Die ehemalige Villa Festungsstraße 7, die vor allem unter der Bezeichnung „Zum Sonnenreiter“ in Erinnerung geblieben ist, gehörte zu den frühen Villenbauten am Coburger Festungsberg. Das Viertel entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem bevorzugten Wohngebiet in unmittelbarer Nachbarschaft von Hofgarten und Veste. Entlang der Festungsstraße entstanden seit den 1860er Jahren repräsentative Wohnhäuser, die mit neugotischen, spätklassizistischen und später historistischen sowie jugendstilzeitlichen Formen das Erscheinungsbild des Hanges prägten. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bewertet das Villenviertel Festungsberg heute als Ensemble, an dem sich die architektonische Entwicklung mehrerer Jahrzehnte besonders anschaulich ablesen lässt.
Eine lokalhistorisch überlieferte Besitzerfolge setzt für das Grundstück Festungsstraße 7 im Jahr 1860 ein. Damals ließ Sophie von Meyern-Hohenberg hier eine Villa errichten. 1888 wird Auguste von Meyern-Hohenberg als Besitzerin genannt, 1890 folgte die Privatiere Liddy Liebscher. Nach deren Tod beziehungsweise dem Übergang an die Erbengemeinschaft Liebscher gelangte das Anwesen 1904 an Prof. Dr. med. Max Breitung. Für 1919 ist dessen Witwe Auguste Breitung und für 1955 Dr. Carl Friedrich aus München-Bogenhausen als Eigentümer genannt.
Besonders die Zeit Max Breitungs dürfte für die spätere Gestalt und Identität des Hauses von Bedeutung gewesen sein. Max August Friedrich Breitung (1852–1921) war Mediziner, insbesondere auf den Gebieten der Ohren- und Kehlkopfheilkunde tätig, und veröffentlichte zahlreiche medizinische Arbeiten. Daneben trat er unter dem Schriftstellernamen Meo Breo als Lustspiel- und Bühnenautor hervor. Er führte den Titel eines Geheimen Medizinalrats und Professors und starb 1921 in Coburg.
Die ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa wurde im Laufe ihrer Geschichte verändert und zeigte zuletzt eine eingeschossige, barockisierende Gestaltung. Ihr unverwechselbares Kennzeichen befand sich im Zwerchgiebel der zur Straße gerichteten Fassade: Dort wurde 1908 ein aufwendig gearbeitetes Mosaik mit dem sogenannten „Sonnenreiter“ angebracht. Der Künstler ist bislang nicht bekannt. Das filigrane Bildfeld zeigte einen lanzentragenden Reiter vor einer halbkreisförmigen Sonnenscheibe. In der Denkmalliteratur wird die Gestaltung in die Nähe der Beuroner Kunst gerückt. Gerade die Verbindung von Architektur und großflächigem figürlichem Mosaik war für Coburger Wohnhäuser ungewöhnlich und verlieh dem Anwesen seine besondere Identität.
Von diesem Mosaik leitete sich schließlich die Bezeichnung „Zum Sonnenreiter“ ab. Der Reiter war nicht lediglich ein dekoratives Detail, sondern wirkte wie ein Hauszeichen. Das Motiv verband Bewegung, Licht und eine beinahe symbolistische Bildsprache. Entstanden in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, steht es stilistisch an der Schnittstelle zwischen spätem Historismus, Jugendstil und einer damals verbreiteten Wiederentdeckung monumentaler, religiös oder symbolistisch geprägter Wandkunst. Die Zuschreibung zur Beuroner Kunst bezieht sich insbesondere auf die stark flächenhafte, lineare und bewusst stilisierte Darstellung des Motivs.
Zur künstlerischen Ausstattung des Gartens gehörte noch ein zweites bemerkenswertes Werk. 1910 entstand eine Stele beziehungsweise ein kannelierter Säulenschaft mit einer bronzenen, eine Kugel tragenden Puttengruppe. Die aktuelle Denkmalliste schreibt diese Arbeit W. Menzel zu. Damit besaß das Anwesen neben dem Sonnenreiter einen weiteren qualitätvollen plastischen Akzent, der den repräsentativen Charakter des Villengartens unterstrich.
Das Schicksal der Villa steht zugleich exemplarisch für einen problematischen Abschnitt der Coburger Stadtentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. 1975 wurde das historische Gebäude abgebrochen und durch einen modernen Bungalow ersetzt. Damit ging eines der charakteristischen älteren Wohnhäuser des Festungsberges verloren. Bemerkenswert ist jedoch, dass man zumindest Teile der künstlerischen Ausstattung bewahrte. Das Sonnenreiter-Mosaik wurde beim Abbruch gerettet und nach der Denkmaldokumentation zunächst an der Gartenveranda des Neubaus angebracht. Auch die Stele mit der bronzenen Puttengruppe blieb erhalten.
Hier das Mosaik "Zum Sonnenreiter" der ursprünglichen Villa "Festungsstraße 7" (Foto von Herrn Brückner):
Festungsstraße 7, Mosaik Zum Sonnenreiter.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Hier noch zwei historisches Fotos der Villa "Festungsstraße 7" mit dem Mosaik "Zum Sonnenreiter" im Giebel und der Puttenfigur mit Kugel:
Festungsstraße 7 mit Mosaik Zum Sonnenreiter und der Puttengruppe mit Kugel.png - Bild entfernt (keine Rechte)Festungssraße 7, ursprüngliche Villa mit Mosaik Zum Sonnenreiter.png - Bild entfernt (keine Rechte)