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Christian
Beiträge: 8631 | Punkte: 9209 | Zuletzt Online: 06.10.2026
Name
Christian Boseckert
E-Mail:
Chris_Boseckert@yahoo.de
Registriert am:
03.12.2004
Geschlecht
keine Angabe
    • Christian hat einen neuen Beitrag "Coburger Tageblatt" geschrieben. 05.10.2026

      Ein weiterer Einschnitt erfolgte 2003, als der Verlag des Fränkischen Tags in Bamberg die Mehrheit an der Baumann GmbH & Co. KG übernahm. Seit 2009 gehört das Coburger Tageblatt zur Mediengruppe Oberfranken. Dort steht es heute in einer gemeinsamen Unternehmensstruktur unter anderem mit dem Fränkischen Tag, der Bayerischen Rundschau und der Saale-Zeitung. Die überregionale Berichterstattung wird innerhalb dieser Struktur gemeinsam organisiert, während die lokale Berichterstattung weiterhin auf die jeweiligen Verbreitungsgebiete ausgerichtet ist.

      Wie die gesamte Tagespresse steht auch das Coburger Tageblatt seit Beginn des 21. Jahrhunderts vor erheblichen Veränderungen. Sinkende Printauflagen, das Internet, soziale Medien und veränderte Lesegewohnheiten haben das traditionelle Geschäftsmodell regionaler Tageszeitungen grundlegend verändert. Gleichzeitig wurden neue digitale Angebote geschaffen. Seit 2012 wird das Tageblatt beispielsweise auch als E-Paper angeboten.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Neuer Weg / Adamistraße" geschrieben. 04.10.2026

      Zum Parkhotel kann ich folgendes beitragen:

      Eberhard Friedmann in dem Gebäude das Parkhotel. Aus dem ursprünglich privaten Landhaus wurde damit ein Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb. Die Bezeichnung „Parkhotel“ dürfte nicht zuletzt auf die großzügige Gartenanlage Bezug genommen haben, die das Haus am Hang umgab. Zeitgenössische beziehungsweise spätere Erinnerungen beschreiben das Anwesen als repräsentatives Gebäude mit einem terrassierten und teilweise aufwendig gestalteten Garten.

      Die eigentliche Geschichte des Parkhotels war offenbar vergleichsweise kurz. Bereits 1919 wechselte das Anwesen erneut den Eigentümer. Als Besitzer wird nun der Korvettenkapitän Friedrich von Weidebach genannt. Damit scheint auch die erste Phase des Hotelbetriebes beendet gewesen zu sein. Seit 1924 gehörte das Gebäude dem Kaufmann Oswald Henning. Im Anwesen beziehungsweise einem Seitenflügel befand sich später zudem die Korbwarenfabrik Henning & Müller. Die Bezeichnung „Parkhotel“ blieb im Coburger Sprachgebrauch dennoch über Jahrzehnte mit dem Gebäude verbunden.

      Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor das einst repräsentative Anwesen zunehmend seinen ursprünglichen Charakter. Das Gebäude wurde unterschiedlichen Nutzungen zugeführt und teilweise in Wohnungen aufgeteilt. Ältere Coburger erinnerten sich noch an die groß angelegte Gartenanlage am Hang sowie an Terrassen und Nebengebäude. In den frühen 1970er Jahren befand sich das ehemalige Parkhotel offenbar bereits in einem schlechten baulichen Zustand. Für 1973 wird ein Brand in dem Gebäude überliefert.

      Sein endgültiges Ende stand schließlich im Zusammenhang mit einer der tiefgreifendsten Veränderungen des Coburger Stadtbildes der Nachkriegszeit. Beim Ausbau der Bundesstraße 4 und der sogenannten Stadtautobahn musste die Bebauung am Neuen Weg teilweise weichen. 1978 wurde auch das ehemalige Parkhotel abgebrochen. Damit verschwand ein Bauwerk, das mehr als ein Jahrhundert lang die westliche Stadteinfahrt mitgeprägt hatte.

      Die Geschichte der Villa Koeppen spiegelt damit mehrere Phasen der Coburger Stadtentwicklung wider: zunächst den Villenbau des wohlhabenden Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, anschließend die Entwicklung Coburgs als Fremden- und Aufenthaltsstadt mit gehobener Hotellerie und schließlich die tiefgreifenden städtebaulichen Veränderungen der 1960er und 1970er Jahre. Gerade der Abriss für den Straßenbau macht das ehemalige Parkhotel heute zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wie stark sich das westliche Coburger Stadtbild innerhalb weniger Jahrzehnte verändert hat.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Coburger Tageblatt" geschrieben. 02.10.2026

      Nach mehr als sechs Jahrzehnten endete 1971 die unmittelbare Verbindung des Tageblatts mit der Verlegerfamilie Colbatzky. Friedrich-Herbert Colbatzky verkaufte die Zeitung an den E. C. Baumann-Verlag in Kulmbach, der auch die Bayerische Rundschau herausgab. Der Verkauf bedeutete zwar das Ende des klassischen Coburger Familienverlages, nicht aber das Ende des Zeitungstitels. Im Gegenteil wurde das Tageblatt nun stärker in regionale Verlagsstrukturen eingebunden.

      Auch räumlich endete bald eine Epoche. Das traditionsreiche Tageblatt-Gebäude in der Mohrenstraße 17 wurde 1973 im Zusammenhang mit dem Bau des Kaufhof-Warenhauses abgebrochen. Damit verschwand ein Bauwerk, das fast ein halbes Jahrhundert lang sichtbares Symbol der Coburger Zeitungsgeschichte gewesen war.

      Mit der Eingliederung des Neustadter und Rödentaler Tageblatts entstand zugleich ein stärker auf das gesamte Coburger Land ausgerichtetes Zeitungsprodukt. Die Geschichte des Tageblatts war damit zunehmend Teil einer überörtlichen Entwicklung: Die Konzentration ehemals selbstständiger Lokalverlage in größeren Medienunternehmen wurde seit den 1970er Jahren zu einem allgemeinen Kennzeichen der deutschen Presselandschaft

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Coburger Tageblatt" geschrieben. 01.10.2026

      Nach Kriegsende konnte das Coburger Tageblatt zunächst nicht einfach wieder erscheinen. Die amerikanische Militärregierung verfolgte beim Wiederaufbau der deutschen Presse ein Lizenzsystem. Neue Zeitungen durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung herausgegeben werden. In Coburg erhielt der Journalist Peter Maslowski die Lizenz Nr. 15. Am 25. Januar 1946 erschien daraufhin erstmals die Neue Presse. Sie nutzte die ehemaligen Verlagsräume des Coburger Tageblatts in der Mohrenstraße.

      Für die Familie Colbatzky bedeutete dies eine komplizierte Situation: Zwar wollte sie an ihre Verlagstradition anknüpfen, doch die bestehenden Betriebsräume waren an die Neue Presse verpachtet und eine Wiederherausgabe des Tageblatts zunächst nicht möglich.
      Erst mit dem Ende des alliierten Lizenzzwangs und der Wiederherstellung der allgemeinen Pressefreiheit änderten sich die Voraussetzungen. Am 22. September 1949 ließ die Familie Colbatzky zunächst eine Probenummer erscheinen. Darin kündigte sie an, an die Tradition einer unabhängigen Tageszeitung anzuknüpfen. Am 1. Oktober 1949 erschien dann mit der Nummer 1 die erste reguläre Nachkriegsausgabe des Coburger Tageblatts. Hans-Georg Ehrhardt unterstützte das Unternehmen, während Hanns Thormann Chefredakteur wurde und dieses Amt bis 1962 ausübte.

      Damit entstand jene für Coburg bis heute kennzeichnende Situation zweier konkurrierender Tageszeitungen. Coburger Tageblatt und Neue Presse entwickelten sich zu zwei eigenständigen publizistischen Stimmen der Stadt und des Landkreises.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Coburger Tageblatt" geschrieben. 30.09.2026

      Die Weimarer Republik war in Coburg von einer außergewöhnlich vielfältigen Presselandschaft geprägt. Neben dem Coburger Tageblatt erschienen unter anderem die konservative Coburger Zeitung und das sozialdemokratische Volksblatt. Anfang der 1930er Jahre trat mit der Coburger National-Zeitung ein ausgesprochen nationalsozialistisches Konkurrenzblatt hinzu.
      Die politische Radikalisierung Coburgs wirkte sich unmittelbar auf diese Pressevielfalt aus. Das Tageblatt stand aufgrund seiner liberalen Tradition im Gegensatz zur nationalsozialistischen Pressepolitik. Während Zeitungen im demokratischen System miteinander um Leser, Anzeigen und politische Deutungshoheit konkurriert hatten, zielte das NS-Regime nach 1933 darauf, die Presse institutionell, wirtschaftlich und inhaltlich gleichzuschalten.

      Für Friedrich Colbatzky und sein Unternehmen hatte dies einschneidende Folgen. 1936 wurde der Verlag enteignet. Damit verlor die Familie die Kontrolle über das von ihr jahrzehntelang aufgebaute Unternehmen. 1940 wurde das Coburger Tageblatt mit der nationalsozialistischen Coburger National-Zeitung zusammengelegt; 1942 verschwand schließlich auch der Zeitungstitel. Die Entwicklung des Tageblatts verdeutlicht damit exemplarisch, wie die einst pluralistische lokale Öffentlichkeit während der NS-Diktatur systematisch beseitigt wurde. Ab 1940 blieb die Coburger National-Zeitung als einzige örtliche Tageszeitung übrig. Ihre letzte Ausgabe erschien am 10. April 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Coburg

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Coburger Tageblatt" geschrieben. 29.09.2026

      Zwischen 1893 und 1908 prägte Otto Kirchhof aus Sondershausen die Zeitung als Herausgeber. 1908 übernahm Friedrich Colbatzky (1870–1942) die verlegerische Verantwortung. Mit ihm begann eine besonders wichtige Phase in der Entwicklung des Tageblatts. Colbatzky hielt grundsätzlich an der liberalen Ausrichtung fest, bemühte sich zugleich jedoch um eine breitere Verankerung des Blattes in der Bevölkerung.

      Welche politische Bedeutung Tageszeitungen damals besaßen, wurde besonders nach dem Ende des Ersten Weltkriegs deutlich. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie und der Entstehung des Freistaates Coburg stellte sich 1919 die Frage, ob Coburg Teil des geplanten neuen Landes Thüringen werden oder sich Bayern anschließen sollte. Die Coburger Presse beteiligte sich intensiv an dieser Auseinandersetzung. Während das sozialdemokratische Coburger Volksblatt überwiegend für die thüringische Lösung eintrat, boten sowohl die Coburger Zeitung als auch das demokratisch-liberale Coburger Tageblatt vor allem den Befürwortern eines Anschlusses an Bayern Raum. Bei der Volksbefragung am 30. November 1919 sprachen sich schließlich 88,3 Prozent der gültig Abstimmenden gegen den Anschluss an Thüringen aus; dies wurde politisch als Entscheidung für Bayern interpretiert. Die Stadt Coburg selbst hebt hervor, dass Colbatzky und sein Tageblatt mit ihrer Berichterstattung und Kommentierung an dieser öffentlichen Meinungsbildung beteiligt waren.

      In den 1920er Jahren entwickelte sich das Tageblatt zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Mit wachsender Auflage reichten die älteren Betriebsräume nicht mehr aus. 1926 ließ Friedrich Colbatzky an der Mohrenstraße 17 ein modernes Verlagshaus errichten, das nach Plänen des Architekten Arthur Bergmann entstand. Das Gebäude wurde zu einem weithin bekannten Bestandteil des Coburger Stadtbildes. Um 1930 erreichte das Tageblatt eine Auflage von mehr als 10.000 Exemplaren.

      Damit hatte sich die Zeitung innerhalb von kaum fünf Jahrzehnten von einer liberalen Neugründung zu einem der wichtigsten publizistischen Unternehmen des Coburger Landes entwickelt.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Geschichte des Gemüsemarkts" geschrieben. 25.09.2026

      Vom Markt zum Parkplatz

      Noch 1931 waren 23 Gemüsehändler auf dem Coburger Gemüsemarkt vertreten. Doch gleichzeitig kündigte sich eine Entwicklung an, die den Charakter des Platzes grundlegend verändern sollte: die Motorisierung. Bereits 1928 eröffnete am Gemüsemarkt 2 eine der frühen Coburger Tankstellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg beanspruchte der Autoverkehr zunehmend den öffentlichen Raum. Der historische Gemüsemarkt verwandelte sich immer stärker in eine Verkehrs- und Parkplatzfläche.

      Damit wiederholte sich gewissermaßen die Geschichte: Rund acht Jahrzehnte zuvor war der Gemüsemarkt aus der Spitalgasse verdrängt worden, weil er dort den zunehmenden Verkehr behinderte. Nun vertrieb der Verkehr die Händler auch von dem eigens für sie angelegten Platz.

      Ein besonders sichtbarer Einschnitt erfolgte 1969. Der ehemalige Spitalhofbrunnen, der nach der Anlage des Platzes als Gemüsemarktbrunnen weiterbestanden hatte, wurde entfernt. Gleichzeitig wurde der Platz verkehrstechnisch umgestaltet und eine Durchfahrt in Richtung Georgengasse und Theaterplatz geschaffen.

      Das historische Marktareal verlor damit weitgehend seine ursprüngliche Funktion. In den folgenden Jahrzehnten dominierte zunehmend die Nutzung als Parkplatz.

      Eine Tradition lebt weiter

      Ganz verschwunden ist der Coburger Gemüsemarkt jedoch nicht. Er hat lediglich seinen Standort gewechselt. Heute findet der unter diesem Namen geführte Markt jeden Dienstag und Freitag von 8 bis 13 Uhr auf dem Coburger Marktplatz statt. Noch immer gehören Direktvermarkter und Gemüsebauern aus der Bamberger Gegend zu seinen Beschickern. Damit lebt eine Verbindung fort, deren Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Geschichte des Gemüsemarkts" geschrieben. 24.09.2026

      Die „Zwiebeltreter“ aus Bamberg

      Die Händler aus dem Raum Bamberg prägten den Platz so sehr, dass ihre Herkunft selbst in die Geschichte der angrenzenden Häuser Eingang fand. Im Haus Gemüsemarkt 1 eröffnete 1887 eine Gastwirtschaft mit dem bezeichnenden Namen „Stadt Bamberg“. Die Bamberger Gemüsehändler wurden in Coburg mitunter scherzhaft als „Zwiebeltreter“ bezeichnet – ein Name, der zugleich an ihre wichtige Rolle beim traditionellen Coburger Zwiebelmarkt erinnert.

      Auch baulich entwickelte sich der Platz weiter. An der Stelle des ehemaligen Pächterhauses des Spitalhofs entstand 1869 das heutige Gebäude Gemüsemarkt 1. Dabei wurde ein bemerkenswertes Relikt des Vorgängerbaus wiederverwendet: die 1737 entstandene Türrahmung mit der Darstellung des heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Sie erinnert bis heute an das Georgenspital, aus dessen Wirtschaftshof der Gemüsemarkt hervorgegangen war.

      Zeitweise entstanden rund um den Markt auch gastronomische Angebote. Neben der „Stadt Bamberg“ bestand zwischen 1897 und 1905 die Restauration „Zum Gemüsemarkt“ im Haus Nummer 3. Für die stark angewachsene Zahl der Marktbesucher musste zudem die Infrastruktur verbessert werden: 1890 errichtete die Stadt ein gusseisernes öffentliches Bedürfnisanstalt, die 1910 durch eine neue Anlage ersetzt wurde.

      Der Platz entwickelte sich darüber hinaus zu einem kleinen gewerblichen Zentrum. Auch die Coburger Pressegeschichte hinterließ hier ihre Spuren: Das 1886 gegründete Coburger Tageblatt verlegte seine Druckerei bereits 1888 an den Gemüsemarkt 1.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Geschichte des Gemüsemarkts" geschrieben. 23.09.2026

      Noch 1867 und zu Beginn des folgenden Jahres wurde ein großer Teil des Spitalhofs abgebrochen. Auch die alte Mädchenschule verschwand, wodurch eine zusätzliche Verbindung zum Theaterplatz entstand. Der neue Platz erhielt zunächst den Namen Bürglaßplatz. Im Mittelpunkt blieb der ehemalige Brunnen des Spitalhofs erhalten. Zugänge bestanden zum Unteren Bürglaß, zum Steinweg und nun auch zum Theaterplatz. Auf Anregung des Stadtbaumeisters Julius Martinet wurde außerdem die städtische Waage an den neuen Markt verlegt.

      Damit war nicht nur ein neuer Markt entstanden. Der Abbruch des Spitalhofs veränderte zugleich die städtebauliche Situation zwischen Steinweg, Bürglaß und Theaterplatz grundlegend. Noch heute zählt die Öffnung dieses Bereichs zu den charakteristischen Eingriffen in das Coburger Stadtgefüge des 19. Jahrhunderts. Auch die amtliche Denkmalliste hebt den durch den Abbruch des Spitalhofs geschaffenen Gemüsemarkt als Bestandteil des historischen Stadtbildes hervor.

      Der erste Markt im Jahr 1869

      Am 23. Oktober 1869 fand auf dem neuen Platz der erste offizielle Gemüsemarkt statt. 22 Händler boten ihre Waren an; vorgesehen war der Platz sogar für 38 Gemüsebauern.

      Viele der Händler kamen aus Bamberg und Hallstadt. Gerade diese Verbindung sollte die Geschichte des Coburger Gemüsemarkts über viele Jahrzehnte bestimmen. Zunächst waren die Gärtner allerdings wenig begeistert von ihrem neuen Verkaufsplatz. Bei schlechtem Wetter verwandelte sich dessen unbefestigter Untergrund in Schlamm, in dem die schwer beladenen Wagen stecken blieben. Einige Händler drohten sogar, Coburg künftig zu meiden und ihre Waren stattdessen in Hildburghausen oder Sonneberg anzubieten. Die Stadt reagierte: 1870 wurde der Platz gepflastert.

      Danach entwickelte sich der Markt schnell zu einer festen Institution. Zwischen den Gemüsefrauen aus dem Bamberger Raum und ihren Coburger Kundinnen entstanden langjährige Beziehungen. Nach 1875 setzte sich schließlich auch offiziell die Bezeichnung „Gemüsemarkt“ für den zuvor Bürglaßplatz genannten Platz durch.

      Wie stark der Markt frequentiert wurde, zeigt eine bemerkenswerte Zählung aus dem Jahr 1896. Am Morgen des 15. August wurden innerhalb von nur zwei Stunden 485 Personen gezählt, die allein über den Zugang vom Steinweg zum Gemüsemarkt gelangten.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Gartenstraße 3 - Wohnhaus der jüdischen Familie Ludwig" geschrieben. 21.09.2026

      Für Nathan und Bella Ludwig blieb eine Flucht aus Deutschland aus. Während der Novemberpogrome 1938 wurden beide zusammen mit anderen jüdischen Coburgern aus ihrer Wohnung geholt und durch die Stadt getrieben. Nathan und weitere jüdische Männer wurden anschließend festgesetzt. Anfang 1939 musste er schließlich auch seinen Gewerbeschein zurückgeben. Am 22. Juli 1939 starb Nathan Ludwig im Alter von 67 Jahren in Coburg. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof der Stadt beigesetzt.

      Bella Ludwig blieb allein zurück. Ende Oktober 1941 musste sie in das sogenannte „Judenhaus“ in der Ketschengasse 6 ziehen. Zudem wurde sie zur Zwangsarbeit in der Porzellanfabrik Griesbach in Cortendorf verpflichtet. Am 27. November 1941 deportierten die Nationalsozialisten Bella Ludwig zusammen mit weiteren Coburger Juden zunächst nach Nürnberg und anschließend in das Ghetto Riga. Wann und unter welchen Umständen sie dort oder an einem anderen Ort ermordet wurde, ist bislang nicht bekannt. Gesichert ist lediglich, dass sie die Deportation nicht überlebte.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Gartenstraße 3 - Wohnhaus der jüdischen Familie Ludwig" geschrieben. 18.09.2026

      Ausgrenzung und Verlust der wirtschaftlichen Existenz

      Mit der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur verschärfte sich die Situation der Familie erheblich. Dabei hatte die antisemitische Radikalisierung in Coburg bereits vor 1933 eingesetzt.

      Ende 1934 verließ Erna Hilde Ludwig Deutschland und ging in die Niederlande. Nathan Ludwig wiederum wurde 1935 von den Maßnahmen der Coburger Stadtverwaltung gegen jüdische Viehhändler getroffen. Ihm wurde die Gewerbeerlaubnis entzogen. Beschwerden gegen diese Entscheidung blieben erfolglos. Ludwig verlor damit die Grundlage seines bisherigen Berufs und versuchte anschließend unter anderem als Wäschevertreter und Handlungsreisender den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern.

      Im März 1936 endete schließlich auch die Verbindung der Familie mit ihrem langjährigen Zuhause. Nathan und Bella Ludwig mussten die Wohnung in der Brückenstraße 3 verlassen und zogen in das Haus des jüdischen Papierhändlers Kaufmann in der Bahnhofstraße 25a. Die Quellen erlauben keine eindeutige Aussage darüber, ob dieser Wohnungswechsel unmittelbar politisch erzwungen wurde; er fällt jedoch in eine Zeit zunehmender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung.

      Zwei Töchter – zwei Fluchtgeschichten

      Für die beiden Töchter bedeutete die nationalsozialistische Verfolgung schließlich die Flucht aus Deutschland.

      Erna Hilde Ludwig ging bereits Anfang Dezember 1934 nach Amsterdam. Dort heiratete sie 1936 den jüdischen Handlungsgehilfen Louis van Koppelen. Das Paar hatte eine Tochter, Sara, und lebte später in Den Haag. Mit der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 geriet die Familie erneut unter nationalsozialistische Herrschaft.

      Im August 1942 wurden Erna Hilde, ihr Mann und ihre kleine Tochter aufgegriffen, über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort getrennt. Erna Hilde und die fünfjährige Sara wurden am 23. August 1942 ermordet. Louis van Koppelen überlebte die Shoah. Das Coburg-Magazin-Forum zeichnet diesen Lebensweg ebenfalls ausführlich nach.

      Der jüngeren Tochter Anneliese Ludwig gelang dagegen die Flucht. Sie heiratete am 28. Mai 1936 in Coburg Wilhelm Oppenheimer. Im Oktober 1937 verließ das Ehepaar Deutschland und emigrierte nach Kolumbien. In Popayán wurde 1939 ihr Sohn Georg geboren. Nach Jahrzehnten im südamerikanischen Exil kehrte Anneliese 1965 nach Deutschland zurück und lebte später in Köln, wo sie 2001 starb.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Gartenstraße 3 - Wohnhaus der jüdischen Familie Ludwig" geschrieben. 17.09.2026

      Nathan und Bella Ludwig kommen nach Coburg

      Nathan Ludwig wurde am 12. Oktober 1871 in Gleicherwiesen geboren. Der Ort besaß eine traditionsreiche jüdische Gemeinde, und wie zahlreiche jüdische Familien der Region war auch die Familie Ludwig mit dem Viehhandel verbunden. Im Januar 1911 heiratete Nathan die aus Simmershausen stammende Bella Kahn, geboren am 16. Februar 1888. Nach ihrer Hochzeit zog das Paar nach Coburg, wo Nathan seine Tätigkeit als Viehhändler fortsetzte. Zunächst lebten die Ludwigs im Haus Brückenstraße 1, der heutigen Gartenstraße 1. 1912 wurde Tochter Erna Hilde, 1913 Tochter Anneliese geboren.

      Nathan Ludwig konnte sich in Coburg wirtschaftlich etablieren. Während des Ersten Weltkriegs wurde er unter anderem mit der Beschaffung von Schlachtvieh für das Heer, Lazarette und Kriegsgefangenenlager beauftragt. Zudem ist er als Spender für verschiedene Hilfsaktionen nachweisbar. Seine wirtschaftliche Entwicklung ermöglichte es ihm schließlich, 1919 das Haus Brückenstraße 3 zu erwerben. Damit verfügte die vierköpfige Familie erstmals über ein eigenes Wohnhaus.

      Das Zuhause der Familie

      Für Erna Hilde und Anneliese wurde das Haus zum Ort ihrer Kindheit und Jugend. Erna Hilde war sieben Jahre alt, als die Familie einzog, Anneliese sechs. Bella Ludwig führte hier den Haushalt und kümmerte sich um die Familie, während ihr Mann seinem Viehhandel nachging.

      Die 1920er Jahre brachten jedoch tiefgreifende Veränderungen. Nach dem Ersten Weltkrieg nahmen antisemitische Agitation und politische Radikalisierung in Coburg erheblich zu. Gleichzeitig geriet Nathan Ludwigs Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1929 wurde über sein Vermögen ein Konkursverfahren eröffnet. Zwar konnte er seinen Viehhandel anschließend weiterführen, doch die finanziellen Probleme blieben bestehen.

      1932 musste Ludwig das Haus verkaufen. Ob dies unmittelbar auf den Konkurs zurückzuführen war, lässt sich nach dem derzeitigen Quellenstand nicht eindeutig beantworten. Die Quellen nennen als neue Eigentümer im August 1932 das Malermeistersehepaar Louis und Julie Motschmann und noch im Dezember desselben Jahres eine Erbengemeinschaft Motschmann. Die Ludwigs durften zunächst weiterhin in ihrer bisherigen Wohnung bleiben.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Jugendstilgebäude Gartenstraße 1" geschrieben. 15.09.2026

      Schon wenige Jahre nach seiner Fertigstellung wechselte das Anwesen offenbar den Besitzer. Die zusammengetragenen Angaben zur Geschichte der früheren Brückenstraße nennen für 1908 das Bankhaus Schraidt & Hoffmann. Dabei handelte es sich um ein traditionsreiches Coburger Bankhaus, das bereits im 19. Jahrhundert überregional tätig war. Für 1919 nennt die Häuserchronik den Werkmeister Karl Stündel, für 1955 die Stadt Coburg.

      Das Jahr 1919 brachte auch eine bauliche Veränderung. In die markante Hausecke wurde damals ein Ladengeschäft mit kleiner Freitreppe eingebaut. Damit wandelte sich das ursprünglich reine Mietwohnhaus zumindest teilweise zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Dieser Eingriff gehört mittlerweile selbst zur über hundertjährigen Baugeschichte des Gebäudes.

      Damit ist Gartenstraße 1 weit mehr als lediglich ein schönes Gebäude aus der Zeit um 1900. Das Haus erzählt von der baulichen Erweiterung Coburgs, vom Wirken des Architekten Paul Schaarschmidt, von wechselnden Eigentümern und Nutzungen und zugleich von den Menschen, die hier lebten. Seine aufwendig gestaltete Architektur macht es zu einem markanten Zeugnis des Coburger Stadtbildes an der Schwelle vom Historismus zum Jugendstil. Seine Bewohnergeschichte verbindet das Gebäude darüber hinaus mit den politischen und gesellschaftlichen Brüchen des 20. Jahrhunderts.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Domäne Festungshof" geschrieben. 28.08.2026

      Auch das Zentrum der ehemaligen Domäne wurde grundlegend umgestaltet. Gustav Dietrich verließ den Festungshof im Februar 1910. An die Stelle der landwirtschaftlichen Gutsanlage trat ein repräsentativer Neubau nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Witt & Bischoff. Das 1910 errichtete, heute denkmalgeschützte Gebäude bildete die Grundlage des späteren Hotels Festungshof.

      Ganz verschwunden ist die ältere Geschichte möglicherweise dennoch nicht. Nach Darstellung der heutigen Eigentümer des Anwesens Festungshof 2 soll das frühere Wohnhaus des Domänenpächters 1910 zerlegt und am benachbarten Standort als Waldwärterhaus wieder aufgebaut worden sein. Andere Darstellungen berichten dagegen, dass ein Arbeiterwohnhaus der Domäne nach Oeslau versetzt worden sei und am Festungshof ein neues Forsthaus entstand. Die Überlieferung zur Verlagerung einzelner Gebäude ist deshalb nicht völlig einheitlich. Eine endgültige Klärung müsste auf Grundlage der erhaltenen Bau- und Domänenakten des Staatsarchivs Coburg erfolgen.

      Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Festungshof zu einem bemerkenswerten Ort der Coburger Stadt- und Landesgeschichte. Auf demselben Höhenrücken lassen sich sehr unterschiedliche Nutzungen nachvollziehen: eine frühe Schäferei, ein herrschaftliches Kammergut, ein großflächiges Domänengut, schließlich Forstwirtschaft, Militär, Tourismus und Gastronomie. Die Auflösung von 1910 markiert dabei die entscheidende Zäsur.

    • Christian hat einen neuen Beitrag "Domäne Festungshof" geschrieben. 27.08.2026

      Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entschloss sich die herzogliche Domänenverwaltung, den bisherigen Großbetrieb aufzugeben. Die Auflösung wurde bereits in den Jahren zuvor vorbereitet und 1910 endgültig vollzogen. Im Staatsarchiv Coburg hat sich hierzu die Landtagsakte mit dem eindeutigen Betreff „Auflösung des Domänengutes Festungshof sowie Erbauung eines Waldwärterhauses dort“ erhalten. Sie dokumentiert, dass die Aufgabe des Gutes keine beiläufige Veränderung, sondern eine förmliche Neuordnung des Areals war.

      Mit dem Ende der Domäne änderte sich auch die Nutzung der zugehörigen Flächen. Besonders bedeutsam war die Brandensteinsebene, das größte zusammenhängende Wiesen- und Feldstück des Gutes. Sie wurde dem in Coburg stationierten III. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 als Exerzierplatz überlassen. 1913 richtete das Militär dort einen Flugstützpunkt ein, aus dem später der Flugplatz Coburg-Brandensteinsebene hervorging. Ein Raum, der lange überwiegend landwirtschaftlich genutzt worden war, erhielt damit zusätzlich eine militärische Funktion.

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Christian
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