommnisse soweit sie von mir aus zu übersehen waren schildern.

Schottenstein, den 11. April 1945
Einige Tage vor dem o.g. Termin wurden Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Durch den Volkssturm wurden Wachen aufgestellt. An allen Ortseingängen Panzerhindernisse errichtet. Durch die Wehrmacht wurden alle Brücken geladen und sprengfertig gemacht. Immer spannender und ernster wurde die Lage. Der Feind steht bereits in Königshofen im Grabfeld, 24 km vor Coburg und Ebern. Am 9. April krachte es überall um uns herum, Dietersdorf wurde beschossen und die Wehrmacht sprengte Brücken.
Die Brücke bei Bodelstadt, bei Gleussen und die Eisenbahnbrücke bei Untermerzbach
Feindliche Tiefflieger zogen ihre Kreise und ließen damit das Näherkommen der feindlichen Streitmacht erkennen.
Vom zurückweichen unserer Truppen war in Schottenstein wenig zu erkennen, der Rückzug ging besonders auf der Rodachtal Straße über Bodelstadt, Gleussen von statten.Von Ebern her über Untermerzbach, Gleussen und Herreth in das Maintal. Als die letzten unserer Truppen durch waren, wurden die Brücken über die Itz gesprengt.Am 10. April wurde es in westlicher Richtung lebhafter.Man vernahm aus Richtung Heilgersdorf, Dietersdorf, Tambach, Rodach, Gauerstadt, und auch in der Nähe Coburgs Kanonenschüsse.Auch Fliegerbomben krachten. Die Lage wurde immer bedrohlicher. Trotzdem ging das alltägliche Leben weiter.Die Bauern arbeiteten auf den Feldern nur die Eisenbahn ging nicht. Auch die Post, welche schon sehr unregelmäßig kam, blieb nun ganz aus!
F.f.


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