Prinz Albert & Queen Victoria

#1 von Christian , 03.08.2019 11:23

Prinz Albert

Als zweiter Sohn Herzog Ernsts I. von Sachsen-Coburg und Gotha (1784-1844) und seiner Frau Luise (1800-1831), wurde Prinz Albert am 26. August 1819 auf Schloss Rosenau bei Rödental geboren. Die Ehe der Eltern scheiterte bald nach Alberts Geburt. 1826 folgte die Scheidung. 1823 übernahm der Lehrer Christoph Florschütz (1794-1882) die Erziehung des Prinzen. Er war bis 1838 so etwas wie ein Ersatzvater für Albert und ließ ihm eine moderne Erziehung zuteilwerden. Großen Einfluss übte auch Alberts Onkel Leopold, König der Belgier, (1790-1865) auf ihn aus. Er fokussierte ab 1836 eine Heirat des Prinzen mit der britischen Thronfolgerin Victoria. Damit trieb er die für das 19. Jahrhundert typische Coburger Heiratspolitik massiv voran. Nach einem Aufenthalt in Brüssel studierte Albert an der Universität Bonn und heiratete schließlich 1840 Victoria. Das Ehepaar bekam neun Kinder.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#2 von Christian , 05.08.2019 08:37

Als Albert nach Großbritannien kam, waren seine Aufgaben als Ehemann der Queen unklar. Vielmehr musste er sich selbst Aufgabengebiete suchen. Er wurde zunächst der wichtigste Berater Queen Victorias und übernahm schließlich zahlreiche soziale Aufgaben. So setzte er 1851 die erste, in London stattfindende, Weltausstellung mit durch. Er trieb den Bau des dort befindlichen Crystal Palace voran, förderte die Industrialisierung der Landwirtschaft und versuchte die Wohnverhältnisse der britischen Arbeiter durch höhere Hygiene-Standards zu verbessern. Seine weiteren Leidenschaften waren das Komponieren und die Gartenarchitektur. 1847 wählte ihn die Universität Cambridge zum Kanzler, 1860 nahm ihn die Gelehrtenakademie Leopoldina als Mitglied auf. Ab 1857 trug er den Titel „Prinzgemahl“. Albert starb am 14. Dezember 1861 im Alter von 42 Jahren in Windsor Castle vermutlich an Magenkrebs.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#3 von Christian , 06.08.2019 10:02

Queen Victoria
Als einziges Kind Herzog Edwards von Kent (1767-1820) und seiner Ehefrau Victorie (1786-1861) kam Victoria am 24. Mai 1819 im Kensington Palace in London zur Welt. Die Ehe der Eltern arrangierte Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1790-1865), der spätere König der Belgier und Bruder Victories. Die Heirat stand unter dem Eindruck des drohenden Aussterbens des britischen Königshauses. Umso glücklicher war man nach der Geburt der kleinen Prinzessin. Ihre Erziehung übernahm die Baronin Louise Lehzen (1784-1870). Eine zielgerichtete Vorbereitung auf ihre Aufgabe bekam Victoria allerdings nicht. Lediglich von Onkel Leopold erhielt sie hier Unterstützung. Kurz nach ihrem 18. Geburtstag starb ihr Onkel, König William IV. (1765-1837) kinderlos. Victoria wurde damit Oberhaupt eines Weltreiches. 1840 heiratete sie, auf Vermittlung von Leopold, ihren Vetter Albert.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#4 von Christian , 07.08.2019 07:52

Während Victorias Regentschaft erreichte das Britische Empire den Höhepunkt seiner politischen und ökonomischen Macht. Die Ober- und Mittelschichten erlebten eine beispiellose wirtschaftliche Blüte. Später bezeichnete man diese Epoche als „Viktorianisches Zeitalter“. Prägend für ihre Herrschaft waren der Einfluss ihres Mannes Albert, mit dem sie 9 Kinder hatte, und ihr fast vollständiger Rückzug ins Privatleben nach dessen Tod. Bei den wenigen öffentlichen Auftritten zeigte sie sich fortan nur noch in schwarzer Kleidung, als Zeichen der Trauer. Als konstitutionelle Königin war sie dennoch eigenwillig und selbstbewusst. 1877 wurde sie zur Kaiserin von Indien proklamiert. Victoria starb nach einer Regierungszeit von 63 Jahren, 7 Monaten und 2 Tagen am 22. Januar 1901 in Osborne House auf der Isle of Wight im Alter von 81 Jahren. Die heutige Königin, Elisabeth II., ist ihre Ur-Urenkelin.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#5 von Christian , 08.08.2019 09:51

Zum geschichtlichen Kontext, in welchem Albert und Victoria lebten:

Zeitgeschichtlicher Kontext
Die Regentschaft Victorias fand in einer Epoche tiefgreifender und dauerhafter Veränderungen statt. Vor allem die ökonomischen und sozialen Verhältnisse waren im anbrechenden Industriezeitalter einem Wandel unterworfen. So änderten sich Arbeitsbedingungen und Lebensumstände der Menschen. Diese Ära begann nach 1750 und erreichte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Zentrum der Industrialisierung war England. Von dort breitete sie sich über ganz Europa, Nordamerika und weiten Teilen Asiens aus. Dies führte zum Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Es entstanden dabei neue Gesellschaftsschichten wie der kapitalistische Unternehmer, die wohlhabende bürgerliche Mittelschicht und der lohnabhängige Arbeiter. Auch gab es neue Möglichkeiten der Fortbewegung. Symbolisch standen Dampfmaschinen, Eisenbahnen und Fabrikanlagen für diese neue Zeit.
Die Industrialisierung führte zu einer beschleunigten Entwicklung neuer Technologien, einer höheren Produktivität und einer enormen Wissenserweiterung. Es entstanden neue Arbeitsplätze. Die Menschen drangen in die Städte, die eine unglaubliche Ausdehnung erlebten. Daneben stiegen die Bevölkerungszahlen rasch an, was mit der Zuspitzung sozialer Missstände einherging. Diese drückten sich in Massenarmut und katastrophale Wohnverhältnissen aus. Durch soziale Reformen gelang es, die Probleme zu lösen. In Deutschland begann die Industrialisierung ab den 1830er Jahren. Ihr folgte ab 1873 eine Hochindustrialisierungsphase, die bis 1914 anhielt. Leitbranchen waren hier die Montanindustrie und der Eisenbahnbau; in Großbritannien hingegen die Textilbranche. Zudem konzentrierte sich die Industrialisierung in Deutschland nur auf einige regionale Schwerpunkte wie dem Ruhrgebiet oder Sachsen.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#6 von Christian , 09.08.2019 09:08

Wer sich das Albert-Denkmal auf dem Coburger Marktplatz sich genauer betrachtet, wird den Plan des Crystal-Palace entdecken, den Albert scheinbar in der Hand hält. Was hat es mit diesem "Palast" auf sich?

Der Crystal Palace (deutsch Kristallpalast) war ein vom britischen Architekten Joseph Paxton eigens für die erste Weltausstellung 1851 in London entworfenes Ausstellungsgebäude. Es stand ursprünglich im Hyde Park. Nach dem Ende der Weltausstellung versetzte man es in den heutigen Londoner Stadtteil Crystal Palace, wo das Gebäude 1854 wiedereröffnet wurde. 1936 fiel das Gebäude einem Großbrand zum Opfer. Die Architektur galt damals als revolutionär. Aus heutiger Sicht stellt der Crystal Palace einen Meilenstein in der modernen Baukunst dar und symbolisiert damit die Industrialisierung des Bauens an sich. Hier wurden erstmals neue Baumaterialien wie Glas, Eisen und Stahl verwendet. Ein neuer Gebäudetypus entstand, dessen Architektur erst nach 1945 bis in unsere Zeit hinein zur vollen Entfaltung kam. Folgende Innovationen kam beim Bau des Crystal Palace nun zur Anwendung:
Paxtons Planungen sahen ein Gebäude im damals typischen viktorianischen Baustil vor, welches ganz aus Glas und Gusseisen bestehen sollte. Als Vorbild dienten hier Glas- bzw. Gewächshäuser. Der britische Bauingenieur Charles Fox (1810-1874) errichtete das Bauwerk in nur 17 Wochen. Er wendete dabei erstmals die Modulbauweise an. Vorgefertigte Eisenteile und Glassegmente führte man dabei wie in einem Baukastensystem zusammen. Der Crystal Palace konnte damit beliebig erweitert werden. Als Grundeinheit des Palastes dienten Quadrate mit einer Seitenlänge von ca. 7,3 Metern. Die Grundfläche des Gebäudes wies 77 x 17 solcher Einheiten auf. Daran orientierte sich auch die Aufteilung der Ausstellungsräume. Sie setzten sich aus einem Vielfachen dieser Grundeinheiten zusammen. Insgesamt besaß der Palast eine Größe von ca. 615 x 150 Metern und wies damit eine Gesamtfläche von rd. 93.000 m² auf.

Bilder zu diesem Gebäude finden sich hier:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Categ...Park?uselang=de


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#7 von Christian , 10.08.2019 08:55

Erst die technischen Innovationen der Industrialisierung und die Fortschritte in der Eisenproduktion machten den Bau des Kristallpalasts überhaupt möglich. Es bedurfte nämlich dafür eine große Menge an Baumaterialien, die nur industriell hergestellt werden konnten. Insgesamt verbaute man 400 Tonnen Glas, 3300 schmiedeeiserne Säulen und 2224 Stahlträger. Die Konstruktion bestand aus Eisenträgern. Dies ermöglichte den vollständigen Verzicht auf ein tragendes Mauerwerk, sodass stattdessen großflächige Glasfenster Verwendung fanden. Dieses wiederum beeinflusste die Ausstrahlung und Raumatmosphäre des Gebäudes, was die damaligen Besucher positiv aufnahmen. Ursprünglich plante Paxton aber den Bau eines Flachdachs. Er entschied sich aber für die Errichtung eines Tonnengewölbes, um einige alte Ulmen, die auf dem Gelände standen, vor der Abholzung zu retten. Sie wurden in den Bau integriert.

Die Resonanz auf den Crystal Palace war enorm. Noch während der Weltausstellung stieg die Nachfrage nach Abbildungen des Gebäudes. Farbige Illustrationen und die Aufnahmen des britischen Fotografen Philip Henry Delamotte (1820-1889) erfreuten sich auf Ansichtskarten, die man in Massen herstellte, großer Beliebtheit. Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verwendete das Gebäude als Hintergrund für sein Gemälde „The First of May 1851“. Auf diesem Bild blickt Prinz Albert auf den Crystal Palace, während sein Sohn Arthur zu seinem ersten Geburtstag ein Geschenk von seinem Paten, dem Duke of Wellington überreicht bekommt. Eine architektonische Rezeption erfuhr das Gebäude 1854 mit der Errichtung des Münchner Glaspalastes. König Maximilian II. von Bayern (1811-1864) trieb dieses Projekt voran. Der Palast diente ebenfalls als Ausstellungsgebäude, brannte aber 1931 wie sein Vorbild nieder.


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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#8 von Rolf Metzner , 10.08.2019 10:24

Zitat von Christian im Beitrag #7
(1820-1889)
................
Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verwendete das Gebäude als Hintergrund für sein Gemälde „The First of May 1851“. Auf diesem Bild blickt Prinz Albert auf den Crystal Palace, während sein Sohn Arthur zu seinem ersten Geburtstag ein Geschenk von seinem Paten, dem Duke of Wellington überreicht bekommt.
..............



Winterhalter, the first of may 1851.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

 
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RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#9 von Christian , 12.08.2019 08:39

Die Heirat Alberts beflügelte auch einen Wissens- und Kulturtransfer zwischen Großbritannien und dem Herzogtum Coburg. Hier einige Beispiele:

In Großbritannien gelang es durch den technischen Fortschritt, Ziegelsteine günstig und in hohen Mengen herzustellen. Schnell erfuhr der Ziegel großer Beliebtheit und prägte die englische Architektur. Nach der Heirat Prinz Alberts hielt dieser Baustil Einzug in Coburg. Dies belegt der Bau eines Cottage (= kleineres englisches Landhaus) 1844/45 bei Schloss Callenberg. Dieses wurde als Staffage errichtet, um den malerischen Eindruck des englischen Parks zu unterstreichen. Die Herzogsfamilie war hier ihrer Zeit voraus, setzte sich doch der Ziegel erst ab 1866 als günstiger Baustoff in Coburg durch.

329535-1350315831.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Foto: Francis Bedford, 1857


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zuletzt bearbeitet 12.08.2019 | Top

RE: Prinz Albert & Queen Victoria

#10 von Christian , 13.08.2019 08:30

Queen Victoria beauftragte 1857 den Londoner Fotografen Francis Bedford (1816-1894) mit der Erstellung eines Fotoalbums. Die 60 Motive zeigten Coburg und die nähere Umgebung und waren ein Geschenk der Königin an Prinz Albert, anlässlich seines 38. Geburtstages. Die Fotografie war erst in den 1830er Jahren entwickelt worden. Ihre Wiege lag in Frankreich. Von dort kam sie über Großbritannien nach Coburg, wo durch Bedford die ersten Aufnahmen der Stadt entstanden waren.

Die Bilder sind hier einzusehen:
g92-Coburg-Fotografien-von-Francis-Bedford.html


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zuletzt bearbeitet 13.08.2019 | Top

   

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