Wenn man an Glas in unserer Region denkt, fällt vielen zuerst Lauscha ein: Dort hat die Glasherstellung eine besonders lange Tradition. Schon in der frühen Neuzeit wurden im Umfeld des Ortes Glasmacher angesiedelt – und im 19. Jahrhundert wurde Lauscha weithin bekannt, unter anderem durch die Herstellung von Christbaumschmuck. Im Coburger Land verlief die Entwicklung zunächst zurückhaltender. Es gab zwar einzelne Betriebe, die mit Glas zu tun hatten – etwa in der Elektro- und Lichttechnik. Ein Beispiel ist das 1919 gegründete HELLUM-Glühlampenwerk in Coburg. Richtig sichtbar wird die Glasbranche im Coburger Raum dann vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. In der Kriegs- und Nachkriegszeit entstanden neue Produktionsstandorte – teils aus praktischen Gründen, teils wegen veränderter Rahmenbedingungen. Später spielte auch die Grenzlage eine Rolle: Durch die deutsche Teilung (ab 1949) und die wirtschaftlichen Umbrüche in der DDR suchten manche Unternehmer und Fachkräfte neue Perspektiven auf westlicher Seite. Davon konnte auch der Raum Coburg profitieren – es kam zu Neugründungen und Verlagerungen. Die Bandbreite war groß: von Glühlampen/glasnaher Technik über pharmazeutisches Glas bis zu Christbaumschmuck und Glaswolle. Besonders in der Gegend Neustadt b. Coburg/Rödental konnte sich die Christbaumschmuckproduktion etablieren – und teilweise auch überregional bzw. international vermarktet werden. Ein modernes „Schaufenster“ dieser Tradition ist die 2001 eröffnete Weihnachtsfabrik in Neustadt. Sie steht heute weniger für klassische Industrieproduktion, sondern eher für Industriekultur und Regionalmarketing – also dafür, wie Geschichte vor Ort erzählt und erlebbar gemacht wird. Wie viele Branchen blieb auch die Glasindustrie nicht von Veränderungen verschont: seit den 1970er Jahren nahm der Konkurrenz- und Preisdruck zu. Einige Betriebe konnten sich anpassen, andere mussten schließen oder wurden übernommen.