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Dieses Thema hat 11 Antworten
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 Das Coburger Umland
gerd Offline



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03.04.2013 22:33
Wischi Zitat · antworten

Willi Schillig hat sich nun verabschiedet.
Er gehörte auch zu der alten Garde, die damals nach dem Krieg,unter ganz bescheidenen Anfängen, aus der Korbmöbelbranche kommend, sich zu einem Top Unternehmen im Polstermöbel Sektor hinaufgearbeitet hat.
Sichtbares "Aushängeschild" von Wischi ist der nach wie vor große LKW Fuhrpark, der wirksam am Wochenende (meist vollzählig)dort an der B 303 zu sehen ist.

Welches "Auf und Nieder" hatte die Polstermöbel Industrie hier im Coburger-Ebersdorfer - Sonnefelder Raum mitgemacht.
Viele, die damals nach dem Krieg oder in der "Wirtschaftswunder Zeit" ebenfalls ganz klein begonnen hatten, sind schon lange nicht mehr existent.
So erinnere ich nur an die Firmen: Fischer/Sonnefeld. Hummel/Sonnefeld. Kretz-Werke/Neuensorg. Kirchner/Frohnlach. Welsch/Ebersdorf. Hennig/Weidhausen. Chromo-Stahlrohrmöbel/Sonnefeld. Wagner/Scherneck.
Völker Tische /Ebersdorf-Frohnlach. Raedlein/Ebersdorf. Ponsack/Zeickhorn. Präcklein/Stadel-Hausen-Großheirath.....Und wie viele habe ich vergessen!?.....

Was war in den 60er/70er Jahren im östlichen Coburger Landkreis geboten!!?...
Von Hummel in Sonnefeld erzählte man sich im nachhinein:" ...nu,dar hot seina Garnidurn mitt´n Handwoch´n in Sunnafald ah die Bahn`gfahr`n!"....(später sprach man von einem "Senkrechtstarter"....)
Und dann konnte man sehen, wie die ersten Firmen begannen, sich eigene LKW`s zu kaufen......
Bald standen auf den Firmenhöfen überall mehr oder weniger große LKW -Flotten.
Blau/Gelb war einmal das Firmenlogo von Fischer in Sonnefeld."Möbel mit Charakter" stand an den LKW´s zu lesen. Kirchner in Frohnlach hatte rote Lastzüge. Meist waren die Firmen-Logo- Namen, oben an den LKW Führerhäusern angebracht und man konnte auf der Autobahn entgegen kommende LKW´s schon von weitem erkennen, das es einer "aus unserer Ecke" war.
Meist gab man sich dann "Lichthupe", oder ein freundschaftlicher Gruß mit erhobenen Daumen war zu sehen. Spätestens beim nächsten Werkstatt Besuch, traf man dann die Fahrer wieder, die einen auf der Autobahn begegnet waren.
Durch den großen LKW Fuhrpark, den die Firmen dann hatten, nicht jede Firma hatte eine eigene (LKW)- Werkstatt! , begann sich die Fa. Autohaus Schultz in Sonnefeld zu vergrößern. Erst ganz klein mitten in Sonnefeld gelegen, musste Schultz neues Terrain an der Straße nach Coburg, bzw. nach Neuensorg erschließen.
LKW´s wollten gewaschen werden.....so stand bald "beim Schultz" eine LKW Waschstraße. Andere Firmen zogen dann mit....
Tankstellen wurden gebraucht!.... Und als dann 1974 die sogenannte "Energiekrise" uns Sonntagsfahrverbote (außer wer beruflich unterwegs war)die Sommerzeit und eine allgemeine Preissteigerung bei Benzin und Diesel bescherte, stellten sich viele Firmen mit eigenem Fuhrpark Diesel und Benzin Tanks auf den Hof, weil der Einkauf angeblich günstiger war.
In der Polsterbranche boomte es damals....drei Tagestouren ins Ruhrgebiet waren über Monate möglich! Damals, in den 70er/80er Jahren hatten wir noch keine Autobahn vor der Haustüre und der ganze Schwerverkehr quälte sich über die Bundesstraßen....Unvorstellbar heute. Die B 303 nach Schweinfurt endete am damaligen "Bayern Denkmal"...das war die heutige Brücke der B 303 die an der Anschlussstelle Pfarrweissach/Maroldsweissach steht. Die Brücke war schon lange vor dem Ausbau der B 303 dort errichtet worden, aber die Straße ließ auf sich warten...daher der Name :"Bayern Denkmal"!
Wer nach Norddeutschland musste, bog hier nach Fulda ab um dort die A 7 zu erreichen.
Kolonnen von LKW´s, einer hinter dem anderen fuhr so am Sonntag Nacht von hier die 130 km nach Fulda. Dafür waren rund 2 Stunden damals eingeplant. Die LKW´s
hatten lange nicht die PS Zahlen und Leistung wie sie heute Standart sind! Hinter Bad Neustadt begann dann die lange Steigung hinauf zur Rhön....

Die Fa. Hummel hatte damals neue stärkere LKW´s bekommen......gemein war es, wenn dann beim Überholen am Berg, der Beifahrer vom Hummel-LKW, das Feuerzeug zum Fenster heraus hielt!....
Die Polster Kutscher hatten ja kein Gewicht auf ihren Lastzügen, wenn es hoch kam, waren das etwa 8-10 Tonnen auf dem Zug! Lediglich der Platz, den die Ladung brauchte war Ausschlag gebend.
Wenn es gut lief, war Hamburg-Stillhorn-Elbbrücken in 8 Stunden zu erreichen. Aber wie oft machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung!!?....
Welches Chaos herrschte manchmal kurz vor der Pass-Höhe "Schwedenschanze" auf der Rhön!?...Bei uns hier das schönste Frühlingswetter und dort oben noch 2Meter Schnee und die Straße hinunter nach Gersfeld spiegelglatt!
Da stand dann die Polizei oben am Parkplatz und ließ die LKW´s nur mit Abstand den Berg hinunter. Wir mit unseren leichten Möbelzügen hatten da nicht so große Probleme,....aber die schweren Züge mit ihren damals 38 Tonnen??
In Gersfeld, unten an der Kreuzung, wo es rechts ab zur Wasserkuppe geht, stand ein Haus.....Es musste abgerissen werden...LKW Bremsversagen war der Anlass!

Was hatten die Gemeinden, sei es Ebersdorf, oder Frohnlach oder Sonnefeld oder Weidhausen für einen Aufschwung erfahren?
Nicht nur das die Firmen ausgelastet waren....die vielen kleinen Zulieferfirmen für die Polsterindustrie, die Gaststätten, die Tankstellen, die Gestell Fabriken, welche die Polstergestelle lieferten hatten gut zu tun. Alles wurde hier gebaut und hergestellt! Erst später meinten manche von den Unternehmern in Tschechien oder gar im fernen China produzieren lassen zu müssen!
Und dann kam 1989.....Goldgräberstimmung in Oberfranken......die Polsterfritzen nannten sich "die heimlichen Könige von Oberfranken"!
Der "Wilde Osten" wollte beliefert werden........Neuland für uns...."Ach von Coburg kommen Sie?....Da waren wir mal vor dem Kriege! Ihr habt doch da die schöne Veste Coburg!?".....Ehe wir abladen erst mal n´Tässchen "Hääsn`"...bei Dresden gingen damals die Uhren anders....."Mittags ab eins, mach´ ich meins"......

...".Wir sind durch Deutschland gefahren..".. gab es ein Lied bei den Pfadfindern.....
Wir hatten Deutschland zum "Null Tarif"......von "Schleswig bis Berchtesgaden" oder von "Perl bis Bautzen".......

Aber jetzt dürfen es die Nachfolgenden machen ...........oder fährt das alles mal die Bahn???......

Stammbus Offline



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03.04.2013 23:19
#2 RE: Wischi Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #1
Die B 303 nach Schweinfurt endete am damaligen "Bayern Denkmal"...das war die heutige Brücke der B 303 die an der Anschlussstelle Pfarrweissach/Maroldsweissach steht. Die Brücke war schon lange vor dem Ausbau der B 303 dort errichtet worden, aber die Straße ließ auf sich warten...daher der Name :"Bayern Denkmal"!



Ich kenne die als "Seebohm-Denkmal", nach dem Bundesverkehrsminister der 60er Jahre, der sie bauen ließ, aber nicht die Straße. Unglaublich, wie lange die "so da" stand, dürften wohl mehr als 30 Jahre gewesen sein.

Danke, Gerd, für Deinen wie immer spannenden Bericht. Auch wenn ich die Strecke über die Rhön nie mit einem richtigen LKW gefahren bin. Meinen Umzug 1975 nach Hamburg habe ich (bis auf Bett, Schrank und eine Bücherkiste, die als Beiladung hoch gingen) mit einem 2 CV mit 16 PS und 2 Zylindern gemacht, da hat die Fahrt auch acht Stunden (ohne Pausen) gedauert. Und die LKWs hinter mir haben an der Rhönauffahrt geflucht, weil ich langsamer war als sie und sie mich - Feuerzeug hin oder her - nicht überholen konnten.

Da ich zweimal fuhr, habe ich bei der Rücktour nach Coburg zum zweiten Anlauf dann auch die von Dir nicht erwähnten "Kasseler Berge" gut im Gedächtnis, die A7 war damals noch mit nur zwei Spuren je Fahrtrichtung, ich auf der rechten, die LKW auf der linken. Der dadurch entstandene Stau hat sich dann aber irgendwann auch mal aufgelöst

Die Strecke über die Rhön ist mir noch gut im Gedächtnis, obwohl ich sie lange nicht mehr gefahren bin. Wenn man bedenkt, dass es da lange, ich glaube, in Heustreu, kurz vor NES, eine einspurige (!) Brücke gab. Seit ein paar Jahren fahre ich in die Heimat natürlich immer über den Thüringer Wald, wenngleich die Strecke zwischen Göttingen und Eisenach auch nicht so prickelnd ist.

Die Wischi-LKW hat man auch wirklich oft auf der Autobahn gesehen, heute sieht man nur noch die von der Klavierspedition aus LIF.

Aber ich denke, gerade bei Möbeln wird die Bahn den LKW nie ernsthaft Konkurrenz machen. Denn die heutigen großen Möbelhäuser haben meistens keinen Bahnanschluss, liegen irgendwo auf der "grünen Wiese".

Christian Offline



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04.04.2013 09:30
#3 RE: Wischi Zitat · antworten

Es gab vor einigen Jahren eine Dokumentation im Bayerischen Fernsehen unter der Rubrik "Unter unserem Himmel", die sonntags abends läuft. Der Titel dieser Dokumentation lautete: "Der Polstermöbel-Highway 303". Darin wurden viele Polstermöbelfirmen vorgestellt.

gerd Offline



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04.04.2013 09:35
#4 RE: Wischi Zitat · antworten

Jaa....die Brücken(!) in Heustreu....es waren kurz hintereinander 2 schmale Brücken. Damals hatte einer mit seinem Anhänger das Sandstein Brückengeländer "abgeräumt" und die Strecke war in der Nacht für mehrere Stunden gesperrt! Da kann man sich vorstellen wie sich die LKW´s bis nach Königshofen zurück stauten! Handy oder Navi waren doch damals noch nicht! Und war im Frühjahr dort zwischen Saal und Heustreu die Straße überschwemmt, leiteten sie den ganzen Schwerverkehr über "die heiligen Länder" nach NES um!...Mein Gott war das immer ein gekutsche!?.. Damals gab es auch noch eine Bahnlinie, welche von NES hinauf in die Rhön führte...da war in Brendlorenzen eine Unterführung! Die hatte ihre Tücke, denn sie war an einer Seite zu niedrig um da mit den Kofferzügen durch zu passen....auf der anderen Straßenseite war das aber gut möglich, nur da war halt Gegenverkehr....!!
Überall wurden dann Umgehungsstraßen gebaut, denn der Durchgangsverkehr in den Ortschaften war nicht mehr tragbar!

Wer kennt sie nicht?...Die "Kasseler Berge"....Bei "Truck Stop" sangen sie doch..."Volle Kanne alter Diesel, die Kassler Berge kommen in Sicht!"...
Weil der Verkehr immer mehr wurde, hat man damals dort begonnen auf 6 Spuren zu erweitern! Zuvor wichen ganz langsame LKW´s auch schon mal auf den Standstreifen aus, um schnelleren das Überholen am Berg zu ermöglichen. Das war zwar verboten ,...aber wo kein Richter....?
Am "Kirchheimer Dreieck" sah man nur die lange Steigung hinauf in Richtung Norden die Schlusslichter der LKW´s...PKW´s waren zu der Uhrzeit, so gegen 1-2 Uhr nachts fast keine unterwegs....nur die Bundeswehrsoldaten, welche vom Wochenend Urlaub zurück in ihre Standorte mussten,
waren da zu finden.
So wie wir uns nach Norden bewegten, kamen uns die LKW´s aus der Ecke von Porta Westfalica, Löhne, Herford usw. entgegen! Dort ist ja die Küchenmöbelindustrie zu Hause. Auch die Berge hinunter war für den Schwerverkehr Überholverbot!(Am Dienstag, wenn wir wieder gen Süden nach Hause fuhren, kamen uns die wieder entgegen!)....
Irgendwann gab es dort mächtige Baustellen. Und dann konnte man erkennen warum! Die Bahn begann die Neubaustrecke Würzburg Hannover zu bauen und große Brücken schwangen sich nun über die Täler. Ein Tunnel nach dem anderen folgte.
Wenn man bei Kassel nicht in Richtung Dortmund-Ruhrgebiet abbog, sondern weiter nach Norden unterwegs war, hatte nur noch das "Werratal" mit seinen Gefälle seinen Tücke!Dort bauten sie dann eine Notfallspur,die in einem großen Sandhaufen endete!...
Aber dann nach der Raststätte "Hildesheimer Börde", wo die Autobahn in die Tiefebene hinabführt, konnte man den LKW endlich laufen lassen!
Und dann war es ja nur noch so 1 1/2 Stunden nach HH, Stillhorn, wo es meistens den ersten Kaffee gab....
Hatte man weitere Touren als HH, musste man schon "drauf treten" um dorthin zu kommen. Flensburg oder gar bis nach Billund mit Zollabwicklung Dänemark musste man schon gut 10 Stunden einplanen.
Ist schon schön das Deutschland...ob in "Bayrisch-Kongo" oder im "Schlappenland" oder dort, wo es zur Apotheke, den Kanal 5km runter geht und zum Rathaus den anderen Kanal 4km wieder entgegen....oder am Elbsandstein, in der Eifel oder bei der "Loreley"....das sahen wir alles zum Nulltarif....noch schöner wäre es gewesen, man hätte das im Urlaub gesehen!...

gerd Offline



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04.04.2013 09:37
#5 RE: Wischi Zitat · antworten

Kenne ich, Christian. Die Moderatorin stammt doch aus Coburg und war auf der CO 1!

Stammbus Offline



Beiträge: 1.505
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04.04.2013 13:46
#6 RE: Wischi Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #4

Aber dann nach der Raststätte "Hildesheimer Börde", wo die Autobahn in die Tiefebene hinabführt, konnte man den LKW endlich laufen lassen!



Da wird heute gerne geblitzt, ist jetzt Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h.

Und wenn Ihr von da nach Stillhorn nur 1 1/2 Stunden gebracht habt, dann seid Ihr einen Schnitt von 86 km/h gefahren. Für einen LKW eine reife Leistung. Geht wohl nur mitten in der Nacht.

gerd Offline



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04.04.2013 15:28
#7 RE: Wischi Zitat · antworten

Erhard, das war oftmals, meist am Donnerstag auf Freitag, auf dem Weg nach Bad Segeberg zu Möbel Krafft. Wenn da bei Hildesheim Möbel LKW´s aus unserer Ecke schnell in Richtung HH unterwegs waren, konnte man sicher gehen, das sie ebenfalls nach Segeberg fuhren.
Dann schieden sich die Geister!...Entweder über Lübeck und dann die Landstraße hoch nach Segeberg oder die Autobahn bis Kaltenkirchen und dann ebenfalls die Landstraße rüber nach Segeberg. Wer als erster seine Ladepapiere bei Krafft in die Klappe geworfen hat, durfte auch als erster abladen und war dann auch bald wieder zu Hause...Deshalb wurde dort "volle Kanne" gefahren. Da kratzte der Fahrtenschreiber auch schon mal an der 95er Marke!
Aber das war ja alles im letzten Jahrhundert... und heutzutage fahren ja manche schon hier auf der B4 an der 100 er Marke! Kein Witz!

Stammbus Offline



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04.04.2013 16:08
#8 RE: Wischi Zitat · antworten

Ich weiß. Ich bin mal Ende der 70er Jahre in Spanien auf einer (gut ausgebauten) Landstraße einem LKW hinterher, der 145 Sachen drauf hatte.

gerd Offline



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04.04.2013 17:42
#9 RE: Wischi Zitat · antworten

Zugereister Offline



Beiträge: 268
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04.04.2013 19:35
#10 RE: Wischi Zitat · antworten

Ich hatte mich mal über die Vielzahl von Speditionen im Coburger Raum gewundert, obwohl die Gegend ja verkehrsmäßig, insbesondere vor dem Bau der A73, sehr schlecht erschlossen war. Mir wurde dazu erzählt, dass die Polsterindustrie der Grund ist. Einge Speditionen sind ja inzwischen auch wieder verschwunden wie Brückner, oder Hamann, der von D+S logistic übernommen wurde, oder Weichelt, der in Schenker aufgegangen ist.

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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04.04.2013 20:55
#11 RE: Wischi Zitat · antworten

Der "Knackpunkt" war ja damals folgender:
Die Polstermöbler fuhren ja alle im sogenannten "Werks -Fernverkehr". D. h. sie(wir) durften nur unsere Ware mit dem LKW befördern.(Oder für unsere Produktion benötigtes Material mit nach Hause nehmen.) Ansonsten fuhren wir stets leer zurück!(was ist damals für ein Leer- Raum durch die Gegend gekutscht worden!!?)
Da wir ja unsere Kunden in den Orten direkt anfuhren, in ganz großen Abständen auch einmal direkt Private Kunden dabei hatten, wurde von uns erwartet das man sich mit der Kundschaft gut verstand. Die diversen Geschäfte, ihre Zweigstellen, ihre Aussenlager usw. waren uns alle bekannt. Da wir im Turnus, beginnend in Schleswig Holstein, durch das ganze Land bis runter zum Bodensee, dann rüber bis Berchtesgaden und wieder bis in unsere Ecke die Geschäfte belieferten, kam man praktisch alle 4-6 Wochen wieder zu den selben Kunden. Man kannte sich und es war auch ein Vetrauens- Verhältniss vorhanden!(Hatte ein Geschäft bereits geschlossen, konnten wir oftmals an gesicherten Orten unsere Ware abstellen, teilweise hatten wir für das eine oder andere Lager sogar vom Kunden Schlüssel bekommen!)
Das war eigentlich der Sinn, warum sich die PoMö Firmen ihren eigenen Fuhrpark aufbauten!
Die LKW´s waren ja auch für den Möbeltransport speziell hergerichtet worden. Der Holzboden im Maschinenwagen und im Hänger bestand aus verleimten Holzdielen, die wir von Zeit zu Zeit bohnerten (!!)...kein Witz! Das war nötig für das Ladepersonal auf der Rampe, die je nach Verfügbarkeit einen Lastzug in ca. 1/2 Stunde geladen hatten. (5 Mann Ladepersonal lud die LKW´s im Akkord!!)Die Ware wurde in Plastikfolie verpackt,mit Decken abgedeckt und je nach Ausführung, entweder doppelstöckig oder hochkant gestellt verladen. Jede Garnitur wurde fest angebunden und es wurde darauf geachtet, das sich z.B. bei Sichtholz Gestellen keine Druckstellen ergeben konnten! Waren die Cochtische mit dabei wurde auf besondere Sorgfalt geachtet.
Wir waren für die Ladung verantwortlich und jeder wusste wie man die Ware anpacken musste. Viele Möbelhäuser hatten für die Garnituren sogenannte "Garnituren Wagen". Da kam die 3er Couch unten rein und darüber die 2er Couch und der Sessel. Das war in den Großlagern der Konzerne, wie z.B. bei Krafft in Bad Segeberg gar nicht anders zu machen, das hier so abgeladen wurde...da standen manchmal locker 100 LKW´s an den Rampen.
Ich will damit zum Ausdruck bringen, das die Fuhrparks der Polstermöbler praktisch fachspezifisch aufgebaut waren.(oder sind)
Die im Coburger Raum vorhandenen Speditionen waren ja ganz anders aufgebaut. Engel in Unterlauter z.B. war, oder hatte sich auf "schwere Brocken", wie von Waldrich oder Lasco spezialisiert. Weichelt fuhr alles! Auch Schultz/Sonnefeld hatte eigene LKW´s im Fernverkehr laufen. Die waren aber alle nicht auf das sensible Ladegut der Möberlhersteller ausgelegt!...Erst Hamann, auch Baufeld fuhren mit Kofferzügen und stellten dann Wechselpritschen (Container) den Firmen auf die Höfe.
War die Kapazität unserer LKW´s erschöpft (wir hatten zeitweise 15 LKW´s)Orderte unser Disponent eine Möbelspedition zusätzlich.
Anders als bei uns ,war es ja bei den Speditionen. Denn die wollten ja auch eine Rückladung haben und so kam es hin und wieder vor, das der Speditions LKW ,der von uns geordert war, nicht zum rechten Zeitpunkt an der Rampe zur Verladung stand! Dann staute sich die Ware und es gab Ärger.Auch kam es vor, das ein kunde unbedingt seine Ware haben wollte, aber ein LKW von uns nicht in der Ecke war! Dann wurde eine Spedition beauftragt und die Fahrer waren oftmals die "Ärmsten", denn die mussten dann Kilometer "schruppen" wie wir sagten.
Im Werksfernverkehr ging es halt doch etwas gemäßigter zu als bei den Speditionen.Das schlug sich in der Jahres Kilometer Leistung unserer LKW nieder. Wenn es hoch kam, waren auf der Uhr 110 000 km das Jahr gefahren worden. Das wurde von manchen Speditions Fahrer oftmals belächelt!
Irgendwann einmal, es müsste in den 70er Jahren der Fall gewesen sein, kam der Gedanke auf, bei der Bahn, als "Huckeback Verkehr" von Würzburg aus nach z.B. Hamburg mitzufahren. Daraus ist aber m.W. nie etwas geworden....angeblich wäre die Bahn damals nicht flexibel genug gewesen.......

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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04.04.2013 21:31
#12 RE: Wischi Zitat · antworten

Gerade wegen der Grenze gab es ja die sogenannte "Grenzland Hilfe" die vielen Betrieben hier geholfen hatte.
Was mir zu der Geschichte noch einfällt.....evtl. hat da Rolf Erinnerungen dazu,...wie sich das mit den Lizensen für den Fernverkehr verhielt!?Da brauchten ja die Spediteure welche für den Nahverkehr und für den Fernverkehr. Und es waren da farbige Lizensen im Umlauf.
Aber darüber evtl. mehr.

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