Oskar Straßburger – Kaufmann zwischen Sonneberg, Coburg und New York
Der Kaufmann und Unternehmer Oskar Straßburger wurde am 29. Januar 1829 geboren und entstammte einer Sonneberger Unternehmerfamilie, die eng mit der dortigen Spielwarenproduktion verbunden war. Über seine Mutter Julie Straßburger, geborene Müller, gehörte er zum Umfeld der Familie Müller, die bereits früh in der Herstellung von Papiermaché-Puppen und Spielwaren tätig war.
Im März 1848 wanderte Oskar Straßburger gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm von Sonneberg nach Nordamerika aus. Dort knüpfte er geschäftliche Kontakte und erschloss insbesondere den amerikanischen Markt. Seine Verbindung zur Heimatregion blieb jedoch bestehen. Spätestens in den 1860er Jahren ist Straßburger wieder in Deutschland nachweisbar.
Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm gründete er 1860 in Sonneberg die Porzellanfabrik Wilhelm Straßburger & Co. Das Unternehmen stellte unter anderem Gebrauchsporzellan, Krüge, Vasen und weitere Waren her. Ein wesentlicher Teil der Produktion war für den nordamerikanischen Markt bestimmt. Der Amerikanische Bürgerkrieg führte jedoch zu erheblichen Absatzproblemen, sodass die Fabrik bereits 1864 Konkurs anmelden musste.
In den folgenden Jahren lässt sich Oskar Straßburger besonders eng mit Coburg verbinden. 1867 ließ er in der heutigen Festungsstraße 4 eine repräsentative Villa errichten. Wenig später besaß er außerdem weitere Grundstücke beziehungsweise Anwesen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Besonders aussagekräftig ist eine Urkunde von 1869, in der er ausdrücklich als „Oscar Straßburger in Coburg“ bezeichnet wird. Dies spricht dafür, dass Straßburger zu dieser Zeit tatsächlich in Coburg lebte oder dort zumindest einen festen Wohnsitz unterhielt.
Gleichzeitig blieb er wirtschaftlich mit Nordamerika verbunden. Unter seinem Namen bestand in New York die Firma Oscar Strasburger & Co., die mit Spielwaren, Porzellan, Galanteriewaren und weiteren Konsumgütern handelte. Das Unternehmen gehörte zu jenen Handelshäusern, die deutsche und europäische Waren auf dem amerikanischen Markt vertrieben. Ein umfangreicher Firmenkatalog aus dem Jahr 1880 dokumentiert das breite Sortiment des Unternehmens. Die Existenz dieser New Yorker Firma bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Straßburger selbst dauerhaft wieder in den Vereinigten Staaten lebte. Sein genauer Lebensmittelpunkt in den späteren Jahrzehnten ist bislang nicht abschließend geklärt.
In den frühen 1880er Jahren gerieten Straßburgers wirtschaftliche Verhältnisse zunehmend unter Druck. Mitte des Jahrzehnts wurden seine geschäftlichen Aktivitäten teilweise aufgegeben beziehungsweise abgewickelt; auch sein Coburger Grundbesitz wechselte den Eigentümer.
Oskar Straßburger starb am 28. Oktober 1887 im Alter von 58 Jahren. Seine Biografie steht beispielhaft für die internationale Vernetzung der Sonneberger Wirtschaft im 19. Jahrhundert. Als Kaufmann und Unternehmer verband er Sonneberg, Coburg und den nordamerikanischen Markt miteinander. Dabei war Coburg spätestens seit den späten 1860er Jahren ein wichtiger persönlicher und wirtschaftlicher Bezugspunkt, während New York vor allem für seine internationalen Handelsgeschäfte von Bedeutung blieb