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  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Kein anderes Fest ist mit der deutschen Turnerbewegung so verbunden, wie das erste Deutsche Turn- und Jugendfest, das zwischen dem 16. und dem 19. Juni 1860 in Coburg stattfand.
    Ihren Ursprung hatte die Turnidee im Wirken des Pädagogen Friedrich Ludwig Jahn, der bereits 1811 in der Hasenheide bei Berlin einen Turnplatz errichtete. Seine Ziele nach Einführung demokratischer Strukturen und der Einigung des in Kleinstaaten zersplitterten Deutschlands mochten die deutschen Fürsten nach dem Wiener Kongress von 1815 nicht folgen. In engem Bezug zu den Turnern stand auch die Bewegung der Burschenschaften, da auch sie die gleichen politischen Ziele verfolgten. Durch die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Turner und Burschenschafter Karl Ludwig Sand im Jahre 1819 wurden alle Turnveranstaltungen in Preußen und anderen deutschen Staaten verboten. Jahn selbst musste für fünf Jahre ins Gefängnis. Trotz der Turnsperre wurde an vielen Orten im Verborgenen weiter geturnt. Im Laufe der Jahre lockerte die Obrigkeit das Turnverbot, um es schließlich in Preußen 1842 ganz aufzuheben. Turnen galt nun als „notwendiger Bestandteil der Erziehung männlichen Jugend.“ In der Folgezeit lebte auch das Vereinsturnen wieder auf, doch eine Dachorganisation, wo alle deutschen Turnvereine sich versammeln konnten, existierte nicht.
    Dies wollten die beiden bedeutenden süddeutschen Turner Theodor Georgii und Carl Kallenberg ändern. Sie riefen im Herbst 1859 zu einer gemeinsamen Tagung auf und schlugen als Veranstaltungsort das zentral gelegene Coburg vor. Ferner hofften die beiden Protagonisten, dass sich der damalige Landesherr, Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha, infolge seiner liberalen Gesinnung sein Staatsgebiet nicht den Turnern verschließen würde. Die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Am 21. März 1860 erteilte die herzogliche Regierung die Genehmigung für diese Veranstaltung. Finanzielle Zusagen, wie von den Veranstaltern gewünscht, wurden jedoch abgelehnt. Am 29. April 1860 trafen sich schließlich Georgii, Kallenberg und andere Turnfunktionäre mit den Mitgliedern des Turnvereins von 1848 Coburg, um die Feierlichkeiten zu besprechen. Am Schluss der Beratungen rief man zu einem Turn- und Jugendfest auf. Dieses sollte zwischen dem 16. Juni und dem 19. Juni 1860 stattfinden. Der Zeitraum wurde bewusst gewählt, da er mit dem Gedenktag der Schlacht bei Waterloo, wo Napoleon I vernichtend geschlagen wurde, einher ging. Diese patriotischen Emotionen müssen aus der Zeit heraus verstanden werden. Man hatte Sehnsucht nach einem deutschen Einheitsgefühl.
    Als das Fest im Juni begann, war die Stadt festlich geschmückt. Der Herzog stellte die Reithalle und das Hoftheater für Veranstaltungen zur Verfügung und die Stadt half bei der Organisation des Festes und schaffte eine Vielzahl von Turngeräten an. Als Turn- und Vorführplatz diente der Ketschenanger. Insgesamt 1200 Teilnehmer kamen aus allen Teilen der deutschen Länder nach Coburg, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Diese begannen mit einer Versammlung auf der Veste, welche mit einem Feuerwerk feierlich abgerundet wurde. Am nächsten Tag folgte die offizielle Begrüßung der Stadt durch den damaligen 1. Bürgermeister Leopold Oberländer.
    Am 17. Juni, um neun Uhr morgens begann der Turntag in der Reithalle. Ziel war es einen gesamtdeutschen Turnerbund zu gründen. Aber nach lebhaften Debatten setzte sich der spätere langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Ferdinand Goetz, mit dem Beschluss durch, vorerst keine gesamtdeutsche Organisation zu gründen, da dies wegen der in vielen deutschen Ländern bestehenden Vereinsgesetze nicht zu verwirklichen war. Goetz und seine Anhänger wollten lediglich das erreichen, was realistisch erschien: Eine positive Entwicklung des deutschen Turnwesens, unabhängig von allen parteipolitischen Bestrebungen. Erst 1868 gründete sich nach jahrelanger Vorbereitung eine Deutsche Turnerschaft unter der Führung von Goetz und Georgii
    Der Nachmittag dieses Tages war geprägt von einem Festzug, in dem auch schwarz-rot-goldene Fahnen mitgeführt wurden und von Wett- und Schauturnvorführungen, die unter großem Applaus der Coburger Bevölkerung stattfanden. Am 18. Juni fanden Freiübungen und Turnspiele statt. Abends folgte dann ein Kommers in der Reithalle.
    Am letzten Veranstaltungstag wanderten die Turner nach Schloss Callenberg, wobei diese dem Dichter Friedrich Rückert in Neuses einen Besuch abstatteten. Bei der Rückkehr nach Coburg teilten sich die jüngeren Turner in zwei Gruppen zu einem Kriegsspiel. Den Schluss der Festtage bildete am Abend in Gegenwart des Herzogs, ein großer Ball im Hoftheater. Ernst II war nur am letzten Tag des Turn- und Jugendfestes in Coburg zugegen, da zuvor auf dem deutschen Fürstentag zu Baden-Baden weilte.
    Dieses Ereignis nicht mehr erlebt, hatte Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater. Er war bereits 1852 in Freyburg an der Unstrut gestorben. Die Turner erinnerten in Coburg dennoch an sein Wirken. Ohne ihn wäre die Entwicklung des Turnens und schlussendlich auch des Sports in Deutschland ganz anders verlaufen.


    (Dieser Aufsatz stammt aus der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Coburger Geschichtsblätter", die bald veröffentlicht werden.)

    Bildquellen:
    Bild 1: Turner aus ganz Deutschland grüßen die Veste Coburg
    Bild 2: Einzug der Turner in den Burghof der Veste
    Bild 3: Turnübungen auf dem Ketschenanger

    (alle drei Bilder: Sammlung Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Es ist wohl das beeindruckenste Jugendstil-Gebäude Coburgs. Gemeint ist hier das sogenannte Sonnenhaus bzw. die Sonnenburg in der Alexandrinenstraße, die inzwischen auch schon über 100 Jahre alt ist. Die Geschichte des Hauses soll nun Gegenstand des heutigen Aufsatzes sein. Ursprünglich befand sich auf diesem Gelände der sogenannte „Sturmsgarten“. Der Bierbrauer und Gastwirt Anton Sturm, der ein Lokal in der Ketschengasse besaß, schenkte hier ab 1840 in den Sommermonaten seinen selbstgebrauten Gerstensaft aus. Der Sturmsgarten war seinerzeit der größte Biergarten Coburgs und reichte von der Alexandrinenstraße bis hoch zum Glockenberg bzw. zur Hohen Straße. Nach dem Tode Sturms 1874 betrieben dessen Erben das Gartenlokal weiter, verkauften es aber schließlich 1891, um von dem Erlös ihre Brauerei an der Callenberger Straße modernisieren zu können. Der Sturmsgarten wurde dadurch zum Bauland. Dies weckte natürlich das Interesse der Architekten an dem Gebiet. Allen voran der aus Plauen stammende Jugendstil-Architekt Otto Leheis sah hier die Chance sich baulich zu betätigen. Er erwarb zu Anfang des 20. Jahrhunderts zehn Grundstücke (jeweils vier in der Alexandrinen- und Marienstraße sowie zwei Am Glockenberg), die nach dem Verkauf des Sturmsgartens dort entstanden waren. 1902 ging auch das Areal auf dem heute das Sonnenhaus steht, in seinen Besitz über. Der Bauplatz gehörte vorher dem Geheimen Finanzrat und Bankdirektor Emil Riemann. Das Ziel Leheis war es, auf diesem Grundstück eine Villa auf eigene Rechnung zu errichten. Schon Anfang 1902 hatte er dafür die notwendige Erlaubnis, seitens der Stadt, erhalten. So begannen im Herbst 1902 die Bauarbeiten an der Sonnenburg, die im Jahr darauf ihren Abschluss fanden. Unter den Jugendstil-Häusern Coburgs erhielt es sogleich aufgrund seiner üppigen Ornamentik eine Sonderstellung. Einflüsse des belgischen und Münchner Jugendstils machen sich dadurch bemerkbar. Die Annahme, das Leheis das Gebäude selbst entwarf, ist jedoch nicht ganz korrekt. Bereits sechs Jahre vorher entstand das gleiche Gebäude, allerdings seitenverkehrt, in Frankreich, so dass das Coburger Sonnenhaus nur als Kopie gesehen werden kann. Die Baukosten für dieses Gebäude waren jedoch enorm. Zu Leheis Pech hatte sich auch noch die wirtschaftliche Gesamtsituation geändert. Es gab mehr Häuser als Käufer und so blieb er auf dem Haus sitzen. Der Architekt verschuldete sich und musste deshalb 1907 das Sonnenhaus zwangsversteigern lassen. Im Rahmen dieses Verfahrens erwarb der Kaufmann Richard Burmeister das Anwesen. Im Jahre 1919 ging die Sonnenburg in den Besitz der Korbwarenfabrikantenfamilie Rädlein aus Weidhausen/Coburg über. Als Haubesitzer folgten noch die Familie Emrich, die Hofschlachtermeisterswitwe Anna Schlick und eine Familie Heydenreich. Auch in der Folgezeit wechselten oft noch die Grundstücksbesitzer, was der Pflege des Hauses keinen Abbruch tat. Sanierungsmaßnahmen erfolgten 1977/78, 1985 und 1995/96, so dass wir das Sonnenhaus gegenwärtig in einem guten Zustand vorfinden können. Otto Leheis indes verließ nach der Insolvenz seines Baugeschäfts Coburg und starb 1921 in Wüstenselbitz bei Schleiz in Thüringen.

    Bildquellen:
    Alle drei Fotoaufnahmen stammen von Christian Boseckert, 2010.
    Bild 1 und 2 zeigt das Sonnenhaus
    Bild 3 das Jugendstil-Ensemble, das Otto Leheis in der Alexandrinenstraße geschaffen hat.

  • Geschäfte Spitalgasse 10Datum24.06.2010 16:52

    Hallo
    ich Rahmen einer Recherche benötige ich mal eure Hilfe. Ich suche die Geschäfte, die zwischen 1878 und 1910 im Hause Spitalgasse 10 ansässig waren.

    Gruß Christian

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Die Geschichte der Fotografie in Coburg ist noch weitgehend unerforscht, doch gerade die ist sehr interessant. Fotos und Ansichtskarten zeigen uns schließlich, wie es früher in der Vestestadt ausgesehen hat, wobei Verlage, Druckereien und Foto-Ateliers einen besonderen Beitrag leisteten. Eine letzte Erinnerung an diese Zeit ist im Steinweg, neben der Hahnmühle zu finden. Dort sieht man, an der Fassade eines kleinen Gebäudes, den Schriftzug „Photographie W. Adler“. Dieses Haus und das dahinter liegende Gebäude Allee Nr. 6 spielen in der Fotografie-Geschichte Coburgs eine wesentliche Rolle. Diese beginnt im Jahre 1867. In jenem Jahr erwarb der Fotograf Johann Georg Gattineau für 4.500 fl von den Maurermeistern Christian und Johannes Lutz ein Wohnhaus in der Allee. Gattineau war 1810 in Erlangen als Nachfahre einer Hugenottenfamilie geboren worden. Er erlernte das Flaschner-Handwerk und eröffnete bereits 1846 in seiner Heimatstadt ein Fotogeschäft. Schon bald gab es eine Filiale des Gattineau´schen Fotogeschäfts in Würzburg. 1863 und 1866 gab er beide Geschäfte nacheinander an seinen Sohn, bzw. Schwiegersohn ab und verzog nach Coburg. Dort hatte er bereits 1864 von Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha den Titel eines Hoffotografen verliehen bekommen. Dies ist deshalb schon ungewöhnlich, da die Verleihung eine Person betraf, welche nicht die Coburger Staatsangehörigkeit besaß. Wahrscheinlich hatte es zu diesem Zeitpunkt in Coburg noch keinen Fotografen gegeben. Die ersten Aufnahmen der Vestestadt entstanden erst 1857 durch den britischen Fotografen Francis Bedford. In Gattineau´s neuem Domizil in der Allee entstand schließlich in einem Nebengebäude ein erstes Atelier, dass er zusammen mit seinem Sohn Franz betrieb. Wohl aus Altersgründen gab Gattineau den Betrieb im Jahre 1886 auf. Zwei Jahre später starb der Hoffotograf im Alter von 78 Jahren in Coburg. Haus und Atelier gingen 1886 in den Besitz der Brüder Otto und Paul Häußler über, die ebenfalls als Fotografen arbeiteten. Sie ließen seinerzeit ein größeres Atelier auf ihrem Grundstück errichten, welches heute noch im Steinweg zu sehen ist. Nach fünf Jahren erfolgte jedoch die Auflösung des Unternehmens und die Versteigerung des Wohnhauses nebst des Ateliers. Beides übernahm 1891 der Fotograf Wilhelm Adler, der ebenfalls den Titel eines Hoffotografen trug. Er selbst besaß schon vorher ein Atelier. Dieses befand sich seit 1881 im Hinterhaus des Anwesens Oberer Bürglaß Nr. 14 (heute Immobilien Otte). Vorher war Adler in der Badergasse ansässig. Das Unternehmen entwickelte sich in der Folgezeit sehr erfolgreich und existierte bis in die 1980er Jahre hinein. Wilhelm Adler selbst betrieb das Atelier bis zu seinem Tode 1918. Als Nachfolger stand bereits sein Sohn Max bereit, der das Unternehmen bis 1942 führte. Danach wurde das Geschäft an den Fotomeister Karl-Heinz Frick verpachtet (der später auch als Hausbesitzer in Erscheinung trat), wobei es aber weiterhin den Namen „Adler“ trug. Erst später erfolgte eine Umbenennung. Über 100 Jahre war im Hause Allee Nr. 6 ein Fotograf zu finden. Heute ist es dort ruhig geworden. Das Grundstück wird gegenwärtig nur privat benutzt. Jedoch hat sich in der Zwischenzeit im Umfeld des Hauses ein neues Fotostudio niedergelassen, so dass der Bereich zwischen Allee, Hahnmühle und Steinweg auch weiterhin einen traditionellen Standort für die Coburger Lichtbildkunst darstellt.

    Zum Schluss soll noch ein kleiner Exkurs zur Geschichte des Hauses Allee Nr. 6 folgen. Um 1850 befand sich an dieser Stelle ein Stadel mit angeschlossenem Garten, der auch das Grundstück Steinweg Nr. 66 erfasste. Eigentümer dieses Grundstücks war eine Familie Schöner. Der „Schönersgarten“ war in Coburg durchaus bekannt, diente er doch als Kellerbiergarten des Gasthofs „Zur grünen Linde“ in der Heiligkreuzstraße. (Haus Nr. 1) Der Zugang zu diesem Garten erfolgte über einem schmalen Weg zwischen dem Atelier Adler und dem Hause Steinweg Nr. 66 (ehemals Drogerie Zimmermann). Von der Allee konnte man das Grundstück nicht erreichen, da diese zur jener Zeit noch eine herzogliche Privatstraße war und Herzog Ernst II von Sachsen-Coburg und Gotha keinen weiteren Verkehr auf diesem Weg duldete. 1865 erwarben die Maurermeister Christian und Johannes Lutz das Grundstück und bauten 1867 den Stadel zu einem Wohnhaus aus. Dadurch entstand das heute noch bestehende Kleinhaus mit Laube und neugotischen Motiven. Anscheinend diente das Haus als Spekulationsobjekt, denn bereits im Jahr der Errichtung verkauften die beiden Maurermeister das Gebäude, wie schon erwähnt an den Hoffotografen Gattineau.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Anwesen Allee Nr. 6 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 2: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Gattineau aus der Zeit um 1880 (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 3: Das Atelier-Gebäude von 1887 am Steinweg gelegen (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 4: Werbeanzeige des Foto-Ateliers Wilhelm Adler um 1900 (Sammlung Christian Boseckert)

  • Einer der wichtigsten Plätze Coburgs ist, verkehrstechnisch gesehen, der Theaterplatz, auf dem im Jahre 2008 der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) der Stadt eingeweiht wurde. Was vielleicht viele gar nicht wissen ist die Tatsache, dass dieser Platz nicht historisch gewachsen ist, sondern erst vor ca. 200 Jahren entstanden ist. Ursprünglich verlief hier die innere Stadtmauer entlang. Sie führte vom Spitaltor über den heutigen Theaterplatz Richtung Schlossplatz und Schloss Ehrenburg. Der Verlauf dieser Befestigungsanlage ist noch an der Baulinie der am Theaterplatz befindlichen Häuser zu erkennen, welche nicht gerade sondern „gebogen“ ist. Dieser Teil der Stadtmauer nannte man seinerzeit die „Rumpelmauer“. Inwiefern die Bezeichnung von Gerümpel herrührt, lässt sich hier nicht sagen. An der Mauer entlang führte ein schmales Gässchen, dessen letzter Rest heute die „Kleine Mauer“ beim Obst- und Gemüsegeschäft Wollandt bildet. Auf der anderen Seite der Mauer lag der Stadtgraben, der von Quellen im Pilgramsroth gespeist wurde. Auf Seiten des Bürglaßgartens, der mit einer hohen Gartenmauer umschlossen war, befand sich eine Straße, die über die Georgengasse zu erreichen war. Sie führte bis zum Oberen Bürglaß hin. Nachdem die Stadtmauer als Befestigungsanlage während des 18. Jahrhunderts ausgedient hatte, wurde sie schließlich im Jahre 1815 im Bereich des Theaterplatzes abgebrochen und der Stadtgraben zugeschüttet. Durch diese Maßnahmen entstanden nicht nur neue Häuser, wie zum Beispiel die Stadtvilla Theaterplatz Nr. 10/11 (an deren Stelle befindet sich heute eine Filiale der VR-Bank), sondern auch ein repräsentativer Platz, der noch keinen Namen trug. Zur Verschönerung wurde in der Platzmitte eine Grünanlage angelegt. Die Anlegung des Schlossplatzes ab den 1820er Jahren sollte dann schließlich auch Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Theaterplatzes haben. Problematisch dabei waren die zahlreichen Handwerkerhäuser am Platz, die immer noch ein „Hinterhof-Flair“ besaßen. Man löste dieses Problem damit, dass die betreffenden Fassaden durch eine intensive Baumbepflanzung verdeckt wurden. Die Reste dieser Bepflanzung findet sich noch heute als Abgrenzung des Schlossplatzes zur Grafengasse. Andere Gebäudekomplexe wie zum Beispiel die Stahlhütte, eine Schießstätte welche von Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg errichtet wurde, fielen dem Abbruch zum Opfer. Anstelle der Stahlhütte entstand das Landestheater, welches auch zum Namenspatron des Platzes avancierte. Bis 1910 wurden schließlich auch die alten Handwerkerhäuser saniert und so umgebaut, dass sie vorzeigbar waren. Als Beispiel hierfür kann das Gebäude Theaterplatz Nr. 4a (Gaststätte Künstlerklause) erwähnt werden, dass in seiner heutigen Form im Jahre 1871 entstanden ist. Von der Altbebauung existieren noch die Häuser Theaterplatz Nr. 5 (Cafe & Bäckerei Feiler), Nr. 6 (ehemals Gaststätte „Schnellzug“ bzw. „Unicum“) und Nr. 7 (Konditorei Schubart). Eine Aufwertung erfuhr der Theaterplatz 1911, als zu Ehren des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg und Saalfeld, in der bereits erwähnten Grünanlage, ein Denkmal eingeweiht wurde. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass der Theaterplatz ursprünglich zum großen Teil in herzoglichem Besitz war. So verbot die Schlosshauptmannschaft beispielsweise den Kindern auf dem Theaterplatz zu spielen oder gar lärmend über den Platz zu ziehen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der Theaterplatz teilweise zu einer vornehmen Wohngegend entwickelt. Weinstuben, Modewaren- und Delikatessen-geschäfte säumten hier den Weg. Zwischendurch schimmerte aber auch immer wieder das handwerkliche Coburg mit Schusterbetrieben und Bierwirtschaften durch. Das hinderte den amerikanischen Konsul aber nicht daran, für einige Jahre am Theaterplatz (im Hause Nr. 10) zu residieren. Viele Jahre blieb der Theaterplatz von verkehrsveränderten Maßnahmen verschont. Erst 1968 fand durch die Erweiterung des Bürglaßgartens auf die Grünanlage mit dem Josias-Denkmal eine tiefgreifende Veränderung auf dem Platz statt. Damals verschwand eine von zwei Fahrstraßen, die jeweils beide an dem Josias-Denkmal vorbeiführten. Ein anderer Teil des Theaterplatzes wurde zu einem Parkplatz umgestaltet. Bauliche Veränderungen blieben aber auch weiterhin nicht aus. 1986 wurden die Häuser Theaterplatz Nr. 2 und 3 zugunsten von Neubauten abgerissen; Das Haus Nr. 4 (Reisebüro Gevers) war schon zuvor neu errichtet worden. Große Veränderungen brachte aber die Anlegung des Zentralen Omnibusbahnhofes zwischen 2006 und 2008. Trotz eines Bürgerbegehrens, welches die Anlegung des ZOB auf dem Theaterplatz ablehnte, wurde dort als Ersatz für den Markt, ein solcher Busbahnhof angelegt. Der 1968 entstandene Bürglaßgarten verschwand wieder und kehrte in seinen alten Umfang zurück. Das Josias-Denkmal wurde versetzt und die Häuser um den Theaterplatz herum von Grund auf saniert. Es bleibt abzuwarten für die Zukunft, wie sich dieser Platz noch weiter verändern wird. Spannend dürfte die Entwicklung des Theaterplatzes auch weiterhin bleiben.

    Bildquellen:
    Bild 1: Der Theaterplatz mit Grünanlage und Prinz-Josias-Denkmal um 1914 (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Der erweiterte Bürglaßgarten von 1968 (Foto: Christian Boseckert, 2006)
    Bild 3: Der neue Zentrale Omnibusbahnhof von 2008 (Foto: Christian Boseckert, 2008)
    Bild 4: Der Theaterplatz heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Eines der wohl schönsten Standesämter Deutschlands befindet sich im Coburger Bürglaßschlößchen. Ein Vorgängerbau stand auf dem Platz des Schlösschens schon im Jahre 1521, der damals im Besitz einer Familie Gottsmann aus Neuhaus zu Thurn war. Sie besaßen das Anwesen bis 1611. Dann kam es an Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg und dessen Nachfolger, 1654 an den Rittmeister Johann Georg von Bachstedt, der das Gottsmann´sche Haus als sehr baufällig bezeichnete und es reparierte. Bachstedt erwarb 1658 auch das Nebenhaus Oberer Bürglaß Nr. 3 (heute Seniorentreff der Stadt Coburg). Im Jahre 1690 ging das Gottsmann´sche Haus an den Jägermeister und Kammerjunker Wilhelm von Witzleben und 1699 wieder an die von Bachstedt. Schließlich verkaufte die Familie das Gebäude im Jahre 1721 an Nicolaus Dietrich von Henniges auf Rothenhof. Der wiederum veräußerte das Grundstück 1734 an die Herzogin Elisabeth Sophia von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die es schließlich 1737 an den Kaufmann Friedrich Matthäus Scheler verkaufte.


    Erbprinz Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld richtete 1757 mit Erlaubnis seines Vaters, des Herzogs Franz Josias, im Scheler´schen Haus eine kleine Hofhaltung ein. Damit diente das Gebäude am Oberen Bürglaß erstmals einem Mitglied des herzoglichen Hauses als Wohnsitz. Im Jahre 1794 erwarb Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld das Gebäude nebst Garten und Nebengebäuden. Dieser baute das nun Schelerisches Haus genannte Gebäude bis 1795 zum Bürglaßschlößchen als Alterssitz in seiner heutigen Form um. Von den einstigen Gartenanlagen sind nur Reste in der Gestaltung von 1904 erhalten. Friedrich Josias selbst lebte hier bis zu seinem Tode im Jahre 1815 in seinem Schlösschen. In der Folgezeit nahm die Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie, die Mutter von Herzog Ernst I., das Bürglaßschlößchen als Stadtresidenz. Nach deren Tod 1831 ging das Gebäude durch Erbschaft an die katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg über. 1842/43 wurden durch den Baurat Eberhard aus Gotha erstmals

    größere Umbauten für die Einrichtung der Wohnung des Prinzen Ferdinand von Sachsen-Coburg-Kohary vorgenommen, denn die Baukosten einschließlich des Küchengebäudes betrugen ungefähr 20.000 Gulden. 1879 befand sich das Anwesen im Besitz Herzog Ernsts II. 1893 kam es an Herzog Alfred, 1900 an Herzog Carl Eduard, 1902 an Prinz Philipp von Sachsen-Coburg-Kohary. Von 1925 bis 1948 bewohnte es der im Exil lebende Zar Ferdinand I. von Bulgarien. In dieser Zeit nannte die Coburger Bevölkerung das Gebäude „Bulgarenschlößchen“. Dieser Begriff hat sich bis auf den heutigen Tag noch erhalten. Die Stadt Coburg übernahm das Schlösschen nach dem Tode Ferdinands und verlegte 1957 das Standesamt hierher. Zuvor musste der Bau komplett umgebaut und saniert. Auch hatten die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges ihre Spuren am Bürglaßschlößchen hinterlassen, als eine Artilleriegranate das Gebäude traf und schwer beschädigte. Heute zählt das Palais zu den bedeutendsten Beispielen der Architektur des Klassizismus in Coburg. Mit

    parsamen Mitteln ist ein vornehmer, fein proportionierter, zweigeschossiger Walmdachbau gestaltet, den auf den beiden Langseiten dreiachsige Mittelrisalite gliedern, an die sich beidseitig vier Fensterachsen anschließen. Ecknutungen geben der Fassade Halt. Ein glattes Band trennt die Geschosse, deren Fenster im ersten Obergeschoss schlichte Profilstürze tragen. Den gleichfalls mit Ecknutung eingefassten Mittelrisalit ist über dem Eingang eine Auffahrt mit Altane auf sechs schlanken Kompositsäulen vorgelegt. Ein schmiedeeisernes klassizistisches Gitter mit Ovalen und Festons umgibt die Altane, die durch eine mittlere Fenstertür betreten werden kann. Die drei Fenster des Obergeschosses sind durch Segment- und Dreiecksgiebel hervorgehoben. Das Zwerchhaus schließt ein Dreiecksgiebel. Die seitlichen dreiachsigen Hausgauben sind aus der Achse zum Mittelrisalit gerückt. Auch die Rückseite des Palais zum ehemaligen Park besitzt einen gleichartigen, jedoch in seinen Detailformen schlichteren Mittelrisalit mit einem

    einfachen Gartenportal ohne Altane, die Fenster des Obergeschosses sind ohne zusätzliche Verdachung und im Zwerchhausgiebel ohne Konsolbänke. Dieser Giebel trug in einem Lorbeerkranz das Ruhestandsmotto des Prinzen Friedrich Josias nämlich: „Peractis laboribus“ (Nach getaner Arbeit). Die Hausgauben sind hier nur zweiachsig angelegt. Die gleichmäßige Reihung der Fenster, akzentuiert von einer dreiachsigen Mittelgaube, gliedert auch die beiden Schmalseiten. Trotz der vielen Umbauten blieben wichtige Bereiche der historischen Ausstattung erhalten, wie beispielsweise das Foyer, das Treppenhaus und der sogenannte Trausaal, der einst als Salon konzipiert war. Die Wände dort sind mit bemalten klassizistischen Leinwandtapeten bespannt, die zwischen Pilastern Ideallandschaften zeigen. Die Decke des parkettierten Raums besteht aus einem stuckierten Rautennetz mit Rosetten und Leuchterkranz.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Bürglaßschlößchen (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 2: Das Prinz-Josias-Denkmal hinter dem Bürglaßschlößchen (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 3: Ansicht des Bürglaßschlößchens von 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 4: Gartenansicht des Gebäudes (Foto: Christian Boseckert, 2008)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Mohrenstraße 34
    1895 errichtete der Architekt Johannes Köhler an der neu angelegten Mohrenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus im historistischen Stil als Spekulationsobjekt. Im Jahre 1910 wurde das Gebäude von der Bank für Thüringen AG mit Hauptsitz in Meiningen erworben. Die Bank für Thüringen war das bedeutendste regionale Bankhaus im thüringischen Raum und bezog hauptsächlich ihr Geschäftsfeld auf die Kreditvergabe an Industrieunternehmen, insbesondere in der Porzellan-, Elektro- und Textilindustrie. 1926 wurde die Bank für Thüringen von der heutigen Deutschen Bank übernommen. Ab 1927 war sie auch als Hauseigentümer der Mohrenstraße Nr. 34 erwähnt und führte die Filiale weiter. Nachdem jedoch das Kaufhaus Brandt in der Spitalgasse 1982 Konkurs anmelden musste, zog im Jahr darauf die Deutsche Bank in die freigewordenen Räume des ehemaligen Kaufhauses, wo sie heute noch ansässig ist. Im alten Bankgebäude in der Mohrenstraße hat seitdem ein deutschlandweit bekanntes Optikerunternehmen seine Coburger Niederlassung.

    Mohrenstraße 38
    Im Jahre 1910 erbaute der Architekt Hans Münscher dieses Wohn- und Geschäftshaus anstelle der bekannten Gaststätte „Grübelei“. Das Gebäude diente anfangs als Hotel und Lichtspieltheater, konnte sich jedoch nicht lange halten. Bereits 1921 erwarb daher die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, kurz Hypo-Bank, das Anwesen und richtete nach umfangen Umbauarbeiten dort eine Filiale ein. Die Bank mit Hauptsitz in München wurde 1835 auf Initiative König Ludwigs I von Bayern gegründet. Sie entwickelte sich rasch zur größten Hypothekenbank Deutschlands und expandierte ab den 1960er Jahren auch ins Ausland. 1998 fusionierte die Hypobank mit der Bayerischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank. Die Coburger Filiale wurde in Folge der Fusionierung aufgegeben, das Bankgebäude selbst in den Jahren 2003/04 gründlich saniert und umgebaut. Seither befindet sich in den Räumen eine Filiale der VR-Bank Coburg.

    Steinweg 5
    1861 erwarb die Kreditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg das Anwesen Steinweg Nr. 5 als eigenes Bankhaus. Vorher diente das Gebäude jahrhundertelang als Gasthaus „Zum goldenen Adler“. Die Kasse wurde 1856 von Coburger Kaufleuten, Handwerksmeistern und Selbstständigen als Konkurrenz zur städtischen Sparkasse gegründet. 1911 errichtete im Auftrag des Spar- und Hülfevereins Stadtbaumeister Max Böhme an gleicher Stelle an neues Bankgebäude im Jugendstil. Dieses übernahm im Jahre 1922 die Bayerische Staatsbank aus München, welche eine Filiale dort einrichtete. Dieses Institut entwickelte sich aus der Hofbank der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. Nachdem die beiden Fürstentümer im Wiener Kongress von 1815 an Bayern fielen, übernahm das Königreich auch das Bankhaus und erhob das Institut schließlich zur Königlichen Hofbank. 1971 erfolgte die Umbenennung in Bayerische Vereinsbank. 1927 kaufte die Staatsbank von der Metzgermeisterswitwe Anna Schlick noch das Nachbarhaus Steinweg Nr. 7 dazu. Das dortige Ladengeschäft war lange Zeit vermietet und wurde der Bank erst 1996 zugeschlagen. Seit 1998 beherbergt das Bankgebäude den Sitz der Bayerischen Hypovereinsbank in Coburg.

    Steinweg 13
    Auch das ehemalige Modehaus Steinmann im Steinweg beherbergte in früheren Zeiten ein Bankinstitut. 1870 eröffnete in diesem Gebäude der Bankier Eduard Hülbig ein eigenes Bankhaus, das wohl schon vorher existierte. Elf Jahre später erfolgte der Zusammenschluss mit dem Bankier Adolf Haessler zum Bankhaus Haessler & Hülbig. In der Folgezeit, aber auch schon zuvor, hatte sich besonders Eduard Hülbig um das Gemeinwesen verdient gemacht. Er erhielt dafür als einer der ersten Coburger das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Als er 1889 starb übernahm dessen Sohn Otto die Leitung der Privatbank. Ihm folgte schließlich 1927 dessen Sohn Eduard jun. Dieser gab in einer Selbstanzeige vom Oktober 1929 zu, dass er mindestens 100.000 Reichsmark unterschlagen habe. Daraufhin wurde Hülbig verhaftet und das Bankhaus brach zusammen. Das Bankgebäude wurde schließlich nach 1931 versteigert. In den folgenden Jahren erfuhr das Haus dann eine Umgestaltung zum Modehaus. Ein Bankgeschäft hat sich seither nicht mehr dort niedergelassen.

    Bildquellen:
    Bild 1: Ehemaliges Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 34 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 2: Bankgebäude Mohrenstraße Nr. 38 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 3 + 4: Bankgebäude Steinweg Nr. 5 (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 5: Ehemaliges Bankgebäude Steinweg Nr. 13 (Foto: Christian Boseckert, 2010)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Verkehrsprobleme hat es durch die Jahrhunderte schon immer gegeben und sind nicht erst in der Neuzeit durch den Autoverkehr entstanden. Nein, schon früher als man mit Pferden und Kutschen sich fortbewegte hat es diese Art von Problemen gegeben. Eines dieser Verkehrsprobleme was vor 130 Jahren Coburg erregte und schon längst gelöst wurde, soll heute das Thema sein. Es geht um die Kreuzung Judengasse/Viktoriastraße/Löwenstraße. Heute ist sie ein Bestandteil der so genannten Westtangente und eine der verkehrsreichsten Kreuzungen Coburgs. Im 19. Jahrhundert befand sich hier eine der gefährlichsten Engstellen der Stadt. Wie eng es dort zuging, zeigt eines der hier veröffentlichten Bilder.

    An der Stelle der heutigen Löwenapotheke stand ein einfaches Wohnhaus das weit in die Viktoriastraße hineinragte. Diese war einst sehr schmal und bei trockenem Wetter sehr staubig und nach einem Regenguss eine Moraststraße. Das Haus welches in die Viktoriastraße hineinragte, war ein schmuckloses breit dahingelagertes Gebäude, als dessen einzige Zierde man die angemalte Firma "P. Eichmüllers + Sanitäts-Bazar" ansehen konnte. Um 1903 wurde der Bau abgerissen und Peter Eichmüller verlegte sein Sanitäts- und Parfümeriegeschäft in das Haus Judengasse 54, welches ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist und dort bis 1955 existierte.

    Wie gefährlich diese Engstelle war, ist auch recht gut zu erkennen, vor allem wenn man von der Judenbrücke in die Viktoriastraße einbiegen wollte. So kam es in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einem "folgenschweren Unfall", der sich bis heute in das Gedächtnis der Coburger eingeprägt hat und in den Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha verwickelt war.

    Dieser wollte man einem Vierergespann von der Viktoriastraße in Richtung Judenbrücke fahren, streifte dabei das Haus. Der Herzog, ein volkstümlicher Monarch der die Sprache der einfachen Leute sprach, erregte sich über dieses Malheur so sehr, dass er laut forderte man möge dieses "Scheißhaus" abreißen. Seither hatte dieses Gebäude diesen Spitznamen, sehr zum Leidwesen des damaligen Hausbesitzers dem Buchdruckermeister Bastel und weil er sich selbst zu den höher stehenden Bürgern Coburgs zählte (im Volksmund hieß er Graf Lytho) fühlte er sich durch den Kraftausdruck des Herzogs besonders gekränkt. Nun beide haben den Abriss des Hauses nicht mehr erlebt. 1904 errichte hier der Architekt Otto Leheis ein neues Jugendstilhaus, welches es zusammen mit dem Hause Judengasse 54 und dem Portikusbau des Ernst-Alexandrinenbades noch heute ein schönes Jugendstilensemble bildet.

    Durch diesen Neubau konnte nun die Viktoriastraße verbreitert werden, wozu auch der Biergarten der Gaststätte Bauer (Judengasse 39) beitrug, der um ein Stück verkleinert wurde. Wie sehr diese Veränderung nötig war, kann man heute täglich sehen. Unfälle konnten jedoch durch diese Maßnahme nicht verhindert werden. So kam es zuletzt dort 1996 zu einem tödlichen Unfall, wobei ein Motorradfahrer von einem Auto überfahren wurde und starb.

    Vieles hat sich an dieser Kreuzung in den letzten hundert geändert. Häuser sind abgerissen und wieder aufgebaut worden. Zusätzlich wurde hier 1978 eine Verbindung zur Lossaustraße gebaut die die Umgebung maßgeblich veränderte. Möge man die verbliebenen alten Gebäude erhalten und sie nicht dem Verkehr opfern.

    Bildquellen 1
    Bild 1: Die Ecke Viktoriastraße/Judengasse um 1900 (Sammlung: Historische Gesellschaft Coburg)
    Bild 2: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (Foto: Eduard Uhlenhuth, Sammlung Boseckert)
    Bild 3: Die Kreuzung heute (Foto: Christian Boseckert, 2010)

  • LichtensteinDatum06.08.2010 15:17
    Thema von Christian im Forum Das Coburger Umland

    Hallo in die Runde
    nach einem Artikel im Coburger Tageblatt vom letzten Mittwoch entschloss ich mich, mit einem Kollegen zusammen, die Burgruine in Lichtenstein zu besuchen. Diese war seit fast 20 Jahren wegen Renovierung und archäologischer Untersuchungen nur eingeschränkt bis gar nicht zu besichtigen. Seit diesem Jahr ist sie für jedermann frei zugänglich.

    Dort angekommen, stellten wir fest, dass die Ruine in einem sehr guten Zustand sich befindet und ausreichend Erklärungen zur Burggeschichte vorhanden sind. Selbst die archäologischen Entdeckungen kann man im ehemaligen Innenhof der Burg in einer Vitrine begutachten.

    Nachdem wir von der ehemaligen Burgkapelle aus den Ausblick in das Baunachtal genießen konnten, begingen wir den unterhalb der Ruine entlangführenden Sagenpfad, der sehr viel Interessantes birgt.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Das heutige Thema des Aufsatzes führt uns in die Bahnhofstraße. Dort, an der Ecke zur Seifartshofstraße, befindet sich mit dem Cafe Filou eines der schönsten Lokalitäten Coburgs. Auch das Haus mit seinem neuklassizistischen Stil und der davor liegende Biergarten tragen viel zu diesem Flair bei. Umso interessanter ist es die Geschichte des Hauses genauer unter die Lupe zu nehmen. Noch um 1850 standen an dieser Stelle vier kleine Wohnhäuser, in denen Tagelöhner oder Handwerksknechte (Vorläufer der heutigen Gesellen) lebten. Diese Gebäude gehörten zur Seifartshofstraße, die damals schon als Feldweg existierte. Nur der Anfang dieser Weges war seinerzeit bebaut. Ansonsten säumten Äcker und Wiesen, welche von Coburger Bauern bewirtschaftet wurden, den Weg. Das gleiche gilt für die Bahnhofstraße, die man 1861 als neue Zufahrt zum Bahnhof anlegte. Durch den Bau dieser Straße wurden die dort angrenzenden Felder zum Bauland. Einer der ersten, der dort ein Stück Land erwarb, war der Baumeister August-Friedrich Franke. Er erhielt das Kopfgrundstück zwischen der neuen Bahnhof- und der Seifartshofstraße, dort wo heute eben das Haus Bahnhofstraße 11 steht. Der gebürtige Saalfelder war in jener Zeit häufig als Baumeister in Coburg beschäftigt. So stammen aus seinen Entwürfen die u.a. Häuser Albertsplatz 6, Löwenstraße 13 sowie mehrere Anwesen in der Bahnhof- und Lossaustraße. Für sich selbst und seine Familie errichtete er im Jahre 1867 das Wohnhaus Bahnhofstraße 11. Franke war somit Architekt und Bauherr in einer Person. Ursprünglich befand sich in dem Gebäude kein Geschäft. Dies änderte sich erst später. August-Friedrich Francke indes verlebte hier im Kreise seiner Familie seine schönsten Jahre. Er starb 1885 im Alter von 61 Jahren. Das Grundstück ging im Erbgang an seine Ehefrau Luise und nach deren Tod im Jahre 1909 an die gemeinsamen Kinder. Diese verkauften 1912 das Haus an den Konditormeister Albert Herold. Damit war der Grundstein für die gastronomische Nutzung des Hauses gelegt. Herold baute das Erdgeschoss komplett um, errichtete an der Seite zur Seifartshofstraße einen neuen Backofen in Form eines Turmes und eröffnete neben einer Bäckerei auch ein Cafe. Der Vorgarten wurde zeitgleich zu einem Cafegarten umfunktioniert. 1924 erfolgte ein Sortimentwechsel hin zu einer Konditorei. Albert Herold betrieb die Konditorei samt Cafe bis zu seinem Tod im Jahre 1945. Seine Witwe Kunigunde verpachtete daraufhin das Lokal. Erster Pächter war eine Familie Reinhardt. 1953 übernahm der Bäckermeister Max Treuner das Cafe und erhielt für dieses die volle Schanklizenz. Das bedeutete, dass dort auch Bier ausgeschenkt werden durfte. Unter dem Namen „Cafe Herold“ betrieb das Treuner das Geschäft noch bis in die 1970er Jahre hinein weiter. Danach wurde das Cafe aufgegeben und das Lokal zu einer Speisegaststätte umgebaut. Vornehmlich gab es hier ein jugoslawisches und italienisches Spezialitätenrestaurant. 1983 fand sich hier die Pizzeria „Rimini“, die dann später in „Athena“ umbenannt wurde. Es ist zu bemerken, dass die Pächter dieser Gaststätten häufig wechselten. Dies änderte sich erst zu Anfang der 1990er Jahre. Nach einem erneuten Umbau eröffnete dort das Cafe Filou, dass sich zu einem beliebten Studenten- und Jugendtreff mauserte. Auch ältere Coburger genießen es dort im Schatten des Biergartens zu sitzen und zu kleinen Speisen etwas zu trinken.

    Bildquellen: (Alle Fotos Christian Boseckert, 2010)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Eines der markantesten Bankgebäude Coburgs ist der ehemalige Sitz der Coburger Bank am Theaterplatz. Es mag viele überraschen, dass dieses Grundstück erst vor knapp 200 Jahren bebaut wurde. Dennoch bietet es eine umfangreiche Geschichte, deren Inhalt Gegenstand des heutigen Aufsatzes sein wird. Anstelle des ehemaligen Stadtgrabens am Spitaltor errichteten in den Jahren 1816/17 der Bauinspektor Johann Adam Koch und der Geheime Rat Johann Friedrich Carl von Griesheim eine großzügige Stadtvilla im Biedermeierstil. Das neue Gebäude war ein Doppelhaus mit einem Eingang an der Kleinen Mauer und einem Eingang in der Georgengasse. Diese Zweiteilung spiegelt sich heute noch an der Adresse des Hauses, die Theaterplatz Nr. 10 und 11 lautet, wieder. Beide Häuserteile sahen im Laufe des 19. Jahrhunderts vornehmer Besitzer. So finden sich für das Gebäude Theaterplatz Nr. 10 die Herzogin Luise von Sachsen-Coburg und Gotha (1824-25), die Frau Oberforstmeisterin Amalie von Wangenheim (1825-44) und der Justizrat Philipp Braun (1844-63) als Hauseigentümer erwähnt. Das Häuserteil Theaterplatz Nr. 11 blieb indes bis 1843 im Besitz der Familie von Griesheim und gelangte danach in den Besitz der Kaufmannswitwe Friederike Schöner (1844-71) und des Musikdirektors Carl Julius Abt (1871-89). Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes als reines repräsentatives Stadthaus ging schließlich im Jahre 1879 verloren. Damals erwarb der Restaurateur und Hoflieferant Theodor Herold das Anwesen Nr. 10 und richtete dort eine Weinhandlung mit eigenem Ausschank ein. Die Weinstube Herold, die vorher im Landestheater untergebracht war, galt als eine vornehme Einkehrmöglichkeit für Theaterbesucher und der vornehmen Coburger Bürgerschicht. Die Weinstube existierte bis zum Tode Theodor Herolds im Jahre 1889. Das Haus kam daraufhin in den Besitz seines Sohnes Theodor Alphons Herold, der als Hotelier in Wien tätig war. Er erwarb 1889 noch das Nachbarhaus Nr. 11 und war damit der erste, dem der gesamte Häuserkomplex am Theaterplatz alleine gehörte. Herold vermietete die Gebäude in der Folgezeit. So war auch um die Jahrhundertwende das amerikanische Konsulat für eine kurze Zeit in dem Haus untergebracht. 1904 verkaufte Herold die beiden Gebäude an den Architekten August Berger und an die Spar- und Vorschuss-Bank GmbH, einem Vorgänger-Institut der Coburger Bank. Damit begann die lange Geschichte des Gebäudes als Bankhaus. Das Bausubstanz des Gebäudes allerdings hatte mit den Jahren gelitten und entsprach nicht mehr den Vorstellungen eines repräsentativen Bankgebäudes. Auch verlangte das herzogliche Ministerium eine Neugestaltung des Hauses zur Aufwertung des Theaterplatzes. Grund hierfür war die Einweihung des Prinz-Josias-Denkmals im Jahre 1911. Aus diesen Gründen erwarb die Vereinsbank Coburg GmbH, wie die Spar- und Vorschussbank seit 1909 hieß, im Jahre 1910 den anderen Teil des Hauses und baute ihn zusammen mit ihrem Stammsitz zu einem repräsentativen Gebäude um. Aber auch dies war keine endgültige Lösung. Schließlich erfolgte inmitten des Ersten Weltkrieges 1915 der Abbruch des Gebäudekomplexes. Die beiden Chemnitzer Architekten Alfred Zapp und Erich Basarke errichteten schließlich bis 1917 ein neuklassizistisches Bankgebäude. Zur Erinnerung an die teilweise recht schwierigen Verhältnisse während der Bauphase, wurde an der Ecke zur Georgengasse hin vom Bildhauer Bruno Ziegler ein Gedenkstein errichtet, der von einem Reiter bekrönt ist. Diesen Stein kann man noch heute am Gebäude sehen. 1934 wurde das Gebäude Sitz der Coburger Bank eGmbH, die aus einer Fusion zwischen der Vereinsbank und der Coburg-Gothaischen Bank AG entstand. Über 70 Jahre blieb dieses Kreditinstitut am Theaterplatz bestehen. Es erfolgten Umbauten im Inneren des Hauses und einige Veränderungen an der Hausfassade. 2006 schließlich fusionierte die Coburger Bank mit der VR-Bank Coburg-Rennsteig eG zur VR-Bank Coburg. In der Folgezeit wurde das Bankgebäude am Theaterplatz völlig umgebaut auch die Außenfassade erhielt durch die Vergrößerung der Schaufenster und der Entfernung der Eingangstreppe ein völlig neues Gesicht. Heute befindet sich in dem Räumen eine Filiale der VR-Bank. So bleibt die seit 1904 andauernde Bankhaus-Tradition auch für die Zukunft erhalten.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Bankgebäude Theaterplatz 10/11 im Jahre 2010 (Foto: Christian Boseckert)
    Bild 2: Der umgebaute Vorgängerbau der Vereinsbank Coburg mit dem Prinz-Josias Denkmal um 1913 (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 3: Das Bankgebäude der Coburger Bank um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 4: Architektonische Impressionen (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 5: Gedenkstein zur Errichtung des Gebäudes an der Ecke zur Georgengasse (Foto: Christian Boseckert, 2010)

  • Nach ihm sind in Coburg ein Berg und eine Straße benannt. Trotzdem weiß kaum jemand etwas über den Namensgeber dieser Fahrwege. Die Rede ist von Johann Andreas Adami. Der heutige Aufsatz will Licht in das Dunkel seines Lebens bringen und geht der Frage nach, warum im Westen der Stadt ein ganzes Areal nach ihm benannt wurde. Johann Andreas Adami kam am 13. April 1692 in Coburg als Sohn des Nadlermeisters Hans Adami zur Welt. Er verbrachte seine Jugend im Hause Ketschengasse Nr. 19, wo sein Vater einen Handwerksbetrieb führte. Die Familie Adami stammte ursprünglich aus Luckau in Sachsen, wanderte aber im Jahre 1680 nach Coburg aus. Der Sohn Johann Andreas führte dort das Nadlergewerbe weiter und bildete sich zum Handelsmann (eine ältere Bezeichnung für einen Kaufmann) weiter. Diese Kombination von Handwerker und Kaufmann war nichts ungewöhnliches. Besonders dieses Gewerbe war eines der ersten, welches bereits im 18. Jahrhundert einer beginnenden Industrialisierung ausgesetzt war. Der Preis- und Konkurrenzdruck der dadurch auf den Märkten entstand, ließ die Lebensbedingungen für die Nadler schwieriger werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben mussten sie ihre Preise anpassen – in vielen Fällen nach unten hin – oder ergriffen zusätzlich den Kaufmannsberuf, der zusätzliches Geld einbrachte. Johann Andreas Adami übernahm schließlich 1727 den Betrieb von seinem Vater, der im gleichen Jahr gestorben war. Anscheinend war das Adami´sche Unternehmen zu jener Zeit wirtschaftlich sehr erfolgreich, denn der neue Betriebsinhaber ließ sogleich sein Wohnhaus in der Ketschengasse komplett abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen. Es handelt sich dabei um das Haus, was sich heute noch an dieser Stelle befindet. Aufgrund seines großen Vermögens, welches er durch seinen Betrieb gewann, war es ihm schließlich auch möglich im Jahre 1741 ein großes Gartengrundstück am Kleinen Judenberg, westlich von Coburg, zu erwerben. Die Geschichte dieses Kaufes hat der Chronist Karche in seinen Jahrbüchern niedergeschrieben. Er erzählt dabei die tragische Geschichte des Coburger Tuchmachermeisters Johann Georg Ketschenbach. Dieser war unterwegs von Naumburg zurück nach Coburg, wo er Wollwaren verkaufte. Während eines Aufenthaltes im Vogtland wurde dieses Geld von Unbekannten gestohlen. In dieser Situation sah sich Ketschenbach genötigt seinen Berggarten am Kleinen Judenberg zu verkaufen. Von diesem Ereignis erfuhr auch Johann Andreas Adami. Er setzte sich mit Ketschenbach in Verbindung und erwarb das Grundstück für 360 fl. Kauff- und drei Spechisthaler Gönnegeld. Der Garten am Kleinen Judenberg wurde fortan der Adamigarten genannt und umfasste das Gebiet des heutigen Schnürsgartens. Adami baute in seinem neuen Garten ein kleines Häuschen, das wohl ein Vorgängerbau des heutigen Jean-Paul-Hauses war. Noch neun Jahre sollte das Areal in Adamis Besitz bleiben. 1750 starb Adami während einer Kutschfahrt auf der Rückreise von Leipzig nach Coburg im kleinen Ort Judenbach bei Sonneberg, vermutlich an Herzversagen. Der knapp 58jährige wurde noch an dem gleichen Ort beerdigt. Das Erbe Adamis trat seine Ehefrau Catharina Maria und die gemeinsamen sechs Kinder an. Die Familie Adami bewohnte das Haus in der Ketschengasse noch bis in die 1770er Jahre hinein. Den Adamigarten erhielt im Erbgang die eine Tochter Adamis, Regina Maria, die den herzoglichen Hoftrompeter Georg Gotthold Waldsachs geheiratet hatte. Dieser gründete dort 1774 den ersten Coburger Biergarten Das ist jedoch eine andere Geschichte. Der Name des Adamigartens wurde jedoch in der Folgezeit auf den ganzen Berg übertragen. So wurde aus dem Kleinen Judenberg der Adamiberg. Diese erst mündliche Bezeichnung übernahm die Stadt Coburg im Jahre 1861 auch offiziell, als sie unterhalb des Berges die Adamistraße anlegte. Die Namensgebung blieb bis heute unverändert.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Wohnhaus Adamis in der Ketschengasse Nr. 19, von ihm 1727 erbaut. (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 2: Die Südseite des heutigen Adamiberges (Foto: Christian Boseckert, 2010)
    Bild 3: Die Westseite des heutigen Adamibergs mit dem Schnürs Pavillion (Foto: Christian Boseckert, 2010)

  • Öffentlicher VortragDatum05.09.2010 12:59
    Thema von Christian im Forum Termine

    12. Symposium der Residenzen-Kommission


    Städtisches Bürgertum und Hofgesellschaft
    Kulturen integrativer und konkurrierender Beziehungen
    in Residenz- und Hauptstädten vom 14. bis ins 19. Jahrhundert

    veranstaltet in Zusammenarbeit mit der
    Historischen Gesellschaft Coburg e.V.

    In diesem Zusammenhang findet am 25. September 2010 ein öffentlicher Vortrag im Riesensaal des Schlosses Ehrenburg statt.

    Referent: Prof. Dr. Gert Melville
    Thema: Johann Casimir (1564-1633) - ein Herzog in Coburg

    Beginn der Veranstaltung ist 18.00 Uhr
    Die Veranstaltung ist kostenfrei.

  • 150 Jahre BahnhofstraßeDatum05.09.2010 13:04

    In diesem Jahr wird die Bahnhofstraße 150 Jahre alt. Aus diesem Anlass gibt es nun ein neues Coburger Häuserbuch, verfasst von Helmut Wolter, dass die Geschichte der Straße und deren Häuser näher beleuchtet. Das Buch beginnt an der Kreuzung im Heiligkreuz und endet direkt am Bahnhof, wo Gebäude wie der Augustenstift, das Hotel Reichsgraf oder das Palais Ratibor beschrieben werden. Auch einige interessante Aufnahmen sind dem Buch beigefügt. Vielleicht ist das ein Anreiz auch hier im Forum über die Bahnhofstraße zu sprechen.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    In diesen Tagen fand auf dem Coburger Marktplatz wieder einmal der alljährliche Zwiebelmarkt statt. Er gilt als der älteste und traditionsreichste Markt in der Vestestadt. Wenn der Markt geöffnet hat, so bieten die hiesigen Bäcker ihren frisch zubereiteten Zwiebelkuchen an, zu dem sie auch einen Federweißen ausschenken. Diese Tradition stammt noch aus dem Mittelalter, als die Bäcker auch Bier und Wein, den sie zum Teil selbst hergestellt hatten, über die Straße verkauften. Aus dieser Tatsache heraus entwickelten sich viele Coburger Gaststätten wie beispielsweise die Loreley oder der „Goldene Hirsch“ in der Judengasse. Doch kommen wir auf die Ursprünge des Zwiebelmarktes zurück. Am 20. März 1466, dem Palmsonntag, brach in der Steinweg-Vorstadt zwischen dem Spitaltor und der Heiligkreuzkirche ein Großfeuer aus, welches der Überlieferung nach über 200 Wohnhäuser in Schutt und Asche legte. Das Feuer brach seinerzeit im Hause Steinweg Nr. 5 (heute Sitz der Hypo-Vereinsbank) aus ungeklärten Umständen aus. Um den Wiederaufbau der Vorstadt schnell voranzutreiben, beschloss der Rat der Stadt Coburg dem damaligen Landesherrn, Herzog Wilhelm III von Sachsen, genannt der Tapfere, zu bitten, einen vierten Jahrmarkt zu genehmigen. Durch die Einnahmen sollte das Geld für den Wiederaufbau gewonnen werden. Wilhelm III bestätigte in einer Urkunde vom 17. April 1466 die Abhaltung von drei Jahrmärkten in Coburg und gewährt ihr „...aufdaß sich die Unsern von Coburg ihres vorgenannten Brandschadens desto besser wieder erholen...“ einen vierten Markt. Dieser sollte entweder vor oder nach dem Feiertag Mariä Geburt am 8. September stattfinden. Dieser Jahr findet er nach dem erwähnten Feiertag statt. Aber anscheinend war dieser Zeitraum schon vorher als Markttag in Gebrauch, denn in der bereits erwähnten Urkunde von 1466 wird dies indirekt erwähnt.Während des 30jährigen Krieges viel der Zwiebelmarkt ab 1633 aus. Erst 1647 wurde er wieder veranstaltet, erstmals unter dem Namen „Zwiebelmarkt“. Später, so scheint es, muss sich der Markt auch in den oberen Teil der Ketschengasse verlagert haben. Es wird nämlich von unzähligen Säcken mit Zwiebeln berichtet, welche die Bürgersteige und Hauseingänge vom Markt bist fast zum Albertsplatz hin versperrten. Ein Durchkommen für Fahrzeuge war da kaum möglich. Feilgehalten wurden die Zwiebeln hauptsächlich von Gärtnern aus Bamberg, Schweinfurt und Hallstadt. Aus diesem Grund werden auch heute noch die Bamberger von den Coburgern als „Zwiebeltreter“ verspottet. Coburg war allein deswegen ein wichtiger Handelspunkt, da nicht nur die Coburger ihren Jahresvorrat an Zwiebeln hier eindeckten, sondern auch die Thüringer, die in Scharen hier die Zwiebeln aufkauften. Für die Kinder gab es zum Zwiebelmarkt etwas ganz besonderes: Das Süßholz zum Lutschen. Daraus wird bis heute auch Lakritze hergestellt. Der Zwiebelmarkt entwickelte sich bis 1945 zum bedeutendsten Jahrmarkt des Jahres. Ein Ereignis soll dies belegen. Am Zwiebelmarkttag des Jahres 1906 kam der deutsche Kaiser Wilhelm II nebst Kaiserin Auguste zur Taufe des Erbprinzen Johann Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha in die Vestestadt. Man wollte dem Monarchen bei einer Stadtrundfahrt nicht zumuten, durch die beengte und zwiebelduftende Ketschengasse zu fahren und beabsichtigte deshalb den Markt kurzfristig auf den Ketschenanger zu verlegen. Ein heftiger Protest erfasste daraufhin die Vestestadt. Schließlich blieb der Markt an Ort und Stelle und dem Kaiser wurde ein volkstümliches Treiben vorenthalten. Ob es damals ein Kaiserwetter gab, berichten die Chroniken nicht. Denn, so will es die Tradition, muss es am Zwiebelmarkt regnen. Erst dann gibt es die sogenannte „Zwiebelbrüh“, eine Art Dauerregen, der vornehmlich in der ersten September-Hälfte niederging. Schließlich sollten zwei Faktoren das Ende des alten Zwiebelmarktes besiegeln. Zum einen vertrieb die einsetzende Motorisierung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg den Markt aus der Ketschengasse und zum anderen verlor der Markt dadurch an Bedeutung, dass es möglich wurde, Zwiebeln das ganze Jahr über zu kaufen. So fand der letzte traditionelle Zwiebelmarkt im Jahre 1957 statt. Danach wurden alle Jahrmärkte auf den Gemüsemarkt und in den Unteren Bürglaß verbannt. Der Markt diente fortan vornehmlich als Auto-Parkplatz. Erst Anfang der 1980er Jahre kehrte der Zwiebelmarkt wieder zurück auf den Marktplatz. Dort ist er bis heute geblieben. Seit wenigen Jahren erinnert man sich wieder an die Bedeutung des Zwiebelmarktes, welcher durch Werbemaßnahmen zumindest einen Teil seines alten Glanzes wieder erhalten soll. Wichtig scheint jedoch zu sein, dass der Zwiebelmarkt seine alten Traditionen trotz der Veränderungen der letzten 60 Jahre erhalten hat – und sei es auch nur das regnerische Wetter!

    Bildquellen:
    Ansichtskarte vom Zwiebelmarkt um 1900 mit Markgeschehen von der Ketschengasse (Sammlung Christian Boseckert)

  • Besucht man den westlichen Teil des Coburger Hauptfriedhofs findet sich auf dem Weg zum herzoglichen Mausoleum eine stattliche Anzahl von großen Grabstätten und Gedenksteinen. Hier sind vor allem verdienstvolle Bürger der Vestestadt beerdigt worden. Einer von ihnen, Emil Rädlein, hat viele Jahre in zwei bedeutenden Coburger Vereinen eine maßgebende Rolle gespielt.

    Beide Vereine, der Thüringerwald-Verein und die Coburger Turngenossenschaft haben zusammen über 1000 Mitglieder. Aber wer von diesen und den heutigen Coburgern kann Genaueres über Emil Rädlein wissen, der schon vor fast hundert Jahren seine letzte Wanderung angetreten hat. Wer war also Emil Rädlein?

    Er wurde am 5. Januar 1855 als Sohn eines Schneidermeisters in Coburg, im Hause Steingasse Nr. 14 (heute Musikhaus Kiederle) geboren. Seine unbeschwerte Jugendzeit rings um die Moritzkirche beschrieb er in einem seiner vielen Aufsätze. Nach dem Besuch der Bürgerknabenschule, die seinerzeit noch in der alten Ratsschule, ganz in der Nähe seines Wohnhauses, ansässig war, bereitete er sich im Coburger Ernst-Albert-Lehrerseminar auf seinen künftigen Beruf vor. Nach seiner Ausbildung war er ein Jahr in Greiz / Thüringen tätig. Doch bereits im Jahre 1874 kehrte nach Coburg zurück, wo er fast fünf Jahrzehnte als Lehrer wirkte. Schon als junger Pädagoge verschrieb er sich dem Turnsport und wurde schon 1874 Mitglied der Coburger Turngenossenschaft. Das Amt eines 1. und 2. Turnwarts bekleidete er 24 Jahre von 1877 bis 1901. Im Jahre 1883 bestand er das Turnlehrerexamen in Berlin. Von 1909 bis 1919 übernahm er die Leitung der Turngenossenschaft, deren erfahrener Turnfahrtenführer er fast 48 Jahre war. Die turnerischen Leistungen der Turngenossenschaft, der heutigen Coburger Turnerschaft, sind seinem Fleiß, seinem Können und seiner Schaffenskraft zu verdanken. Emil Rädlein war der Schöpfer zahlreicher Turnerreigen, ein Gebiet des Turnsports, das besonders bei Schauturnen um 1900 gepflegt wurde.

    Das Lied „Wohlauf die Luft“ (besser bekannt als das Frankenlied) gestaltete Rädlein durch turnerische Schrittfiguren zu einem „Scheffelreigen“. Der Dichter Viktor von Scheffel begrüßte die Bearbeitung des Liedes und dankte mit seinem Bildnis und einem Vierzeiler. Die Turngenossenschaft ehrte ihren „Rad“, wie er im Volksmund genannt wurde, durch die Ernennung zum Ehrenmitglied, Ehrenturnwart und Ehrensprechwart. Auch die Stadt Coburg zeigte ihre Anerkennung. Sie übertrug Rädlein im Jahre 1915 die Leitung des städtischen Schulturnes.

    In den letzten Jahren seines Lebens wandte sich Emil Rädlein zunehmend dem Wandern zu. Dazu trug wesentlich die Gründung des Thüringerwald-Vereins im Jahre 1907 bei, zu dessen 1. Vorsitzenden er sofort gewählt wurde. Er selbst bezeichnete sich gerne als „Coburger Wandersmann“. Mit seinen Turngenossen und den Freunden vom Thüringerwald-Verein erwanderte er nicht nur die engere Coburger Heimat, sondern auch Südthüringen, den Frankenwald, den Fränkischen Jura und die Hassberge. In seinem zweibändigen Wanderbuch „Im Umkreis der fränkischen Krone“ hat er einen Teil seiner Wanderungen in fesselnder Weise beschrieben. Darin liest man nicht nur den genauen Verlauf der Wanderungen, sondern erfährt etwas über Natur und Heimat, sowie über Kunstdenkmäler kennen. Gleichzeitig gewinnt man ein gewisses Verständnis für Volkskunst und Volkstum. Diese Kenntnisse vermittelte er seinen Wanderkollegen auch wenn sie unterwegs waren. In seinen Beschreibungen sind oft auch Dichterworte eingestreut, die die jeweiligen Stimmungen wiedergeben.

    Auch hatte Emil Rädlein immer bei seinen Wanderungen ein Skizzenbuch dabei. Er konnte sehen und das Geschehene zeichnen: Hier einen Torturm, dort eine alte Mühle, oder eine schöne Kirche. Viele Motive, die er und seine Tochter Änni (eine heute noch bekannte Coburger Kunstmalerin) geschaut haben, findet man in seinem Wanderbuch. Erstaunlich aus heutiger Sicht ist der Umfang der Rädlein´schen Wanderungen. Sie umfassten zwischen 30 und 50 km. Dabei ging es oft schon früh um 4 Uhr los. Man wanderte um 1900 auf autofreien und nicht geteerten Straßen und kam schnell vorwärts. Klampfen und Gitarren beflügelten dabei mit flotten Wanderweisen die Schritte. Aber nicht nur seinen Wandergefährten war Emil Rädlein ein vorbildlicher Führer, er war auch jederzeit bereit, den Touristen seiner Heimatstadt die Umgebung in Wort und Schrift sowie mit Rat und Tat zu zeigen und zu beschreiben.

    Am 8. Februar 1925 starb Emil Rädlein im Alter von 70 Jahren. Er wohnte zuletzt in einer Villa in der Unteren Klinge in Coburg. Ihm zu Ehren errichteten seine Wanderfreunde am Muppberg in Neustadt bei Coburg einen Gedenkstein, den sogenannten Rädleinstein. Darüber hinaus ehrt der Thüringerwald-Verein ihren langjährigen 1. Vorsitzenden jährlich im Mai mit einer Emil-Rädlein-Gedächtnis-Wanderung. Der Gedenkstein auf dem Coburger Friedhof stifteten sowohl der Thüringerwald-Verein, als auch die Turngenossenschaft als bleibende Erinnerung an einer der bedeutendsten Coburger Persönlichkeiten.

    Bildquellen:
    Bild 1: Emil Rädlein (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg)
    Bild 2: Gedenkstein Rädleins auf dem Coburger Hauptfriedhof (Foto aus Ernst Eckerlein, Coburger Heimat Band II, Coburg 1981).

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    In diesem Jahr konnte die katholische Pfarrkirche St. Augustin ihr 150jähriges Jubiläum begehen. Mit ihrer Einweihung im Jahre 1860 markierte die katholische Kirche symbolisch ihre Präsenz in Coburg nach über 300 Jahren. Die ersten Katholiken siedelten sich bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts hier wieder an. Einer der ersten war der Kaufmann Johannes Zangerle. In seinem Haus in der Ketschengasse aber auch vermutlich in seinem Gartenhaus am Plattenäcker, welches wie eine Kapelle aussah, fanden die ersten Gottesdienste statt. Der Name der späteren Ausflugsgaststätte „Kapelle“ rührt von diesem Zangerle´schen Gartenhaus her, welches 1945 durch den Artilleriebeschuss der Amerikaner zerstört wurde. Bereits 1806 erhielt die kleine katholische Gemeinde mit der Nikolauskapelle auch ein eigenes Gotteshaus. Durch den Zuzug von immer mehr Katholiken nach Coburg wurde die Kapelle nach 50 Jahren zu klein. Unter der Förderung des Prinzen August von Sachsen-Coburg-Kohary, einem Spross der katholischen Linie des Herzogshauses, ging man schließlich in den 1850er Jahren daran, eine komplett neue katholische Kirche zu bauen. Mit dem Bau wurde der herzogliche Baurat Vincenz Fischer-Birnbaum betraut. Anfangs gab Diskussionen darüber, wo nun die neue Kirche stehen soll. Als mögliche Standorte galten die Zollbauerswiese (heute befindet sich dort der Rosengarten) oder die Gegend um den Rittersteich. Schließlich entschied man sich die Kirche am Fuße des Festungsberges zu errichten. Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1855 und dauerten fünf Jahre an. Den Bau der Kirche hat der britische Fotograf Francis Bedford auf einen der ersten Fotografien von Coburg 1857 festgehalten. Die Einweihung fand schließlich am 28. August 1860 im Beisein des Bamberger Erzbischofs Michael von Deinlein statt. Zu Ehren von Prinz August erkor man den Heiligen Augustinus von Hippo zum Patron der neugotisch gestalteten Kirche. Der erste Pfarrer von St. Augustin bezog noch im selben Jahr das Wohnhaus des Hofmalermeisters Halter in der Festungsstraße, welches heute noch als Pfarramt dient. Mit der Einweihung der Kirche hatte nicht nur die katholische Gemeinde ein neues spirituelles Zentrum erhalten, sondern auch die katholische Linie des Hauses Sachsen-Coburg eine Grablege für sich gefunden. Prinz August hatte diese Krypta für sich und seine Nachfahren extra auf seine Kosten anlegen lassen. Er war auch der erste, der nach seinem Tod im Jahre 1881 dort beigesetzt wurde. Ihm folgten seine Frau Clementine und deren gemeinsame Kinder, darunter der bulgarische Zar Ferdinand I., nach. Die letzte Beisetzung fand 1967 statt, als die Herzogin Dorothea von Schleswig-Holstein, eine Enkeltochter Prinz Augusts hier zu Grabe getragen wurde. Neben Kirche und Pfarrhaus besitzt die katholische Gemeinde heute ein eigenes Pfarrzentrum an der Oberen Klinge, welches den Mittelpunkt der Pfarrei darstellt.

    Bildquellen:
    Bild 1 und 3: St. Die St.-Augustinkirche im Jahre 2010 (Fotos: Christian Boseckert)
    Bild 2: Bild vom Bau der Kirche aus dem Jahre 1857 (Foto: Francis Bedford, Sammlung Chr. Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, als Napoleon ganz Europa erobern wollte, litt auch Coburg mit seinen damals 7000 Einwohnern unter den Durchzügen der fremden Truppen, der Proviant-, Bagage- und Munitionswagen. Ganze Regimenter musste die Stadt aufnehmen. Franzosen, Preußen, Italiener, Nassauer, Darmstädter, Bayern, Württemberger, Badenser, Österreicher und sogar Russen kamen hier durch. Die Munitionswagen mit ihrer gefährlichen Ladung waren bei den Einwohnern sehr gefürchtet. So erschienen am 12. Oktober 1806 Darmstädter Truppen unter Führung eines französischen Offiziers mit 11 Munitionswagen. Preußische Husaren erhielten davon Kenntnis und eroberten im Handstreich neun Wagen. Zwei Wagen konnten sie nicht mitnehmen und wollten sie deshalb in die Luft sprengen. Das hätte verheerende Folgen für Coburg gehabt. Aber es gelang einigen beherzten Einwohnern der Vestestadt, die beiden Pulverwagen bei der Heiligkreuzbrücke in die Itz zu werfen. Daß die Heiligkreuzkirche während der Kriegswirren sogar monatelang

    als Militärmagazin diente, ist heute nicht mehr vorstellbar. Immer wieder sorgten gefährliche Durchzüge für Aufregungen unter der Bevölkerung. Die Nachricht, dass im Jahre 1810 in Eisenach drei französische Munitionswagen in die Luft flogen und dabei 28 Häuser abbrannten und 60 Menschen starben, zwang die Coburger Ratsherren zum Handeln, denn ein Ende der Kriegsereignisse war nicht abzusehen. Und so wurde im Jahre 1812 eine Umgehungsstraße gebaut. Die Kosten betrugen 3867 Gulden (etwa 3300 Euro). Bald sollte sich der Aufwand lohnen, denn schon ein Jahr später zogen 36 Kanonen mit Pulverwagen über den neu geschaffenen Weg, gefolgt in einigen Wochen darauf von weiteren 28 Geschützen. Am 3. Juni 1814 passierten mehrere Batterien den Weg und wieder ein Jahr darauf zog ein Artilleriepark von 12 Sechzehnpfündern nebst Munitionswagen durch die neue Straße, die noch keinen Namen hatte. Was lag da wohl näher, sie geraume Zeit nach den Kriegsereignissen „Kanonenweg“ zu nenne. Der Name der zweiten Coburger Umgehungsstraße

    hat sich bis heute erhalten. Die erste Umgehungsstraße erhielt Coburg aber bereits während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), nämlich den Neuen Weg. Der damals regierende Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld war zwar in diesem Krieg neutral, konnte aber die Durchzüge aller möglichen Kontingente nicht verhindern. Um die Stadt von Durchmärschen zu verschonen, wurde damals auf Veranlassung des Coburger Prinzen Christian Franz, einem jüngeren Sohn des Herzogs, der Neue Weg gebaut, der heute wieder, jedoch aus Gründen des Autoverkehrs, auf einem Abschnitt die Rolle einer Umgehungsstraße, der Coburger Stadtautobahn, spielt. Nun zurück zum Kanonenweg. Als dieser angelegt wurde, war dort das Gelände nördlich der Stadt fast gänzlich unbewohnt. Aus der Stadt heraus nach Eisfeld zu führte damals nur ein Weg, die heutige Kasernenstraße, einst sogar nur ein Hohlweg. Ein paar Ziegelhütten und die bereits im Jahre 1453 erwähnte Schleifmühle, welche sich auf dem Gelände der Firma Sagasser am Schleifweg befand,

    waren in diesem Bereich des Kanonenwegs die einzigen Häuser. Ehe der Name sich einbürgerte, wurde hier die Gegend wahrscheinlich „im Außendorf“ genannt. Daraus bildete sich allmählich durch Zusammenziehung der beiden Wörter das Wort „Maußendorf“, das längere Zeit als volkstümliche Bezeichnung gebräuchlich war. Es wohnten dort biedere fleißige Bürger und Landwirte in bescheidenen, meist einstöckigen Wohnhäusern, die nach und nach um 1860 neu entstanden. Grund für die Bebauung war eine Wohnungsnot, unter der Coburg in der Mitte des 19. Jahrhunderts litt. Der Magistrat suchte auf jede Art und Weise die Bautätigkeit zu fördern und stellte zu diesem Zweck auch am Kanonenweg Bauplätze zur Verfügung. Jeder Nichtbürger, der damals ein Haus in einem Stadtbezirk baute, erhielt für sich und seine Familie das Bürgerrecht. Der Eisenbahnbetrieb und die industrielle Entwicklung belebten nach 1860 weitere Bautätigkeit im Norden der Stadt. In der Gegend der heutigen Heiligkreuzschule lag der Bleichanger, eine große

    grüne Fläche, auf der die Hausfrauen ihre Wäsche trockneten und bleichten. Viele kleine Hütten für Regenschutz und Nachtwachen standen dort am Ufer der Lauter. Diese bot dort bis zum Jahre 1912, ehe die Bahnanlagen und die Callenberger Unterführung gebaut wurden, eine örtliche und technische Merkwürdigkeit. Sie floss damals rechts und links der Callenberger Straße. Der Fluss (mit Blick in Richtung Neuses) war der natürliche Lauf der Lauter, der Fluss rechts ein abgeleiteter Mühlgraben. Beide kreuzten sich am Westende des Kanonenwegs, bei einem Wehr. Der Mühlgraben floss über die Lauter hinweg. Mit der Namensnennung der Kreuzwehrstraße hat dies aber nichts zu tun. Der Kanonenweg, dessen Früh- und Namensgeschichte hier in diesem Artikel veröffentlicht wurde, hat sein Gesicht im Laufe von bald 175 Jahren immer wieder verändert. Dies ist eben der Lauf der Zeit.

    Bildquellen:
    Bild 1: Coburger Stadtplan von 1844. An der Ecke oben links ist weit außerhalb der Stadt der Kanonenweg eingezeichnet. (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Eines der ersten Wohnhäuser im Kanonenweg war das Haus Nr. 30, ein landwirtschaftliches Anwesen des Ökonomen Andreas Boseckert.(Foto: Christian Boseckert, 2007)
    Bild 3: Gesellschaftliches Zentrum des Kanonenwegs war über Jahrzehntehinweg der Saalbau Bätz im Haus Nr. 17. Hier fand auch die bekannte "Mausendorfer Kirchweih" statt.(Sammlung Norbert Niermann)
    Bild 4: Das ehemalige Wasserwerk an der Lauter trägt die Adresse Kanonenweg 46 (Foto: Christian Boseckert, 2007)


    Bild 1:

  • Als die einst beliebte Gaststätte „Fischerei“ in der Webergasse und mit ihr die Klause „St. Lucas“ um 1980 der Stadtsanierung in diesem Bereich weichen musste, blieb ein Zeuge übrig, eine seltsame Brunnenfigur, die ein Mitglied der Künstlerzunft St. Lucas, der Professor Otto Pörtzel, schuf. Die Figur stellt einen Schweinekopf mit menschlichen Zügen dar, aus dessen Maul klares Wasser floss. Möglicherweise hat sich der Künstler dabei einen Scherz erlaubt und bei der Gestaltung an irgendein Vorbild gedacht. Im Jahre 1940 versiegte der Brunnen. Inzwischen hat dieser einen würdigen Platz am Ausstellungspavillon des Kunstvereins im Hofgarten gefunden. Otto Pörtzel hat seine Begabung von seinem Vater Gustav Wilhelm geerbt, der in Scheibe / Thüringen (heutiges Scheibe-Alsbach) in einer Porzellanfabrik als Modelleur tätig war. Geboren wurde Otto Pörtzel am 24. Oktober 1876 in dem thüringischen Waldort, besuchte nach einer Bildhauerlehre drei Jahre die Sonneberger Industrieschule, welche im Gebäude des heutigen

    Deutschen Spielzeugmuseums untergebracht war und arbeitete danach im Atelier Stellmacher in Gotha. Im Jahre 1900 ließ er sich in Coburg als selbstständiger Bildhauer nieder, ergänzte aber sein Können noch durch ausgedehnte Reisen in Italien und durch Studien an der Königlich-Bayrischen Akademie der Bildenden Künste in München, wo er u.a. bei Adolf von Hildebrand lernte. In der bayrischen Landeshauptstadt unterhielt Pörtzel, neben seinem Atelier in Coburg am Ernstplatz 1, eine eigene Werkstätte. In der Vestestadt lebte er allerdings weiterhin, bis zu seinen Tod am 17. Januar 1963. In der Hügelstraße 8 baute er sich ein Künstlerheim, in dem er seine Werke schuf. Mit den Künstlern Coburgs, besonders aber mit denen der Zunft St. Lucas, verband ihn enge Freundschaft. Otto Pörtzel war ein Mitbegründer des Coburger Kunstvereins, Ehrenvorsitzender des Schutzverbandes bildender Künstler, Vorsitzender der Prüfungskommission für das künstlerische Handwerk und viele Jahre Vorsteher der Künstlerzunft St. Lucas.

    In dem Hause Pörtzels versammelte sich immer eine außergewöhnliche Gesellschaft. Wenn Besucher kamen, so trafen sie dort in Gips, Stein und Bronze den Kaiser Wilhelm II. in Großadmiralsuniform, Kaiser Haile Selassie von Abessinien, den Zaren Ferdinand von Bulgarien, das Coburger Herzogspaar Carl Eduard und Viktoria Adelheid sowie eine Reihe damals prominenter Persönlichkeiten. Unter der Schar der Schöpfungen Pörtzels befand sich auch die anmutige modellierte Figur der Hofschauspielerin Hilde Knoth vom Coburger Hoftheater. Knoth war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Liebling des Coburger Theaterpublikums. In Coburg wollten deshalb nach der Einweihung des Ernst-Alexandrinen-Volksbades im Jahre 1907 die Gerüchte nicht verstummen, dass die Schauspielerin dem Bildhauer für die graziöse nackte Gestalt auf dem Giebel des Portikusbaues Modell gestanden habe. Man war eben damals sehr prüde in Coburg. Als Professor Pörtzel an seinem 80. Geburtstag im Jahre 1956 darauf angesprochen wurde, soll er lächelnd geantwortet haben:

    Sie war eine bildhübsche junge Frau“. Das Geheimnis aber, nahm Pörtzel mit ins Grab. Der Künstler war zeitlebens ein keramischer Bildhauer, konnte aber auch mit Bronze und Marmor umgehen. Eine Reihe von Krieger- und Grabdenkmälern außerhalb von Coburg, bzw. auf dem Coburger Friedhof am Glockenberg geben davon Kunde. Zahlreiche Plastiken für die keramische Industrie gingen aus seinem Atelier hervor. Sein Ruf war in ganz Europa verbreitet. Auf den Weltausstellungen in St. Louis / USA im Jahre 1904, und Brüssel im Jahre 1910 war er mit Großplastiken vertreten. Die zahlreichen Kinderplastiken sind ihm besonders gut gelungen. Sie vermitteln dem Betrachter Freude. Der Gesichtsausdruck der Kinder entspricht ihrer jeweiligen Tätigkeit. Erinnert sei hier an die ehemalige Rosenschau und an den Aufgang zum alten Union-Theater am Hahnweg, wo Pörtzels Kinderfiguren aufgestellt waren. Bei der Darstellung von Menschen legte der Künstler großen Wert auf eine originale Wiedergabe. Ein Beispiel dafür ist die Büste

    der Herzogin Alexandrine, die in der Alfred-Sauerteig-Anlage vor dem ehemaligen Ernst-Alexandrinen-Volksbad steht. Auszeichnungen, Orden und der ihm im Jahre 1913 verliehene Titel Professor blieben nicht aus. Seit 1911 übte Pörtzel seine künstlerische Tätigkeit freiberuflich aus. Die Folgen zweier Weltkriege allerdings, die sein erarbeitetes Vermögen und seine Alterssicherung aufzehrten, zwangen ihn, noch im hohen Alter tätig zu sein. Professor Pörtzel wurde 86 Jahre alt.

    Bildquellen:
    Bild 1: Professor Otto Poertzel (Fotosammlung Christian Boseckert)
    Bild 2: Der Brunnen der Gastwirtschaft Fischerei von Otto Pörtzel, heute am Ausstellungspavillon des Kunstvereins am Hofgarten befindlich (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 3: "Die Badende" von Otto Pörtzel auf dem Dach des Portikusbaues. (Foto: Historische Gesellschaft Coburg)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte



    In diesem Artikel soll es um die Entstehungsgeschichte des Coburger Sintflutbrunnens gehen, dessen Schöpfer der gebürtige Coburger Ferdinand Lepcke war. Dieser wurde am 23. März 1866 im Hause Leopoldstraße Nr. 27 als Sohn des Restaurateurs Ernst Lepcke geboren und starb bereits im Alter von 43 Jahren am 12. März 1909 in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung. Lepcke verlebte also seine früheste Jugendzeit in der Leopoldstraße. Schon in jungen Jahren besuchter er die Kunstakademie in Berlin und war dort Schüler des Bildhauers Fritz Schaper von dem viele Denkmäler in Deutschland stammen. Ferdinand Lepcke wurde bald ein bekannter Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Broncestatuen, Grabdenkmäler, Marmorbüsten und Denkmäler bedeutender Männer. Bereits im Alter von 25 Jahren erhielt er einen Staatspreis und wurde 1903 zum Professor ernannt. Ein Jahr vorher entstand auf Kosten des preußischen Staates für die Stadt Bromberg in Westpreußen der „Sintflutbrunnen“, das Original des Coburger Sintflutbrunnens. Im gleichen Jahr 1902 machte Ferdinand Lepcke seiner Heimatstadt Coburg, mit der er sich besonders durch seine Zugehörigkeit zur Künstlerzunft St. Lukas verbunden fühlte, das Angebot, ihr das Gipsmodell dieses Brunnens unentgeltlich zu überlassen. Daran hatte Lepcke insgesamt zwei Jahre gearbeitet. Nach langem Hin und Her lehnte der Coburger Stadtrat am 2. Dezember 1904 das Anerbieten Lepckes mit der Begründung ab, dass Coburg keinen geeigneten Platz hätte. In den Zeitungen war man darüber empört. Aber der Künstler ließ nicht locker. Schon am 20. Dezember 1904 antwortete er dem Oberbürgermeister Gustav Hirschfeld und machte dabei den Vorschlag, dass die Stadt ein einfaches Museum bauen solle, für das er Abgüsse von zahlreichen seiner von ihm geschaffenen Plastiken stiften würde. Das Auffinden eines geeigneten Platzes musste er aber immer noch dem Coburger Stadtrat überlassen. Einen Fingerzeig gab der Plan des Baues einer Gewerbeschule. Man erwog jetzt, den Brunnen irgendwie vor der geplanten Schule aufzustellen. Aber der Bau lag noch in weiter Ferne. Man überlegte weiter und kam auf die Idee, dass die Veste ein geeigneter Ort sei. Aber hier ergaben sich unüberwindliche Schwierigkeiten. Inzwischen war der Gedanke aufgetaucht, nicht das Gipsmodell, sondern einen Bronceguss des Brunnens aufzustellen. Am 20. März 1905 schrieb Lepcke an Oberbürgermeister Hirschfeld, dass ein Bronceguss 30.000 Goldmark kosten würde. Er schlug gleichzeitig eine Sammlung unter den Bürgern vor und erklärte sich bereits das Modell noch ein Jahr aufzuheben, bis das Geld zusammengekommen sei. Da wurde Mitte des Jahres 1905 ein Coburger Bürger, der Baumeister Max Frommann, aktiv. Wahrscheinlich nach privater Fühlungnahme mit dem Herzoglichen Staatsministerium schlug er als Standort für den Sintflutbrunnen die Zollbauerswiese an der Ketschendorfer Straße vor. Er garantierte 20.000 Goldmark, die er selbst durch eine Sammlung aufzubringen gedachte. Den Rest von 10.000 Goldmark sollte die Stadt zusteuern. Bereits am 17. Juli 1905 bewilligte der Coburger Stadtrat diesen Betrag unter Voraussetzung, dass die Zollbauerswiese von der Herzoglichen Domäne unentgeltlich zur Verfügung gestellt würde. Das Herzogliche Staatsministerium gab am 29. Juli 1905 seine Zustimmung zur unentgeltlichen Überlassung der Zollbauerswiese mit der Auflage, dass das Gelände unbebaut bleiben sollte. Die entsprechenden Verträge zwischen der Stadt, dem Ministerium sowie mit Lepcke kamen zustande. Dieser nahm an dem Modell geringfügige Änderungen vor und sicherte sich das geistige Eigentum. Für den Guss des Brunnens, den die Firma Gladenbeck in Berlin ausführen sollte, waren jedoch Monate erforderlich. Inzwischen hatte Frommann die 20.000 Goldmark zusammengebracht. Die Spender waren betuchte Coburger Bürger, darunter auch einige Bewohner der nahe gelegenen Alexandrinenstraße. Die israelitische Kultusgemeinde, die ihre Gottesdienste damals in der St. Nikolauskapelle abhielt, gab einen Sonderbeitrag. Der Sintflutbrunnen, dessen Aufstellung man Ende 1906 erwartete, sollte an den Regierungsantritt des Herzogs Carl Eduard am 23. Juli 1905 erinnern. Zu diesem Zweck wollte die Stadt Coburg eine Plakette an dem Brunnen anbringen. Damit war das Ministerium nicht einverstanden und machte den Vorschlag, den Brunnen Carl-Eduard-Brunnen und den Platz Carl-Eduard-Platz zu nennen. Der Brunnenname könnte sich jedoch nicht durchsetzen. Die Einweihung des Brunnens fand am 15. November 1906 um 11.45 Uhr statt. Der Herzog mit seiner Gemahlin fuhr im Automobil vor. Das erregte damals großes Aufsehen. Zur Einleitung der Feier spielte die Stadtkapelle „Schutzgeist alles Schönen“ von Mozart. Oberbürgermeister Hirschfeld hielt die Weiherede. Den Schluss der Feier, zu der solche Bürger der Stadt eingeladen waren, die irgendwie ein Ehrenamt besaßen, bildete Beethovens Hymne „Die Himmel rühmen“. Lepcke erhielt vom Herzog das Ritterkreuz 1. Klasse, der Direktor der Gießerei den gleichen Orden in der 2. Klasse und aus dem Baumeister Max Frommann wurde ein herzoglicher Baurat.

    Bildquelle:
    Der Sintflutbrunnen (Sammlung Christian Boseckert)

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