Auch das Zentrum der ehemaligen Domäne wurde grundlegend umgestaltet. Gustav Dietrich verließ den Festungshof im Februar 1910. An die Stelle der landwirtschaftlichen Gutsanlage trat ein repräsentativer Neubau nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Witt & Bischoff. Das 1910 errichtete, heute denkmalgeschützte Gebäude bildete die Grundlage des späteren Hotels Festungshof.
Ganz verschwunden ist die ältere Geschichte möglicherweise dennoch nicht. Nach Darstellung der heutigen Eigentümer des Anwesens Festungshof 2 soll das frühere Wohnhaus des Domänenpächters 1910 zerlegt und am benachbarten Standort als Waldwärterhaus wieder aufgebaut worden sein. Andere Darstellungen berichten dagegen, dass ein Arbeiterwohnhaus der Domäne nach Oeslau versetzt worden sei und am Festungshof ein neues Forsthaus entstand. Die Überlieferung zur Verlagerung einzelner Gebäude ist deshalb nicht völlig einheitlich. Eine endgültige Klärung müsste auf Grundlage der erhaltenen Bau- und Domänenakten des Staatsarchivs Coburg erfolgen.
Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Festungshof zu einem bemerkenswerten Ort der Coburger Stadt- und Landesgeschichte. Auf demselben Höhenrücken lassen sich sehr unterschiedliche Nutzungen nachvollziehen: eine frühe Schäferei, ein herrschaftliches Kammergut, ein großflächiges Domänengut, schließlich Forstwirtschaft, Militär, Tourismus und Gastronomie. Die Auflösung von 1910 markiert dabei die entscheidende Zäsur.
Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entschloss sich die herzogliche Domänenverwaltung, den bisherigen Großbetrieb aufzugeben. Die Auflösung wurde bereits in den Jahren zuvor vorbereitet und 1910 endgültig vollzogen. Im Staatsarchiv Coburg hat sich hierzu die Landtagsakte mit dem eindeutigen Betreff „Auflösung des Domänengutes Festungshof sowie Erbauung eines Waldwärterhauses dort“ erhalten. Sie dokumentiert, dass die Aufgabe des Gutes keine beiläufige Veränderung, sondern eine förmliche Neuordnung des Areals war.
Mit dem Ende der Domäne änderte sich auch die Nutzung der zugehörigen Flächen. Besonders bedeutsam war die Brandensteinsebene, das größte zusammenhängende Wiesen- und Feldstück des Gutes. Sie wurde dem in Coburg stationierten III. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 als Exerzierplatz überlassen. 1913 richtete das Militär dort einen Flugstützpunkt ein, aus dem später der Flugplatz Coburg-Brandensteinsebene hervorging. Ein Raum, der lange überwiegend landwirtschaftlich genutzt worden war, erhielt damit zusätzlich eine militärische Funktion.
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Über viele Jahrzehnte wurde der Hof durch wechselnde Pächter bewirtschaftet. Für den Beginn des 19. Jahrhunderts ist Johann Nicol Angermüller überliefert. Ab 1806 hatten zeitweise die Gemeinden Unterlauter und Bertelsdorf die Domäne gemeinsam gepachtet. Es folgten unter anderem Johann Peter Fischer, Johann Valentin Bauersachs, Stephan Höhn, Johann Nicol Leuthäußer sowie Adam und Friedrich Späth. Die lange Reihe der Pächter verdeutlicht die Kontinuität des Festungshofes als regulär verpachtetes herrschaftliches Landgut.
Die letzte und zugleich bekannteste Phase der Domänengeschichte verbindet sich mit Gustav Ludwig Dietrich. Er übernahm den Festungshof 1890 und blieb bis zu dessen Auflösung der letzte Pächter. Dietrich gehörte um 1900 zu den wichtigen Persönlichkeiten der Coburger Landwirtschaft und hatte im Laufe seines Berufslebens mehrere Domänengüter bewirtschaftet. Unter seiner Ägide trat neben die Landwirtschaft bereits eine neue Funktion des Ortes. Gegenüber den Gutsgebäuden ließ er die sogenannte „Mooshütte“ errichten, eine mit Moos verkleidete Holzhütte, in der Spaziergänger Milch, Buttermilch und Butterbrot erhalten konnten. Die kleine Einrichtung wurde besonders bei Familien und Kindern beliebt.
Mit der Mooshütte deutete sich bereits der Wandel an, der den Festungsberg im frühen 20. Jahrhundert erfassen sollte. Die Umgebung der Veste wurde immer stärker als Spazier- und Ausflugsgebiet wahrgenommen. Der Festungshof lag dabei günstig: nahe der Veste, zugleich aber von Wald und offenen Flächen umgeben und mit weitem Blick auf Coburg. Die touristische Nutzung, die später das Erscheinungsbild des Ortes bestimmen sollte, begann somit nicht erst mit dem Hotelbau, sondern entwickelte sich bereits in den letzten Jahren der Domäne.
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Der Begriff „Kammergut“ verweist zugleich auf die herrschaftliche Stellung des Betriebes. Güter dieser Art bildeten einen Teil der wirtschaftlichen Grundlage des Landesherrn und wurden üblicherweise verpachtet. Im 19. Jahrhundert geriet diese Konstruktion zunehmend in den Zusammenhang der sogenannten Coburger Domänenfrage. Unter Herzog Ernst II. wurde in den 1840er Jahren über die Abgrenzung zwischen herzoglichem Privatvermögen und staatlichem Vermögen gestritten. Der Konflikt führte schließlich zu einer Regelung, wonach die Einkünfte aus den Domänen in angemessenem Umfang auch zur Finanzierung der Staatsverwaltung beitragen sollten. Damit waren Güter wie der Festungshof nicht allein landwirtschaftliche Betriebe, sondern zugleich Bestandteil einer grundsätzlichen staats- und finanzpolitischen Auseinandersetzung im Herzogtum.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts begegnet für den Festungshof entsprechend die Bezeichnung Domänengut. Seine wirtschaftliche Bedeutung lässt sich auch an seiner Größe ablesen. 1888 umfasste der Hof 95,3 Hektar. Zum Betrieb gehörten also weit mehr als die Flächen unmittelbar um die Wirtschaftsgebäude; ausgedehnte Äcker, Wiesen und Weiden erstreckten sich in Richtung Rögnersberg und Brandensteinsebene.
Die Schafhaltung war für die damalige Landwirtschaft von erheblicher Bedeutung. Neben Fleisch lieferte sie vor allem Wolle und Dünger und erlaubte zugleich die Nutzung von Flächen, die sich für intensiven Ackerbau weniger eigneten. 1762 erhielt die herzogliche Schäferei außerhalb der Veste ein neues Schäferhaus. Damit wurde der landwirtschaftliche Betrieb an diesem Standort dauerhaft verankert. In den folgenden Jahrzehnten beschränkte sich die Bewirtschaftung nicht mehr allein auf die Schafhaltung. Die Pächter übernahmen zunehmend auch herrschaftliche Äcker und Wiesen auf dem Rögnersberg.
Aus dieser Entwicklung entstand ein regelrechter landwirtschaftlicher Vollbetrieb. Seit 1802 wurde er als „Kammergut Festungshof“ bezeichnet. Zum Anwesen gehörten eine Pächterswohnung mit angebautem Backhaus, eine Remise mit Brennerei, ein Kuhstall, ein Schafhaus und drei Städel. Der Festungshof war damit zu einem komplexen Wirtschaftshof geworden, in dem Viehhaltung, Ackerbau und Verarbeitung miteinander verbunden waren.
Der heutige Festungshof gehört zu jenen Coburger Orten, deren Geschichte sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Das auffällige ehemalige Hotelgebäude lässt leicht vergessen, dass hier über Jahrhunderte Landwirtschaft betrieben wurde. Auf dem Höhenrücken östlich der Veste entstand aus einer herrschaftlichen Schäferei zunächst ein Kammergut und schließlich ein fast hundert Hektar umfassendes Domänengut. Seine Geschichte ist eng mit der wirtschaftlichen Versorgung der Veste, den Besitzverhältnissen des Coburger Herzogshauses und der späteren Erschließung des Festungsberges als Ausflugs- und Erholungsgebiet verbunden.
Der Standort liegt zwischen Festungsberg und Rögnersberg in Richtung der heutigen Brandensteinsebene. Vermutlich wurde das Gelände bereits im Mittelalter genutzt. Für die Mitte des 14. Jahrhunderts wird dort eine Einsiedelei angenommen, die noch auf einer Geleitstraßenkarte der Verbindung Coburg–Kulmbach von 1562 verzeichnet gewesen sein soll. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die ältere Bebauung offenbar beseitigt. Deutlicher fassbar wird die Geschichte anschließend durch eine Festungsschäferei, die für das 17. Jahrhundert belegt ist.
Auch die späteren Bewohner spiegeln die gesellschaftliche Stellung des Hauses wider. Für 1919 wird der Oberingenieur Carl Press als Eigentümer beziehungsweise Bewohner genannt, für 1931 der Coburger Stadtkämmerer Edmund Volk. Volk gehörte später auch der politischen Führung der Stadt an und war von 1952 bis 1956 Zweiter Bürgermeister Coburgs. Diese Angaben beruhen auf einer aus historischen Adress- und Eigentümerdaten zusammengestellten Häuserchronik.
Besonders interessant ist die Festungsstraße 9a jedoch im Zusammenhang mit ihrem Nachbarhaus. Die beiden Anwesen stehen beispielhaft für einen tiefgreifenden Wandel des Festungsbergs: Wo im frühen 19. Jahrhundert noch Bier ausgeschenkt, gekegelt und später in der „Wilhelmshöhe“ getanzt und musiziert wurde, entstanden am Ende des Jahrhunderts ein privates Bildungsinstitut und eine repräsentative Villa. Innerhalb weniger Jahrzehnte verwandelte sich damit ein traditionsreiches Ausflugsgrundstück in einen Teil des vornehmen Coburger Villenviertels.
Architektonisch gehört die Villa zu den auffälligeren neugotischen Bauten des Coburger Festungsbergs. Keßler verwendete den neugotischen Formenschatz bewusst dekorativ und setzte ihn zur repräsentativen Wirkung des Hauses ein. Zur Straße hin wird das Gebäude von einem seitlich angeordneten Zwerchgiebelrisalit bestimmt. Ihm ist eine Veranda vorgelagert, zu der zwei rundbogige Fenstertüren führen. Besonders charakteristisch sind die über Eck gestellten Fialen am Giebel. In vereinfachter Form wiederholen sich solche Elemente an den seitlichen Giebeln und verleihen dem Gebäude seine unverwechselbare Silhouette. Die Fassadengestaltung wird zusätzlich durch Ziegel- und Sandsteingliederungen differenziert. Ein dreiseitiger Erker und die geschlossene Veranda verstärken den malerischen Charakter des Baukörpers.
Damit unterscheidet sich das Haus deutlich von der zurückhaltenderen Wohnarchitektur vieler zeitgleicher Gebäude. Die Neugotik war hier nicht Ausdruck einer tatsächlich mittelalterlichen Bautradition, sondern Teil der historistischen Architektur des späten 19. Jahrhunderts. Giebel, Fialen, Rundbogenöffnungen und unterschiedliche Materialien sollten dem Wohnhaus Individualität und eine repräsentative Erscheinung verleihen. Gerade diese bewusst inszenierte Architektur entsprach dem Charakter des Festungsbergs, auf dem wohlhabende Bürger und Angehörige des gehobenen Bürgertums ihre gesellschaftliche Stellung zunehmend auch durch die Gestaltung ihrer Wohnhäuser sichtbar machten. Die Villa erhielt bereits 1904 einen zusätzlichen Balkon, sodass ihr heutiges Erscheinungsbild schon wenige Jahre nach der Fertigstellung weiterentwickelt wurde.
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Die Villa Festungsstraße 9a gehört zu jener Gruppe repräsentativer Wohnhäuser, die den Coburger Festungsberg im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert grundlegend veränderten. Aus einem zuvor nur locker bebauten Ausflugs- und Gartengebiet entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte eines der bevorzugten Wohnviertel der Stadt. Das heutige Villenquartier am Festungsberg ist gerade wegen dieser stilistischen Vielfalt – von Neugotik und Historismus bis hin zu Jugend-, Reform- und Heimatstil – als Ensemble von besonderer Bedeutung.
Die Vorgeschichte des Grundstücks führt allerdings weiter zurück. Das Areal der heutigen Häuser Festungsstraße 9a und 9b gehörte ursprünglich zu einem ausgedehnten Grundstück, das sich bis zur heutigen Bergstraße erstreckte. Hier befand sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kellerwirtschaft der Coburger Familie Frommann. Aus dem zunächst einfachen Biergarten entwickelte sich später die bekannte Ausflugsgaststätte „Zur Wilhelmshöhe“, die mit Gartenanlagen, Kegelbahn sowie Konzert- und Ballsaal ein beliebtes Ziel der Coburger Bevölkerung war. Damit gehörte das Gelände lange Zeit weniger zur eigentlichen Wohnstadt als vielmehr zur bürgerlichen Freizeitlandschaft am Weg zur Veste.
Eine grundlegende Veränderung setzte in den 1890er Jahren ein. Richard Blanckmeister, Justizrat und Institutsvorsteher, übernahm das Anwesen und ließ die älteren Gebäude der ehemaligen „Wilhelmshöhe“ beseitigen. Auf dem Bereich der heutigen Festungsstraße 9b entstand durch die Coburger Bauunternehmung Bernhard Brockardt ein Erziehungsinstitut beziehungsweise Knabeninternat. 1897 wurde dieses Gebäude durch einen Anbau von Gustav Keßler erweitert. Zwei Jahre später, 1899, entstand unmittelbar daneben das Wohnhaus Festungsstraße 9a. Die überlieferte Eigentümerfolge nennt Blanckmeister als Bauherrn; als Entwerfer der Villa ist wiederum Gustav Keßler belegt.
Die entscheidende Veränderung erfolgte 1893. Der Justizrat Richard Blanckmeister ließ die älteren Gebäude der ehemaligen „Wilhelmshöhe“ abbrechen. An ihrer Stelle errichtete die Coburger Bauunternehmung Bernhard Brockardt ein Institutsgebäude. Seit 1894 wurde das Anwesen als Erziehungsinstitut beziehungsweise Knabeninternat genutzt; 1897 kam ein weiterer Anbau hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte schließlich der Umbau zum Mietwohnhaus. Das heutige Baudenkmal Festungsstraße 9b erinnert durch seine historische Bezeichnung „Zur Wilhelmshöhe“ noch an die gastronomische Vergangenheit des Ortes. Eine knappe Bau- und Nutzungsgeschichte bietet die Denkmalliste zur Festungsstraße.
Von der ursprünglichen Kellerwirtschaft und ihren Gartenanlagen ist im heutigen Erscheinungsbild kaum noch etwas unmittelbar erkennbar. Dennoch besitzt der Ort eine erhebliche stadtgeschichtliche Bedeutung. Der Biergarten der Familie Frommann war Teil einer inzwischen weitgehend verschwundenen Ausflugskultur am Coburger Festungsberg. Er verband die innerstädtische Wirtschaft im Steinweg mit einem großzügigen Ausschank- und Erholungsort am Hang. Aus einer einfachen Kellerwirtschaft entwickelte sich eine vornehme Gartenrestauration mit Kegelbahn, Konzertsaal und weitläufigen Anlagen, ehe das Grundstück einer völlig anderen Nutzung zugeführt wurde.
Die Geschichte des Frommannschen Biergartens verdeutlicht damit beispielhaft, wie sich Coburg im 19. Jahrhundert veränderte: aus einer noch weitgehend abgeschlossenen Residenzstadt wurde eine Stadt, deren Bürger ihre Umgebung zunehmend als Freizeit-, Erholungs- und schließlich als Wohnraum erschlossen. Die spätere Bebauung hat den Garten verschwinden lassen, doch die Bezeichnung „Wilhelmshöhe“ und das Gebäude Festungsstraße 9b bewahren bis heute eine Erinnerung an jene Zeit, als die Coburger zum Biertrinken, Kegeln, Tanzen und Musikhören auf den Festungsberg hinaufstiegen.
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Von der Kellerwirtschaft zur „Wilhelmshöhe“
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Charakter der Anlage. Aus der eher schlichten Kellerwirtschaft entwickelte sich eine anspruchsvollere Ausflugsgaststätte. Für 1864 ist Fritz Frommann noch als Gastwirt nachweisbar. 1872 wurde Thekla Frommann als Gastwirtswitwe geführt. Zu dieser Zeit begegnet für das Lokal bereits die Bezeichnung „Zur Wilhelmshöhe“.
Der Name dürfte nach der Reichsgründung von 1871 bewusst gewählt worden sein. Er konnte sowohl auf Kaiser Wilhelm I. als auch auf das Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel anspielen, in dem der französische Kaiser Napoleon III. nach seiner Gefangennahme im Deutsch-Französischen Krieg interniert worden war. Die Benennung verlieh der Gaststätte einen patriotischen und zugleich vornehmen Klang. Eine eindeutige Erklärung für die Namenswahl ist allerdings bislang nicht belegt.
Die frühere Kellerwirtschaft wurde nun zu einer repräsentativen Gartenrestauration ausgebaut. Historische Beschreibungen nennen einen reich gestalteten Fachwerkbau, eine Kegelhalle und einen eigenen Ziehbrunnen. Eine Anzeige aus dem Jahr 1882 warb mit „schönen Gartenanlagen“, einer Marmorkegelbahn, einem Konzert- und Ballsaal sowie mit einheimischen und auswärtigen Bieren, feinen Weinen und guter Küche. Aus dem ursprünglichen Biergarten war damit ein vielseitiger Vergnügungs- und Veranstaltungsort geworden.
Die Marmorkegelbahn war ein besonders hervorgehobenes Ausstattungsmerkmal. Kegelbahnen gehörten im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten geselligen Einrichtungen größerer Gartenwirtschaften. Der Konzert- und Ballsaal ermöglichte darüber hinaus musikalische Veranstaltungen, Tanzvergnügen, Vereinsfeiern und Familienfeste. Die „Wilhelmshöhe“ richtete sich folglich nicht mehr allein an Spaziergänger, die ein Bier trinken wollten, sondern an ein breiteres, zunehmend anspruchsvolles Publikum.
Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels
Die Entwicklung des Frommannschen Biergartens spiegelt den Wandel Coburgs während des 19. Jahrhunderts wider. Die Stadt wuchs über ihre älteren Grenzen hinaus, und die Hänge um den Stadtkern wurden schrittweise erschlossen. Gleichzeitig veränderten sich die Freizeitgewohnheiten. Spaziergänge, Ausflüge, Gartenkonzerte und gesellige Zusammenkünfte gewannen im bürgerlichen Alltag an Bedeutung. Gaststätten am Stadtrand profitierten von dieser Entwicklung, weil sie Erholung, Aussicht und Unterhaltung miteinander verbanden.
Der Festungsberg nahm dabei eine besondere Stellung ein. Er war landschaftlicher Übergangsraum zwischen Stadt und Veste, zugleich aber auch ein Gebiet, das zunehmend mit Gartenhäusern, Ausflugslokalen und schließlich Villen bebaut wurde. Der Frommannsche Garten gehörte zu den Einrichtungen, die diesen Wandel frühzeitig prägten. Seine Geschichte zeigt, dass die spätere Wohnlage zunächst wesentlich durch Freizeitnutzung und Gastronomie erschlossen wurde.
Trotz ihrer aufwendigen Ausstattung konnte sich die „Wilhelmshöhe“ auf Dauer offenbar nicht als großer Vergnügungsbetrieb behaupten. Die Eigentümer und Betreiber wechselten mehrfach. Nach der Familie Frommann sind unter anderem Josef Reichardt und weitere Besitzer überliefert. Um 1890 wurde die Anlage in eine Molkereikuranstalt mit eigener Gastronomie umgewandelt. Dort reichte man morgens und abends frische Ziegenmilch. Unter dem Hofapotheker Günther wurde das gesundheitliche Angebot erweitert; bei Morgenmusik konnten die Gäste Brunnen- und Heilwässer zu sich nehmen. Dieser bemerkenswerte Wandel vom Biergarten zur Kuranstalt entsprach der zeitgenössischen Begeisterung für Naturheilkunde, Trinkkuren und gesundheitsfördernde Lebensweisen.
Der Frommannsgarten im Urkataster von 1862, im unteren Bildbereich sind die beiden Hofgartenpavillons zu erkennen.
Noch bevor sich der Coburger Festungsberg im späteren 19. Jahrhundert zu einem bevorzugten Villenviertel entwickelte, war er ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Ausflügler. Zu den bekanntesten Einkehrmöglichkeiten gehörte der Biergarten der Familie Frommann. Er befand sich auf einem weitläufigen Grundstück im Bereich der heutigen Festungsstraße 9a und 9b, das sich bis zur heutigen Bergstraße erstreckte. Die erhöhte, damals noch vergleichsweise locker bebaute Lage verband die Nähe zur Stadt mit einer naturnahen Umgebung und machte die Anlage zu einem attraktiven Ziel der Coburger Bevölkerung.
Die Familie Frommann war über lange Zeit fest im wirtschaftlichen Leben der Stadt verankert. Ihr Stammhaus befand sich im Steinweg 15, das von 1658 bis 1919 in Familienbesitz blieb. Dort unterhielt der Bierwirt und Bäckermeister Georg Friedrich, genannt Fritz Frommann, seine Stadtwirtschaft. Das bis heute erhaltene Gebäude gehört zu den älteren Bürgerhäusern des Steinwegs und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Die amtliche Denkmaldokumentation verzeichnet die lange Verbindung des Anwesens mit der Familie Frommann.
Als Ergänzung zur innerstädtischen Gastwirtschaft richtete Frommann am Festungsberg eine sogenannte Kellerwirtschaft ein. Solche Wirtschaften entstanden häufig dort, wo Bier in kühlen, in den Hang getriebenen Kellern gelagert wurde. Da das Bier unmittelbar am Lagerort ausgeschenkt werden konnte, entwickelten sich über den Kellern schattige Gartenwirtschaften. Der Frommannsche Biergarten gehört damit zu jener Gastronomiekultur, aus der die fränkischen Bierkeller und Biergärten hervorgingen.
Ein Ausflugsziel vor den Toren der Stadt
Die Anfänge der Wirtschaft werden bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückgeführt. Für das Grundstück der heutigen Festungsstraße 9b ist bereits seit etwa 1804 eine Ausflugsgaststätte überliefert. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts erscheint sie als Kellerwirtschaft des Bierwirts Fritz Frommann. Von der Stadt aus konnte man sie über den Steinweg und den ansteigenden Weg zum Festungsberg erreichen. Der Besuch ließ sich mit einem Spaziergang zur Veste oder durch die Anlagen am Berghang verbinden.
Der Biergarten dürfte zunächst vergleichsweise einfach ausgestattet gewesen sein. Im Mittelpunkt standen der Ausschank des gelagerten Bieres, schattige Sitzplätze und die Aussicht über Teile der Stadt. Nach einer späteren Schilderung des Coburger Heimatforschers Ernst Eckerlein wurde das Bier in sogenannten Schlotterkrügen ausgeschenkt. Damit bewahrte die Wirtschaft eine ältere Form Coburger Bierkultur, bei der weniger ein aufwendig ausgestattetes Lokal als vielmehr das Zusammensitzen unter freiem Himmel im Vordergrund stand.
Der Frommannsche Garten war jedoch nicht nur ein gastronomischer Betrieb. Er bildete zugleich einen sozialen Begegnungsraum. Handwerker, Bürgerfamilien, Spaziergänger und Besucher der Veste konnten hier außerhalb der engen Altstadt zusammenkommen. Gerade an Sonn- und Feiertagen bot der Festungsberg die Möglichkeit, städtische Geselligkeit mit Naturerlebnis und Aussicht zu verbinden. Der Biergarten war somit Teil einer neuen bürgerlichen Freizeitkultur, die sich im 19. Jahrhundert zunehmend herausbildete.
Mit der Familie ist außerdem der bedeutende Germanist und Sprachforscher Georg Karl Frommann verbunden. Er wurde 1814 in Coburg als Sohn des Bierwirts geboren, besuchte das Gymnasium Casimirianum und arbeitete später als Lehrer, Sprachforscher und Bibliothekar. Seit 1853 war er am Germanischen Museum in Nürnberg tätig und stieg dort zum zweiten Vorstand auf. Bekannt wurde er besonders durch seine Forschungen zu den deutschen Mundarten und seine Bearbeitung von Johann Andreas Schmellers „Bayerischem Wörterbuch“. Die Deutsche Biographie würdigt ihn als einen bedeutenden Vertreter der Sprach- und Mundartforschung des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte des Biergartens berührt damit zugleich die Biografie einer über Coburg hinaus bedeutenden Persönlichkeit.
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Villa "Zum Sonnenreiter" in der Festungsstraße
Die ehemalige Villa Festungsstraße 7, die vor allem unter der Bezeichnung „Zum Sonnenreiter“ in Erinnerung geblieben ist, gehörte zu den frühen Villenbauten am Coburger Festungsberg. Das Viertel entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem bevorzugten Wohngebiet in unmittelbarer Nachbarschaft von Hofgarten und Veste. Entlang der Festungsstraße entstanden seit den 1860er Jahren repräsentative Wohnhäuser, die mit neugotischen, spätklassizistischen und später historistischen sowie jugendstilzeitlichen Formen das Erscheinungsbild des Hanges prägten. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bewertet das Villenviertel Festungsberg heute als Ensemble, an dem sich die architektonische Entwicklung mehrerer Jahrzehnte besonders anschaulich ablesen lässt.
Eine lokalhistorisch überlieferte Besitzerfolge setzt für das Grundstück Festungsstraße 7 im Jahr 1860 ein. Damals ließ Sophie von Meyern-Hohenberg hier eine Villa errichten. 1888 wird Auguste von Meyern-Hohenberg als Besitzerin genannt, 1890 folgte die Privatiere Liddy Liebscher. Nach deren Tod beziehungsweise dem Übergang an die Erbengemeinschaft Liebscher gelangte das Anwesen 1904 an Prof. Dr. med. Max Breitung. Für 1919 ist dessen Witwe Auguste Breitung und für 1955 Dr. Carl Friedrich aus München-Bogenhausen als Eigentümer genannt.
Besonders die Zeit Max Breitungs dürfte für die spätere Gestalt und Identität des Hauses von Bedeutung gewesen sein. Max August Friedrich Breitung (1852–1921) war Mediziner, insbesondere auf den Gebieten der Ohren- und Kehlkopfheilkunde tätig, und veröffentlichte zahlreiche medizinische Arbeiten. Daneben trat er unter dem Schriftstellernamen Meo Breo als Lustspiel- und Bühnenautor hervor. Er führte den Titel eines Geheimen Medizinalrats und Professors und starb 1921 in Coburg.
Die ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammende Villa wurde im Laufe ihrer Geschichte verändert und zeigte zuletzt eine eingeschossige, barockisierende Gestaltung. Ihr unverwechselbares Kennzeichen befand sich im Zwerchgiebel der zur Straße gerichteten Fassade: Dort wurde 1908 ein aufwendig gearbeitetes Mosaik mit dem sogenannten „Sonnenreiter“ angebracht. Der Künstler ist bislang nicht bekannt. Das filigrane Bildfeld zeigte einen lanzentragenden Reiter vor einer halbkreisförmigen Sonnenscheibe. In der Denkmalliteratur wird die Gestaltung in die Nähe der Beuroner Kunst gerückt. Gerade die Verbindung von Architektur und großflächigem figürlichem Mosaik war für Coburger Wohnhäuser ungewöhnlich und verlieh dem Anwesen seine besondere Identität.
Von diesem Mosaik leitete sich schließlich die Bezeichnung „Zum Sonnenreiter“ ab. Der Reiter war nicht lediglich ein dekoratives Detail, sondern wirkte wie ein Hauszeichen. Das Motiv verband Bewegung, Licht und eine beinahe symbolistische Bildsprache. Entstanden in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, steht es stilistisch an der Schnittstelle zwischen spätem Historismus, Jugendstil und einer damals verbreiteten Wiederentdeckung monumentaler, religiös oder symbolistisch geprägter Wandkunst. Die Zuschreibung zur Beuroner Kunst bezieht sich insbesondere auf die stark flächenhafte, lineare und bewusst stilisierte Darstellung des Motivs.
Zur künstlerischen Ausstattung des Gartens gehörte noch ein zweites bemerkenswertes Werk. 1910 entstand eine Stele beziehungsweise ein kannelierter Säulenschaft mit einer bronzenen, eine Kugel tragenden Puttengruppe. Die aktuelle Denkmalliste schreibt diese Arbeit W. Menzel zu. Damit besaß das Anwesen neben dem Sonnenreiter einen weiteren qualitätvollen plastischen Akzent, der den repräsentativen Charakter des Villengartens unterstrich.
Das Schicksal der Villa steht zugleich exemplarisch für einen problematischen Abschnitt der Coburger Stadtentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. 1975 wurde das historische Gebäude abgebrochen und durch einen modernen Bungalow ersetzt. Damit ging eines der charakteristischen älteren Wohnhäuser des Festungsberges verloren. Bemerkenswert ist jedoch, dass man zumindest Teile der künstlerischen Ausstattung bewahrte. Das Sonnenreiter-Mosaik wurde beim Abbruch gerettet und nach der Denkmaldokumentation zunächst an der Gartenveranda des Neubaus angebracht. Auch die Stele mit der bronzenen Puttengruppe blieb erhalten.
Die Villa Festungsstraße 5 gehört zu den bemerkenswerten historischen Wohnbauten am Coburger Festungsberg. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück und spiegelt zugleich die Entwicklung des Areals zwischen Altstadt, Hofgarten und Veste zu einem bevorzugten großbürgerlichen und höfischen Wohnquartier wider. Das heutige Villenviertel Festungsberg entstand seit den 1860er Jahren und zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Vielfalt von Neugotik, Spätklassizismus, Historismus und später auch Jugendstil aus. Die Festungsstraße folgt dabei dem westlichen Rand des Hofgartens bergauf in Richtung Veste.
Die Villa Nr. 5 entstand bereits 1865 und gehört damit zu den frühen Bauten dieser Entwicklung. Als Bauherr beziehungsweise erster Bewohner erscheint eine für die Coburger Kulturgeschichte besonders interessante Persönlichkeit: der Schauspieler Friedrich Haase (1825–1911). Nach den Angaben der Coburger Denkmalliteratur errichtete der Maurermeister Paul Gehrlicher – in der Denkmalliste teilweise als „Gerlicher“ geschrieben – das Gebäude für den damals aus St. Petersburg kommenden Schauspieler. Haase hatte mehrere Jahre am deutschsprachigen Theater in St. Petersburg gewirkt und gehörte bereits zu den renommierten Bühnendarstellern seiner Zeit. 1866 kam er an das Coburger Hoftheater, wo er als Schauspieler und Regisseur tätig wurde und 1867/68 zeitweise die Leitung des Hoftheaters übernahm. Damit steht die Villa bereits am Beginn ihrer Geschichte in enger Verbindung mit dem Coburger Theaterleben.
Der ursprüngliche Bau war ein zweigeschossiges Wohnhaus, dessen charakteristisches Element bereits der aus dem Baukörper herausragende dreigeschossige achteckige Turm bildete. Seine Zinnenbekrönung verleiht dem Gebäude bis heute einen ausgesprochen repräsentativen, an die neugotische Architektur erinnernden Charakter. Die Denkmalliteratur nennt für 1892 einen neugotischen Umbau; spätestens damit erhielt das ursprünglich noch stärker vom Villenbau der 1860er Jahre geprägte Haus jene historistische Erscheinung, die seine heutige Wirkung wesentlich mitbestimmt.
Auch die Reihe der Bewohner verweist auf die gesellschaftliche Stellung des Hauses. Eine lokalhistorische Zusammenstellung nennt nach Friedrich Haase zunächst die Rechtsanwaltswitwe Sophie Eck, ab 1884 Gustav von Padberg und ab 1893 den Geheimen Rat Eduard Tempelthey. Besonders von Padberg verbindet die Villa unmittelbar mit der Coburger Hofgesellschaft. Gustav von Padberg war Schlosshauptmann und Hofmarschall und lebte mit seiner Familie zwischen 1884 und 1893 in der neugotischen Villa an der Festungsstraße. Seine Ehefrau Bertha Luise war eine außereheliche Tochter Herzog Ernsts II. von Sachsen-Coburg und Gotha.
Eine weitere prägende Phase begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Louis Anton Freiherr von Horst (1865–1947). Der deutsch-amerikanische Unternehmer und Hopfenhändler war 1899 von Herzog Alfred in den Sachsen-Coburg und Gothaischen Adels- und Freiherrenstand erhoben worden und gehörte zu den international orientierten Unternehmerpersönlichkeiten der Stadt. Seit 1901 war er Coburger Bürger. Das Anwesen Festungsstraße 5 befand sich längere Zeit im Besitz der Familie von Horst.
Gerade während dieser Zeit wurde das Gebäude nochmals erheblich verändert. Der Coburger Architekt und Baumeister Paul Schaarschmidt ergänzte die Villa 1906 und 1908 durch Veranden und weitere Anbauten. Schaarschmidt gehörte zu den bedeutenden Coburger Architekten des frühen 20. Jahrhunderts und war an zahlreichen historistischen und vom Jugendstil beeinflussten Bauten beteiligt. Die verschiedenen Bauphasen wurden dabei zunehmend zu einem repräsentativen Gesamtbild zusammengeführt.
Bemerkenswert ist außerdem die kulturelle Nutzung des Hauses. Louis von Horsts Ehefrau Carita Helena Partello von Horst, die selbst Klavier und Gesang studiert hatte, unterhielt in der Villa eine Opernschule. Damit setzte sich auf andere Weise jene Verbindung zwischen dem Haus und der Musik- und Theaterwelt fort, die bereits mit Friedrich Haase begonnen hatte. Aus einem privaten Wohnsitz wurde zeitweilig also auch ein Ort musikalischer Ausbildung
Der Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Friedrich Ludwig Heinrich Haase wurde am 1. November 1825 in Berlin geboren und starb dort am 17. März 1911. Sein Vater stand als Kammerdiener im Dienst des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der zugleich Haases Taufpate war und seine Hinwendung zum Theater förderte. Eine wichtige Grundlage seiner künstlerischen Ausbildung erhielt Haase bei dem Dichter und Shakespeare-Kenner Ludwig Tieck. Nach seinem Bühnendebüt 1845 führte ihn seine Laufbahn über Weimar, Potsdam, Berlin, Prag, Karlsruhe, München, Frankfurt am Main und St. Petersburg. Schon vor seiner Coburger Zeit hatte er sich damit als einer der angesehensten deutschsprachigen Charakterdarsteller seiner Generation etabliert.
1866 kam Haase an das herzogliche Hoftheater nach Coburg, zunächst als Schauspieler und Regisseur. In der Vestestadt errichtete er auch eine Villa am Festungsberg. Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der selbst ein ausgeprägtes Interesse an Musik und Theater besaß, hatte damit einen bereits international renommierten Künstler an seine Hofbühne geholt. In der Spielzeit 1867/68 nahm Haase die Funktion des künstlerischen Direktors des Hoftheaters wahr. Die eigentlichen Verwaltungsaufgaben waren davon getrennt, sodass seine Stellung eher der künstlerischen Leitung als einer Intendanz im heutigen Sinne entsprach.
Besondere Bedeutung gewann seine Coburger Tätigkeit durch seine Beschäftigung mit William Shakespeare. Haase inszenierte hier unter anderem Hamlet nach dem Vorbild moderner englischer Shakespeare-Aufführungen, insbesondere der Inszenierungspraxis Charles Keans. Die Aufführung zeichnete sich durch eine stärkere historische und szenische Geschlossenheit aus und gilt als eine wichtige Anregung für die wenig später europaweit bekannt gewordene Inszenierungspraxis des Meininger Hoftheaters. Damit nahm das Coburger Hoftheater unter Haase für kurze Zeit eine bemerkenswerte Stellung in der Entwicklung der deutschen Schauspielregie ein.
Haase blieb jedoch nur kurze Zeit dauerhaft in Coburg. Nach Aufgabe seines Engagements wandte er sich wieder verstärkt Gastspielen zu und reiste 1869 erstmals in die Vereinigten Staaten. Von 1870 bis 1876 leitete er das Leipziger Stadttheater. Später gehörte er zu den Mitbegründern des 1883 eröffneten Deutschen Theaters in Berlin. Bis in die 1890er Jahre blieb Haase als Schauspieler tätig und zählte mit seiner differenzierten Darstellungskunst, seinem ausgeprägten Mienenspiel und der Verkörperung vornehmer und charakterlich vielschichtiger Figuren zu den bekanntesten deutschen Bühnendarstellern des 19. Jahrhunderts. Seine Erinnerungen veröffentlichte er 1897 unter dem Titel Was ich erlebte. 1846–1896.
Für die Coburger Theatergeschichte ist Friedrich Haase vor allem deshalb von Bedeutung, weil mit ihm unter Herzog Ernst II. für kurze Zeit ein Künstler von internationalem Rang die künstlerische Leitung des Hoftheaters übernahm und mit seiner Shakespeare-Pflege neue Impulse für eine historisch und szenisch durchdachte Schauspielinszenierung setzte.
Oskar Straßburger – Kaufmann zwischen Sonneberg, Coburg und New York
Der Kaufmann und Unternehmer Oskar Straßburger wurde am 29. Januar 1829 geboren und entstammte einer Sonneberger Unternehmerfamilie, die eng mit der dortigen Spielwarenproduktion verbunden war. Über seine Mutter Julie Straßburger, geborene Müller, gehörte er zum Umfeld der Familie Müller, die bereits früh in der Herstellung von Papiermaché-Puppen und Spielwaren tätig war.
Im März 1848 wanderte Oskar Straßburger gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm von Sonneberg nach Nordamerika aus. Dort knüpfte er geschäftliche Kontakte und erschloss insbesondere den amerikanischen Markt. Seine Verbindung zur Heimatregion blieb jedoch bestehen. Spätestens in den 1860er Jahren ist Straßburger wieder in Deutschland nachweisbar.
Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm gründete er 1860 in Sonneberg die Porzellanfabrik Wilhelm Straßburger & Co. Das Unternehmen stellte unter anderem Gebrauchsporzellan, Krüge, Vasen und weitere Waren her. Ein wesentlicher Teil der Produktion war für den nordamerikanischen Markt bestimmt. Der Amerikanische Bürgerkrieg führte jedoch zu erheblichen Absatzproblemen, sodass die Fabrik bereits 1864 Konkurs anmelden musste.
In den folgenden Jahren lässt sich Oskar Straßburger besonders eng mit Coburg verbinden. 1867 ließ er in der heutigen Festungsstraße 4 eine repräsentative Villa errichten. Wenig später besaß er außerdem weitere Grundstücke beziehungsweise Anwesen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Besonders aussagekräftig ist eine Urkunde von 1869, in der er ausdrücklich als „Oscar Straßburger in Coburg“ bezeichnet wird. Dies spricht dafür, dass Straßburger zu dieser Zeit tatsächlich in Coburg lebte oder dort zumindest einen festen Wohnsitz unterhielt.
Gleichzeitig blieb er wirtschaftlich mit Nordamerika verbunden. Unter seinem Namen bestand in New York die Firma Oscar Strasburger & Co., die mit Spielwaren, Porzellan, Galanteriewaren und weiteren Konsumgütern handelte. Das Unternehmen gehörte zu jenen Handelshäusern, die deutsche und europäische Waren auf dem amerikanischen Markt vertrieben. Ein umfangreicher Firmenkatalog aus dem Jahr 1880 dokumentiert das breite Sortiment des Unternehmens. Die Existenz dieser New Yorker Firma bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Straßburger selbst dauerhaft wieder in den Vereinigten Staaten lebte. Sein genauer Lebensmittelpunkt in den späteren Jahrzehnten ist bislang nicht abschließend geklärt.
In den frühen 1880er Jahren gerieten Straßburgers wirtschaftliche Verhältnisse zunehmend unter Druck. Mitte des Jahrzehnts wurden seine geschäftlichen Aktivitäten teilweise aufgegeben beziehungsweise abgewickelt; auch sein Coburger Grundbesitz wechselte den Eigentümer.
Oskar Straßburger starb am 28. Oktober 1887 im Alter von 58 Jahren. Seine Biografie steht beispielhaft für die internationale Vernetzung der Sonneberger Wirtschaft im 19. Jahrhundert. Als Kaufmann und Unternehmer verband er Sonneberg, Coburg und den nordamerikanischen Markt miteinander. Dabei war Coburg spätestens seit den späten 1860er Jahren ein wichtiger persönlicher und wirtschaftlicher Bezugspunkt, während New York vor allem für seine internationalen Handelsgeschäfte von Bedeutung blieb
[[File:f11793357t507960p7265580n2_SGhNufDZ.jpg|none|auto]] [[File:f11793357t507960p7265586n2_JHGguWhS.jpg|none|auto]] Festungsstraße 3 und 4
Christian Friedebach und der Betrieb des Gartens
Für das Jahr 1860 ist Christian Friedebach als Inhaber des Casino-Biergartens nachgewiesen. Seine Nennung bei mehreren späteren Hausgrundstücken zeigt, dass er nicht nur einen kleinen Ausschank, sondern eine zusammenhängende größere Anlage bewirtschaftete.
Friedebach trat auch an anderer Stelle als Betreiber eines Gartenlokals hervor. Im Jahr 1866 erwarb er Grundstücke am Plattenäcker und richtete dort einen Biergarten ein. Aus dieser Anlage entwickelte sich später das bekannte Ausflugslokal „Capelle“. Dies deutet darauf hin, dass Friedebach über Erfahrung im Betrieb von Sommer- und Ausflugsgaststätten verfügte und möglicherweise bereits nach einem neuen Standort suchte, als sich das Ende des Casinogartens abzeichnete.
Vom Biergarten zum Villenviertel
In den Jahren 1866 und 1867 begann die Aufteilung und Bebauung des ehemaligen Gartengeländes. Auf dem späteren Grundstück Festungsstraße 3 ließ der Gastwirt Ferdinand Wustlich 1866 ein neues Wohnhaus errichten. Ein Jahr später entstand auf dem Areal der späteren Nummer 3a ein Wirtschaftslokal. Ebenfalls 1867 ließ der Kaufmann Oscar Straßburger auf dem Grundstück Festungsstraße 4 eine Villa erbauen.
Diese Villa ist bis heute erhalten. Der neugotische Bau mit Satteldach, Zwerchhausrisalit, Erker, geschlossener Veranda und Aussichtsturm wurde von dem Coburger Architekten Hans Rothbart entworfen. Die Bayerische Denkmalliste führt das Gebäude als Baudenkmal.
Das Ende des Casinogartens war Teil eines umfassenderen städtebaulichen Wandels. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege entstanden entlang des Hofgartens seit 1867 stattliche Villen, vornehmlich in neugotischer Formensprache. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus ein charakteristisches Villenquartier mit Bauten des Spätklassizismus, Historismus, Jugend-, Reform- und Heimatstils.
Aus einem locker bebauten Erholungsgebiet mit Gartenwirtschaften wurde damit eine der bevorzugten Wohnlagen Coburgs. Die Parzellierung des Casinogartens steht beispielhaft für diesen Wandel.
Wirtschaftsgebäude des Casinogartens an der Oberen Klinge
Ein Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft
Nach den Adressbuch- und Werbehinweisen richtete sich der Casinogarten vornehmlich an die „bessere Gesellschaft“. Die Gäste kamen vermutlich nach einem Spaziergang durch den Hofgarten hierher, um den Nachmittag bei Bier oder Kaffee ausklingen zu lassen. Dass neben Bier auch Kaffee ausgeschenkt wurde, spricht für den Charakter eines gehobenen Garten- und Ausflugslokals.
Die unmittelbare Nähe zum Hofgarten war ein entscheidender Standortvorteil. Der Festungsberg gehörte zu den bevorzugten Spaziergebieten der Residenzstadt. Von der Innenstadt aus war der Casinogarten bequem zu Fuß zu erreichen, zugleich lag er außerhalb der engeren und dicht bebauten Altstadt. Die schattigen Bäume, die erhöhte Lage und der Blick in die umgebende Gartenlandschaft machten den Ort besonders im Sommer attraktiv.
Die Kegelbahn war dabei mehr als eine bloße Nebeneinrichtung. Das Kegeln gehörte im 19. Jahrhundert zu den beliebtesten geselligen Freizeitbeschäftigungen. Die Bahn bot den Gästen Unterhaltung und ermöglichte der Gesellschaft, gemeinsame Wettbewerbe oder kleinere Festveranstaltungen auszurichten. Ihre wahrscheinlich überdachte Ausführung verlängerte die Nutzbarkeit auch bei ungünstiger Witterung.
Wie das Wirtsgebäude im Einzelnen ausgestattet war, ist bislang nicht überliefert. Der Katasterplan zeigt jedoch einen festen Baukörper und widerlegt damit die Vorstellung eines ausschließlich aus einfachen Bretterbuden und offenen Ausschankständen bestehenden Biergartens.
Biergartenkultur am alten Festungsberg
Der Casinogarten war nicht die einzige Sommerwirtschaft in diesem Gebiet. Am Festungsberg bestanden zeitweise drei größere Biergärten: der Fischersgarten in der Nähe der späteren Oberen Klinge, der Casinogarten hinter beziehungsweise östlich von St. Augustin und der Frommannsgarten weiter oben an der Festungsstraße. Letzterer entwickelte sich später zum Ausflugslokal „Wilhelmshöhe“.
Für den benachbarten Fischersgarten ist eine vergleichsweise einfache Ausstattung überliefert. Dort standen ein Gartenhaus, offene Hütten und eine Sandkegelbahn. Die Besucher saßen an langen, ungestrichenen Holztischen und Bänken. Bier wurde in sogenannten Schlotterkrügen ausgeschenkt; die Gäste brachten ihre Brotzeit teilweise selbst mit. Ziehharmonikamusik, Windlichter und Öllampen sorgten für Unterhaltung und Beleuchtung.
Diese Beschreibung darf nicht unverändert auf den Casinogarten übertragen werden. Sie vermittelt jedoch einen Eindruck von der allgemeinen Coburger Biergartenkultur jener Zeit. Der Casinogarten dürfte sich durch sein festes Wirtsgebäude, seine überdachte Kegelbahn und seine gesellschaftlich gehobene Ausrichtung von den einfacheren Kellerwirtschaften unterschieden habe
[[File:13888,1.jpg|none|auto]] Ehemaliges Casinogebäude in der Theatergasse
Das Gelände umfasste mehrere spätere Grundstücke
Auswertungen historischer Coburger Adressbücher unterstützen diesen Befund. Für das Jahr 1860 wird der Biergarten der Casinogesellschaft nicht nur im Zusammenhang mit dem späteren Anwesen Festungsstraße 4 genannt. Auch die Grundstücksgeschichten der heutigen Häuser Festungsstraße 3 und 3a beginnen mit dem Hinweis auf den Casinogarten. Als Inhaber beziehungsweise Betreiber erscheint jeweils der Gastwirt Christian Friedebach.
Der Katasterplan und die Adressbuchangaben ergänzen sich damit gegenseitig. Das mit der Nummer 98 bezeichnete Gartengrundstück wurde bei der späteren Erschließung offenbar geteilt beziehungsweise mit angrenzenden Flächen neu geordnet. Auf Teilen des ehemaligen Casinogartens entstanden anschließend die Anwesen Festungsstraße 3, 3a und 4.
Der Mittelpunkt des alten Gartens dürfte zwar im Bereich der heutigen Villa Festungsstraße 4 gelegen haben. Der Gesamtbetrieb erstreckte sich jedoch über eine wesentlich größere Fläche. Der Casinogarten war damit eine der umfangreicheren gastronomischen Anlagen am damaligen Stadtrand. Was bedeutete der Name „Casino“?
Der Name darf nicht mit einer heutigen Spielbank verwechselt werden. Im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts bezeichnete ein „Casino“ häufig ein Gesellschaftshaus beziehungsweise eine Vereinigung, deren Mitglieder sich zu Unterhaltung, Bildung und geselligem Austausch trafen. Solche Gesellschaften waren besonders unter Angehörigen des gehobenen Bürgertums, höheren Beamten, Offizieren und wirtschaftlich erfolgreichen Bürgern verbreitet.
Auch in Coburg bestand eine solche Casinogesellschaft. Sie erwarb 1816 ein Anwesen in der Theatergasse 1 und ließ es für ihre Zwecke umbauen. Im Staatsarchiv Coburg befindet sich eine Akte über die „Errichtung der Casinogesellschaft“ mit einer Laufzeit von 1817 bis 1857. Das Gesellschaftshaus in der Theatergasse ging 1858 in die Nutzung als Freimaurerloge über und wurde in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 zerstört.
Der Garten am Festungsberg bildete gewissermaßen das sommerliche Gegenstück zu den Gesellschaftsräumen in der Innenstadt. Während man sich im Winter oder bei offiziellen Anlässen im Haus in der Theatergasse versammelte, bot der Casinogarten während der warmen Jahreszeit Gelegenheit zu Aufenthalt und Unterhaltung im Freien.