RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#11 von gerd , 18.04.2019 08:37

Organisierter Kunstraub und Möbelaktion in Paris
(auszugsweise)

Am 14.Juli 1940 besetzte die Wehrmacht Paris, am 17. Juli 1940 begann der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und mit ihm DRK-Feldführer Kurt von Behr seine Tätigkeit.
Im übrigen war das besetzte Paris 1940 ein begehrter Aufenthaltsort für Mitglieder des Außenpolitischen Amtes. Rosenberg ordnete deshalb an, es sollten keine Leute mehr nach Paris geschickt werden die nicht unbedingt benötigt würden.
Von Behr war weiterhin nur PG und Feldführer des DRK.
Um die Wichtigkeit seiner Tätigkeit Rechnung zu tragen, erteilte ihm Rosenberg persönlich am 23.Dez. 1940 die Genehmigung, für die Dauer des Einsatzes in den westlichen Gebieten ehrenamtlich die Uniform eines Reichshauptstellenleiters der NSDAP zu tragen. Von Behr konnte somit in der Öffentlichkeit mit den Rangabzeichen auftreten ,wie seine nominellen Vorgesetzten. Er hat das aber wohl nie wahrgenommen, sondern während seiner gesamten Tätigkeit eine-freilich aufwändige und elegante-schwarze DRK Uniform mit Schaftstiefeln und Pistole getragen , die viele an eine SS-Uniform erinnerte.
Dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) ging es im Sommer 1940 vorrangig um die großen Kunstsammlungen in Frankreich, etwa der Familie Rothschild. Der Originalton des ERR lautete ,die Kunstschätze der Juden, welche vor dem Einrücken der Wehrmacht geflohen waren, vor" Diebstahl "zu sichern. So kam es in Paris schnell zu einer Kunstrauborganisation.
Kurt von Behr, der die organisatorische und praktische Abwicklung der Beschlagnahmen übernahm, zeichnete sich dabei durch demonstrative Missachtung geltenden Rechts aus. Alsbald wurde er zum unmittelbaren Zuarbeiter Hermann Göhrings, der für den Abtransport der beschlagnahmten Kunstwerke sorgte. Für Göhring arrangierte von Behr mehrfach Ausstellungen von Kunstwerken in einem Museumsgebäude in Paris, dem Jeu de Paume.
Es gelangten erstrangige Werke zu Göhrings Landsitz Karinhall in die Schorfheide.
Mit dem 1.März 1941 sollte die Tätigkeit des ERR in Frankreich eigentlich beendet werden. Allerdings war weiterhin ein Abwicklungskommando unter von Behr vorgesehen. Von Behr hatte weiterhin eine Schlüsselposition inne.
Von Seiten der Wehrmacht, aber auch innerhalb des ERR erfuhr von Behr Gegnerschaft, nicht zuletzt wegen seines rücksichtslosen Vorgehens beim Abtransport der Kunstwerke .So war er im Einsatzstab nicht mehr zu halten, was bei Göhring die Besorgnis weckte, seine Interessen in Paris würden nicht mehr angemessen vertreten.
Von Behr entwickelte seinerseits Ende 1941 den Plan für die sogenannte Möbel-Aktion. Dabei ging es darum ,die Wohnungen emigrierter oder deportierter jüdischer Besitzer vollständig auszuräumen und alles zu verwerten. Die Möbel sollten Bombengeschädigten z. V. gestellt werden, bzw. der Ausstattung von Dienststellen in den Ostgebieten dienen.
Insgesamt wurden, wie von Behr Ende 1944 stolz resümierte, ca. 70.000 Wohnungen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden ausgeräumt. Für den Transport ins Reichsgebiet wurden etwa 27.000 Güterwagenladungen benötigt!
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RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#12 von gerd , 18.04.2019 17:06

Von Behr in Banz
Mit dem zügigen vorrücken der Alliierten nach der Invasion in der Normandie, wurde am 14. August 1944 der Befehl zur Räumung der Dienststelle Westen gegeben. In den Folgetagen wurden Unterlagen in offenbar großem Umfang vernichtet. Mittlerweile hatte eine Flut der Evakuierung von deutschen Einrichtungen aus Paris nach Osten eingesetzt, die Dienstelle Westen verließ mit vier LKW und elf PKW in drei Gruppen vom 18.bis 23.August 1944 Paris.
Man traf sich bei Nancy und musste auf dem weiteren Weg nach Osten drei LKWs und fast alle Pkws an Wehrmachtseinheiten abgeben, bzw. gegen Treibstoff eintauschen. Am 2.September zahlte die Dienststelle bei der Filiale der Reichsbank in Kaiserslautern über 100.000 RM Barbestände ein.
In Banz trafen von Behr, seine Frau und neun Mitarbeiter mit einen LKW und von Behrs Pkw am 13.September 1944 ein. Warum von Behr gerade Banz auswählte ist nicht eindeutig zu sagen, wahrscheinlich waren persönliche Bekanntschaften oder Beziehungen in der Region (Carl Eduard von Coburg ?) maßgeblich für diese Entscheidung.
Damit befand sich die Dienststelle Westen, Leitung Oberstführer von Behr, in Schloß Banz/Oberfranken ,allerdings sollte sie bald abgewickelt werden. Am 26.10 1944 wurde ihre Auflösung verfügt, am 13.11. 1944 erhielt Inspektor Wesemann vom Ostministerium den Auftrag, das Dienstgut der Dienststelle Westen(Akten und Vermögenswerte) in Schloss Banz zu übernehmen und nach Troppau zu überführen. Sein Bericht an das Ostministerium lag am 20.Dezember 1944 im Amt Rosenberg vor. Wesemann hatte im November in Banz ein Inventar aufgenommen, das nur teilweise erhalten ist und einen formellen Kassenbericht über die M-Aktion erstellt.
Im Frühjahr 1945 organisierte von Behr in Banz die heimliche Einlagerung von Unterlagen aus dem Ostministerium Rosenbergs und seinen anderen Ämtern sowie umfangreichen Verwaltungsakten des Einsatzstabes.
Von Behr und seine Frau wohnten in Banz im Gasthaus; von Behr trug weiterhin seine Rotkreuz Uniform. Banz- als Lazarett gekennzeichnet-wurde am 11. April 1945 formlos den US Truppen
übergeben und am 14. und 15 April genauer inspiziert.
Am Mittwoch den 18.April 1945,ließen sich die von Behrs in ihrem Auto (!) nach Lichtenfels fahren und meldeten sich beim Detachement 16F2 der Militärregierung. Dessen Leiter, Captain Haber, erstattete seiner Dienststelle Bericht und bat um Anweisungen. Offensichtlich war man zu diesem Zeitpunkt nicht klar darüber um wen es sich da handelte und das von Behr auf der Fahndungsliste zumindest der Franzosen, aber auch anderer Geheimdienste ganz oben stand.
Laut Captain Haber schlug von Behr am 18.April 1945 in Lichtenfels vor, er wolle den Amerikanern das Versteck mit sämtlichen Unterlagen aus Rosenbergs Ministerium zeigen, wenn er dafür weiter eine Wohnung in Banz behalten dürfe. Haber sagte das zu, von Behr teilte das Aktenversteck mit und durfte mit seiner Frau nach Banz zurück kehren.
Am Abend des 19.April 1945 kam es zu einem Gespräch zwischen den von Behrs und Paula Wunder, in der Banzer Gastwirtschaft. Nach der Erinnerung von Frau Wunder fürchtete von Behr, wegen seiner maßgeblichen Beteiligung an den M-Aktionen in Frankreich zur Rechenschaft gezogen zu werden. Diese Angst war keineswegs unberechtigt. Am nächsten Morgen,20.April 1945,fand das Hausmädchen der von Behrs, das Ehepaar tot auf.
Von den Amerikanern wurde am 20.April 1945 festgestellt, dass Kurt von Behr und seine Ehefrau Joy mit vergifteten Champagner Selbstmord begangen hatten. Der Fahrer von Behrs, zeigte die Todesfälle beim Bürgermeister von Weingarten an, als Todeszeitpunkt wurde der 19.April 1945 eingetragen, was allerdings im Gegensatz zu der Erinnerung von Frau Wunder steht.
Die Behrs wurden mit priesterlicher Begleitung auf dem Banzer Friedhof beigesetzt; die Särge trugen französische Kriegsgefangene.

Am 24.April 1945,wenige Tage nach dem Suizid, erschien in der New York Herald Tribune ein Artikel der Kriegsberichterstatterin Marguerite Higgins unter dem Titel: Americans Find Nazi Archives in Castle Vault, datiert Lichtenfels, Germany, April 23.
Irrtümer und Interpretationen wurden von Higgins in der Presse, in Aufsätzen und Buchveröffentlichungen weiter getragen bis in die Gegenwart!
Die Unterlagen Alfred Rosenbergs, schreibt Higgins, seien hier in einem Keller fünf Stockwerke unter der Burg Lichtenfels (?)aus dem 16.Jahrhundert entdeckt worden. Den Hinweis habe den Amerikanern Kurt von Behr gegeben, nach eigenen Angaben die rechte Hand von Rosenberg. Die Geschichte trage alle Züge eines Melodrams, wie es die Naziführer offenbar geliebt hätten. Der"Baron" und seine Frau wurden tot in ihrem luxuriösen Raum aufgefunden. Das Paar hätte Gift genommen und mit feinem französischen Champager hinunter gespült...
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RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#13 von Stammbus , 21.04.2019 18:42

Ein aufschlussreicher Artikel über Kurt von Behr auch auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_von_Behr

(Danke, Gerd, für den Hinweis)

Über Google habe ich weitere interessante Fundstellen gefunden. z.B. diese hier:
https://www.vierprinzen.com/2013/10/echo-in-der-presse.html


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zuletzt bearbeitet 21.04.2019 | Top

RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#14 von gerd , 23.04.2019 15:34

Banz als Depot der Coburger Kunstsammlungen
Erstrangige Coburger Bestände fanden ab 1943 Platz in Banz. Sie haben eine eigene Geschichte.
Seit Dez.1942 waren die Kunstsammlungen Coburgs, der Bayerischen Schlösserverwaltung angegliedert. Noch im April 1943 wurde eine Unterbringung von Coburger Kunstschätzen außerhalb der Stadt nicht in Bedracht gezogen. Drei Kisten mit Graphik lagerten seit Herbst 1942 im Tresor der Vereinigten Coburger Sparkassen am Marktplatz.
2. Bürgermeister Wilhelm Rehlein wandte sich 1943 an die Leitung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege mit der Bitte, Coburger Objekte in Banz unterbringen zu dürfen
Ende August 1943 standen dann in Banz 8 qm z.V. Die Landesstiftung bekam noch ein zweites Depot in Banz. Eine Rechnung über Maurerarbeiten in diesen Zusammenhang datiert vom 13.9.1943
Der erste Bergungstransport nach Banz fand am 1.Okt. 1943 statt.
5 Kisten mit Grafik und Glas ,mindestens ein weiterer Transport folgte. Im Nov. 1943 kamen noch vier Kisten aus dem Städtischen Heimatmuseum Coburg nach Banz, gezeichnet mit HMC (Heimat Museum Coburg)1-4
Höchst überraschend und erklärungsbedürftig war ,dass Anfang April 1945 die wertvollsten Grafiken(Handzeichnungen) aus dem Bergungsraum in Banz nach München überführt wurden. Fahrer des PKw war der Architekt TINO WALZ, Schweizer Staatbürger, Mitarbeiter im Residenzbaubüro der Schlösserverwaltung München.Walz kam mit Dr. Thoma am 4.April 1945 in Coburg an; sie übernachteten hier und nahmen vier Cranach Bilder-Lucretia,-Friedrich der Weise, Johann der Beständige, Die zwei Alten
mit nach Banz.
Aus Banz nach München wurden 9 Mappen mit Handzeichnungen,1 Mappe mit Autographen,1 Codex,1 Buchdeckel,1 Jagdtasche mit genommen.
Die restlichen Coburger Bestände verblieben vorläufig ebenso in Banz, wie die von Dr. Thoma und Walz am 5.April 1945 nach Banz mitgebrachten vier Cranach Gemälde.
Eugen Flurschütz, Schlossinspektor der Coburger Landesstiftung unternahm am 31.7.1945 eine Inspektionsreise nach Banz.
Er teilte mit, das die vier Cranach Gemälde in den Privaträumen von Pater Linnemann sicherheitshalber aufgehängt waren.
Es kam wohl bei den ausgelagerten Objekten, hier Bücher aus dem Osten, des ERR (Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg) welche in großen Mengen mach Staffelstein und Banz gelangten, zu Entwendungen! Banz war überfüllt mit Patienten des Reservelazarett, Kriegsgefangenen und Flüchtlingen, welche mehr oder weniger Zutritt zu den Bergungsräumen fanden! Die Rückführung der 1943 nach Banz gebrachten Kisten von dem Heimatmuseum Coburg wurde am 3.April 1946 genehmigt,
schwieriger war es mit den bei weitem wertvolleren Beständen aus den Kunstsammlungen.
Der Antrag der Landesstiftung vom 20.7.1945 auf Freigabe der ausgelagerten Objekte wurde von der Militärregierung mit dem Hinweis auf die unzureichende Raumsituation auf der Veste abgelehnt.(Die Veste hatte schwere Schäden an den Gebäuden)Erst zwei Jahre später, am 18.7.1947,erhielt man die Genehmigung zur Rückführung der ausgelagerten Coburger Bestände aus Banz, Bamberg, Tambach und den Coburger Sparkassen.
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zuletzt bearbeitet 23.04.2019 | Top

RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#15 von gerd , 25.04.2019 07:13

Banz wurde im April und Mai 1945 von einer Staffelsteiner Abteilung des 14.US -Tank Battallion der 9. Panzerdivision bewacht. Wer unbedingt wollte ,konnte aber durchaus den Weg zu den Büchern und Akten im Gasthauskeller finden.
Vermutlich Anfang Mai 1945 wechselte das Personal der US Militärregierung in Lichtenfels.
Die erste grundlegende Inspektion von Banz fand durch Mitglieder des Intelligence Center, Enemy Documents Section, beim Stab der 3.Armee statt.
Ein Teil der Büroakten und Wertgegenstände des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg, sei nach der Flucht aus Paris hierher ausgelagert worden.20 Kisten mit Akten befänden sich eingemauert hinter einer kürzlich erstellten Ziegelwand, drei Stockwerke unter der Erde. Man hatte also bereits ein Guckloch in die Vermauerung gebrochen.
Die Dokumente ,welche man in von Behrs Wohnung in Banz gefunden hatte ,wurden ausgewertet.
Am 2. Juni 1945 wurde ein versiegelter Raum mit Unterlagen von Rosenberg inspiziert. Wenig später standen Offiziere der US Armee vor der Mauer im Banzer Tiefkeller. In ihrem Auftrag öffnete Hans schramm den Kellerraum, den er wenige Monate vorher vermauert hatte. Man fand dort Kisten und Kartons, vor allem aus dem Rosenberg -Ministerium. Eine Blech Kiste enthielt persönliche Unterlagen von Rosenberg.
Rosenberg schrieb 1946 in der Nürnberger Haft, sein Tagebuch sei in einem Eisenkasten aufbewahrt worden, den die Alliierten haben müssten. Der weitere Weg der Rosenberg Akten ist schwer nachzuvollziehen. Letztendlich landeten die Akten oder Kopien davon in Archiven in Paris und Washington und im Bundesarchiv Berlin. Manches ist sicher verschwunden, gelegentlich wird das eine oder andere Blatt im Internet angeboten.
Die Tagebücher Rosenbergs waren schon im August 1946 in Nürnberg nach Mitteilung der Anklage nicht auffindbar. Erst 2013 tauchten sie wieder auf und zwar im Nachlass von Robert Kemper,
US Ankläger in den Nürnberger Prozessen!
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RE: Schloss Banz-die Unnersdorfer Mainbrücke

#16 von gerd , 25.04.2019 07:45

Der Autor Heinz Pfuhlmann, welcher in dem Begleitbuch zur Ausstellung in Banz 2017 schreibt, hatte umfangreich recherchiert .Somit wurden nicht nur von den Kunstsammlungen Coburg, sondern auch von der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin ,Bestände des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Skulpturen der Riemenschneider-Zeit aus unterfränkischen Kirchen und
Kisten aus dem Heeresmuseum Prag, nach Banz gebracht.
Im Oktober 1945 trafen Offiziere der Tschechoslowakischen
Armee mit drei LKWs in Banz ein und im Beisein von Pater Linnemann wurden 16 Kisten deren Inhalt Pistolen, Gewehre, Silbergegenstände, Bücher, Fahnen/Bänder
und eine Kiste mit einem sogenannten Prinz Eugen Altar,
verladen.
Es wird berichtet das es zuvor , zu Diebstählen gekommen sei...
Diese Verladeaktion in Banz im Okt. 1945,ist mit Bildern dokumentiert.
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