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  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte



    Ein herausragendes Gebäude auf dem Coburger Friedhof am Glockenberg ist das Mausoleum der Coburger Herzöge, welches zwischen 1853 und 1858 von dem Gothaer Stadtbaurat Gustav Eberhard errichtet wurde. Der Bau eines Mausoleums war schon lange von Nöten, da die alte Grablege der Herzöge, die Gruft unter der Morizkirche zu klein geworden war. Bereits 1844/46 lieferte der Coburger Baumeister Wilhelm Streib die ersten Entwürfe für den Bau, welche allerdings nicht ausgeführt wurden. Erst durch die Aufgabe des alten Salvatorfriedhofes und die Anlegung des neuen städtischen Friedhofs am Glockenberg, zwischen 1847 und 1851, war wieder Bewegung in das Bauvorhaben gekommen. Der neue Architekt Eberhard entwarf eine Begräbniskapelle als Mittelpunkt der Friedhofsanlage im Stil einer turmlosen neuromanischen Basilika. Zusätzlich sollte eine Allee auf den Eingangsbereich mit drei Portalen zuführen. Diese Planungen fanden die vollste Zustimmung aller Beteiligten. Es dauerte aber insgesamt fünf Jahre bis das Gebäude fertig gestellt werden konnte. Dabei spielte auch die Finanzierung eine wichtige Rolle. Neben dem Coburger Herzogshaus beteiligten sich auch die Königshäuser von Großbritannien und Belgien an dem Bau. Am 29. November 1860 erfolgte die Einweihung des neuen Mausoleums durch Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Über den Eingang wurde zeitgleich eine Inschrift „In silentio et spe“ – „In Stille und Hoffnung“ angebracht. Wer nun heute vor den großen schmiedeeisernen Toren steht (Die Begehung des Mausoleums ist nur in Ausnahmefällen gestattet), wird von Gräbern und Sarkophagen nichts sehen. Dies war von Anfang an so gewollt. Der zentrale Raum, welcher durch die Gitter zu erkennen ist, beherbergt eine kleine Kapelle für Trauergottesdienste. Die eigentlichen Grabstätten befinden sich in den beiden Seitflügeln des Gebäudes. Die Frage, die sich nun stellt, ist wer nun auf dem Glockenberg seine letzte Ruhestätte gefunden hat? Insgesamt liegen hier zwölf Personen begraben. Diese sind:

    Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha,
    seine beiden Ehefrauen Luise und Marie von Sachsen-Coburg und Gotha,
    Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha,
    und seine Ehefrau Alexandrine,
    Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg-Kohary, Bruder von Ernst I.
    und dessen Gattin Marie Antonie, geborene Fürstin von Kohary,
    ihr gemeinsamer Sohn Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Kohary,
    Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha,
    und seine Ehefrau Marie,
    ihr gemeinsamer Sohn, Erbprinz Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha
    Herzog Ernst von Württemberg (Bauherr des Schlosses Hohenfels)



    Bei dieser Auflistung scheint die Aufführung von Mitgliedern der katholischen Linie des Hauses Coburg verwunderlich zu sein. Jedoch war die sogenannte „Kohary-Gruft“ unter der St.-Augustinkirche zu dieser Zeit noch nicht fertig gestellt. So liegen die Begründer dieser Linie auch im Friedhofs-Mausoleum begraben. Bis 1995 waren in der herzoglichen Ruhestätte 14 Särge untergebracht, nämlich die von Großfürst Kyrill von Russland und dessen Ehefrau Victoria Melita, geborene Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Russland wurden beide Sarkophage nach einem russisch-orthodoxen Gottesdienst in der Mausoleumskapelle in die St. Peter- und Pauls-Kathedrale nach St. Petersburg überführt. Die letzte Trauerfeier für ein Mitglied des Herzogshauses fand hier 1954 statt, als der Leichnam Herzog Carl Eduards zu Grabe getragen wurde. Noch im selben Jahr bettete man ihn jedoch in das neue Familiengrab im Callenberger Forst um, dass der ehemalige Monarch noch zu seinen Lebzeiten anlegen ließ. Das herzogliche Mausoleum hatte damit als Grablege der Coburger Fürsten ausgedient. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und wurde zuletzt 1981/82 gründlich renoviert, nachdem der Zahn der Zeit am Mausoleum genagt hatte. Wer nun wieder die Treppen des Haupteinganges heruntersteigt, der findet am nördlichen Ende eine Bronzebüste Herzog Alfreds von Sachsen-Coburg und Gothas in britischer Admiralsuniform. Die von Emil Fuchs im Jahre 1901 geschaffene Skulptur stand einst vor Alfreds Sterbehaus, dem Kavaliershäuschen im Rosenauer Schlosspark bei Rödental. In den 1950er Jahren fand sie ihren neuen Platz, neben dem Eingang zum Mausoleum.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das herzogliche Mausoleum (Sammlung Historische Gesellschaft Coburg)
    Bild 2: Erste Fotoaufnahme des Mausoleums aus dem Jahre 1857 (Foto: Francis Bedford, entnommen aus Harald Sandner: Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha 1826 bis 2001, S. 321.)

  • BergstraßeDatum04.10.2009 18:24

    Die Bergstraße ist eine Straße, welche sich quer am Festungsberg entlang zieht. Sie beginn an der Festungsstraße (gegenüber dem sogenannten "Milchhäusle") und mündet in den Gustav-Freytag-Weg, an der ersten 90-Grad-Kurve von der Veste kommend. Ich habe mich jetzt mal genauer mit dieser Straße und deren Häuser beschäftigt.

    Tatsächlich findet sich schon auf dem Ur-Kataster von 1860 ein schmaler Weg, aus dem sich die Bergstraße entwickeln sollte. Die Erstbebauung erfolgte 1872, nach der Zerstückelung des Frommann´schen Kellergartens. Mein Blick heute richtet sich zuerst auf das Teilstück zwischen dem Milchhäusle und der Einmündung der Oberen Klinge.

    Durchläuft man diese Straße gen Norden, so fällt links eine komplette Neubebauung auf. Sie entstand in den 1970er Jahren. So sind auch die Häuser Bergstraße 1 bis 7a für den Historiker uninteressant. Dagegen birgt die rechte Seite zwei interessante Häuser, nämlich die Gebäude Bergstraße 4 (unter Denkmalschutz) und 6. Das Haus Nr. 2 wurde durch einen Neubau ersetzt.

    Zu den ersten drei Häusern gibt es nun deren Besitzerlisten.

    Bergstraße 2 (gelegen an der Ecke zur Festungsstraße)
    1860 Georg Friedrich Frommann, Bierbrauer, Teil der Frommann´schen Kellergartenwirtschaft.
    1864 Albert von Rademacher, Forstmeister erbaut ein neues Wohnhaus
    1878 Elisabeth Forkel
    1907 Robert Unger
    1919 Regierungsbaumeister Marsteller
    1924 Erich Schraidt, Kaufmann
    1937 Dr. Richard Spindler aus Berlin
    1955 Gottlieb Kob, Rentner
    1967 Heinz Hopf, Gastwirt (wohnhaft Spitalgasse 3)







  • Nach der Entlassung von Alfred Sauerteig aus dem öffentlichen Dienst ernannte die US-Militärregierung den Gewerbeschullehrer Eugen Bornhauser am 12. Mai 1945 zum kommissarischen Oberbürgermeister. Warum gerade Bornhauser dieses Amt erhielt ist leicht zu erklären. Zum einem genoss er das Vertrauen der amerikanischen Besatzungsmacht. Er war in der Zeit des Dritten Reiches nie der NSDAP beigetreten und trat auch nicht politisch in Erscheinung. Zum anderen hatten viele Coburger Bürger ihn darum gebeten, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Da stellt sich die Frage was für eine Persönlichkeit Professor Bornhauser war? Eugen Bornhauser wurde am 31. Juli 1887 in Waldshut-Tiengen, an der deutsch-schweizerischen Grenze gelegen, geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums studierte er in Karlsruhe auf Lehramt und bestand im Jahre 1908 das Staatsexamen als Gewerbeschullehrer. 1910 folgte er den Ruf des Gewerbeschuldirektors Fritz Dürr nach Coburg zu kommen und dort an dessen Anstalt zu unterrichten. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges promovierte er im Studienbereich Staatswissenschaft an der Universität Erlangen. Seine Doktorarbeit hatte den Titel: „Die Verfassungsgeschichte von Coburg“. Anscheinend hatte Eugen Bornhauser seine neue Heimat bereits tief ins Herz geschlossen. Von nun an widmete sich Bornhauser mit seiner ganzen Kraft dem Ausbau der Gewerbeschule mit dem Erfolg, dass die Schule im Jahre 1937 ein eigenes Gebäude in der Kanalstraße bekam. Aber auch die persönliche Anerkennung seiner Dienste blieb nicht aus. 1920 wurde er zum Gewerbeoberlehrer befördert. Aufgrund dieser Arbeit besaß er ein

    hohes Ansehen in der Coburger Bevölkerung. Als schließlich im Mai 1945 ein neuer kommissarischer Oberbürgermeister gesucht wurde, fiel die Wahl auf Bornhauser. Er wusste, dass er keine leichte Aufgabe übernehmen würde, doch setzte er sich dafür ein, dass viele Härten für die Coburger Bevölkerung gemildert worden sind. So verbesserte sich in seiner Amtszeit die Versorgungslage mit Lebensmitteln. Während im Mai 1945 nach der Lebensmittelzuteilung nur 5,6 kg Brot, 800 Gramm Fleisch und 400 Gramm Fett pro Kopf zur Verfügung standen, erhöhte sich der Anteil pro Person im August 1945 auf: 10 kg Brot; 1,4 kg Fleisch und 400 Gramm Butter. Dazu sollten noch 10 kg Kartoffeln, drei Liter Milch, 62,5 Gramm Käse und 12 Gramm Quark kommen. Gleichzeitig wurde in der Ära Bornhauser durch die Amerikaner zweimal die Ausgangssperre für die Coburger Bevölkerung, die es seit dem Kriegsende gab, reduziert. Zunehmend begann auch die Demokratisierung. Durch Unterstützung der Amerikaner wurden neue Parteien gegründet und ein Stadtausschuss als Vorläufer eines noch zu wählenden Stadtrates gebildet. Aber auch mit Problemen hatte Eugen Bornhauser zu kämpfen. So wurde aufgrund der einsetzenden Entnazifizierungsmaßnahmen ca. 85% der 328 Beschäftigten der Stadtverwaltung entlassen. Einen solchen Aderlaß konnte man nicht ohne weiteres kompensieren. Außerdem stellte die Frage der ehemaligen Zwangsarbeiter, die vorwiegend aus Polen und der Sowjetunion kamen ein großes Problem dar. Sie stahlen Kleidung und Tiere am helllichten Tage und töteten sogar Menschen. So schreibt der Kürschnermeister Max Krahl in sein Tagebuch: „15. Mai 1945: Immer wieder Raub, Mord und Totschlag der Polen an die Zivilbevölkerung“. Selbst die US-Militärpolizei konnte lange Zeit dem nicht Einhalt gebieten. Erst als die Fremdarbeiter wieder in ihre Heimat verbracht worden sind, konnte dieses Problem gelöst werden.


    Mit der Zeit war wohl die US-Militärregierung mit der Amtsführung von Eugen Bornhauser unzufrieden. Um seiner Entlassung zuvor zukommen, erklärte er am 19. Dezember 1945 seinen Rücktritt vom Amt des kommissarischen Oberbürgermeisters. Der im Jahre 1946 gewählte, erste Coburger Stadtrat nach dem Krieg, würdigte Bornhausers Leistungen für die Stadt ausdrücklich. Eugen Bornhauser zog sich mit seinem Rücktritt aus der aktiven Politik zurück und arbeite wieder im Schuldienst. 1947 wurde er, inzwischen zum Professor ernannt, Nachfolger seines Mentors Fritz Dürr Direktor der Gewerbeschule, die unter ihm später in Berufsschule umbenannt wurde. Im Jahre 1952 wurde er nach 42jähriger Tätigkeit im Coburger Schuldienst pensioniert. Er hatte auch in seiner fünfjährigen Amtszeit als Berufsschuldirektor in dieser schwierigen Zeit außerordentliches geleistet. Es sei auch erwähnt, das Professor Bornhauser sich in verschiedenen Positionen zum Wohle der Allgemeinheit betätigt hat. So war er von 1945 bis 1947 Vorsitzender der Coburger Landesstiftung, gehörte der Niederfüllbacher Stiftung als deren Mitglied an, war von 1946 bis 1953 Vorsitzender der Gesellschaft für Musikfreunde und beteiligte sich maßgeblich an der Wiederbegründung der Loge „Zur Fränkischen Krone“, die während der Nazizeit verboten wurde. Seinen Ruhestand konnte Eugen Bornhauser leider nicht mehr genießen. Nach langer schwerer Krankheit starb er am 07. November 1957 im Alter von 70 Jahren in Coburg.

    Bildquellen:
    Bild 1: Professor Eugen Bornhauser (Foto aus dem Nachlass Walter Schneier, im Besitz des Stadtarchivs Coburg)
    Bild 2: Wohnhaus von Professor Eugen Bornhauser am Festungsberg (Foto: Christian Boseckert)
    Bild 3: Die Coburger Berufsschule in der Kanalstraße, wo Prof. Bornhauser von 1947 bis 1952 als Schuldirektor wirkte. (Fotosammlung Franz Höch)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Coburg besitzt eine Vielzahl traditionsreicher Einkehrstätten. Man denke dabei nur an die „Loreley“ oder dem „Goldenen Kreuz“ in der Herrngasse. Doch es gibt noch weitere bedeutsame Lokalitäten in der Vestestadt, die eine lange Vergangenheit vorweisen können. Ein Beispiel hierfür ist das italienische Spezialitätenrestaurant „Maccaroni“ am Oberen Bürglaß, das alten Coburgern noch als Gasthaus „Zum Löwen“ bekannt ist. Hier lässt sich die Geschichte der Gastronomie bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.


    Der ehemalige Gasthof "Zum Löwen", heute Maccaroni am Oberen Bürglaß (Foto: Christian Boseckert 2007)

    Ursprünglich gehörte das Anwesen einer Familie Hübner, die dort eine Schreinerei betrieb. Das Grundstück bestand damals aus einem zweistöckigen Wohnhaus mit einer großen Tordurchfuhrt in der Mitte, einigen Nebengebäuden und einem Hof. 1846 verkaufte die Familie Hübner ihr Anwesen an den Büttner, Bierbrauer und Bierwirt Johann Peter Spühler. Damit war der Grundstein für die spätere Gaststätte im Hause gelegt. Aufgrund der auf das Gebäude gelegenen Braugerechtigkeit, konnte Spühler in seiner Bierwirtschaft sein selbstgebrautes Bier ausschenken. Geradezu ideal für die Brautätigkeit im Hause, waren die großen Keller unterhalb des Anwesens. Diese Keller erstrecken sich vom Oberen Bürglaß bis an die Allee. Sie bestehen aus einem zentralen Raum mit einem Stollen, der in Richtung Süden führt. Daran schließt sich nach Norden hin ein größerer kreuzgratgewölbter Raum mit Mittelstütze an. Von hier führen zwei längere tonnengewölbte Stollen in Richtung Allee. Richtung Westen folgen auf unterschiedlichen Ebenen drei im Winkel angeordnete und mittels Durchgängen verbundene tonnengewölbte Räume. Die Bauzeit dieser Kelleranlage, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller diente, lässt sich nur ungenau datieren. Man schätzt, dass sie zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden ist. Genauere Quellen fehlen bislang dazu.


    Der Bierkeller des Gasthofs "Zum Löwen" an der Allee (Foto: Patrick Aigner)

    Man weiß jedoch, dass sie seit der Ära Spühler als Bierkeller benutzt wurden. Dieses Bier scheint zur damaligen Zeit einen guten Zuspruch erfahren zu haben, denn erst 1872 gab Johann Peter Spühler seinen Betrieb aus Altersgründen auf. Da aus der eigenen Familie kein Nachfolger zur Verfügung stand, verkaufte Spühler das Anwesen an den Bierwirt und Bierbrauer Jacob Ehrlicher aus Eicha. Ihm gelang es die Hausbrauerei und die Bierwirtschaft erfolgreich weiter zu führen. Davon zeugt ein Gedicht des Coburger Mundart-Poeten Georg „Schursch“ Eckerlein der einst schrieb: „Es besta Halbbier dös hot´s ahm, Beim Ährlicher auf´m Börglaß gam.“ Schon bald schenkte man den Gerstensaft auch außerhalb der Bierwirtschaft, beispielsweise in späteren Gaststätte „Weberstüble“ in der Webergasse aus. Die Beliebtheit des Ehrlicher-Bieres machten auch Investitionen notwendig. 1872 wurde die Anlage eines Braukessels und eines neuen Kühlschiffs im Wohnhaus am Oberen Bürglaß installiert. Ein Jahr später erfolgte die Einrichtung einer Malzdarre. Jacob Ehrlicher indes führte die Brauerei mit angeschlossener Gaststätte bis 1903. Danach verkaufte er das Areal an den Gastronomen Carl Bonengel, der ebenfalls zahlreiche Umbauten durchführte. So ließ er 1910 das Wohnhaus um eine Etage erhöhen und es durch den Maurermeister Christian Renner im Jugendstil umgestalten. Durch diesen Umbau wurde aus der einfachen Bierwirtschaft ein feines Speiselokal, das gerne von den Coburgern besucht wurde. Den Niedergang der Brauerei läutete schließlich der Erste Weltkrieg ein. Aufgrund von Rohstoffproblemen, Mangel an Brauern usw. gab Bonengel 1920 den Braubetrieb auf und verkaufte die Brauerei an die Coburger Hofbräu AG. Er selbst führte aber die Gaststätte noch bis 1927 weiter. Danach erfolgte ein weiterer Umbau durch die Coburger Hofbräu. Es entstanden eine Kegelbahn und der bis heute noch beliebte Wirtsgarten über den Bierkellern. Schon damals existierte dort ein Saalbau, der gerne von Schüler- und Studentenverbindungen genutzt wurde. Auch die Coburger Schlaraffia hatte dort ihre Zusammenkünfte. Heute steht dieses Gebäude leer und harrt einer Nutzung.


    Die Kegelbahn des Löwen vor 1929 (AK-Sammlung Norbert Niermann)

    Der Name „Zum Löwen“ taucht erstmals 1929 auf. Die Hofbräu verpachtete das Speiselokal an diverse Gastronomen. Der bekannteste unter ihnen war der gebürtige Österreicher Leo Harth, der von 1956 bis 1972 als Wirt im „Löwen“ schaltete und waltete. Nach 1977 übernahm der Italiener Walter Piasini die Gaststätte und machte daraus ein italienisches Spezialitätenrestaurant. Dieses wurde unter der Familie Giuffre als „Dal Passadore“ bis 1998 weitergeführt. Nach einem Besitzer- und Pächterwechsel heißt das Lokal nun „Maccaroni“ und kann ebenso eine große Beliebtheit unter den Einheimischen vorweisen, wie auch der frühere Gasthof „Zum Löwen“.


  • Carl-Otto Leheis
    * 1866 in Plauen (Sachsen)
    + 1921 in Wüstenselbitz bei Schleiz (Thüringen)

    Leheis stammte aus einem gleichnamigen Plauener Baugeschäft und ging als Student an die Baugewerksschule (heutige Hochschule) nach Coburg. Gleich nach dem Studium (ab 1895) machte er sich in der Vestestadt mit einem Architekturbüro mit angeschlossenem Baugeschäft und Steinbruch sowie einem Säge- und Hobelwerk selbstständig. In einem Zeitraum von etwa 10 Jahren errichtete Leheis ca. 30 Häuser in Coburg, meist auf eigene Rechnung. Dabei zeichnete sich der Architekt eher als Künstler aus. Ein Kaufmann war er weniger. So finden ab 1906 die ersten Zwangsversteigerungen seiner Häuser statt. 1907 wurde er endgültig zahlungsunfähig. So wird auch sein Privatbesitz versteigert - das Sägewerk im Hahnweg und der Steinbruch in Weißenbrunn am Forst bei Untersiemau. Nach dem Verlust seines eigenen Wohnhauses Bahnhofstraße 17, welches er selbst geplant und errichtet hatte, verließ Leheis verarmt Coburg und ging zurück nach Plauen, wo er im Baugeschäft seines Bruders eine Arbeit fand. Später erfolgten zahlreiche Tätigkeiten in verschiedenen deutschen Städten.

    Bauwerke aus dem Büro Leheis (mit Fotos, siehe Reihenfolge darunter):
    Adamistraße 2a (Gaststätte "Ed´s Bräustuble) gebaut 1896
    Kanonenweg 50/52, gebaut 1902/03
    Ketschendorfer Straße 5, gebaut 1900
    Löwenstraße 15 (Volkshochschule), gebaut 1901
    Lossaustraße 15, gebaut 1895
    Marienstraße 2, gebaut 1904
    Mohrenstraße 9a/b, gebaut 1903
    Mohrenstraße 14a, gebaut 1901
    Raststraße 2/4, gebaut 1900/01
    Sally-Ehrlich-Straße 4 (ehemalige Spedition Michel), gebaut 1898
    Seifartshofstraße 8, gebaut 1897
    Alexandrinenstraße 1, gebaut 1903
    Viktoriastraße 9 (Löwenapotheke), gebaut 1904
    Alexandrinenstraße 2, gebaut 1903
    Alexandrinenstraße 3, gebaut 1903/04
    Alexandrinenstraße 4 (Sonnenburg), gebaut 1902/03
    Bahnhofstraße 17, gebaut 1899 für sich selbst
    Bahnhofstraße 36 (mit Rast-Bildnis), gebaut 1900
    Glockenberg 6a, gebaut 1902
    Glockenberg 7a, gebaut 1902

    Bauten ohne Fotos:
    Hahnweg 96, 98/100 und 108/110.
    Marienstraße 4, 6, 8
    Weichengereuth 6/7 (beim Bau der Frankenbrücke abgerissen)

    Zur Erinnerung an diesen bedeutenden Architekten werden hier seine Häuser in einer Bildcollage dargestellt. Alle Fotos und Bilder stammen aus der Sammlung Christian Boseckert.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Coburg ist reich an zahlreichen Parks und Parkanlagen. Man denke dabei nur an den Hofgarten. Leider sind auch im Laufe der Jahrhunderte auch einige Gärten wieder verschwunden. Dazu gehört auch der so genannte Prinzen- oder Augustengarten am Oberen Bürglass. Dieser befand sich auf dem Gelände des heutigen städtischen Kindergartens (dem ehemaligen Kyrill-Palais) und der Industrie- und Handelskammer (Palais Edinburgh). Schöpfer dieser Anlage war Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der letzte Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieser kaufte im Jahre 1794 nach dessen Pensionierung das gegenüberliegende Bürglassschlösschen und baute es im klassizistischen Stil um. Nach Fertigstellung des Schlösschens konnte Friedrich Josias dort einziehen. Allerdings störte ihm der alltägliche Blick von seinem Balkon auf die gegenüberliegenden Gebäude. Diese Häuser waren durch eine Brandkatastrophe im Jahre 1775 nur notdürftig wieder aufgebaut worden und waren kein schöner Anblick. Der Prinz


    entschloss sich daraufhin die Grundstücke zu erwerben und daraus eine Gartenanlage zu machen. Endlich, im Jahre 1802 konnte mit dem Abbruch der Gebäude begonnen werden. Auf dem Gelände das bis zum heutigen Schlossplatz reichte, wurden Gemüsebeete, Obstbäume und Beerensträucher angelegt. Dazwischen waren Wege aus Kieselsteinen angelegt worden um dort lustwandeln zu können. Durch die hügelige Form des Geländes sah dieser Park wie ein Steingarten aus. An der Seite zur schwarzen Allee hin, ließ Friedrich Josias eine künstliche Ruine mit Zinnen- und Ecktürmchen und einem versteckten Dach errichten. Warum gerade eine künstliche Ruine? Künstliche Ruinen wurden zunächst als Gestaltungselement in Landschaftsgärten und später auch als Aussichtsturm in der "freien Natur" errichtet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wandte man sich auch im deutschsprachigen Raum ab vom nun als langweilig erachteten, rationalen Barockpark hin zum emotionalen Landschaftspark. Neben der Anwendung rein gärtnerischer neuer Formen begann man bald,

    künstliche Grotten und Wasserfälle sowie Tempel und altertümliche Gebäude (meist Adelssitze bzw. Verteidigungsanlagen) in unterschiedlichen Verfallsstadien nachzubauen. Mit dem Erstarken des Bürgertums und dem Aufkommen der Romantik hielten die künstlichen Ruinen Einzug in die "wirkliche" Landschaft, in der Regel als neugotische Nachbildungen verfallender mittelalterlicher Burgen. Im Zuge der Naturbegeisterung wurden diese Bauwerke nun nicht mehr als vorwiegend private, zweckfreie ästhetische Elemente, sondern als Aussichtstürme an landschaftlich herausragenden Stellen dem Volk gestiftet - anfangs von einzelnen Mäzenen, später von Bürgervereinen und ähnlichen Körperschaften. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden in einer beinahe "Aussichtsturm-Manie" an nahezu jeder sich bietenden örtlichen Gegebenheit Türme und Türmchen, die Mehrzahl von ihnen als künstliche Ruinen. In Coburg wollte man einst auch auf dem Eckardtsberg eine künstliche Ruine errichten. Allerdings fehlten hierzu die finanziellen Mittel, sodass im Coburger Land


    nur im Schlosspark Rosenau bei Rödental eine Ruine aus dieser Zeit zu finden ist, die nicht mal künstlich ist, sondern den Rest der ehemaligen Befestigungsanlage der Burg Rosenau darstellt. Doch zurück zum Augustengarten. Neben der Ruine wurde noch eine Wagenremise, das so genannte Kutschenhaus errichtet das auf dem Gelände des Palais Edinburgh stand. Dieses Gebäude war im gleichen Stil wie die Ruine mit Türmchen und Spitzbogen versehen. Lange konnte sich Prinz Friedrich Josias an seinen Garten nicht erfreuen. Er starb 1815. Daraufhin ging der Garten in den Besitz von Herzog Ernst I. der ihn, zusammen mit dem Bürglassschlösschen, seiner Mutter, der Herzoginwitwe Auguste Caroline Sophie überließ. Aus dieser Zeit stammt wohl die Bezeichnung „Augustengarten“. Es ist deshalb anzunehmen das Herzogin Auguste diesen Garten oft benutzt hatte. Der Niedergang der Parkanlage begann mit dem Tode Augustes im Jahre 1831. Während der Bürglaßschlößchen an die katholische Linie des Hauses Coburg ging, blieb der Garten im Besitz von Herzog Ernst I. Dieser hatte allerdings keine Verwendung für eine derartige Anlage. So kam es das während des Umbaus des Stadtschlosses Ehrenburg, der Hofstuckateur

    Hofmann in der künstlichen Ruine sein Atelier einrichtete und hier die Ornamente zum inneren Ausbau des Residenzschlosses modellierte und in Gips goss. Nach der Fertigstellung der Ehrenburg wurde es auch hier wieder ruhig. Das endgültige Aus für den Garten kam im Jahre 1847. In diesem Jahr verkaufte Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha das Anwesen am Bürglass an den Coburger Staatsrat Emil Freiherr von Pawel-Rammingen, während der südliche Teil zum Schlossplatz hin, an den Freiherrn von Wangenheim ging. Von Pawel-Rammingen ließ die Anlage einebnen und einreißen und erbaute an der Stelle eine klassizistische Villa, die später unter dem Namen „Kyrill-Palais“ bekannt werden sollte. Doch dies ist eine andere Geschichte. So hat diese Gartenanlage ihr Ende gefunden. Aber wir haben ja noch viele Parks, wie in den Hofgarten oder den Rosengarten, die zu Spaziergängen oder anderen Vorhaben einladen.

    Bildnachweise:
    Bild 1: Der Prinzen- oder Augustengarten nach Emil Maurer. Auf der linken Bildseite ist das Bürglaßschlößchen zu erkennen. Auf der rechten Seite ist hier die ehemalige Stahlhütte zu sehen (Heute steht dort das Landestheater).(Sammlung Boseckert)

    Bild 2: Dieses Modell, das im Vorsaal des Schlosses Ehrenburg steht, zeigt deutlich den Standort des Prinzengartens. (hier in der linken Bildhäfte). Rechts ist das Bürglaßschlößchen deutlich zu erkennen. Desweiteren sieht man das Bürglaßtor und die alte Stahlhütte (heute steht dort das Landestheater) (Sammlung Boseckert)

    Bild 3: Die heutige Situation des früheren Augustengartens, bebaut durch das Palais Edinburgh und dem Kyrill-Palais (Foto: Christian Boseckert, 2007)

  • Vom Bäckergesellen zum Professor und Hofrat – die ungewöhnliche Karriere eines außergewöhnlichen Talents. Der in geborene Theatermaler Max Brückner ist gemeinsam mit seinem Bruder Gotthold der gefragteste Bühnenbildner an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in Deutschland. Zu den Auftraggebern der Malerfamilie gehören zum Beispiel Richard Wagner und König Ludwig II. von Bayern. Die Malerfamilie der Brückner weist seit 1700 eine lange Reihe von Tünchermeistern und Malern auf. Das Salzburger Land ist das Heimatland der urgroßmütterlichen Ahnen der Brückner, die ihre Heimat wegen ihres evangelischen Glaubens verlassen mussten. Heinrich Brückner, der Vater von Max Brückner, wurde 1805 in Coburg geboren und starb hier im Jahre 1892. 1833 trat er in den Dienst des Coburger Hoftheaters, wo er jahrelang als Theatermaschinist, als Chorsänger und auch als Theatermaler tätig war. Er wird in den Akten des Hoftheaters als ein talentierter Künstler bezeichnet, dessen Hauptleistung die von ihm im Jahre 1854 gemalte Einrichtung

    des „Thannhäuser“ darstellt. Es bedeutete nach dem Misserfolg Richard Wagners in Dresden im Jahre 1845 ein Wagnis, wenn Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha die Oper sowohl in Coburg als auch in Gotha aufführen ließ. Großen Anteil am Erfolg in beiden Theatern hatten die Ausstattung und die Dekoration von Heinrich Brückner. Dieser vererbte seine künstlerische Begabung an seine beiden Söhne Max und Gotthold. Max Brückner, der schon am 14. März 1836 in Coburg im Hause Ketschengasse 14 geboren wurde, besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr die Ratsschule hinter der Moritzkirche. Schon als Junge hegte er den Wunsch, Landschaftsmaler zu werden, aber sein Vater, der auf dem Standpunkt stand, ein Handwerk habe immer festen Boden, gab in die Lehre bei einem Coburger Bäckermeister. Aber die Lust und Liebe zur Malerei waren schließlich stärker als der Gehorsam gegen die Eltern. Um seinen Vater umzustimmen, half Max ihm in seiner Freizeit eifrig bei den Malerarbeiten für die „Stumme von Portici“. Das brachte dem


    jungen Brückner auch Lob und finanzielle Anerkennung des damaligen Theaterintendanten von Wangenheim ein. Endlich konnte der 18jährige junge Maler zur Ausbildung als Landschaftsmaler nach München fahren. Die ersten Bilder von einer Studienreise nach Tirol erwarb Herzog Ernst II. Nach zwei Jahren kehrte der junge Brückner nach Coburg zurück und arbeitete kurze Zeit im Atelier seines Vaters. Eines Tages erbat Intendant von Wangenheim von Max Brückner eine Studienmappe, um sie dem Herzog vorzulegen. Dieser wurde von da an ein väterlicher Freund des jungen Malers und legte ihm nahe, sich nicht nur der Landschaftsmalerei, sondern auch der Theatermalerei zu widmen. Dem Herzog war bekannt, dass die englische Bühnenbildkunst der deutschen weit überlegen war und schickte deshalb im Jahre 1858 den jungen Künstler nach London, wo er auf Anordnung des Prinzgemahls Albert Zutritt zu allen Ateliers und Bühnen hatte. Nach Beendigung seiner Londoner Studien kam Brückner für ein Jahr nach Berlin zu dem Theatermaler Gropius,

    bei dem er das letzte Rüstzeug für sein späteres Schaffen erwarb. Im Jahre 1862 malte der junge Künstler in Köln die Ausstattung für den „Faust“ mit so großem Erfolg, dass man ihn dort fest anstellen wollte. Das verhinderte Herzog Ernst II. und gewann Max Brückner für seine Bühnen in Coburg und Gotha. Dieser erhielt im Jahre 1865 den Titel „Hofmaler“. Was aber noch wichtiger war, der Hofmaler hatte freie Hand für künstlerisches Schaffen auch an auswärtigen Bühnen. Die Folge davon war, dass Max Brückner zusammen mit seinem Bruder Gotthold in der Rodacher Straße 11 (jetzt Omnibus-Gevers) Anfang der 1870er Jahre ein Atelier für künstlerische Bühnengestaltung gründete. Das Jahr 1874 war ein Markstein im Schaffen der Gebrüder Brückner. So traf am 1. Dezember Richard Wagner mit seiner Ehefrau Cosima in Coburg ein und suchte die damals schon berühmten Künstler Brückner auf. Er und seine Gattin Cosima waren begeistert von den bereits fertig gestellten Dekorationen für den „Ring der Nibelungen“. Wagner sagte dazu:

    „Ihr sollt mir ganz neue Skizzen zum „Ring“ entwerfen, in denen Ihr Euern Intentionen frei folgen könnt, denn Ihr versteht mich und ich bedarf Euer.“ Nach dem Tode Wagners im Jahre 1883 waren Max und Gotthold Brückner nach jahrelang Helfer und Berater der Frau Cosima in Bayreuth. So ist nicht zuletzt dem Drängen von Max Brückner zu verdanken, dass die Festspiele in Bayreuth nach Wagners Tod fortgesetzt wurden. Aus der Coburger Werkstätte gingen außerdem noch rund 40 Jahre lang die Dekorationen nach Bayreuth, aber auch in allen anderen namhaften Theatern auf der Welt z. B. nach New York, Zürich oder St. Petersburg waren die Brückner´schen Kunstwerke zu bestaunen. Die Dekorationen waren historische Treue und trugen allen Regiemöglichkeiten der Kulissenbühne Rechnung. Das Publikum war begeistert von den Bühnenbildern der Gebrüder Brückner. Die Weltruf genießende Bühnenmalerei von Max und Gotthold Brückner hat dem Namen Coburg seinerzeit große Ehre verschafft. Das Schicksal wollte es, dass den fast 80jährigen Max Brückner das Augenlicht verließ. Er starb am 2. Mai 1919 und fand auf dem Friedhof von Coburg in einer Gruft seine letzte Ruhestätte. Der acht Jahre jüngere Bruder Gotthold Brückner (geboren am 1. April 1844) war nicht minder begabt wie sein Bruder Max. Er studierte in Weimar und an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Im gemeinsamen Atelier ergänzten sich beide Brüder in hervorragender Weise. Bei einem Jagdunfall war Gotthold Brückner schwer verletzt worden und starb an dessen Folgen am 11. November 1892. Heute erinnert an diese bedeutende Künstlerfamilie eine Gedenktafel an deren Wohnhaus in der Ketschengasse.

    Bildquellen:
    Bild 1: Die Gebrüder Brückner (Fotosammlung HG Coburg)
    Bild 2: Das Wohnhaus der Familie Brückner in der Ketschengasse (Foto: Christian Boseckert, 2006)
    Bild 3: Die Brückner´schen Theaterwerkstätten in der Rodacher Straße (Foto: Christian Boseckert, 2007)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    In der Mitte des 19. Jahrhunderts als die Vestestadt Veranstaltungsort zahlreicher bedeutender Feste wurde, wuchs in der Coburger Bevölkerung der Wunsch – den damaligen Verhältnissen entsprechend – einen festen Ort für Veranstaltungen jeglicher Art zu schaffen. So begannen die Coburger bereits 1865 damit, die finanziellen Mittel für ein solches Projekt zu sammeln, doch es sollte sieben Jahre dauern, bis eine Kapitalsumme von 150.000 Goldmark (in etwa 1.366.500 Euro) erreicht wurde. Daraufhin gründeten die Befürworter eines Veranstaltungsgebäudes einen Aktienverein, dessen Ziel es war, ein Gesellschaftshaus in Coburg zu errichten und zu betreiben. Aufgrund seiner guten finanziellen Ausstattung war der Aktienverein auch in der Lage, im Jahre 1872 vom Baumeister Hermann Kühn ein Baugrundstück am Ernstplatz zu erwerben und dort den Bau eines solchen Gebäudes zu planen. Das herzogliche Staatsministerium genehmigte das Vorhaben, und so konnte schon bald darauf mit den Bauarbeiten begonnen werden, welche bereits im Sommer 1873 unter der Leitung des Architekten Georg Rothbart abgeschlossen waren. Der Aktienverein – umgewandelt in die Gesellschaft „Verein“ – betrieb schließlich das Gesellschaftshaus, verpachtete die im Erdgeschoss befindliche Gaststätte oder vermietete seine Räume an die Sektion des Coburger Alpenvereins sowie an den Coburger Sängerkranz, welcher ein breit gefächertes Programm mit Konzerten, Gesangsabenden und Bällen anbot. Für ein solches konnte sogar 1914 der Komponist Max Reger gewonnen werden. Für derartige Veranstaltungen standen im 1. Obergeschoss zwei unterschiedlich große Säle zur Verfügung. Der größere von beiden besaß eine eigene Bühne und konnte ca. 450 Personen aufnehmen.

    Dieser Saal sah große Veranstaltungen, wie 1901 die Hauptversammlung des deutschen Verbandes kaufmännischer Vereine, 1904 den Kongress des Deutschen Schachbundes oder die alljährlichen Vollversammlungen der Industrie- und Handelskammer. Höchstwahrscheinlich hätte diese Einrichtung ein langes Leben vor sich gehabt, hätte nicht die Gesellschaft „Verein“ im Jahre 1934 das Gebäude an die im Oktober 1933 gegründete „Adolf-Hitler-Haus-Genossenschaft“ für 60.000 Reichsmark verkaufen müssen. Dieser „gemeinnützige“ Verein hatte das Ziel, ähnlich dem Braunen Haus in München, in Coburg eine Parteizentrale für die örtliche NSDAP zu errichten. Die Nationalsozialisten sahen in dem Gesellschaftshaus das ideale Gebäude für ihr Projekt und zwangen dem „Verein“ zum Verkauf. So wurde aus dem Gesellschaftshaus ab Oktober 1934 das Adolf-Hitler-Haus, und in dessen großem Saal fanden nur noch parteipolitische Veranstaltungen statt – als letzte im März 1945 die Vereidigung von Hitler-Jungen auf den „Führer“. Einen Monat später brannte das Gebäude durch einen Luftangriff der Amerikaner vollständig aus, so dass nur noch die Außenmauern stehen blieben. Der „Verein“ erhielt nach seiner Wiederbegründung 1947 die Kriegsruine zurück, doch waren die finanziellen Mittel nach zwei Weltkriegen und mehreren Währungsreformen aufgebraucht, so dass der Gesellschaft nichts anderes übrig blieb, als das Haus zu verkaufen, was dann auch 1950 geschah. Der endgültige Abbruch erfolgte schließlich 1955, da an dieser Stelle die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) ein Verwaltungsgebäude errichten wollte. Damit war ein großer Veranstaltungsort in Coburg für immer verschwunden.


    Dieser Beitrag ist Teil des Aufsatzes von Christian Boseckert: "Hallen, ein beinahe ständiges Thema in Coburg", welcher in den Coburger Geschichtsblättern 3-4 im Jahre 2007 erschienen ist. Interessenten können ihn unter der Adresse:

    Historische Gesellschaft Coburg e.V.
    Postfach 1820
    96408 Coburg

    bestellen.


    Bildnachweise:
    Bild 1: Das Gesellschaftshaus um die Jahrhundertwende (Sammlung Patrick Aigner)
    Bild 2: Das Adolf-Hitler-Haus um 1938 (Foto: Franz Höch, Bestandteil der Sammlung Boseckert)
    Bild 3: Das zerstörte Adolf-Hitler-Haus im Jahre 1945 (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Coburger Fachwerkhäuser - Auf einer Bilderreise präsentiert.

    Bild 1: Badergasse 5
    Bild 2: Kirchgasse 2 (Sogenanntes Lucas-Cranach-Haus)
    Bild 3: Kirchgasse 6 und 8
    Bild 4: Kirchgasse 10
    Bild 5: Kuhgasse 1
    Bild 6: Gerberhaus Lohgraben 8
    Bild 7+8: Das frühere Globushaus am Markt
    Bild 9: Metzgergasse 8
    Bild 10: Grafengasse 4 und 5

    Bild 11: Gerberhaus Schenkgasse 4
    Bild 12: Die Hahnmühle
    Bild 13: Steinweg 70
    Bild 14: Große Johannisgasse 3
    Bild 15: Judengasse 12
    Bild 16: Ketschengasse 29
    Bild 17: Ketschengasse 31
    Bild 18: Ketschengasse 43
    Bild 19: Rosenauschlößchen am Rittersteich

    Bild 20+21: Münzmeisterhaus
    Bild 22: Nägleinsgasse 5

  • Die Hahnmühle (Beitrag vom 28.11.2009)Datum27.11.2009 10:14
    Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Eines der schönsten Fachwerkhäuser Coburgs ist die Hahnmühle im Steinweg. Ihr reichverziertes Fachwerk begeistert heute noch viele, die tagein und tagaus an ihr vorbei laufen oder vorbei fahren. Die erste urkundliche Erwähnung der Hahnmühle findet sich bereits im Jahre 1323. Daher stellt sie wohl eine der ältesten Mühlen im Coburger Stadtgebiet dar. Im Mittelalter gehörte die Mühle dem Benediktinerkloster Saalfeld und damit wohl zum Besitz der Benediktiner-Propstei zu Coburg, welche einst hinter der Morizkirche, auf dem Gelände des heutigen Ämtergebäudes, zu finden war. Nach der Reformation ging die Mühle in das kurfürstlich-sächsische Lehensrecht über. Das heutige Aussehen des Mühlengebäudes ging aus einem Umbau des Jahres 1622 hervor. Ursprünglich wurde hier Getreide gemahlen, aber schon 1600 kam der Betrieb einer Ölmühle hinzu. Eine weitere Erweiterung erfolgte 1627, als eine Schneidemühle in das Gebäude installiert wurde. Desweiteren muss dort auch eine Lohmühle betrieben worden sein, denn die Hauschronik berichtet, dass im Jahre 1721 das Coburger Rotgerberhandwerk seine Lohmühle im Gebäude der Hahnmühle verkaufte. Aus dem gleichen Jahr existiert eine Baubeschreibung der Mühle. Sie wird als ein Haus mit zwei Stockwerken, drei Stuben und einem Gewölbe beschrieben. Darin installiert sind eine Schneid- und Mahlmühle mit drei Mahlgängen sowie eine Ölmühle. Daraus ist zu erkennen, dass die Mühle noch im 18. Jahrhundert voll funktionstüchtig gewesen ist. Darüber hinaus tat die Hahnmühle am gleichnamigen Fluss ihren Dienst noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein. Erst 1880 stellte man dort den Mahlbetrieb ein. Als letzter Hahnmüller fungierte dort Johann Burkhard Geyer. Die Idee, dort eine Märbelmühle zu installieren, scheiterte 1886 an der Ablehnung des Coburger Stadtrates. 1890 erfolgte schließlich der Umbau der Mühle zu einem Geschäft. In dieses zog als erstes der Möbelfabrikant Konrad Barthelmeß ein, der seinem Möbelgeschäft noch ein eigenes Möbellager mit anschloss. 1903 zog der Konditor Theodor Geimecke in die Geschäftsräume ein und eröffnete dort ein Cafe. 1919 zog Geimecke in das Haus Steinweg Nr. 51 um, wo es sich unter seinem Nachfolger Edmund Renner zu einem Tanzcafe entwickeln sollte. In die Hahnmühle zog aber wiederum ein Cafe mit angeschlossener Konditorei ein. Dieses gehörte dem Waffenhändler Herbert Böhm, der 1919 auch das Grundstück von den Erben des letzten Hahnmüllers Geyer erworben hatte. 1934 kaufte der Fleischermeister Gottlob Rose die Hahnmühle und eröffnete dort einen Metzgerladen. Seither waren auch gastronomische Betriebe im früheren Mühlengebäude zu finden. Als Beispiele wären hier „Mölters Eisdiele“ oder die „Schultheiß Pils-Bar“ genannt. Am längsten hielt sich aber die Gaststätte „Simpl“, welche von der Familie Rose selbst bewirtschaftet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging nun der Eigentümer Gottlob Rose daran, sein Haus gründlich zu sanieren. Dabei entdeckte man auch das reichverzierte Fachwerk wieder, welches lange Zeit unter einer Putzschicht verborgen war. Es war dem Architekten und Denkmalpfleger Albert Freiberg zu verdanken, dass diese Perle der Coburger Zimmermannskunst freigelegt wurde. Dabei wurde erstmal die Frontseite am Steinweg offen gelegt. Die Rückseite erfolgte Richtung Allee erfolgte 1954 und die Seite am sogenannten „Rosegässchen“ (offiziell als Hahnmühlenweg bezeichnet) wurde erst 1980 für Außenstehende sichtbar. Während das Fachwerk eine sorgfältige, denkmalschutzgerechte Sanierung zu Teil wurde, zerstörte man die Erdgeschossfassade des Hauses durch überdimensionierte Schaufenster. Der „moderne Stil“ der 1970er Jahre hatte auch hier seine Wunden geschlagen. Inzwischen wurde dieser architektonische Fehlgriff durch eine Neugestaltung des Parterre wieder entfernt. Die Familie Rose betrieb noch bis in die 1980er Jahre hinein dort eine Metzgerei. Danach erfolgten bis zur Jahrtausendwende Verpachtungen des Ladens an diverse Coburger Metzger. Inzwischen wurde die Hahnmühle von einem amerikanischen Investor erworben, der umfangreiche Sanierungsarbeiten in die Wege leitete. In Zukunft soll dort wieder eine Gastronomie entstehen und damit die Tradition der Hahnmühle, als Ort der Zusammenseins und der Gemütlichkeit, weiter erhalten werden.

    Bildquellen:
    Bild 1: Die Hahnmühle heute (Foto Christian Boseckert, 2006)
    Bild 2: Innenraum des Kaffeehauses Böhm vor 1927 (Sammlung Patrick Aigner)
    Bild 3: Die Hahnmühle in den 1950er Jahren (Sammlung Patrick Aigner)

  • Er war der erste gewählte Oberbürgermeister von Coburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Er war einer der bedeutendsten Kommunalpolitiker, die es nach 1945 in unserer Region gab. Trotzdem ist sein Name heute fast völlig vergessen. Oder wer kann sich noch an die Amtszeit des Oberbürgermeisters Ludwig Meyer erinnern?

    Geboren wurde Ludwig Meyer als Sohn eines Handwerkers am 15. April 1886 in Neustadt bei Coburg. Nach dem Besuch der Volksschule ging er an die Neustadter Industrieschule und ließ sich dort zum Modellier ausbilden. Meyer war Schüler des bekannten Künstlers und Pädagogen Professor Max Derra, der schon den bedeutenden Karikaturisten und Zeichner Karl Arnold prägte. Nach der Beendigung der Schullaufbahn ging Meyer auf Wanderschaft und legte seinen Militärdienst ab. Er ließ sich danach in Coburg nieder und arbeite als Augeneinsetzer für Puppen. Schon in der frühesten Jugend hatte er Kontakt zu den Arbeitermilieus. So führte sein Weg zur Sozialdemokratischen Partei, in der er bald Mitglied wurde. Aber erst in Coburg sollte er kommunalpolitisch aktiv werden. Bei den Coburger Stadtratswahlen von 1924 zog Meyer für SPD in das Gremium ein. So wurde er hautnah Zeuge des Aufstiegs des Nationalsozialismus in Coburg. Nachdem die NSDAP im Jahre 1931 die Macht in Coburg endgültig an sich gerissen hat, war Ludwig Meyer immer größeren Anfeindungen ausgesetzt. Als schließlich im Jahre 1933 Hitler die Macht ergriff, waren Meyers Tage in Freiheit gezählt. Er und seine sozialdemokratischen Parteifreunde wurden aus dem Stadtrat entfernt und Meyer selbst in das Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er einige Jahre interniert war. Nach seiner Freilassung war er aufgrund seiner Vergangenheit lange arbeitslos, so dass er in ärmlichen Verhältnissen leben musste. Seine Stunde schlägt erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Auf der Suche nach unbelasteten Deutschen stieß die US-Militärregierung in Coburg auf Meyer. Sie ernannte ihn am 18. Mai 1945 zum Zweiten Bürgermeister von Coburg. Gleich nach Ende des Krieges betrieb er mit anderen die Gründung eines sozialdemokratischen Ortsvereins in Coburg an, der schließlich auch am 29. September 1945 unter seiner Mitwirkung entstand. Als am 19. Dezember 1945 der kommissarische Oberbürgermeister Bornhauser zurücktrat, ernannten die Amerikaner Ludwig Meyer zum neuen Stadtoberhaupt. Die Probleme die er vorfand waren katastrophal. Er beschrieb das später so: „Die gesamte militärische, zivile und juristische Gewalt lag in den Händen der Besatzungsmacht. Erst viel später gab man die Rechte nacheinander an die Zivilbevölkerung frei. Die Offiziere der Militärregierung waren unterschiedlich. Vernunft und Rachsucht lagen oft nahe beisammen, wenn auchder einsichtige Teil mit der Zeit überwog.“ Das größte Problem seiner Zeit war die Frage der Flüchtlinge. Nach Kriegsende drängten sich in Coburg an die 17.000 Flüchtlinge vor allem aus Schlesien und dem Sudetenland. Die Einwohnerzahl schnellte von rund 30.000 vor dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend auf 50.000 hoch, womit Coburg in punkto Überbelegung nach München und Nürnberg den dritten Platz einnahm. Wohnraum war dadurch zur Mangelware geworden. Es ist vollkommen klar, dass die ersten Schritte in ein geregeltes Nachkriegsdasein unter derartigen Bedingungen nur in Maßnahmen zur Behebung der schlimmsten Not bestehen konnten. Das hieß konkret, das Alteingesessene und Neubürger zusammenrücken mussten. Die Flüchtlinge wurden in bereits belegte Privatwohnungen, Baracken und Kasernen untergebracht. Ein weiteres Problem das Meyer bewältigen musste war die Lebensmittelversorgung der „alten“ und „neuen“ Coburger.

    Aber auf der anderen Seite gab es aber auch Fortschritte. Im Januar 1946 erschien mit der NEUEN PRESSE erstmal wieder eine Zeitung in Coburg. Auch die Demokratisierung machte weitere Fortschritte. So fand am 26. Mai 1946 die erste Wahl zum Coburger Stadtrat nach dem Ende des Krieges statt. Zwar lag die Wahlbeteiligung bei 94%, aber waren Flüchtlinge und ehemalige NSDAP-Mitglieder nicht wahlberechtigt, sodass nur eine Minderheit zur Wahl gehen durfte. In Zahlen waren das 16.000 Wahlberechtigte Coburger, bei einer Einwohnerzahl von 46.000. Der neue Stadtrat wählte schließlich Ludwig Meyer zum Oberbürgermeister. Eine OB-Wahl gab es damals noch nicht. Aufgrund seiner guten Kontakte berief ihn der bayerische Ministerpräsident Hoegner in die bayerische Landesversammlung, dem Vorgängergremium des bayerischen Landtages. Es hatte sich auch München herumgesprochen das Meyer alles versuchte, das Nazi-Image seiner Stadt zu entkräften. Dies tat er zum Beispiel mit der Gründung einer Internationalen Volksakademie in Coburg. Bei der ersten Landtagswahl in Bayern, im Dezember 1946, wurde er als Abgeordneter der SPD in das Landesparlament direkt gewählt. Meyer blieb eine Legislaturperiode im Amt und schied 1950 aus. Als im Jahre 1948 die Coburger Bevölkerung erstmals die Möglichkeit hatte, den Oberbürgermeister direkt zu bestimmen, stellte sich Meyer als Kandidat der SPD zur Wahl. Er unterlag allerdings seinem Gegenkandidaten Dr. Walter Langer von der FDP. So endete am 30.06.1948 die Amtszeit Meyers als Oberbürgermeister. Er nahm allerdings sein Stadtratsmandat, das er errungen hatte, an. Als es im Jahre 1952 darum ging einen neuen Stadtrat zu bestimmen, stellte er sich nicht mehr zur Wahl und zog sich von der politischen Bühne zurück. Nach langer, schwerer Krankheit starb Ludwig Meyer am 11. August 1957 im Alter von 71 Jahren in Coburg. In einem Nachruf war über ihn zu lesen, dass er sich immer treu geblieben sei und sich immer wie der einfacher Mann aus dem Volk gefühlt habe. Sein Vermächtnis als Oberbürgermeister war es doch, das er in vielen Fällen die Voraussetzungen dafür schuf, dass in den späteren Jahren der Wiederaufbau in der Stadt so erfolgreich durchgeführt werden konnte.

    Bildquellen:
    Bild 1: Ludwig Meyer (Fotosammlung Stadtarchiv Coburg aus dem Nachlaß Schneier)
    Bild 2: Neustadt bei Coburg zu Ende des 19. Jahrhunderts (Sammlung Christian Boseckert)
    Bild 3: Meyers letztes Wohnhaus in der Mohrenstraße 36

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    "Servus!" - "Servus" - "Wo gehst`n hie?" - "Ah`ns trink`n, zum Ludwich!" - "Geh ich mit!"

    Freitag Abend, erster Anlaufpunkt "Rohmanns Gaststätte" in der Rückertstrasse. Damaliger Pächter in den 60-70er Jahren Ludwig Koch. Frau Else, ständig im Stress hinter der Theke in ihrer "Kochnische". Jeder neue Gast wurde mit "Servus" und "Hallo" begrüßt. Man kannte sich und ging an keinem Tisch vorbei ohne freundschaftlich zu "klopfen". Ch., wie immer am Flipper, gleich dort am Eingang und stets mit der Frage auf den Lippen: "Kannste mir mal`n Bier bezahlen?" Wie oft hat der die Scheibe vom Flipper zerhauen!? Lokalverbot das Resultat. Aber 3 Trage später war wieder alles vergessen. Neue Scheibe und Ch. war in noch schlechterer finanzieller Verfassung!

    Endlich den " 3er" und den "1er" gleich dazu. F. war als Fahrschullehrer ganz okay und kam auch regelmäßig ins Rohmann. Das erste Auto! Mit was für "Krück`n" ging es los? 600er Fiat, NSU Prinz 4, DKW Junior, BMW 700, VW, und, und, und! Sprit bei 60 bis 70 Pfennig pro Liter bis später die sogenannte "Energiekrise" den Weg frei machte für die "Abzocke" nach oben! Nur Probe aufs Exempel! Mal sehen, wie der konsumverblödete deutsche Michel darauf reagiert? Zuvor wurde der deutsche Autofahrer bei z. B. ESSO mit dem "Tiger im Tank" geködert und bei BP und ARAL wurden die Leute verrückt gemacht mit dem Losspiel "Rubbel die Mark". Es konnten bis zu 10.000 DM gewonnen werden. Nur brauchte man zum Los das passende Gegenlos. Am Samstag waren dann die Anzeigen in der Presse oder im Tageblatt zu lesen: Habe Los Nr......., suche Gegenlos. Gewinn "Halbe-Halbe". Die Leute haben getank wie die "Weltmeister" - und dann plötzlich "Energiekrise"! Wie wurden wir damals nur verarscht!

    Erstmal eine "Ehrenrunde" um den Markt, rein in die "Spit", um den "Gräfsblock" und zurück zum Albert. Spätestens jetzt brüllte oder pfiff einer und wollte mitfahren - wieder Retour und durch die Mohrenstrasse runter zum Bahnhof. Jetzt müssen die Kumpels kommen, die zur Zeit beim Bund sind. Massen von Leuten schieben sich durch den Bahnhof. V. kommt heute im Dienstanzug - da muss der Wachhabende in Amberg gerade auf dem Klo gewesen sein, als V. an der Wache vorbei ging! P. kommt natürlich mit Ausgehuniform nach Coburg. Mohrenstrasse, Spit, Markt, Herrengasse, Rückertstrasse - Parkmöglichkeiten fast überall! Wie gross war damals die Verkehrsdichte in Deutschland? Der Kult um Deutschlands liebstes Kind, sprich "PKW" war halt damals noch nicht so ausgeprägt wie heute. Die Bürgersteige waren vielerorts schmäler, Fussgängerzone? - Hä? Was`n des? - Unbekannt! Tempo 30? - Wohl blöd was! - Parken also kein Problem.

    Am Stammtisch gegenüber der "Kochnische" ist noch Platz. "Was kriegt`n ihr?" - Elfi, wie immer gut drauf, bedient heute Abend. Urkulm, Edelherb, EKU-Pils bitte! Es wurde behauptet, der Ludwig hätte weit über 40 (!) Biersorten parat! Das ist wie heute beim Sagasser. Gulschsuppe, Schmalzbrot oder Brot mit Bratwurstfülle, die einzigen Gerichte im Rohmann. Wenn in der Gulaschsuppe Fleisch war, ging das wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Doch essen sollte man die Gulaschsuppe erst gegen 23 Uhr! Man hatte ja dann schon mehrere Pils intus. Eifrige Stammtischbeobachter konnten nämlich berichten, dass der angebrannte Topf, in dem die Gulaschsuppe so vor sich hin köchelte, schon mal am Rand mit einem Zeigefinger etwas "gereinigt" wurde! - Scho` lang her! (Fortsetzung folgt)

    Fotonachweis:
    Die Rückertstraße um die Jahrhundertwende (Sammlung Norbert Niermann)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    weil es so schön war - die Fortsetzung.

    Am Salzmarkt befand sich damals die Firma Gummi Hess ( nicht falsch verstehen)!
    Die Kurve dort bezeichneten wir als die "Gummi-Hess-Kurv`n". Wenn man dort Reifen quietschen hörte, kam garantiert S. mit seinem Glas-BMW um die Ecke gefegt. S., Mitglied des MSC, war wie immer sehr flott unterwegs. Auch als Stammgast im Rohmann war er stets dabei, wenn es darum ging, mehrere Biere zu "versteckeln"!
    Soll wieder zurück sein ins Bayerische!
    An einem Freitagabend gegen Mitternacht wurde gegen heftigen Protest der Gäste das Lokal geschlossen, keiner wusste warum. Am Samstag war dann zu sehen, weshalb am Vorabend so bald geschlossen wurde. Zwei Maler hatten über Nacht die Kneipe neu gestrichen bzw. neu tapeziert. Ludwig wurde deshalb angepöbelt. Einer, der seine Birne an seinem Stammplatz immer gegen die Wand lehnte und dort natürlich seine "Visitenkarte" hinterlassen hatte, zog ernsthaft in Erwägung, sich eine andere Stammkneipe zu suchen.
    Dann kam die Zeit, als der "Schinzel`s Ernst", vom "Weißen Ross" in der Judengasse, die "Cortendorfer" in der Steingasse übernahm. Wenn wir Ludwig ärgern wollten, sind wir am Rohmann vorbei, ums Eck in die "Cortendorfer" gegangen.
    "Ihr könnt auch euer "Scheidmantel" bei mir trinken!" Ludwig war das gar nicht recht und er meckerte uns deshalb an. Er wusste schon, was er an uns hatte. Schinzel hatte damals einen alten Tresen im Hausflur stehen, der stand aber plötzlich eines Abends im Hof der Ehrenburg (damals war die Ehrenburg nachts noch zum Durchgehen offen). Plötzlich brannte der Tresen lichterloh. "Da hammer doch so a paar Sauhünd mein Tres`n ahgazünt! Wer ner die Krüppel bloß war`n?" Das war echt kein feiner Zug. Ernst hat es sicher nie erfahren, wer die "Gauner" waren.

    Drei Mann und 30 Jahre Lokalverbot

    Begonnen hatte alles mit dem Besuch der Burgschänke an einem Samstagmittag. Nach einem Platzregen hatten wir zwar die Terrasse vor der Burgschänke für uns, zogen uns aber dann in das kleine Aussichtstürmle zurück, weil es dort eben trockener war. Der Kellner brachte uns "Nachschub" und für sich immer gleich ein Bier mit. Zum Schluss war der dann auch ganz schön besoffen. Als die Sonne wieder zu brennen begann, machten wir uns auf den Heimweg, Richtung Rohmann. Zu unserem Glück stand an der Ampel unser Freund B., der hatte einen Kadett-Kombi. Gleich neben der Ampel hatte jemand eine große Kastanie gefällt und in Stücke von ca. 1 m Länge zersägt. K., der im angetrunkenen Zustand immer gute Einfälle hatte, machte den Vorschlag, so ein Stück von der Kastanie dem Ludwig als Heizmaterial zu schenken. Der Kadett-Kombi war zunächst leer aber nicht lange, denn dann waren vier Mann und ein Stück Kastanienbaum drinnen. Als wir beim Rohmann ankamen, peilte ich erst mal die "Lage". Im letzten Raum, dort wo die "Box" stand, saßen nur drei oder vier Leute. Ein Fenster wurde geöffnet und "bruch-bruch" landete der "Klotz" auf einem Tisch. Zunächst freudig von der Else begrüßt (sie merkte erst mal nix), nahmen wir Platz. Elfi kam und fragte: "Was kriegt`n Ihhh..., seid ja blöd, wenn das der Ludwig sieht"! - Ein Geschrei! Alle Gäste natürlich auf unserer Seite - Endlich mal was los im Rohmann. Ansagen wurden laut: " Nächste Woche bringe ich eine Dampfwalze mit" usw. usw.....
    Else bekam einen Weinkrampf oder so ähnlich. Dass wir für sie Brennholz mitgebracht hätten, wollte sie nicht gelten lassen - So was blödes. Einer hat mal erzählt, 1946 haben sie sogar ins Theater Brikett´s mitgebracht!?
    "Raus, raus, alle Lokalverbot! Wie viel Mann? Drei? - 30 Jahre Lokalverbot"!
    Unter dem Beifall der Gäste wurde nun der "Klotz" durch das ganze Lokal, bis vor die Haustüre getragen (das Ding war sauschwer) und dort zunächst abgelegt. Mittlerweile war es dunkel geworden. B. musste erst den Kadett holen und jeder, der ins Lokal wollte, musste über den "Klotz" steigen. - Das war Samtstagabend! Am Freitagabend darauf gab es eine Amnestie und die 30 Jahre Lokalverbot wurden wieder aufgehoben! - Scho lang her....

    (Fortsetzung folgt)

    Bildquellen:
    Bild 1: Das Haus der ehemaligen Gastwirtschaft Rohmann, heute Coburger Puppenmuseum (Foto Christian Boseckert, 2007)
    Bild 2: An der "Gummi-Hess-Kurvn" am Salzmarkt (Foto: Christian Boseckert, 2007)
    Bild 3: Auf geht´s zum Rohmann (Fotosammlung Norbert Niermann)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Gegen zwei Uhr früh klingelts bei mir und H. steht "dicht" vor der Türe. "Was`n mit dir los?" - "Eh Alter, die ham`mer`mei Horex geklaut!" - "Wo warste denn?" - " Im Rohmann!" - "Kannste mich hemm fahr?" - "Logo!" - Drauf auf die BMW und nach "Siemau" gegeigt! - "Geh fei erst später zur Polente wegen deiner Fahne, gell!" - "Ja, ja!"

    Pfingst Sonntag. Die Horex lehnte am Brunnen vorm Rohmann - außen! Am Montag lehnte die Horex immer noch am Brunnen, aber innen und zwei Meter unter Wasser! Und H. hatte die Horex monatelang aus Schrott wieder aufgebaut und war so stolz darauf. Die Horex gibts schon lang nicht mehr und H. hat sich mit 52 auch schon verabschiedet! H. meinte damals zu mir, dass er die Kneipe nie mehr betreten will! - Was kann aber die Rohmanns Kneipe dafür, dass dem sein Motorrad im Brunnen steht?!?

    Da sind schon lange vor dem "Horex-Bad" zwei Pferde mal in den Brunnen reingehüpft und um die rauszukriegen wurde das halbe Brunnengeländer abgebaut! - Glauben Sie nicht? - gibt`s doch Bilder davon! Ist halt schon fast 100 Jahre her!
    Wer noch nicht 16 war flog raus! Es bestand für Neulinge Ausweispflicht! Da war die Else sehr streng! Gell!?
    In der Mittagspause, wenn Berufsschule war, begann eine kleine "Völkerwanderung" zum Rohmann! Schule nachmittags? - Kannste vergessen!
    Telefonat beim Lehrherren war meistens die Folge. Einmal wollten F. und R. den Berufsschullehrer verklopfen! Beide waren "hackedicht"! Unser Chef meinte nur dazu: Geht halt am Wochenende dorthin! Dann gibts keine Probleme! Unser "Boss" war eigentlich sehr für uns "Stiften". Es kam vor, dass er am Freitag Abend mit seiner Frau in die "Lore" ging. Wenn wir uns dann zufällig über den Weg liefen, meinte er nur: "Na Jung, wo gehts denn hin?" - "Ins Rohmann!" - "Da nimm, und trink mal auf unser Wohl!" - "Super, der Abend war gerettet und manchmal war auch noch "Eins" für den CH. mit drin!

    Schön wars im Rohmann am Morgen, so gegen 1o Uhr wenn geöffnet wurde. Da war der "Dunst" zwar noch zu riechen, aber er war wenigstens "umgelüftet". Die Gläser waren gespült, die Lippenstifte abgewischt, die Aschenbecher sauber und die Kneipe war gekehrt! Auch war der Fussboden wieder trocken, denn es blieb nicht aus, dass bei dem Geschiebe und Gedränge in den "Stosszeiten" der Bedienung manchmal ein volles Tablett "abgeräumt" wurde!

    Abends war es aber manchmal "kriminell". Da war teilweise der Zigarettendunst so dicht, dass man die Musicbox nur "schemenhaft" sehen konnte! Hauptsächlich dann, wenn die Fenster im letzten Raum zu waren. Es waren im Lokal nur zwei Fenster zu öffnen und die mussten abends wegen dem Krach geschlossen werden. Alles Quatsch! Die "Box" hämmerte doch eh den ganzen Tag "volle Kanne", und wenn die Kneipe voll war, musste man schreien, um sich zu verständigen! Deshalb war Else auch immer so stressig.

    (Fortsetzung folgt!)

    Bildquelle:
    Der Rückertbrunnen (Foto: Christian Boseckert, 2007)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Oftmals zur später Stunde begannen dann die Gäste (die Alteingesessenen) das "Revolutionslied" zu gröhlen.

    Brennt das Rohmann nieder
    Brennt das Rohmann nieder
    Brennt das Rohmann nieder
    Macht 'nen Puff daraus!
    Ja sie kommt schon...
    Die Revolution!

    Da bekam dann die Else immer "Muffe" und schluchzte wir sollten doch nicht so ein Lied singen! Und schwupps, wie von Geisterhand, standen dann zwei oder drei "Liter" auf dem Tisch. Meistens stimmte Ch. dieses Lied an und er hatte auch dann stets den ersten Maßkrug in der Hand und gab ihn nicht mehr her.

    Scho' lang her!

    Eva, Elfi, Karin, die"Nitt'l", Bobbi, Mike und wer noch alles versuchten sich als Bedienung. M. hatte auch einmal Lokalverbot. Die Kumpels die in der Kneipe saßen, bestellten für ihn ein Bier und er trank es durch das geöffnete Fenster auf dem Bürgersteig. Das merkte natürlich der Ludwig und die Fenster wurden geschlossen. Für die Else in ihrer "Kochnische" war das enorm schweißtreibend bei den hochsommerlichen Temperaturen und die Fenster waren sofort wieder offen.

    Die NPD machte von sich Reden und an einem Samstagnachmittag sprach der Vorsitzende Adolf von Thadden auf dem Schlossplatz. Vormittags erschien ein gut gekleideter Herr im Rohmann und kurz darauf ging Ludwig durchs Lokal. "Alle mal herhören! Wenn ihr heute Nachmittag auf'm Schlossplatz kräftig grölt und pfeift gibt's Freibier!" Endlich mal was gutes, meinte Chr.. Gähnende Leere in der Kneipe, alles stand am Schlossplatz. Schreien und Pfeifen und: "NPD raus!" war zu hören und dann: "Hoch die Tassen!" - wer nur das Freibier bezahlt hatte?

    Dienstag Abend, die Mohrenstraße war gesperrt und schwarz vor Menschen. Mehrere Hundertschaften BePo aus Nürnberg waren anwesend. Die NPD hatte eine Veranstaltung im Hofbräu-Saal und Adolf von Thadden hatte sich als Redner angekündigt (das haben ja schon andere vor ihm in diesem Saal getan). Die Menschenmenge konnte nur mühsam von der BePo zurückgehalten werden. Ein Zutritt war für die NPD´ler nicht möglich und deshalb entschlossen sich die Veranstalter einen Zugang über die Badergasse ins Hofbräu zu ermöglichen. Neben dem "Central Kino" in der Badergasse war ein Holztor und hier konnte man, wenn es offen war, in den ehemaligen Biergarten der Hofbräu-Gaststätten gelangen. Hier hinten hatte Hilde Scheer ihr Fotoatelier und unter dem Hofbräu-Saal befand sich das "Passage Kino". Nun hatte es sich in Windeseile herumgesprochen, dass der Thadden über die Badergasse in den Hofbräu-Saal eintritt. Ein wildes Gerenne begann Richtung Badergasse - aber auch hier hatte die BePo bereits alles abgeriegelt. Als dann Thadden mit seinen Gefolgsleuten erschien wurde er mit wüsten Beschimpfungen und Gejohle und dem Ruf: "Ho, Ho, Ho Tschi Mihn!" empfangen, abends gab es dann wieder Freibier im Rohmann. Ob wir denn auch kräftig gepfiffen und geschrieen hätten, wollte Ludwig wissen?! Als erster meldete sich Ch.: "Logisch!"

    Viel könnte man noch erzählen vom Rohmann, doch plötzlich war alles anders. Andere Leute kamen dort rein, mehr und mehr fremde Gesichter. Es kam die Zeit wo es hieß:"Hasste Haschisch in den Taschen, - hasste immer was zu naschen!" und damit war der Niedergang dieser Kneipe vorprogrammiert. "Was macht'n der?" - "Is nimmer in Cobborch!" - "Un' der?" - "Wah's ich net" - Es war halt "Unsere Zeit!"

    Scho' lang her!

    Vor einiger Zeit waren wir mal im "Balkan Grill" wie die Kneipe jetzt heißt. Essen war gut. Und als ich so durch die Gaststätte geh, kommen wieder die Erinnerungen an damals. "Monday, Monday" von den "Mamas and Papas" hämmerte damals die Box und Ludwig musste die Platte erneuern, weil sie schon mächtig "eierte" - so oft wurde sie gewählt! Lieder der Beatles und der Stones waren "in". Und als ich so über dem Essen sitze, kommen mir alle wieder in den Sinn, die sich damals "Rohmänner" nannten und einige davon sind schon nicht mehr unter uns! Generationen hat das "Rohmann" in seiner Langen Geschichte schon gesehen - wurde halt gern von jungen Leuten besucht!

    Scho' lang her!

    ENDE

    Bildquellen:
    Bild 1: Die Hofbräugaststätten
    Bild 2: Das "Rohmann" in den 1960er Jahren (beides aus der Sammlung Norbert Niermann)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Mit Recht sind die Coburger stolz auf ihren Hofgarten, ist er doch eine Zierde und ein Erholungsgebiet, wie wir sie nicht oft in Deutschland finden. Über dessen Geschichte, ist dem normalen Coburger jedoch wenig bekannt. Die Ursprünge des Hofgartens gehen auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück, als 1680 mit dem Einzug des Herzogs Albrecht III. Coburg wieder zu einer Residenzstadt wurde. Albrecht III. war sehr daran gelegen Coburg zu einer Residenzstadt auszubauen, der aber zu Anfang ein fürstlicher Park, wie viele andere deutschen Kleinstaaten ihn schon hatten, fehlte. Deshalb beauftragte der Herzog den Architekten Justinus Bieler aus Saalfeld einen Hofgarten zu schaffen, denn die vorhandene Grünanlage beim Ballhaus am Schlossplatz (heute stehen dort die Arkaden), reichte den repräsentativen Ansprüchen eines Fürsten in der Barockzeit nicht mehr aus. Bieler hatte bereits Erfahrung mit Parkanlagen gesammelt, da er schon vorher bereits einige kleine Fürstenhöfe in Thüringen verschönert hatte. Nun ging er mit vollem Elan an die neue Aufgabe heran, sodass bereits 1680 der Plan zur Anlegung eines Hofgartens entstanden ist. Die Urzelle des Coburger Hofgartens war der Probstacker, der sich bereits im herzoglichen Besitz befand und

    sich im Süden von der Leopoldstraße bis hinauf zum heutigen Herzog-Alfred-Brunnen erstreckte. Sein Name leitete sich von der, einst hinter der Moritzkirche befindlichen Propstei des Benediktinerklosters Saalfeld ab, die auch Eigentümerin des nahe gelegenen Probstgrundes war. Nach der Reformation ging in Coburg der kirchliche Besitz in landesherrliches bzw. städtisches Eigentum über. Das ganze Gebiet des Ur-Hofgartens teilte Bieler dem Zeitgeschmack entsprechend rechtwinklig und im Stil eines italienischen Hanggartens terrassenförmig ein. Der Park sollte sportlichen, ästhetischen und praktischen Zwecken dienen, so legte er im nördlichsten Teil auf Höhe des jetzigen Herzog-Alfred-Brunnens und ein Stück davor den „oberen Baumgarten“ an, in dem Bieler auch zwei Pavillons vorsah, die aber erst 1754 gebaut und als „Lustbäulein und Theehäuser“ Verwendung fanden. Davor lag der dreigeteilte Park, indem von oben nach unten sich die „Schieß- und Exerzierplätze“ und dann weiter nach Süden sich ein breites Mittelfeld anschloss, welches als „Lust- und Blumenquartier“ bezeichnet wurde. Dieser Teil war von Parallelwegen und einem Mittelweg durchzogen, der am Ende von einem „herrschaftlichen Lustgebäude“, welches sich ungefähr auf Höhe der heutigen Zinnenmauer befand, abgeschlossen war. Links und rechts von diesem Gebäude rundeten vermutlich Pavillons das Gesamtkunstwerk ab. Der Mittelweg stand allerdings nicht im Bezug zum Zugang, denn dieser erfolgte über einen von Südwesten heranführenden Weg, der seitlich zur linken Baumallee führte oder zunächst parallel zur südlichen Gartenmauer, dann in der Hauptachse abknickend zum „Lustgebäude“. Dieser Verlauf entspricht dem heutigen breiten Weg an der Reithalle vorbei in Richtung Kleiner Rosengarten und Großem Kinderspielplatz. An das Mittelfeld grenzten rechts und links quadratische Felder an, die der „Heranzucht von Küchengewächsen“ und als Blumenbeete dienten. An den beiden äußersten Seiten befanden sich zwei einreihige Baumalleen, die den Park nach Westen und Osten begrenzten.

    Der heutige Kleine Rosengarten war der südlichste Teil dieses Hofgartens, welcher in vier Grünflächen aufgeteilt war. Dort grenzte das Hofgärtnerhaus, welches heute noch in etwas veränderter Form steht, den Park nach Süden ab. Ein weiteres Relikt aus dieser Zeit ist der "Lustbrunnen", welcher an der Zinnenmauer des Kleinen Rosengartens angelehnt ist. Er bot wahrscheinlich der Hofgesellschaft Herzog Albrechts III. beim Lustwandeln einen erfrischenden Trunk an. Begrenzt wurde dieser von einer zwei Meter hohen Mauer, deren Reste heute noch u.a. bei den Grundstücken Park 3 und 3a, sowie beim Hofgärtnerhaus noch zu sehen sind. Das bedeutete, dass nur die herzogliche Familie Zutritt zum Park hatte und das gemeine Volk außen vor blieb.Diese Mauer wurde bei der Erweiterung des Hofgartens von 1856/57 zum größten Teil entfernt, als man daran ging den Hofgarten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wann nun der Hofgarten genau angelegt wurde ist allerdings nicht aus den Akten ersichtlich, lediglich erwähnen diese, dass die für den Bau notwendigen Abmessungen im März 1682 stattfanden. Von den Bäumen der ersten Zeit waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch einige Exemplare vorhanden. Auf einer alten Abbildung kann man erkennen, dass sie im Schnitt gehalten wurden, dass also die erste Anlage im Rokokostil ausgeführt wurde. Leider haben sich aus der Zeit danach nur wenige Belege und Akten über das Aussehen und den Geschehnissen im und um den Hofgarten herum erhalten. Dies änderte sich erst als 1816/17 Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Eltern das Hofgartenmausoleum errichten ließ. Doch das ist eine andere Geschichte.

    Bildquellen:
    Bild 1: Das heutige Hofgärtnerhaus bildete das südliche Ende des ursprünglichen Hofgartens.
    Bild 2 und 3: Die beiden Pavillions bildeten den nördlichen Abschluss des alten Hofgartens.

    (Alle Fotos Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Es gehört zu einem der monumentalsten Jugendstilbauten in Coburg. Die Rede ist hier vom sogenannten „Berger-Block“, welcher wie ein Palast an der Kreuzung Bahnhofstraße / Hintere Kreuzgasse / Hindenburgstraße steht. Benannt ist er nach dem Architekten dieses Bauwerks, dem Hildburghäuser Jugendstil-Baumeister August Berger. Dieser errichtete zwischen 1910 und 1913 in mehreren Bauabschnitten dieses durchaus architektonisch wertvolle Gebäude. Was jedoch kaum einer weiß: Bereits vor dem Bau des „Berger-Blocks“ standen dort einige Häuser. Auch diesen gilt hier unser Augenmerk. Insgesamt standen dort drei Handwerkerhäuser, welche wohl aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammten. Eine Beschreibung aus der Zeit um 1700 spricht hier von zwei Hofstätten und einem alten Haus mit zwei Etagen, einer Stube und einer Werkstatt. Der Begriff Hofstatt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass hier wohl zwei Gehöfte, also zwei landwirtschaftlich geprägte Anwesen, existierten. Auf dem Urkatasterplan von 1860 ist dieses Gehöft, mit Zugang über die Hintere Kreuzgasse, noch deutlich erkennbar. 1875 erhielten die drei Gebäude die Adressen Bahnhofstraße 8, 10 und 12. An der Ecke zur Hinteren Kreuzgasse stand das Haus Nr. 8. Dieses war über hundert Jahre lang ein Weber- bzw. ein Tuchmacherhaus. Ab 1864 befand sich in dem Gebäude eine Schuhmacherwerkstatt. Im Jahre 1883 kam das Anwesen in den Besitz des Kaufmanns Carl Thomas, welcher dort ein Lebensmittelgeschäft eröffnete. Dieser Laden erfreute sich in seiner Umgebung einer großen Beliebtheit. Schon bald bezeichnete der Volksmund diese Straßenecke als „Thomas-Eck“. Das nächste Haus mit der Nummer 10 war einst ein Gerberhaus. Davon zeugen die Trockenböden auf der Fotoaufnahme von 1900. Die bekannte Gerberfamilie Aumüller hatte es seit 1820 in ihrem Besitz. Das Gebäude Bahnhofstraße 12 war ebenfalls im Besitz der Familie Aumüller und gleichermaßen ein Gerberanwesen. Es kann dabei vermutet werden, dass beide Gebäude einst zusammengehörten. Dafür spricht, dass die zwei Häuser vor 1875 eine gemeinsame Hausnummer besaßen. Die Frage jedoch, welche sich hierbei stellt, ist die nach dem fließenden Gewässer, welches für die Ausübung des Gerberberufs unbedingt von Nöten war. Der Hahnfluss, an welchem sich ja die meisten Gerber angesiedelt hatten, floss hier nicht vorbei. Wo kam demnach das Wasser her? Bis 1875 floss zwischen dem eben genannten Haus Nr. 12 und dem Anwesen Nr. 14 (heutiger Reiterladen) der sogenannte „Lautergraben“ entlang. Dessen Verlauf begann in der Nähe der Heiligkreuzbrücke, wo er die Itz verließ, überquerte die Bahnhofstraße und folgte einer Linie Hindenburgstraße / Löwenstraße, bis er am heutigen Alexandrinenbad in den Hahnfluss mündete. Die Aumüller´schen Anwesen besaßen damals einen Zugang zum Lautergraben. Mit der Zuschüttung des Grabens wurden auch die Gerbereien in der Bahnhofstraße aufgegeben. Großflächige Veränderungen auf diesem Areal begannen kurz nach 1900. Der Baurat Carl Kleemann plante dort ein Geschäftshaus zu errichten. 1904 erfolgte die Zustimmung des Städtischen Bauamts für dieses Vorhaben. Als erstes Teilstück wurde bereits 1908 das Haus Hintere Kreuzgasse Nr. 1 errichtet, welches auf der Zufahrt zur alten Hofstatt entstand. Inzwischen war der Baurat Kleemann allerdings verstorben. Sein Baugeschäft übernahm der bereits erwähnte August Berger, welcher die einzelnen Grundstücke zum Hausbau erwarb. 1910 konnte der Architekt den Bauantrag an die Stadt stellen, welcher einen positiven Bescheid erhielt. Sogleich begannen die Arbeiten an diesem Projekt. Das „Thomas-Eck“ durfte jedoch noch ein Jahr stehen bleiben. Erst 1911 kaufte Berger dieses Anwesen auf Abbruch. Die Familie Thomas zog daraufhin in das Haus Hintere Kreuzgasse Nr. 4 um, und betrieb ihr Lebensmittelgeschäft dort noch einige Jahrzehnte. 1913 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Es ist beachtenswert, dass es zu diesem Projekt zahlreiche Fotoaufnahmen vorhanden sind, welche den Stand des Hausbaus dokumentieren. Eine der bekanntesten Aufnahmen aus dem Jahre 1910 ist hier abgebildet. August Berger hat hier einen der markantesten Jugendstilbauten Coburgs geschaffen. Es war kein Spekulationsobjekt, sondern der Komplex blieb im Besitz des Architekten. Als dieser 1947 starb, traten seine Kinder das väterliche Erbe an. Die Geschäfte, welche in das neue Haus einzogen, waren vielfältig. Bedeutende Unternehmungen waren darunter aber nicht. Interessanter ist jedoch die Tatsache, dass sich neben einige Familien mit der Zeit auch zahlreiche Arztpraxen in dem Komplex niederließen. Der bekannteste Bewohner des „Berger-Blocks“ ist jedoch der Kunstmaler Heinrich Höllein gewesen, der im Haus Nr. 12 einige Zeit lebte. Etwas kurioses gäbe es am Schluss auch noch zu berichten. Ende der 1970er Jahre stürzte ein Erker des Teil-Gebäudes Bahnhofstraße 10 an der Seite zur Hinteren Kreuzgasse aus unbekannter Ursache auf die Straße. Verletzte und Tote waren dabei nicht zu verzeichnen, da dass Unglück mitten in der Nacht geschah. Der Erker wurde kurz darauf wieder aufgerichtet.

    Bildquellen:
    Nr. 1 Die drei früheren Anwesen an der Stelle des "Berger-Blocks". Aufnahme um 1905 (Sammlung HG Coburg)
    Nr. 2 Bauarbeiten am neuen Jugendstilhaus. Daneben das noch stehende "Thomas-Eck" um 1910 (Sammlung Christian Boseckert)
    Nr. 3 Der heutige Jugendstil-Komplex des August Bergers (Foto: Christian Boseckert, 2007)

  • Thema von Christian im Forum Termine

    Freitag, 29. Januar 2010, 18 Uhr, Münchner Hofbräu, Kleiner Saal

    Die Karthäuser in Franken

    Referentin: Dr. Caralie Zermatten (Technische Universität Dresden)



    Freitag, 19. Februar 2010, 18 Uhr, Kunstverein im Hofgarten

    Der javanische Maler Raden Saleh in Coburg unter Herzog Ernst II.

    Referent: Dr. Werner Kraus (Universität Passau)



    Freitag, 19. März 2010, 18 Uhr, Münchner Hofbräu, 1. Stock, Kleiner Saal

    Coburg in alten Ansichten von 1857 bis heute

    Referent: Klaus Wöhner (Coburg)



    Freitag, 9. April 2010, 18 Uhr, ?, ?, ?

    Titel noch unbekannt

    Referent: unbekannt

    Über den April-Termin wird zu einem späteren Zeitpunkt noch informiert.

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Große Veränderungen werden sich dort ab 2011 anbahnen. Die Rede ist von den Gebäuden des ehemaligen WEKA-Kaufhauses in der Spitalgasse. Nachdem an anderer Stelle bereits über den Gasthof „Zum Bären“ und dessen Geschichte gesprochen wurde, soll es nun um das andere WEKA-Gebäude in der Spitalgasse gehen. Dieses ist nicht wie der „Bären“ der Abrissbirne zum Opfer gefallen, sondern erfreut mit seiner barocken Fassade noch heute die Coburger. Die Geschichte des hier beschriebenen Hauses Spitalgasse Nr. 12 geht bis ins Jahr 1403 zurück, als ein Eberhard Vogler das Ratslehen in seinem Besitz hatte. Betrachtet man sich die Häusergeschichte weiter, so muss festgestellt werden, das dort wohl hauptsächlich vermögende Kaufleute ansässig waren. Verwundern kann dies kaum – war doch die Spitalgasse schon in frühester Zeit das Zentrum des Coburger Handels. In diesem Zusammenhang interessiert uns aber nur eine Familie, nämlich die Kaufmannsfamilie Rieth. Diese hatte gegen Ende des 17. Jahrhunderts bereits ein beträchtliches Vermögen verdient. Seit 1664 in der Spitalgasse 12 ansässig, war die Familie Rieth auch für ihre Wohltätigkeit bekannt. 1688 zum Beispiel, stiftete die Witwe des Kaufmanns Georg Friedrich Rieth eine neue Orgel für die Heiligkreuzkirche. Es war demnach auch Geld für ein repräsentatives Wohnhaus da. 1697 gelangte das Anwesen in den Besitz des Handelsmanns Johann Martin Rieth, dem Sohn des oben genannten Georg Friedrich Rieth. Dieser plante das alte Wohnhaus abzureißen und an dessen Stelle ein neues Gebäude im barocken Stil zu errichten. Als Baumeister für dieses Unternehmen gewann er vermutlich die Gebrüder Lucchese aus Italien. Das Rieth ausgerechnet diese beiden Stuckateure mit der Ausgestaltung seines Wohnhauses beauftragte war wohl nicht zufällig. Beide waren am Wiederaufbau von Schloss Ehrenburg beteiligt, das 1690 einer Feuersbrunst zum Opfer viel. Von ihnen stammen dort die Stuck-Elemente der Hofkirche und des Riesensaals. Die Barockfassade in der Spitalgasse gilt daher als das einzige Coburger Werk der Brüder, das nicht vom Herzogshaus in Auftrag gegeben wurde. Das neue Gebäude besaß vier Stockwerke, zwei Keller, zwei Gewölbe, acht Stuben und einen Stall. Am Hauseingang stellte man zwei Karyatide (Riesengestalten) auf, welche über zwei Jahrhunderte das Gesicht der Spitalgasse prägten. Bis 1719 blieb das prächtige Anwesen im Besitz der Familie Rieth. Danach folgten weitere Kaufmannsfamilien als Hauseigentümer. 1893 erwarb die Firma K. M. Fechheimer & Co. Manufaktur- und Modewaren, Damen- und Kinderkonfektion sowie Wäscheausstattung, das Anwesen. Die Inhaber des Geschäfts, Julius Blüth und Hugo Fechheimer, waren jüdischen Glaubens, was zur Schließung des Geschäfts im März 1933 mit beitrug. Nachdem beide im Frühjahr 1933 von den Nationalsozialisten schwer misshandelt wurden, gingen beide in das niederländische Exil. Die Firma existierte fortan nur noch auf dem Papier und wurde schließlich liquidiert und das Haus zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt die Coburger Sparkasse, die es 1939 an den Kaufmann Carl Hartung veräußerte, der dort ein Strumpfwarengeschäft eröffnete. Die Firma Hartung existierte bis in die 1960er Jahre hinein. Danach zog in die Geschäftsräume das „Kaufhaus zum Mohren“ ein, das 1958 im Nachbarhaus Spitalgasse Nr. 14 eröffnet wurde. Die weitere Ausdehnung des Kaufhauses forderte Anfang der 1970er Jahre einen kompletten Neubau. Geplant war dabei der Abbruch der Häuser Spitalgasse 12 und 14, wobei auch die schöne Barockfassade zerstört werden sollte. Dies erregte den Widerstand der Coburger Bevölkerung. Es wurden Unterschriften gesammelt und Eingaben an den Stadtrat gemacht. Besonders der damalige Stadtheimatpfleger, Prof. Adalbert Bringmann, setzte sich vehement für dieses „vollständigstes Barock-Gebäude Coburgs“ (nach Jürgen Erdmann) ein, wofür er massiv kritisiert wurde. Doch die Proteste hatten Erfolg. Zwar wurden 1974 beide Häuser abgerissen, doch musste die Barockfassade am neuen Gebäude wieder angebracht werden. Ferner installierte man im 2. Obergeschoss eine Stuckdecke aus dem Altbau in die Verkaufsräume mit ein. Bringmann selbst erlebte diesen Erfolg nicht mehr, denn er starb bereits 1972. Ihm ist es mit zu verdanken, dass dieses schöne Haus nicht dem Abbruchwahn zum Opfer gefallen ist. Zum Opfer gefallen sind jedoch bei diesem Neubau die beiden Karyatiden. Diese, nach Georg Voß „geringen Arbeiten des Barockstils“, barg der Bauunternehmer Brockardt von der Baustelle und stellte die beschädigten Figuren in seinem Garten in Finkenau bei Coburg auf. Die heute dort stehenden Riesengestalten sind Kopien, die Ende der 1980er Jahre aufgestellt wurden. Als Kaufhaus kann das Gebäude Spitalgasse 14 ebenfalls viel erzählen – von der großen Einweihung 1975, dem Konkurs des Kaufhaus „Zum Mohren“ im Jahre 1983 und dessen Nachfolger, der WEKA, die am 31.12.2009 ihre Pforten schloss. Es wird interessant sein, welche Geschäfte in Zukunft in der Spitalgasse 12 anzutreffen sein werden.

    Bildquellen:
    1. Das Haus Spitalgasse 12 (Foto: Christian Boseckert, 2007)
    2. Einer der Karyatiden im Jahre 1906 (Sammlung: Christian Boseckert)
    3. Das Haus Spitalgasse 12 in den 1920er Jahren (Sammlung: Christian Boseckert)

  • Thema von Christian im Forum Coburger Geschichte

    Dieses Jahr beginnt die Sanierung der Ketschenvorstadt. Grund genug um sich das ein oder andere Gebäude dieses Viertels näher anzuschauen und dessen Geschichte zu ergründen. Beginnen möchte ich dabei mit einem reich verzierten Fachwerkhaus, das an der Einmündung der Unteren Salvatorgasse in die Ketschengasse zu finden ist. Offiziell gehört dieses Gebäude zur Ketschengasse und trägt die Hausnummer 43. Schon der Anfang dieser Häusergeschichte hält eine Überraschung parat. Es handelte sich nämlich um ein Lehen der Schenken von Siemau, deren Stammsitz einst in Untersiemau zu finden war. 1487 wird ein Valentin Schenk zu Siemau als erster Lehensgeber erwähnt. Gleichzeitig tritt damit das Gebäude ins Licht der Geschichte. Das „Schenk´sche Freihaus“ wird letztmalig 1537 erwähnt. Ab 1582 kann sich auf dem Grundstück eine Huf- oder Kupferschmiede nachweisen lassen. Schmiedebetriebe wurden vornehmlich in den Vorstädten angesiedelt, da von ihnen eine hohe Brandgefahr ausging. Die enge Holz/Strohbebauung der frühen Neuzeit machte solche Vorkehrungen notwendig. Im Jahre 1646 kam die Schmiede in den Besitz der Familie Quarck, die im 20. Jahrhundert vor allem als Heimatforscher, Juristen und Politiker in Erscheinung traten. Ursprünglich kamen die Quarcks aus Schweden, was um 1900 zu einem Politikum wurde. Das Thema diskutierte man auch am Stammtisch des Roeperts-Karl, einem Coburger Original, im Gasthaus Loreley. Als dort das Thema schließlich aufkam, sprach der Roeperts-Karl: „Dass hätte ich euch gleich sagen können, das die nicht aus Coburg stammen. Sonst hätten sie nicht Quarck geheißen, sondern Glickerläskas.“ Die Familie Quarck kann auch als Bauherr für das Haus Ketschengasse 43 angenommen werden. Die Struktur des Fachwerks, welches an der Seite zur Unteren Salvatorgasse freigelegt ist, entspricht dem Gestaltungsmuster, das im 17. Jahrhundert verwendet wurde. Das Haus blieb bis 1716 im Besitz der Familie Quarck. Aus dieser Zeit stammt auch die erste detaillierte Beschreibung des Gebäudes. Danach handelte es sich um ein zweistöckiges Wohnhaus mit drei Stuben, einem Keller, einer Werkstatt und einer Esse. Unter Esse versteht man den Rauchfangtrichter über einer Feuerstelle. Nach den Quarcks folgten zahlreiche Kupferschmiede mit ihren Familien als Grundstückseigentümer nach. 1882 erwarb der Schmiedemeister August Koch das Anwesen und ließ es komplett umbauen. Dabei wurde die Schmiede, die einst an der Ketschengasse lag, ins Hinterhaus an der Unteren Salvatorgasse verlegt. Ferner wurde das Dachgeschoss zu einem vollwertigen dritten Stockwerk ausgebaut, was an der Fachwerkfassade zu sehen ist, und ein Ladengeschäft eröffnet. Dort eröffnete Koch eine Eisenwarenhandlung. Dieses Geschäft übernahm 1902 sein Sohn Ferdinand. 1906 folgte Reinhold Schubert als Geschäftsinhaber und Hausbesitzer nach. Bereits 1894 erwarb der Firmengründer August Koch das Nachbaranwesen Ketschengasse Nr. 41 (ehemals Rosen-Apotheke) mit hinzu und erweiterte dort seinen Geschäftsbetrieb. Die Schmiede wurde nach 1900 aufgegeben. In einer Geschäftsanzeige aus dem Jahre 1934 lässt sich feststellen, dass die Firma Koch nicht nur Eisenwaren sondern auch Glas-, Porzellan- und Steingutwaren sowie Öfen, Haus- und Küchengeräte verkauften. Die Tatsache, das sich dieses Geschäft über zwei Häuser und auch zwei Etagen erstreckte, lässt vermuten, das sich die Eisenwarenhandlung mit der Zeit zu einem richtigen kleinen Kaufhaus entwickelte. Unter der Familie Schubert existierte dieses „kleine Kaufhaus“ noch bis in die 1960er Jahre hinein. Danach erfolgte der Verkauf von Haus und Geschäft an den Kaufmann Paul Wünn, der dort einen Werkzeuggroßhandel eröffnete. Noch heute befindet sich dieses Unternehmen im Hause Ketschengasse 43. Damit schließen wir die Betrachtung zu diesem Gebäude. Mancherlei unbekanntes trat dabei zutage. Am interessantesten mag wohl sein, das neben einer reich verzierten Fachwerkfassade, dieses Haus über eine über mehrere Jahrhunderte gehende Tradition der Metallverarbeitung besaß. Die gegenwärtige Firma Wünn führt diese Tradition, unter den gegebenen Umständen, weiter fort.

    Bilder:
    Nr. 1 Das Haus Ketschengasse 43 um 2006 (Foto: Christian Boseckert)
    Nr. 2 Die Eisenwarenhandlung Koch, Ketschengasse 41-43 um 1930 (Sammlung Christian Boseckert)

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Alter Hase
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