Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#1 von 2fast4u , 28.10.2017 20:05

Hallo zusammen,

ich versuche hier in diesem Forum mal mein Glück.
Und zwar bin ich aktuell auf der Suche nach Informationen zum ehemaligen Ort "Ruhrsdorf", welcher früher einmal im nördlichen Landkreis zwischen Ahlstadt/Oettingshausen/Grattstadt zu finden war.
Wie viele ehemaligen Orte (Burkhardsdorf, Gellnhausen, etc.) wurde wohl auch dieser Ort während des 30 Jährigen Kriegs zur Wüstung.

Durch Stöbern hier im Forum habe ich auch bereits zwei Karten ausfindig machen können, in welchen der Ort eingezeichnet ist.
Als ehemaliger Ahlstadter kann ich mich noch ganz dunkel daran erinnern, wie ich damals einmal mit meinem Opa zu diesem Wald gefahren bin und er mir die Überreste dieses Ortes gezeigt hat. Ich war damals als kleines Kind (war wohl noch bevor ich in den Kindergarten gekommen bin) total fasziniert davon, dass es mal ein Nachbardorf gegeben haben soll, welches nun einfach nicht mehr da ist. Dieser Ort hat damals in mir schon eine gewisse Faszination ausgeübt. Das ist nun aber schon gut 27 Jahre her.

Leider habe ich dann über die Jahre diesen Ort vergessen, bis es mir neulich mal wieder eingefallen ist. Natürlich habe ich mich sofort auf die Suche gemacht und versucht die Mauerreste von damals zu finden - leider bis jetzt ergebnislos. Ich kann mich auch nicht mehr an die genaue Stelle erinnern, da ich damals einfach noch zu klein war.

Jetzt dachte ich, vielleicht könnt ihr mir weiter helfen. Viele von euch scheinen sich ja geschichtlich im Landkreis gut auszukennen, haben Kartenmaterial etc. zuhause oder gehen selbst oft aktiv auf Spurensuche. Hat hier jemand Informationen über Ruhrsdorf oder kann mir sogar den genauen Standort vermitteln? Ich würde zu gerne schauen, ob sich diese Steinreste heute noch finden lassen. Meine bisherigen Spaziergänge blieben aber leider ergebnislos - zumal das einzugrenzende Waldgebiet ohne genaue Informationen nicht gerade klein ist.



 
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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#2 von Christian , 29.10.2017 15:03

Hallo 2fast4u,

hast du schon mit google maps gearbeitet? Da könntest du dir das Gelände von oben mal anschauen. Soweit ich das sehe, sind die Aufnahmen im Frühjahr gemacht worden, so dass die Bäume noch keine Blätter besitzen und so die Bodenbeschaffenheit recht gut zu erkennen ist.
Ich selbst habe bei Maps unter den Koordinaten 50°21'31.8"N 10°50'11.1"E etwas gesehen, was man sich vielleicht vom Boden aus etwas genauer anschauen sollte.

Gruß
Christian


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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#3 von 2fast4u , 29.10.2017 16:07

Hallo Christian,

danke für deine Antwort.

Ja, ich habe schon mit Google-Maps gearbeitet. Bin sogar soweit vorgegangen, dass ich meine zwei Spaziergänge (rot und blau) per GPS aufgezeichnet habe
Der markierte Ort von dir sieht in der Tat interessant aus. Ich habe auch mal unabhängig davon versucht in dieses Gebiet vorzustoßen (blauer Wegpunkt 2), bin aber nicht weiter vorwärts gekommen - vor Ort ist das alles sehr zugewachsen. Nach dem Wegpunkt 3 wollte ich mich von der Westseite in dieses Gebiet nähern - auch nicht machbar. Dort ist alles mit jungen dichten Bäumen überwuchert, dazu noch teilweise eingezäunt. Da ist kaum ein Durchkommen. Ohne Machete oder andere "Platzmacher" und entsprechendem Respekt zur Natur nur schwer machbar Allerdings war das bereits vor einigen Wochen. Jetzt ohne das ganze Laub könnte es machbar sein.

Ich meine mich nur erinnern zu können, dass ich damals mit meinem Opa eher am Waldrand war - allerdings können einem nach fast 30 Jahren die Erinnerungen auch trügen. Viel laufen konnte ich als kleiner Bub ja nicht, da ich wohl noch nicht einmal im Kindergarten war. Daher ist ein Ort in der Nähe des Waldrandes oder zumindest eines Waldweges eigentlich eher schlüssig.

Macht es Sinn in irgendwelchen Archiven mal nachzufragen? Bin auf diesem Gebiet leider sehr unerfahren.

MfG
Andreas

 
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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#4 von Christian , 29.10.2017 17:00

Hallo Andreas,

wenn archivalisch etwas zu holen ist, dann im Staatsarchiv Coburg (Zeughaus, Herrngasse 11 in Coburg). Die haben die meisten Unterlagen für den Landkreis aus der damaligen Zeit.


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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#5 von 2fast4u , 30.10.2017 22:02

Danke für den Hinweis. Da werde ich vielleicht auch mal vorbei schauen, falls ich nicht weiter komme.
War heute nochmal vor Ort und habe mir die Gegend im großen Wald nochmal angeschaut - auch das von dir mal vorgeschlagene Gebiet. Jetzt ohne Laub konnte ich einigermaßen gut vordringen. Leider auch Fehlanzeige.

Ich bin aber jetzt Abends nochmal auf neue Indizien gestoßen, in Form alter Karten.
Und zwar finden sich auf dieser die Flurnamen "Unterm Rohrsdorf", "Obern Rohrsdorf" und "Rohrsdorf".
Zwar kann ich nicht einschätzen, wie verlässlich/genau Flurnamen sind, aber eigentlich müsste ich doch in den Waldstücken im Flurstück "Rohrsdorf" die besten Karten haben oder? Wenn ja, dann hätte ich die ganze Zeit zu weit südlich gesucht.
Es würde sich auch mit meiner Erinnerung decken, dass man nicht weit in den Wald laufen muss - die in Frage kommenden Waldstücke liegen allesamt nicht tief im Wald.

Hier zur Verdeutlichung entsprechende Karten, welche ungefähr den gleichen Ausschnitt zeigen. Gelb markiertes Gebiet bin ich bereits abgelaufen, rot steht für die nächsten Tage auf dem Programm. (So ein verlängertes Wochenende hat was für sich )




Gruß
Andreas


 
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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#6 von Christian , 31.10.2017 09:14

Die Flurnamen sind durchaus ein starkes Indiz dafür, dass an der Stelle tatsächlich der Ort gestanden hat.


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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#7 von Stammbus , 05.11.2017 20:34

Zitat von 2fast4u im Beitrag #3


Macht es Sinn in irgendwelchen Archiven mal nachzufragen? Bin auf diesem Gebiet leider sehr unerfahren.







Dafür gibt es ja in fast jedem Archiv einen Archivar, der einem weiter hilft. Nur Mut!


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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#8 von Christian , 06.11.2017 15:29

Im Staatsarchiv Coburg existiert eine Akte (Signatur: LA M 244). Mit dem Titel: Beschreibung der vier Güter zu Roßdorf in der Grattstadter Flur aus dem Jahre 1683.


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RE: Wüstung Ruhrsdorf / Rührsdorf bei Ahlstadt

#9 von Hibol , 06.12.2018 20:11

Hallo,

der Threat ist zwar ist schon ein Jahr alt. Aber vielleicht kann ich als Grattstadter da noch mal was dazu beitragen.
Ruhrsdorf wurde mitnichten im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Dieser ohne Zweifel verlustreiche Krieg an Bevölkerung, wird hier immer wieder falsch eingeschätzt.
Im ganzen Coburger Land gibt es nur zwei Ortschaften, die tatsächlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden und danach nie wieder aufgebaut wurden. Das sind die Orte Kropfweihers auf dem Callenberg und Distelhof bei Scheuerfeld. Viele andere Dörfer waren auch völlig zerstört und lagen einige Zeit wüst, wurden aber wieder aufgebaut.
Der größte Verlust an Ortschaften im Coburger Land geht auf das Jahr 1424 zurük, als die Husiten von Böhmen her ins Land eindrangen. Hier wurden u. a. die Orte Michelsdorf auf den Georgenberg bei Rodach, Gellnhausen zwischen Lempertshausen und Heldritt, Ruhrsdorf zwischen Grattstadt und Öttingshausen, Haaynlein zwischen Ottowind und Großlwabur und Cölln zwischen Neida und Weitramsdorf zerstört und nie wieder aufegbaut.
Im ältesten noch vorhanden Lehnbuch des Herzoguums von 1492 wird Ruhrsdorf und die anderen genannten Orte bereits als Wüstung also unbewohnt, bezeichnet. Ein Beschreibung von 1528 (vorhanden im Staatsarchiv) beweist sogar, dass die Häuser zu den vier Ruhrsdorfer Gütern inzwischen in Grattstadt standen. In der Grattstadter Dorfordnung von 1586 sind die Rohrsdorfer rechtlich bereits voll integriiert. Es handelt sicch um die vier Höfe an der Ahlstadter Strasse rechts Richtung Ahlstadt.
Der ursprüngliche Standort ist auf einem Feld, auf dem leider so gar nichts mehr von eventuellen Mauern zu sehen ist. Auf der Karte ist zwischen Oberem Ruhrsdorf und Unterem Ruhrsdorf eine von Nord Südrichtung verlaufende Baumreihe. Auf dem Feld davor Richtung unterem Ruhrsdorf lagen einstmals die vier Häuser

Ich hoffe, es interessiert irgendjemanden noch
Andreas

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