Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 1.127 mal aufgerufen
 Coburger Geschichte
Seiten 1 | 2
Zugereister Offline



Beiträge: 268
Punkte: 272

06.01.2015 16:57
#16 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Danke für die ausführliche Antwort.
Der Stempel von Claaßen mit der BDA-Angabe war mir bei Wolter aufgefallen. D.h. Claaßen hatte, wie von Dir festgestellt, einen Hochschulabschluss. Der Rest liegt im Dunkeln, denn dazu brauchte man m.E. auch damals ein Abitur und keine Ausbildung bei der kgl. Kreisbauinspektion Norden. Die Staatliche Kunstgewerbeschule kann sein, war aber eine Anstalt der Hansestadt Hamburg, d.h. sie lag damals nicht im preußischen Hamburg-Altona. Vielleicht war er aber auch als geborener Preuße nur Mitglied der Bauhütte in Hamburg-Altona.

Bei Wolter vermisse ich übrigens als wichtiges Werk das Rathaus von Zella-Mehlis, was doch sicher aufgrund seiner Größe erwähnenswert ist. http://zella-mehlis.info/index.php?optio...thaus&Itemid=42

Im Übrigen lese ich aus deinem Buch heraus, dass Claaßen für die Stadt Coburg nur beratend tätig war, d.h. für mich, es war eine vom Herzog genehmigte Nebentätigkeit, da er ja als Baudirektor bis 1948 auf dessen Lohnliste stand.

Christian Offline



Beiträge: 5.771
Punkte: 5.965

06.01.2015 18:07
#17 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Hallo Zugereister,

du hast es richtig erfasst. Die Belege für einen Hochschulabschluss sind vorhanden (Baumeister-Verordnung, BDA-Mitgliedschaft). Um Architekt zu werden, benötigte man zur jener Zeit ein Studium an einer Technischen Hochschule. Anhand der Quellen bietet sich hier Hannover an. Als offene Fragen gelten: War es Preußen Anfang des 20. Jahrhunderts möglich, auf eine Hamburger Hochschule zu gehen? Und wie waren die Zugangsvoraussetzungen für die Aufnahme in ein Architekturstudium an einer preußischen Technischen Universität in jener Zeit?

Ab 1899 durften Technische Hochschulen Promotionen annehmen. Voraussetzung hierfür war das Abitur. Daraus resultiert die Frage: Wie lange dauerte es, bis die Technischen Hochschulen dies auch umsetzen konnten? Und inwieweit waren die Studenten davon betroffen, die nicht promovierten? Bei Claaßen konnte ich einen derartigen akademischen Grad nicht nachweisen.

Die Ausbildung bei der Königl. preußischen Kreisbauinspektion dürfte aber einen bautechnischen Beruf beinhaltet haben. Ob aber der erfolgreiche Berufsabschluss eine Zugangsberechtigung für eine Technische Hochschule mit beinhaltete - ohne aber die Möglichkeit der Promotion - das kann ich nicht sagen. In der vorhandenen Untersuchung reichte lediglich der Nachweis eines Hochschulstudiums im Fachbereich Architektur aus. Alles andere überlasse ich einem zukünftigen Biografen Reinhard Claaßens, dessen architektonischen Nachlass das Staatsarchiv Coburg verwaltet.

Im Übrigen findet man dort auch die Pläne zum Bau des Gauforums in Stettin.

Auch letztere Anmerkung ist korrekt. Claaßen erhielt durch Beschluss des Coburger Stadtrates lediglich eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 Reichsmark ab April 1934. Seine Tätigkeit für die Stadt endete 1938.

Stammbus Offline



Beiträge: 1.510
Punkte: 1.580

06.01.2015 22:06
#18 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #12
Wie das andere Autoren machen, kann ich nicht beurteilen. Ich habe auch keine Zeit, dass zu untersuchen, weil ich einfach mein Ding durchziehen will. Und das mache ich seit 2007. Da freut es mich einen verlässlichen Partner wie die Historische Gesellschaft Coburg, bzw. als Person Prof. Melville zu haben, die diesen Weg nicht nur begleiten, sondern auch tatkräftig unterstützen.


Ich darf mein Kompliment erweitern: Du arbeitest gründlicher als Melville, jedenfalls in einem bestimmten Punkt, jüngere Coburger Geschichte betreffend, in dem er ziemlich "schlusig" war.

Was "andere Autoren" zum Thema "Nazi-Baupolitik" betrifft, habe ich da interessante "Entdeckungen" gemacht, auf die ich später noch eingehen werde. Derzeit und die nächsten Wochen habe ich beruflich sehr viel um die Ohren.

Christian Offline



Beiträge: 5.771
Punkte: 5.965

07.01.2015 21:10
#19 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Über die Arbeitsmethoden von Herrn Melville kann ich mich ebenfalls nicht äußern, da ich sie nicht kenne.

Im Übrigen wurde die Master-Arbeit bereits für die Casimir-Ausstellung im vergangenen Sommer im Staatsarchiv verwertet. Aus diesem Grund war die Monografie auch schon ein halbes Jahr vorher im Lesesaal des Archivs öffentlich einsehbar.

Der Ausstellungskatalog geht dabei auf drei Aspekte ein:

1. Johann Casimirs Architektur wird zum Maßstab (Beispiel: Rathaus-Erweiterung)

2. Sengelaubs Erbe? Ein kurze Übersicht über das Wirken Reinhard Claaßens

3. NS-Führer Schwede als neuer Johann Casimir? Hier geht es um die von Historikern konstruierten Parallelen zwischen der Gründung des Herzogtums Coburg in den 1570er Jahren und der nationalsozialistischen Machtergreifung.

Christian Offline



Beiträge: 5.771
Punkte: 5.965

18.01.2015 14:44
#20 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Einen interessanten Kommentar von Herrn Braunschmidt las ich gestern in der Neuen Presse.

"Die Stadt hat ein Grundproblem, und das ist ihre Rolle im Dritten Reich. Sie muss sich endlich ehrlich und offen und vorbehaltlos ihrer Geschichte vor, während und in den Jahren nach der Naziherrschaft stellen. Dazu gehört auch, aufzuklären, wer in Coburg unter Hitler welche Rolle gespielt hat und wer trotz seiner Verstrickungen ins diktatorische Regime nach 1945 in Coburg welche Karriere an welcher Stelle machen konnte. Das ist eine Herkulesaufgabe. Wer sie umgehen will, soll sich künftig nicht mehr offen geführte, verletzende Debatten beschweren, die sich aus Nicht- und Halbwissen speisen."

Das Buch "damit Coburg schöner wird"? hat hier einen kleinen Beitrag in Bezug auf Wilhelm Rehlein und Reinhard Claaßen geleistet.

Prof. Georg Seiderer (Universität Erlangen) kommt in diesem Zusammenhang in seiner Rezension zu dem Schluss, das dem Buch "gerade mit Blick auf die beteiligten Akteure das Verdienst zu(kommt), Legendenbildungen infragezustellen, die letztlich auf der propagandistischen Selbstdarstellung unter dem Nationalsozialismus beruhen."

Christian Offline



Beiträge: 5.771
Punkte: 5.965

20.03.2016 11:23
#21 RE: ...damit Coburg schöner wird"? Zitat · antworten

Die Aufarbeitung der Vergangenheit Coburgs zwischen 1900 und 1950 hat auch dieses Buch wieder in den Fokus des wissenschaftlichen Interesse gerückt. Die Reaktionen auf die Arbeit waren sehr positiv.

"Die informative und aus meiner Sicht gelungene Schrift hat mir geholfen, mich auf die Beratung in der Kommission vorzubereiten."

Prof. Dr. Jürgen Kocka
Humboldt-Universität Berlin, Mitbegründer der sogenannten "Bielefelder Schule".

"Die Stärke dieses Buches liegt nicht nur in der Darstellung der einzelnen Bauprojekte, sondern vor allem in seinem mentalitätsgeschichtlichen Anspruch."

Prof. Dr. Gert Melville
TU Dresden, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg.

"Die Arbeit hat es mehr als verdient, der interessierten Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden."

Prof. Dr. Friedrich Kießling
Katholische Universität Eichstätt, Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte

"Gleichwohl - und dies ist bereits ein wichtiges Ergebnis der vorliegenden Untersuchung - gelang es der Stadt Coburg nach 1933 bei allen Ambitionen nicht, unter den Städten des Deutschen Reiches eine Position einzunehmen, die dieser frühen Bedeutung für den Nationalsozialismus entsprochen hätte."

Prof. Dr. Georg Seiderer
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte.

Seiten 1 | 2
 Sprung  


Xobor Ein Kostenloses Forum von Xobor.de
Einfach ein Forum erstellen