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Dieses Thema hat 165 Antworten
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 Coburger Geschichte
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Christian Offline



Beiträge: 6.079
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16.04.2015 19:45
Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

http://www.br.de/mediathek/video/sendung...me=&time=&time=

Insgesamt wurden über 40 Grundstücke in Coburg arisiert. Hier sind die angesprochenen Häuser nebst ihren jüdischen Eigentümern

Alexandrinenstraße 14
Richard Löwenherz, Fabrikbesitzer

Bahnhofstraße 25a
Adolf Kaufmann, Kaufmann

Bahnhofstraße 27
Leo Sachs, Darmhändler

Bahnhofstraße 28
Siegfried Besser, Kaufmann

Bahnhofstraße 31
Forchheimer & Co, Korbmöbelfabrik

Bahnhofstraße 38/40
Alfred Bamberger, Kaufmann

Casimirstraße 6
Abraham Friedmann, Kommerzienrat

Gartenstraße 3
Nathan Ludwig, Viehhändler

Hahnweg 15
Dampfsägewerk Löwenherz

Heiligkreuzstraße 22
Martin Mannheimer, Viehhändler

Hohe Straße 30
Hermann Hirsch, jüd. Prediger

Judengasse 8
Wolf Baumwollspinner, Kaufmann

Judengasse 20
Ignatz Stern, Kaufmann

Judengasse 41
Julius Mai, Kaufmann

Kanalstraße 5
Korbmöbelfabrik Forchheimer

Kanalstraße 10
Korbmöbelfabrik Forchheimer

Kanonenweg 33
Leonhard Klein, Kaufmann

Ketschendorfer Straße 2
Abraham Friedmann, Kommerzienrat

Ketschendorfer Straße 5
Max Löwenherz, Kommerzienrat

Ketschengasse 6
Simon Rothschild, Kaufmann

Kreuzwehrstraße 9
Korbwarenfabrik Gbr. Altmann

Lossaustraße 5
Dr. Reinhold Alkan, Augenarzt

Marienberg 2a
Ivan Bernstein, Fabrikbesitzer

Mohrenstraße 10
Siegfried Stern, Viehhandlung

Mohrenstraße 21
Siegfried Kramer, Kaufmann

Mohrenstraße 32
Dr. Emil Gutmann, Orthopäde

Obere Salvatorgasse 7
Jeanette Frank, Witwe

Rosenauer Straße 13
Pferdehandlung Gebr. Friedmann

Sally-Ehrlich-Straße 10
Mützenfabrik Karl Ehrlich

Seifartshofstraße 8
Dr. Moritz Baer, Rechtsanwalt

Spitalgssse 2
Albert Sachs, Kaufmann

Spitalgasse 4
Max Levenbach, Viehhändler

Spitalgasse 12
Kaufhaus Fechheimer

Sonntagsanger 9
Simon Oppenheim, Prediger

Steinweg 15
Eduard Plaut, Manufaktur- und Modewaren

Steinweg 16
Ernst Zeilberger, Kaufmann

Steinweg 22
Siegfried Stern, Kaufmann

Steinweg 38
Klara Sander, Witwe

Uferstraße 9
Bernstein & Saalfeld, Rohrmöbelfabrik

Stammbus Offline



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17.04.2015 08:12
#2 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Es wäre mal interessant zu erforschen, zu wessen Gunsten da "arisiert" wurde.

Über die Grundbücher müsste das ja heraus zu bekommen sein.

Christian Offline



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19.04.2015 12:46
#3 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Bei einigen Häusern kennt man die "arischen" Nach-Eigentümer.

Zur Zeit stehen ja die beiden Häuser Abraham Friedmanns (Ketschendorfer Straße 2 und Casimirstraße 6)im Mittelpunkt des Interesses, welche von Max Brose und Ernst Jühling durch Versteigerung erworben wurden.

Stammbus Offline



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19.04.2015 21:02
#4 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Ach, Max Brose, sieh an.

Soll der nicht durch eine Straße geehrt werden?

Christian Offline



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19.04.2015 21:38
#5 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Korrekt und zwar mit einer Straße, an der die ehemalige Coburger Synagoge lag. Manche finden das eine Geschmacklosigkeit. Siehe dazu auch den Link vom BR.

Stammbus Offline



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20.04.2015 15:44
#6 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Christian Offline



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20.04.2015 17:15
#7 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten
Stammbus Offline



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20.04.2015 17:39
#8 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Danke, sehr aufschlussreich ...

Fehlt nur noch, dass eine Straße nach einem anderen prominenten "Mitläufer" benannt wird.

Coburg wird nicht umhin kommen, endlich mal die Nazigeschichte offen aufzuarbeiten, auf die "Gefahr" hin, dass da noch andere Sachen ans Licht kommen.

Christian Offline



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20.04.2015 17:57
#9 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Ich kann zu dem Thema nur eines sagen, dass Norbert Tessmer und Michael Stoschek durch ihr Handeln eine Lawine in Sachen "Historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Coburg" losgetreten haben. Das sehe ich jeden Tag im Staatsarchiv. Die Untersuchungen zu anderen Firmeninhabern (Kaeser und Waldrich) laufen bereits. Auch finden Untersuchungen zu den NS-Stadträten zwischen 1933 und 1945 statt.

Zum Thema Max Brose kann ich nach Durchsicht seiner Entnazifizierungsakte sagen, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Stammbus Offline



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20.04.2015 19:29
#10 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #9
Ich kann zu dem Thema nur eines sagen, dass Norbert Tessmer und Michael Stoschek durch ihr Handeln eine Lawine in Sachen "Historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Coburg" losgetreten haben.



Stoschek hat aus seiner Sicht nicht besonders klug taktiert. Was da manche Stadträte geritten hat, ist mir nicht ganz klar, aber vielleicht war das bei einigen ja auch Absicht, um genau das zu erreichen. Ich musste da an ein Gedicht denken, das wir in der Schule mal hatten: "Die Sonne bringt es an den Tag ..."

Rolf Metzner Offline




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20.04.2015 19:45
#11 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Den Versuch, seinen Großvater Max Brose und bzw. dessen Nazivergangenheit reinzuwaschen, hat sich Michael Stoschek etliches kosten lassen, indem er den Erlanger Geschichtsprofessor Gregor Schöllgen zu einer Expertise über die Rolle Max Brose's in der Nazizeit beauftragt hat.

Diese "bezahlte Auftragsgeschichtsforschung" wird von vielen unabhängigen Historikern massiv kritisiert, so auch von Tim Schanetzky (siehe beigefügter Artikel):

Dateianlage:
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Aufsatz_Schanetzky zur Reinwaschung von Nazi-Industriellen, z.B. Max Brose.pdf
Christian Offline



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28.04.2015 16:57
#12 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten
Christian Offline



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28.04.2015 17:08
#13 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Nach der Analyse des Historikers Frank Bajohr gab es drei verschiedene Charaktere "arischer" Nachmieter:

1. Korrekte Käufer, die über der vereinbarten Kaufsumme noch weitere Gelder an die jüdischen Voreigentümer zahlten.
2. Ein fliesender Übergang der hauptsächlich bei Firmen auftrat, nämlich der Einstieg "arischer" Teilhaber, die sich mit dem Arisierungsgewinn begnügten.
3. Aktive und rücksichtslose Profiteure, die sich der Zwangssituation der jüdischen Vor-Eigentümer zu nutze machten.

Siehe dazu:
Frank Bajohr, "Arisierung" als gesellschaftlicher Prozess, in: Irmtrud Wojak / Peter Hayes (Hgg.), "Arisierung" im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, Frankfurt am Main 2012, S. 15-30.

Stammbus Offline



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28.04.2015 20:09
#14 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #12
http://www.br.de/nachrichten/oberfranken/inhalt/brose-diskussion-nationalsozialismus-100.html


Insbesondere der Tonbeitrag interessant.

Wenn Max Brose sich 1935 nichts vorzuwerfen hatte, warum hat er dann nach dem Krieg letztendlich an die Erben gezahlt, und zwar keine für die damalige Zeit kleine Summe?

Eine angebliche frühere Überschuldung von Friedmann als Ausrede zu benutzen, ist reichlich durchsichtig, zumal so etwas in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise (seit 1929) nicht ungewöhnlich gewesen sein dürfte. Zumal dann die (angeblichen) Gläubiger von Friedmann benachteiligt gewesen wären.

Selbst wenn Broses Motive nur pekuniärer Natur waren: Vorbilder, nach denen man Straßen benennt, sehen anders aus.


PS: Es gibt ja Leute, die fordern, die Nazizeit ruhen zu lassen. Hier bleibt festzuhalten: Herr Stoschek hat den Stein des Anstoßes gegeben. Und vielleicht wird dann noch mal gefordert, eine Straße nach C.E. zu benennen, dem anderen "Mitläufer".

Christian Offline



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28.04.2015 20:32
#15 RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg Zitat · antworten

Wie gesagt, das was bisher raus kam, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wer die Spruchkammer-Akte von Brose und die Gerichtsakten im Prozess Friedmann gegen die Dresdner Bank gelesen hat, weiß was da noch für Hämmer kommen.

Prinzipiell sind solche Verfahren in den 1950er Jahren zugunsten der jüdischen Vor-Eigentümer ausgegangen, da es sich bei diesen Besitzübertragungen um Rechtsbeugungen oder Sittenwidrigkeit handelte.

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