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 Coburger Geschichte
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Stammbus Offline



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27.05.2015 18:24
#61 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Jedenfalls lässt die wenig souveräne Formulierung des Beitrags nicht darauf schließen, dass man sich in seiner Haut sehr wohl fühlt.

Auffällig auch, dass man versucht, sich in der Selbstdarstellung als SPD-nah zu verkaufen.

Christian Offline



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27.05.2015 19:12
#62 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten
Stammbus Offline



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27.05.2015 19:53
#63 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Zur Person von Schöllgen und der Kritik an ihm, die (entgegen seiner Darstellung) offensichtlich nicht zum ersten Male laut wird, lese man hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Sch%C3%B6llgen

insbesondere den Abschnitt "Rezeption der ZAG-Studien".

Stammbus Offline



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28.05.2015 08:34
#64 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Kleine Anregung (aus der Nordwest-Zeitung vom 28.5.2015).

Dieses Buch http://www.amazon.de/Oldenburgs-Weg-ins-...ns+Dritte+Reich ist bereits 1983 erschienen, erhebt zwar keinen wissenschaftlichen Anspruch, lässt stattdessen fast ausschließlich Originalquellen (Flugblätter aller Parteien, Briefe, Dokumente unterschiedlichster Art, bis hin zu Briefen aus der Wirtschaft, die die Regierungsbildung durch die NSDAP befördern sollten, sprechen. und spart auch nicht mit Fußnoten auf weitere Verweise.

Vielleicht würde man in Coburg keine 220 Seiten mit Vergleichbarem füllen können, aber aus 5000 Spruchkammerakten und sonstigen Archivalien lässt sich sicherlich einiges zusammen tragen.

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Christian Offline



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29.05.2015 16:39
#65 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Im Stadtarchiv Coburg existiert eine Liste aus dem Jahre 1938 über jüdische Betriebe, die bis zum 14.7.1938 "arisiert" wurden. (A 11.291, fol. 11)

Verfasst wurde diese Liste von der Gewerbepolizei der Stadt Coburg und umfasst zwölf Betriebe.

Unter der Nr. 7 findet sich das abgeschlossene Arisierungsverfahren der jüdischen Firma "Großmann & Kisch AG", welche sich unter dem Namen "C. Großmann AG" formierte.

1922 wandelte sich die Fleischwarenfabrik Großmann von einer OHG in eine AG um. Im August 1930 erfolgte der Zusammenschluss mit der jüdischen Kühlanlagenfabrik Carl Kisch aus Berlin. (http://www2.hu-berlin.de/djgb/www/find/1...ort=unternehmen) Der Firmenname wurden daraufhin in "Großmann & Kisch AG" umgeändert. Dem Unternehmen stand Abraham Friedmann als Generaldirektor vor. Dieser hielt auch ca. 25 % aller Aktien der Gesellschaft, was einem Wert von ca. 150.000 Reichsmark entsprach (siehe dazu: Wiedergutmachungsakte Friedmann im Staatsarchiv Nürnberg).

Im Laufe des Jahres 1933 wurde die Aktiengesellschaft nach der oben genannten Angabe der Gewerbepolizei "arisiert".
Am 20. März 1933 gab die Coburger National-Zeitung in ihrer Ausgabe bekannt, dass Abraham Friedmann von seinem Posten als Generaldirektor zurückgetreten sei. Das Aktienpaket wurde zurückgehalten, Friedmann der Zugang zu den Papieren verweigert. (Wiedergutmachungsakte Friedmann im Staatsarchiv Nürnberg). Im April 1933 wurde die jüdische Firma Kisch wieder verkauft und im Juni 1933 der Firmenname auf "C. Großmann AG" reduziert. (http://www.hwph.de/stocks-bonds/artnr-KP...ossmann_en.html) Aufgrund dieses Arisierungsverfahrens konnte Friedmann seine Hypothek in Höhe von 10.000 Reichsmark, welche auf seinem Haus lastete, ab dem 1.1.1934 nicht mehr begleichen.(Wiedergutmachungsakte Friedmann). Infolgedessen kam es, angestrengt durch die Dresdner Bank als Kreditgeber, zu einer Versteigerung der beiden Häuser Friedmanns in der Ketschendorfer und Casimirstraße. Die beiden Gebäude wurden am 25.11.1935 von Max Brose und Ernst Jühling erworben.

Nach dem Krieg sprach die Wiedergutmachungskammer am Landgericht Fürth den Erben Friedmanns eine Entschädigung in Höhe von 10.000 DM zu, welche die Großmann AG zu leisten hatte.

Christian Offline



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29.05.2015 16:51
#66 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten
Zugereister Offline



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29.05.2015 17:11
#67 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

1922 war Friedmann Vorstand und T. Großmann Aufsichtratsvorsitzender der C. Großmann AG.
http://digipress.digitale-sammlungen.de/...1.html?zoom=1.0

Stammbus Offline



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29.05.2015 19:31
#68 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Schon 2011 (und nicht erst jetzt, wie manche in Coburg suggerieren wollen) wurde der Arbeitsstil von Prof. Schöllgen, dem Verfasser der Firmengeschichte Brose, auch im Fall Max Brose kritisiert:

http://www.zeit.de/2011/18/Schoellgen

Christian Offline



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30.05.2015 11:06
#69 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

In der heutigen Ausgabe der Neuen Presse findet sich ein Gastbeitrag von Dr. Hubertus Habel mit dem Titel "Gregor Schöllgens Abwehr läuft ins Leere".

Da der Beitrag nicht öffentlich im Internet einsehbar ist, möchte ich lediglich die Quintessenz des Artikels wörtlich wiedergeben.

"Durch das Verschweigen von Quellen, die Friedmann entlasten, und durch die Reproduzierung von Lügen von NS-Tätern zugunsten von Max Brose hat Prof. Dr. Gregor Schöllgen sich nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht diskreditiert. Indem er dies "auf dem Rücken" von Abraham Friedmann bewerkstelligt, diffamiert er dieses zentrale Opfer des antisemitischen Terrors der Coburger Nazis ein weiteres Mal."

Stammbus Offline



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21.06.2015 21:56
#70 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Scheinbar wurde die Einstufung "Mitläufer" auch solchen Nazis verliehen, die sich nach 1945 nicht bemüht haben, ihre Mittäterschaft zu verleugnen. So hat sich, wie ich heute zufällig entdeckte, der Nazi-OB von Bamberg, Lorenz Zahneisen, mit dem Hinweis dagegen gewandt: „Ich wünsche nicht, als Mitläufer eingestuft zu werden. Ich war stets aktives Mitglied der Nazi-Partei.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_Zahneisen

Stammbus Offline



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25.08.2015 17:17
#71 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Bei der Lektüre des (sehr interessanten und qualifiziert geschriebenen) Buches "Bayern in der NS-Zeit, Band V - Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand" habe ich diesen sich selbst kommentierenden Auszug gefunden.

In dem Buch ist ein 22-seitiger Abschnitt über Coburg und Neustadt, vornehmlich die SPD, nach 1933 enthalten, der nach meiner Einschätzung wesentlich fundierter geschrieben ist als die Dissertation von Günther Schmehle 1980.

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Christian Offline



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22.10.2015 18:33
#72 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Der Stadtrat hat heute die Einsetzung einer Historiker-Kommission beschlossen, welche die Inhalte einer Aufarbeitung der Geschichte Coburgs zwischen 1900 und 1950 festlegen wird. Desweiteren wird die Kommission vorschlagen, wer mit der Aufarbeitung dieser Geschichte beauftragt wird. Sprecher der Kommission ist Prof. Dr. Gert Melville (Coburg). Dem Gremium gehören noch weitere sechs Personen aus dem Bundesgebiet an (Historiker, Archivare). Dazu gehören u.a. Jürgen Kocka, Mitbegründer der sogenannten Bielefelder Schule, der Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, Prof. Wirsching, oder der Wirtschafts- und Unternehmens-historiker Dieter Ziegler (Universität Bochum).

Gelöschtes Mitglied
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23.10.2015 09:16
#73 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Laut Wikipedia ist Prof. Melville ein deutscher Historiker im Bereich der Mittelalterlichen Geschichte. In seinen Forschungen beschäftigt sich Melville hauptsächlich mit der mittelalterlichen Historiographie der spätmittelalterlichen Hofkultur sowie der vergleichenden Ordensgeschichte des Mittelalters.

Und so jemand soll Sprecher eines Kreises werden, der sich mit der (schwierigen) Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigt????

So was nennt man wohl klassische Fehlbesetzung.

Christian Offline



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23.10.2015 14:16
#74 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Also man sollte der Kommission objektiv gegenüber stehen. Dazu gehört es diese nicht mit Vorschusslorbeeren zu überschütten, aber auch nicht diese zu kritisieren, bevor sie etwas getan hat.

Die Person Gert Melville anhand seines Wikipedia-Artikels zu bewerten, ist doch sehr oberflächlich betrachtet. Das ein Coburger Historiker in dem Gremium sitzt, der als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft auch Kontakte zu den hier arbeitenden Geschichtswissenschaftlern pflegt, kann nur für diese Arbeit von Vorteil sein.

Außerdem entscheidet ja die Kommission darüber, wer die Aufarbeitung und schlussendlich das Buch durchführen wird. Wenn sie ein schlüssiges Konzept zu Themen und Arbeitsweise haben, können sie es sicherlich der Kommission als Bewerbung vorlegen. Die ist sicherlich für jeden "Input" dankbar.

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

24.10.2015 07:59
#75 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Wie kommen sie darauf, dass ich das nicht objektiv sehe? Ich begrüße diese Kommission sehr! Längst überfällig sowas.

Und wie kommen sie darauf, dass die Wikipedia-Einträge über Melville "oberflächlich" zu sehen sind? Sie beschreiben wahrheitsgemäß
den absoluten Schwerpunkt Melvilles Tätigkeit. Unabhängig von Wikipedia liest man ebenfalls nur von Mittelalter, nicht viel vom 20. Jahrhundert und schon gar nicht
von Detailkenntnissen des Dritten Reiches in Coburg.

Hier wäre z.B. Hubertus Habel deutlich sinnvoller gewesen, der kennt sich mit der Thematik bestens aus. Man kann nur hoffen, dass er wenigstens
ausgewählt wird, das Projekt zu stemmen. Ich selber kann kein Konzept vorlegen, habe zwar Abitur, aber keinen Doktortitel.

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