1727 Erstmalige Erwähnung eines Gartengrundstücks auf dem Gelände der beiden Gartenhäuser auf dem Adamiberg. Besitzerin ist die Tuchmacherswitwe Catharina Ketschenbach aus Coburg.
1741 Der Kaufmann Johann Andreas Adami erwirbt das Grundstück für 360 fl. Kauff- und 3 Specisthaler Gönnegeld. Er ist der Namenspate des Adamiberges, der vorher Kleiner Judenberg genannt wurde.
1775 Adamis Schwiegersohn, der Hoftrompeter Georg Gotthold Waldsachs eröffnet auf dem Grundstück den ersten Biergarten Coburgs.
1778 Georg Gotthold Waldsachs lässt in seinem Biergarten ein Gartenhäuschen, das spätere Jean-Paul-Häuschen, errichten.
1803 bis 1804 Der deutsche Schriftsteller Jean Paul schreibt hier seinen wohl bedeutendsten Roman „Flegeljahre“. Der Biergarten ist zu dieser Zeit noch bis ungefähr 1839 vorhanden.
1844 Albert Friedrich Schnür, Geheimer Oberfinanzrat, erwirbt das Gartengrundstück am Adamiberg von der Knopfmachermeisterswitwe Catharina Barbara Dietz.
1862 Der Geh. Oberfinanzrat Schnür erhält vom Herzogl. Sächs. Staatsministerium in Coburg die Zustimmung zum Bau eines Pavillons auf dem Adamiberg. Mit der Bauausführung betraut Schnür den Coburger Architekten Paul Gehrlicher. Es entsteht das heutige Ernst-Albertiner-Haus.
1866 Der Kreisgerichtsdirektor Georg Ottilius Schnür wird nach dem Tod seines Bruder Albert Friedrich neuer Eigentümer des Grundstücks. In dieser Zeit wird dessen Gartenhaus in der Bevölkerung „Schnür´s Pavillon“ genannt. Der Name verdeutlicht einen gewissen Bildungsanspruch des Coburger Großbürgertums, das hier einen gesellschaftlichen Mittelpunkt erhalten sollte.
1877 Protokolle des Kreisgerichtsdirektors Schnür beschreiben die Inneneinrichtung der beiden Gartenhäuser auf dem Adamiberg. Ernst-Albertiner-Haus: „Der Pavillon ist lediglich für gesellschaftliche Zwecke bestimmt; derselbe besteht aus einem großen Salon mit 6 großen Doppel-Logen-Fenstern und 2 kleineren Räumen, die jedoch nicht groß genug sind um darin wohnen zu können resp. dass ein Haushalt darin geführt werden kann, dagegen geht demselben ein Abort, ein Holzstall und eine Waschgelegenheit ab. Bezüglich der Heizvorschriften bemerke ich, dass der Pavillon im Saal einen weißen Porzellanofen enthält, der bloß zur Dekoration bestimmt ist.“ Jean-Paul-Häuschen: "Das Jean-Paul-Haus in meinem Garten am Adamiberg ist nicht bewohnbar, weil keine Küche, kein Keller, kein Abtritt, kein Holzstall und keine Waschgelegenheit vorhanden ist um einen Haushalt darinnen zu führen. Berzüglich der Heizung bemerke ich, dass das Jean-Paul-Häuschen ein Zimmer mit einem Ofen hat. Aus eben diesem Grunde ist das Gebäude für mich nicht verkäuflich. Der Verkauf würde viel leichter zu realisieren sein, wenn dasselbe in der dermaligen Beschaffenheit bewohnbar wäre."
1889 Der Coburger Theatermaler Professor Friedrich Lütkemeyer erwirbt beide Gartenhäuser von den Erben des Kreisgerichtsdirektors Schnür. Er nennt den Schnür´schen Pavillon sein „Tusculum“(Anmerk.: Tusculum war im Altertum und Mittelalter eine Stadt in Latium, südöstlich von Rom an den Albaner Bergen, in der Nähe des heutigen Frascati gelegen.) Im Untergeschoss, dem sogenannten „Sala terrena“ stellt Lütkemeyer drei allegorische Steinfiguren auf: den „Morgen“, „Mittag“ und „Abend“. Alle drei Figuren sind heute im Coburger Kunstverein am Hofgarten ausgestellt.
1912 Professor Lütkemeyer stirbt im Alter von 70 Jahren. Das Gartenhaus bleibt noch bis 1916 im Besitz seiner Familie.
1916 Die Niederfüllbacher Stiftung erkauft das Grundstück von der Erbengemeinschaft Lütkemeyer.
1917 Die Stadt Coburg erwirbt das Grundstück, nebst den beiden Gartenhäusern. Sie ist bis heute der Eigentümer des Areals. Die Gartenhäuser werden u.a. an den Betreiber der Coburger Schlachthofgaststätten, dem Metzgermeister Bernhard Pfab vermietet. Zeitgleich erfolgt der Umbau zu Wohnhäusern.
Nach 1945 Mehrere Flüchtlingsfamilien aus Schlesien und dem Sudetenland kommen in den Gartenhäusern unter. Während der "Schnürs Pavillon" bis 1974 von zwei Coburger Familien bewohnt wird, zieht in das Jean-Paul-Häuschen eine Pfadfindergruppe ein.
1975 Die Technische Vereinigung Coburgia zu Coburg mietet den "Schnürs Pavillon" von der Stadt und baut es im Inneren um. Noch im gleichen Jahr kann das erste „Coburgenhaus“ der Vereinigung seiner Bestimmung übergeben werden. Damit konnte die T.V. Coburgia als erste Corporation in Coburg auch ein eigenes Haus vorweisen.
2004 Die Schülerverbindung Ernesto-Albertina zu Coburg wird neuer Mieter des Pavillons, nachdem die T.V. Coburgia ihr neues Coburgenhaus in der Adamistraße bezogen hatten. Erneut findet eine umfassende Renovierung des Hauses statt. Gleichzeitig findet eine Umbenennung des Gebäudes in Ernst-Albertiner-Haus statt.
Bilder: 1. Der Schnürs Pavillon (Fotosammlung Norbert Niermann) 2. Das Jean-Paul-Häuschen (Fotosammlung Christian Boseckert)
Coburg war einst eine sehr bedeutende Bierstadt. Darüber geben die Artikel von Gerd Bieler, Patrick Aigner und Norbert Niermann über die Geschichte der Vereinsbrauerei sowie den zahlreichen Fotodokumentationen über die Coburger Hofbräu und der Brauerei Scheidmantel reichhaltig Auskunft. Der folgende Beitrag über die Wagnersbrauerei soll nun ein weiteres Mosaiksteinchen dafür sein, wie bedeutsam das Coburger Bier in früheren Zeiten war. Die Geschichte dieser Brauerei begann bereits im Jahre 1770 im Hause Judengasse Nr. 11 (heute befindet sich dort der PLUS-Markt). In diesem Jahr erwarb die Familie Wagner das Anwesen und eröffnete dort eine Bäckerei. 20 Jahre später verlieh Herzog Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld der Familie die Brau- und Schankgerechtigkeit. Es war zur damaligen Zeit nichts ungewöhnliches das Bäcker im Nebenberuf auch Brauer waren, denn brauen konnte man nur in der kalten Jahreszeit. Konservierungsmittel waren noch völlig unbekannt und so schlug der Gerstensaft bei warmen Temperaturen immer ganz schnell um. Unter dem Bäckermeister Nikolaus Wagner (1789-1858) erlebten die Bäckerei und auch die Brauerei ihren ersten Höhepunkt. Insgesamt zehn Gesellen und 18 Dienstboten beschäftigte er in dieser Zeit. Zusammen mit seiner Ehefrau Ernestine hatte Wagner drei Söhne und eine Tochter. Der Erstgeborene Sohn Peter Wagner führte die Bäckerei in der Judengasse weiter. Sie sollte dort noch bis 1965 existieren. Der zweite Sohn Friedrich (geboren 1830) sollte die Brauerei übernehmen. Er genoss daher eine Ausbildung im Büttnerhandwerk und als Bierbrauer im elterlichen Betrieb. Im Jahre 1853 erwarb sein Vater Nikolaus das Anwesen Herrngasse Nr. 5. Dort existierte zu jener Zeit ein Gasthaus „Zur Rose“ mit Braugerechtigkeit. Nach dem Tode von Nikolaus Wagner im Jahre 1858 erhielt nun Friedrich Wagner dieses Grundstück im Erbgang. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die Bierproduktion von der Juden- in die Herrngasse verlegt. Das Gasthaus war schon 1853 von Friedrich Wagner bewirtschaftet worden. Dies belegt die Gründungurkunde des Coburger Vereins „Concordia“ der 1856/57 in den Räumen des Gasthauses „Zur Rose“ gegründet wurde. Mit dem ererbten Gebäude hatte Wagner nun große Pläne. 1859 baute er sich in das Haus eine Malzdarre ein. Er wollte wohl seine Brauerei weiter ausbauen. Das dafür notwendige Wasser bezog er aus dem Rückertbrunnen. Doch waren die räumlichen Verhältnisse in der Herrngasse recht beengt, sodass Wagner sich gezwungen sah, außerhalb der Stadt eine neue Brauerei errichten zu lassen. Im Jahre 1863 erwarb er daher einige Grundstücke am Fuße des Judenberges. Dort begannen im Jahr darauf die ersten Arbeiten zum Bau einer Brauerei und einer Brauereigaststätte. Umfangreiche Unterlagen sind dazu im Stadtarchiv Coburg vorhanden. Es wird dabei von einem Neubau eines Bierkellers und eines Lagerhauses, dem Aufbau eines Stockwerkes auf ein Wirtschaftsgebäude im Neuen Weg, einem Anbau am Wohnhaus im Neuen Weg und von dem Einbau einer Braupfanne im Keller am Neuen Weg berichtet. 1874 installierte man in die Wagnersbrauerei eine Dampfkesselanlage. Die Brauerei trug einst die Adresse Judenberg Nr. 2 und befand sich direkt an der Stelle der sogenannten Judenbergunterführung, gegenüber des Böhm´schen Privatkindergartens. Diese Unterführung gab es 1863 noch nicht. Die Bahnschienen verliefen noch ebenerdig zur Straße hin, sodass man nur einen einfachen Bahnübergang überqueren brauchte. Da es auch noch keine Stadtautobahn gab, war dort genügend Platz für eine Brauerei. Die Brauereigaststätte hingegen befand sich genau auf der anderen Straßenseite der heutigen Unterführung Richtung Neuer Weg. Sie wurde ebenfalls, wie das Gasthaus „Zur Rose“ in der Herrngasse in den folgenden Jahrzehnten von der Familie Wagner bewirtschaftet. Zu dieser Zeit war der Konkurrenzdruck immens groß. Besonders die Gründung der Vereinsbrauerei am Hahnweg im Jahre 1871 veränderte die Situation der bis dahin bestehenden Braubetriebe. Friedrich Wagner sah sein Unternehmen darin gefährdet. Um dem entgegen zu steuern wollte Wagner selbst, mit einigen Braukollegen eine Brauerei, ähnlich der Vereinsbrauerei gründen. Und er gewann auch zwei Bierbrauer, die bei dieser Sache mitmachten: Carl-August Flinzberg und Karl Müller. Flinzberg hatte seinen Betrieb in der Judengasse Nr. 19 (heute Gaststätte Rizzibräu), Müller betrieb eine Gastwirtschaft und eine Brauerei in der Metzgergasse Nr. 9 (ehemals Gaststätte „Zur Goldenen Krone“). 1875 erwarben diese drei die Gebäude der früheren Ernst Fischer´schen Färberei und Wollwarendruckerei in der Badergasse Nr. 8 (heute steht dort der Baderhof). Dort gründeten sie die „Genossenschaftsbrauerei“. Leider blieb diese Unternehmung nicht von Erfolg gekrönt. Bereits 1885 musste die Brauerei Konkurs anmelden. Das Gelände übernahm die Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg. Von diesem Misserfolg erholte sich die Wagnersbrauerei und deren Besitzer Friedrich Wagner nicht mehr. Er starb noch im selben Jahr im Alter von 55 Jahren. Die Brauerei im Neuen Weg erbten nun dessen beide Söhne Ernst und Friedrich Wagner jun. Sie stellten im Jahre 1887 den Braubetrieb endgültig ein und verkauften 1893 Teile des Brauereigeländes an die Deutsche Reichsbahn, die das Gelände zum Ausbau ihres Streckennetzes am Coburger Hauptbahnhof benötigte. Allerdings sollten die ersten Arbeiten dort im Jahre 1911 beginnen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde die Brauerei abgebrochen, dass sie der neuen Judenbergunterführung im Wege stand. Die Brauereigaststätte wurde unter dem Namen „Wagnersbrauerei“ noch bis in die Mitte der 1920er Jahre weitergeführt. Danach diente sie als Bierniederlage der Bamberger Hofbräu AG. Das Haus blieb bis 1899 im Besitz der Familie Wagner. Danach war eine Familie Catterfeld jahrelang Eigentümer des Hauses. Im Zuge des Ausbaus des Neuen Weges zur Stadtautobahn wurde die Brauereigaststätte im Jahre 1977 abgebrochen. Mit ihr verschwand die letzte Erinnerung an diese Coburger Brauerei. Lediglich einige Bierkeller haben sich von ihr noch bis in die Gegenwart erhalten.
Bildquellen: Bild 1: Der Ursprung der Bierbrauerei Wagner in der Judengasse Nr. 11 (Foto: Christian Boseckert) Bild 2: Das ehemalige Gasthaus "Zur Rose" in der Herrngasse. (Foto: Christian Boseckert) Bild 3: Die ehemalige Brauereigaststätte Wagner im Neuen Weg Nr. 1 (Foto im Besitz der Familie Catterfeld).
Noch häufig schwärmen die alten Coburger von den urig gemütlichen Gastwirtschaften in ihrer Stadt, in der sie einst einheimische Spezialitäten wie Bratwürste, Rindleisch und Meerch, sowie auch Klöße und Bratkartoffeln bekamen. Viele dieser Speiselokale sind inzwischen verschwunden und damit ein Stück Lebensqualität. Eines der beliebtesten Lokalitäten war der Gasthof „Zum Schwarzen Bären“ in der Spitalgasse. Er befand sich dort, wo sich heute der Eingang zum noch existierenden WEKA-Kaufhaus befindet. Dort stand vor über 30 Jahren noch das alte Haus Spitalgasse Nr. 14, wo der „Bären“ beheimatet war. Die Ursprünge dieses Gebäude gehen bis ins Jahr 1404 zurück. Damals gehörte das Anwesen der bekannten Coburger Patrizierfamilie Bach und wurde im Volksmund als der „Bachenhof“ bezeichnet. 1461 wurde an dieser Stelle ein neues Haus errichtet, in dem wohl 1584 eine Gaststätte eröffnet wurde. Seit 1596 bis zu seinem Ende hieß es „Gasthof zum Schwarzen Bären“ und war ursprünglich Absteigequartier von Fürsten und Rittern. Erster Wirt war seinerzeit ein Hans Christian. Das Haus Spitalgasse Nr. 14 hatte einst eine große Ausmaße, die man der Ausdehnung des gegenwärtigen Kaufhauses in der Großen Johannisgasse erkennen kann, dessen heutige Front dort das ehemalige Haus Große Johannisgasse Nr. 4 mit einschließt. Für größere gesellige Veranstaltungen standen schon früher im „Bären“ Räume zur Verfügung. So berichtet der Chronist Karche von einem Fest im Jahre 1766, das die Handwerker nach Errichtung eines Galgens auf dem Glockenberg (Dieser Galgen lag an der heutigen Hohen Straße) im „Bären mit Musik und Tanz feierten“. Man fand anscheinend damals nichts weiter dabei, sich durch ein „Richtfest“ eines neuen Galgens ein paar schöne Stunden zu machen. Einen sehr großen Umfang hatten die Stallanlagen des „Bären“, die über 100 Pferde fassten. Das war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall, denn Autos gab es zu dieser Zeit noch sehr wenige und der „Bären“ war das bevorzugte Einstell- und Einkehrgasthaus der Landbevölkerung. Wahrscheinlich gab es schon damals Parkprobleme, denn eine endlose Reihe von Wagen säumten die Johannis- und Spitalgasse. Der „Bären“ war ursprünglich nicht nur ein großer Gasthof, sondern gleichzeitig auch eine Bäckerei und Brauerei. Sein Bier braute der „Bären“ noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Städtischen Brauhaus in der Steingasse (heute Sitz des Stadtarchivs Coburg). Noch um 1900 war hoch oben unter dem Dach des „Bären“ der Malzboden, als eine letzte Erinnerung der Brautätigkeit der Wirte, vorhanden. Ebenfalls um diese Zeit war der tiefe, breite Hausflur mit dem großen Torbogen, den der schreitende Bär krönte, besonders im Sommer ein bevorzugter Aufenthalt der Gäste. Rechts vom Hausflur war damals noch ein kleiner Friseurladen des Barbiers und Staatlich geprüften Heilgehilfen Adam Winkelmann und links ging es einige Stufen hinauf zur eigentlichen Gaststube. Oft war der Betrieb im Hausflur so beängstigend groß, dass die Hausbewohner ihre liebe Not hatten, zu ihren Wohnungen zu gelangen. Der „Bären“ war so geräumig, dass nicht nur für die große Küche, die Gast- und Übernachtungsräume, sondern auch für Mieter genügend Platz war. Jene bildeten eine treue Hausgemeinschaft und wohnten oft über Generationen im Hause. Meist löste nur der Tod das Mietverhältnis. Selbstverständlich wurde der „Bären“ sehr oft umgebaut, verbessert und modernisiert. Man passte sich den Erfordernissen der Zeit an. Das tat besonders der beliebte „Weißens Helm“ (= Wilhelm Weiß) mit seiner Ehefrau Frieda und der Schwiegermutter, der „Vögtin“, die im „Bären“ viel zu sagen hatte. Die erste große Erweiterung unter Wilhelm Weiß fand schon vor dem Ersten Weltkrieg statt. Im Jahre 1922 verschwand der Friseursalon und wurde zum Eingang umgebaut. Der breite Hausflur wurde mit dem Gastzimmer vereinigt. 1924 wurde erneut umgebaut. Diesmal wurde ein Saal geschaffen, wobei ein Teil der Stallanlagen wegfiel. Der Saal war den Sängern vom Coburger Musikverein, der Turngenossenschaft und dem Infanterie-Regiment Nr. 95, welches in der Kaserne an der Neustadter Straße stadtioniert war, eine willkommene Heimstätte, die mit humorvollen Bildern, Wappen und Emblemen der Vereine geschmückt war. Der „Bären“ war ein Gasthof, der weit über die Grenzen des Coburger Landes hinaus bekannt war. Er bot eine preiswerte Unterkunft und die eigene Metzgerei sowie die Küche sorgten für gutes Essen zu soliden Preisen. Umso trauriger war man, als im Jahre 1958 das Aus für den „Bären“ kam. Die Gaststube wurde zu einem Verkaufsraum umgebaut, in dem das Kaufhaus „Zum Mohren“ einzog. Dort blieb das Unternehmen bis 1975. Im selben Jahr kam es zum Abbruch des Gebäude, zugunsten eines neuen Kaufhaus-Komplexes. Erhalten blieb dabei das alte Eingangstor mit dem schreitenden Bären, welches in die Große Johannisgasse versetzt wurde und wo es heute noch als letzte Erinnerung an den alten „Bären“ zu sehen ist.
Bildquellen: Bild 1: Werbung des "Bären" um 1920 (Sammlung Norbert Niermann) Bild 2: Das Eingangsportal des "Bären" in der Großen Johannisgasse (Foto: Christian Boseckert, 2006) Bild 3: Das Alte Gasthaus "Zum Schwarzen Bären", bevor es 1975 abgerissen wurde (Sammlung Norbert Niermann)
Im Rahmen des Filmbeitrages über die Verrohrung des Hahnflusses aus dem Jahre 1967 befasst sich auch das Coburg-Magazin mit der Geschichte dieses Seitenarms der Itz.
Der Hahnfluss auf Höhe der Schenkgasse (Zeichnung von Emil Maurer, im Privatbesitz Boseckert)
Über den Hahnfluß 1938
Es ist sehr lohnend, einmal die Winkel und stillen Idyllen aufzusuchen, die man dem Hahnfluß ließ. Noch immer waschen die Frauen auf Holzstegen ihre Wäsche, und dann flattert sie zum Trocknen auf den offenen Holzgängen und Böden der alten Häuser, die heimlich Tag und Nacht dem verschwiegenen Gang des Wassers lauschen. Manche Gasse führt dorthin. Die Namen sagen viel aus und lauten: Gerbergasse, Schenkgasse, Brunnengasse, Badergasse, Mühlgasse und Walkmühlgasse. An der Judenbrücke, der einzigen alten Steinbrücke noch, vereinigt sich der Hahnfluß nach kurzem, arbeitsreichem und fröhlichem Dasein wieder mit seiner Lebensspenderin, der Itz... (Quelle: Städte der bayerischen Ostmark - Coburg 1938)
Der malerische Hahnfluss am Lohgraben nach Hans Weberpals (im Privatbesitz Boseckert).
Oberhalb des Stadtteils Cortendorf entläßt die Itz einen kleinen Nebenfluss, der zunächst entlang dem Höhenzug und nach dem Rittersteich durch die Stadt fließt, bis er schließlich nach nur 3300 Meter bei der Judenbrücke wieder in das eigentlich Flußbett zurück kehrt. Wenn auch der Mensch dieses Nebengewässer vielfach nach seinem Gutdünken - bzw. nach den wirtschaftlichen Erfordernissen - formte, so dürfte der eigentliche Ursprung doch natürlich gewesen sein. Die vielen Windungen des Hahnflusses in früheren Zeiten, wie alte Karten erkennen lassen, deuten jedenfalls darauf hin. (Zitat aus: Georg Aumann / Karl-Ulrich Pachale: Die Itz (= Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg, Band 15) Coburg 2001.)
Der Zusammenfluss von Itz und Hahnfluss an der Judenbrücke (Sammlung Christian Boseckert)
Mühlen am Hahnfluss:
1.) Pulver- und Walkmühle in Cortendorf (1841 bzw. 1863 abgerissen, die Mühlen befanden sich auf dem Betriebsgelände der Firma Lasco)
2.) Lohmühle am Hahnweg, gegenüber der Firma Waldrich.
3.) Hahnmühle
4.) Hasel- bzw. Ennesmühle in der Gerbergasse (1985 im Zuge des Baus des Parkhauses Mauer abgerissen)
5.) Stückles-Brods- bzw. Stadtmühle in der Badergasse (1970 abgerissen, die Mühle befand sich auf dem Kaufhofgelände)
6.) Lautermühle in der Mühlgasse (1875 abgerissen, heute steht dort das Haus Mühlgasse Nr.12)
7.) Walk- bzw. Halbmühle in der Walkmühlgasse (Beie Mühlen sind erhalten.)
Verlaufsplan des Hahnflusses nach einem alten Stadtplan von 1819.
Über die Bauten des Coburger Jugendstilarchitekten Max Böhme wurde bereits an anderer Stelle im Coburg-Magazin gesprochen. Nun soll es um die Person Böhme gehen, der so viele bedeutende Gebäude in Coburg geschaffen und damit das Gesicht der Stadt geprägt hat.
Viele werden gar nicht wissen dass Böhme kein gebürtiger Coburger war. Geboren wurde er am 14. Mai 1870 in Zeitz, welches im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt liegt. Nach dem Ablegen des Abiturs in seiner Heimatstadt begann er ein Architekturstudium in Buxtehude bei Hamburg. Dort begeisterte er sich für einen neuen Baustil, der ab 1896 seinen Siegeszug in Deutschland einhielt. Es war der Jugendstil, dessen Zentren München und Darmstadt waren. Dort wollte Böhme unbedingt die neue Architektur kennen lernen und er schaffte es auch in Darmstadt eine Arbeitsstelle zu bekommen. Im Großherzoglich Hessischen Ministerium (Darmstadt war damals die Hauptstadt des Großherzogtums Hessen) war er von 1898 bis 1899 in der Bauabteilung tätig und lernte hier wohl die bekanntesten deutschen Jugendstilarchitekten Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich, Hans Christiansen und Ludwig Haich kennen. Sie prägten Böhmes zukünftige Bauten.
Im Jahre 1899 bekam Böhme erstmals die Möglichkeit selber architektonisch tätig zu werden. Die Stadt Halle an der Saale stellte ihn als Zweiten Stadtbaumeister ein. Doch, er war ehrgeizig genug um selber eine Baubehörde führen zu wollen. Diese Möglichkeit erhielt er 1902 als die Herzogliche Residenzstadt Coburg die Stelle die Stadtbauamtsleiters ausschrieb. Seine Referenzen überzeugte die Coburger Stadtspitze so, dass er am 1. Januar 1903 die Stelle antreten konnte. Hier erstreckte sich seine Verantwortung sowohl auf die vielseitigen kommunalen Bauten, als auch auf die Überwachung und Bauberatung der privaten und gewerblichen Projekte. Zunächst aber musste er die begonnenen Objekte seiner Vorgänger zu Ende führen. Dabei war er erfüllt von dem „neuen Geist“ in der Architektur. Das führte aber auch dazu, dass Böhmes Weg in der Anfangszeit seiner Tätigkeit in Coburg sehr dornenreich war. Wie das bei revolutionierenden Umbrüchen so ist, geraten die Avantgardisten gehörig ins Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung. Viele hingen noch den historisierenden Bauten eines Julius Martinet nach, der einer von Böhmes Vorgängern war. Doch brachte seine Berufung nach Coburg ihm die Erfüllung seines beruflichen Lebens. Hier konnte er sich endgültig niederlassen und als Architekt und Baufachmann von hohem Können und künstlerischer Begabung beweisen. Bereits die ersten beiden Jahre in der Vestestadt waren für ihn sehr arbeitsreich. Sein erstes Bauwerk in Coburg wurde bereits 1903 eingeweiht. Es war das Direktionsgebäude der Städtischen Werke an der Ecke Bamberger Straße/Schillerplatz. Für seine Familie ließ er sich 1904 ein Jugendstilwohnhaus am Gustav-Freytag-Weg bauen, dessen Schönheit noch heute einem Jeden bezaubert. Der Höhepunkt seiner Karriere sollte aber noch folgen. Dieser war 1907. In jenem Jahr wurden das Ernst-Alexandrinen-Volksbad, die Heiligkreuzschule, das Städtische Krematorium auf dem Friedhof und der Umbau der Städtischen Werke abgeschlossen. Bei all diesen Projekten war Max Böhme federführend daran beteiligt. Die Bauten brachten ihm Anerkennung aber auch Kritik. Zur Einweihung der Heiligkreuzschule wurde Böhme von Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha zum Stadtbaurat ernannt. Der Herzog persönlich war von der Kunst Böhmes sehr beeindruckt. Doch es gab leider auch andere Stimmen. Er würde verschwenderisch mit Steuergeldern umgehen, sagte man damals im Bezug auf die deutlichen Kostenüberschreitungen beim Bau des Volksbades und der Heiligkreuzschule.
Noch in den folgenden Jahren war Max Böhme plante und errichtete er Gebäude in Coburg. Der Stadtrat sprach ihm 1921 eine Anstellung auf Lebenszeit aus. Doch musste er aus gesundheitlichen Gründen allerdings bereits drei Jahre später in den Ruhestand gehen. Max Böhme starb am 19. November 1925 im Alter von nur 55 Jahren nach langem Leiden. In einem Artikel im Coburger Tageblatt vom 20. November 1925 hieß es dazu: „Nicht immer fand er mit seinen Ideen und Plänen Gleichgesinnte, aber dank seiner Beredsamkeit und seiner überzeugenden Sachkunde wusste er sich durchzusetzen. Stets war er der Führer, niemals der Geführte. Mitunter war er der öffentlichen Kritik und ironischen Glossen ausgesetzt, um später doch Anerkennung und Verständnis zu finden, als seine Ideen und seine baukünstlerische Auffassung in der Bürgerschaft Verständnis gefunden hatten.“ Leider hat man viele Jahre Böhmes Wirken nicht sehr geschätzt, was der Teilabbruch des Ernst-Alexandrinen-Volksbades 1977 beweißt. Erst in den letzten zehn Jahren besinnt man sich auf das Erbe und dessen Bedeutung für Coburg. 1998 weihte man auf der Bertelsdorfer Höhe den Max-Böhme-Ring ein und ehrte ihn damit für seine Verdienste, die er sich für Coburg erworben hatte. Die Idee dazu hatte Frau Eva Herold, die mit den drei Töchtern Böhmes freundschaftlich verbunden war. Max Böhmes Grab befindet sich auf dem Hauptweg des Westfriedhofes, auf der linken Seite vom herzoglichen Mausoleum kommend. In dem Grab fanden auch seine Gattin Marie Böhme und sein Schwiegersohn, der Baurat Walter Müller, ihre Ruhestätte.
Bildquelle: Bild 1: Max Böhme(Fotosammlung Stadtarchiv Coburg) Bild 2: Max Böhmes Wohnhaus im Gustav-Freytag-Weg (Foto: Christian Boseckert, 2006) Bild 3: Max Böhme, 2. von links vor dem im Bau befindlichen Alexandrinenturm auf der Senningshöhe bei Mirsdorf (Fotosammlung Eva Herold, entommen aus Coburg, Rathaus - Bürger - Marktgeschehen und der Weg der Frauen ins Rathaus)
Hallo ich möchte hier mal ein neues Thema anreißen und zwar das Mittelalter. Welche Spuren sind aus dieser Zeit (500 bis 1500) noch erhalten?
Im Jahre 788 wird mit Bodelstadt im Itzgrund der erste Ort im Coburger Land erwähnt. Damals regierte noch Karl der Große.
Vergleicht man Coburg im Hochmittelalter (so um 1250) hat es sich schon weit entwickelt. Ein Markt, an denen sich Handelsstraßen kreuzten. Eine neu errichtete Burg (1225 erstmals erwähnt) Ein Franziskaner-Kloster Die Benediktiner-Propstei hinter der Moritzkirche Steinerne Befestigungsanlagen wie das Juden- oder das Spitaltor entstehen in dieser Zeit.
Rings um Coburg werden Burgen gebaut, welche den Ort vor äußeren Feinden (beispielsweise beanspruchte der Würzburger Bischof das Coburger Land für sich) schützte.
Zu nennen sind da Callenberg, die Veste Heldburg, der Straufhain, südlich von Coburg die Burg Hohenstein sowie die Lauterburg.
In Seßlach, welches älter als Coburg ist, stand bereits der Würzburger Bischof und hatte dort mit der Geyersburg seinen äußersten militärischen Stützpunkt.
Wer kann sich noch an die alte B4 erinnern, welche einst sich durch die Coburger Innenstadt zog. Für die jüngere Generation ist dies kaum noch vorstellbar. Der folgende Abschnitt über die B4 in der Ketschengasse soll zeigen welches verkehrstechnischen Probleme sich besonders nach 1945 offenbarten, welche schließlich zu einer Verlegung der Bundesstraße führten. Der Bereich des äußeren Ketschentores war verkehrstechnisch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein Problem. In den 1920er Jahren hatte die Motorisierung vor den Toren Coburgs auch nicht halt gemacht und der aufkommende Verkehr ließ die einspurige Durchfahrt durch das äußere Ketschentor zu einer ganz gefährlichen Engstelle werden. 1929 wurde deshalb erstmals ins Auge gefasst auf der Westseite vom Ketschentor eine Fahrbahn mit Gehweg durch das zur Stadt Coburg gehörende Anwesen Ketschengasse 56 zu schaffen. Aber erst 1939 stellte die Stadt beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege den Antrag, das besagte Haus abreißen zu dürfen. Doch das Landesamt war strikt gegen dieses Vorhaben und argumentierte: „Die Fernstraße 4, die durch das Ketschentor führt, soll man regional irgendwie umleiten, oder man solle sich doch dieser modernen Verkehrssignalanlage bedienen.“ Der Coburger Stadtspitze kam schließlich der Zweite Weltkrieg zu Hilfe. Nach einem Bombenangriff im Jahre 1940 auf Coburg wurden durch die gewaltigen Druckwellen Mauerrisse sichtbar, die zu einer Einsturzgefahr des Gebäudes neben dem Ketschentor führten. Gegen solche Tatsachen war selbst das Landesamt für Denkmalpflege machtlos. Noch im selben Jahr erfolgte die Abbruchgenehmigung, die aber aufgrund des Kriegsverlaufs nicht mehr ausgeführt wurde. Im Jahre 1945 kamen schließlich die Amerikaner nach Coburg. Diese fuhren Zeitzeugenberichten zu Folge mit ihren Panzern am 11.April 1945 oder kurz danach gegen das Haus Ketschengasse 56, um von Süden her in die Stadt zu gelangen, da die Durchfahrt durchs Ketschentor für ihre Fahrzeuge zu schmal war. Jetzt war das Gebäude endgültig einsturzgefährdet und stellte eine ernsthafte Gefahr für Fußgänger dar. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung mussten deutsche Kriegsgefangene im Juni/Juli 1945 das Haus abbrechen und beseitigen. Auf diese Weise war nun eine freie Durchfahrt für alle Fahrzeuge entstanden und damit das erste bauliche Eingriff im Bereich der alten Bundesstraße 4 abgeschlossen. Dieser Zustand hielt sich aber nur bis 1956, den in diesem Jahr stand die 900-Jahr-Feier Coburgs an und die Stadtführung wollte aus diesem Anlass diesen noch offen sichtbaren Kriegsschaden beseitigen. In einer Kampfabstimmung stellte der Stadtrat Mittel in Höhe von 104.000 DM bereit. Der Bauplan sah vor, einen runden Torbogen an dieser Stelle zu errichten. Die Arbeiten wurden im März 1956 begonnen und mit einer sechswöchigen Unterbrechung während der 900-Jahr-Feier im Dezember 1956 abgeschlossen. Dabei musste aber die verbliebene Flügelmauer auf der Westseite wegen des Überhanges von 23 cm gänzlich abgebaut und um diese Länge versetzt werden. Die Ausführung des gesamten Bauvorhabens wurde mit 134.000 DM abgerechnet. Das war enorm viel Geld für die damalige Zeit wodurch das Projekt in der Bevölkerung nicht ganz unumstritten war. Die einen bedauerten, dass die bisher so schön freie Durchfahrt nunmehr durch einen Torbogen eingeengt worden war, de anderen waren der Meinung, dass die Stadt soviel Geld besser hätte in den notwendigen Wohnungsbau angesichts des Flüchtlingsproblems stecken sollen. Ein weiteres Verkehrshindernis im Bereich der alten Bundesstraße 4 war die Einmündung der Rosengasse in die Ketschengasse. Dort standen, wo sich heute der Flachbau des Orthopädiegeschäftes Brünnerbefindet, die Wohnhäuser Ketschengasse 26 und Rosengasse 24, die eine Engstelle im Bereich der Rosengasse verursachten. Als im Jahre 1955 im Zuge der verstärkten Motorisierung der Coburger Bevölkerung der Stadtrat die Ketschengasse zur Einbahnstraße Richtung Marktplatz erklärte, musste Richtung Süden eine parallele einspurige Fahrbahn gefunden werden. Die Rosengasse war dafür wie geeignet. Problematisch war hier nur der Einmündungsbereich zur Ketschengasse hin. Autofahrer konnten Kraftfahrzeuge die aus Richtung Ketschentor kamen erst sehr spät sehen. Ein Jahr später, im April 1956, konnte diese Engstelle mit dem Abriss der Häuser Ketschengasse 26 (zuletzt Motorrad- und Automobilgeschäft Gottlieb Kob, vorher Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“) und Rosengasse 24 (zuletzt Färberei Arnold) beseitigt werden. Dass es sich bei den beiden Gebäuden um wichtige Denkmäler der Geschichte Coburgs handelte, störte anscheinend damals nicht. Schließlich befand sich seit 1317 an dieser Stelle das so genannte Ketschenbad bzw. die Untere Badstube in der sich die Coburger Bevölkerung des Mittelalters dem Badevergnügen hingeben konnte. Nun, im Jahre 1956 waren diese beiden Häuser Geschichte. An deren Stelle entstand ein einstöckiger Flachbau (ursprünglich war hier der Bau eines Hochhauses geplant, doch der Stadtrat lehnte eine solches Projekt im Jahre 1957 ab) der der Architektur der 1950er Jahre entsprach. Gleichzeitig wurde die Rosengasse verbreitert und die Sicht Richtung Süden gründlich verbessert. Dieser Zustand blieb bis 1983 erhalten. Danach verlegte man die Bundesstraße 4 auf den Neuen Weg bzw. Adamistraße und erklärte die Ketschengasse zur verkehrsberuhigten Zone. Seit 1997 ist der obere Teil dieser Straße eine Fußgängerzone.
Bilder (diesmal als Gegenüberstellung) Das Äußere Ketschentor um 1900 (Sammlung Patrick Aigner) Das Äußere Ketschentor heute (Foto: Christian Boseckert, 2006)
Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse um 1950 (Archiv Historische Gesellschaft Coburg) Die Ecke Rosengasse / Ketschengasse heute (Foto: Christian Boseckert, 2007)
Die Judengasse ist eine vertraute Coburger Straße mit alten, schönen Häusern. Dabei unterscheidet sich die Bauweise in zwei Bereiche. Wie noch deutlich sehen ist, stehen bis zum Judentor die großen, mehrstöckigen Bürgerhäuser, während außerhalb der Stadtmauern in der Vorstadt, die meist zweistöckige Bebauung der nicht so reichen Coburger Bürger, vorherrscht. Obwohl viele Gebäude ein hohes Alter vorweisen können, findet sich in dieser langen Straße nur ein freigelegtes Fachwerkhaus. Es steht direkt am Judentor und trägt die Adresse Judengasse 12. Sofort fällt neben der wunderschön, im Jahre 1995 restaurierten Fassade ein zweistöckiger Fachwerkerker auf, den man sonst nur noch an einem Gebäude in der Steingasse findet. Welche Geschichte hat dieses mittelalterlich aussehende Haus, das einst an der Coburger Stadtmauer stand? Nun, die erste Erwähnung des Gebäudes findet sich bei dem Häuserforscher Ernst Cyriaci im Jahre 1454. Das Fachwerk ist allerdings jüngeren Datums. Durch Untersuchungen der Holzkonstruktion konnte festgestellt werden, dass dieser Fachwerkbau Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden ist. Das steinerne Erdgeschoss ist allerdings älter. Davon zeugt das spätmittelalterliche Eingangsportal das bis zum heutigen Tage unverändert erhalten geblieben ist. Nur die alte Türe wurde Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts entfernt. Die beiden anderen Fenster zum Ladengeschäft stammen aus dem Jahr 1874. Doch noch mal zurück zum Fachwerk.
Erst im Jahre 1950 wurde dieses Meisterwerk der Zimmermannskunst bei einer Renovierung entdeckt. Unter der Leitung des renommierten Architekten Albert Freiberg wurde das Fachwerk schließlich freigelegt, nachdem es viele Jahre unter einer Putzschicht verschwunden war. Aus dieser Zeit haben sich die überdimensionierten Fenster der beiden oberen Stockwerke erhalten, die für Fachwerkhäuser viel zu groß sind. Ursprünglich entsprach die Fensterhöhe so, wie sie bei der Hahnmühle noch zu ersehen ist. Über 100 Jahre war das Haus im Besitz der Familien Roschlau / Schuster. Im Jahre 1758 kaufte Johann Heinrich Roschlau, seines Zeichens Mehlhändler, das Anwesen am Judentor. Als er 1773 starb, erbte seine Tochter Katherina Margaretha Johanna das Gebäude. Sie heiratete den Schreinermeister Johann Georg Schuster, der dort schließlich eine Schreinerei und Möbelwerkstatt eröffnete. Ihm folgte 1826 sein Sohn Alexander Philipp Friedrich Schuster, der nach den Adressbüchern bis 1875 das Unternehmen fortführte. Das Haus blieb danach auch weiterhin im Familienbesitz. Erst 1887 verkaufte Bernhard Schuster das Anwesen an den Kunstgärtner Anton Amberg, der im Jahre 1890 mit seinem Blumengeschäft in die Judengasse 12 einzog. Ab 1907 finden wir dort das Blumengeschäft Friedrich Hegendörfer, welches später dann in die Judengasse 11 umzog und dort bis zum Brand des Hauses im Jahre 1987 existierte.
In diesem Zusammenhang sei auf einen besonderen Hausbesitzer hingewiesen, nämlich Ernst Inbescheid. Dieser wurde 1875 in Coburg geboren und war ein bedeutender Volksschullehrer. Nach dem Besuch der Bürgerschule und des Ernst-Albert-Lehrerseminars kam er als Schulamtskandidat (sprich heute Referendar) an die Schule nach Grub am Forst, wo er im Schuljahr 1895/96 erste Erfahrung sammeln konnte. Von 1897 bis 1901 war er dann Festangestellter Lehrer an der Schule in Unterlauter. 1901 wechselte Inbescheid nach Coburg in die Lutherschule, wo er dort bis 1923 als Hauptlehrer wirkte. In diesem Jahr wurde er zum Schulleiter der Knabenabteilung der Lutherschule befördert. Dieses Amt sollte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1939 behalten. Inbescheid ist es zu verdanken, dass er den Film für Unterrichtszwecke entdeckte. Er war der erste der das Lichtbild und den Schmalfilm in eine Coburger Schule eingeführt hatte. Somit war Ernst Inbescheid der Gründer der Coburger Schulbildstelle, die bis in die Gegenwart existiert. Er war auch deren erster Leiter. Seit 1919 findet man seinen Namen im Adressbuch als Besitzer das Hauses Judengasse 12. Doch er hat schon vorher darin gewohnt. 1944 starb Ernst Inbescheid im Alter von 69 Jahren. Sein Haus übernahm eine Erbengemeinschaft, bestehend aus seiner Frau und seinen Kindern. 1950 zahlte der Sohn, Walter Inbescheid die anderen Erben aus und wurde Alleineigentümer. Auch ihm ist es zu verdanken, das im Jahre 1950 diese Fachwerkfassade freigelegt wurde.
In dem Ladengeschäft wechselten zu jener Zeit häufig die Pächter. 1934 eröffnete Lina Kehl dort ein Damenputzgeschäft, welches später von ihrer Tochter Helene Kehl weitergeführt wurde. Es folgten das Fußpflegestudio Heidi Meinert und die Bäckerei Frank Weber. Heute ist in dem Haus ein Nudelrestaurant untergebracht, das typischerweise „Die Nudel“ heißt. An der Seite zur Mauer hin, hat der Restaurantbetreiber eine kleine Terrasse angelegt, wo man im Sommer verschiedene Nudelgerichte genießen kann. Ob der Wirt weiß, dass dem Haus einst die Braugerechtigkeit verliehen wurde? Das Gebäude Judengasse 12 ist aus heuiger Sicht gesehen, ein wichtiges Baudenkmal und ist mit seiner Fassade ein schöner Kontrastpunkt, der so facettenreichen Coburger Innenstadt.
Bilder: Ansichten vom Hause Judengasse Nr. 12 aus dem Jahre 2007 (alle Fotos: Christian Boseckert)
Seine Amtszeit als kommissarischer Oberbürgermeister von Coburg dauerte gerade mal 32 Tage. Trotzdem war Alfred Sauerteig einer der angesehensten Kommunalpolitiker Coburgs. Das lag vor allem daran, dass er die Stadt vor einer möglichen Zerstörung durch amerikanische Truppen im April 1945 bewahrte, indem er rechtzeitig die Kapitulationsbedingungen der Amerikaner akzeptierte und unterzeichnete. Diese Rettung vergaßen ihm die Coburger nie. Wer war dieser Alfred Sauerteig eigentlich? Er wurde am 15.10.1877 in Unterwohlsbach bei Rödental als Sohn des Landwirts Nikol Sauerteig geboren. Er verlebte seine Jugend bei den Großeltern in Oeslau (heute ist Oeslau ein Stadtteil von Rödental) und besuchte dort auch die Volksschule. Später erfolgte der Wechsel an das Coburger Gymnasium. Nach seiner Schulausbildung wurde Sauerteig Justizanwärter beim Amtsgericht in Coburg. Im Jahre 1905 wechselte er zur Coburger Stadtverwaltung über und wurde dort Stadtschreiber und stellvertretender Leiter des Polizeiamtes. Es schien als stände Alfred Sauerteig eine glanzvolle Karriere bevor, doch der Erste Weltkrieg beendete das berufliche Vorankommen erstmal. Er wurde eingezogen und kam 1918 als Leutnant der Infanterie, dekoriert mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse, zurück nach Coburg. Dort konnte er wieder in der Stadtverwaltung wirken. Neben dieser Tätigkeit begann er kommunalpolitisch tätig zu werden. So saß Sauerteig von 1919 bis 1921 für die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) im Coburger Stadtrat. Außerdem setzte sich der spätere Stadtamtmann bei zahlreichen Vereinen und Verbänden für das Wohl der Allgemeinheit ein. Alfred Sauerteig war Vorstand der gemeinnützigen Spitalkasse, wirkte jahrzehntelang im Vorstand der angesehenen Turngenossenschaft, gehörte zu den aktiven Mitgliedern des Thüringischen-Gemeindebeamten-Verbandes und war seit 1922 Vorsitzender des Spar- und Hülfevereins, der später von der heutigen Hypovereinsbank übernommen wurde. Bei allen großen Veranstaltungen der Stadt Coburg ist er organisatorisch tätig gewesen. Auch als Historiker machte sich Sauerteig einen Namen, obwohl er sich selber nie als ein solcher bezeichnete. Sein bekanntestes Werk ist die „Coburger Zeitungsgeschichte“ in dem Sauerteig alle Coburger Zeitungen und Zeitschriften von 1715 bis 1948 wissenschaftlich aufarbeitete. Während der Zeit des Dritten Reiches führte er trotz großflächiger Säuberungen des Beamtenapparates das Coburger Personalamt, dem er schon zu Zeiten der Weimarer Republik vorstand, weiter, da er nicht ersetzt werden konnte. Im Jahre 1937 trat Sauerteig in die NSDAP ein, was ihm am Ende des Zweiten Weltkrieges zum Verhängnis werden sollte. Zwischen 1937 und 1945 tritt kaum in Erscheinung. Erst im April 1945 sollte er aus dem Dunkel hervortreten. Am 07. April 1945 befragte ihn der NS-Oberbürgermeister Greim ob er bereit sei, ihn zu vertreten. Sauerteig erklärte darauf hin, dass er die Stadt Coburg in dieser Zeit nicht im Stich lassen wolle, waren doch die amerikanischen Truppen schon auf dem Vormarsch Richtung Coburg. Als sich Greim am Abend des 09. April nach Bayreuth absetzte, wurde Sauerteig kommissarischer Oberbürgermeister. Der Stadtamtmann fand eine hoffnungslose Situation vor. Die Stadt musste einige Luftangriffe seitens der Amerikaner ertragen und an einer Verteidigung war aufgrund der wenigen Waffen nicht zu denken. Trotz des Führerbefehls die Stadt „bis zum letzten Mann“ zu verteidigen, entschloss sich Sauerteig zur Kapitulation. Am 11. April 1945 zogen die amerikanischen Truppen in Coburg ein. Gegen 12 Uhr des gleichen Tages unterzeichnete Alfred Sauerteig in der Regimentsstube des Coburger Rathauses die Kapitulation der Stadt. Die Amerikaner setzten ihn sogleich zum kommissarischen Oberbürgermeister ein. Doch als seine Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Partei bekannt wurde, enthob die US-Militärregierung am 11. Mai 1945 Alfred Sauerteig seines Amtes und schickte ihn nach 50jähriger Tätigkeit bei der Stadt Coburg in den Ruhestand. Es sei noch zu erwähnen das Sauerteig es war, der den Coburger Mohr als Stadtwappen wieder einführte, nachdem dieser von Nationalsozialisten durch ein neues Wappen abgeschafft wurde. Trotz dieses Rückschlages genoss der ehemalige kommissarische Oberbürgermeister den Rückhalt und das Wohlwollen der Coburger Bevölkerung. Bei der ersten Stadtratswahl nach dem Kriege, im Jahre 1946, zog er in dieses Gremium ein und wirkte dort unter anderem im Verwaltungssenat. Zuletzt gehörte er der Fraktion des Coburger Volksbundes, dem Vorgänger der Freien Wähler, an. 1960 zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Seinen wohlverdienten Ruhestand konnte Alfred Sauerteig allerdings nicht mehr genießen. Er starb am Neujahrstag 1961 im Alter von 83 Jahren in Coburg. In seinem Arbeitszimmer hing jahrzehntelang eine Glasmalerei mit einem Zitat aus Goethes Faust. Dort war zu lesen: „O glaube mir der manche tausend Jahre an dieser harten Speise kaut, dass von der Wiege bis zur Bahre kein Mensch den alten Sauerteig verdaut.“ Vielleicht charakterisiert dieses Zitat Alfred Sauerteig am besten. Aufgrund seiner Verdienste um die Stadt Coburg benannte man im Jahre 1987 den kleinen Park vor dem Portikusbau des Ernst-Alexandrinenbades in Alfred-Sauerteig-Anlage um. Dort ist auch eine Gedenktafel aufgestellt, die an diesen bedeutenden Kommunalpolitiker erinnert soll.
Fotoquellen: Bild 1: Alfred Sauerteig (Aus dem Nachlass Walter Schneier, Standort Stadtarchiv Coburg) Bild 2: Wehrmachtsparlamentär Oberleutnant Adolf Müller (Mitte) erläutert Stadtamtmann Alfred Sauerteig (links fast verdeckt neben Müller) die von den Amerikanern diktierten Kapitulationsbedingungen (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg) Bild 3: Sauerteigs Wohnhaus in der Löwenstraße (Foto: Christian Boseckert, 2007)
weiß jemand von euch wo genau in der Ernst-Faber-Straße einst die Schrebergärten sich befunden haben. Ich habe noch so im Ohr, das sie auf dem Gelände des heutigen Ernst-Faber-Hauses (1962 errichtet)lagen. Es gab auch einen Schrebergartenverein "Angerkleingärten Coburg Süd". Dieser muss zwischen 1961 und 1967 aufgelöst worden sein.
Er ist ein beliebtes Coburger Ausflugsziel – der Eckardtsberg. Gerne läuft man an Sonntagnachmittagen der Straße unterhalb des Südhanges entlang und geniest die Aussicht Richtung dem Buchberg und Seidmannsdorf. Gärten und Villen reihen sich wie eine Perlenschnur an diesem Weg entlang. Nach dem ehemaligen Ausflugslokal „Klein-Amerika“ zweigt ein schmaler Fußweg links von der Straße ab – der sogenannte Philosophenweg. Der im Jahre 1975 wieder angelegte Weg führt weiter an der Ostseite des Eckardtsberges entlang und mündet schließlich auf dem Buswendeplatz an der Ecke Pilgramsroth/Löbelsteiner Straße. Doch welche Geschichte hat dieser Berg, der wohl viele Coburger anzieht?
Schon allein die Namenserklärung gestaltet sich schwierig. Der Flurnamenforscher Marr leitet den Namen Eckardtsberg von den mittelhochdeutschen Wörtern Ecke = Spitze und hart = fest, trocken ab, Bezeichnungen, die für den Eckardtsberg zutreffen würden. Eine weitere Erklärung des Namens beruht auf der Tatsache, dass an den Hängen des Eckardtsberges Wein angebaut wurde. Man nannte das Gebiet die Weinäcker. Auf dem bekannten Isselburg-Stich von 1626 ist deutlich der Eckardtsberg als Weinanbaugebiet zu erkennen. Aus Äcker könnte sich Eckardt und somit Eckardtsberg gebildet haben. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass der Weinheilige der Heilige Urban war. Einst hat es auch eine Kapelle auf dem Eckardtsberg gegeben, die dem heiligen Urban geweiht war.
Es gibt noch eine dritte Interpretation für den Namen, die aber auf dichterischer Freiheit beruht. Dr. Friedrich Hofmann (auch bekannt als Gartenlaube-Hofmann), erzählt von einer Sage vom Pater Eckardt.
Als um das Jahr 1518 die Kirchenreformation in der Stadt Coburg eingeführt wurde, lebte im dortigen Franziskanerkloster ein frommer, 80jähriger Pater namens Eckardt, der sich mit der neuen Lehre nicht befreunden konnte und ihrer Ausbreitung den heftigsten Widerstand entgegensetzte. Da aber die Reformation immer weitere Fortschritte machte, verließ der Greis voll Unmutes die Stadt und erbaute sich am Eckardtsberg eine steinerne Klause. Hier lebte er als ein Einsiedler noch viele Jahre seines Glaubens und hielt Andacht mit denen, die noch an der alten Lehre festhielten.
Die leider nicht mehr geöffnete Gaststätte Eckardtsklause, am Westhang des Berges, hat höchstwahrscheinlich ihren Namen erhalten auf Grund der Sage, die Hofmann erzählte.
Jahrhundertelang blieb der Eckardtsberg im Schatten seines Nachbarn, des Festungsberges. Erst im 19.Jahrhundert entdeckten die Coburger Herzöge die Schönheit dieses Plätzchens. Auf dem Hochplateau wollten die kunstsinnigen Fürsten ein Bauwerk errichten. Eine künstliche Ruine, eine Basilika oder ein Aussichtsturm waren da im Gespräch. Doch erst im Jahre 1872 konnten derartige Pläne realisiert werden, nachdem der Chef des Londoner Depeschenbüros Reuter, Julius Paul Reuter große Teile des Eckardtsberges kaufen musste. (Anmerk.: Reuter wollte vom damaligen Herzog Ernst II. geadelt werden. Dafür war es notwenig die Coburger Staatsangehörigkeit anzunehmen und in Coburg Grundbesitz zu haben.)
1873 wurde mit dem Bau eines Aussichtsturmes, des heutigen Eckardtsturmes, begonnen. Auf dem Gelände um den Turm herum entstanden landwirtschaftliche Anbauflächen die Reuter an Löbelsteiner Bauern verpachtete.
Mit der Eröffnung des Eckardtsturmes wurde der 431 Meter hohe Berg ein Ausflugsziel der Coburger, der von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen anlockte. 1892 wurde schließlich das erste Ausflugslokal, die Eckardtsklause, eröffnet und im Jahre 1897 baute die Stadt den bekannten Treppenweg von der Klause zum Turm. 20 Jahre später, im Jahre 1917 erwarb die Stadt Coburg die Reuterschen Grundstücke für 7000 Mark.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges installierte man auf dem Plateau eine Beobachtungsstellung zur Verteidigung der Stadt. Es ist ein Glück, dass diese Stellung nie zu einem Einsatz kam.
Im Jahre 1951 wurde neben dem Eckardtsturm ein UKW-Sendemast gebaut, der noch heute das Aussehen des Berges prägt.
Fünf Jahre (von 1955 bis 1960) konnte man auf dem Eckardtsberg auch die Volkssternwarte finden, bevor man sie in die Stadt, in das Gebäude der Volkshochschule in der Löwenstraße verlegte.
Mit der immer stärker werdenden Mobilisierung der Coburger war der Eckardtsberg als Ausflugsziel uninteressant geworden. 1976 schloss die Ausflugsgaststätte Klein-Amerika, in der viele Coburger ihre Sonntagnachmittage verbrachten, für immer. Drei Jahre später schlug auch das letzte Stündlein für die Gaststätte Eckardtsklause.
Bevor wir mit der Geschichte des Eckardtsberges schließen, sollten wir noch von einer Entdeckung berichten, die Dr. Herbert Trunzer im Jahre 1955 in seinem Garten, am Osthang des Berges machte. Er grub damals einen Sandsteinblock aus, auf dem ein 16 x 29 cm großer Fußabdruck eines vor ca. 180 Millionen Jahren lebenden Saurier zu sehen war. Da dieser Saurier zuvor noch nicht bekannt war, erhielt er den Namen Brachychirotherium coburgense – Coburger Handtier. Dies ist ein Beweis dafür, das der Coburger Raum bereits vor Jahr Millionen besiedelt war.
Bildnachweis: Blick von der Veste auf den Eckardtsberg (Fotosammlung Christian Boseckert).
Seit 2008 wird in der Nähe des Coburger Schlossplatzes, auf dem Salzmarkt, ein Gebäude restauriert, welches durch seine Größe weithin beeindruckt. Die Rede ist vom ehemaligen Warenhaus Montag, welches Ende 2008 seine Pforten schloss. Dieses Geschäft war ein alteingesessenes Coburger Unternehmen, welches seit den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts am Salzmarkt residierte. Als Warenhaus wurde dieses Gebäude aber nicht gebaut. Seine Entstehungsgeschichte geht in das 19. Jahrhundert zurück.
Im Jahre 1864 errichtete der Gastwirt Carl Grau anstelle von drei Wohnhäusern dort ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus im Stil der Neurenaissance. Die Bebauung des Grundstücks indes kann sich bis ins Jahr 1555 zurückverfolgen. Grau eröffnete in dem neuen Gebäude einen Hotel- und Gaststättenbetrieb, wie uns der erste Coburger Fremdenführer von 1866 berichtet. Als Namen für das Hotel wählte Grau die französische Bezeichnung „Bellvue“, was so viel wie „Schöne Aussicht“ bedeutet. Tatsächlich hatten die Hotelgäste eine schöne Aussicht von ihren Fenstern. Der Blick schweifte hinüber zum Schlossplatz Richtung Hoftheater und Palais Edinburgh. Als Besonderheit bot das Hotel einen eigenen Abholservice am Coburger Bahnhof an. Täglich stand dort eine Pferdedroschke, um die Gäste auf den Salzmarkt zu fahren. Dort angekommen fanden sie im Erdgeschoss des Hauses das Restaurant nebst Nebenzimmer und Billardzimmer vor. Der Eingang zu den Hotelzimmern erfolgte über einen separaten Hauseingang.
Das Hotel dürfte jedoch nur bis 1872 bestanden haben. Danach folgte mit der Coburg-Gothaische-Kreditgesellschaft ein Bankinstitut als Hauseigentümer nach. In dieser Zeit dürfte nur noch das Restaurant betrieben worden sein. 1905 erfolgte ein nochmaliger Hausbesitzerwechsel. Damals erwarb der Restaurateur Gottfried Rissland das Anwesen und baute das Lokal nach seinen Vorstellungen um. In dieser Zeit hieß das Lokal „Risslands Gasthaus“. Es entstand ein großer Gastraum mit neuem Eingang an der Ecke zur Theatergasse. Mit den Bauarbeiten war seinerzeit der bekannte Jugendstil-Architekt August Berger betraut. Das Restaurant erhielt fortan einen guten Zuspruch in der Bevölkerung. 1937 erhielt die Gaststätte den Namen „Zum Patrizier“. Unter dieser Bezeichnung ist das Haus den alten Coburgern noch in Erinnerung. Grund für die Namensnennung war die Tatsache, dass dort Bier der Patrizier Bräu AG aus Nürnberg ausgeschenkt wurde. Den Gastraum schmückten zu jener Zeit auch Wandmalereien, welche Sehenswürdigkeiten der Frankenmetropole zeigten. So konnte man unter der Kaiserburg und dem Dürerhaus genüsslich seine Mahlzeit einnehmen. Doch die ruhigen Friedenszeiten waren bald vorbei.
1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und das Gebäude wurde in den letzten Kriegstagen, am 8. April 1945, durch einen amerikanischen Bombenangriff zerstört. Besonders der Trakt an der Theatergasse war schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Zwar konnte das Haus noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut werden, aber die Gaststätte konnte ihren Betrieb nicht mehr wieder aufnehmen. Das Anwesen wurde von der US-Army beschlagnahmt und diente den einfachen Soldaten, die vornehmlich im sogenannten „Amerika-Haus“ am Schlossplatz ihren Dienst taten, fortan als Kasino. 1948 richteten die Amerikaner in dem Gebäude das „Haus der Jugend“ ein. Hier sollten die jungen Coburger mit der amerikanischen Kultur vertraut gemacht werden. Diese Jahre gingen nicht spurlos an der Bausubstanz vorüber. Als die Amerikaner 1951 das Anwesen an den ursprünglichen Eigentümer zurückgaben, waren die Räume stark renovierungsbedürftig.
Das Grundstück ging in der Folgezeit in den Besitz des Kaufmanns Walter Schaff über, der in den Räumen des Erdgeschosses ein Waren-Kredithaus eröffnete. Die Kunden hatten hier die Möglichkeit, Waren die sie einkauften, nicht sofort bezahlen zu müssen, sondern durch einen Kredit in Raten abzustottern. Zu den umfangreichen Geschäftsräumen zählte auch das Ladengeschäft des Gebäudes Grafengasse Nr. 6, welches seit 1864 mit dem Haus am Salzmarkt über die selben Hausbesitzer vereinigt war. Als Geschäftsführer im Warenhaus Schaff fungierte schon in den Fünfziger Jahren Alois Montag. Er übernahm später den Betrieb und führte ihn in seine Glanzzeit in den 1970er Jahren. Die letzten 20 Jahre jedoch, brachten eine Änderung des Kaufkonsums. Das Warenhaus verlor seine Kundschaft an andere größere und modernere Geschäfte. Zudem machte sich die Lage des Unternehmens am Salzmarkt zunehmend negativ bemerkbar. So schloss Ende 2008 das Warenhaus Montag, zuletzt in der Grafengasse Nr. 6 ansässig, für immer seine Pforten. Das Gebäude am Salzmarkt hatte es schon zuvor verlassen. Es erfolgt seither eine Grundsanierung des Hauses, das nach dem Abschluss der Arbeiten wieder seinen alten Namen erhalten soll – Haus Bellvue.
Fotos Bild 1: Das Haus Bellvue im Jahre 2009 (Foto: Christian Boseckert) Bild 2: Ansicht des Restaurants "Bellvue" um die Jahrhundertwende (Sammlung Christian Boseckert) Bild 3: Das kriegszerstörte Haus "Bellvue" im April 1945. Die Aufnahme entstand im Einmündungsbereich Große Johannisgasse / Theatergasse, die linke Häuserfront gehört zum Anwesen Theatergasse 3 (ehemals Hoons) (Foto: Karl Borneff)
Am 17. Mai 1956 eröffnete der damalige Coburger Oberbürgermeister Dr. Walter Langer die neu erbaute Heiligkreuzbrücke, welche heute ein wichtiges Glied für den innerstädtischen Verkehr darstellt.
Durchaus war sie nicht das erste Brückenbauwerk an dieser Stelle. Bereits im Jahre 1398 errichtete man dort einen Holzsteg, der 1465 durch die erste steinerne „Heiligkreuzbrücke“ ersetzt wurde. Diese bestand bis 1552 und wurde durch eines der vielen Hochwässer der Itz völlig weggerissen. Danach begann man mit dem Bau einer neuen Steinbrücke, die im Jahre 1618 nochmals neu errichtet werden musste und die dann bis 1955, in veränderter Form, erhalten blieb.
Schon früh war die Heiligkreuzbrücke ein wichtiges Verkehrsbindeglied. Hier überquerten im Mittelalter Nürnberger Kaufleute, auf der alten Handelsstraße nach Leipzig, die Itz über einer Furt. So war es der Verkehr, welcher erst mit Pferdewagen und Kutsche, später motorisiert, der Brücke stark zusetzte.
1893 erfolgte eine Verbreiterung der Fahrbahn auf neun Meter. Man wollte dem bevorstehenden Automobilzeitalter Rechnung tragen. Doch die Heiligkreuzbrücke blieb eine Engstelle auf der jetzt durch Coburg führenden Reichsstraße 4 (später Bundesstraße 4).
Mit dem stetig steigenden Autoverkehr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rückte nun die Heiligkreuzbrücke ins Blickfeld der Coburger Verkehrsplaner. Verschiedene Varianten wurden da diskutiert zum Beispiel die Einführung der Einbahnstraßenregelung für die Kasernenstraße, die Installierung einer Ampelanlage (das wäre die erste in Coburg gewesen) und schon den Neubau einer Brücke.
Doch erst ein Unglücksfall sollte dort eine tief greifende Veränderung hervorrufen. Am 27.April 1951 verlor ein LKW-Fahrer aus Lichtenfels unter Alkoholeinfluss auf der Brücke die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei kam er auf den Bürgersteig und quetschte einen dort gerade befindlichen Fußgänger gegen das Brückengeländer. Unter der Wucht des Aufpralls brach dieses Geländer zusammen und stürzte mit dem Fußgänger in die Itz. Der Passant konnte später nur noch Tod aus dem Fluss geborgen werden. Zwei weitere Fußgänger wurden bei diesem Unfall schwer verletzt. Dies war jedoch nur der Höhepunkt einer Reihe von Unfällen. Die Coburger Stadtpolizei registrierte in der Zeit von April 1947 bis April 1951 dort 15 Verkehrsunfälle.
Die Stadt sah sich nun gezwungen Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Bereits im Januar 1952 wurde ein Notsteg für Fußgänger, neben der alten Heiligkreuzbrücke in Betrieb genommen. Damit sollte die Sicherheit der Passanten gewährleistet werden. Gleichzeitig wurden durch die Untersuchungen des Coburger Ingenieurs Carl-August Einbeck festgestellt, dass die Brücke nur noch Lasten bis zu sechs Tonnen aushalten könnte.
Im Coburger Stadtrat diskutierte man daraufhin verschiedene Möglichkeiten, wie man weiter mit diesem Verkehrsnadelör verfahren sollte. Doch man sah bald ein, dass nur ein Brückenneubau dieses Problem zu lösen vermochte.
Nach dem Stadtratsbeschluss begann Anfang September 1955 der Abbruch der alten Heiligkreuzbrücke. Unter den Augen von zahlreichen Schaulustigen ging man mit zwei Presslufthämmern und einem Löffelbagger, der Unterwasser in der Itz verankert wurde, dem Bauwerk zu Leibe. Nach zehn Tagen war von der alten Brücke nichts mehr zu sehen. Am 27. Oktober 1955 wurde schließlich feierlich der Grundstein für die neue Brücke, die bereits nach fast sieben Monaten fertig gestellt wurde, gelegt.
Mit dem Bau der Brücke beauftragte die Stadt die beiden Baufirmen Lenz & Co aus Nürnberg und Paul Wischniowsky aus Coburg. In dieser siebenmonatigen Bauphase wurden in 41.000 Arbeitsstunden 855 m³ Beton, 1180 m³ Kies, 275 Tonnen Zement, 65 Tonnen Baustahl und 150 m³ Holz verbaut. Das Brückengeländer, welches noch heute eine Gesamtlänge von 86 Metern aufweist, fertigte die Schlosserei Beuermann an. Die Gesamtkosten des Bauwerkes betrugen etwa 300.000 DM.
Auch technisch ist die jetzige 60-Tonnen-Brücke ihrem Vorgänger bei weitem überlegen. Ihr mittlerer Durchfluss beträgt 18 Meter. Damit hat sie einen Wasserdurchlass von 18 m³/sec. In der Mitte besitzt die Brücke eine Stärke von einem Meter (an den Rändern von 80 cm). Ihre Länge beträgt 40 Meter und in der Breite misst sie 16 Meter, wovon neun Meter die Fahrbahn und sieben Meter die Fußgängerwege ausmachen. .
Mit der Eröffnung der Heiligkreuzbrücke im Mai 1956 wurde auch ein Gedenkstein enthüllt, der sich am Brückenkopf vor der Heiligkreuzkirche befindet. Der Stein mit seinen Maßen 60x90x120 cm wurde von dem Coburger Bildhauer Willi Krämer geschaffen. Er zeigt an den Breitseiten zwei Motive: Einmal eine Christopherus-Darstellung auf der einen und auf der anderen Seite das „Motiv am Wasser“. Auf den beiden Schmalseiten ist, zur Heiligkreuzkirche hin, das Erbauungsjahr der Brücke (1955/56) zusammen mit dem Stadtwappen, dem Coburger Mohr, während zur Itz hin die Geschichte des Bauwerks erzählt wird.
Die besten Wünsche, die Oberbürgermeister Langer bei seiner Festrede 1956 der Heiligkreuzbrücke mitgab, sind bis heute in Erfüllung gegangen. Die Zahl der Unfälle ist dort deutlich zurückgegangen und auch die Hochwässer von 1967 und 2003 konnten der Brücke keinen ernsthaften Schaden zufügen. So bleibt zu hoffen, dass dies bis in die weite Zukunft hinein Bestand haben wird.
Das Bild zeigt die neuerbaute Heiligkreuzbrücke im Jahre 1956. (Fotosammlung: Christian Boseckert)
Etwas unbemerkt von der Allgemeinheit, wurden Teile des alten Gesundheitsamtes in der Löwenstraße im Jahre 2009 abgerissen. Damit soll das Areal rund um die Rückertschule neu aufgewertet werden. Der denkmalgeschützte Altbau an der Löwenstraße blieb von diesen Abbrucharbeiten aber verschont. Welche Geschichte kann nun dieses Gebäude vorweisen?
Diese lässt sich bis 1882 zurückverfolgen. Damals errichtete der Baumeister Bernhard Brockardt auf einem zur Lautermühle in der Mühlgasse gehörenden Feld, eine Villa, die ihm wohl als Spekulationsobjekt diente. Erst 1895 findet sich im Häuserbuch von Ernst Cyriaci mit der Rechtsanwaltswitwe Berta Albrecht die erste Eigentümerin von Haus und Garten. 1911 erwarb der Pferdehändler Emanuel Seligmann das Anwesen. Die Familie Seligmann war jüdischen Glaubens und verließ Coburg noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Über ihren weiteren Verbleib ist nichts bekannt. Das Seligmann´sche Haus besaß jedoch bereits eine Tradition als ein Hort des Coburger Gesundheitswesens. Schon 1928 betrieb der Hoftierarzt Dr. Theodor Schwesinger im Erdgeschoss des Hauses eine Praxis. Schließlich gelangte das Anwesen im Jahre 1934 in den Besitz des Zweckverbandes Coburg zur Bekämpfung der Tuberkulose. Der Verband richtete in den Räumen eine Tuberkulose-Fürsorgestelle ein, welche von dem Lungenarzt Dr. Erich Kaebsch geführt wurde. Erkrankte konnten sich dort von Mittwoch bis Freitag von 9 bis 11.30 Uhr vormittags und 15.30 bis 17.30 Uhr nachmittags behandeln lassen. Aus dieser Einrichtung entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Coburger Gesundheitsamt. In dieser Zeit fielen auch die ersten Umbauten am Haus an. So wurde die zweigeschossige Veranda auf der Rückseite abgebrochen und an deren Stelle jeweils ein Raum in beiden Geschossen angebaut. 1940 erfolgte die Anlegung eines Luftschutzkellers, direkt unter dem Haus. Als der Freistaat Bayern das Gebäude übernahm, erfolgten grundlegende Umbauten. 1954 wurde das Gebäude für die Zwecke des inzwischen gegründeten Staatlichen Gesundheitsamtes durch einen zweigeschossigen Anbau an der Südwestseite erweitert. Gleichzeitig erfolgte die Einebnung des Gartens zugunsten von Parkplätzen. Das Gesundheitsamt blieb bis 1979 in der Löwenstraße ansässig. Danach zog es in einen Neubau an der Neustadter Straße, in dem es bis heute noch zu finden ist. Aber die alten Räume blieben in der Folgezeit nicht leer. Nach einem Brand in der Lutherschule im Jahre 1978 verlegte man die gemischte Grundschule in das Haus an der Löwenstraße, nach dem eine Generalsanierung des Schulhauses am Albertsplatz unumgänglich war. (Sanierungszeit 1983 bis 1989). Untergebracht waren damals in dem Neurenaissance-Bau die Zimmer der 1. und 2. Klasse, sowie das Direktorrat, das Hausmeisterbüro und ein Musikzimmer Bis 1988 wurden hier Grundschüler unterrichtet. Danach übernahm die Rückertschule die Räume und benutzte sie ebenfalls als Klassenzimmer. In den 1990er Jahren erfolgte die Vermietung des Hauses an die Volkshochschule Coburg, die darin diverse Veranstaltungen abhielt.
2008 beschloss der Coburger Stadtrat das Areal rund um die Rückertschule neu zu gestalten. In diesem Zusammenhang wurde auch der 55 Jahre alte Neubau des Anwesens Löwenstraße Nr. 22 abgebrochen. Es bleibt abzuwarten, was in Zukunft dieses Gebäude an Unternehmungen beherbergen wird.
Bildernachweise: Dokumenation der Abbrucharbeiten am Hause Löwenstraße 22 im Jahre 2009 (Foto: Christian Boseckert) Vorderansicht des Hauses (Foto: Christian Boseckert, 2007)
Die Ketschengasse sah in ihrer langen Geschichte viele Geschäfte, die hoffnungsvoll gegründet und später wieder aufgegeben wurden. Das gleiche galt für die dort ansässigen Gastwirtschaften. Allein in der oberen Ketschengasse, von Markt bis zum Albertsplatz, gab es einst acht Speise- oder Bierwirtschaften. Die Bierlokale waren allerdings nicht über das ganze Jahr geöffnet, sondern sie konnten nur dann besucht werden, wenn Bier im Haus zum Verkauf vorhanden war. Gebraut wurde der Gerstensaft von den Hausbesitzern, wenn sie eine Brau- und Schankgerechtigkeit aufweisen konnten.
Die frühere Coburger Brauerei Sturm ist aus einer solchen Bierstube in der Ketschengasse entstanden. Der Firmengründer Anton Sturm, wurde im Jahre 1809 in Coburg im Hause Obere Salvatorgasse Nr. 4 geboren und heiratete 1833 Johanna Christiane Friederike Obenauf, deren Vater ein angesehener Bürger und Seilermeister in der Ketschengasse (Haus Nr. 15) war. Dieses Gebäude besaß damals eine solche Brau- und Schankgerechtigkeit. Um das Brauen und den Betrieb der Schenke kümmerte sich nach seiner Heirat ausschließlich der junge Ehemann Anton Sturm, welcher hauptberuflich das Handwerk eines Webers ausübte. Damals wurde in einem der städtischen Brauhäuser die Würze für das Bier gebraut, die dann in Holzbutten in die Keller der einzelnen Bierlokale getragen wurde. Dort setzten die Hausbrauer Hefe der Bierwürze zu, was zu einer Vergärung führte. Nach vollendeter Reife entstand daraus ein schmackhaftes Bier. Ein solches braute auch Anton Sturm. Die Einheimischen konnten es in seiner Bierwirtschaft in der Ketschengasse und ab 1840 auch im Sommer, im sogenannten „Sturmsgarten“ zwischen der heutigen Alexandrinenstraße und der Hohen Straße trinken. Der Garten besaß auch einige Keller, wo Sturm sein Bier gut lagern konnte. Nachdem auch viele Wirte Interesse am Sturmsbier zeigten, wurde im Jahre 1873 nach viele Schwierigkeiten die heute noch bestehende Brauerei-Anlage an der Callenberger Straße gebaut. Sturms Plan, die Brauerei am Glockenberg, anstelle seines Kellerbiergartens zu errichten, scheiterte an den Einsprüchen der Nachbarn und der herzoglichen Regierung. Wenige Monate nach der erfolgreichen Aufnahme der Bierproduktion im neuen Gebäude am Bärenhölzchen, starb Anton Sturm am 3. Januar 1874 im Alter von 64 Jahren an Herzversagen.
Seine drei Söhne Georg, Samuel und Gotthold übernahmen fortan die Geschäftsführung und den Betrieb von Gaststätte und Gartenlokal. 1891 wurde die Kellergartenwirtschaft verkauft, um aus dem Erlös für die Brauerei neueste Technik anschaffen zu können. Die Lokalität in Ketschengasse bestand bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts fort und wurde von den beiden unverheirateten Töchtern Anton Sturms, Emma und Wilhelmine, weitergeführt. Der Volksmund gab der beliebten Gastwirtschaft fortan an den Spitznamen „Sturms Tanten“. Die Brauerei indes entwickelte sich erfolgreich weiter. Um 1910 konnte bereits eine jährliche Bierproduktion von 25.000 Hektolitern erreicht werden. Die Absatzgebiete lagen vor allem im Thüringer Raum. 1908 übernahm Anton Sturm jun. die Brauerei. Als er zu Anfang des Ersten Weltkrieges an der Westfront fiel, ging die Brauerei an eine Erbengemeinschaft. Geschäftsführer wurde sodann der Kommerzienrat Julius Schiller, der seit 1897 in der Brauerei arbeitete und mit einer geborenen Sturm verehelicht war. 1923 wandelte er das Unternehmen von einer als OHG geführten Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft als AG um. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gelang es Schiller, das Unternehmen erfolgreich durch die schwierige wirtschaftliche Situation der 1920er Jahre zu führen. Der Krieg und die nachfolgende Teilung Deutschlands brachten der Brauerei wirtschaftliche Nachteile. So verlor man durch die Grenzziehung ca. 75 % seiner Kunden. Doch gelang es dem neuen Brauereichef Walter Steinhäuser, der zuvor als Buchhalter in dem Betrieb gearbeitet hatte, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Notwendige Investitionen wurden durch die Aufstockung von Kapital finanziert und als Folge daraus mit dem Coburger Kaufmann Carl Puff einen neuen Großaktionär in die Aktiengesellschaft aufzunehmen. 1975 trat mit Friedrich Puff der letzte Brauerei-Vorstand sein Amt an. Unter seiner Führung entwickelte sich die Brauerei zu einem mittelständischen Unternehmen mit rund 50 Mitarbeiten und einem jährlich Bierausstoß von 45.000 Hektolitern.
Das Ende der Selbstständigkeit erfolgte 2001 mit dem Tode Friedrich Puffs, welcher im August 2001 im Alter von 58 Jahren seinen Tod in einem Gärbottich fand. Bereits am 1. November 2001 wurde die Firma an die Kulmbacher Brauerei verkauft. Der Name Sturm ist allerdings noch heute allgegenwärtig in Coburg. Sei es der Sturmsbrunnen in der Ketschengasse oder die Sturmstreppe am Glockenberg – beides erinnert an dieses große Coburger Unternehmen.
Bildnachweise: Bild 1: Die Sturm´sche Bierwirtschaft in der Ketschengasse 15, mit dem Sturmsbrunnen im Vordergrund (Zeichnung: Emil Maurer) Bild 2: Die Brauereigebäude in der Callenberger Straße (Quelle: ehemaliges Firmenarchiv Sturmsbrauerei) Bild 3 und 4: Werbung der Brauerei Sturm (Sammlung Christian Boseckert)
Beim Studium im Stadtarchiv habe ich auch mal nach dem Wilhelm Recknagel geschaut. Nun man muss schon sagen, dass der Mann sehr mobil war, so oft wie er umgezogen ist. Ich gebe hier mal die Daten der Adressbücher wieder.
1886: Hahnweg 2 (Vereinsbrauerei) 1888: Rosenauer Straße 8 1895: Viktoriastraße 1 1897: Mühlgasse 16 1899: Seifartshofstraße 8 1901: Seifartshofstraße 10 (eigenes Wohnhaus, sonst nur zur Miete) 1907: Marienstraße 1 1911: Ketschendorfer Straße 6 1913: Bahnhofstraße 30
Danach finden sich keine Hinweise mehr auf diesen Namen. Auch ist der Name Recknagel nicht weiter in Coburg geläufig gewesen.
Die Angaben, das Recknagel im Jahre 1886 in die Vereinsbrauerei eingestiegen ist, muss ich leider widersprechen. Es exisitiert im Stadtarchiv ein Dokument aus dem Jahre 1884 in dem Wilhelm Recknagel als Miteigentümer der Vereinsbrauerei erwähnt wird. In diesem Dokument geht es um die Schließung eines Pachtvertrages zwischen Recknagel und der Stadt, bezüglich des Zollhofes hinter dem Rathaus. 1884 hatte die Familie Grasser (Brauerei Grasser im Neuen Weg) den Mietvertrag für den Zollhof gelöst und die Stadt war auf der Suche nach einem neuen Pächter. Recknagel bzw. die Brauerei übernahm den Pachtvertrag für den Zollhof. Wegen des geringen Umsatzes wurde der Pachtvertrag bereits 1888 wieder gelöst.
Desweiteren habe ich einen Hinweis zu dem Grab Recknagels auf dem Coburger Friedhof gefunden. Es soll sich dabei um die Gruft Nr. 108 auf dem Coburger Friedhof handeln. Ob die noch existiert, entzieht sich meiner Kenntnis.