Hundstüten

#1 von Hartmut , 21.12.2015 15:01

Ich hab mal wieder in dem Buch "Vom Schursch" a Gadichtla in Coborger Sproch gelesen und bin dabei auf den Ausdruck "Hundstüten" (Die Küppla) gestoßen.
Mir ist der Ausdrck schon bekannt, aber in einer Bedeutung, die zu dem Gedicht nicht passt.
In dem Gedicht haben der Ehemann und der Sohn vor Heiligabend fast sämtliche 6 Stollen aufgegessen. Die verärgerte Frau äußert sich dazu: Nachdem sie die Stollen vor Weihnachten aufgegessen haben,sollen sie zu Weihnachten Hundstüten frass!
Weiß jemand, wo der Ausdruck seinen Ursprung hat, bzw. was er bedeutet??

 
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RE: Hundstüten

#2 von Rolf Metzner , 21.12.2015 16:33

Zitat von Hartmut im Beitrag #1
Ich hab mal wieder in dem Buch "Vom Schursch" a Gadichtla in Coborger Sproch gelesen und bin dabei auf den Ausdruck "Hundstüten" (Die Küppla) gestoßen.
Mir ist der Ausdrck schon bekannt, aber in einer Bedeutung, die zu dem Gedicht nicht passt.
In dem Gedicht haben der Ehemann und der Sohn vor Heiligabend fast sämtliche 6 Stollen aufgegessen. Die verärgerte Frau äußert sich dazu: Nachdem sie die Stollen vor Weihnachten aufgegessen haben,sollen sie zu Weihnachten Hundstüten frass!
Weiß jemand, wo der Ausdruck seinen Ursprung hat, bzw. was er bedeutet??



In einer mundartlichen Nachkriegsgeschichte aus Hildburghausen kommt auch der Begriff "Hundstüten" vor.
Da scheint es um eine Art Hartwurst zu gehen. Zur näheren Begriffsklärung kann ich leider nichts beitragen (Ich hoffe nicht, es geht um "Hundswurst").

Hundstüten.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

 
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RE: Hundstüten

#3 von Rolf Metzner , 29.12.2015 13:14

Hab' den Enkel des Coburger Mundartdichters "Schursch" per Mail gefragt, ob er mit dem Begriff "Hundstüten" aus diesem Gedicht seines Opas etwas anfangen kann und von ihm folgende Antwort erhalten:

".....Der Begriff ist mir noch wohl bekannt aus meiner Kindheit: wir haben z. B. immer gerufen,
wenn wir gerade noch beim Fangerless-Spielen davon gekommen sind: "Hundsdüdderle",
"Hundsdüdderle"!!
Im Heft "DIE COBURGER MUNDART" aus dem Jahr 1957 von Pfarrer Dr. Adolf Siegel ist das
Wort ähnlich interpretiert (s. Anlagen).
Die Ober-und Niederbayern sagen's wohl ähnlich, aber etwas ordinärer: "Hundspfotzen"!!"


Hier die Titelseite des genannten Heftes und daraus die Erklärungen zu den Begriffen "Tüütn" und "Hund". Ergänzend noch ein Foto vom "Schursch" (Georg Eckerlein):

Die Coburger Mundart, 1957.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Hundstüten, Coburger Mundartlexikon 1957.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)Georg Eckerlein, Schursch.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


Hier nochmal das gesamte Gedicht "Die Küppla":

Die Küppla

Fast acht Tog warn`s vur Weihnachten,
ach des war a wahrer Staat,
wos a Bürgerschfrah a brava
do für Stolln gabacken hat.

Glücklich ah tut ham sa bringa,
wird galobt racht sähr vom Mah.
Tut se naus die Kammar legen
schö in ahner Reih nahmna.

Tut sa alla sechs zudecken
mit ahn Tüchla und Papier,
und es gucken bloß valockend
noch die vordarn Küppla vür.

"Su und weil sa besser schmecken,
wenn sa sten bleim noch a Zeit,
wolln mer unra Stolln do liebar
erscht am Heiligamd aschneid".

Un des tut die Muttar mahna.
Drüm mahnts ah der ältsta Su.
A dar Vatter tut zustimma.
"Wie dar wöllt," segt ar dazu.

Doch dar Jung wie ar der Alta
warn im Frassen sähr gaübt.
Guta Bißla hot ihr Guschen,
ihr verwöhnta, stets galiebt.

Un su öft die Frah, die Guta
sich net hör leßt und net zeigt,
sich dar Jung, wie ah dar Vattar,
schmunzelnd naus die Kammar schleicht.

Schneiden von dan Stollna kräftig
Stück für Stück sich hinten wack.
Schiebn die Stolln a grod su wiedar
unters Tuch am alten Flack.

Tun ganz schlauar Weis drauf achten,
doß dar Kram sich net verruckt.
Und doß groda su jed`s Küppla
vorna aus dan Tuch rausguckt.

Un su is`s halt zugagana
Tog für Tog des Stollngamaus,
ganz unschuldig ober guckten
stets die vordarn Küppla raus.

Un so öft die Frah voll Wonna
halt ihr Harrlichkeit batrach`t,
denkt sa bei sich ganz glückselig
un schöpft net a weng Vadacht:

"Nu mich fräts na, doß mei Mannla
un mein großar Jung erscht gar,
noch ka anzigs Mol, des Wunnar,
über meina Stoll`n do war."

Und so ist die Zeit verganga,
und dar Heiligamd kam ra.
Immer mähr vom Mut valossen
wird dar Su wie ah dar Mah.

Kaum wie`s dunkel war gaworden
hot sich kaner mähr loß sah.
Sen ganz einfach durch die Latten
sen ins Wirtshaus alla zwa.

Und seit langar Zeit mol wieder,
bräut die Frah sich grüna Tee,
will sich hul dazu a Stückla
von ihrn Stolln su fein und schö.

Und in erschten Stolln in besten
will sa untarn Tuch vürzerr.
Ach, in ihrar Hend, Herrjeses!
Hot sa bloß a Küppla ner.

Un vor Ärgar tut sa pfletschen.
Ach die Frah schreit weh und oh!
Weiter nex als wie sechs Küppla
warn von ihra Stolln noch do.

Un su warsch bei ölla sechsa,
ihr wirds annersch und ganz schwül.
Und a Licht tut ihr aufgenna
größer als a Basenstiel.

"Mir mei Zeug su wackzufrassen
Na, des sollt ma doch net mahn.
Drüm hamm wie gemäst` die Wochen
meina Fraßwanst ausgasahn.

Tut ihr Karl ma na hamkumma,
des will ich euch net vagaß,
ihr könnt jetzter zu Weihnachten,
anstatt Stolln Hundstüten fraß"


 
Rolf Metzner
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zuletzt bearbeitet 29.12.2015 | Top

   

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