RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#51 von Stammbus , 23.05.2015 21:32

Muss man da denn nicht ein "berechtigtes Interesse" nachweisen, um Einsicht in eine bestimmte Akte zu erhalten oder gar Kopien zu fertigen?

Zudem Brose ja bei weitem nicht der einzige Nazi in Coburg war, dessen Nachkommen ein Vertuschungsinteresse haben könnten.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#52 von Christian , 23.05.2015 21:41

Ja, und es gibt im Zusammenhang mit dem Datenschutz Sperrfristen. Die liegen aber lediglich auf 10 Jahre nach dem Tode des Betroffenen. Es gibt zu den Spruchkammerverfahren Findbücher, die nicht öffentlich einsehbar sind. Da hat nur der Archivar und seine Mitarbeiter Zugriff darauf. Sie sagen dann ob zu der betroffenen Person eine Akte oder nicht existiert. Bei einem positiven Treffer wird die Akte nochmal vom Archivleiter auf Einhaltung der Sperrfristen überprüft und dann dem Leser ausgehändigt. Der muss aber vorher einen Bestellschein mit Unterschrift ausfüllen, so dass die Benutzung ebenfalls dokumentiert wird.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#53 von Stammbus , 23.05.2015 21:52

Danke, das ist in einem anderen Zusammenhang für mich eine sehr nützliche Information.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#54 von Stammbus , 23.05.2015 22:18

Ein Münchner Freund aus meiner Nicht-Coburger Schulzeit hat mir eben diesen Artikel aus der "Süddeutschen Zeitung" von gestern gesandt, der sich wohl selbst kommentiert (siehe auch linke Spalte).


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#55 von Stammbus , 24.05.2015 12:34

Zitat von Christian im Beitrag #44
Der Historiker Prof. Dr. Norbert Frei (Universität Jena) hat gestern einen vielbeachteten Vortrag über die Entwicklung der Vergangenheitsbewältigung bezüglich des Nationalsozialismus gehalten.


Die Veranstaltung ist auch für Nicht-Tageblatt-Leser hier wieder gegeben: http://ng.infranken.de/epaper/EPaper/PHP...=&Display=print

Und über das internationale Medienecho sowie die (angeblichen) Beweggründe der Stadträte hier: http://ng.infranken.de/epaper/EPaper/PHP...=&Display=print

Sicherlich vor allem interessant für die hier mitlesenden "Exilcoburger".

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#56 von Christian , 27.05.2015 17:13

Wer glaubte, das Thema Max Brose sei erledigt, der sei eines besseren belehrt:

https://www.np-coburg.de/lokal/coburg/co...rt83423,4107380

In diesem von Prof. Schöllgen verfassten Artikel vertritt dieser die Ansicht, dass das Staatsarchiv Coburg die Spruchkammerakte von Max Brose manipuliert habe und so ihm Informationen vorenthalten wurden.

Offenkundig ist das eine indirekte Distanzierung seines Werkes!


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#57 von Stammbus , 27.05.2015 17:26

Leider ist der Artikel nur für Abonnenten zugänglich.

Meinst Du, eine Distanzierung von seinem Werk, oder sein Werk distanziert sich? Von wem dann? Von Max Brose / Michael Stoschek?

Hältst Du es für möglich, dass jemand aus dem Hause Brose für ihn die Kopie der Spruchkammerakte organisiert hat, um ihm den Weg von Erlangen nach Coburg zu ersparen, und "nicht so schöne" Bestandteile beim Kopieren "vergessen" hat.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#58 von Christian , 27.05.2015 17:37

Also die Spruchkammerakte hatte er oder ein wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. studentische Hilfskraft bereits 2006 eingesehen. Die Firma Brose hat erst im Zuge der Diskussion um die Max-Straße-Straße die Akte 2015 angefordert. Da Schöllgen keine Beweise für seine Behauptung liefert, sind das alles Mutmaßungen.

Ich schicke dir mal per E-Mail den Artikel zu.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#59 von Stammbus , 27.05.2015 18:16

Herzlichen Dank dafür. Ich lese ihn aber nicht als Distanzierung, sondern eher als "Flucht nach vorne".

Rolfs wohl eher satirische Bemerkung hinsichtlich einer Stoschek- oder Brose-Stiftung könnte danach sogar noch Wirklichkeit werden.

Auf die Reaktion des Staatsarchivs darf man sicherlich gespannt sein.

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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#60 von Christian , 27.05.2015 18:22

"Flucht nach vorne" weil man mit dem "Rücken zur Wand steht"

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