RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#31 von Christian , 08.05.2015 08:46

Wolfgang Braunschmidt deckt in seinem Artikel vom 6.5. eine weiteren Punkt auf:

Er bezieht sich auf einen Beitrag über die Nationalliberale Landespartei in Bayern (NLLP) in der Coburger Zeitung vom 02.02.1924.
Dieser Beitrag ist Online einsehbar.


http://digipress.digitale-sammlungen.de/...9.html?zoom=1.5

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#32 von Rolf Metzner , 08.05.2015 09:23

Zitat von Christian im Beitrag #31
Wolfgang Braunschmidt deckt in seinem Artikel vom 6.5. eine weiteren Punkt auf:

Er bezieht sich auf einen Beitrag über die Nationalliberale Landespartei in Bayern (NLLP) in der Coburger Zeitung vom 02.02.1924.
Dieser Beitrag ist Online einsehbar.


http://digipress.digitale-sammlungen.de/...9.html?zoom=1.5



Was mich vor allem an diesem Artikel in der "Coburger Zeitung" vom 02.02.1924 erschüttert, ist die frühe und deutliche antisemitsche Einstellung des damaligen 2. Vorsitzenden des nationalliberalen Vereins Coburg, Stadtrates und Firmenbesitzers Max Brose:

Auszug aus einer Rede im Rahmen der Jahresversammlung der national-liberalen Landespartei in Bayern, Ortsgruppe Coburg, im Beisein des 2. Vorsitzenden Max Brose (Quelle Coburger Zeitung 02.02.1924).png - Bild entfernt (keine Rechte) (Auzug aus obigem Artikel).

Und, jetzt wird es zynisch-provokativ:
Nach diesem Antisemiten Max Brose soll eine Straße benannt werden, die genau an der ehemaligen jüdischen Synagoge (St.-Nikolaus-Kapelle) vorbei führt.
1933 wurde den jüdischen Mitbürgern Coburgs die Nutzung der St.-Nikolaus-Kapelle als Synagoge durch die Nazis (zu deren Mitgliedern und Meinungsführern Max Brose gehörte) untersagt (Näheres hierzu siehe in Hubert Fromm: "Die Coburger Juden").


 
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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#33 von Christian , 08.05.2015 15:50

Man sollte auch mit der Vorstellung aufräumen, dass die Arisierung erst 1938 begonnen hat.

Das ist durch mein Aufsatz: "Coburg und seine Kauf- und Warenhäuser Teil 1", erschienen in Coburger Geschichtsblättern von 2013 bereits widerlegt.

Die Arisierung des jüdischen Kaufhauses Conitzer (Spitalgasse 19) fand zwischen 1933 und 1935 statt. Die Tochter des einen Kaufhaus-Inhabers, Frau Ruth Braun, schrieb Jahre später an den Heimatforscher Ernst Eckerlein: "Während der eine Inhaber, Herr Adolf Friedländer, sehr bald auswanderte, blieb der andere, mein Vater Max Frank, bis zu seinem Tode im Jahre 1938 in Coburg. Er durfte das Geschäft nicht mehr betreten. Ein sogenannter Betriebsrat übernahm die Leitung."
Des weiteren schreibe ich:
"Die Coburger Kaufhausfiliale stand, wie eine Anfrage eines Leipziger Lichtspielhausbesitzers an die Stadt Coburg beweist, bereits 1935 zum Verkauf. Letzten Endes wurde das Geschäft noch im gleichen Jahr aus finanziellen Gründen liquidiert und das Haus vom Schürzenfabrikanten Moritz Döring übernommen, der darin ein Textilhaus eröffnete."

In einem zweiten Fall habe ich mich mit dem Kaufhaus Fechheimer & Co, Spitalgasse 12 beschäftigt. "Die beiden letzten Inhaber des Kaufhauses, Fechheimer und Blüth, flüchteten 1933 nach Amsterdam." Das Anwesen übernahm die Städtische Sparkasse Coburg, nachdem Fechheimer seine Kredite nicht mehr bedienen konnte. Diese wiederum veräußerte das Gebäude an den Kaufmann und NS-Stadtrat Carl Hartung. Parallelen zu Abraham Friedmann tun sich hier durchaus auf.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#34 von Stammbus , 08.05.2015 21:56

https://www.infranken.de/regional/coburg...;art214,1045065

Leider kann man ohne Abo nur den ersten Absatz lesen. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass der Stadtrat in dem "Kontraste"-Beitrag als "gekauft" dargestellt wurde. Ich würde ihn eher als grenzenlos naiv bezeichnen.

Dass manche Leute nicht kapieren, wie sie sich blamieren ...

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#35 von Christian , 09.05.2015 08:13

Jeden Tag kommt was neues dazu:

http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendun...lismus-104.html

Nach Urteil der Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Fürth für Ober- und Mittelfranken, Zweigstelle Landgericht Bayreuth, war Abraham Friedmann nicht seit 1930 bei der Dresdner Bank in Zahlungsrückstand. Stattdessen kann ein Zahlungsrückstand erst seit dem 1.1.1934 nachgewiesen werden.

Zudem eröffnet der BR, dass die Dresdner Bank damals aufgrund einer Hypothek in Höhe von 10.000 Reichsmark, die auf dem Haus lastete, die Zwangsversteigerung durchführte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Erben Abraham Friedmanns jedoch nachweisen, dass ihr Vater mindestens 25 % der Aktien der Großmann AG besaß. In der Generalversammlung der Großmann AG vom 6.6.1933 waren Stammaktien der Familie Friedmann in Höhe von 141.680 Reichsmark vertreten. Eine Verschuldung Friedmanns kann daher nicht angenommen werden. Es wäre ein leichtes gewesen, den Kredit mit dem Verkauf von Aktien zu begleichen. Nach seiner Flucht aus Deutschland hatte Friedmann keinen Zugriff mehr auf dieses Aktienpaket. Die Wiedergutmachungsbehörde forderte aufgrund diesen Sachverhalts die Firma Großmann nach dem Kriege auf, den Erben eine Entschädigungssumme in Höhe von 10.000 DM auszuzahlen.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#36 von Zugereister , 09.05.2015 08:27

nach Fromm wurde Friedmann im März 1933 entlassen und bis dahin wird er sicher ausreichend Bezüge gehabt haben um seinen Kredit zu bedienen.
Die Dresdner Bank stand dem NS-Regime übrigens sehr nah.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#37 von Stammbus , 12.05.2015 18:44

Und wieder neues über Max Brose: Man lese den Schluss dieses Artikels: http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...lution-100.html

Interessant auch dieser Tonbeitrag: http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...327972ba7e.html, der auch die Meinung von Alt-OB Kastner wieder gibt.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#38 von Stammbus , 19.05.2015 22:49

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#39 von Christian , 20.05.2015 08:47

Das Herr Frey den Namen Forchheimer ins Spiel bringt, ist kein Zufall. Der taucht auch im Spruchkammerverfahren von Max Brose auf, zu Lasten des Firmeninhabers.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#40 von Christian , 21.05.2015 20:43

Viele werden enttäuscht sein, dass es jetzt doch eine Max-Brose-Straße gibt. Das war auch nicht anders zu erwarten. Viel bedeutender ist die Tatsache, dass der Stadtrat entschieden hat, die nationalsozialistische Vergangenheit Coburgs wissenschaftlich aufzuarbeiten. Und das heißt eine Arbeit mit Fußnoten, wo jeder ermitteln kann, woher die Informationen stammen. Wenn man die historiografische Entwicklung ansieht, ist das fast schon revolutionär. Ich werde gerne meinen Beitrag zur Aufarbeitung dazu leisten. Ein neuer Aufsatz mit dem Titel "Coburger Identitätskrise 1918-22. Der Dritte Deutsche Tag in Coburg, Seine Voraussetzungen. Seine Folgen" ist in Arbeit. Ich denke, dass dies ein weitere wichtiges Puzzle-Teilchen für dieses Thema sein wird.

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