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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 898 mal aufgerufen
 Coburger Geschichte
Seiten 1 | 2
gerd Offline



Beiträge: 4.384
Punkte: 4.482

29.09.2006 10:12
Pfarrer Johnson Zitat · antworten
Der "Jungdeutsche Orden"
oder wer den Nationalsozialisten mit den Weg ebnete.
Im Jahr 1920 gründete sich in Kassel der sogenannte "Jungdeutsche Orden",der sich das Deutschtum auf seine Fahnen geschrieben hatte.
Aus Gram über den Kriegsausgang und den Versailler Vertrag, sinnt er auf Rache gegen Frankreich außenpolitisch und innenpolitisch auf die Ausmerzung alles Fremdrassigen!
Der Pfarrer Helmuth Johnson,1881 in Neustadt/C. geboren,ist Mitte der 20er Jahre der populärste Politiker im Coburger Raum!
Er besuchte das Gymnasium in Coburg,studierte Theologie,war begeisterter Frontsoldat des 1.W.K.und danach in Freikorps tätig.!1919 als Pfarrer in Gauerstadt.
Die Nachkriegswirren des verlorenen 1.W.K.lassen ihn politisch tätig werden.
Er wird Obermeister der Bruderschaft des Jungdeutschen Orden.
Johnson benutzt die Kanzel für seine deutliche Sprache,-er ist ein gern gehörter großartiger Redner
und findet ein offenes Ohr bei den rechtsstehenden Kreisen in Coburg!
Wo der Jungdeutsche Orden auftritt kommt es zu Reibereien mit sozialdemokratischen Arbeitern.
Im Sommer 1923 ist Johnson das klassische Beispiel eines politischen Pfarrers.
"Er findet Unterstützung des Herzogs und das Wohlwollen der Coburger Polizei.Zahlreiche Vereine und Verbände sympatisieren mit ihm!"
Die Abdankung der Monarchie,ausgelöst durch die Revolution nach dem 1.W.K.wurde vom Adel als ein Dorn im Auge empfunden.
Der Deutsche Adel sieht im Jungdeutschen Orden wieder einen "Silberstreif" am Himmel für seine Sache und unterstützt den Orden vielfältig!!-Auch der Coburger Herzog.
Johnson und sein Jungdeutscher Orden,der nach den Richtlinien des Deutschen Ritterorden`s in Bruderschaften und Balleien gegliedert ist,gibt sich mit romantizistisch-militärischen Charakter.
Ihr Ziel ist:"die Verwelschung" im Westen Deutschlands,die "Verslawung"im Osten D. und die "Verjudung" im inneren Deutschlands zu bekämpfen!
Die Sozialdemokratische Weimarer Republick stellte sich bis zu ihrem Niedergang schützend vor die deutschen Juden.Trotzdem kam es in Coburg immer öfters zu Ausschreitungen gegen die Juden.Selbst die Cob. Polizei griff manchmal nicht ein.
"der Antsemitismuss wird von der Ev. Kirche wachgehalten und in Krisenzeiten von politischen Pfarrern in die Gesellschaft hineingetragen!"(nach Wolfgang Gerlach)
Johnson wird in Coburg Kanditat des "Völkischen Blocks"für die Landtagswahlen im April 1924.Er geht als Sieger daraus hervor und lässt sogar den populären Franz Klingler(SPD) hinter sich zurück.
Im Jahr 1924 ist Johnson der Politiker mit dem größten Rückhalt in der Bevölkerung hier in Coburg.
(fragt man sich:wo stand die Mehrheit der Bevölkerung unseres Gebiet`s politsch zu dieser Zeit???)
Johnson ist bis 1928 Abgeordneter in München,während der "Völkische Block" hier im Coburger Gebiet langsam auseinander fällt.
Die Nazis übernehmen mehr und mehr die Führung,konkurierende Gruppen werden nicht (mehr) geduldet!
Johnson überwirft sich mit Franz Schwede und geht auf Distanz zu den Nazis.
Bei den Wahlen 1928 erhält Johnson nur noch wenige Stimmen!
Er kehrt nach Gauerstadt zurück.1929 übernimmt er in Lübek das Dompfarramt.Er wird Landesbischof von Braunschweig und stirbt 1947 in Kriegsgefangenschaft in Jugoslawien.
Die Völkische Bewegeung verliert im Raum Coburg mehr und mehr an Gewicht.
Die vom DVSTB (Deutschvölkischer Schutz und Trutzbund)und vom Jungdeutscher Orden mobilisierten Massen strömen nun der NSDAP zu!

Exil-Coborcha Offline



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29.09.2006 13:17
#2 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

danke gernd für den interessanten beitrag. abe rmal eine frage: was heist genau: Trutzbund?

kilroy ( gelöscht )
Beiträge:

29.09.2006 14:35
#3 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

gerd Offline



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29.09.2006 16:20
#4 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten
Chris,Helmut hat mir die Erklärung vorweg genommen.
Wie radikal dieser Pfarrer Johnson damals aufgetreten ist,wird u.A. in den Büchern."Coburg,Bayern und das Reich"-(Autor Erdmann) und in dem Buch "Die Coburger Juden"-(Autor Fromm)ausgiebig behandelt.Interessant,was damals so alles in Coburg los war,bzw. passierte!
So kam es z.B. am 26.Nov.1920 bei einer Veranstaltung im Hofbräusaal,den der DVSTB veranstaltet und bei dem zum ersten Mal die Coburger Juden keinen Zutritt hatten, unter den ca.2000 Teilnehmern zu einer Saalschlacht,wobei es Verletzte gab.
Unter den Zuhörern befinden sich ca. 200 den sozialistischen Parteien angehörende Arbeiter,welche sich mit den Aussagen des Redners aus Nürnberg keinesfalls einverstanden erklären,sondern lauthals ihren Protest artikulieren!Daraufhin Eskulation zur Saalschlacht!-Der Bericht der Polizei liegt hier vor.
Der JDO(Jungdeutscher Orden)zählte dann in den Monaten Oktober und November 1923 zu jenen Verbänden,die von den staatlichen Behörden für die Verstärkung des nordbayerischen Grenzschutzes herangezogen wurden.Er beteiligte sich hier mit dem sogenannten Jungdo-Regiment!
(Übrigens :seit der zweiten Novemberhälfte des Jahres 1922 bestand in Coburg eine Ortsgruppe der NSDAP!!)
Welche Rolle das Coburger Herzoghaus in Verbindung mit dem DVSTB und dem Jungdeutschen Orden spielte ist ebenfalls bei Fromm nachzulesen und ausserordentlich interessant !

Christian Offline



Beiträge: 5.675
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29.09.2006 17:09
#5 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Als Ergänzung zu Gerds Beitrag sei anzumerken, dass die Ortsgruppe der NSDAP 9 Tage nach Beendigung des Deutschen Tages in Coburg gegründet wurde, wo auch Hitler und seine Freunde teilgenommen hatten. Gründungslokal war die Gaststätte "Weißes Ross" in der Judengasse.

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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30.09.2006 10:28
#6 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten
Sehr bald nach ihrer Gründung stand die Ortsgruppe der Coburger NSDAP unter der Leitung von Franz Schwede.Im April 1923 zählten zur NSDAP im Coburger Bezirk ca. 300 Mitglieder!
Einer der Pächter der Gaststätte "Weisses Ross" war ein "Überzeugter"!Er ist uns Älteren hier im Forum noch gut bekannt!(Man braucht ja keine Namen zu nennen!)
Zu diesen Thema hat Harald Sandner in seiner Chronik auf der Seite 123 ein eindrucksvolles Bild von der Gaststätte "Weisses Ross" in der Judengasse 36,es war als Wahllokal eingerichtet.

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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30.09.2006 13:55
#7 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten
Im Juli 1923 läd der Jungdeutsche Orden zu einem "Deutschen Tag" nach Coburg ein.Was sich an den Beiden Tagen in Coburg abspielt,ist ein riesiges Volksfest,mit allen erdenklichen Zutaten:ein Feldgottesdienst auf dem Schlossplatz,die Weihe der Balleifahne,ein Festzug durch die Straßen der Stadt.Die Coburger Zeitung schrieb damals:"Die Zugteilnehmer wurden von Tausenden der Bevölkerung an den Fenstern und in den Straßen harrend, mit Hoch und Heil Rufen begrüßt".
In der Ketschegasse marschierten die ca.6000(!) "Sturmtruppen" des JDO im Paradeschritt an den Komturen und Ehrengästen vorüber",zu denen auch der Herzog gehörte.
Alfred Roth,der Vorsitzende des DVSTB hielt am Eröffnungsabend im Hofbräusaal eine flammende Rede gegen die Juden und auf der Bühne wurde ein "lebendes Bild" sichtbar.
"Deutschlands Untergang und Erneuerung."Im Hintergrund steht auf höchstem Stand die Gestalt der Germania,eine Jungfrau mit herabwallenden blonden Haar.Von links und rechts drängt sich Jungdeutschland,Jünglinge,junge Frauen und Kinder herzu,die Hände hoffnungsvoll erhebend zur Germania.Ein junger Mann blickt traurigen Auges auf sein zerbrochenes Schwert.Im Vordergrund erhebt sich eine Rheintochter aus den Fluten des Rheins,eine Krone mit beiden Händen erhebend.
Das ergreifende Bild mußte mehrmals gezeigt werden.

Diese Nationale Stimmung im damaligen Deutschland sollte man immer im Auge behalten,wenn es darum geht,warum konnten die Nationlsozialisten dann an die Macht gelangen!

Ich glaube,das jetzt die Beziehung des Adel`s in Deutschland zu diesen (Völkischen) Gruppen besser verstanden werden kann!

Christian Offline



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30.09.2006 14:42
#8 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Gerd, zum Jungdeutschen Orden gibt es eine relativ bekannte Ansichtskarte, die sich direkt auf Coburg bezieht.

Gruß
Christian

gerd Offline



Beiträge: 4.384
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30.09.2006 16:27
#9 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten
Christian,hast du die Karte?Kann man die mal sehen?
Wollte auch mal wissen,obs von dem Pfarrer Johnson ein Bild gibt?

Christian Offline



Beiträge: 5.675
Punkte: 5.867

30.09.2006 17:24
#10 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Wenn du dich mit dem Zeitabschnitt beschäftigst dann schon Norbert

gerd Offline



Beiträge: 4.384
Punkte: 4.482

30.09.2006 18:02
#11 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Die Karte zeigt eindeutig den damaligen Zeitgeist!Und der war meiner Meinung nach nicht nur in der Politik sondern allgemein und überall zu spüren und zu sehen!
Wenn man sich z.B.unsere Veste genauer ansieht und weiß,das dort der Architekt und Baumeister Bodo Ebhardt(Stararchitekt Kaiser Wilhelm`s) tätig war,-die Burg war ja nach der längeren Umbauzeit 1924 fertiggestellt,erkennt man auch hier diese National-verklärte "Ritterromantik",wie sie auch an der Hohkönigsburg im Elsaß zu sehen ist.(Die Burg wurde ja ebenfalls und fast zeitgleich mit unserer Veste von Ebhardt wieder aufgebaut!)-allerdings unter heftigsten Protest der Elsäßer,denn die waren ja als sogenanntes"Reichsland" eh` nicht gut auf die Deutschen zu sprechen!

Exil-Coborcha Offline



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02.10.2006 09:45
#12 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Trutz, (Artikelvorschau)Trutz, der; -es [mhd. (md.) trutz, Nebenf. von → Trotz] (veraltet): Gegenwehr, Widerstand: jmdm. T. bieten; ...

also diese erklärung habe ich wirklich nirgends gefunden. duden war zu einfach... was die "trutzgruppen" waren is mir aus dem geschichtsunterricht noch klar!

schon makaber, das sich das ganze in coburg in der JUDENGASSE entwickelte.

Jürgen Offline



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02.10.2006 10:54
#13 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Jürgen Offline



Beiträge: 1.089
Punkte: 1.089

02.10.2006 10:58
#14 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten


Hallo Norbert, Sudelnuppe äh Nudelsuppe ist doch was gutes! Du weißt doch sicher auch, dass drei Pfund Rindfleisch eine gute Suppe geben!!
Jürgen

Christian Offline



Beiträge: 5.675
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30.10.2006 21:21
#15 RE: Pfarrer Johnson Zitat · antworten

Hier Gerd, du wolltest doch ein Bild von Pfarrer Johnsen
http://www.landeskirche-braunschweig.de/.../054c74743d.jpg

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