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Dieses Thema hat 26 Antworten
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 Coburger Geschichte
Seiten 1 | 2
Christian Offline



Beiträge: 5.771
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17.01.2014 12:15
#16 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

So zumindest habe ich jetzt eine Adresse herausgefunden: Beerhügel 5. So lautete die Adresse des Grundstücks derer von Schauroth. Die Nr. 5 wurde vor wenigen Jahren wieder vergeben: An einem Neubau auf dem Areal der früheren Scheidmantel-Villa.

Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.647
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17.01.2014 14:44
#17 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

In einem Beitrag zur Geschichte des Coburger Naturkundemuseums wird deutlich, dass Herzog Ernst II und Carl Friedrich Freiherr von Schauroth - was das Naturaliencabinet betraf - eng zusammen gearbeitet haben:

"In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es ein beson-
deres Interesse des Adels, Naturobjekte zusammenzutragen
und zu bewahren. Und bereits 1739 – das Wort„Museum“ in
seiner heutigen Bedeutung war noch unbekannt – wurden in
Coburg versteinerte Hölzer und fossile Fische öffentlich zur Schau
gestellt.
Das Naturkunde-Museum Coburg hat seinen Ursprung in der
Sammeltätigkeit von Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-
Coburg-Saalfeld. Einen wesentlichen Aufschwung erfuhren die
Sammlungen nach den Befreiungskriegen durch seine Enkel,
Herzog Ernst II. und Prinzgemahl Albert. Seit der Jugend waren
sie bemüht, ihr im Schloss Ehrenburg untergebrachtes Naturali-
enkabinett zu erweitern. Im Jahr 1838 enthielt diese Sammlung
bereits 520 präparierte Vögel, zahlreiche Mineralien, Edel- und
Halbedelsteine sowie Meeresmuscheln und Insekten. Der Ausbau
wurde vom Herzogshaus intensiv betrieben.
Das Brüderpaar gründete 1844 das„Herzogliche Kunst- und
Naturaliencabinet“ als Museum im heutigen Sinn und förderte
seinen Ausbau zeitlebens. Erster Direktor war der Geologe Carl
Friedrich Freiherr von Schauroth
(1818–1881). Mit Unterstüt-
zung von Prinz Albert baute er die geologische Sammlung auf,
während Herzog Ernst II. sich auf die Ornithologie konzentrierte.
Er brachte von seinen Reisen durch Ägypten und Abessinien, die
er gemeinsam mit Alfred Edmund Brehm (1829–1884), dem Ver-
fasser von„Brehms Tierleben“ unternahm, zahlreiche Exponate in
die Sammlung ein."

Rolf Metzner Offline




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22.01.2014 17:22
#18 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Habe gerade mal mit dem Besitzer des Grundstückes (Beerhügel 4), auf dem sich die Überreste der von-Schauroth-Villa ("Lustschlössle des Herzogs") befinden, telefoniert.

Eine interessante Information war für mich, dass dieses Haus erst in den 1960er-Jahren abgebrochen wurde. Damals habe es am Haus noch den Rosengarten (auf dem alten Katasterplan ist die Gartenfläche um das Haus herum erkennbar) gegeben.
Auch 4 Säulen am Eingang werden bestätigt (möglicher Weise gibt es noch Überreste von diesen Säulen). Es habe eine größere Wohnhalle mit Stuckdecke gegeben.
Zuletzt habe eine arme Familie mit vielen Kindern in dem Haus gewohnt. Als das Haus in einem Sommer abgebrochen wurde, habe diese Familie noch bis in den Winter an der Zufahrt zum Haus in Zelten gelebt.

Der Begriff "Lustschlössle des Herzogs" stamme von alten Cortendorfern und dieser Begriff bezieht sich scheinbar wirklich auf ein "Liebesnest" von Herzog Ernst II.
Die alte Mauer (die ich auch fotografiert habe) stamme von einem Pferdestall; dort habe der Herzog während der Schäferstündchen sein Pferd abgestellt.

Der Grundstücksbesitzer will nochmal in seinen Unterlagen nachschauen und hat mir auch zwei Personen am Beerhügel und in Cortendorf genannt, wo es sich lohnen könnte, zum "Lustschlössle" nachzufragen.

Christian Offline



Beiträge: 5.771
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22.01.2014 17:28
#19 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Möglicherweise gibt die Bauakte Beerhügel 5 im Stadtarchiv noch weitere Auskünfte.

Rolf Metzner Offline




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22.01.2014 20:30
#20 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Zitat von Sputnik60 im Beitrag #14
Dank dir Rolf für die Infos.
Bin echt erstaunt, dass das die Scheimantel-Villa war. In der Fischerleite ab ich mal gewohnt (von 2003-2009) mit direkten Blick auf die Villa. Damals war sie noch bewohnt, zumindest sah man immer die Gärtner die das Grundstück pflegten. Meine Nachbarn konnten mir aber nie etwas konkretes über die Bewohner erzählen, es hieß immer nur die Villa würde einen Arzt gehören der im Ruhestand ist. Im Untergeschoß des Hauses soll auch ein großes Schwimmbad gewesen sein. Später war die Villa nicht mehr bewohnt und dann wurde erzählt dass sie abgerissen wird, weil durch geplatzte Rohre zuviel Wasserschaden entstanden wäre. Als das Inventar verkauft wurde (Termine standen damals in der Zeitung) war ich leider nicht in Coburg. Schade, denn ich hätte mir diese interessante Villa gerne mal von innen angeschaut



Hallo "Sputnik60",

hier nochmal eine Luftbildaufnahme mit Scheidmantelvilla (siehe Markierung; danke an den Eigentümer "Beerhügel 4")

Luftaufnahme mit Scheidmantel-Villa.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Rolf Metzner Offline




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23.01.2014 15:23
#21 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #7
Das Hügelhaus war ein verruchtes Wirtshaus, das ebenfalls im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.


Habe heute bei meinen Befragungen zum "Lustschlössle des Herzogs" auch Informationen über das "Hügelhaus" bekommen.

Zunächst ein Zeitungsausschnitt aus der NP vom 25. Oktober 1997, den ich auf DIN A 4 zusammengeschnipselt habe:

Bericht Hügelhaus, NP v. 25.10.1997.jpg - Bild entfernt (keine Rechte) (ggf. Lupenfunktion verwenden)

Dann ein Bild des Hügelhauses um 1850 aus dem Lindner-Album K2/121 (Repro)

Hügelhaus um 1850, Lindneralbum K2-121.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Zusätzlich habe ich in Katasterplänen von 1860 das Hügelhaus ausfindig gemacht (zwei verschiedene Maßstäbe; Hügelhaus von mir rot beschriftet):

Hügelhaus, Katasterkarte 1860 (1).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Hügelhaus, Katasterkarte 1860 (2).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Zur heutigen Orientierung noch eine Lagebeschreibung des ehemaligen Hügelhauses via Google Earth (gelber Pin):

GoogleEarth_Image, Lage Hügelhaus.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

gerd Offline



Beiträge: 4.386
Punkte: 4.484

23.01.2014 18:39
#22 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Der Auslauf und die Wiese unterhalb der ehemaligen "VFB Sprungschanze", war ja in den 50er Jahren unser Revier. Vom Jugendheim in der Rosenauerstraße aus, war das "Birkenwäldchen" über den Fussweg, der hinter dem Sommerbad vorbei, über eine Hahnflussbrücke und den Hahnweg hinauf, gut zu erreichen!Wir haben dort sogar manchmal gezeltet . Gut war auch, das sich wenige Meter oberhalb, die Gustav Freytag Quelle befindet
und meist Wasser z.V. stand.(die Quelle lief nicht immer!)
Ich will es nicht behaupten, aber ich denke, das damals dort noch Fundamentreste von dem "Hügelhaus" vorhanden waren?

maniac Offline



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23.01.2014 19:34
#23 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

schön,dass hier mal jemand "Sommerbad" geschrieben hat ;-)

Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.647
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27.01.2014 08:59
#24 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Noch einige Details zum Gebäude "Lustschlössle des Herzogs" (früher Beerhügel 5) auf der Basis von Befragungenen älterer Anwohner vor Ort:

- das besagte Gebäude wurde wohl 1968 abgerissen (durch Bagger im Auftrag der Stadt Coburg)
- das Gebäude habe eine schlechte Bausubstanz gehabt und sei letztendlich baufällig gewesen
- gegen Ende des 2.WK sei das Gebäude von einer Fliegerbombe getroffen worden; die hierdurch verursachten Schäden seien nie richtig repariert worden
- das Haus sei eingeschossig gewesen mit 5 Zimmern, darunter eine größere Wohnhalle Richtung Treppenaufgang/Säulen
- der eigentliche Hauseingang sei auf der Wegseite gewesen
- das Haus wurde teilweise von 14 Personen bewohnt; der Familie S. mit 3 Kindern und der Familie des Schwiegersohnes von S., der Familie B. mit 7 Kindern
- zuletzt habe nur noch die Familie B. im Haus gewohnt
- die Stadt Coburg habe das Haus wegen Baufälligkeit gesperrt und Familie B. musste das Haus verlassen.
- Familie B. hat dann noch geraume Zeit in Zelten an der Zufahrt zum Haus gelebt, bis sie schließlich von der Stadt Coburg in die Spindlervilla einquartiert wurde und der den Rest gegeben habe.
- in der Wohnhalle habe es einen Boden aus Mosaikfliesen und ein größeres Wandbild gegeben (mit Jagdszenen??)
- die noch vorhandene Mauer an der Zufahrt links vom Haus habe zum Pferdeanbinden gedient
- ein Befragter meinte, es habe sich um ein Jagdhaus genannt (im Bausenberg wurde ja früher gejagt)


Zur Stützung meiner Hypothese, dort sei ein Liebesnest von Herzog Ernst II gewesen, habe ich bei meinen Befragungen leider keine Anhaltspunkte bekommen.
Leider ist es mir bisher auch nicht gelungen, ein Bild von diesem Haus aufzutreiben

Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.647
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16.10.2015 17:04
#25 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Zitat von Rolf Metzner im Beitrag #24

.............
Leider ist es mir bisher auch nicht gelungen, ein Bild von diesem Haus aufzutreiben



Hab' mal ältere Luftaufnahmen von der Veste durchgeschaut und dabei tatsächlich das "Lustschlössle des Herzogs" (damals Beerhügel 5) gefunden :

Veste Luftansicht, ca 1965, mit Lustschlössle.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)Lustschlössle des Herzogs, ca. 1960, eigene Ansichtskarte, mit Markierung.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Lustschlössle des Herzogs, ca. 1955.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Leider fehlt mir immernoch eine Nahaufnahme

Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.647
Punkte: 1.667

07.03.2017 20:00
#26 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Christian hat auf einem Foto von Francis Bedford (1857) das "Lustschlössle des Herzogs" am Beerhügel entdeckt (in Anlage Originalfoto mit Markierung + Ausschnitt):

Lustschlössle des Herzogs, Franzis Bedford, 1857.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Lustschlössle des Herzogs, Franzis Bedford, 1857 - Ausschnitt.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

Stefan Offline




Beiträge: 391
Punkte: 401

10.03.2017 17:05
#27 RE: Das "Lustschlössle des Herzogs" Zitat · antworten

Zitat von Sputnik60 im Beitrag #10
Rolf, wo genau stand/oder steht die Scheidmantelvilla?


Ich muss euch leider enttäuschen - die "Scheidmantelvilla" stand direkt neben der Scheidmantel Gaststätte in der Rosenauerstr. Dort wohnte noch Marie Scheidmantel, Mutter von Nelly, geb. Külbel.
Auf dem Grundstück steht heute das Haus mit der Nr. 109
Die Villa am Beerhügel gehörte meinem Urgroßvater Max Dietzel, der mit Nelly Scheidmantel verheiratet war und die Brauerei lange führte. Das Anwesen wurde allerdings erst nach dem frühen Tod von Nelly Scheidmantel Mitte/Ende der 50ziger Jahre gebaut.

Ich kannte das Anwesen sehr gut - bezgl. der Überreste kann ich mal meine Großmutter fragen.

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