Die Eröffnung der Werrabahn vor 150 Jahren Schon sechs Jahre nach dem Bau der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth, tauchten im Jahre 1838 Pläne auf, auch eine Bahn zu bauen, die den Süden mit dem Norden Deutschlands verbinden sollte. Dafür waren schon Aktien gezeichnet worden. Aber die verschiedenen Kleinstaaten, durch deren Gebiet die Bahn geführt werden sollte, konnten sich nicht einigen, so dass die Einlagen wieder zurückgezahlt werden mussten. Eine Nord-Süd-Verbindung über Hof oder eine durch das Werratal standen zur Diskussion. Zu den Männern, die sich für eine Werraeisenbahn im Interesse der Industrie in Südthüringen einsetzten, gehörte der Verlagsbuchhändler, Industrielle und Publizist Joseph Mayer aus Hildburghausen, der Begründer des Leipziger Bibliographischen Instituts. Schließlich wurde durch einen Staatsvertrag zwischen Bayern, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Coburg und Gotha im Juni 1845 der Bau einer künftigen Werrabahn von Lichtenfels über Coburg nach Eisenach gesichert. Von den geplanten 151 Kilometern führten über 100 durch das Werratal, daher der Name der Eisenbahnstrecke. Erst 1855 hatte man die zunächst notwendigen fünf Millionen Taler beisammen, so dass mit dem Bau Anfang Februar 1856 begonnen werden konnte. Dem ersten Verwaltungsrat der Werraeisenbahn AG gehörten von Coburg an der Oberbürgermeister Leopold Oberländer, der Kaufmann Forkel und der Justizrat Riemann. Die Hauptaktionäre waren der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Städte Coburg und Sonneberg sowie drei thüringischen Kleinstaaten Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Coburg und Gotha. Drei Jahre nach dem ersten Spatenstich wurde die Gesamtstrecke von Eisenach bis Lichtenfels am 25. Januar 1859 eröffnet, nachdem der größere Abschnitt Eisenach-Coburg bereits am 2. November 1858 dem Verkehr übergeben worden war und eine Probefahrt von Lichtenfels nach Coburg am 2. Dezember 1858 stattgefunden hatte. Die gesamte Bahn hatte 8,25 Millionen Taler gekostet. Zu den ursprünglich gezeichneten fünf Millionen Talern mussten noch 3,5 Millionen beschafft werden. Umgerechnet in Euro betrugen die Gesamtkosen ca. 450 Millionen Euro, wobei die Staaten Weimar, Coburg und Meiningen noch Zuschüsse leisten mussten. Die Werraeisenbahn besaß 1862/63 an die 24 Lokomotiven mit ebensoviel Tendern, 40 Personenwagen, zwölf Gepäckwagen, 100 bedeckte Güterwagen, 180 offene, drei Pferdestandwagen, zwölf Langholzwagen und 20 Kieswagen. Uns Coburger dürfte interessieren, dass es lange Zeit einen Bahnhof in Creidlitz gar nicht gab, dafür einen Haltepunkt in Niederfüllbach. Auch Grub am Forst musste lange auf einen eigenen Bahnhof warten. Wie verkehrsgünstig die Werraeisenbahn für die Coburger früher war, geht daraus hervor, dass man von Coburg aus den Eisenbahnknotenpunkt Bebra in Hessen damals in 3,5 Stunden erreichen konnte. Man benutzte den über Coburg aus den böhmischen Bädern fahrenden D-Zug mit Kurswagen zum Ruhrgebiet und zu den Hansestädten und gelangte, ohne umsteigen zu müssen, nach Bebra. Die heutige Bahnfahrt von Coburg über Bamberg und Würzburg nach Bebra ist 100 Kilometer länger. Dazu kommt noch das man mindestens zweimal umsteigen müsste. Diese verkehrsungünstige Verbindung nach dem Norden müssen wir seit 1945 in Kauf nehmen. Es gibt seitdem keine Werraeisenbahn von Lichtenfels bis Eisenach mehr. Der durchgehende Zugverkehr ist eingestellt worden und 1947 wurden die Gleise von Görsdorf bis Eisfeld für die Russen demontiert. Von Coburg aus fuhren bis zur Station Görsdorf, die im Gegensatz zum Dorf gleichen Namens, auf bayerischem Gebiet lag, bis 1949 Personenzüge, wobei diese auch auf der nach dem Kriege neu errichteten Behelfsstation Oberlauter hielten. Nur einmal noch fuhr 27 Jahre später ein Zug nach Görsdorf und wieder zurück. Das war am 9. August 1976 als die ehemaligen Eisenbahner der Werrabahn einen Abschiedszug fahren ließen. Kurz darauf wurden die Gleise abgebaut. Nur die alte Trasse ist noch sichtbar und dient heute als Wanderweg. Für Coburg war die Werrabahn aus heutiger Sicht von herausragender Bedeutung, denn mit ihr kam die Industrie in die Vestestadt und ins Coburger Land. So sind die Folgen dieser Bahnstreckeneröffnung aus dem Jahre 1858 noch heute für jedermann deutlich zu erkennen.
Bildquellen: Fotosammlung Stadtarchiv Coburg
Links und Mitte: Der Bahnhof der Stadt Coburg um 1860. Rechts: Erster Fahrplan um 1859
Hallo, da ich Anfang Februar einen Artikel hier über das Jahrhunderthochwasser von 1909 hier einstellen möchte, habe ich hier schonmal einen Vorgeschmack. Einen Film vom Weihnachtshochwasser 1967 (Kommentar und Kamera Walter Dorn)
Zu den Kuriositäten der Werrabahn gehörte u.a., daß in den ersten Jahren im Bahnhof Eisenach das Rangieren nicht durch eine Lokomotive, sondern durch ein Pferdegespann vorgenommen wurde. Wenn ein Zug eintraf oder abfuhr, begab sich in Eisenach wie in allen großen Bahnhöfen ein Eisenbahner in die Bahnhofshalle und läutete mit einer großen Glocke Ankunft oder Abfahrt des Zuges aus.
Anfänglich konnten die Fenster der Waggons nicht geöffnet werden. Zur Entlüftung befanden sich hölzerne Schieber über den Fenstern. Wenn es dunkel wurde, erhellten Öllampen mangelhaft die Abteile. Im Winter war es ungemütlich kalt in den Waggons. Man half sich dadurch, daß in die Abteile I. und II. Klasse gewärmte Schamottesteine geschoben wurden, in die anderen Kisten mit heißgemachtem Sand.
Fahrpreisermäßigungen, Wochen- und Monatskarten usw., gab es damals noch nicht, lediglich verbilligte Fahrkarten für Soldaten und Auswanderer. Zu jener Zeit war allgemein die Zahl der Auswanderer, vor allem in die USA, sehr hoch. Die Werrabahn gewährte Auswanderern auf der Fahrt nach Bremen und Hamburg auf ihrer Eisenbahnlinie nicht nur verbilligte Fahrkarten, so bezahlten Kinder nur die Hälfte, sondern gestattete auch die freie Mitnahme von 100 Pfund (= 50 kg) Gepäck für Erwachsene und 50 Pfund (= 25 kg) Gepäck für Kinder.
Die Toilettenverhältnisse waren recht schwierig. So beschwerte sich ein Reisender aus Hamburg im Jahre 1860 bei der Werrabahn darüber, daß das WC sich nur im Packwagen befinde. Er habe auf einer Zwischenstation seinen Wagen verlassen müssen und als er zum Packwagen gekommen sei, seien vor dem dortigen WC viele Passagiere bereits gestanden, so daß er bis zur nächsten Zwischenstation habe warten müssen.
Die Coburger Eisenbahner wurden in Lichtenfels "die Preußen" genannt, und zwar von der Zeit ab, als die Strecke Lichtenfels-Eisenach zur königlich-preußischen Eisenbahndirektion Erfurt und Lichtenfels selbst zur königlich-bayerischen Eisenbahndirektion Nürnberg gehörten. Die preußischen Lokomotiven hatten rot angestrichene Räder, die bayerischen Lokomotiven besaßen einen grasgrünen Anstrich und wurden deshalb spöttisch "Grashupfer" genannt. Die Eisenbahner besaßen zu jener Zeit viel Humor. Die Dampflokomotiven hatten allerei Spottnamen, so "Schnarchtante" und "Schnaufliese".
Im Bahnhof Lichtenfels unterhielt die Werrabahn eine eigene "Zoll-Lokalität". Diese Zollstelle wurde bei der Reichsgründung 1871 augehoben.
Die Spielplan des Coburger Landestheaters richtete sich in früheren Zeiten an den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Werrabahn am Coburger Bahnhof. Als einmal eine Vorstellung zu lange ging, befohl Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, dass der Zug am Bahnhof so lange warten müsse, bis die Vorstellung zu Ende ist und die Theaterbesucher gemütlich ihre Eisenbahn erreichen können.
18.02.2009 (MITTWOCH) Führung durch die Ausstellung "150 Jahre Werrabahn" Ort: Staatsarchiv in der Herrngasse Zeit: 18.00 Uhr Dozent: Rupert Appeltshauser / Dr. Hubertus Habel
27.03.2009 (FREITAG) Vortrag (Teil 1): Wem die Viertelstunde schlägt - Zeitmessung und Verkündigung in Coburg seit dem Mittelalter Ort: Münchner Hofbräu, Kleiner Saal Zeit: 18.00 Uhr Dozent: Dr. Hubertus Habel
03.04.2009 (FREITAG) Vortrag (Teil 2): Führung im Moritzturm "Wem die Viertelstunde schlägt" Ort: Moritzkirche, Eingangsbereich Zeit: 18.00 Uhr Dozent: Dr. Hubertus Habel
24.04.2009 (FREITAG) Vorführung eines bislang unbekannten Filmes über die Veste in den 1950er Jahren Anmerkung: Der Termin entfällt am 30.01.2009 Ort: Pfarrzentrum St. Augustin Zeit: 18.00 Uhr Dozent: Jürgen-A. Brückner
Jahrhunderthochwasser in Coburg Anfang Februar 1909 wurde Coburg und das Coburger Land von einer schweren Jahrhundertflut heimgesucht. Plötzlich steigende Temperaturen, gepaart mit starken Regenfällen, ließen den Schnee im Thüringer Wald rasch schmelzen. Wie stark der Regen war, zeigt diese Aussage eines Coburgers: „Durch das plötzlich einsetzende Tauwetter und den anhaltenden Regen war heute morgen die Straße Pilgramsroth in einen tosenden wilden Gebirgsbach verwandelt.“ Flüsse und Bäche konnten die Wassermassen von Regen und Schnee nicht aufnehmen. So schwoll ab dem 4. Februar der Wasserstand der Itz und seiner Nebenflüsse stark an. Um zwölf Uhr mittags maß man an der Mohrenbrücke einen Pegelstand der Itz von 2,40 Metern (normal 0,40 Meter). Drei Stunden später erreichte er bereits 3,40 Meter an gleicher Stelle. Die Stadtverwaltung rief noch am gleichen Tag Katastrophenalarm aus. Als erste Maßnahme wurde der Unterricht an allen Coburger Schulen abgebrochen und die Schüler nach Hause geschickt, da man befürchtete, dass die Kinder durch die Flut nicht mehr nach Hause gelangen könnten. Zeitgleich erfolgte die polizeiliche Sperrung aller Coburger Itzbrücken, mit Ausnahme der Ketschenbrücke (heutige Schlachthofbrücke), wegen akuter Einsturzgefahr. Doch es sollte noch Schlimmeres bevorstehen. Bereits um zehn Uhr abends konnte der Verkehr zum Bahnhof nicht mehr aufrechterhalten werden, da zu diesem Zeitpunkt das Wasser am Bahnhofsplatz bereits 1,20 Meter hoch stand. So blieb den Bahnreisenden von außerhalb nichts anderes übrig, als im Bahnhofsgebäude auf eine Verbesserung der Lage zu warten. Um nicht im Bahnhof übernachten zu müssen, errichtete die Pionierabteilung des hier in Coburg stationierten 6. Thüringer Infanterie-Regiments Nr. 95, zwei Notbrücken zum Bahnhofshotel und zum Hotel „Reichsgraf“. Beide Häuser boten den Reisenden eine Unterkunft für die Nacht. Am 5. Februar, um ein Uhr morgens, erreichte der Pegelstand an der Heiligkreuzbrücke mit 4, 15 Metern seinen Höhepunkt. Was das Wasser allerdings anrichtete sah die Bevölkerung erst am nächsten Morgen. In den Häusern der Bahnhof-, Kreuzwehr-, Löwen-, Heiligkreuz- und Mohrenstraße (bis zum heutigen Kaufhof) war das Wasser in das Erdgeschoss eingetreten und hatte Ladengeschäfte, Büros und Wohnungen zerstört. Das gleiche Schicksal erlebten die Bewohner der Seifartshof- und Viktoriastraße, sowie der unteren Judengasse, des Zinkenwehrs und des Ernstplatzes. Teilweise von der Flut heimgesucht wurden die Mühl- und Walkmühlgasse. Die Freiwillige Feuerwehr war pausenlos im Einsatz, vollgelaufene Keller leer zu pumpen und größeren Schaden zu verhindern. Unterstützt wurde sie von der Sanitätskolonne Coburg und Mitgliedern der Coburger Stadtverwaltung. Umso erleichterter war man als im Laufe des Tages das Hochwasser langsam zurückging. Nichtsdestotrotz war der Postverkehr weiterhin erheblich gestört und alle Coburger Schulen geschlossen. Teilweise waren auch die Schulgebäude (beispielweise die Heiligkreuz- und Rückertschule) den Fluten zum Opfer gefallen. Der 6. Februar brachte bereits eine große Entwarnung. So schnell das Hochwasser kam, so schnell ging es wieder zurück und so konnten viele überflutete Straßen wieder passiert werden. Auch der Schulunterricht konnte, mit Ausnahme des Unterrichts an der Heiligkreuz- und Rückertschule, wieder aufgenommen werden. Insgesamt wurde in der Folgezeit zwar zahlreiche Schäden an Brücken und Gebäuden festgestellt, doch Menschen kamen durch diese Naturkatastrophe nicht zu schaden. Die Auswirkungen auf den Landkreis waren wie folgt:
Ketschendorf. Durch die Überflutung der Itz und des Rückstaus des Ketschenbaches kam es zur Überflutung des westlichen Ortsteils im Bereich des heutigen Postwegs und der Wassergasse. Vieh und Anwohner mussten evakuiert werden. Die Hauptverkehrsstraße von Coburg nach Bamberg (heutige Ketschendorfer Straße) konnte durch den Bau einer Notbrücke vor einer Überflutung bewahrt werden. Die Itzbrücke nach Ahorn stürzte infolge der Wassermassen teilweise ein.
Neuses bei Coburg: Der Ort war mehrere Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Südöstlich des Ortes (Höhe Rodacher Straße) entstand ein See, welcher bis nach Coburg, an den Kanonenweg reichte.
Cortendorf: Durch die starke Strömung wurde die Brücke hinter der Brauerei Scheidmantel (heutige Brücke an der Cortendorfer Straße) weggerissen.
Meschenbach und der Itzgrund: In Meschenbach kam es zur Überflutung des Bahndammes. Der betroffene Bahnverkehr nach Rossach konnte aber aufrecht erhalten werden. Im Itzgrund bildete sich von Coburg bis Rattelsdorf ein großer See, welcher sämtliche Felder, Straßen und Brücken bedeckte.
Neustadt bei Coburg: Die Stadt blieb weitestgehend von der Hochwasserkatastrophe verschont. Lediglich die Wohnhäuser, welche direkt am Fluss Röden angrenzten, standen unter Wasser und wurden beschädigt.
Oeslau und Mönchröden (heutiges Rödental): Das Hochwasser überflutete die Rödenbrücke in Mönchröden, wodurch beide Ortsteile voneinander abgeschnitten waren. Der Bahnhof Oeslau (heute Bahnhof Rödental), die Domäne und die Kirche St. Johannis standen ebenfalls unter Wasser.
Das Rodachgebiet: Das Gebiet zwischen Rodach, Großwalbur und Gauerstadt glich einem großen See. In Großwalbur zerstörte das Hochwasser eine Brücke und überflutete den Bahndamm der Strecke Coburg – Rodach. Der Sachschaden blieb allerdings gering.
Die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1909 war jedoch kein lokales Ereignis. Die Flut hatte große Teile Thüringens, Frankens, Hessens, des Rheinlandes und des Elbegebietes bei Magdeburg heimgesucht. Heute wird die Stadt Coburg durch den Froschgrundsee, und in wenigen Jahren auch vom Goldbergsee bei Neuses, vor großen Hochwassern geschützt.
Vielen dürfte unbekannt sein, dass einst in Coburg ein Stück Automobilgeschichte geschrieben wurde. Gemeint ist jetzt nicht die Firma Brose und deren Erfindung der Zentralverriegelung, sondern es soll in diesem Artikel um ein Unternehmen gehen, welches völlig in Vergessenheit geraten ist. Bei dieser Firma handelt es sich um die Maschinenfabrik Flocken, in der das erste Elektroauto der Welt konstruiert wurde! Vor allem der Firmengründer Andreas Flocken war ein findiger Kopf, der sich durch seine bahnbrechenden Ideen auszeichnete. Alles begann 1880, als Flocken ein Baugrundstück in der Callenberger Straße (heute Haus Nr. 15) erwarb, um dort eine landwirtschaftliche Maschinenbaufabrik errichten zu können, welche bereits ein Jahr später in Betrieb ging. Anscheinend fanden seine Fabrikate einen guten Absatz, denn bereits 1885 vergrößerte er sein Unternehmen. Er kaufte vom Zimmermeister Erhard Göhring eine Dampfsägemühle mit dazugehörigem Wohnhaus im sogenannten Schleifgässchen. Der Gebäudekomplex befand sich genau gegenüber seiner Maschinenbaufabrik und trägt heute die Adresse Callenberger Straße 12 und 14 (gegenwärtig Zoogeschäft Babel). Im Jahre 1888 gliederte er seiner Fabrik eine Abteilung für Elektrotechnik an. Fortan experimentierte er mit Elektrofahrzeugen und versah einen „hochrädigen, eisenbereiften Kutschwagen“ mit einem Elektromotor. Dessen Kraft wurde über Lederriemen auf die Hinderachse übertragen. In der Coburger Zeitung vom 28. September 1888 hieß dazu: „In der Werkstätte für landwirtschaftliche Maschinen des Herrn Flocken hier steht eine Dampf-Chaise in Arbeit. Dieselbe hat dieselbe Spurweite wie jedes andere Gefährt, ist einfacher und practisch construirt und dürfte nach Fertigstellung großes Interesse aller Geschirrbesitzer hervorrufen.“ Diesen Fakten waren jahrelang unbekannt. Erst 2002 veröffentlichte der Autor Halwart Schrader in seinem Buch „Deutsche Autos 1886-1920, Band 1“ die Geschichte des, wie er schreibt „vermutlich ersten Elektromobil der Welt“. Diesem Elektrowagen folgten noch weitere, wovon noch zwei Fotos zeugen. Hier zeigt sich noch eine weitere bedeutende Erfindung Flockens. So befanden sich im Wagen zwei Hebel, mit denen Fahrer und Beifahrer lenken konnten. Diese Hebel waren mit einer Spurstange verbunden. Schlägt man die Internetlexika nach, so stellt man fest, das Flocken auch als der Erfinder der Spurstange vermutet wird. Das Patent soll er später an Henry Ford verkauft haben. Ferner weist Schrader auf die elektrischen Scheinwerfer des Flocken´schen Wagens hin, die er als ein „Novum“ bezeichnet. Die einschlägige Literatur dazu erwähnt, dass im Jahre 1903 der Wagenbau ein Ende gefunden habe. Doch Andreas Flocken hatte sich noch weitere Standbeine geschaffen. 1890 trat er als Mitpächter der städtischen Schleifmühle auf. Diese befand sich in der Nähe seiner Fabrik, auf dem Gelände der heutigen Firma Sagasser, und wurde 1975 abgerissen. Flocken betrieb darin eine Dynamomaschine, die er aber auch selber herstellte. Ab 1895 stellte er vermehrt Anträge an die Stadt Coburg bezüglich des Baus von elektrischen Leitungen u.a. zum nahe gelegenen Bahnhofshotel „Excelsior“. Die Anträge wurden aber zum Teil abgelehnt. Flockens Ziel war es augenscheinlich in den Energiemarkt einzusteigen. Dies scheiterte jedoch als 1898 das Städtische Gaswerk Coburg die Firma Flocken verklagte, da diese ihre hergestellte Energie an Dritte verkaufte. Das Gericht verbot daraufhin dem Unternehmer einen weiteren Verkauf. Vermutlich deshalb wendete sich Flocken einem neuen Geschäftsbereich zu. So kaufte er im Jahre 1900 die Wiesenmühle in Neuses bei Coburg, wo er eine Eisengießerei einrichtete. Die Mühle im heutigen Röstenweg fungiert gegenwärtig als Sägewerk. Als 1903 Andreas Flocken das Anwesen Kreuzwehrstraße 26a kauft und dort einzieht, bekommt das Gebäude sogar als eines der ersten Privathäuser Coburgs einen eigenen Telefonanschluss. Zwei Jahre später wird eine separate Telefonleitung zwischen dem Betrieb und dem Privathaus Flockens gelegt. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs trat Andreas Flocken 1908 in den wohlverdienten Ruhestand und die Leitung des Unternehmens übernahm sein Sohn Robert, der bereits seit 1896 als Mitinhaber fungierte. Robert Flocken war von Beruf Ingenieur und Elektrotechniker und sollte so das Werk seines Vaters fortsetzen. Augenscheinlich gelang ihm das nicht. So wurde 1909 das Sägewerk durch eine Feuersbrunst zerstört und die Anlage danach nicht wieder in Betrieb genommen. Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich schließlich das Unternehmen im Besitz von Alfred Axthelm aus Neustadt bei Coburg, der nur noch die Landmaschinenfabrik weiterführte. Dieses Ende erlebte Andreas Flocken nicht mehr. Er starb am 25. April 1913 in seinem Haus in Neuses bei Coburg, wo er 1908 hingezogen war. Die Firma selbst existierte noch bis Anfang der 1930er Jahre hinein. Im Adressbuch von 1931 hat sich noch eine Werbung erhalten, wo die Firma Flocken den Verkauf von Autos und Motorrädern anpreist. Die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse der 1920er und 1930er Jahre haben wohl auch hier dieses bedeutende Coburger Unternehmen untergehen lassen.
Anmerkung: Flockens Fabrikgebäude in der Callenberger Straße 15 wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, im April 1945, durch Artilleriebeschuss zerstört. Es wurde danach nur noch notdürftig wieder aufgebaut.
Bildquellen: Aktuelle Fotos Christian Boseckert (2008); ansonsten Neue Presse Coburg Bild 1: Andreas Flocken mit Ehefrau auf einem seiner Elektrowagen Bild 2 und 3: Die Firmengebäude der Maschinenfabrik Flocken in der Callenberger Straße Bild 4: Flockens Wohnhaus in der Kreuzwehrstraße
Mit dem neuangelegten „Zuweg zum Bahnhof“, der heutigen Bahnhofstraße, war 1861 die zweite Verbindung des im Jahre 1858 gebauten Coburger Hauptbahnhofes mit der Innenstadt hergestellt. Vorher war die einzige Möglichkeit, zur Stadt zu gelangen, der Weg durch die Lossaustraße, über die Judenbrücke zur Judengasse und dann weiter zum Markt. Es fehlte bis dahin der dritte und direkteste Zubringer zum Bahnhof. Aber schon bald nach 1860 plante man einen solchen. Auf einem Stadtplan aus dieser Zeit ist geradlinig vom Spitaltor bis zur Itz in nordwestlicher Richtung und dann nach West-Süd-West abknickend eine Straße ohne Namen eingezeichnet worden, von der weitere projektierte Wege nach rechts und links im rechten Winkel abbiegen sollten. Doch zunächst blieb es beim Planen, denn das Gelände mit seinen Wiesen, Hecken und Bäumen zwischen der Stadt und der Lossau war im Privatbesitz. Zum einen gehörte das Areal dem Regierungsrat Georg Feder, dessen Hauptbesitz in diesem Gebiet der sogenannte „Federsgarten“ zwischen der Mohrenstraße und der Mühlgasse, war. Zum anderen gehörten dem Lautermüller Georg Roschlau große Teile dieses Areals. Die Lautermühle lag an einem kleinen Seitenarm der Itz, dem man den Lautergraben nannte. Ihren Standort muss man im Einmündungsbereich der Mühlgasse in der Löwenstraße suchen, dort wo heute die Häuser Mühlgasse 12 (ehemals Praxis Dr. von Kamp) und Löwenstraße 17 stehen. Georg Roschlau wollte im Jahre 1873 seinen gesamten Grundbesitz an die Stadt Coburg veräußern. Der Magistrat zögerte zunächst, griff aber dann doch zu, da das umfangreiche Gebiet ideal für eine Bebauung war. Die Stadt zahlte dafür an Georg Roschlau 18.000 Gulden. Ziel war es in erster Linie dort, eine neue Verkehrsanbindung zum Bahnhof zu schaffen. So wurde der Lautergraben 1875 zugeschüttet und die Lautermühle abgerissen, während der Hahnfluss, welcher die spätere Mohrenstraße wie die Itz überquerte, noch fast 100 Jahre munter dahinfließen durfte. Die Kaufverhandlungen mit Georg Roschlau und mit den anderen Grundbesitzern des Geländes (u.a. Georg Feder), das für künftige Straßen benötigt wurde, führte im Einvernehmen mit dem damaligen Coburger Oberbürgermeister Rudolf Muther, der Bankier und Magistratsrat Otto Hülbig. Die ehemaligen Grundbesitzer freuten sich derart über ihre guten Erlöse, dass sie schließlich noch ein Fest mit einem ausgiebigen Mahl feierten. Georg Roschlau konnte sich damit zur Ruhe setzen und dazu noch in der neuen Straße ein Haus bauen, das dort stand, wo sich heute der Kaufhof befindet. Ursprünglich trug es die Adresse Mohrenstraße 17 und musste 1926 dem Bau des Tageblatt-Hauses weichen. Mit der Anlage der neuen Straße und deren Bebauung konnte ab 1875 begonnen werden. Die ersten Häuser entstanden im Abschnitt zwischen dem Bahnhof und der Itz. Aus dieser Zeit stammt noch das Haus Mohrenstraße 8 (ehemals Fotogeschäft Mitschke), welches an der Ecke zur Kanalstraße entstand. 1875/76 entstand auch die erste Brücke über die Itz, eine eiserne Straßenbrücke, welche aber bereits nach 50 Jahren dem stärker einsetzenden Autoverkehr nicht mehr gewachsen war. Die Bebauung der Mohrenstraße allerdings, ging nach 1875 nur sehr langsam voran. So war der obere Bereich zwischen der heutigen „Kaufhof-Kreuzung“ und dem „Gräfsblock“ auch 20 Jahre später kaum bebaut. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass ein direkter Zugang der Mohrenstraße zum Markt über die Spitalgasse noch nicht existierte und die Straße abrupt auf einer Linie Webergasse – Badergasse – Georgengasse endete. Dieses Problem sollte aber noch in den kommenden Jahren angegangen werden.
Bildquellen: Bild 1: Stadtplan von 1866 (Sammlung Christian Boseckert) Bild 2: Blick in die Mohrenstraße. Das Gebäude am linken Bildrand ist das bereits erwähnte Privathaus des Lautermüllers Georg Roschlau (Sammlung Norbert Niermann) Bild 3: Das älteste Wohnhaus der Mohrenstraße (Foto: Christian Boseckert, 2007)
Im Coburg der Nachkriegszeit waren besonders zwei Faschingsveranstaltungen sehr beliebt – der Fasching der Bäcker und der Schwimmerfasching. Beide Veranstaltungen fanden bis Anfang der 70er Jahre in den legendären Hofbräusälen in der Mohrenstraße statt, der Letzte im Jahre 1971. Danach wurden die Hofbräugaststätten abgerissen und der Kaufhof errichtete dort ein Warenhaus. Wie es nun damals beim Schwimmerfasching zuging soll nun folgender Artikel der NEUEN PRESSE aus dem Jahre 1971 wiedergeben. „Viel Durst und Beine im vollbesetzten Hofbräusaal – Nur Busen blieb rar auf der Shiloh-Ranch. Der bärtige Cowboy schob den schwarzen Schlapphut ins Genick, bog den Kopf zurück und setzte die Bierflasche an: „Einen Durst hat man hier dauernd.“ In der Tat, beim Schwimmerfasching fühlte man sich gestern pausenlos ausgedörrt. Aus einfachem Grund: beim „Western-Festival auf der Shiloh-Ranch“ war der zum Schauplatz wüster Wild-West-Gelage umfunktionierte – bis unters Dach prall yolle – Hofbräusaal mächtig eingeheizt. Schlug ein Hitzegeschädigter als neues Motto vor: „So heiß war´s nimmer, beim Fasching der Schwimmer.“ Aber die Initiatoren des Gaudi-Rodeos hatten in weiser Voraussicht das Feuerchen geschürt. Denn die meisten Kostüme waren nicht dazu geeignet, den letzten schweren Schnupfen dieses Winters zu verhindern. Großer Modehit auf der Shiloh-Ranch: Heiße Höschen. Die harten Westmänner gerieten ganz schön ins Schleudern, als da die Squaws gleich herdenweise schenkelfrei einliefen. Weiter oben ließen die Schwimmerinnen ihre Fans aber weitgehend auf dem Trockenen sitzen. Will sagen: Busen blieb rar auf der Ranch. Angesichts dieses offensichtlichen Notstandes wurde eine propere Jungmaid als Attraktion ausgerufen, allein weil sie in ihren Pulli ein Guckloch geschnippelt hatte. Alles in allem war also kaum Grund, den Pferden die Scheuklappen anzulegen. Doch was an Freizügigkeit fehlte, wurde durch Phantasie ersetzt. Phantasie in Sachen Kostüme natürlich. Die aus einschlägigen Fernsehserien hinlänglich bekannten Wild-West-Typen waren beim Faschingsmotto entsprechend in der Überzahl. Aber auch Beduinen hatten sich auf die Shiloh-Ranch verirrt (offensichtlich um ihre Haremsbestände aufzufrischen), ein Germane stieß sich per Helmhörner den Weg frei, ein (echter) Kriminalbeamter lief mit seinem Hemd Reklame für Hasch und Tarzan schritt gleich in zweifacher Ausfertigung gemessen durch die wild wogende Menge und schaute nach jagdbarem Wild aus. Und sie fanden es alle, die Tarzans, Clowns, Cowboys und Kosaken. Das Festival war noch nicht 2 Stunden alt, da zogen sich die ersten Paare auf die mit Recht so beliebten Hofbräutreppen zurück. Um sich nur dann voneinander zu lösen, wenn das Bier ausgegangen war. Und das ging oft aus an diesem Abend. So oft, dass die zahllosen Saloon-Bars pausenlos umlagert waren. Der Sekt floss in Strömen, dass man bald gar nicht so schnell schwitzen konnte wie die Barkeeper nachgossen. Apropos Schwitzen: nicht nur, dass im Hofbräu gut eingeheizt war, die drei Kapellen schürten noch das Feuer. Combo C 5 und „Silverstars“ lösten sich in konzentrierter Aktion ab. Das perfekte musikalische Wechselbad zwischen Pop und Polka. Mit vorrückender Stunde weichten aber die harten Melodienfronten auf und am Ende traf man sich zum einheitlichen „Präriehoppel“. Manche trafen sich aber auch nicht. Da war zum Beispiel der Mann, dessen Frau entschlossen den Revolver umschnallte und munter in die Menge galoppierte. Das Cowgirl war nie mehr gesehen, obwohl der Mann wohl an die fünfmal spähend die Tanzfläche umschlich. Am Ende gab er es auf und zog sich in die unteren Räume zurück, wo die „Redstars“ mit Erfolg Stimmung ausposaunten. Unser Westmann wurde dann noch einmal gesichtet, als er sich nach Old Shatterhand-Art an eine Shiloh-Bombe im schwarzen Bikini anpirschte. Verzeihung, der schwarze Bikini war nicht das einzige, was die Dame trug. Sie hatte noch einen Patronengürtel um den nackten Bauch geschnallt und eine Zigarette im Mund. Wie die NEUE PRESSE schon ihrer Vorschau am Samstag prophezeite: so wild wie beim Schwimmverein war der Wilde Westen nie. Das musste sich auch NP-Redakteur Sindermann erleben: als er sich in Ausübung seines harten Berufes durch das Knäuel der Tanzenden quälte, fühlt er sich plötzlich hinterrücks von einer kräftigen Faust gekniffen. Jetzt fragte sich Sindermann: „Hat mich der Kneifer nun für eine Frau oder ein Pferd gehalten?““ Leider sind heute solche Veranstaltungen inzwischen in Coburg ausgestorben. Schade ist´s.
Bildquellen: Bild 1+2: Bilder vom Schwimmerfasching 1971 (Fotos: Neue Presse Coburg) Bild 3: Der festlich geschmückte Hofbräusaal (Archiv Historische Gesellschaft Coburg)
Hallo neulich beim stöbern meiner Unterlagen fand ich einen Aufsatz von Ernst Eckerlein über die früheren Kellerbiergärten Coburgs. Dieser Art von Biergärten, welche heute noch in den Regionen um Bamberg und Forchheim existieren, waren auch in Coburg beheimatet. Wunderlicherweise schloß der letzte dieser Gärten im Jahre 1933. Bei der Aufzählung ist ebenfalls erstaunlich, dass es in Coburg um die 10 Kellerbiergärten gab. Am Adamiberg, Plattenäcker, Glockenberg und Festungsberg. Leider sind geographischen Daten dieser Gärten relativ unpräzise. Auf jedenfall ist das ein interessanter Forschungsgegenstand.
Es folgt nun im zweiten Teil eine Auflistung dieser Biergärten!
Auf der Nordseite des Schlossplatzes liegt neben dem Landestheater das Gebäude der Industrie- und Handelskammer, das sogenannte Palais Edinburgh. Das Haus wurde 1845 / 46 für den Reitstallmeister und Adjutanten Max von Wangenheim als „Wangenheim-Palais“ auf dem Gelände des vom Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Saalfeld angelegten Prinzengartens errichtet. Bereits 1857 erfolgte ein Umbau durch den Baumeister Vinzenz Fischer-Birnbaum. 1865 erwarb der zweite Sohn der englischen Königin Viktoria, Prinz Alfred, Duke of Edinburgh und späterer Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha das Anwesen am Schlossplatz. Ab 1866 ließ er das Gebäude von dem Architekten Georg Rothbart aufstocken und zu einem modernen Wohnhaus umbauen. Aufgrund der häufigen Abwesenheit Alfreds, zogen sich die Bauarbeiten bis 1874 hin. Sieben Jahre später erfolgte der Anbau eines Ostflügels zur Allee hin, den der Sohn Georg Rothbarts, Hans, konzipierte. Die Zeit zwischen 1866 und 1900 kann heute als die glorreichste in der Geschichte dieses Hauses bezeichnet werden. Im April 1876 bewohnte Königin Viktoria von Großbritannien zehn Tage das Palais und 1894 war das Gebäude Schauplatz der „Coburger Fürstenhochzeit“, zu der zahlreichen Monarchen aus vielen europäischen Ländern nach Coburg kamen. Stellvertretend darf hier der deutsche Kaiser Wilhelm II., Königin Viktoria, der russische Zar Nikolaus II. und der rumänische Kronprinz Ferdinand genannt werden. Prinz Alfred selbst lebte in seinem Palais Edinburgh nur sporadisch. Als britischer Admiral war er lieber auf den Meeren dieser Erde unterwegs und das, wenn es nach ihm gegangen wäre auch so geblieben. Doch sein Onkel Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha war kinderlos geblieben und aufgrund dieser Tatsache wurde Alfred sein designierter Nachfolger als Staatsoberhaupt im Herzogtum Coburg. So musste er sich widerwillig 1889 endgültig in der Vestestadt niederlassen. Als Alfred 1893 nach dem Tode seines Onkels Herzog wurde, entwickelte sich das Palais Edinburgh zum Zentrum der politischen Macht in Coburg. Ursprünglich befanden sich im Erdgeschoss des Palais die Dienerzimmer, die Garderobe, zwei Wohnzimmer und die Speisekammern. Der Mittelpunkt des Hauses befand sich aber im ersten Obergeschoss, wo es einen Salon und einen Speisesaal gab. Daneben waren noch zwei weitere Wohnzimmer, ein Schlaf- und ein Badezimmer vorhanden. Im zweiten Obergeschoss befand sich Alfreds Billardzimmer. Die herzogliche Familie selbst bewohnte jedoch nur den Ostflügel zur Allee hin. Dort hat sich ein Saal mit einer Neurenaissance-Kassettendecke mit der Initiale „A“ für Alfred ebenso erhalten, wie auch das sogenannte Kaminzimmer, mit einem Prachtkamin, einer gut erhaltenen Kassettendecke und Einlegearbeiten. Mit dem Tode Herzog Alfreds im Jahre 1900 endete auch die große Ära des Palais Edinburgh als herzoglicher Wohnsitz. Die Ehefrau von Alfred, Herzogin Marie, wählt das Gebäude zu ihrem Witwensitz. Sie starb 1920 in Zürich. Ihre Tochter Alexandra, Fürstin von Hohenlohe-Langenburg, verkaufte schließlich das Haus 1939 an die Industrie- und Handelskammer, die seit langem ein eigenes Heim suchte. Noch im gleichen Jahr fanden kleinere Umbauarbeiten im Erdgeschoss zur Einrichtung von Büroräumen statt. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass Herzog Alfred die IHK im Jahre 1896 mit ins Leben rief. Im Jahre 1945 beschlagnahmte es die amerikanische Armee und richtete in den Räumen die amerikanische Militärverwaltung für Coburg ein. Danach entstand daraus das sogenannte „Amerikahaus“, eine Art Kulturzentrum für Vorträge und andere Veranstaltungen. Ferner besaß die Einrichtung eine Bücherei mit amerikanischer Literatur. Erst 1952 gaben die Amerikaner das Gebäude an die Industrie- und Handelskammer zurück, wo sie bis heute noch untergebracht ist. Die IHK baute das Gebäude in der Folgezeit immer wieder im Inneren um. 1965 erfolgte der Einbau eines Personenaufzuges und 1999 baute man das Erdgeschoss zu einem Informationscenter um. Im letzten Jahr folgte schließlich eine Sanierung des Daches und der Außenfassade.
Bildquellen: Bild 1: Das Wangenheim´sche Palais (Foto Francis Bedford, 1857) Bild 2: Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (Sammlung Christian Boseckert) Bild 3: Die Coburger Fürstenhochzeit von 1894, aufgenommen im Garten des Palais Edinburgh (Sammlung Christian Boseckert) Bild 4: Das Palais Edinburgh heute (Foto: Christian Boseckert)
Vor mehr als 100 Jahren lebte zeitweilig in Coburg, Ketschendorf und im ehemaligen Benediktinerkloster Banz bei Lichtenfels das kinderlose, aber vermögende Ehepaar Deyßing. Als die Eheleute hochbetagt waren, errichteten diese im Jahre 1898 eine Stiftung mit dem Namen „Deyßing-Stiftung“. Nach Auszahlung von Erbteilen und Legaten verblieb ein Kapital von 145.000 Goldmark, dessen Zinserträgnisse zur Hälfte für die Unterstützung notleidender Armer der Stadt Coburg, besonders für Hausmiete und zur Anschaffung von Heizmaterial verwendet werden sollte. Die andere Hälfte bestimmten die Stifter zur beruflichen Förderung junger Auszubildender im Handwerk. Nach heutiger Rechnung hatte das ursprüngliche Stiftungskapital einen Betrag von ungefähr 1.500.000 Euro ausgemacht. In Wirklichkeit ist es aber durch Inflation und Währungsreform so zusammengeschmolzen, dass es mit anderen Stiftungen zusammengelegt werden musste, um einen halbwegs handgreiflichen Zinsertrag zu erzielen. Damals um 1900 sah man eine Stiftung wie die „Deyßing-Stiftung“ als unvergängliches Denkmal an. Heute ist der Stifter so gut wie vergessen, nur der Name des Wohltäters auf einer der Ehrentafeln im Coburger Rathaus erinnert an ihn. Bis 1984 hat das auch die bescheidene Deyßingstraße in der Nähe des Bauhofes, zwischen der Uferstraße und der Bamberger Straße, getan. Die beiden Häuser dort gehören aber jetzt zur Uferstraße. Dafür wurde in einem Neubauviertel des Stadtteils Scheuerfeld, zwischen dem Steinmitzig und der Dr.-Otto-Straße, eine Straße nach dem Stifter Deyßing benannt. Da Heinrich Emil Deyßing in der Öffentlichkeit eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, dürfen einige Anhaltspunkte auf seine Persönlichkeit und sein Wirken lesenswert sein. Er wurde am 8. Februar 1818 in Sonnefeld als Sohn des Kaufmanns Christian Deyßing geboren, war der Enkel eines Pfarrers und eines Forstbeamten. Der Vater und die beiden Großväter prägten frühzeitig seinen Charakter, den kluges Rechnen, Naturliebe und das Bestreben, armen Mitmenschen zu helfen, auszeichnete. Nach dem Besuch des Gymnasiums Casimirianum in Coburg studierte er Rechtswissenschaften. Seine juristische Laufbahn führte ihn von verschiedenen Ämtern des Herzogtums Coburg, wie Neustadt, Rodach, Sonnefeld und Königsberg schließlich in die Residenzstadt. Nach seinem Ausscheiden aus dem richterlichen Dienst im Jahre 1879 widmete sich Deyßing dem Gemeinwohl als Magistratsrat der Stadt Coburg, als Vorstandsmitglied der Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins (die heutige Hypo-Vereinsbank) und als eifriges Mitglied des Tier- und Pflanzenschutzvereins, den er auch mitbegründete. Im Jahre 1869 erwarb er in Ketschendorf das Bachstedt´sche Gut und baute das Haus Nr. 36. Diesen Grundbesitz hat er nach einigen Jahren wieder verkauft. Mit viel Liebe und Sachverstand für Landschaftsgestaltung legte er ab 1870 die „Ketschendorfer Schlucht“ an, die einst Büttelloch hieß und die später unter dem Namen „Deyßing-Schlucht“ bekannt wurde. Ein Gehsteig zwischen Strauchwerk und hohen Bäumen führte in die Höhe. Künstliche Säulen säumten das mit Treppenstufen versehene Weglein. Der Springbrunnen, dessen Wasser meterhoch sprang, war eine besondere Sehenswürdigkeit. Ein kleiner Teich lag am Anfang der Schlucht. In den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war diese im Besitz des Inspektors Ehrlicher. Im Jahre 1945 wurde die Schlucht zugeschüttet. Die Veranlassung dazu soll die amerikanische Besatzungsmacht gegeben haben. Ihren früheren Verlauf kennzeichnet jetzt ungefähr die Buchbergstraße, die nächst der Von-Mayer-Straße nach oben zum Neubauviertel des Pelzhügels abzweigt. Doch zurück zu Heinrich Emil Deyßing. Er wohnte ab 1880 alljährlich mit seiner Ehefrau einige Sommermonate im Kloster Banz. Dort verschönte er die nähere Umgebung, besonders den in er Nähe liegenden Wald, durch Anlage von Ruheplätzen mit Bänken, die den Spaziergänger zur beschaulichen Rast einluden. Leider sind seine Schöpfungen, darunter die von ihm erbaute Deyßing-Hütte, mit der Zeit längst verfallen. In seinem erfüllten Leben war es dem ruhelosen Deyßing vergönnt, mit offener Hand Wohltaten auszustreuen. Er hatte dabei die Freude, beglückte Menschen um sich zu sehen. Sein Wirken in der Natur kam ebenfalls seinen Mitbürgern zugute. Er starb wenige Tage vor Vollendung seines 83. Lebensjahres in Coburg am 15. Januar 1901. Sein ehemaliges Wohnhaus in der Mohrenstraße 1 wurde zwei Jahre nach seinem Tode abgerissen. An dieser Stelle erhebt sich heute ein Jugendstilgebäude des Baumeisters Max Roth. Der Name Deyßing lebt daher nur noch in einem Straßennamen und einer Gedenktafel weiter.
Bild 1: Heinrich Emil Deyßing (Fotosammlung Historische Gesellschaft Coburg) Bild 2: Deyßings Wohnhaus in der Mohrenstraße (Foto: Christian Boseckert) Bild 3: Die Deyßing-Schlucht in Ketschendorf (Fotosammlung Christian Boseckert)
Eine Idylle, inmitten des Coburger Zentrums - Das ist der Schnürsgarten auf dem Adamiberg. Nach umfangreichen Arbeiten bietet sich seit letztem Jahr ein unbeschreiblicher Blick von dort auf die Veste und die Coburger Altstadt.
Die Bilder zeigen das Jean-Paul-Häuschen (mit Büste des Dichters), den Schnür´s Pavillon, zahlreiche Gedenksteine, Wege und die Aussicht auf die Coburger Altstadt.
Studiert man alte Stadtpläne von Coburg, so stellt man fest, dass früher das Gelände zwischen der Itz von der Judenbrücke bis zur Frankenbrücke und bis hinüber zum Plattenäcker eine große Wiesenfläche war. Auf einem Stadtplan von 1743 wird dieses Gelände als Angerwiese bezeichnet. Die heutigen Straßen „Sonntagsanger“ und „Neuer Weg“ bestanden damals noch nicht. Aber schon während des siebenjährigen Krieges zwischen Preußen und Österreich (1756-1763), wurde der Neue Weg auf Veranlassung des Prinzen Christian Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld angelegt. Dieser war ein Bruder des Prinzen Friedrich Josias, dessen Denkmal auf dem Theaterplatz steht. Christian Franz kämpfte auf der Seite Österreichs, wurde 1758 in Schlesien von den Preußen gefangen genommen und nach Coburg entlassen. Sein Vater, der damals regierende Herzog Franz Josias war zwar im siebenjährigen Krieg neutral, konnte aber die zahlreichen Durchzüge aller möglichen Kontingente durch Coburg nicht verhindern. Die fremden Truppen marschierten meist ohne Halt durch die Vestestadt und quartierten sich in den umliegenden Ortschaften ein. Wahrscheinlich erfolgte der Bau des Neuen Weges in der Absicht, für die weiteren Kriegsjahre die Märsche durch die Stadt nach Möglichkeit zu verhindern. Der Neue Weg erfüllte also ohne Zweifel schon im 18. Jahrhundert die Funktion einer Umgehungsstraße. Lange blieb der Neue Weg unbebaut. Auf einem Katasterplan von 1860 findet sich gerade ein Wohnhaus, welches an dieser Straße lag. Dieses Gebäude, im Jahre 1856 für den Hoftheaterregisseur Julius Rochow errichtet, steht in veränderter Form heute noch. Es ist das Haus Neuer Weg 6. Damit begann eine neue Ära in der Geschichte dieser Straße. Aus der einfachen Umgehungsstraße, an der Grünflächen, Keller und auch zwei Biergärten lagen, wurde auf einmal eine vornehme Chaussee, mit zahlreichen Villenbauten und einer Lindenallee. Ein Blick ins Adressbuch verrät, wer zur damaligen Zeit im Neuen Weg wohnte. Das waren beispielsweise hohe Militärs, Privatiers oder vermögende Kaufleute. Sie errichteten Villen – eine schöner als die andere. Zwei dieser Wohnsitze stehen heute unter Denkmalschutz nämlich das Gebäude Nr. 5 (1873 für die Generalmajorswitwe Mathilde von Stein erbaut) und Nr. 7 (1889 für den Kaufmann Nikolaus Schörner errichtet). Die prächtigste Villa, das spätere Parkhotel im Neuen Weg Nr. 2, steht allerdings heute nicht mehr. Das vom Berliner Privatier Theodor Köppen im Jahre 1865 errichtete Gebäude, wurde 1978 im Zuge des Ausbaues der Stadtautobahn abgerissen. Das gleiche geschah auch mit der ehemaligen „Wagnersbrauerei“, einer Gaststätte, im Neuen Weg 1. Sie war das letzte Überbleibsel der Bierbrauerei Friedrich Wagner, welche dort von 1864 bis 1896 existierte. Neben ihr gab es noch zwei weitere Brauereien: Die Bierbrauerei Heinrich Grasser (Neuer Weg 11, heute Firma Wein-Schuhmann & Ernst Kühner OHG; existent bis 1917) und die Coburger Hofbräu AG (Neuer Weg 13; existent bis 1982). Es scheint aus heutiger Sicht etwas merkwürdig zu sein, dass hier Brauereien neben hochherrschaftlichen Villen, seit an seit, standen. Aber anscheinend störte sich niemand an Geruch und Lärm. Im Jahre 1974 begann das dritte Kapitel in der Geschichte des Neuen Weges. Aufgrund der Tatsache, dass die Altstadt und der Markt vom Durchgangsverkehr befreit werden sollte, kam es Überlegungen, eine westliche Umgehungsstraße, an der Stadt vorbei, zu bauen. Für dieses Vorhaben war der Neue Weg geradezu ideal. So beschloss der Coburger Stadtrat den Ausbau des Neuen Weges zu einer vierspurigen Stadtautobahn. Das dabei nicht nur historisch wertvolle Häuser verloren gingen, sondern auch ein Stück Lebensqualität für die Bewohner, muss hier nicht näher erläutert werden. Von der einstigen ruhigen Chaussee war nichts mehr übrig geblieben. Auch die zahlreichen Vorgärten an den Villen, fielen dem Bau der Stadtautobahn zum Opfer. Zu guter letzt, will ich noch auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf den Neuen Weg zu sprechen kommen. In den letzten Kriegstagen, im April 1945, wurde durch amerikanischen Artilleriebeschuss das Haus Neuer Weg 9 in Brand gesetzt. Da jedoch an den Itzbrücken Panzersperren aufgerichtet wurden, gelangte die Feuerwehr nicht an den Brandort und das Gebäude fiel dadurch der totalen Zerstörung zum Opfer. Nach dem Krieg errichtete an dieser Stelle die Evangelische Freikirche ein Gotteshaus, welches sie aber vor wenigen Jahren zugunsten einer neuen Kirche im Stadtteil Scheuerfeld, aufgab.
Bildquellen: Bild 1: Der Neue Weg Anfang der 1970er Jahre (aus "Stadt verkehrt" in der Lehrerzeitung "die untere anlage".) Bild 2: Die Villa Köppen, welche 1978 beim Ausbau des Stadtautobahn abgerissen wurde. (Sammlung Christian Boseckert). Bild 3: Der Neue Weg im Jahre 1997 (aus "Stadt verkehrt" in der Lehrerzeitung "die untere anlage".)
Vor 100 Jahren starb einer der bekanntesten Coburger Künstler. Sein Name findet sich sogar in einem bekannten Internet-Lexikon und sucht man nach ihm in den bekannten Suchmaschinen, so finden sich zahlreiche Abbildungen seiner Werke. Gemeint ist hier der Bildhauer Ferdinand Lepcke, der am 23. März 1866 in Coburg, im Hause Leopoldstraße 27, geboren wurde. Sein Vater Ernst betrieb dort eine Gastwirtschaft, welche später den Namen „Himmelsleiter“ und „Neue Welt“ trug. Der junge Lepcke verlebte seine früheste Kindheit in der Leopoldstraße. Schon bald erkannte man sein künstlerisches Talent. Dieses zu fördern, machten sich seine Eltern zur Aufgabe. So schickten sie ihn nach Berlin, wo er im Atelier der Brüder Biber und an der Schule des Kunstgewerbemuseums seine Ausbildung zum Bildhauer erhielt. Von 1882 bis 1892 studierte er schließlich an der Berliner Kunstakademie und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammten. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer. Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er 1891 den großen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Im Jahre 1897 wurden in Berlin und in Bromberg / Westpreußen (heute in Polen liegend) seine ersten Werke aufgestellt. Dabei handelte es sich um die Statuen „Bildhauer“, einst vor der Berliner Nationalgalerie stehend, und die „Bogenspannerin“. Einen Abguss der „Bogenspannerin“ findet sich noch heute in Coburg, an der Bahnhofstraße. Dieser entstand 1908 und wurde vier Jahre später an der Ecke zur Itzanlage aufgestellt. Doch es finden sich noch weitere Werke des Künstlers in Coburg. Auf Kosten des preußischen Staates schuf Lepcke im Jahre 1902 für die Stadt Bromberg den „Sintflutbrunnen“. Im gleichen Jahr machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Auch sollte ein zweiter Sintflutbrunnen in Coburg entstehen. Nach ersten Bedenken stimmten der Stadtrat und das herzogliche Staatsministerium 1905 der Idee Lepckes zu. Als Standort wählte man die sogenannte „Zollbauerswiese“, den heutigen Rosengarten Für dieses Modell nahm Lepcke geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich. Die Einweihung des Brunnens fand schließlich am 15. November 1906 in Beisein des Herzogspaares statt. Lepcke wurde in diesem Zusammenhang das Ritterkreuz 1. Klasse verliehen. Nach diesem Exkurs in die Geschichte des Sintflutbrunnens sollen nun auch seine anderen Werke vorgesellt werden. Von dem Künstler stammt nämlich auch die Bronzefigur „Heimkehr“ auf dem Ernstplatz. Ihre Aufstellung erfolgte 1908. Eine lebensgroße Bronzestatue der Phryne, ein Werk das Lepcke bereits 1900 für eine Liegewiese am Schlachtensee in Berlin geschaffen hatte, findet sich im Hofgarten, in der Nähe des Kunstvereins. Dieser Abguss, der ursprünglich am Schillerplatz aufgestellt war, wird auf das Jahr 1908 datiert. Über die zahlreichen Arbeiten Lepckes, die außer den bisher erwähnten in Coburg noch vorhanden sind, liegen genaue Aufzeichnungen im Stadtarchiv, bzw. in den Städtischen Sammlungen vor. Umfangreiche Ausführungen dazu bietet ein Führer von Coburg aus dem Jahre 1921, bearbeitet von Heinrich Langbein, und mehrere Hinweise in den Häuserbüchern Ernst Cyriacis. Dabei handelt es sich um kleinere Figuren aus Bronze oder Gips. Die Namensbezeichnungen lauten u.a.: „die Badende“, „am Bach“, „das böse Gewissen“, „die Wasserträgerin“, „Hero“, „Überrascht“, „Wiedersehen“ oder „Riesenspielzeug“. Bemerkenswert ist noch die Figur des „Phidias“. Diese Plastik stellt den großen Meister der griechischen Bildhauerkunst dar und ist im westlichen Hofgartenpavillon (im Volksmund auch „Milchhäusle“ genannt) untergebracht. Bei diversen Musemsnächten kann sie besichtigt werden. Das Werk in Marmor befindet sich in der Berliner Nationalgalerie. Lepcke hat im Übrigen alle oben erwähnten Plastiken seiner Vaterstadt vermacht. Leider schlummern diese noch in den Depots der Städtischen Sammlungen und sind so der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aus der näheren Umgebung ist allerdings noch ein Werk Ferdinand Lepckes bekannt. 1908 schuf er für den Bismarckturm in Hildburghausen ein Bronze-Relief, das noch heute das Bauwerk ziert. Weitere Werke waren dem Künstler aber nicht mehr vergönnt. Ferdinand Lepcke starb am 12. März 1909 im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung in Berlin. Heute erinnern seine Schöpfungen an diesen bedeutenden Coburger Künstler. Sein Geburtshaus in der Leopoldstraße fiel in den 1980er Jahren einem Neubau zum Opfer.
Abbildungen: 1. Ferdinand Lepcke und sein Werk der Sinflutbrunnen (Sammlung Christian Boseckert) 2. Die Bogenspannerin in der Bahnhofstraße (Sammlung Christian Boseckert) 3. Die Phyrene im Hofgarten (Foto: Christian Boseckert, 2008)
Oft veränderte sich das Gesicht Coburgs in den letzten Jahrhunderten. Straßen wurden angelegt, Häuser abgerissen und neu wieder aufgebaut. Ein Ort der stetigen Veränderung war der Bereich Spitalgasse Richtung Mohrenstraße und Mauer, im Volksmund auch Gräfsblock genannt. Der Name rührt daher, dass in früheren Zeiten dort ein Lebensmittelgeschäft existierte, welches dem Kaufmann Hermann Gräf gehörte. Dieser Laden befanden sich ungefähr gegenüber dem jetzigen Eiscafe Cortina und hatte Anfangs die Adresse Mauer Nr. 7. Wie stark hier Veränderungen wirkten lässt sich auch daraus dass erkennen, dass das Anwesen ab 1909 eine neue Adresse bekam: Mohrenstraße Nr. 35. Worin liegt dies begründet? In dem oben genannten Jahr beschloss der Coburger Stadtrat einen Straßendurchbruch von der 1875 angelegten Mohrenstraße zur Spitalgasse. Dabei wurden zwei Häuser abgerissen, von denen noch die Rede sein wird. Doch erstmal sollten wir die Situation der Mohrenstraße um die letzte Jahrhundertwende beschreiben. Bereits vor 1900 war der Bebauungsplan für die Mohrenstraße abgeschlossen. Die Straße gewann immer mehr an Bedeutung, endete aber ohne Fortsetzung auf der Linie Webergasse – Steinweg. Die Webergasse zog sich bis zum Steinweg hin und versperrte den Zugang zur Spitalgasse. Von der Mauer aus war allerdings die Spitalgasse durch ein schmales Gässchen, zu erreichen. Der Weg war deshalb so beengt, weil neben dem jetzigen Modegeschäft G-fashion (ehemals Sporthaus Hess) Richtung Spitaltor noch ein Haus existierte. Es hatte die Adresse Spitalgasse Nr. 31 und wurde 1909 beim Straßendurchbruch abgerissen. Das gleiche Schicksal ereilte auch das Haus Webergasse Nr. 34, dem ersten Domizil der im Jahre 1852 als Privatschule gegründeten Alexandrinenschule. Dieses Gebäude stand gegenüber der jetzigen Hypo-Vereinsbank und war mit das Haupthindernis einer Verbindung Mohrenstraße – Spitalgasse. Der Durchbruch veränderte die Verkehrsverhältnisse. Der Hauptverkehr aus Richtung Markt und umgekehrt wendete sich jetzt der Mohrenstraße zu - sehr zum Ärger vieler Geschäftsleute des Steinwegs, die, wie aus den Leserbriefen der damaligen Zeit zu entnehmen ist, lieber das Spitaltor hätten weichen sehen, um mehr Platz für den Hauptverkehr durch den Steinweg zu schaffen. Das Spitaltor wurde erfreulicherweise nicht dem Verkehr geopfert. Die benachbarten Gebäude blieben nach 1909 noch stehen. Sie gingen aber in städtischen Besitz über. Der bauliche Zustand dieser Gebäude war denkbar schlecht. Sie waren auch nicht an der im Jahre 1909 in Coburg vollendeten Kanalisation angeschlossen worden. Die Fäkalien wurden durch einen Tonnenwagen abgeholt. In den Höfen und Gängen tummelten sich die Ratten. Dem Schauspiel konnte man zusehen, wenn man als Kind beim Wäschemangeln in einem der Häuser helfen musste. Insgesamt standen dort noch drei Gebäude, die nun im Volksmund „Gräfsblock“ genannt wurden. Vorher gab es diesen Begriff noch nicht. Nach Willen der Coburger Stadtverwaltung sollten dieser Häuser eines Tages saniert werden, doch die Lösung des Problems ließ lange auf sich warten. Der 1. Weltkrieg verzögerte dieses Vorhaben. Die seitliche Fassade des ehemaligen Sporthauses Hess wurde aber schon 1909 neu gestaltet. Vorher bot sich dort ein Bild, wie wir es jetzt oft beim Abriss von Häusern in Sanierungsgebieten sehen können. Im gleichen Jahr entstand gegenüber von Hess, nach der Mauer zu das Gebäude, in dem sich die VR-Bank Coburg befindet. Architekt war der Coburger Jugendstilbaumeister Hans Münscher. Vorher stand an der Stelle ein Gasthaus mit dem Namen „Grübelei“. Auch der Neubau beherbergte zunächst ein Hotel das „Bürgerhof“ hieß, aber sich nicht halten konnte. Außerdem erfreut in den Kellerräumen ein Kino die Coburger. Das Gebäude ging im 1. Weltkrieg in den Besitz der Hypobank über, die bis zu ihrem Zusammenschluss mit der Bayerischen Vereinsbank dort ihren Sitz hatte. Das Eckhaus zur Webergasse hin, in dem sich jetzt der Juwelier Bauschatz befindet, entstand ebenfalls im Zusammenhang mit dem Durchbruch im Jahre 1910. Hier zeigte der Coburger Architekt August Berger sein können als Baumeister. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Plan einer Sanierung des Gräfsblocks wieder aufgegriffen. Die Coburger Sparkasse wollte dort ein Bankgebäude errichten. In Planzeichnungen hatte dieses ein ähnliches Aussehen wie die benachbarte Hypo-Vereinsbank. Die Sparkasse trat aber von ihrem Vorhaben zurück, Ideenwettbewerbe wurden ausgeschrieben und Finanzierungspläne gewälzt. Es dauerte lange, bis der Gräfsblock nach vielem Hin und Her im Jahre 1934 abgerissen wurde und das Gebäude, in dem sich jetzt das Stadtcafe befindet, überwiegend nach den Plänen von Prof. Schulze-Naumburg aus Weimar, unter ausdrücklicher Billigung Adolf Hitlers gebaut wurde. Diesem Bau vielen insgesamt 4 Häuser zum Opfer: Die Mohrenstraße Nr. 35, die Webergasse Nr. 36 und die Gebäude Steinweg Nr. 1 und 3. Unter dem Deckmantel der ersten Altstadtsanierung konnte schließlich das Projekt des Straßendurchbruchs nach über 25 Jahren vollendet werden. Der neu gewonnene Platz erhielt von den Nationalsozialisten den Namen „Platz der Alten Garde“ Seit 1945 ist er namenslos.
Die Geschichte des neuen Gräfsblocks wird in einem extra Beitrag behandelt werden.
Bildquellen: Bild 1: Einmündungsbereich Spitalgasse / Mauer vor 1909 (Fotosammlung Christian Boseckert) Bild 2: Der Alte Gräfsblock vor 1934 (Zeichnung: Emil Maurer) Bild 3: Das Haus Mohrenstraße 35, vorher Mauer 7, gesehen von der Spitalgasse (Fotosammlung Christian Boseckert)
Lange bevor es einen Kaufhof oder eine Weka gab, besaß Coburg bereits ein Kaufhaus. Es befand sich in der Spitalgasse, in dem Haus, wo heute Filialen der Deutschen Bank und der Telekom untergebracht sind. Die Geschichte dieses Kaufhauses geht über 100 Jahre zurück. Im Jahre 1903 gab der Gastwirt Fritz Müller aus Altersgründen sein Hotel Leutheusser in der Spitalgasse Nr. 19 auf. Er verpachtete daraufhin die Räumlichkeiten an die Firma M. Conitzer & Söhne. Dieses Unternehmen gehörte zum gleichnamigen Konzern, deren Anschlusshäuser, mehr als 20 an der Zahl, gemeinsam einkauften und eine gleichgerichtete Geschäftspolitik betrieben. Sonst arbeiteten sie selbstständig. Der Gründer des Konzerns war im Jahre 1882 Moses Conitzer in Marienwerder in Westpreußen. Er stammte aus Jeschewo bei Posen. Die Conitzer-Geschäfte waren überwiegend in Ost- und Norddeutschland anzutreffen. Das Coburger Haus, das südlichste, war auch ein Anschlusshaus, führte Textilien aller Art, überwiegend aber Wäsche und Konfektion, und wurde von den beiden Neffen des Konzerngründers Max Frank und Adolf Friedländer ins Leben gerufen. Schon bald ging das ehemalige Hotelgebäude in den Besitz der Firma Conitzer über, die es 1908 abbrach und dort ein Textilkaufhaus errichtete, dessen Fassade im Jugendstil bis heute unverändert erhalten blieb. Architektonisches Vorbild für dieses Gebäude war für den Architekten, dem Stadtbaurat Max Böhme, das im Jahre 1904 erbaute Kaufhaus Tietz am Berliner Alexanderplatz. Dies kam nicht von ungefähr, denn die Tietz-Gruppe übernahm zu jener Zeit auch die Firma Conitzer. Es sei nebenbei erwähnt, dass aus dem Tietz´schen Warenhausimperium sowohl der Kauhof-Konzern als auch die Firma Hertie hervorgegangen sind. Das Geschäft von Conitzer schlug in Coburg indes recht gut ein. Für Aufsehen sorgte das Kaufhaus vor allem durch ihre neuen, einfallsreichen Werbemethoden. Mehrmals pries das Coburger Volksblatt die ideenreiche und spektakuläre Schaufensteranlage als eine Attraktion an. Auch der Aufzug im Lichthof war Coburger Verhältnisse eine Sensation. Ferner wies das Kaufhaus umlaufende Galerien als Eisenkonstruktion über mehrere Geschosse und monumentale Treppen auf. Neuerungen waren damals die Preisauszeichnung, die Einführung der Barzahlung und ein Geschäftszutritt ohne Kaufzwang. 1925 kann in dem Geschäftshaus die erste Coburger Modenschau bewundert werden und zur Adventszeit leuchtete ein Christbaum über dem Haupteingang weit in die Spitalgasse rein. Jedoch bereits Ende der 1920er Jahre war das Kaufhaus bevorzugte Zielscheibe nationalsozialistischer Diffamierungen. Nach den ersten Geschäftsboykotten Anfang 1933 wird die Firma 1935 enteignet. Adolf Friedländer wanderte daraufhin aus, während Max Frank in Coburg blieb, aber sein Geschäft nicht mehr betreten durfte. Er starb 1938. Ein sogenannter Betriebsrat übernahm die Leitung des Kaufhauses, welches bald darauf geschlossen wurde. Nach dem Intermezzo des Textil-Kaufhauses Moritz Döring, zog 1948 das Kaufhaus Brandt in das Gebäude in der Spitalgasse ein, welches sie von den Erben der Firma Conitzer käuflich erwerben konnte. Das Kaufhaus Brandt stammte ursprünglich aus Ostpreußen. Als aber deren Besitzer vertrieben wurden, zog man nach Coburg und eröffnete dort ein neues Ladengeschäft. Das große Sortiment in Eisenwaren, Haushaltsartikeln, Porzellan, Spielwaren und Sportartikeln ist vor allem noch den älteren Coburgern bekannt. Widrige Umstände zwangen die Firma im Jahre 1982 zur Aufgabe. Das Unternehmen existierte in verkleinerter Form im Gewerbehof auf der Mauer weiter, wo vor allem die Eisenwarenabteilung erhalten werden konnte. Mitte der 1990er Jahre wurde auch dieses Ladengeschäft aufgegeben. Das Modehaus Matzer & Worsch übernahm die Geschäftsräume. In dem Haus in der Spitalgasse zog die Deutsche Bank, die jahrzehntelang in der oberen Mohrenstraße ansässig war. Zwar wurde in den letzten 25 Jahren das Erdgeschoss oft verändert und umgebaut, doch blieb die Kaufhausfassade vollständig erhalten. Noch zum Schluss soll ein Eintrag aus dem Meyer´schen Konversations-Lexikon von 1899 folgen. Darin findet man unter dem Begriff „Kaufhaus“ die Aussage, dass diese großkapitalistischen Betriebe nur dadurch zu verhindern sein, indem man eine Änderung der Steuergesetze durchführt. Bei dem was wir heute wissen, können wir nur noch über diese Aussage lächeln.
Bildquellen: Foto: Christian Boseckert, 2007 + Sammlung Christian Boseckert
Am Anfang des Plattenäckers, wenn man vom Hofbräuhaus aus hinaufsteigt, genau gegenüber vom Eckardtsberg und der Veste, lag einst die beliebte Ausflugsgaststätte „Kapelle“, welche am 10. April 1945 durch einen amerikanischen Luftangriff zerstört wurde. Brandbomben und Granaten hatten den beliebten Ort dem Erdboden gleichgemacht. Doch schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hörte die Kapelle auf, eine beliebte Gaststätte zu sein. Der letzte Wirt, Franz Ramster, wurde zum Heeresdienst eingezogen und eine Flakabteilung nahm sie am 26. August 1939 für kurze Zeit in Beschlag. Während des Krieges diente sie gefangenen Franzosen und Belgiern auch als Unterkunft. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war sie Quartier für eine Nachschubeinheit der Wehrmacht. Ihre Glanzzeit erlebte die „Kapelle“ in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von 1880 bis 1914. Wie die Eckardtsklause auf dem Eckardtsberg besaß sie einen schattigen Biergarten, von dem man eine wunderschöne Aussicht zur Stadt und hinüber zur Veste Coburg hatte. Die Kapelle als Aussichtsgaststätte war ein viel besuchtes Ausflugslokal. Sie hatte aber noch einen weiteren Vorzug: einen großen Vereinssaal mit einer Bühne. Deshalb trafen sich in ihren Räumen namhafte Coburger Vereine, Handwerksinnungen, studentische Korporationen und Schülerverbindungen zu frohen Feiern und festlichen Veranstaltungen. Ein Musikpavillon fehlte ebenfalls nicht. Im Sommer fanden häufig Konzerte statt, die meist von der Bataillonsmusik des 6. Thüringer Infanterieregiments Nr. 95, welches in Coburg stationiert war, veranstaltet wurden. Die „Kapelle“ hatte aber noch eine weitere Funktion. Sie diente der „Plattenäckergemeinde Coburg“ als „Rathaus“ und Vereinslokal. Die Mitglieder waren Coburger Bürger, in der Hauptsache aber Nachbarn von der „Platten“, die in humorvoller Weise gute Nachbarschaft und fröhliche Geselligkeit pflegten. Die „Plattenäckergemeinde“, die im Vereinsregister eintragen war, bestand von 1899 bis 1939. Ihr Wappen war ein Glatzkopf von hinten (Coburgerisch als „Platten“ bezeichnet) mit einer Henne darauf, eine Anspielung an den Gründer des Vereins Karl Henne. Die „Kapelle“ ist im Jahre 1835 gegründet worden und ist einer der ältesten Schankwirtschaften Coburgs gewesen. Ob der Name von einer ehemaligen Kapelle herrührt, die dort gestanden haben soll, kann nicht mehr festgestellt werden, doch lag unterhalb des Restaurants die sogenannte „Kleine Kapelle“, die als Wohnhaus dienend, in ihrem Aussehen einer Kapelle ähnelte. Im oberen Stockwerk hatte sie neuromanische Bogenfenster, ferner auf dem Dach ein kleines Glockentürmchen mit einem Kreuz darauf. Bis zum Jahre 1876 wechselte die Wirtschaft mehrfach den Inhaber, nachdem sie 1849 abgebrannt war und im Jahr darauf wieder aufgebaut wurde. 1876 erwarb Ferdinand Gothe aus Stadtilm die „Kapelle“. Von da ab hatte die Familie Gothe die Bewirtschaftung fast 70 Jahre inne, wobei das Ansehen, die Größe und die Bedeutung der Gaststätte wuchsen. Nach dem Tod von Ferdinand Gothe im Jahre 1900 übernahm die Führung des Betriebs die Ehefrau Emilie mit Sohn Otto und nach dessen Ableben die Ehefrau Minna bis 1928. Die „Kapelle“ wurde dann verpachtet. Einer der letzten Pächter war, wie schon erwähnt, Franz Ramster. Unter ihm wurde die „Kapelle“ auch ein beliebtes Tanzlokal für die jüngere Generation. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlten der Familie Gothe die Mittel für einen Wiederaufbau der „Kapelle“. Auf dem Grundstück Plattenäcker 3, wo sie einst stand, wurde vom Coburger Geschäftsmann Gerhard Alberti ein komfortabler Bungalow errichtet. Lediglich auf dem Platz der ehemaligen „Kleinen Kapelle“ baute sich die Familie Gothe ein bescheidenes Haus. Dieses trägt heute die Adresse Plattenäcker 2 und befindet sich an der Weggabelung zwischen dem Fußweg des Plattenäckers Richtung Wasserwerk und der Fahrstraße des Plattenäckers, welche heute nur für Anlieger befahrbar ist. Heute ist von der schönen Aussicht nichts mehr zu sehen. Das Grundstück der „Kapelle“ ist verwildert, der Bungalow steht seit Jahren leer und lieferte vor kurzem negative Schlagzeilen in der örtlichen Presse. So bleibt dem Heimatforscher nur noch die Erinnerung an diese schöne Stätte aufrechtzuerhalten, in der so viele Coburger frohe Stunden verbracht haben.
Abbildungen: 1.Werbeanzeige der Ausflugsgaststätte (Sammlung Norbert Niermann) 2.Oberhalb der beiden Häuser befand sich die "Kapelle" (Foto: HG Coburg, 1995) 3. Impressionen vom Haus und dem Gästebereich (Sammlung Christian Boseckert)
Das ehemalige Prinzenpalais, ein langgestreckter viergeschossiger Bau, der die Südseite der Steingasse gegenüber dem Schloss Ehrenburg bestimmt, diente im 18. Jahrhundert als Residenz des Coburger Erbprinzen. Das chronologisch 1464 datierte Haus ist urkundlich im Besitz des Coburger Bürgers Heinrich Bucher 1468 nachweisbar und umfasste den Flügel zur Steingasse. Die Buchers bewohnten nach dem Häuserforscher Ernst Cyriaci die Hofstatt von 1406 bis 1604. Im Jahre 1483 kaufte Heinrich Bucher ein ehemaliges Beginenhaus an der Seite zum Kirchhof dazu, wodurch er sein Grundstück vergrößern konnte. Damit war der heutige Umfang des Anwesens bereits am Ende des 15. Jahrhunderts erreicht. Ein baugeschichtliches Zeugnis aus jener Zeit ist der sogenannte Sitzungssaal im Erdgeschoss des Hauses. Hier hat sich noch die spätgotische Bohlenbalkendecke mit Farbmalereien erhalten, die jedoch aus statischen Gründen mit verdoppelten Unterzügen mit Schiffskehlprofil und an den Außenwänden von einfachen Streichbalken gestützt werden muss. 1731 fanden aufgrund akuter Baufälligkeit umfangreiche Umbauten im Haupt- und Rückgebäude für den Sitz der Geheimen Ratskollegien (Vorläufer des späteren Staatsministeriums) statt. Aus dieser Zeit stammen die drei Rundbogenportale an der Steingasse bzw. am Kirchhof. Von 1740 bis 1827 existierte vom Haus ein herrschaftlicher Gang zur Morizkirche. Seine Reste sind noch heute an der Fassade der Stadtpfarrkirche erkennbar. Dieser Gang war auch notwendig geworden, da zwischen 1786 und 1800 der damalige Erbprinz Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld das Gebäude als Residenz wählte. Hier lebte er mit seiner Familie und hier wurde vermutlich auch u.a. sein Sohn Leopold, der spätere erste König der Belgier geboren. Der Erbprinz ließ einige Räume im klassizistischen Stil ausstatten. Zwei Zimmer davon sind noch weitgehend original erhalten. In einem davon, einem Salon mit klassizistischer Wandvertäfelung, hat gegenwärtig der 3. Bürgermeister der Stadt Coburg sein Arbeitszimmer. Ab 1803 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1808 bewohnte der Coburger Staatsminister Theodor von Kretschmann das Anwesen. In dieser Zeit wurde das Gebäude „Ministerium“ genannt. Die Schultradition des Hauses begann 1848 als die Realschule dort einzog. Diese hatte noch bis 1965 zwei Klassen in dem Hause untergebracht, obwohl es, erst durch die Oberrealschule, dem späteren Gymnasium Ernestinum und der im Jahre 1955 eröffneten Realschule am Glockenberg bereits andere Schulstandorte gab. Auch die Hochschule Coburg hatte in diesem Haus ihre Wurzeln. Sie zog hier 1894 als herzogliche Baugewerksschule ein. Danach wechselten häufig die Bezeichnungen. Ab 1920 hieß die Einrichtung Staatliche Bauschule, später Höhere Technische Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Staatsbau- und Ingenieurschule bezeichnet. Bis zur Eröffnung des neuen Hochschulgebäudes im Jahre 1967 hinter dem Schloss Hohenfels, blieb diese Schule im Hause Steingasse 18 – 20 ansässig. Anschließend, bis in die 1980er Jahre hinein, diente das Haus noch den Coburger Gymnasien als Ausweichquartier. Eine Diskussion um eine neue Nutzung oder den Abbruch des leer stehenden Gebäudes setzte allerdings im Jahre 1972 ein, die acht Jahre später zu Überlegungen über die Umnutzung des Prinzenpalais führte. Die zum Teil durchgreifende Neugestaltung des Komplexes als Ämtergebäude der Stadtverwaltung, vor allem als Sitz der Bau- und Schulbehörden der Stadt, erfolgte 1987 nach dem Abbruch des Rückgebäudes, welches bereits drei Jahre zuvor abgerissen wurde. Im Jahre 1989 konnte das neue Ämtergebäude der Stadt seiner Bestimmung übergeben werden. Die Baumaßnahmen waren damals allerdings sehr umstritten. Vor allem die Tatsache, dass durch einen neuen Flügel im Kirchhof, die alte Ratsschule aus dem Jahre 1576 abgerissen wurde, lag den Coburgern besonders schwer im Magen. Bei den Arbeiten dort stieß man auf die Reste der alten Benediktinerpropstei aus dem 13. Jahrhundert. Sorgfältig wurden die Mauerreste damals freigelegt, so dass diese heute noch im Keller des Ostflügels des Ämtergebäudes im Rahmen des Grabungsmuseums dem Besucher frei zugänglich sind. An die Zeit als Prinzenpalais erinnert eine Gedenktafel am Haus, welche 1981 im Zuge der 150-Jahr-Feier der Ausrufung Prinz Leopolds von Sachsen-Coburg zum König der Belgier, enthüllt wurde.
Bildquellen: Bild 1: Altansicht nach Leopold Oelenheinz (Sammlung Christian Boseckert) Bild 1: Das Prinzenpalais als Baugewerkschule (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg) Bild 2: Das Herzogspaar Auguste Caroline Sophie und Franz Friedrich Anton (Sammlung HG Coburg) Bild 3: Gedenktafel für Leopold I. König der Belgier (Sammlung Christian Boseckert) Bild 4: Das heutige Gebäude (Sammlung HG Coburg)
Der vorliegende Aufsatz soll dem Künstler August Sommer gewidmet sein. Dieser wurde am 5. März 1839 in Coburg geboren und starb in seiner Vaterstadt am 15. September 1921. Während seines ganzen Lebens war er ein zufriedener einfacher Mensch. Seiner Begabung entsprechend, Köpfe und Figuren zu formen, erlernte er im benachbarten Neustadt bei Coburg das Bossiererhandwerk. Bossieren heißt Herstellung von Formen aus weichen Stoffen, hauptsächlich aus Bossiererwachs. August Sommer wollte aber noch mehr lernen und so studierte er in Stuttgart und München an den dortigen Akademien für bildende Künste. Nach seinem Studium arbeitete er sich allmählich zum Künstler empor. Er war aber zunächst genötigt, seine Schöpfungen in bescheidenem Maße als Broncefiguren zu fertigen. Im Jahre 1890 kehrte er in seine geliebte Heimstadtstadt Coburg zurück und wohnte bis zu seinem Tode im Hause Lange Gasse Nr. 4. In der Coburger Künstlerzunft St. Lukas gewann er gleichgesinnte Freunde. Als Vorbild für seine Werke wählte August Sommer die griechische Kunst. Seine Schöpfungen zeugen von einer vielseitigen Begabung. Er hat Gestalten mit strotzender Kraft geschaffen, aber auch solche von rührender Schönheit, dazwischen treibt bei seinen Figuren der Schalk sein munteres Wesen. Zu den ersteren gehört seine Arbeit „Centaur im Kampf mit der Schlange“. Als Brunnenfigur steht dieses Werk in Bremen. Wir besitzen davon im Erdgeschoss des Coburger Rathauses einen stark verkleinerten Bronceabguss. Desweiteren befindet sich im Westpavillon des Hofgartens (besser bekannt als Milchhäusle) ein Gipsabdruck von dieser Skulptur. Centauren sind Gestalten aus der griechischen Mythologie. Die bildende Kunst verlieh ihnen als Körper den Oberteil eines Menschen und den Unterteil eines Pferdes. Für Schloss Reinhardsbrunn bei Gotha schuf Sommer ein Denkmal des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, welches allerdings während der DDR-Zeit zerstört wurde. Seine wohl in Coburg bekannteste Schöpfung ist das Prinz-Josias-Denkmal auf dem Theaterplatz. das am 24. Oktober 1911 enthüllt wurde. Alles, was damals in Coburg Rang und Namen hatte und dazu noch viele auswärtige Persönlichkeiten, nahmen an den Feierlichkeiten teil. Das Standbild zeigt den Prinzen im Alter von 50 Jahren, angetan mit der Feldmarschalluniform damaliger Zeit. Es wurde bezahlt mit der ersten Rate aus der von König Leopold II. von Belgien im Jahre 1907 gegründeten Niederfüllbacher Stiftung. An dem Denkmal arbeitete Sommer bereits drei Jahre. Die Gesamtkosten, einschließlich des Granitsockels der aus dem Fichtelgebirge stammte, beliefen sich auf 28.000 Goldmark. Den Bronceguss besorgte die Firma Lenz in Nürnberg, die auch das Denkmal des Prinzen Albert auf dem Markt gegossen hatte. Ein Werk Sommers, das über ein Jahrzehnt früher als das Josiasdenkmal entstanden ist, befindet sich bei Ziegelsdorf, das man am besten von Scherneck aus erreichen kann. Gegenüber dem Schloss, im Wald versteckt, liegt die Begräbnisstätte des Werner von Seebach, einst Schlossherr von Ziegelsdorf. Im Inneren dieses Mausoleums befindet sich die lebensgroße Figur eines segnenden Christus. Diese wurde von Sommer im Jahre 1897 geschaffen. Um weitere Kunstwerke Sommers zu sehen, brauchen wir aber nicht nach Ziegelsdorf zu fahren. Ein Spaziergang zum Hofgarten genügt. Im Jahre 1904 wurde zum Andenken an Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha der Herzog-Alfred-Brunnen errichtet. Die beiden Figuren dort stammen von dem Künstler. Die linke Figur nannte der Künstler „Schreck“ und stellt einen erschrockenen Mohren dar, der von einer Schlange in Schrecken versetzt worden ist. Die anmutige weibliche Gestalt wurde von Sommer als „Idylle“ bezeichnet. Sie verkörpert ein schönes Mädchen. Idylle heißt soviel wie friedlich, einfach schön, was bei diesem Kunstwerk auch zum Ausdruck kommt. Ganz in der Nähe dieses Brunnens steht links auf einem kleinen Hügel der bereits erwähnte Westpavillon, welcher viele Jahre das Atelier August Sommers war. In dieser Wirkungsstätte hat er viele Werke geschaffen. Die schalkhaften grotesken Figuren sind dem Künstler besonders gut gelungen. Im Depot der Städtischen Sammlungen gibt es zum Beispiel eine Broncefigur „In der Not frisst der Teufel Fliegen“, in der dies besonders gut zum Vorschein kommt. Ein weiteres Werk, die Gestalt eines Knaben, der ein Weingefäß trägt, das ein unsichtbarer Feind mit einem Pfeil durchbohrt hat, ergötzt durch das verdutzte Gesicht. Eine ebenfalls humoristische Figur zeigt den „Vergesslichen Teufel“, der mit Hilfe seines Schwanzes einen Knoten bindet, um an irgendetwas erinnert zu werden. August Sommer war auch der Schöpfer einiger Hermen, das sind Oberkörper menschlicher Figuren auf viereckigen, oben breiten und nach unten schmäler zulaufenden Pfeilern. Das Opernhaus von Wien zierten innen Medaillons von der Kaiserin Maria Theresia, dem Kaiser Leopold und von Mozart, die Sommer geschaffen hat. Die Universitätsbibliothek von Budapest wies zahlreiche Figuren auf, die wahrscheinlich während des Aufenthalts des Künstlers in der ungarischen Hauptstadt entstanden sind. Zahlreiche Grabdenkmäler, so zum Beispiel das des Hofapothekers Heil aus Coburg, zeugen davon, dass Sommer auch von privater Seite Aufträge erhalten hat. Aber nicht nur seine Werke erinnern an ihm heute. Es besteht noch eine August- und Mathilde-Sommer-Stiftung, die von der Stadt Coburg verwaltet wird. Trotz Inflation und trotz Währungsreform wirft sie immer noch 250 Euro jährlich Zinsen ab, die laut Vermächtnis blinden Menschen unserer Stadt zugute kommen sollen, die in Not geraten sind.
Bildquellen: Bild 1: August Sommer (entnommen aus der Festschrift der Künstlerzunft St. Lukas) Bild 2: Der Westpavillon im Hofgarten - das Atelier Sommer (Foto: Christian Boseckert, 2006) Bild 3: Der Centaurenbrunnen im Treppenhaus des Coburger Rathauses (Sammlung Boseckert) Bild 4: Das Josias-Denkmal auf dem Theaterplatz (Foto: Christian Boseckert, 2008) Bild 5: Der Herzog-Alfred-Brunnen mit Skulpturen Sommers (Foto: Christian Boseckert, 2006)
Die Mohrenstraße war am Anfang ihres Bestehens eine Wohnstraße des gehobenen Mittelstandes. So liest man in einem alten Adressbuch folgende Berufsbezeichnungen bzw. Titel: Bankdirektor, Arzt, Professor, Geheimrat, Schulrat, Baumeister, Rohrmöbelfabrikant, Bürgermeister, Rechnungs-rat, Kommerzienrat, Eisenbahnbetriebsinspektor usw. Genauso auffallend ist die Tatsache, das in der Mohrenstraße zahlreiche Privatiers wohnten. Das waren keine Rentner im heutigen Sinne, sondern gut situierte Leute, meist Witwen, die von den Zinsen ihres Kapitals lebten. Während sich heute in fast allen Erdgeschossen der Gebäude in dieser Straße gewerbliche Betriebe und in vielen Etagen Büroräume befinden, zählt man am Ende des 19. Jahrhunderts nur fünf Ladengeschäfte. Diese sollen im Rahmen des Aufsatzes kurz vorgestellt werden. Zu den ältesten eingesessenen und noch existierenden Firmen der Mohrenstraße gehört das Café und die Konditorei Schubart, welche am 15. August 1891 im Hause Nr. 11 vom gebürtigen Eisfelder Carl Schubart gegründet wurde. Schon bald stieg das Unternehmen zum Hoflieferanten auf. Das verliehene herzogliche Wappen ist heute noch über dem Eingang zum Café zu sehen. Ältere Leser werden noch ein zweites Café kennen, welches in der Mohrenstraße existierte. In den Gebäuden Nr. 21 und 23 war die am 1. Mai 1893 gegründete Konditorei Schilling sesshaft, welche bis 1990 bestand. Der Begründer des Unternehmens, der Bäckermeister Hermann Schilling, hatte beim Bau des Hauses Mohrenstraße Nr. 23, im Jahre 1892, auf die Planung einer Backstube im Kellergeschoss bestanden. Gegenwärtig befinden sich im früheren Café Schilling, das Schreibwa- rengeschäft McPaper & Co sowie die Werkstatt des Juweliers Schwahn aus dem Nachbarhaus Nr. 25. Um dieses Nachbarhaus soll es nun gehen. Im Jahre 1894 zog in das neu erbaute Gebäude das Wäschegeschäft von Clara Blüming ein, welches bereits zehn Jahre vorher schon gegründet worden war. Auch dieses Unternehmen gehörte zum Kreis der herzoglich sächsischen Hoflieferanten. In eine Annonce aus dem frühen 20. Jahrhundert warb man für seine feine Wäsche und seiner auserlesenen Herrenkonfektion. Das Geschäft konnte sich bis 1960 halten und wurde durch die Parfümerie und Drogerie Liedtke ersetzt. Schräg gegenüber von Blüming lag das vierte alte Geschäft der Mohrenstraße. Im Hause Nr. 26 eröffnete im Jahre 1894 das Glas- und Porzellanwarengeschäft Alfred Henne, welches ebenfalls den Hoflieferantenstatus inne hatte. In der Wirtschaftskrise von 1929 ging dieses vornehme Geschäft zu Grunde. In die Räume zog schließlich der „Elektro-Trommer“ ein, bevor er in die Spitalgasse umzog. Heute beherbergt das Gebäude des Modegeschäft „Jeans-Reuter“ und einen chinesischen Schnellimbiss. Etwas abseits lag das traditionsreiche Tapeten- und Linoleumgeschäft Volz in der Mohrenstraße Nr. 6. Bereits 1884 hatte die Firma Brockardt für den Kaufmann Ernst Volz ein Gebäude an dieser Straße errichtet. An der Seite zur Kanalstraße waren Lagergebäude angebaut, denn Volz betrieb auch einen regen Versandhandel. Der alte Verkaufsladen musste 1964 einem Neubau Platz machen, in dem das Tapetengeschäft Volz wieder einzog. Dort residierte das Unternehmen die letzten Jahre. Wirtschaftliche Zwänge führten schließlich 2005 zur Aufgabe des gut eingeführten Geschäftes. Es sei gesagt, das die hier erwähnten fünf Geschäfte sinnbildlich für die Entwicklung der Mohren- straße von der Wohn- zur Geschäftsstraße stehen. Blättert man im Adressbuch von 1928, so entdeckt man weitere Geschäfte, die noch die Vornehmheit der Straße verdeutlichen. Zur Abrundung des Aufsatzes seien sie hiermit erwähnt: Herrenschneider & Ausstatter E. Wiegand (Nr. 21, später Café Schilling), Hofbuchhandlung Albert Seitz (Nr. 27, später Goebel-Porzellanwaren- geschäft), Nr. 31 (Optiker Müller), Weinstube Josef Fink (Nr. 16, heute Metzgerei Thein), Damen- putzgeschäft Margarethe Einmahl (Nr. 20, heute Imbisskette „Subway“) und der Hofjuwelier Willi Ganssen im Haus Nr. 30 (heute Geschäftsstelle der Sparda-Bank). Eines zeigt diese Auflistung jedoch auch, nämlich wie sehr sich die Geschäftswelt in der Mohrenstraße sich verändert hat. Die Jahre haben auch das Aussehen der einzelnen Häuser nachhaltig geprägt, meist nicht zu ihrem Vorteil. Eine Ahnung wie schön und kunstvoll die Außenfassaden der Geschäfte einst waren, geben uns noch die Anwesen Nr. 26 (Jeans-Reuter) und 27 (Wig-Wam). 1990/91 rekonstruierte man die Erdgeschossfassaden der Häuser Nr. 21 und 23, nach Aufgabe des Cafés Schilling nach altem Vorbild. Das gleiche geschah mit dem Parterre des Anwesens Nr. 33 (Bäckerei Grams, ehemals Neue Presse). Es ist interessant, wie sich die Mohrenstraße in den nächsten Jahren noch entwickeln wird.
Bildquellen: 1. Cafe & Konditorei Schubart (Sammlung Boseckert) 2. Innenraum des Cafès Schilling (Sammlung Boseckert) 3. Der Charakter der Mohrenstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts war noch als Wohnstraße geprägt. (Sammlung Boseckert)