Der Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Friedrich Ludwig Heinrich Haase wurde am 1. November 1825 in Berlin geboren und starb dort am 17. März 1911. Sein Vater stand als Kammerdiener im Dienst des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der zugleich Haases Taufpate war und seine Hinwendung zum Theater förderte. Eine wichtige Grundlage seiner künstlerischen Ausbildung erhielt Haase bei dem Dichter und Shakespeare-Kenner Ludwig Tieck. Nach seinem Bühnendebüt 1845 führte ihn seine Laufbahn über Weimar, Potsdam, Berlin, Prag, Karlsruhe, München, Frankfurt am Main und St. Petersburg. Schon vor seiner Coburger Zeit hatte er sich damit als einer der angesehensten deutschsprachigen Charakterdarsteller seiner Generation etabliert.
1866 kam Haase an das herzogliche Hoftheater nach Coburg, zunächst als Schauspieler und Regisseur. In der Vestestadt errichtete er auch eine Villa am Festungsberg. Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der selbst ein ausgeprägtes Interesse an Musik und Theater besaß, hatte damit einen bereits international renommierten Künstler an seine Hofbühne geholt. In der Spielzeit 1867/68 nahm Haase die Funktion des künstlerischen Direktors des Hoftheaters wahr. Die eigentlichen Verwaltungsaufgaben waren davon getrennt, sodass seine Stellung eher der künstlerischen Leitung als einer Intendanz im heutigen Sinne entsprach.
Besondere Bedeutung gewann seine Coburger Tätigkeit durch seine Beschäftigung mit William Shakespeare. Haase inszenierte hier unter anderem Hamlet nach dem Vorbild moderner englischer Shakespeare-Aufführungen, insbesondere der Inszenierungspraxis Charles Keans. Die Aufführung zeichnete sich durch eine stärkere historische und szenische Geschlossenheit aus und gilt als eine wichtige Anregung für die wenig später europaweit bekannt gewordene Inszenierungspraxis des Meininger Hoftheaters. Damit nahm das Coburger Hoftheater unter Haase für kurze Zeit eine bemerkenswerte Stellung in der Entwicklung der deutschen Schauspielregie ein.
Haase blieb jedoch nur kurze Zeit dauerhaft in Coburg. Nach Aufgabe seines Engagements wandte er sich wieder verstärkt Gastspielen zu und reiste 1869 erstmals in die Vereinigten Staaten. Von 1870 bis 1876 leitete er das Leipziger Stadttheater. Später gehörte er zu den Mitbegründern des 1883 eröffneten Deutschen Theaters in Berlin. Bis in die 1890er Jahre blieb Haase als Schauspieler tätig und zählte mit seiner differenzierten Darstellungskunst, seinem ausgeprägten Mienenspiel und der Verkörperung vornehmer und charakterlich vielschichtiger Figuren zu den bekanntesten deutschen Bühnendarstellern des 19. Jahrhunderts. Seine Erinnerungen veröffentlichte er 1897 unter dem Titel Was ich erlebte. 1846–1896.
Für die Coburger Theatergeschichte ist Friedrich Haase vor allem deshalb von Bedeutung, weil mit ihm unter Herzog Ernst II. für kurze Zeit ein Künstler von internationalem Rang die künstlerische Leitung des Hoftheaters übernahm und mit seiner Shakespeare-Pflege neue Impulse für eine historisch und szenisch durchdachte Schauspielinszenierung setzte.