RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#11 von Rolf Metzner , 20.04.2015 19:45

Den Versuch, seinen Großvater Max Brose und bzw. dessen Nazivergangenheit reinzuwaschen, hat sich Michael Stoschek etliches kosten lassen, indem er den Erlanger Geschichtsprofessor Gregor Schöllgen zu einer Expertise über die Rolle Max Brose's in der Nazizeit beauftragt hat.

Diese "bezahlte Auftragsgeschichtsforschung" wird von vielen unabhängigen Historikern massiv kritisiert, so auch von Tim Schanetzky (siehe beigefügter Artikel):


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Aufsatz_Schanetzky zur Reinwaschung von Nazi-Industriellen, z.B. Max Brose.pdf
 
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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#12 von Christian , 28.04.2015 16:57

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#13 von Christian , 28.04.2015 17:08

Nach der Analyse des Historikers Frank Bajohr gab es drei verschiedene Charaktere "arischer" Nachmieter:

1. Korrekte Käufer, die über der vereinbarten Kaufsumme noch weitere Gelder an die jüdischen Voreigentümer zahlten.
2. Ein fliesender Übergang der hauptsächlich bei Firmen auftrat, nämlich der Einstieg "arischer" Teilhaber, die sich mit dem Arisierungsgewinn begnügten.
3. Aktive und rücksichtslose Profiteure, die sich der Zwangssituation der jüdischen Vor-Eigentümer zu nutze machten.

Siehe dazu:
Frank Bajohr, "Arisierung" als gesellschaftlicher Prozess, in: Irmtrud Wojak / Peter Hayes (Hgg.), "Arisierung" im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, Frankfurt am Main 2012, S. 15-30.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#14 von Stammbus , 28.04.2015 20:09

Zitat von Christian im Beitrag #12
http://www.br.de/nachrichten/oberfranken/inhalt/brose-diskussion-nationalsozialismus-100.html


Insbesondere der Tonbeitrag interessant.

Wenn Max Brose sich 1935 nichts vorzuwerfen hatte, warum hat er dann nach dem Krieg letztendlich an die Erben gezahlt, und zwar keine für die damalige Zeit kleine Summe?

Eine angebliche frühere Überschuldung von Friedmann als Ausrede zu benutzen, ist reichlich durchsichtig, zumal so etwas in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise (seit 1929) nicht ungewöhnlich gewesen sein dürfte. Zumal dann die (angeblichen) Gläubiger von Friedmann benachteiligt gewesen wären.

Selbst wenn Broses Motive nur pekuniärer Natur waren: Vorbilder, nach denen man Straßen benennt, sehen anders aus.


PS: Es gibt ja Leute, die fordern, die Nazizeit ruhen zu lassen. Hier bleibt festzuhalten: Herr Stoschek hat den Stein des Anstoßes gegeben. Und vielleicht wird dann noch mal gefordert, eine Straße nach C.E. zu benennen, dem anderen "Mitläufer".


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#15 von Christian , 28.04.2015 20:32

Wie gesagt, das was bisher raus kam, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wer die Spruchkammer-Akte von Brose und die Gerichtsakten im Prozess Friedmann gegen die Dresdner Bank gelesen hat, weiß was da noch für Hämmer kommen.

Prinzipiell sind solche Verfahren in den 1950er Jahren zugunsten der jüdischen Vor-Eigentümer ausgegangen, da es sich bei diesen Besitzübertragungen um Rechtsbeugungen oder Sittenwidrigkeit handelte.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#16 von Christian , 29.04.2015 06:06

Hier ein ausführliches Interview mit Dr. Hubertus Habel über das Thema

http://www.radioeins.com/mediathek/kateg...hubertus-habel/

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#17 von Stammbus , 29.04.2015 09:02

Etwas sehr ausführlich, ja auch sehr differenziert urteilend, aber sehr hörenswert. Vor allem war der Grund für die Hausversteigerung demnach keine Überschuldung, sondern ein Nazigesetz.

Interessant und vielfältige Denkanstöße liefernd auch die Ausführungen zur "Gefälligkeitsdiktatur". Und der Schlusssatz bestätigt das PS in meinem letzten Post.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#18 von Rolf Metzner , 29.04.2015 16:43

Man möchte Sigmund Freud recht geben mit dem von ihm postulierten Abwehrmechanismus der "Verleugnung" (Definition: "Bei der Verleugnung wird in der Psychoanalyse von einem Abwehrmechanismus geredet. Es ist der Schutz vor einer unangenehmen Wirklichkeit durch die Weigerung, sie wahrzunehmen"), wenn man sich das Ergebnis des heutigen Treffens Stoschek's mit Medienvertretern im Brose-Werk zu Gemüte führt:

http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...ennung-100.html


 
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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#19 von Stammbus , 29.04.2015 17:46

Mit der Max-Brose-Straße fordert Stoschek in Wirklichkeit nicht die Ehrung seines Großvaters, sondern von sich selbst. Und merkt in seiner Selbstüberhebung nicht, wie er sich mit seinem eigenen unternehmerischen Lebenswerk selbst demontiert.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#20 von Stammbus , 29.04.2015 20:14

http://www.itv-coburg.de/michael-stoschek

Wenn man ab 20:10 dem Beitrag folgt, muss man zu dem Schluss kommen, dass entweder Dr. Habel oder Stoschek die Unwahrheit sagt.

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