Im Umgang mit der Geschichte Coburgs taucht der Name Conrad Rüger auf. Er lebte zur Zeit des 30 jhrg.Krieges und war "Constabler"...ein Mann der Artillerie.. Er verstand sich darauf mit den damaligen Kanonen zu schiessen und alles was dazu gehörte. (in der Veste wird in der Gedeckten Batterie alles sehr gut erklärt) Während der Belagerung der Veste im Sep./ Okt 1632 durch die Truppen Wallensteins, war Rüger auf der Veste und gab dazu einen Bericht. Conrad Rüger erzählt..... Am 24. September begannen die Kayserlichen die Beschiessung, machten Laufgräben am "Fürwitz" und beschossen die "Schindel" und die hohe Bastei mit Granaten, taten aber keinen Schaden wegen fleissiger Hut und Wacht derer in der Festung, welche sie mit nassen Kuh und Ochsenhäuten dämpften. Die in der Festung schliefen auch nicht, spielten( schossen) tapfer unter sie mit Stücken,Doppelhaken, Musketen und Feuerröhren. Am 30. Sept. 12 Uhr nachts kam der Feind an die Futtermauer gegen der neuen Bastei ( Bärenbastei ?) über, in der Meinung solche zu ruinieren, wurde aber von einen Constabler mit 20 Handgranaten also bewillkommt, das es ihnen nicht gefallen, mussten Reisaus nehmen!... Erneute Übergabe -Aufforderungen wurden nicht beachtet, obgleich die Festung vollkommen ungenügend verprofiantiert war, namentlich herrschte Mangel an Brot,Bier und Wasser, da man während der Belagerung aus dem einzigen grossen Brunnen,in welchem doch ein grosser Schafhund gefallen,trinken musste! Den 2. Okt. kommandierte der Herr Obrist ( Taupadel ?), 18 Dragoner und 8 "Ausschüsser" zum Ausfall auf die Feinde und mich,Rüger, mit 2 Falkaunen mit Hagel geladen, auf der Neuen Bastei stehend, auf den Feind Feuer zu geben. Auf dem Blauen Turm waren Jäger kommandiert, auf den Mauern und Blauen Kemnaden (?) Bürger,Dragoner und Musketier mit Doppelhaken, Feuerröhren, und Musketen , um auf die Scheunen und das daran stehende Haus,in welchem sich die Feinde stark aufhielten und wohl versehen hatten,losbrennen. Nachdem gedachte 26 Mann auf der Leiter den Wall hinauf stiegen, ihr Gewehr und Werkzeug parat in Händen und die Scheunen anzustecken begierig waren, gab ich mit meinen 2 Falkaunen Feuer auf das Haus. Nachdem fingen die Doppelhaken auf allen Orten und Enden an zu klingen. Auf dem Blauen Turm wurde ein Musketier durch den Kopf geschossen, namens Claus Rüger, welcher mein Bruder war. Alles Gewehr,auf der blauen Kemnaden, Mauern und Basteien begann gegen den Feind zu klingen... Die 9 Dragoner Standarten wurden auf der Bastei geschwungen und wurden die Dragoner ganz munter und fröhlich und liessen ihr Spiel tapfer klingen. Doch konnte der Brand,weil der Feind so stark widerstand, nicht vollbracht werden,indem er auf die neue Bastei tapfer Feuer gab, das meine Handlanger verwundet und einer durch die Achsel, der andere durch den Arm geschoosen wurde. Obwohl die ausgefallenen Personen sich männlich und redlich im Fechten hielten, wurden sie doch gezwungen, sich gegen die Festung zu retierieren, aus welcher sie mit Stücken salviert und defentiert wurden. Einer von den Ausgefallenen wurde im Heraufmarsch durch den Rücken geschossen und todt in die .Festung gebracht ! Auch brachten sie 2 Gefangene mit,von denen einer,wie sie auf den Wall kamen, ausruss, der andere aber,welcher auch Willens war auszureissen, wurde ohne Leiter in den Graben geschickt, ohne grossen Schaden, nur das ihm 2 Rippen im Leib entzwei gingen.Dieser wurde vor dem Herrn Obrist gebracht und berichtete ihm, das der Feind entschlossen sei, nächstkommenden Donnerstag die Festung heftig zu bestürmen , worüber aber der Herr Obrist sich nicht entsetzte, sondern Anordnung machte, streckige Wehren im Graben zu verfertigen, Abschnitte zu machen und erwartete also nit Verlangen des feindlichen Sturms. F.folgt
Nächsrfolgenden Donnerstag liess der Herr Obrist 26 Dragonerpferde todt schiessen wegen Mangel des Futters und damit der Feind nicht inne würde, dass sie Mangel an Futter litten, wurden diese Pferde alle in den Schwibbogen auf der Bärenbastei geschleift und mit Mist hedeckt. Unterdessen wütete der Feind mächtig im ganzen Land mit Morden,Rauben und Brennen, steckte Eisfeld, Heldburg,,Rodach,Ummerstadt alles in Brand. Mittags um 12 Uhr fügte sich eine grosse Anzahl Volks auf dem Rögnersberg( Brandensteinsebene) , allda .zu approchieren. Kaum hatten sie den Anfang gemacht, gab ich mit drei Feldschlangen Feuer unter sie, das ihrer viele in die Luft flogen, etliche aber wollten weichen, welche ein Offizier mit dem blosen Degen, auf einen weisen Pferd sitzend, selbige anzutreiben sich sehr bemühte.Es wurde aber wieder von mir mit 2 Feldschlangen Feuer unter sie gegeben, so das ihrer viele blieben und endlich vom Approchieren abzulassen gezwungen wurden. Des Abends um 9 Uhr entstand eine Feuersbrunst vor dem Steintor, wovon eine Seite ganz abbrannte. Daher machten sich die auf der Festung Gedanken, als hätte es der Feind nach seinen vorigen Drohungen angezündet, worauf auf der neuen Bastei mit einer Felschlange 3 mal Feuer gegeben wurde, in Meinung den Feind abzuhalten. Als ihnen aber durch das grosse Geschrei offenbar wurde das dem nicht so wäre, liessen sie es bleiben und riss das Feuer durch Gotts Gnade nicht weiter. Mittwoch chargierten die aus der Festung wieder auf obgedachte Scheunen- Haus und Laufgräben mit Stücken,Doppelhaken, Musketen und Feuerröhren. Hingegen wehrte sich der Feind aber tapfer und wurde in selbigen Scharmützel Segcar, so ein Engländer war, auf der Mauer bei der blauen Kemnaden durch den Kopf geschossen, allwo das Blut eine geraume Zeit noch zu sehen gewesen. Von den Coburgern in und ausser der Festung sind todt geblieben 4 Mannsperson, welche auf der Bärenbastei begraben liegen. Von Feinden aber, welche vor der Festung und Stadt blieben, wurden über 1000 gezählt (?) Donnerstagfrüh um 4 Uhr machten die Bayern den Anfang abzumarschieren,an welchen Tag alles ganz still war. Den folgenden Freitag zündeten die Kaiserlichen die 2 Scheunen sammt dem Haus an und marschierten auch davon. Morgens früh um 6 Uhr kommandierte Herr Obrist eine Partei von 20 Pferden und einem Lieutnant den Fürwitz zu recogniszieren ( erkunden) welche bald gewahr wurden, das der Feind noch stark da lag, deswegen sie mit dem Feind scharmutzierten und wurde der Lieutnant durch ein Bein gesch8ssen, schadete ihm aber am Leben nicht. Um 7 Uhr wurde wieder an selbigen Ort eine Partei von 20 Pferden kommandiert, die, nachdem siex recognosziert hatten, alsbald wiederkehrten und berichteten das der Feind fortmarschiert und alles leer wäre., ausser viel aufgebaute Zelter,Rauchfeuer und Dampf. Hierauf kommandierte der Herr Obrist bald 4 Trupp Reiter,den Feind nachzuhauen und der Stadt Beschaffenheit zu erkundigen. F.folgt
Sie zogen zur Stadt ein, in welcher sie viele der Feinde antrafen, wie auch auf der Losau und vor dem Ketschentor und schossen alles nieder, was sie feindselig antrafen. Unter anderem bekamen sie des Herzog von Friedland (Wallenstein) Beichtvater gefangen, welchen sie in des Herrn Tobias Garten vor dem Bürglasstor niederschossen. Sie brachten auch 3 Kroaten gefangen auf die Festung , welche der Herr Obrist stracks vor der neuen Brücke todtcschiessen lies. Hiermit war die Belagerung der Festung aufgehoben. Nach dem Abzug des Friedländers begab sich der Herr Obrist mit 8 Kompanien in die Stadt in 6 Quartier, welche die Bürger verpflegen mussten, nebst einer Kompanie auf der Festung. Auf der Festung verblieb als Commandant Herr Michael Griesheim, Capitän.
Von Rüger wird an anderer Stelle berichtet, das er in der Spitalgasse vor dem ehemaligen Gasthof "Zum Bären"! einen Defensions Hauptmann erstochen habe... Dr.Walter Dietze schildert in seinem,im Jahr 1941bei Rossteutscher erschienenen Buch, "Die Wirkungen des 30 jhrg. Krieges in der Pflege Coburg" eindringlich die Zustände im Land.
Die Gesamtbevölkerung der Pflege Coburg betrug im Jahre 1618 55 450 Seelen. Die Fläche der Pflege hatte 1360 qkm, somit eine Bevölkerungsdichte von 40 Menschen auf dem qkm. Somit war die Pflege zu Beginn des siebzehnten Jahrhundert ein weit überdurchschnittlich besiedeltes Land In diese gesunde Bevölkerungsentwicklung brach nun der 30 jhrg. Krieg mit seinen Begleiterscheinungen ein. Diese Begleiterscheinungen waren die Seuchen, die schon nach wenigen Jahren die Bevölkerung traf. Pest, Typhus und Ruhr hatten das Land, auch schon vor dem 30.jhrg. Krieg heimgesucht Im Kriege jedoch nahmen diese Epidemien weit gefahrvollere Ausmasse an. Wegen der häufigen Truppendurchmärsche konnte das Einschleppen von Seuchen nicht verhindert werden Die rote Ruhr herrschte im Land 1623..Die Pest suchte die Pflege 1626 heim. Die "Hauptkrankheit" wie die Pest genannt wurde brach erneut Ende Sept.1632 in der Stadt aus,welche von Flüchtlingen und Truppen überfüllt war. Noch furchtbarer wütete die Pest nach dem Einfall der Lamboyschen Truppen im Jahr 1635 im Coburger Land. In der Stadt Coburg starben 1635 809 Erwachsene und 348 Kinder ! Besonders Kinder waren mit der Krankheit der Blattern betroffen, so wurden 1640 in Coburg 277 und im Jahr 1646 184 Kinder begraben.
Auf alten Stadtansichten von Coburg, z.B. auf dem Kupferstich von Matthäus Merian " Coburg 1648" sieht man unterhalb der Veste drei Gebäude. Es könnten die von Rüger erwähnten Scheunen und Haus sein ? Wo der Standort genau war? Das Umfeld der Veste war von Bewuchs befreit um freies Schussfeld zu haben. Hliefür gab es die Rajongesetze.Ob die hier im 30 jhrg. Krieg schon angewendet wurden? ( alle Bauten im nahen Umkreis einer Festung mussten binnen kurzer Zeut abgebrochen werden)
Rüger schreibt in seinen Bericht z.B. von der "blauen Kemnaden"..., der "neuen Bastei"...? Andere Ortsangaben sind ja bekannt,z.B. die" Losau" ( heute etwa der Bahnhof) Lt. Dr. Dietze hatte Coburg damals knapp 5000 Einwohner.Wie schwer mag dann der Bevölkerungs verlust durch die Pest und den Kriegsverlauf gewesen sein ? Die Amtsverwalter ( Schosser) waren vepflichtet über ihre Orte Lageberichte an die Herzogliche Verwaltung nach Coburg zu senden Erschreckend sind die Zahlen der Bevölkerungsverluste von Orten ,welche an den Durchgangstrassen lagen! Die damals schon bekannten Handelswege Nürnberg -Leipzig oder Frankfurt - Prag kreuzten Die Stadt Coburg.Diese Strassen benutzten auch die Truppen und es gab Orte wo niemajd mehr wohnte.
Die von C.Rüger erwähnten Gebäude unterhalb der Veste gelegen, erscheinen immer wieder auf alten Ansichten.J.Lindner zeigt sie z.B. im Jahr 1830 in seinen "Lindner Album", sogar mit einen Treppenweg - Zugang! Demnach standen diese Häuser noch rund 200 Jahre nach C.Rüger! Von wem und wann die Gebäude errichtet wurden ? Und wo der genaue Standort war?
Zitat von gerd im Beitrag #7Die von C.Rüger erwähnten Gebäude unterhalb der Veste gelegen, erscheinen immer wieder auf alten Ansichten.J.Lindner zeigt sie z.B. im Jahr 1830 in seinen "Lindner Album", sogar mit einen Treppenweg - Zugang! Demnach standen diese Häuser noch rund 200 Jahre nach C.Rüger! Von wem und wann die Gebäude errichtet wurden ? Und wo der genaue Standort war?
Hier besagtes Lindner-Bild (1830) mit diesen 3 Häusern (Scheunen?) vor der Veste:
Veste, Jacob Lindner Handzeichnung um 1830.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Und hier nach Merian (rausvergrößert und markiert):
Veste mit 3 Häusern, Merian.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Hier mal ein Google Maps Screenshot aus in etwa der gleichen Perspektive wie auf dem Lindner Bild. Der Treppenaufgang entspricht dem heutigen Aufgang vom Hofgarten zur Veste. Außerdem hänge ich mal eine schematische Draufsicht mit an. Quelle Wikipedia. Bei Wikipedia ist zum Hofgarten außerdem u.a. zu lesen:
Zitat Unter Einbezug der Grundstücke unterhalb der Veste, die Herzog Ernst II. bis Ende September 1856 erworben hatte, erfolgte bis zum Jahr 1858 die komplette Umgestaltung des Hofgartens...
Das würde erklären, was mit den Gebäuden passiert ist und warum sie 1830 noch auf dem Bild zu finden sind.
Wenn man sich an der Bastei "Rautenkranz", dem Hohen Haus und den (Pulver-)Türmen orientiert, könnten die 3 Gebäude (Scheunen) - grob geschätzt - hier gestanden haben:
Veste aktuell mit 3 Häusern eingefügt:Veste aktuell.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Lindnerbild 1830 im Vergleich:Veste, Jacob Lindner Handzeichnung um 1830.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)