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  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Städtische Landschaften sind einem permanenten Wechsel unterworfen. Straßen werden erweitert, Häuser abgerissen und neue Gebäude wieder aufgebaut. Einige Orte der Veränderung werden in den kommenden Wochen hier an dieser Stelle zu sehen sein. Erste Station auf der Reise durch die Coburger Innenstadt ist der Johann-Strauß-Platz, der seit 1986 diesen Namen trägt. Die Aufnahme zeigt die Nordseite des Platzes, wie er im Jahre 1965 aussah. Der Blick fällt dabei auf das markante Gebäude in der Bildmitte. In diesem Haus war einst das Coburger Stadtgefängnis untergebracht. Errichtet wurde dieser Komplex zwischen 1838 und 1840. Ursprünglich diente das Gebäude als herzogliches Waschhaus und war demnach auch im herzoglichen Besitz. Keine 20 Jahre später, hatte die Coburger Landesregierung ein Auge auf das Grundstück geworfen. Grund hierfür waren die katastrophalen Zustände im Coburger Justizwesen. Das Gerichtsgebäude am Marktplatz (das heutige Stadthaus) brach aus allen Nähten und das Stadtgefängnis in der Fronveste am Ernstplatz war dermaßen marode, das es für Gefangene ein leichtes war, daraus zu entkommen. Ein neues Gebäude musste deshalb her. Der Coburger Landtag erwarb deshalb am 17. Juli 1858 für 15.000 Gulden aus herzogliche Waschhaus im Stetzenbach, welches sich nach Meinung der Landesregierung als Gefängnis und als Tagungslokal für das Schwurgericht eignete. Nach den damaligen Unterlagen zu schließen, wurde der Kauf aber recht überstürzt vollzogen, denn es stellte sich bald heraus, dass der bauliche Zustand nur bedingt den Anforderungen entsprach und für die Untersuchungsgefangenen zudem ein Anbau erforderlich wurde. Deshalb konnte das Gefängnis erst im Juli 1861 seiner Bestimmung übergeben werden. Der Volksmund bezeichnete diese Anstalt als „Hotel Mayer“ oder „Villa Mayer“. Dieser Name rührt von dem früheren Gefängnisinspektor August Christian Mayer (1858-1933) her, der hier seiner Tätigkeit nachging. Andere Inspektoren standen ebenfalls Namenspate für das Stadtgefängnis in der seit 1850 erwähnten Leopoldstraße. Hundert Jahre später war das Gebäude völlig abgewirtschaftet, der Anbau wegen Baufälligkeit sogar polizeilich gesperrt. Erst 1968 ordnete das bayerische Justizministerium die sofortige Schließung der Anstalt wegen Baufälligkeit an. Das Schwurgericht war bereits 1921 vor das Ketschentor, ins ehemalige herzogliche Ministerium, gezogen. In den darauf folgenden Jahren stand das Stadtgefängnis leer und verfiel zusehends. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Hauses stellt nochmal das Jahr 1978 dar, als im ehemaligen Schwurgerichtssaal Szenen des Rainer-Werner- Fassbinder-Films „Die Ehe der Maria Braun“ gedreht wurden. Im November 1980 erfolgte schließlich der Abbruch des Gebäudes. Auf dem Grundstück entstanden schließlich Anwohnerparkplätze und Besucherparkplätze des Kunstvereins. Auf dem jüngeren Foto sind diese Parkplätze recht gut zu erkennen. Das abgerissene Stadtgefängnis gibt uns heute den Blick auf dessen Nachbarhaus Leopoldstraße 55 frei, das im Jahre 1569 zum ersten Mal erwähnt wurde. Bei diesem Gebäude handelte sich wohl ein einfaches Tagelöhner-Wohnhaus, das 1683 wie folgt beschrieben wurde: Ein Mittelbau mit zwei Stockwerken, zwei Stuben und einem Keller. 1711 brannte dieses Gebäude ab, so dass das heutige Aussehen des Hauses wohl auf einen Neubau aus der Zeit nach dieser Feuersbrunst zurückgeht. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war hier eine Schreinerei ansässig, welche einer Familie Weidmann gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Schreinermeister Heinrich Baier das Unternehmen, der es bis in die 1970er Jahre weiterführte. Ihm folgte sein Kollege Horst Dunker nach, der den Schreinerbetrieb bis in die 1980er Jahre hinein fortführte. Im Zuge der in den letzten Jahren dort einsetzenden Altstadtsanierung wurde das Rückgebäude der Leopoldstraße 55, hier auf dem Foto an dem weißen Außenputz zu sehen, im Jahre 2006 abgerissen. Mit den Sanierungsmaßnahmen erfolgte auch die Umgestaltung des dortigen Areals. Es sei vielleicht zum Schluss noch erwähnt, das es zwischen dem Stadtgefängnis und dem Anwesen Leopoldstraße 55 eine Auffahrt zur früheren Stadtgärtnerei gab, die unterhalb des Hofgartens für einige Jahrzehnte dort zu finden war. Der Schotterweg wurde in den letzten Jahren geteert und auf dem ehemaligen Gärtnereigelände entstanden eine öffentliche Gartenanlage und ein Freilufttheater. Auf dem jüngeren Foto, welches 1994 gefertigt wurde, lässt sich noch die vorherige Situation des Areals erahnen. Nachdem die Stadtgärtnerei auf den Glockenberg verzog, verwilderte das Grundstück unterhalb des Kunstvereins. Auch das gehört in der Zwischenzeit der Vergangenheit an. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Gelände nördlich des Johann-Strauß-Platzes in der Zunkunft sich weiter entwickeln wird.

    Bildquellen:

    Bild 1: Darstellung der Situation im Jahre 1965
    Bild 2: Darstellung der Situation im Jahre 1994

    (Beide Fotos: Karl-Ulrich Pachale, Archiv der Historischen Gesellschaft Coburg)

  • FernsehtippsDatum06.02.2010 19:43
    Thema von Christian im Forum Sonstiges
  • Vielen werden die Begriffe „Raststraße“ und „Freiherr-von-Rast-Schule“ bekannt sein. Wer sich jedoch hinter dieser Person verbirgt, wissen nur wenigsten Coburger. Der ursprüngliche Zuname des Freiherrn Ferdinand Martin von Rast lautete Liebmann. Dieser wurde am 28. Januar 1781 in Berlin als der Sohn eines reichen jüdischen Handelsherrn geboren. Ihm wurde eine vielseitige sorgfältige Erziehung zuteil, die ihn zur Leitung der Niederlassung des väterlichen Handelsunternehmens in Hamburg vorbereitete. Als junger Mann unternahm er zahlreiche geschäftliche Reisen in Europa, lernte Land und Leute und dabei auch viele menschliche Schicksale kennen. Das war vielleicht bestimmend für sein späteres menschenfreundliches Wohltun. Ein Schlüsseljahr in seinem Leben war bestimmt das Jahr 1805. Er erwarb zum einen in Hamburg das Bürgerrecht, zum anderen ließ er sich in Halle / Saale evangelisch taufen. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt im Jahre 1806, die viele Menschen in Angst und Schrecken versetzte, zeigte er

    Organisationstalent und Besonnenheit. Er übersiedelte nach Prag, nahm seine großen Vorräte an Garn und seine reichlichen Geldmittel mit. Die Kontinentalsperre Kaiser Napoleon I. von Frankreich, die gegen den Handel mit Großbritannien gerichtet war, umging er durch Zufuhren über Triest im heutigen Italien. Bald beherrschte er den Garnmarkt in Böhmen und erwarb sich durch geschickte Spekulationen ein beträchtliches Vermögen. 1807 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wien. Dort heiratete er Johanna Sonnefeld, die Tochter eines Hofrates. Das Paar bewohnte das Palais des Fürsten Esterhazi. Das große prunkvolle Gebäude hatte Ferdinand Martin Liebmann vorher käuflich erworben. Die Ehe wurde nach 12 Jahren geschieden. Mit Frauen hatte er trotz seines Vermögens kein Glück. Auch spätere eheliche Beziehungen scheiterten. Als er ins gesetzte Alter kam, hatte er kein Verlangen mehr nach Frauen. 1837 löste er schließlich seinen Wiener Haushalt auf. Nicht nur mit seiner Familie, auch mit der Stadt Wien gab es Ärger, hatte er doch 26.000 Gulden Strafe

    wegen angeblich unrichtiger Angabe seines Vermögens zahlen müssen. Liebmann zog nach Florenz, kaufte einige Villen und Paläste und setzte seine Spekulationen fort. Seine Bestrebungen, in Wien und in Florenz für das Gemeinwohl tätig zu sein, scheiterten an der Gleichgültigkeit der maßgebenden Personen. 1828 kaufte er die Herrschaft Faal in der Steiermark mit Hammerwerken und Eisengruben. Bereits 1829 bereitete er seine Übersiedlung nach München vor. Dort äußerte er den Wunsch, eine Nationalbank unter seiner Leitung ins Leben zu rufen. Er kaufte das Wornzofische Palais das er aber an König Ludwig I. abtrat, als er hörte, dass dieser darauf ein Auge geworfen hatte. Dieser Verzicht zu Gunsten des Monarchen war vielleicht die Ursache, dass er dafür in den Bayerischen Adelsstand erhoben wurde. Der Titel Freiherr von Rast bezieht sich auf das Dorf Rast in der Herrschaft Faal. Freiherr von Rast hat mehrere Male Coburg besucht. Anlässlich eines Aufenthaltes im Jahre 1832 wurde er zum herzoglichen Kammerherrn ernannt.

    Möglicherweise spielte dabei Geld auch eine Rolle. Seinen endgültigen Wohnsitz in Coburg nahm der Freiherr im Jahre 1859. Er hat zuletzt in keinem Palast, sondern in einer schlichten Wohnung in der Gymnasiumsgasse 6 gewohnt. Hier starb er am 14. Dezember 1863 im Alter von 82 Jahren. Sein Grab existiert nicht mehr, wohl aber sein Grabdenkmal im unteren Teil unseres Friedhofes in der Nähe des herzoglichen Mausoleums. Am 13. Juni 1861 errichtete Rast eine für Coburg bedeutungsvolle Stiftung, nämlich die sogenannte Freiherr-von-Rast´sche Stiftung. Der Hauptzweck der Stiftung war, Söhne armer Eltern, die Handwerker werden wollten, bei tüchtigen Lehrherrn unterzubringen und das Lehrgeld für sie zu bezahlen. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, dass früher die Lehrlinge, bzw. deren Eltern, Lehrgeld in beträchtlicher Höhe an den Lehrherrn zahlen mussten. Daher wurde 1892 die in Verbindung mit der Baugewerkschule gegründete gewerbliche Fachschule durch Zuschüsse aus der Rast´schen Stiftung unterhalten.

    Diese Schule wurde schließlich 1909 zur Rast´schen Gewerbeschule umgebildet. Aus ihr entwickelte sich die in der Kanalstraße befindliche Freiherr-von-Rast-Berufsschule. In der Stiftungsurkunde bestimmte Rast auch größere Zuwendungen für das im Jahre 1862 errichtete Landkrankenhaus in der Allee. In Legaten bedachte er die evangelische Kirche in Coburg, den israelitischen Frauenverein in München, die Gewerbewitwenkasse sowie den Frauenverein in Coburg. Für die jeweiligen Verwalter ergaben sich schwierige Aufgaben bei der Regelung der Stiftung, die sich fast 20 Jahre hinzogen, galt es doch, nicht nur die Ansprüche der Hinterbliebenen zu klären, sondern auch Außenstände in Österreich und Italien einzuziehen. Die Folgen zweier Weltkriege, der Inflation und der Währungsreform haben das Stiftungskapital arg zusammenschrumpfen lassen. Immerhin beträgt es noch gegenwärtig knapp 20.000 Euro. Die Zinsen werden als Prämien für fleißige Berufsschüler verwendet. Es war eine Ehrenpflicht für die Stadt Coburg, dem Stifter nicht nur zu danken, sondern ihn auch gebührend zu ehren. Der Magistrat verlieh ihm 1861 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Coburg. Am 100. Geburtstag des Stifters gedachte die Stadt in besonderer Weise ihres Wohltäters. Am Hause Gymnasiumsgasse 6 wurde am 28. Januar 1881 eine Gedenktafel zu Ehren des Freiherrn von Rast in schwarzem Marmor enthüllt. Dieses Gebäude wurde 1967 zu Gunsten des Anbaus zum Casimirianum abgerissen. Die Tafel blieb erhalten und wurde an dem Neubau wieder angebracht. Auf einer der Ehrentafeln im Rathaus wurde des Wohltäters ehrend gedacht. An in erinnert ferner ein Reliefbild am Hause Bahnhofstraße 36 an der Ecke zur Raststraße, welche 1894 den Namen des Freiherrn erhielt. So blieb der Name des Freiherrn von Rast noch bis in unsere heutige Zeit den meisten Leuten präsent, was aufgrund der Wohltätigkeit des Freiherrn auch verdient ist.

    Fotos:
    Bild 1: Bildnis des Freiherrn von Rast (Fotosammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Das Haus Bahnhofstraße 36 mit dem Rast-Relief (Foto: Christian Boseckert 2007)
    Bild 3: Die Freiherr-von-Rast-Schule in der Kanalstraße (Fotosammlung Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte



    Das Haus Ketschengasse 32 (Foto Christian Boseckert, 2007)

    Ein weiteres interessantes Gebäude in der Ketschengasse, ist das Haus Nr. 32. Noch heute strahlt seine barocke Fassade weit in die Straße hinein und ragt damit aus dem Häusermeer heraus. Seine erste Erwähnung hatte das Gebäude im Jahre 1497, als ein Erhard Barthelmeß als Eigentümer des Grundstücks genannt wird. Er empfing hier ein Lehen der Herren von Einberg, deren Stammsitz unweit der St. Marienkirche in Rödental (Stadtteil Einberg) lag. Wann jedoch das jetzige Haus errichtet wurde, lässt sich nicht sagen. Die moderne Bauforschung datiert die Entstehungszeit des Gebäudes auf das 17. Jahrhundert. Damals gehörte das Anwesen zwei Hutmacherfamilien. Beide können hier als Bauherren in Betracht kommen. Über die Handwerksbetriebe, die einst wohl hier ihren Sitz hatten, lässt sich nicht viel sagen 1784 erwarb der Nagelschmied Johann Matthes Weber das Grundstück und richtete wahrscheinlich dort auch eine Schmiede ein. Diese Schmiede muss bis 1853 bestanden haben. In diesem Jahr kam das Anwesen in den Besitz der Enkeltochter Webers, Elise Margaretha Eichhorn, über. Sie war mit einem Hofmusiker verheiratet und hatte zwei Söhne, die als Wunderkinder galten. Der Ältere der beiden Brüder, Ernst Eichhorn, trat bereits im Alter von sechs Jahren als Violinist vor Publikum auf. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er seinerzeit von seinem Vater. Im Alter von acht Jahren unternahm er mit seinem Bruder Eduard Eichhorn Konzertreisen nach Leipzig, Berlin, Magdeburg, München, Wien, Stuttgart und St. Petersburg. Überall zollte das Publikum Respekt und Anerkennung für die Leistungen der beiden Brüder. Kein Wunder, dass Ernst Eichhorn schon frühzeitig eine Anstellung bei der Coburger Hofkapelle erhielt. Im Jahre 1838 war Eichhorn Mitbegründer des Musikvereins. Doch bereits im Alter von 22 Jahren starb der begabte Musiker. Eduard Eichhorn überlebte seinen Bruder um 53 Jahre und erhielt wie einst sein Bruder eine Stelle als Kammermusikus am Coburger Landestheater. 1858 erbte er auch das elterliche Haus in der Ketschengasse. Dieses blieb bis in die 1950er Jahre hinein, im Besitz der Familie Eichhorn. Das Ladengeschäft, welches sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet, hatte die Familie stets verpachtet. Ein Lebensmittelgeschäft, ein Obst- und Gemüsegeschäft und zuletzt ein Sanitätsgeschäft waren in dem Hause ansässig.



    Das Haus Ketschengasse 30 (Foto: Christian Boseckert, 2007)

    Eher in der Architektur zurückhaltend ist das Nachbarhaus Ketschengasse 30, welches erstmals 1529 erwähnt wurde. Das frühere Ratslehen beherbergte für mehrere Jahrzehnte die Gaststätte Fleischmann. Diese Lokalität wurde 1888 durch den Restaurateur Johann Knorr gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer beliebten Einkehrstätte am Rande des Säumarkts. Das Gebäude gehörte seit 1842 dem Kaufmann Heinrich Damnitz, der es in seiner heutigen Form im Jahre 1850 umbauen ließ. Es folgte 1857 die Familie Niezel als Hauseigentümer nach. In ihrer Zeit wurde die Ketschengasse Nr. 30 zu einem Wirtshaus. Es kann jedoch vermutet werden, dass dies nicht die erste Schankstätte in diesem Gebäude war. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts findet sich unter den Hausbesitzern des hiesigen Grundstücks ein Weinschenk namens Johann Adam Solcher, der durchaus in dem Gebäude eine Weinstube hätte betreiben können.
    Die Bezeichnung „Fleischmann“ indes stammt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als der Gastronom Christian Fleischmann Haus und Gastwirtschaft käuflich erwarb. Die Fleischmann´schen Erben führten nach dem Zweiten Weltkrieg die Gaststätte bis Mitte der 1980er Jahre weiter. Danach erfolgte die Verpachtung und Umbenennung des Lokals in „Grill Schorsch“.

  • Thema von Christian im Forum Sonstiges

    Ab nächster Woche im Handel: Die neue Zeitschrift Coburger Geschichtsblätter mit folgenden Themen:

    Rainer Axmann:
    Johann Schuster - Fürstl. Sächsischer Hofmaler und Kammerdiener (1668-1724), Leben und Werk

    Horst Gehringer:
    Wappen - Bilder einer politischen Landschaft (Hier werden besonders die Wappen am ehemaligen herzogl. Regierungsgebäude am Markt, dem heutigen Stadthaus untersucht)

    Klaus Pfrenger:
    Wendebewegung und Grenzöffnung - Eisfeld im Umbruch (Blick zurück auf die Wendejahre 1989/90)

    Christian Boseckert:
    1909 - Jahrhunderthochwasser in Coburg

    Biografien über Ferdinand Lepcke, Schöpfer des Sintflutbrunnens im Rosengarten und
    Herrmann Julius Meyer, Leiter des Bibliografischen Instituts und Ehrenbürger Coburgs.

    Christian Boseckert:
    Der Garten des Prinzen Leopold als Beispiel für die Gartenkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Ein Ort der Veränderung war auch lange Zeit die Ecke Viktoriastraße / Judengasse. Diese sollen hier im zweiten Teil der Reihe „Veränderungen“ näher beleuchtet werden. Die obere Aufnahme zeigt die Situation, wie sie sich um 1900 dargestellt hat. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen dabei vier Gebäude. Zuerst blicken wir auf das Haus am linken Bildrand. Es ist das Anwesen Judengasse 52a welches 1862 für den Zimmermeister Ferdinand Amberg errichtet wurde. Im Jahre 1890 eröffnete dort der Zahnarzt Heinrich Borneff ein Lebensmittelgeschäft, dessen Werbung an der Hausfassade noch zu erahnen ist. Ab 1909 führte die Familie Gräfenhain das Geschäft weiter, gab es aber 1924 an den Kaufmann Alfred Streng ab. Das Lebensmittelgeschäft Streng, seit 1956 an der EDEKA-Gruppe angeschlossen, dürfte den älteren Coburgern noch bekannt sein. Es existierte bis 1977 und wurde zum Schluss von der Tochter Strengs, Erika Kiesewetter, geführt.
    Das nächste Gebäude galt lange als ein Verkehrshindernis, da es direkt in die Viktoriastraße hineinragte. Das in den 1830er Jahren erbaute Haus, beherbergte seit 1857 eine lithografische Anstalt mit angeschlossener Steindruckerei. Inhaber des Betriebes war der Lithograf Ludwig Eduard Beuchel, von seinen Bekannten auch „Graf Litho“ genannt. Ausgerechnet ihm passierte es, das eines Tages die herzogliche Kutsche auf schneller Fahrt, fast die Hausecke mitgenommen hätte. Daraufhin hatte Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha das Gebäude als ein „Scheißhaus“ bezeichnet. Beuchel war über diese Wortwahl des Monarchen sehr gekränkt. Die Druckerei selbst existierte bis 1899. Zum Zeitpunkt der Aufnahme beherbergte das Gebäude das Sanitätsgeschäft des Masseurs Peter Eichmüller. Dieses existierte bereits seit 1889.
    Bei dem sich anschließenden Gebäude handelte es sich um einen Stadel, welcher der Bierbrauer- und Bäckerfamilie Flinzberg gehörte. Carl-August Flinzberg betrieb seit 1848 eine Bäckerei nebst Bierwirtschaft und Brauerei in der Judengasse 19. Die Lokalität wurde später unter dem Namen „Rizzi-Bräu“ einem größeren Publikum bekannt. In den 1870er Jahren baute Flinzberg in den Stadel eine Malzdarre ein. Das Bierbrauen selbst besorgte er in den städtischen Brauhäusern. Die Gründung einer eigenen Brauerei scheiterte. Nachdem Carl-August Flinzberg 1895 verstarb, vermieteten die Erben den Stadel an einen Kohlenhändler, der darin ein Kokslager einrichtete.
    Das Gebäude ganz rechts gehörte zum Firmenkomplex der Samen- und Getreidegroßhandlung Mayer. Inhaber dieses Unternehmens war der von Ernst II geadelte Freiherr Jacob von Mayer. An ihm erinnert, aufgrund seiner großen Wohltätigkeit, eine Gedenktafel im Rathaus und die von-Mayer-Straße in Ketschendorf. Das hier zu sehende Lagerhaus erwarb Mayer 1870 vom Kaufmann Moritz Friedmann. Zum Firmenkomplex gehörte auch das Wohn- und Geschäftshaus Judengasse 43/45, Ställe und ein Kutschershaus (Judengasse 47). Als Jacob von Mayer 1901 starb, verkauften seine Erben stückweise die Gebäude. Das Lagerhaus auf dem Foto ging dabei in den Besitz des Kommerzienrats Julius Mai über, der die Samen- und Getreidegroßhandlung Mayers übernahm.
    100 Jahre später sieht die Situation dort ganz anders aus. Das Borneff´sche Haus wurde 1980 als Verkehrshindernis abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Das gleiche Schicksal erlitt auch das Beuchel´sche „Scheißhaus“. Es wich 1903, wie auch der Stadel Flinzberg, dem Bau eines Jugendstilhauses, welches der Architekt Otto Leheis plante. In dem neuen Wohnhaus eröffnete ein Hotelier namens Ludwig das Hotel „Coburger Hof“. Diesem war jedoch kein Erfolg beschieden. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs schloss das Hotel seine Pforten. In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude als Privatklinik, Ämtergebäude der Stadtverwaltung, Anlaufstelle für die Hitlerjugend und nach 1945 als Parteizentrale der Kommunistischen Partei. Seit 1950 befindet sich die Löwen-Apotheke der Familie Luft in den Räumen des früheren Hotels. In den Obergeschossen haben sich Ärzte niedergelassen.
    Das Sanitätsgeschäft Eichmüller, das dort einst seinen Sitz hatte, zog nach dem Abbruch des alten Gebäudes in das gegenüberliegende Jugendstilhaus Judengasse 54 um, wo Peter Eichmüller seinem Laden zusätzlich einen Friseur-Salon anschloss. Das Geschäft existierte dort bis 1956.
    Das ehemalige Mayer´sche Lagerhaus wurde 1938 aufgeteilt und an zwei Interessenten verkauft. Einer davon, der Getreidehändler Ernst Wiehe, führte die Tradition des Hauses als Samengroßhandlung noch für Jahrzehnte weiter. Ein anderer Gebäudeteil gelangte in den Besitz des Spediteurs Alexander Jacobi (Nachfolger Jakob) im Sonntagsanger. Inzwischen wird dieser Teil von der Löwenapotheke und den Arztpraxen des Hauses Viktoriastraße 9 als Parkhaus genutzt. Es ist das einzige hier behandelte Gebäude, dass die letzten 100 Jahre stehen geblieben ist.

    Bildquellen:
    Bild 1: Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse um 1900 (aus Christian Boseckert, Eine Straße erzählt Coburgs Geschichte, S. 57)
    Bild 2: Die Ecke Viktoriastraße / Judengasse im Jahre 1996 (Foto: Karl-Ulrich Pachale)

  • Zweimal sollte ihm der Nobelpreis für Medizin verliehen werden. 1936 scheiterte es, weil die politischen Verhältnisse dagegen sprachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zu spät. Professor Dr. Hans Berger starb am 1. Juni 1941 in Jena, nachdem er sich in einem Anfall von Schwermut das Leben nahm. Das Lebenswerk des in Coburg aufgewachsenen Psychiaters, Neurologen und Hirnforschers wurde erst nach seinem Tod in Fachkreisen anerkannt. Dr. Hans Berger, der seit 1897 an der psychiatrischen Klink der Universität Jena arbeitete, entdeckte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die bioelektrischen Hirnströme und entwickelte ein Gerät, um diese Energie messen zu können. Er selbst nannte seine Erfindung „Elektrencephalogramm“. Heute ist dieses Gerät unter der Abkürzung „EEG“ bekannt. Geboren wurde Hans Berger am 21. Mai 1873 im Wohnhaus seines Großvaters, des Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert in Neuses bei Coburg. Sein Vater, Dr. Paul Friedrich Berger war Direktor des Coburger Landkrankenhauses, welches ich zu jener Zeit im ehemaligen Landratsamt in der Allee befand. Wohl aus diesem Grund lebte die Familie Berger auch seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts im nahe gelegenen Hause Steinweg Nr. 32. Nach dem Abitur, das Berger im Jahre 1892 am Gymnasium Casimirianum ablegte, verließ er Coburg, um in Berlin, Kiel und Jena zu studieren. Zunächst wendete er sich der junge Mann der Astronomie und der Mathematik zu, wechselte aber bald zur Medizin über. 1897 begann Hans Berger als Assistent an der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Jena. Sein zuständiger Oberarzt zu jener Zeit war der bekannte Nervenarzt und Philosoph Theodor Ziehen. 1901 habilitierte er sich mit einer Arbeit „Zur Lehre von der Blutzirkulation in der Schädelhöhle des Menschen, namentlich unter dem Einfluß von Medikamenten.“ Danach blieb Berger an dem Krankenhaus in Jena. Er rückte im Jahre 1912 zum Oberarzt und 1919 zum Direktor der Psychiatrischen Klinik und ordentlichen Professor auf. 1927/28 bekleidete er das Amt des Rektors der



    Messungen eines EEG, erfunden von Dr. Hans Berger

    Jenaer Universität. Seine Rektoratsrede Über die Lokalisation im Großhirn stellte eine Art wissenschaftliches Glaubensbekenntnis dar. Das Hauptaugenmerk des Mediziners galt allerdings der neurologischen Forschung. Bereits 1902 begann er mit Experimenten an der Hirnrinde von Hunden und Katzen. Dabei suchte er immer nach Wegen, die Beziehung zwischen Körper und Seele durch physikalischen Methoden zu objektivieren. 1924 gelang es Berger nach zahlreichen Vorversuchen bei einem jungen Mann, dem ein Teil der Schädeldecke entfernt worden war, ständige elektrische Potentialschwankungen zu messen. Die Weiterentwicklung der Berger´schen Apparatur, die er selbst „Elektrencephalogramm“ nannte, erlaubte es bald, nicht nur an Schädellücken die Energiefelder des Gehirns aufzuspüren. 1927 war das Gerät in der Lage, am unversehrten Schädel und sogar an der Kopfhaut Aufzeichnungen der Hirnströme vorzunehmen. Nach seinem Erfolg experimentierte Berger unermüdlich weiter, hatte Zweifel, begann wieder von neuem. Erst im Jahre 1929 publizierte er seine Entdeckung. Seine Arbeit trug den Titel „Über das Elektrenkephalogramm des Menschen“. Seine bahnbrechende Entdeckung fand viele Jahre keine Anwendung. Erst im Jahre 1934 stieß der englische Neurophysiologe Edgar Douglas Adrian auf die Arbeiten Bergers und erkannte die Tragweite der Entdeckung. Er gab dem Alpha-Grundrhythmus der hirnelektrischer Tätigkeit den Namen Berger-Rhythmus. Heute ist das EEG eine unentbehrliche Hilfe bei der Diagnose von Anfallserkrankungen und zur Lokalisierung von Tumoren. Im Jahre 1938 wurde Hans Berger emeritiert. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges übertrug man ihm 1939 nochmals die Klinik in kommissarischer Leitung. Drei Jahre später starb er im Alter von 68 Jahren in Jena. Ihm zu Ehren enthüllte man während des 11. Deutschen Ärztetages im Jahre 1958 an seinem ehemaligen Coburger Wohnhaus im Steinweg Nr. 32 eine Gedenktafel. Bei der feierlichen Weihe war auch Hans Bergers Witwe anwesend. Sieben Jahre später benannte die Stadt Coburg eine Straße am Ketschendorfer Hang nach dem bedeutenden Mediziner. So ist der Name Dr. Hans Berger in der Vestestadt bis heute unvergessen geblieben.

    Bildquellen:
    Bild 1: Dr. Hans Berger (Sammlung HG Coburg)
    Bild 2: Wohnhaus Bergers im Steinweg (Foto: Christian Boseckert, 2008)
    Bild 3: Gedenktafel auf der Rückseite des Wohnhauses Richtung ASCO (Foto: Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Coburg besitzt eine Vielzahl an denkmalgeschützten Häuser.
    In einer Collage sollen sie nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Dieser Teil beschäftigt sich mit den denkmalgeschützten Häusern der Bahnhofstraße von dessem Beginn im Heiligkreuz bis zur Hohenlohe-(Bahnhofs)brücke.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Die Coburger Innenstadt besaß in der Vergangenheit eine Vielzahl von Brunnenanlagen, die mit der Zeit, aufgrund des zunehmenden Straßenverkehrs, entfernt werden mussten. Der Coburger Chronist Karche erwähnt im 18. Jahrhundert das zu dieser Zeit 29 Brunnen im Bereich der Innenstadt existierten. Eine Straße, die heute „brunnenfrei“ ist, aber einst zahlreiche solcher Anlagen aufweisen konnte ist die Judengasse. Dieser Beitrag soll auf die Suche nach den Brunnen gehen, wo sie gestanden haben und wie sie vielleicht aussahen.

    Unsere Reise beginnt dabei direkt am Judentor. Vor dem gegenüberliegenden Haus Judengasse Nr.11, indem heute sich der Netto-Supermarkt befindet, stand einst ein Ziehbrunnen, der vom Grundwasser gespeist wurde. Er wird erstmals im Jahre 1440 erwähnt. In seinem Brunnenverzeichnis vom Jahre 1700 weist der Chronist Hönn ebenfalls auf einen Brunnen direkt vor dem Judentor hin. Später wurde offenbar aus dem Ziehbrunnen ein Pumpbrunnen, denn bei dem Chronisten Karche, den wir bereits oben genannt haben, heißt es, dass die Hochwasser der Jahre 1760 und 1764 bis zu dem „Pumpenbrunnen bei dem Bäckerhaus am Judenturm“ reichten. Mit dem Bäckerhaus ist das Haus Nr. 11 gemeint. Der Brunnen wird letztmalig in den Annalen der Stadt Coburg im Jahre 1807 genannt. Laut Zeitzeugenberichten hat er allerdings noch am Anfang des 20. Jahrhunderts gestanden und lieferte für alle Anwohner noch reichlich Wasser. Erst die Einführung der Kanalisation um 1907, machte den Brunnen überflüssig und er wurde entfernt.

    Ein weiterer Brunnen, der offenbar im Zuge der Trockenlegung des Stadtgrabens zwischen Judentor und Ernstplatz im Jahre 1825 entdeckt wurde, war der Viktoriabrunnen. Dieser befand sich an der Stadtmauer, unterhalb des Anwesens Metzgergasse Nr.2. Der Brunnen wurde mit Steinen gefasst, erhielt aber den Namen „Viktoriabrunnen“ erst nach einer Verschönerung im Jahre 1862. Mit der Namensgebung wollte man die britische Königin Viktoria ehren, die damals 14 Tage mit ihren Kindern in Coburg, der Heimatstadt ihres 1861 verstorbenen Ehemanns Albert, zu Besuch war.

    Der Brunnen plätscherte noch bis über die Jahrhundertwende hinaus, versiegte aber nach dem Abriss des kleinen Judentores im Jahre 1899 allmählich und wurde schließlich wegen Gesundheitsschädlichkeit des Wassers zugemauert. Die kurze Straße vom Judentor zum Ernstplatz wurde erst im Jahre 1883 „Am Viktoriabrunnen“ getauft.

    Ein weiterer Brunnen von dem wir nur die Existenz kennen befand sich vor dem Hause Judengasse Nr.28 (ehemals Papierwarengeschäft Steinert) im Einmündungsbereich Webergasse/Walkmühlgasse/Judengasse. Dieser Pumpbrunnen könnte auf den „Säumarkt“ zurückzuführen sein, der hier einige Jahre stattgefunden hat, bevor er in die untere Ketschengasse zog. Wann diese Anlage entfernt wurde ist noch unbekannt. Deshalb verlangt dies noch weitere Forschungen.

    Die letzte Brunnenanlage, ebenfalls ein Pumpbrunnen in der Judengasse befand sich vor dem Wirtsgarten der Gaststätte Bauer. Auf einigen Abbildungen ist er noch deutlich erkennbar.

    Die ersten Pumpbrunnen kamen Anfang des 18. Jahrhunderts auf und ersetzten die Ziehbrunnen. Ursprünglich waren diese aus Holz. Erst ab 1880 waren die Pumpbrunnen ganz aus Eisen. Das Exemplar bei der Gaststätte Bauer musste 1948 dem wachsenden Verkehr weichen. Nur ein metallener Verschluss auf dem Bürgersteig vor dem Biergarten erinnert noch an seinen Standort.

    So haben wir in einer nur kurzen Strecke bereits vier Brunnenanlagen kennen gelernt, die aber alle nicht mehr vorhanden. Wir dürfen uns dabei über diese Anzahl nicht wundern. Brunnen waren für das Überleben der Menschen wichtig, denn diese spendeten das kostbare Wasser. Ein Umstand den die „Wasserleitung-Generation“ heute nicht mehr nachvollziehen kann. Und so war es nicht ungewöhnlich, dass in einer Straße mehrere Brunnen existierten, siehe heute noch die Ketschengasse.

    Fotoquellen:
    Bild 1: Am Viktoriabrunnen um 1900 (Fotosammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Der Pumpbrunnen vor dem ehemaligen Biergarten der Gaststätte Bauer (Fotosammlung Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Termine

    Hier nun das Sommerprogramm 2010 der Historischen Gesellschaft

    9. April 2010, 18 Uhr

    Thema: Coburg und seine historischen Gärten
    Referent: Christian Boseckert

    Veranstaltungsort: Schnürs-Pavillon Adamiberg 8

    16. April 2010, 15 Uhr

    Parallelen zwischen den Residenzstädten Coburg und Würzburg
    mit zwei Vorträgen:
    Dr. Alfred Geibig - Zur Geschichte der Veste Coburg
    Dr. Dirk Götschmann - Die Festung Marienberg, Würzburg.

    Veranstaltungsort: Münchner Hofbräu, Kleine Johannisgasse 8, Großer Saal

    12. Juni, 8 Uhr

    Exkursion nach Erfurt, Treffpunkt Anger, ganztägig.

    25.-28.09.2010
    Kongress der Residenzen-Kommission der Göttinger Akademie der Wissenschaften und der Historischen Gesellschaft Coburg e.V. zum Thema

    Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft

    Eröffnungsvortrag:

    Gert Melville: Johann Casimir (1564-1633) - ein Herzog in Coburg.

    Beginn: 25.09.2010, 18 Uhr im Riesensaal der Schloss Ehrenburg.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Ein architektonisch auffallendes Gebäude in der Ketschengasse ist das Haus Nr. 27, besser bekannt als „Cafe Prinz Albert“. Eine sehr interessante Geschichte kann dieses Gebäude uns heute erzählen. Ursprünglich stand hier das städtische Narrenhaus. Es wurde 1531 beim Inneren Ketschentor, das zwischen dem Haus Ketschengasse 25 (heute Modegeschäft Reiter) und dem Flachbau des Orthopädiegeschäfts Brünner lag, errichtet. Im Narrenhaus waren seinerzeit Menschen mit diversen Geisteskrankheiten untergebracht. Sie durften sich jedoch frei bewegen, waren aber durch eine spezielle Narrenkleidung schon weitem zu erkennen. Bei begangenen Straftaten konnten Narren dafür nicht belangt werden. Sie genossen, wie das Sprichwort schon sagt, Narrenfreiheit. 1719 verkaufte die Stadt das Gebäude an den Bäckermeister Michael Lautensack, der dort ein neues Wohnhaus mit zwei Stockwerken und zwei Stuben errichtete. In den folgenden Jahren wechselten oft die Hauseigentümer bis 1823 der Müllermeister Johann Carl Wittig das Anwesen durch Tausch erwarb. Wittig eröffnete in dem Gebäude eine Konditorei, welche die lange Tradition des Hauses bis hin zum Cafe Prinz Albert begründete. Im Jahre 1863 gelangte das Grundstück in den Besitz des Konditormeisters Julius Ruprecht, der das alte Haus abreißen ließ. An seiner Stelle entstand das heutige Gebäude Ketschengasse 27 mit zweistöckigem Erker, im englischen Stil gehalten. Der Name des Baumeisters ist bis heute jedoch unbekannt. Unter Ruprechts Nachfolger Gustav Heinrich, der ab 1870 hier eine Konditorei betrieb, entwickelte sich das Unternehmen zum Hoflieferanten. Auch ein Cafe wurde jetzt der Konditorei angeschlossen. Schon bald entwickelte sich das Kaffeehaus zu einem beliebten Treffpunkt für Damenkränzchen und Gesellschaften. Im Jahre 1905 kam das Aus für Konditorei und Cafe. Der Mützenmacher und Kürschnermeister Robert Bergmann erwarb seinerzeit das Gebäude und richtete im Erdgeschoss sein Ladengeschäft ein, wo er u.a. auch Schülermützen verkaufte. Da störte ein Cafe nur. In den darauf folgenden Jahren wechselten jedoch die dort ansässigen Geschäfte häufiger. In den 1930er Jahren befand sich hier eine BACKDIE-Filiale, ein Lebensmittelgeschäft vergleichbar mit heutigen Supermarkt-Ketten. Ab 1937 befand sich im 1. Obergeschoss des Hauses das Büro der Kohlenhandlung Alfred Bauer (Nachfolger Henkel). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Modehaus. Bekannte Firmen wie Kaspar (heute auf dem Markt) Reuther (später in der Spitalgasse) und Matzer & Worsch (heute auf der Mauer) hatten hier ihren Sitz bzw. eine Filiale. Zu dieser Zeit entstanden auch die großen Schaufenster, die eigentlich für ein neugotisches Gebäude völlig ungewöhnlich sind. In den 1970er Jahren befand sich das Brautstudio Reiter in den Geschäftsräumen des Hauses. Die Wiederaufnahme der alten Konditorei-Tradition erfolgte erst wieder im Jahre 1983. Ein Nachfahre der Kohlenhändler-Familie Henkel, die das Grundstück seinerzeit besaßen, erlernte in der bekannten Konditorei Schubart sein Handwerk und machte sich schließlich 1983 selbstständig. Dabei wurde das Haus komplett umgebaut und im 1. Obergeschoss ein Etagencafe eingerichtet, während im Parterre wieder eine Konditorei eingerichtet wurde. Das Cafe erfreute sich einer großen Beliebtheit in der Coburger Bevölkerung. So entwickelte sich das Kaffeehaus zu einer beliebten Einkehrstätte für Bürger und Besucher, in der Kaffee, Kuchen oder sogar kleine Gerichte zum Verweilen einluden Im Frühjahr 1999 übernahm die Familie Schubart das Lokal und betreibt es bis in unsere Gegenwart hinein. Die letzte Fassadensanierung liegt inzwischen zehn Jahre zurück. Das Cafe Prinz Albert erfreut sich heute noch über guten Zuspruch bei den Coburgern. Es bleibt zu hoffen, dass die Umgestaltungsmaßnahmen in der Ketschengasse und am Albertsplatz dem keinen Abbruch leisten.



    Bildquellen:
    Bild 1: Das Haus Ketschengasse 27 in der Gegenwart (Foto: Christian Boseckert, 2009)

  • Als seinerzeit der dienstälteste Oberbürgermeister Bayerns, Dr. Walter Langer, am 30. April 1970 aus dem Amt schied, dankte ihm die Stadt mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes. Damit erfuhr er die höchste Ehrung der Stadt Coburg. Sie traf einen Mann, der wie kein anderer die Coburger Geschichte der Nachkriegsjahrzehnte gestaltete und ihr seinen Stempel aufdrückte. Dr. Walter Langer wurde am 2. Oktober 1892 in Crimmitschau in Sachsen geboren. Nach dem Abitur am Leipziger Thomas-Gymnasium nahm er als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Im Jahre 1922 promovierte er zum Doktor der Rechte und wurde Rechtsanwalt. Diese Tätigkeit übte er bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 aus. Danach wurde er zur Reichsluftwaffe eingezogen wo er als Major im Jagdgeschwader Udet seinen Dienst tat. Nach Kriegsende wurde Langers Heimat von der Roten Armee besetzt, sodass er sich genötigt sah mit seiner zweiten Frau Maria diese zu verlassen. Beide flohen nach Coburg, der Heimat seiner Frau (Maria Langer war die Tochter des bekannten Coburger Theatermalers Friedrich Lütkemeyer), wo er wieder als Rechtsanwalt arbeitete. In den bald einsetzenden Entnazifizierungsverfahren wurde er als Verteidiger rasch stadtbekannt. Über die Freie Demokratische Partei kam er in die Kommunalpolitik. Schon bald war Dr. Langer dort einer der einflussreichsten Politiker und so bestimmte ihn die FDP, bei der ersten Coburger Oberbürgermeisterwahl nach dem Kriege, im Mai 1948, zum OB-Kandidaten. Langer betonte vor der Wahl die oppositionelle, offenbar auch auf coburgisches Selbstbewusstsein gegenüber Bayern setzende Haltung der FDP. So sagte er in einer Wahlveranstaltung: „ Die Opposition ist der Spiegel der Demokratie. Die CSU wäre noch schwärzer, noch bayerischer, wenn sie nicht Rücksicht nehmen müsste auf die unbequeme Opposition der FDP…“. Mit dieser Kombination aus Liberalismus, Nationalismus und Lokalpatriotismus gewann Langer die OB-Wahlen gegen den bisherigen Amtsinhaber Ludwig Meyer von der SPD. Er trat am 01. Juli 1948 sein neues Amt an. Dass zehn Tage zuvor durch die Währungsreform die DM eingeführt wurde, sollte für Walter Langer ein großer Vorteil sein. Endlich konnten die Probleme gelöst werden unter denen die Coburger besonders zu Leiden hatten. Das war vor allem immer noch das Flüchtlings- bzw. Wohnungsproblem. Langer versuchte das Problem damit zu lösen, die Bautätigkeit in Coburg zu fördern. Dazu gründete er die Coburger Wohnbaugesellschaft, die in den Folgejahrzehnten zahlreiche Stadtrandsiedlungen in allen Himmelsrichtungen anlegte. Schon im Jahre 1951 konnten die ersten 51 Neubauwohnungen am Schießstand fertig gestellt werden. Damit begann eine rege Bautätigkeit in der Ära Langer, die erst mit der Fertigstellung des so genannten „Demo“ am Hörnleinsgrund Ende der 1960er Jahre, ihr Ende fand. Ein anderes Problem seinerzeit war die Frage der Arbeitslosigkeit. Im Jahre 1951 lag die Erwerbslosenquote in Coburg bei 15,7%.4 Langers Ziel war es deshalb auch vermehrt Industrie in Coburg anzusiedeln, was aufgrund der geographischen Situation der Stadt an der deutsch-deutschen Grenze sich als zunehmend schwierig darstellte. Zwar wurde auch hier eine Industrieförderungsgesellschaft gegründet, doch kannte man den Weggang namhafter Unternehmen wie Zeiss-Opta oder dem Vogel-Verlag nicht verhindern. Langers Kritiker nahmen dies zum Anlass den OB als industriefeindlich darzustellen. Doch der

    Wirtschaftsaufschwung der 1950er Jahre verhalf auch Coburg zu einer wesentlichen Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt. Ein weiterer roter Faden, der sich durch die Amtszeit von Walter Langer sich zieht, ist der Bau von öffentlichen Gebäuden wie Kirchen, Verwaltungsgebäuden und Schulen gewesen. Mit der Bevölkerung wuchs auch die Schülerzahl und somit der Raumbedarf der Schulen. So wurden in den 1950er und 1960er Jahren zahlreiche neue Schulhäuser erbaut, und Vorhandene erweitert. Doch Langers „Lieblingsprojekt“ war jedoch der Bau eines Kongreßzentrums. Er wollte Coburg zu einer Kongressstadt machen und ging dabei nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern um, so dass er bald als „Adenauer von Coburg“ tituliert wurde. Trotz heftiger Proteste der Bevölkerung drückte er 1959 den Bau des Kongresshauses am Rosengarten durch den Coburger Stadtrat. Als das Gebäude 1962 eingeweiht wurde waren die Coburger eher schockiert als erfreut. Schon allein der Anblick des überdimensionierten Außenaufgangs zum hauseigenen Restaurant, der so genannten Elefantentreppe ließ die Leute nur so den Kopf schütteln. Das Kongresshaus blieb neben dem Wohngebiet Demo eines der umstrittensten Projekte die in der Ära Langer. Weitere Schwerpunkte in seiner Arbeit waren die Modernisierung und der Ausbau der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserversorgung, die Förderung der Kultur, des Sports und des Fremdenverkehrs. Auch wurde unter Walter Langer das erste Städtische Alten- und Pflegeheim in der Neustadter Straße eröffnet.

    Langers Führungsstil war für heutige Begriffe sehr autoritär, was ihn den oben genannten Titel „Adenauer von Coburg“ einbrachte. Sein langjähriger Stellvertreter Dr. Paul Haubner sagte mal über ihn: „Wie steht er vor unser alle Augen? Unendlich fleißig, zielstrebig, vital, nimmermüde, pünktlich, gewandt, aber auch mutig, Draufgänger, geschickter Verhandlungspartner. Zäh und unnachgiebig, beweglich, vorzüglicher Redner, liebenswürdiger Gastgeber, hervorragender Vertreter und Repräsentant der Stadt Coburg.“ Es sei vielleicht noch zu erwähnen, dass er wohl der reichste OB in Deutschland war, da er in seinem Arbeitszimmer im Rathaus einen echten van Gogh hängen hatte, der nach dem Ende von Langers Amtszeit der Stiftung Pommern, zurückgegeben wurde. Das Bild war ursprünglich Teil der Stettiner Gemäldesammlung. 22 Jahre kämpfte Dr. Walter Langer dafür die Stadt Coburg aus dem Not und dem Elend herauszuführen und diese zu einer lebensbejahenden, lebensmutigen Stadt zu machen. Aus heutiger Sicht muss man sagen dass es ihm das gelungen ist. Mit 78 Jahren schied Walter Langer im Jahre 1970 aus dem Amt des Oberbürgermeisters. Doch mit dem Verlust der Macht holte ihn das Alter ein. Am 22. Juli 1977 starb Dr. Walter Langer im Alter von 84 Jahren in Coburg. Zu recht stand in seiner Todesanzeige: „Er hat Krankheit und Siechtum seiner letzten Monate ohne zu klagen hingenommen, willensstark und selbstlos, wie er das ganze Leben war.“

    Bildquellen:
    Bild 1: Oberbürgermeister Dr. Walter Langer (Fotosammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Langers erster Wohnsitz, die von-Horst-Villa in der Festungsstraße (Foto: Christian Boseckert 2007)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Schon bald 20 Jahre ist es her, als mit der Einweihung der Frankenbrücke eines der wohl umstrittensten Bauprojekte der neueren Zeit in Coburg seinen Abschluss fand. Dem Bau fielen damals insgesamt 21 Häuser zum Opfer: Fünf am Marschberg, zwei in der Schlachthofstraße, eines in der Hutstraße und 13 im Weichengereuth! Erbittert umkämpft waren vor allem die Jugendstil-Fassaden der Häuser im Weichengereuth. Vor allem ein Gebäude trauern die alten Coburger noch heute nach, nämlich dem sogenannten Mohrenkeller. Diese Gastwirtschaft befand sich in einem Haus, dass gleich drei Grundstücke miteinander vereinte: Weichengereuth Nr. 1 sowie Marschberg Nr. 1 bis 3. Architekt dieses „Dreifach-Gebäudes“ war der Maurermeister Carl Bauer, der diesen Komplex im Jahre 1904 auf eigene Rechnung errichten ließ. Das Schicksal hatte es mit Bauer aber nicht gut gemeint. Weil er seine Häuser, die er im Weichengereuth und am Marschberg baute, nicht verkaufen konnte, mussten diese schon bald zwangsversteigert werden. Der Mohrenkeller-Komplex kam schließlich 1910 unter den Hammer und ging an drei Coburger Bürger. Da Bauer ausgerechnet die meisten seiner Jugendstilhäuser im Bereich Weichengereuth / Marschberg errichtete, fielen diese ausnahmslos den Bau der Frankenbrücke zum Opfer. Von Anfang an waren in dem Gebäude auch Geschäftslokale untergebracht. Im Teilstück Weichengereuth Nr. 1 war dies die Gaststätte Mohrenkeller, die bereits 1904 eröffnet wurde. 1910 erwarb der Gastronom Christian Schneider das Haus und führte so das Lokal weiter. Ihm folgte als Hauseigentümer der Restaurateur Johann Knorr nach bis 1927 der Brauereibesitzer Gottlieb Stahn aus Meschenbach das Grundstück erwerben konnte. So floss auch hier der Meschenbacher Gerstensaft ab diesen Zeitpunkt in Strömen. Im Jahre 1960 übernahm der im Coburger Land bekannte Diplom-Braumeister Friedrich Müller die Meschenbacher Brauerei. Für den Mohrenkeller konzipierte er eine neue Form der Gaststätte. Er machte aus dem allgemeinen Speiserestaurant eine Brathähnchenstation. Die Idee kam bei den Kunden sehr gut an. Noch lange Jahre konnte man hier seinen „Gummiadler“ bestellen und verzehren. Anfang der 1970er Jahre traten allerdings verstärkt vor der Kreuzung am Mohrenkeller Verkehrsprobleme auf. Schuld daran war eine abknickende Vorfahrt mit langen Staus bei den untergeordneten Straßen sowie der Bahnübergang am Städtischen Schlachthof. Ferner plante man den Fernverkehr westlich an der Innenstadt vorbei zuleiten. Dies sollte nach Meinung des Coburger Stadtrates mittels einer vierspurigen Stadtautobahn geschehen, deren Verlauf über die Adamistraße und den Neuen Weg direkt zu der Kreuzung am Mohrenkeller führte. Die Bauarbeiten für dieses Projekt begannen 1974. Natürlich sollte die Stadtautobahn ins Weichengereuth weiter geführt und eine Entschärfung der sogenannten „Schlachthofkreuzung“ herbeigeführt werden. Dabei stand der Bauer´sche Häuserkomplex im Weg. Ende März/Anfang April 1977 hatte schließlich das letzte Stündlein für den Mohrenkeller geschlagen. Als letzter Hauseigentümer wird im Adressbuch von 1977 die Bundesrepublik Deutschland angegeben. Ihr oblag seinerzeit der Ausbau der neu angelegten Bundesstraße 4. Mit dem Abbruch des Mohrenkellers begannen seinerzeit die Umgestaltung in diesem Bereich. Die Nachbarhäuser im Weichengereuth und am Marschberg fielen schließlich ab 1989 der Abrissbirne zum Opfer. Deren Geschichte hier zu erwähnen, würde den Rahmen des Aufsatzes sprengen. Man sollte jedoch diesen Artikel nicht beenden, ohne noch auf die beiden anderen Teile Marschberg Nr. 1 und 3 des Bauer´schen Komplexes einzugehen. Der Mittelbau Marschberg 1 kam 1910 in den Besitz von Schlossermeister Ernst Weidmann, welcher das Haus 1919 an den Kaufmann Albert Bores weiter veräußerte. Bores führte dort ein Lebensmittelgeschäft, das bis in die 1970er Jahre hinein unter den Namen „Hanft“ weiter existierte. Der dritte Gebäudeteil ging 1910 in den Besitz des Kaufmanns August Scheler über. 1911 eröffnete dort Hermann Gröckel eine Fleischerei. Später betrieb dort die Firma Großmann AG eine Filiale. Auch diese beiden Teile wurden 1977 abgerissen. Architektonisch war dies ein riesiger Verlust für die Coburger Baukultur. Größere Protestete gab seinerzeit aber kaum, denn der Jugendstil galt in den 1970er Jahren als „Kitsch-Architektur“ und genoss keinen großen Stellenwert. Erst nach der großen Abbruchserie des Jahres 1989 besann man sich der Bedeutung des Jugendstils wieder und lernte ihn wieder schätzen.

    Bildquellen:
    Bild 1: Der Mohrenkeller - Weichengereuth 1 - kurz nach dessen Eröffnung um 1910.
    Bild 2: Die beiden anderen Hausteile Marschberg 1 und 3 kurz vor deren Abriss 1977

    beide Aufnahmen sind entnommen aus: Stadt verkehrt. Ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt in der 10. Jahrgangsstufe am Beispiel der Stadt Coburg (Heft 19/1997 der Lehrerzeitung "die untere anlage" am Gymnasium Albertinum)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    In Zusammenhang mit der großen Resonanz, die auf dem Aufsatz über den Mohrenkeller folgte, soll der Mündungsbereich Weichengereuth / Hutstraße / Marschberg in einem weiteren Artikel dargestellt werden. Seit der Fertigstellung der Frankenbrücke in den 1990er Jahren hat sich die Umgebung dort völlig verändert. Wenn man heute mit dem Auto aus der Innenstadt kommt und rechts hinauf zur Hut fährt, fällt einem sicher ein prachtvoller Brunnen auf, der unterhalb des Hauses Marschberg Nr. 2 an einer Mauer installiert ist. Ursprünglich befand sich dieser Brunnen seit 1904 am Jugendstilgebäude Weichengereuth Nr. 3, welches 1989 im Zuge des Ausbaus der Frankenbrücke abgerissen wurde. Architekt dieses Gebäudes war der Maurermeister Carl Bauer, den wir schon beim Mohrenkeller kennengelernt haben. Das Gebäude besaß sehr sehenswerte Schmuckornamente. An dieser prächtig gestalteten Fassade befand sich auch der Wandbrunnen, den wir heute an der Ecke Hutstraße / Marschberg sehen können. Darüber befanden sich Reliefs, die zwei Schiffe darstellten. Über der Eingangstüre gaben ein Winkel und eine Reißschiene Auskunft über den Beruf des Hausbesitzers Carl Bauer. Ferner erinnerten neben dem Balkon des Hauses zwei Gestalten mit Steinmetzwerkzeugen und Bauplan an Bauer, der das Gebäude wegen Zahlungsschwierigkeiten 1909 versteigern lassen musste. Neuer Hauseigentümer wurde der Klempnermeister Friedrich Schneider. 1924 wird die Witwe Aline Schüler als Grundstücksbesitzerin erwähnt. Das Haus Weichengereuth Nr. 3 war eines der wenigen Privathäuser in der Gegend, die noch 1977 im Privatbesitz lagen. Die Bundesrepublik Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die meisten Gebäude aufgekauft. Die Denkmalschutzbehörde hatte schließlich das Haus mit dem Rückgebäude in ihre Liste aufgenommen. Den Abriss von 1989 wurde dadurch nicht verhindert, aber es gab Diskussionen die Fassade des Jugendstilhauses als Treppenaufgang zur Hügelstraße künstlich wieder aufzubauen. Für manche war dies ein „mutiger Versuch“, für andere eine reine „Mickey-Mouse-Architektur“. Schwierigkeiten mit der Finanzierung lies dieses Projekt nicht zur Ausführung kommen. Vorsorglich wurden aber seinerzeit die Ornamente und der Wandbrunnen von Weichengereuth Nr. 3 abgebaut und nummeriert. Zur Ausführung kam schlussendlich im Jahre 1997 nur die Wiederherstellung des Brunnens. Der Platz, wo er heute steht, wurde nicht zufällig ausgewählt. Er erinnert dabei an eine andere Brunnenanlage, die dort einst stand, nämlich an den Ölberg- oder Hölberlesbrunnen. Urkundlich wird der Brunnen erstmalig im Jahre 1439 als „Älberlein“ jenseits der „Eichen brukken“ erwähnt. Diese war eine Vorläuferin der heutigen Schlachthofbrücke. Neben dem Brunnen stand vor der Reformationszeit eine Ölberggruppe, die auf die Passion Christi hinwies. Im Jahre 1606 wurde sie entfernt und im damaligen Friedhof an der Salvatorkirche wieder aufgestellt. Dort stand sie noch bis 1822. Dem Brunnen hatte sie seinen Namen gegeben. Das Volk hat im Sprachgebrauch aus Ölbergbrunnen, Oelberleinsbrunnen und schließlich „Hölberlesbrunnen“ gemacht. Zu diesem Namen trug auch der Professor am Gymnasium Casimirianum Hermann Gottfried Hornschuh irrtümlich bei. In einer Schrift aus dem Jahre 1773 schrieb er dem Wasser des Brunnens einen Geschmack von Preiselbeeren zu. Und da ja die Coburger zu Preiselbeeren „Hölberle“ sagen, war schließlich dieser Name geboren. Die Heiligengruppe gab aber nicht nur dem Brunnen, sondern auch dem Gelände zwischen dem Marschberg und der Hutstraße den Namen, nämlich Ölberg. Dort gibt es auch eine Straße mit dem Namen „Am Ölberg“. Der Ölbergbrunnen, der zuweilen auch „Hutbrünnle“ genannt wurde, war ein laufender Brunnen. Seine Quelle lag im ehemaligen „Albrechtsgründle“, der sich einst zwischen der Hut und der Sandstraße befand. Das Wasser des Brunnens wurde vom Volk sehr geschätzt zumal es bei der Behandlung von Augenleiden nützlich gewesen sein soll. Der Polizeiinspektor Johann Philipp Eberhardt, ein fleißiger Beamter der Coburger Stadtverwaltung, zollt in seiner handgeschriebenen umfangreichen Statistik über die Coburger Verhältnisse dem Ölbergbrunnen im Jahre 1803 ein hohes Lob. Das Wasser des Brunnens war in früherer Zeit nicht nur ein Labsal für alle, die vorübergingen, für die Pilger, die Hirten und die Fuhrknechte, sondern auch für das Vieh, das zur Hut getrieben wurde. Der Standort des Ölbergbrunnens befand sich ungefähr auf der heutigen Straßenmitte der Hutstraße zur Kreuzung Marschberg / Frankenbrücke, also etwas südlicher als die heutige Brunnenlange. Dabei handelte es sich um einen sechseckigen Kastenbrunnen aus Sandstein mit einer eisernen Säule. Darauf stand ein Meißener Löwe. Dieser hielt ein Schild mit der Abbildung des Coburger Mohren darauf. Im Jahre 1935 stellte man die Gesundheitsschädlichkeit des Wassers fest, sodass der Zufluss zugemauert werden musste. Die Brunnenanlage wurde allerdings stehen gelassen. Erst 1956 wurde aufgrund von Sanierungsarbeiten in dem Stadtviertel der Brunnen endgültig entfernt. Was aus der Brunnensäule und dem Löwen geworden ist, blieb bis heute im Dunkeln.

    Bildquellen:
    Bild 1: Ehemaliger Wandbrunnen des Hauses Weichengereuth 3, heute an der Ecke Marschberg/Hutstraße gelegen (Foto: Christian Boseckert 2010)
    Bild 2: Das Jugendstilgebäude Weichengereuth 3 (Quelle: http://www.coburg-magazin-forum.de, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von unserem Mitglied Phoenician)
    Bild 3: Der Ölberg- oder Hölberlesbrunnen um 1920 (Archiv: Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Wie bereits in den letzten beiden Artikeln festgestellt werden konnte, war die Ecke Marschberg / Hutstraße einer großen städtebaulichen Veränderung unterworfen. Anhand des Vergleichs zweier Fotos soll dies dargestellt werden. Das obere Bild zeigt die Situation der Einmündung beider Straßen in der Zeit um 1970. Das linke Gebäude Marschberg Nr. 2 entstand 1903 als historistische Kleinvilla mit einem Erker und einem Eckturm. Der Architekt Gustav Keßler hatte es seinerzeit für den Braumeister Reinhold Heymann erbaut. Dieser arbeitete für Coburger Hofbräu AG, deren Brauerei ja ebenfalls an der Einmündung der Hutstraße in den Marschberg lag. Es fällt in diesem Zusammenhang auf, dass viele Arbeiter dieser Brauerei in dem Bereich auch lebten. Ein weiteres Beispiel wird im Laufe des Aufsatzes noch folgen. Im mittleren hier gezeigten Gebäude Hutstraße Nr. 1 befand sich einst die Gaststätte „Zum Lindenthal“. Das Haus ließ der Gastronom Adam Sachs bereits im Jahre 1868 für sich errichten. Es war damit das älteste Wohngebäude in der Umgebung. Woher die Bezeichnung „Lindenthal“ herrührte, verraten uns die Chroniken nicht. Jedenfalls scheint es so, dass das Lokal einen regen Zuspruch erhielt, was aus der langen Existenz der Gaststätte hervorgeht. Dazu mag auch der Biergarten beigetragen haben, der vor dem Haus an der Einmündung beider Straße lag. Auf der Aufnahme von 1970 ist dieser bereits verschwunden. Er musste bereits zuvor neuen Parkplätzen weichen. So kann man nur erahnen, wie es dort vorher aussah. Vor diesem Biergarten stand einst, bis 1956, der sogenannte „Ölberg- oder Hölberlesbrunnen“ von dem schon an anderer Stelle die Rede war. Im Jahre 1970 findet sich dort eine wenig schmucke Bushaltestelle. Nach dem Tode von Adam Sachs 1898, erbte dessen Sohn Andreas das Anwesen. Er selbst arbeitete als Büttnermeister bei der Coburger Hofbräu AG. Es scheint, als hätten die Brauerei-Angestellten aufgrund des großen wirtschaftlichen Erfolges ihres Unternehmens, ebenfalls davon gut profitiert. Wie sein Arbeitskollege Heymann ließ sich auch Sachs auf dem hinteren Gartengrundstück seines Anwesens im Jahre 1908 eine dreistöckige Villa errichten. Diese Villa mit Eckturm ist auf unserem Foto auf der rechten Seite des Bildes gut zu erkennen. Sie trug einst die Adresse Hutstraße Nr. 3 und wurde fortan von der Familie Sachs bewohnt. Als Andreas Sachs während des Ersten Weltkrieges verstarb, verkaufte dessen Witwe das Gasthaus an den Wirt Wilhelm Müller. Die Familie Sachs indes ist noch bis 1955 als Eigentümer der Villa Hutstraße Nr. 3 nachweisbar. Beide Häuser der Familie teilten schließlich noch ein gemeinsames Schicksal – sie wurden nach 1989 im Zuge des Baus der Frankenbrücke abgebrochen. Wie auf dem aktuellen Foto zu sehen ist, thront heute nur noch die Heymann´sche Villa über der Einmündung der Hutstraße in den Marschberg. Sie war bis Mitte der 1950er Jahre im Besitz der Familie Heymann. Die Gaststätte „Zum Lindenthal“ existierte noch weit nach 1945. Anfang der 1950er Jahre verkaufte die Gastwirtswitwe Alma Müller Haus und Lokal an die Coburger Hofbräu AG. Es folgte schließlich die Verpachtung der Gaststätte, u.a. an den Gastronomen August Hose und an eine Familie Kunze. Anfang der 1980er Jahre wurde das Wirtshaus in „Hofbräustuben“ umgenannt und genoss keinen sonderlich guten Ruf mehr. Zuletzt versuchte hier ein Italiener mit einer Pizzeria sein Glück. Der letzte Hauseigentümer, die Paulaner AG München als Nachfolger der Coburger Hofbräu AG, verkaufte schließlich das Haus an die Bundesrepublik Deutschland. Das Haus Hutstraße Nr. 3 gehörte nach der Ära Sachs einer Familie Kühn. Im Erdgeschoss befand sich seinerzeit ein Friseursalon. Aber auch das ist inzwischen Geschichte. Die abgerissenen Häuser lassen heute einen Blick zum Anwesen Hutstraße Nr. 5 zu. Es bildet den Auftakt zu einer Reihe von einfachen Wohnhäusern, die der Baumeister Bernhard Felber 1873 auf eigene Rechnung errichten ließ. Hier lebten vor allem kleine Handwerker, wie die Adressbücher Coburgs berichten. Das hier zu sehende Gebäude erwarb 1876 der Malermeister Carl Held. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Anwesen den Familien Döll und Kühner. Die Frankenbrücke wurde 1994 durch den Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner eingeweiht. Sie hat das verkehrstechnische Nadelör am Schlachthof entfernt. Doch bis heute bleibt die Frankenbrücke ein umstrittenes Objekt, auch weil ihr über 20 Wohnhäuser zum Opfer fallen mussten.

    Bildquellen:
    Bild 1: Die Situation um 1970 (Fotosammlung: Christian Boseckert)
    Bild 2: Die heutige Situation 2010 (Foto: Christian Boseckert)

  • Was bin ich?Datum07.05.2010 09:37
    Thema von Christian im Forum Sonstiges

    So, hier mal was neues. Für alle die noch Robert Lemke und seine Sendung gekannt haben ist das nichts neues. Für die anderen erkläre ich mal die Spielregeln.

    Gesucht ist eine Person die mit Coburg zu tun hat. Um sie zu erraten müssen Fragen gestellt werden, die mit ja oder nein zu beantworten sind. Taucht das 10. Nein auf, ist die Raterunde beeendet. Die gesuchte Person muss nicht unbedingt leben, sondern kann auch schon verstorben sein. Da wir hier Experten sind, verzichte ich mal auf einen Hinweis. Und auch ja noch ne Frage:

    Welches Schweinderl hätten´s denn gern? Das Grüne

    So und die erste Person muss schon erraten werden! Warte bereits auf die erste Frage

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Das jetzige Romantik- und Drei-Sterne-Hotel „Goldene Traube“ am Viktoriabrunnen hatte seine Ursprünge u.a. in der Judengasse. Dort gehen sie auf das Jahr 1727 zurück. Im Häuserbuch von Ernst Cyriaci heißt es dazu, dass der Besitzer des Anwesens Judengasse 13 in Coburg, der Metzgermeister Paul Düsel, in jenem Jahr das Schild „Zur Weintrauben“ vom Hochfürstlichen Rat und Leibmedikus Dr. Carl Christian Xylander aus der Ketschengasse Nr. 5 erhielt. Dort befand sich seit mindestens 1536 eine Gaststätte die den Namen „Zum Roten Krebs“ trug und später dann in „Zur Weintrauben“ umbenannt wurde. Erster Inhaber des Gasthauses war ein Georg Bachenschwanz. Später, im 20. Jahrhundert, war dort der alte Coburger Ratskeller zu finden. Ob sich in dem Gebäude in der Judengasse bereits vorher eine Lokalität etablierte, ist nicht bekannt. Sicher ist nur das Paul Düsel der erste „Traubenwirt“ in der Judengasse war. Er führte das Haus bis 1739. In diesem Jahr übernahm dessen Schwiegersohn, der Metzgermeister Johann Georg Rögner den Gasthof. Ihm folgten zahlreiche Gastronomen, die sich alle nacheinander, nicht lange halten konnten. Für eine längere Phase trug nur die Familie Bärmann, von 1766 bis 1782 die Verantwortung für das Gasthaus. In jener Zeit war die „Goldene Traube“ nur ein einfacher Gasthof mit Fremdenzimmer und einer angeschlossenen Metzgerei – kein Vergleich mit dem heutigen Hotel. Die häufigen Besitzerwechsel endeten erst im Jahre 1792, als der Metzgermeister Johann Georg Mönch das Haus käuflich erwarb. Mit der Familie Mönch begann auch der Aufstieg der „Goldenen Traube“ vom Gasthof zu einem erstklassigen Hotel. Gleichzeitig war Johann Georg Mönch der Stammvater einer für Coburg bedeutenden Familie.


    Sein Sohn Martin Christian Mönch eröffnete im Jahre 1832, ebenfalls in der Judengasse, im Haus Nr. 18 gegenüber, welches der Vater 1826 käuflich erwarb, ein Lebensmittelgeschäft, das unter dem Namen „M. C. Mönch“ bis in die jüngste Gegenwart existierte und das für seine Delikatessen nicht nur in Coburg sondern in ganz Deutschland bekannt war. Die beiden anderen Söhne Georg und Andreas Mönch führten den väterlichen Betrieb gemeinsam weiter. Das Haus indes hatte Johann Georg Mönch schon zu Lebzeiten an seinen Schwiegersohn Johann Georg Schultheiß verkauft. Als dieser starb, erbte dessen Ehefrau Helene Margaretha Schultheiß, geb. Mönch das Anwesen. Da das Ehepaar Schultheiß keine Erben aufweisen konnte, ging die „Goldene Traube“ im Erbgang wieder an den Bruder Georg Mönch zurück. Doch lange konnte sich Georg Mönch an seinem Besitz nicht erfreuen. Er starb 1859 im Alter von 62 Jahren. Neuer Wirt und Hausbesitzer wurde dessen Sohn Christian Mönch, der damals gerade mal 28 Jahre alt war. Ihn kann man aus heutiger Sicht, als Vater des Hotels „Goldene Traube“ bezeichnen, denn er verfolgte ehrgeizige Pläne mit seinem Besitz. Bereits ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, im Jahre 1860, ließ er den alten Gasthof abreißen und an dessen Stelle, vom Architekten Paul Gehrlicher ein Hotelgebäude im neugotischen Stil errichten. Bei diesem Neubau wurde die Metzgerei aufgegeben. Von der alten „Traube“ erhielt sich im Album des Coburger Bauinspektors Jakob Lindner eine Zeichnung. Sie ist identisch mit einer Beschreibung aus dem Jahre 1706. Dort wird von einem Gebäude mit zwei Stockwerken, drei Stuben, einem Gewölbe und einem Keller gesprochen. Einen zusätzlichen Bierkeller besaß die „Traube“ am Plattenäcker. In den folgenden Jahren boomte die „Goldenen Traube“ regelrecht. Bereits 1862 musste Christian Mönch anbauen. Er ließ zusätzlich zu dem eigentlichen Hotel auf seinem Grundstück ein Hinterhaus und vier Jahre später, im Jahre 1866 eine Wagenremise errichten. Ferner erwarb Mönch die Konzession für eine Posthalterei in Coburg, welche dem Gasthof noch zusätzlich aufwertete und durch die er drei Postillione einstellen konnte. Dass die „Goldene Traube“ bereits zu dieser Zeit einen hohen Stellenwert besaß, zeigt der von Rudolf Genée im Jahre 1866 herausgebrachte Fremdenführer „Stadt und Veste Coburg nebst Umgebung“. In diesem Führer wird ausdrücklich der Gasthof in der Judengasse als eines der besten Gast- und Logierhäuser Coburgs, neben dem Hotel Leuthäuser in der Spitalgasse oder dem Gasthof „Grüner Baum“ am Markt erwähnt.

    Auch bei der einheimischen Kundschaft war die „Goldene Traube“ sehr beliebt. Dazu trug sicherlich auch der Sommergarten bei, der hinter dem Haus angelegt worden war. Hier konnten die Coburger Bürger bei Musik und Tanz der hiesigen Stadtkapelle vergnügt ihr Bier unter schattigen Bäumen im Freien trinken. Bei schlechtem Wetter stand sogar ein Gartensaal zur Verfügung, der später dann dem Hotelneubau am Viktoriabrunnen weichen musste. Desweiteren existierte im Traubegarten seit 1853 eine Kegelbahn, die von Georg Mönch noch errichtet wurde. Auch der Ausblick von diesem Sommergarten war zu jener Zeit herrlich. Das Grundstück reichte im Westen bis zur heutigen Viktoriastraße, die damals noch kaum bebaut war. Im Süden grenzte das Anwesen an den Viktoriabrunnen. An der Nordseite grenzten die kleinen, zweistöckigen Häuschen der Kleinen Judengasse an den „Traubegarten“ an. Die Zufahrt zu diesem Gesellschaftsgarten erfolgte über die Viktoriastraße. Erst später wurde dieser Weg an den Viktoriabrunnen verlegt. Dort ist er noch, zwischen dem ehemaligen Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) und dem heutigen Hotelkomplex der „Goldenen Traube“ zu erkennen. Christian Mönch verkaufte im Jahre 1868 das Anwesen an den Coburger Hotelier Albert Stedtenfeld für 45.500 Gulden. Er selbst erwarb daraufhin das ehemalige Wohnhaus des Barons Christian von Stockmar in der Webergasse Nr. 21, wo er, zusammen mit seinem Sohn Leopold Mönch, seine Posthalterei weiter betrieb und wo heute noch die Nachfahren der Familie Mönch dort leben.

    Unter Stedtenfeld blieb die „Goldene Traube“ auch weiterhin eine gut besuchte Lokalität. Bereits im Jahre 1873 musste er das Hotel um ein neues Logierhaus erweitern. Dieses Gebäude entstand auf dem Gelände des „Traubegartens“ wofür der schöne Sommergarten merklich verkleinert wurde. Noch heute können wir diesen Anbau von Albert Stedtenfeld sehen. Er gehört immer noch zum Hotel und beherbergt im Erdgeschoss seit einigen Jahren das Lokal „Weinstübla“. Ein besonderer Kundendienst der „Traube“ war der Omnibus, wie er in einem Inserat genannt wurde. Das war eine geschlossene Kutsche mit seitlich gepolsterten Bänken. Die Fahrgäste stiegen von hinten ein. Nachdem er die Türe geschlossen hatte, setzte sich der Hoteldiener auf den Kutschbock, knallte mit der Peitsche, worauf das vorgespannte Pferd das Gefährt in Bewegung setzte. Der „Omnibus“ holte mehrmals am Tage die Gäste vom Coburger Bahnhof ab und fuhr sie wieder dorthin. Der Coburger Heimatforscher Ernst Eckerlein, aufgewachsen in der unteren Judengasse, erinnerte sich in seinen Geschichten aus der Coburger Heimat noch gut daran, das in seiner Kinderzeit dieser „Omnibus“ vom Bahnhof zur „Goldenen Traube“ verkehrte. Ein weiterer Beleg über diese „Omnibusfahrten“ existiert im Coburger Stadtarchiv. Dort hat sich eine Rechnung an den Coburger Sängerkranz erhalten, der im Jahre 1862 eine Fahrt mit dem „Omnibus“ der Goldenen Traube nach Schloss Callenberg unternahm. Der Gastronom Christian Mönch stellte damals die Hin –und Rückfahrt dem Gesangsverein in Rechnung. Heute reisen die Gäste in Reisebussen und eigenen Autos an, was ein Beleg dafür ist, wie sehr sich die Zeit verändert hat.

    Kamen die Hotelgäste vor dem Haus in der Judengasse an, wurden sie mit einem roten Teppich, der vor dem Eingang lag, begrüßt. Zur Zierde stellte man zusätzlich vor dem Hotelgebäude fünf Lorbeerbäume auf. Auf alten Fotographien sind diese Bäumchen noch zu sehen. Im Foyer des Hotels lagen für die Gäste, aber auch für die Einheimischen, diverse Zeitungen zum lesen und schmökern bereit. Zu jener Zeit war der Beruf des Zeitungsausträgers noch recht unbekannt und so mussten die Leute in Buchhandlungen oder in Hotel-Lobbys gehen, um eine Zeitung überhaupt lesen zu können. Nach Albert Stedtenfelds Tod, der dem Hotel auch eine Weinhandlung angeschlossen hatte, erbte sein Sohn Oskar, ebenfalls Hotelier von Beruf, das Anwesen. Im Coburger Adressbuch von 1897 ist er noch als Hauseigentümer eingetragen. Doch im selben Jahr verkaufte er das Anwesen an den Kaufmann und Fabrikanten Gustav Müller, der es nur wenig später an den Hotelier Fritz Götze weiter veräußerte. Unter Götze erreichte die Auslastung des Hotels ihren Höhepunkt, so dass auch er gezwungen war anzubauen. Doch die Lage des Gebäudes in der Judengasse ließ eine weitere Ausdehnung nicht mehr zu. Da entschloss sich Götze an der Südseite seines Anwesens, am Viktoriabrunnen entlang, ein völlig neues Hotelgebäude zu errichten. Dafür wurde der Sommergarten nun endgültig aufgelöst und der Gartensaal abgerissen. Unter dem Gothaer Architekten Richard Klepzig entstand nun ein großes, mehrstöckiges Hotel im seinerzeit vorherrschenden Jugendstil mit vielen Salons, Gästezimmern und Lokalen. Dies entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der damaligen Zeit. Im Jahre 1906 war das neue Haus fertig gestellt. Das alte Hotelgebäude in der Judengasse hatte nun ausgedient. Diesen Grundstücksteil verkaufte Fritz Götze schließlich an seinen Nachbarn, den Blechschmiedemeister Samuel Spanaus, vom Haus Judengasse 15. Damit endete die Geschichte der „Goldenen Traube“ in der Judengasse, doch die Erfolgsgeschichte konnte in ihrem neuen Domizil am Viktoriabrunnen fortgeschrieben werden. Glücklicherweise zeugen noch heute das alte Hotelgebäude, in dem gegenwärtig das Spielwarengeschäft Schleier seine Heimat gefunden hat, und der Stedtenfeld´sche Anbau von dieser Zeit. Lediglich vom Garten ist heute nichts mehr zu sehen. Die gegenwärtigen Hotelbesitzer, die Familie Glauben, haben ihn jedoch, als Sommerterrasse des „Weinstübla“ in bescheidenen Verhältnissen wieder reaktiviert. Die Familie Götze blieb bis 1926 im Besitz des Hotels.


    Bildquellen:
    Bild 1: Das Haus Judengasse 13 heute (Foto: Christian Boseckert, 2009)
    Bild 2: Der 1873 errichtete Neubau der "Goldenen Traube" Richtung Viktoriastraße (Foto: Christian Boseckert, 2009)
    Bild 3: Ehemaliger Bier-und Gesellschaftsgarten der "Goldenen Traube Richtung Viktoriastraße, gegenwärtiger Zustand (Foto: Christian Boseckert)

  • Das Spitaltor (Beitrag vom 22.05.2010)Datum21.05.2010 09:15
    Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Eines von drei erhaltenen Coburger Stadttoren ist das Spitaltor, welches das innere Stadtzentrum nach Norden hin abgrenzte. Es war damit zugleich das Tor zur Steinwegvorstadt, die sich bis an die Heiligkreuzkirche erstreckte. Wie das Judentor gehörte auch das Spitaltor zum inneren Stadtmauerring. Die erste Erwähnung des Turmes erfolgte im Coburger Stadtbuch von 1393. Schon damals hieß es „Spitaltor“, benannt nach dem in der Nähe liegenden St. Georgen-Spital, dass bereits im Jahre 1317 gegründet wurde. Über das Alter des Tores kann man indes nur Vermutungen anstellen. Aufgrund der Verwendung von romanischen Buckelquadern kann von einer Entstehungszeit im 13. oder 14. Jahrhundert ausgegangen werden. Sein Umfang beträgt 7,50 x 7,20 Meter mit einer Mauerstärke von 1,60 Metern. Die heutige Turmhöhe beträgt 21,5 Meter. Ursprünglich dürfte das Tor ein Spitzdach und Erker besessen haben. Aber schon 1626 kann man auf dem sogenannten „Isselburg-Stich“ erkennen, dass das Spitaltor einen Fachwerkaufbau mit einem Satteldach besaß. Diese Darstellung zeigte auch der Maler Emil Maurer auf der hier veröffentlichten Zeichnung. Dieses Aussehen besaß das Spitaltor bis 1685. In der Nacht des 13. Juli des gleichen Jahres brach in der Turmstube des Tores ein Feuer aus, bei dem die gesamte Türmerfamilie (fünf Personen) ums Leben kam. Die Turmglocke stürzte glühend herab und blieb vor dem Hause Steinweg Nr. 2 (heute Bettengeschäft Gebers) liegen. Der Fachwerkaufbau wurde mit Kanonen oder Feldschlangen aus der Stahlhütte (heute steht dort das Landestheater) abgeschossen, da man nicht in der Lage war, das Feuer zu löschen. Diese Versuche brachten aber nichts. Der sechsgeschossige Turm brannte vollständig aus und auch das Uhrwerk wurde total zerstört. Umgehend begann aber der Wiederaufbau des Spitaltores im barocken Stil. In dieser Zeit entstand der achteckige Turmaufsatz, ein sogenanntes Oktogon, an dem zwei Zifferblätter für die Uhren angebracht wurde. 1688 installierte man die neue Turmglocke, welche aus der Gießerei am Glockenberg stammte. Die endgültige Fertigstellung des Turmes erfolgte im Jahre 1691.
    Das Spitaltor selbst besaß seinerzeit kein Vortor wie das Judentor, sondern einen überdachten Wehrgang Richtung Steinweg, der die Straße überquerte. Der Wehrgang war mit dem Häusern Steinweg Nr. 2 und 1 (1934 zugunsten des neuen Gräfsblocks abgerissen) verbunden mit bildete damit einen kleinen Zwinger. Vor dem Spitaltor, auf der Steinwegseite befand sich auch der Stadtgraben, der vom Stetzenbach gespeist wurde. Die Quelle dieses Stezenbaches findet sich heute noch im Pilgramsroth. Der Aufgang zum Turm erfolgte von altersher über die Stadtmauer. Nachdem diese nach und nach im Bereich des Spitaltores abgetragen wurde, konnte man über das Turmwächterhaus in das Stadttor gelangen. Dieses Turmwächterhaus existiert heute noch und ist an der sogenannten „Kleinen Mauer“ gelegen. Es beherbergt heute das Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt. Vom ersten Stock dieses Hauses gelangt man in den Turm hinein.
    Heute besitzt das Spitaltor neben seinem eigentlichen Durchgang noch zwei Fußgängerdurchlässe, und einen zweiten Durchgang für den Straßenverkehr. Im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Gräfsblocks wurde dies 1937 angelegt. In den folgenden Jahren erfuhr das Spitaltor immer wieder Sanierungen, so dass es immer noch strahlend auf die Einkaufsstraßen „Spitalgasse“ und „Steinweg“ herunter schauen kann.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Spitaltor bis 1685 nach Emil Maurer, vom Steinweg gesehen. (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Das Spitaltor um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 3: Das Spitaltor heute (Foto Christian Boseckert, 2009)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Ketschengasse 42
    Das dreigeschossige Traufseithaus entstand in der Zeit um 1800 für den Webermeister Johann Anton Christoph Sturm. Die Familie, aus der auch der Gründer der gleichnamigen Brauerei entstammte, hatte den Altbau im Jahre 1793 erworben. Tatsächlich existierte hier im 19. Jahrhundert eine Weberei. 1903 kam das Grundstück in den Besitz der Familie Schramm, die dort ab 1907 ein Lebensmittelgeschäft (Nachfolger Backdie) betrieb. Im Garten des Hauses Richtung Goethestraße befanden sich die Werkstätten der Korbmöbelfabrik Jacob (später Viktoriastraße) und der Glaserei Carl (heute in der Mühlgasse). Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in dem Gebäude das Geschäft „Fahrzeug-Schneider“. Im Zuge der Ketschengassen-Sanierung wird auch dieses Haus von Grund auf saniert.

    Ketschengasse 44
    Das zweigeschossige Traufseithaus mit korbbogiger Tordurchfahrt stammt aus der Zeit um 1600. Im Gebäude dürfte allerdings schon seit 1521 eine Hufschmiede bestanden haben. Hier befand sich auch die letzte Hufschmiede Coburgs, die vom Schmiedemeister Karl Schuhmann bis in die 1970er Jahre hinein betrieben wurde. Das Gebäude ist heute ein reines Wohnhaus.

    Ketschengasse 46
    1694 eröffnete Johann Christoph Sinnlau in dem Hause eine Gaststätte, welche den Namen „Zum Roten Ross“ trug. Wahrscheinlich war der Lokalität auch eine Metzgerei angeschlossen. 1708 wurde das Haus abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt worden. Ab 1736 betrieb der Hofmetzger Christoph Breithut dort nur noch eine Metzgerei, die sich über 200 Jahre halten konnte. Seit 1895 war sie im Besitz des Hofschlachters Emil Köhler – nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft an verschiedene Metzgermeister verpachtet (zuletzt Fleischerei Halaß). Derzeit ist noch ein Elektrogeschäft in dem Haus untergebracht.

    Ketschengasse 48
    Die Entstehungszeit dieses Gebäudes datiert die Bauforschung auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Als Bauherr käme demnach der Schmiedemeister Johann Andreas Kolb in Betracht. Als Schmiede dürfte das Haus auch in den ersten Jahren benutzt worden sein. Der Laden entstand 1883 für den Schlossermeister und Hausbesitzer Andreas Schuhmann. Seitdem existierte in dem Gebäude auch eine Schlosserei, die schließlich von Ernst Weidmann weitergeführt wurde. Sie existierte bis in die 1970er Jahre hinein. Danach befand sich in dem Geschäft ein Getränkemarkt der Firma Krug aus Lützelbuch. Heute gehört das Grundstück der Stadt Coburg, welche die Räumlichkeiten an den Pfadfinderbund Weltenbummler e.V. vermietet hat.

    Ketschengasse 50
    Auch in diesem Gebäude existierte seit 1668 eine Hufschmiede, die aber bereits 1759 geschlossen wurde. Seine heutige Gestalt erhielt das Haus 1842. Es wurde für den damaligen Hausbesitzer, den Zimmermeister Ernst Resch, aufgestockt und modernisiert. Seit 1873 befindet sich in dem Gebäude eine Gaststätte. Erster Wirt war seinerzeit der Restaurateur Joseph Reichardt. Ihm folgte 1881 August Görauch nach, von dem Name des Lokals „Görauch´s Gaststätte“ stammte. Ab 1909 wurde die Restauration verpachtet. Heute heißt die Lokalität „bei Adam“ und ist bei Einheimischen sehr beliebt.

    Ketschengasse 52
    Das heutige Gebäude wurde 1842 im Auftrag von Johann Heinrich Eberhardt errichtet. Die Familie stammte aus Hildburghausen und erwarb das Grundstück im Jahre 1814 von der Rotgerberswitwe Lobenstein. Ab 1870 befand sich in dem Haus eine Gaststätte, die bis 1881 existierte. Danach erwarb der Kaufmann Ludwig Ungelenk das Anwesen und eröffnete dort ein Kolonialwarengeschäft. Dieses existierte bis Anfang der 1960er Jahre. Später konnte man hier das Trachtenstudio Ferschl finden. Heute hat hier der Bäcker Reißenweber eine Filiale.

    Ketschengasse 54
    Auch das Gebäude Ketschengasse 54 ist neuerem Datums. Es wurde 1863 im Auftrag des Fabrikanten Dr. Friedrich Carl Ortloff durch den Baumeister Wilhelm Streib im klassizistischen Stil errichtet. Aber schon vorher war das Areal mit einem zweistöckigen Haus bebaut. Das neue Gebäude diente von Anfang an als repräsentatives Wohnhaus. 1903 erbte Ortloffs Sohn Paul, von Beruf Major, das Anwesen. Er verkaufte es 1919 an Dr. med. Siegfried Krafft. Das Anwesen besitzt zur Casimirstraße hin einen Garten, der zur Zeit gut einzusehen ist.

    Bildquellen:
    Ansichten der Häuser Ketschengasse 42 bis 54, nebst Gartenanlage Ketschengasse 54 (Fotos: Christian Boseckert, 2010)

  • Heuer jährt sich zum 50. Male der Todestag eines der berühmtesten Coburger Originale. Die Rede ist hier von Alexander Otto, den alle nur unter seinem Spitznamen „Gurken-Alex“ gekannt haben. Der „Gurken-Alex“ war seinerzeit eine stadtbekannte Persönlichkeit. Er fehlte auf keiner Kirchweih, es gab kaum ein Gasthaus, in dem er nicht ein Stammgast war und auf dem Coburger Schützenfest, dem Vogelschießen, war er nicht wegzudenken. Immer wenn in Coburg etwas feierliches geschah, war auch der „Gurken-Alex“ vor Ort. Geboren wurde Alexander Otto am 26. August 1884 im Hause Steinweglein Nr. 1 in Coburg. Das Steinweglein ist die kleine Gasse die von der Ketschengasse (zwischen den Modegeschäften Faulhaber und Reuther) hinauf zum Gymnasium Casimirianum führt. In dem bescheidenen Häuschen sollte Otto sein ganzes Leben verbringen. Nachdem er die Schule beendet hatte, begann er eine Lehre zum Buchbinder bei der Buchbinderei Heinrich Schade in der Judengasse. Diesem Beruf blieb er aber nicht lange treu. Womöglich trieb ihm die Arbeitslosigkeit dazu, mit 25 Jahren in das ambulante Gewerbe einzusteigen. Ab sofort wurde ein kleines Köfferchen, in dem er Schnürsenkel, Rasierklingen, Bonbons, Schokolade und vieles anderes mehr aufbewahrte sein Markenzeichen. Er selbst nannte den Koffer liebevoll „seinen Laden“. Damit zog er von Haus zu Haus um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zeit seines Lebens blieb aber der „Gurken-Alex“ ein verarmter Mensch. Geheiratet und Kinder gezeugt hatte er nie. Wenn nun die Zeit der Kirchweihen und der Sommerfeste kam, vertauschte der „Gurken-Alex“ den Koffer mit einem Gurkenfass und pries die Gurken mit „Kümmerlinge, Kümmerlinge“ den Menschen an. Die Gurken stammten von der Neuseser Konservenfabrik Emmerling & Pfister, bei der Otto aber nicht angestellt war. Insgesamt trug ihm diese Tätigkeit den Spitznamen „Gurken-Alex“ ein. Aber wirklich berühmt wurde er durch seine Gabe, phantasievolle und witzige Steigreifreden zu halten. So konnte man bei ihm viel über das kommende Wetter hören, da er „fast genau jedes Wetter“ fühlte. Er berichtete über sein Amt als Vorsitzender des „Preisskat-Kollegiums“ von Coburg und Umgebung und philosophierte über die „Weihnachtsfeenwunderkerze“, die eine starke Weiterverbreitung der Verdienstfestsetzung erfahren hat.“ Trotz seiner geringen Körpergröße und der stets zwei Nummern zu großen Bekleidung, die er trug, besaß er eine große Schlagfertigkeit, die ihn bei der Coburger Bevölkerung beliebt machten. Das brachte ihm sogar Auftritte auf diversen Faschingsveranstaltungen und sogar einer kleinen Rolle im Landestheater ein. Der Alex nahm dies mit Humor, obwohl seine Lebensverhältnisse von Jahr zu Jahr immer schwieriger wurden. Die schwierigen Zeiten wie die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg und der schwierige Neuanfang nach 1945 taten ihr Übriges dazu. In ärmlichen Verhältnissen starb der „Gurken-Alex“ am 23. März 1960 im Alter von 75 Jahren. An seiner Beerdigung drei Tage später nahmen zahlreiche Coburger teil. Der Zweite Bürgermeister Reichenbecher hielt sogar die Trauerrede. Auch in den folgenden Jahren blieb der „Gurken-Alex“ unvergessen. Daher entschloss sich die Coburger Faschingsgesellschaft „Narhalla“ im Jahre 1984 dem Alex ein Denkmal zu errichten. Heraus kam ein Brunnen, der 1985 in der Herrngasse, vor dem Haus Nr. 13, eingeweiht wurde. Für den Brunnen kam seinerzeit eine Spendensumme von 55.000 DM zusammen. Auch das ist ein Beleg dafür, wie sehr der „Gurken-Alex“ in den Köpfen der Coburger hängen blieb. Zu seinem 100. Geburtstag ließ ebenfalls die „Narhalla“ an seinem Geburts- und Sterbehaus im Steinweglein eine Gedenktafel anbringen. Auch sie erinnert an den „Gurken-Alex“ dem bekanntesten Coburger Original.

    Bildquellen:
    Bild 1: Der Gurken-Alex bei einem Besuch der Gaststätte Zollhof in den 1950er Jahren (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg)
    Bild 2: Das Wohn- und Geburtshaus des Gurken-Alex im Steinweglein (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 3: Die Gedenktafel am Hause des Gurken-Alex (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 4: Der Gurken-Alex-Brunnen in der Herrngasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)

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Alter Hase
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