RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#21 von gerd , 20.06.2017 18:35

Der Hunger zwang zum Hamstern...

Zehn-,ja Hunderttausende machten sich in jenem Sommer 1946 auf, weil sie der Hunger dazu zwang. Der karge Boden des Thüringer Waldes warf soviel nicht ab, um seine Bewohner dauerhaft und ausreichend zu ernähren. Und so brachen sie auf zu fruchtbaren Landstrichen. Im Rucksack ein paar kärgliche Tauschartikel, von denen man annahm, daß sie die Bauern bewegen könnten, etwa Eßbares herauszurücken. Weizen, Roggen, Mehl, Brot, ein Pfund Erbsen; an Butter und Speck als Gipfel der Köstlichkeiten wagte kaum einer zu denken.
Und wenn der hungernde Wäldler mit ein paar Kilo Getreide von seinem Landausflug zurück kehrte, dann fühlte er sich wie im Sachsenlied von Jürgen Hart: Zufrieden, froh und glücklich. Hamstern aber als Anhäufung von Lebensmitteln, daß war aus heutiger Sicht kaum realisierbar, denn mit den Erträgen jener Touren kam keiner über den Winter. Da mußte ein paarmal im Monat aufgebrochen werden, wenn der Hunger dauerhaft bezwungen werden sollte.
Manche wechselten die Tour und das Dorf, andere blieben bei der einmal gewählten Route wie zwei Jungen aus Heinrichs, als Cousins und durch den leeren Magen verbunden. Mit 13 war Wolfgang der Ältere und damit der Gruppenführer, für den um 4 Jahre jüngeren Siegfrid. Von den Müttern ausgerüstet mit ein paar Mark Fahrgeld für die Eisenbahn und ein paar Kanten trockenem Brot, an dem man nach der Gewohnheit jener armen Jahre "Zucker kaute", wenn man es nur lange genug im Munde behielt.
45 Jahre später machten sich die beiden noch einmal auf jene Wege, die sie damals gegangen und die rund vier Jahrzehnte verschlossen waren. Diese Wege führten sie über die Grenze ins Bayerische.

Es ist ein kühler, aber trockener Vorsommertag und die Expedition beginnt wie einst am Bahnhof von Untermaßfeld von dem sie über eine schmale Werrabrücke, dann durch die Auwiesen und vorbei an Teichen in Richtung Sülzfeld und Hermannsfeld und Henneberg gingen. Zuerst also querfeldein und dann am Strassenrand entlang von dem sie unverzüglich im Graben Deckung suchten wenn sich ein Auto oder Motorrad näherte, was selten genug geschah.
Sicher ist Sicher, sagten sich die beiden, denn von einer sowjetischen oder amerikanischen Streife aufgegriffen und eingesperrt oder nach Hause verfrachtet zu werden, daß widerlief ihren Plänen um das täglich Brot. Sie trugen Hemd, kurze Hose und Holzpantinen an den Füßen. Später richtete ihnen der Opa aus ausgedienten Autoreifen komfortablere Sandalen her,mit denen sich besser und vor allem leiser laufen ließ. Im Rucksack steckten neben der kargen Wegzehrung Hufnägel, Schuhcreme, Glühbirnen und Bohnerwachs zum Tausch.
Nach Henneberg hinein gingen sie nicht, sondern bogen vorher nach rechts von der Straße ab, wo sich eine Ziegelei befand. Das Ziel der beiden Jungen war Mellrichstadt, wo der Zug bestiegen und noch ein halbes Dutzend Stationen weiterfuhren bis Maßbach. Eußenhausen mieden sie, nachdem sie auf ihrer ersten Tour in Oberstreu am Bahnhof, wo sie im Wartesaal übermüdet eingeschlafen waren, von einer Ami- Streife aufgegriffen und zurück zur Grenze geschafft worden waren. Abgebrochen hatten sie ihre Exkursion keineswegs, aber doch wertvolle Zeit verloren und die Lehre gezogen, Orte so lange wie möglich zu meiden. In einem Wartesaal schiefen sie nie wieder, sondern beim nächsten mal auf dem Friedhof zwischen den Gräbern. Später übermannte sie die Müdigkeit doch wieder mal auf einen Bahnhof ,in Rottershausen. Aber dort gab es einen freundlichen Stellwerks Beamten, der die Buben mit in das Stellwerk nahm und ihnen auf einen großen Tisch ein Lager bereitete und dann auch noch sein Vesperbrot mit ihnen teilte. Die beiden erinnern sich an manchen guten Menschen, nicht nur auf den Höfen, wo sie ihre Tauschgeschäfte abwickelten. Weniger als zwei Tage waren sie nie unterwegs auf ihren Ausflügen; Pfingsten 1946 sogar einmal drei.
Die Ausbeute ihrer Streifzüge war unterschiedich, aber mit leeren Rucksack kamen sie nie nach hause. Brot hatten sie zumindest immer bekommen. Einmal sogar ein paar schöne Kilo Weizenmehl, daß sie in einer "Kösseziche" (Kissenbezug) verstauten und eine "Mandel" Eier, die im Mehl bruchsicher untergebracht wurden. Kaum ein Bauer hat die Buben je abgewiesen.
So zogen die beiden Cousins aus Heinrichs auch in den Folgejahren ihre Bahn zu den Bauern, bis 1948 die Währungsreform im Westen dem Hamsterwerk der beiden ein Ende machte, denn nun bekamen sie in Mellrichstadt keine Fahrkarten mehr für ihr Ostgeld....
f.folgt

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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#22 von gerd , 21.06.2017 13:51

Waldemar Estel-Ein unnötiger Tod

Vier spanische Staatsangehörige reisten von Schweden kommend am 2.9.1956 in Lübeck-Travemünde in die BRD ein. Sie fuhren den grünen Mercedes Pkw 180 D. pol. Kennzeichen: ML-4286,Nationalitätszeichen: "E"(Spanien)Bei der Einreise wurde ihnen der Einreiseabschnitt Nr.:C/971187 des Carnet de Passage, ausgestellt auf Antonio de la Lastra Rueda,Melilla (Spanisch-Marokko)vom Zollamt Lübeck-Travemünde abgenommen.
Am 3.9.1956,15 Uhr tauchte der grüne Mercedes in Hünfeld-Hessen auf , wo sich zwei Personen unter Vorweisen einer bunten Landkarte in italienischer oder spanischer Sprache nach dem Weg zur Zonengrenze bei Rasdorf erkundigten . Obwohl ihnen verständlich gemacht wurde, daß an der Zonengrenze bei Rasdorf kein legaler Grenzübergang
bestehe und ihnen der Weg zum legalen Grenzübergang Herleshausen/Hessen gewiesen wurde, bestanden sie ausdrücklich darauf, bei Rasdorf an die Zonengrenze zu wollen und fuhren in Richtung Rasdorf davon.
Gegen 16.Uhr sah der nahe der Strasse stehende Landwirt Hermann Hahn aus einer Entfernung von ca. 200 m einen grünen Mercedes 180 D auf der Straße Nr.84 von Rasdorf kommend , in rascher Fahrt zu dem Schlagbaum an der Zonengrenze fahren. Der PKW fuhr auf der Seite der BRD bis an die deutlich und gut sichtbare Strassensperre heran, welche die Zonengrenze markierte.

Jenseits der DL pflügte gerade ein DDR VoPo mit zwei Pferden den 10 m Streifen. Es war der 24 jährige Gefreite Waldemar Estel. Der Ziegeleiarbeiter aus Schwarzenhagen im Kreis Osterburg hat sich freiwillig zur Grenztruppe gemeldet. Jetzt war er erster Gespannführer des Grenzkommandos Buttlar. Er war verantwortlich dafür, daß der 10 m Streifen in einwandfreiem Zustand war und hatte das bisher immer gut geschafft. Der Soldat Gernand war als Sicherungsposten für Estel eingesetzt und befand sich 15 m von der Grenze entfernt auf der F 84.
Antonio de la Lastra Rueda, der Fahrer des Pkw, ein untersetzter, breitschuldriger Mann mit rundem Gesicht und brauner Gesichtsfarbe und einem kleinen Schnurbart stieg aus dem Wagen. Bekleidet war er mit einem schlecht sitzenden graugelben Trenchcoat. Zur Verwunderung der beiden Grenzer ging er um die Strassensperre herum auf den 10 m Streifen zu, obwohl große Schilder zum halten aufforderten. Der Beifahrer blieb bei dem Pkw zurück. Den Motor des Wagens hatte Rueda nicht abgestellt. Da Estel seine MP auf dem Pferdewagen abgelegt hatte, wurde sie ihm durch Gernand gebracht, als Rueda den Grenzstreifen überschritt. Rueda redet Estel unter Vorweisen einer bunten Landkarte in einer fremden Sprache an.
Natürlich war die Deutsche Grenzpolizei kein Auskunftsbüro. Im Gegenteil: Der Fremde hat nach Abschnitt 2 der Dienstvorschrift versucht, die Grenze zu überschreiten und war als Grenzverletzer festzunehmen und zur Verantwortung zu ziehen.
"Sie sind festgenommen, weil sie sich durch das betreten des 10 m Streifens einer Grenzverletzung schuldig gemacht haben!" sagte Estel zu dem ziemlich vedutzt dastehenden Fremden. Dem Kameraden Gernand gab er die Zügel in die Hand."Paß auf ,bis ich wieder zurück bin!" sagte er dabei zu ihm. Der 18 jährige Gernand wagte einzuwenden: "Soll ich nicht mitkommen ? Müßten wir nicht...?"..."den Mann durchsuchen? " hatte Gernand sagen wollen, doch Estel schnitt ihm mit einer unwirschen Geste den Satz ab." Pass gut auf die Pferde auf!" rief er ihm noch zu , bevor er mit dem Gefangenen in Richtung Buttlar davon lief. Gernand kannte seine Dienstvorschrift und wußte, daß ein Mann den Festgenommenen durchsuchen müßte, während ein zweiter die Waffe auf ihn richtet. Doch Estel war der Dienstvorgesetzte und hatte mit fast zwei Jahren Dienst auch wesentlich mehr Erfahrung, als der junge Gernand.
Außerdem, das wußte jeder im Kommando, war Estel ein ehrgeiziger und fähiger Soldat. Hatte er nicht schon 13 Belobigungen bekommen?
Schon im April 1954 hatte er einen Westagenten festgenommen, der dann in Erfurt abgeurteilt wurde. Also führte der Gefreite den Gefangenen in Richtung Buttlar ab, während Gernand mit leisen Unbehagen zurück blieb. Etwa 500 m nördlich vom Festnahmeort wurde der Vorgang vom Beobachtungsposten der Grenzpolizei mit Postenführer Soldat Schwiericke und Soldat Singelmann beobachtet . Als Schwiericke erkannte, daß der Festgenommene nur durch einen Grenzsoldaten eskordiert wurde, schickte er den Soldat Singelmann zur Unterstützung an die Festnahmestelle. Doch als Estel sah, wie sich Singelmann näherte , winkte er ihm ab. Der rangniedrigere Singelmann kehrte daraufhin um. Nach etwa 150 m schoß Estel mit vier Schüssen das Signal "Grenzverletzer abholen" , um mit dieser Verstärkung vom Kommando Buttlar zur Entgegennahme des Festgenommenen herbeizurufen. Das Signal wurde vom Kommando mit zwei Schüssen beantwortet und sofort wurden die Soladeten in Marsch gesetzt.
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#23 von gerd , 21.06.2017 17:16

Der Festgenommene wurde von Estel insgesamt etwa 400 m auf der nach Buttlar führenden Straße abgeführt. Hier befanden sie sich in einer abfallenden Linkskurve und konnten nunmehr die aus Richtung Buttlar entgegenkommende Verstärkung (Burkhardt und Hinze) in einer Entfernung von200 m sehen. Estel erhob den Arm, um den beiden zuzuwinken. In diesem Moment griff de la Rueda überraschend Estel an, packte ihn an der Uniform und gab ihm mit dem Knie einen Stoß in den Unterleib. Zugleich zog er eine Schußwaffe und gab auf Estel vier Schüsse ab, die ihn tödlich trafen. Der erste Schuß durchschlug die rechte Hand des Vopo, der zweite Schuß schlug links neben der linken Brustwarze ein, trat aus der rechten Brustwand heraus und blieb im rechten Ellbogengelenk stecken.
Die beiden letzten Schüsse trafen Estel in den Rücken. Der Getroffene, der wahrscheinlich nach Erhalt des ersten Schusses eine Deckung aufsuchen wollte, schleppte sich noch einige Meter in einen am Tatort unmittelbar abzweigenden Seitenweg, wo er zusammenbrach und sogleich verstarb.

Bei der Besichtigung des Leichenfundortes war auf Grund der vorhandenen Blutspuren zu erkennen, wo der Oberkörper und wo der rechte Arm des getöteten gelegen hat. Der Täter gab einen Schuß auf die herannahenden Soldaten ab und zwang sie so, an der Böschung südlich der Straße Deckung zu beziehen. Dort gaben sie das Signal " Eilt zur Hilfe" (6 Schuß) ab. Antonio de la Rueda ergriff nun die Flucht und ging zügigen Schrittes die Straße in Richtung BRD zurück. Auf diesem Wege wurde er von den aus Richtung Buttlar kommenden Burkhardt und Hinze, die südlich der Straße Nr. 84 Stellung bezogen hatten, beschossen. Wegen der Unübersichtlichkeit des Geländes mußten die beiden aber das Feuer einstellen.

Inzwischen war die nördlich des Fluchtweges postierte Streife mit Postenführer Soldat Schwericke und Soldat Singelmann aufmerksam geworden, näherte sich der Straße Nr.84 und beschoß den flüchtenden Täter. Der Täter schoß zurück, sprang auf das links der Straße tiefer liegende Kartoffelfeld und konnte seine Flucht in Deckung fortsetzen. Am Rande dieses Feldes wurde später ein Abdruck festgestellt und konnte gesichert werden. Der Abdruck zeigte ein feines Gewebemuster, das wahrscheinlich daher rührte , das der Täter dort gekniet hatte.
Nunmehr eröffnete der an der Strassensperre zurück gebliebene Soldat Gernand mit seinem Gewehr das Feuer auf den ihm entgegenkommenden Täter. Als der Täter diesem Grenzpolizisten in beste Schußnähe gekommen war, hatte Gernand sich gerade leergeschossen und mußte nachladen. Diese Unterbrechung nutzte der Täter aus ,um sich dem Polizisten und den Strassensperren noch mehr zu nähern. Der Polizist sprang auf die andere Straßenseite, konnte dem Flüchtenden aber nichts mehr anhaben, da dieser in der Zwischenzeit die Zonengrenze erreichen und überschreiten konnte.

Als die ersten Schüsse gefallen waren, hatte sich der Beifahrer de la Ruedas hinter dem Mercedes versteckt, hatte die Fahrertüre geöffnet und schob den Wagen auf der Strasse zurück in Richtung Rasdorf. Der Landwirt Hermann Hahn war immer noch dabei, sein Feld zu ackern, als er hörte, daß in Grenznähe Schüsse fielen. Kurze Zeit später sah er, wie der grüne Mercedes mit laufendem Motor rückwärts in Richtung Rasdorf, also von der Zonengrenze fort, geschoben wurde. Auf den letzten 50 m half Hahn dem Mann beim schieben und hatte hierbei Gelegenheit, sich den Mann und den Wagen genau anzusehen. Allem Anschein nach handelte es sich um Jose Ramon Galligo Checa,geb. am 23.2.1926 in Zaragoza.
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#24 von gerd , 22.06.2017 07:03

Nachdem an der Zonengrenze eine Anzahl Schüsse gefallen waren und für Chesa und Hahn Gefahr bestand, getroffen zu werden, suchte Hahn Schutz. Checa schaltete das Licht des Wagens ein, gab Hupsignal und flüchtete in Richtung Rasdorf, wobei er den Pkw mit laufenden Motor stehen ließ. Inzwischen hatte der flüchtende de la Rueda das Auto erreicht, setzte sich ans Steuer ,wendete den Wagen und fuhr in Richtung Rasdorf davon.
In Hünfeld wartete Eugenio Pinel Jimenez, geb. 15.1.1926 in Escalona/Toledo, auf die beiden Spanier.
Am gleichen Tage, gegen 17.00 Uhr fuhr das Auto an einer Tankstelle in Schlüchtern/Hessen vor und tankte dort 30 Liter Dieselöl. Das pol. Kennzeichen ML und Nationalitätszeichen "E" wurde von mehreren Zeugen einwandfrei erkannt. Die Zeugen gaben an, daß die Bekleidung des Fahrers in der Brust und Bauchgegend größere nasse Schmutzflecke hatte, die er mit dem Händen zu entfernen suchte.
Alle drei Personen haben sich in einer Fremdsprache (nicht englisch) unterhalten. Das Auto ist in Richtung Frankfurt/M weiter gefahren.
Das beschriebene Kfz. hat am Abend des 3.9.1956 (nach 19.00 Uhr- genaue Zeit nicht feststellbar) ,bei der Grenzübergangsstelle Neu-Lauterburg/Pfalz die BRD verlassen und ist nach Frankreich eingereist.

Der Fall erregte in West und Ost großes Aufsehen, doch nach wie vor liegt das Motiv des Verbrechens im Dunkeln.
Es wird vermutet, das es sich bei dem Verbrechen um einen Agententhriller handelte, gerade auch im Zusammenhang mit dem seit der Einreise in Lübeck verschwundenen vierten Mann. Sollte er bei Rasdorf an der Grenze wieder aufgenommen werden?
Eine andere Spur wurde von der Kripo in Fulda verfolgt. Waren die drei womöglich Angehörige der "Blauen Division"-eines spanischen Hilfscorps, das im 2.W.K. zusammen mit deutschen Truppen an der Ostfront kämpfte?
Franco hatte diese Freiwilligendivision aufstellen lassen aus Dank für die Hilfeleistung Hitlerdeutschlands im spanischen Bürgerkrieg.
Hatten nun diese Soldaten eine alte Rechnung zu begleichen?
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#25 von gerd , 22.06.2017 13:20

Obwohl ein Zusammenhang mit einem in dieser Zeit stattfindenden Treffen von Angehörigen der "Blauen Division" nicht gefunden wurde, bekam diese Spur neuen Auftrieb, als 1963 ein Fernschreiben der Interpol in Wiesbaden eintraf.Darin wird mitgeteilt:
"Pinel Jimenez,Vorname Eugenio, sowie de la Rueda, Vorname Antonio, haben den Rang von Obersten de Luftwaffe.
Sie sind gegenwärtig als Besitzer von Handfeuerwaffen ausgewiesen, sie besaßen seit dem Jahre 1950 Handfeuerwaffen!
Galligo Chesa, Vorname Jose Ramon, hat keinerlei Vorgänge. Unsere Dienststellen in Melilla teilen mit, daß nicht bekannt ist, ob irgendeine spanische Justitzbehörde wegen des von Ihnen angegebenen Sachverhalts ein Ermittlungsverfahren gegen einen der Genannten eingeleitet hätte.
Darüber hinaus haben die genannten Dienststellen in Melilla (Spanisch Marokko) erneut bestätigt, das de la Lastra Rueda, in Madrid wohnhaft ist.
Gleichzeitig wurden Passfotos der Verdächtgen übersandt .Allerdings tat sich daraufhin nichts. Es ist aus den Akten nicht ersichtlich, warum der Fall nicht energisch weiter verfolgt wurde. An der Kripo in Fulda hat es jedenfalls nicht gelegen.
Am 7.9.56 gingen die Unterlagen vom hessischen Landeskriminalamt weiter zum Bundeskriminalamt.
Bereits am 14.12.1956 schreibt jedoch die Fuldaer Zeitung, eine Auslieferung der drei sei abgelehnt worden. Sie seien nach kurzer Haft von den spanischen Behörden wieder frei gelassen .Die Zeitung siedelt das Motiv im mysteriösen Halbdunkel der Nachrichtendienste und Schmuggler zwischen West und Ost an und meint, daß an der Zonengrenze eine alte Rechnung beglichen wurde.
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#26 von gerd , 22.06.2017 17:57

Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Leser auf eine web hinweisen, die unter https://books.google.de "Tod an der Grenze-ein tragisches Kapitel deutscher Teilung" lesbar ist. Hier kommt die "Andere Seite" zu Wort und nimmt die Berichte, welche hier bei uns erschienen sind unter die Lupe! Lesbar!!-gerd

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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#27 von gerd , 23.06.2017 08:47

DDR Zeitungen vermuteten amerikanische Agenten am Werk. " Man verweist auf die Tatsache, daß unmittelbar nach der Mordtat von Angehörigen der amerikanischen Armee, die sich unweit von der Mordstelle aufhielten, nicht der geringste Versuch unternommen worden war, die Gangster festzunehmen. Obwohl der Fahndungsapparat der BRD ,wie erklärt wurde, auf Hochtouren lief und zwangsläufig alle Grenzübergänge scharf kontrolliert wurden, soll es nun den Mördern gelungen sein, völlig unbehelligt mit einen Kraftfahrzeug ins Ausland zu flüchten. Diese Darstellung läßt vermuten, daß offenkundig höchste Stellen der BRD daran interessiert sind, die Verbrecher zu decken und die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, daß die Ermittlungen im Sande verlaufen"!- schreibt "Neues Deutschland" am 9.Sep.1956

Intern kam das MfS zu einer realistischeren Einschätzung des Vorgangs.
Unter dem Eindruck des Mordes an Gefr. Estel erläßt der Minister für Staatssicherheit am 5.9.56 den Befehl 298/256.Inhalt:

Vernachlässigung der Wachsamkeit und Nichteinhaltung der Dienstvorschrift der Deutschen Grenzpolizei!

Darin wird Estel vorgeworfen:

Entgegen der Dienstvorschrift und ohne die Hinweise des Soldaten Gernand zu beachten, unterließ er die Durchsuchung des Festgenommenen.
Entgegen der Dienstvorschrift nahm er die Eskortierung der festgenommenen Person allein in Richtung Kommando vor.
Der dreizehnmal belobigte Polizist sei aufgrund der bisherigen Erfolge zu vertrauensselig geworden und habe Dienstvorschriften und Wachsamleit vernachlässigt. Von den Vorgesetzten würde kein genügender erzieherischer Einfluß zur Erhöhnung der Wachsamkeit und zur Einhaltung der Dienstvorschriften ausgeübt.
Mielke befiehlt deshalb:
Der Kommandeur habe die Vorkommnisse gründlich auszuwerten
Die Politleiter sollen ....über mögliche Provokationen aufklären
Die Dienstvorschriften sind gründlich auszuwerten und für die Praxis zu erläutern
Die Posten sind über das Verhalten bei Festnahmen ....zu belehren
Als Sicherungs Posten sind bei Arbeiten am 10 m Kontrollstreifen nur ältere und erfahrenere Posten einzusetzen
Die Kommandeure der Grenzbereitschaft haben mit den betreffenden Familienangehörigen Verbindung aufzunehmen und alle notwendigen Maßnahmen zu deren Unterstützung einzuleiten...
Trotzdem läßt auch heute noch die absurde Situation, daß Verdächtigte bekannt sind, denen auch heute im vereingten Europa kein Prozeß gemacht wird, viele Bürger nicht ruhen. Zuletzt wurde in Potsdam 1997 und in Berlin 1998,Strafanzeige gegen la Lastra Rueda erstattet.

Die Staatsanwaltschaft Meinigen hat bereits in den Verfahren 7 Js 20243/96 von Amts wegen geprüft, ob erneut in Ermittlungen einzutreten sei. Die Staatsanwältin Schinke hat diese Prüfung unter dem 18.7.1997 nach eingehender Untersuchung mangels hinreichenden Tatverdachts abgeschlossen mit folgender Begründung:

Ein Tatnachweis kann nicht mehr geführt werden...
Die von Zeugenaussagen abgegebenen Personenbeschreibungen weisen z.T. Unstimmigkeiten auf...
Eine Gegenüberstellung nach dem Zeitablauf von über 40 Jahren ist nicht mehr erfolgsversprechend..
Die Akten sind bereits vernichtet, Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft und der Kripo bereits verstorben
Aktenteile wurden den ehemaligen DDR -Behörden offenbar nur auszugsweise übermittelt.
Anhand dieser Beweislage ist ein Tatverdacht nicht aufrecht zu erhalten.....

Soweit zum Fall W.Estel, dem in Buttlar eine Gedenkstele errichtet wurde.
Da es sich hier nicht um einen Einzelfall an der ehemaligen Grenze handelt, sei auf einschlägige webs im Internet verwiesen.
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#28 von gerd , 24.06.2017 18:11

.....1957...
Die Bayerische Grenzpolizei zählt 149 Flüchtlinge aus der DDR

3.Jan.1958...
Pioniere der Grenztruppen sprengen abgeschwemmte Minen gegenüber der Bergmühle. Sie wurden Heiligabend zuvor durch Hochwasser durch den umgerissenen Grenzzaun abgeschwemmt. Durch die Explosion verletzt sich ein Zivilist im Hausflur der Bergmühle (BGS Co)

17.März 1958...
Auf der Flucht durch das Minenfeld wird ein Mann schwer verletzt. Ihm wird der Fuß abgerissen. Trotz der schweren Verletzung gelingt es dem Flüchtling bei Sonneberg auf Bundesgebiet zu kriechen..
17.April 1958....
Durch eine abgeschwemmte Mine wird ein DDR -Grenzsoldat nördlich von Heubisch an der Steinach gegenüber der Bergmühle schwer, ein weiterer Grenzer leicht verletzt (BGS Co)
15.Mai 1958...
Ein orkanartiger Wirbelsturm fegt über das Coburger Land und bringt Schäden mit sich. Der BGS Coburg leistet Katastrophenhilfe (Chronik BGS I,106)
(Davon wurde hier im Forum schon einmal berichtet)
Juli 1958...
Ein weiterer Orkan verwüstet das Coburger Land und macht Hilfseinsätze von THW, Feuerwehr und BGS notwendig (Chronik BGS I,106)

1960...
der "Deutsche Soldatensender 935",ein Propagandasender der DDR, sowie auch der "Deutsche Freiheitssender 904",nehmen ihre Arbeit auf. Durch fetzige Musik und glaubhafte Texte versuchen die Sender BGS Beamte und Bundeswehrsoldaten zu beeinflussen.
Geschickt "vermischen ein Flügelmann ,sowie die charmante Veronika" Wahrheit und Lüge, verkünden vorzeitig Alarmpläne, vermitteln angebliche Mädchenadressen auch in Coburg und bieten sich als Kummerkasten für "geschundene, geschliffene oder benachteiligte Beamten und Soldaten" an.(BGS Co)

5.Juni 1960..
Unterhalb Schauberg an der Zonengrenze ereignet sich ein schwerer Grenzzwischenfall. Eine Motorradstreife der Bayer. Grenzpolizei fährt in Richtung Zonengrenze zu einer Brücke, die direkt an der Zonengrenze über den Tettauer Bach führt. Da die Beamten unter der Brücke einen "toten Briefkasten" vermuten, geht ein Beamter unter die Brücke. Dabei wird der Beamte durch eine plötzlich auftauchende Streife der DDR -Grenztruppe schwer am Oberschenkel verletzt. Diese Schußverletzung führt zur Pensionierung des Beamten.(als "toter Briefkasten" wird eine Stelle bezeichnet, wo Informationen von Agenten im Westen,
ihre gesammelten Nachrichten an Leute in die DDR weiter gegeben hatten)

Sommer 1960
Der BGS wir darüber informiert, daß eine Familie westlich Truckendorf bei der ehemaligen Weihersmühle flüchten will. Daraufhin verlegt Oberleutnant Wegener einen Zug des BGS verdeckt an die angegebene Fluchtstelle, um die Flüchtlinge gegen eventuelle Übergriffe zu schützen. Die Flucht gelingt. Die Familie fährt mit dem Auto bis unmittelbar an den Zaun und überquert ohne Zwischenfall die Grenze(BGS Co)
(besagter Oberleutnant Wegener, war der Gründer der GSG 9 und maßgeblich an der Befreiung der Geiseln aus der gekaperten "Landshut"-Lufthansa Maschine in Mogadischu beteiligt)
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RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#29 von gerd , 25.06.2017 18:47

Das Jahr 1961 war hauptsächlich vom Bau der Mauer, am 13.August in Berlin geprägt. An der Zonengrenze gab es aber immer wieder Fluchtversuche, welche durch die Grenzorgane der DDR verhindert wurden. Dabei kamen Flüchtlinge ums Leben, oder wurden zu hohen Haftstrafen wegen Republikflucht verurteilt.
Meine Berichte über die ehemalige Zonengrenze, will ich mit einer Geschichte hier vorerst beenden.

Am 23.August 1961,
an der "gebrannten Brücke" zwischen Neustadt und Sonneberg wird das Anwesen Fischer, aus "Sicherheitsgründen" durch Baukommandos der DDR abgerissen.(Chronik BGS Co)
(Hierüber wurde schon vor längerer Zeit im CMF berichtet-bekanntes Bild)
Auf Höhe Fürth a.B. versuchen Angehörige der DDR -Grenzpolizei durch Versetzung von Grenzmarkierungen die DL zugunsten der DDR zu verändern. Der BGS 7./GSG2 unter Hauptmann Hopf mit 2 Zügen, stellt den ursprünglichen Zustand wieder her.(BGS Co)(Solche Grenzversetzungen sind in der langen Geschichte der Zonengrenze hin und wieder vor gekommen)
Die Sägemühle "Schmidt", die Bergmühle südöstlich von Neustadt/Coburg,1865 gebaut, befand sich auf DDR Gebiet und wird durch DDR Organe abgebrochen. Die damals dort wohnende Bergmüllerin Emilie Schmidt muß ihr Anwesen verlassen. Am 7.6.1952 flüchtete der Besitzer mit seiner Familie in die BRD, er sollte ins Hinterland evakuiert werden.
Bis zur Tätigkeit der Grenzkommission 1975 verlief von der Bergmühle aus die Grenze in der Mitte des Weges nach SW, gem. Protokoll vom 20.8.1840 zwischen dem Herzogtum Sachsen Coburg (HSC) und dem Herzogtum Sachsen Meiningen(HSM);die Grenzsteine waren abwechselnd links und rechts des Weges gesetzt.1975 kommt der Weg ganz auf Bundesgebiet und wird mit neuen Grenzsteinen an der Südost-Seite versehen.
1952 wird der erste Stacheldrahtzaun im dortigen Bereich auf DDR-Gebiet entlang der Grenze gebaut. Problem: Die Grenze reichte an einem Punkt bis an das heutige Gebäude heran, ein Umfahren entlang der Straße zwischen Gebäude und Grenze war damit nicht mehr möglich.
1955 wird beim Neubau des zweiten Zaunes dieser um eine Wegbreite auf DDR-Gebiet zurückgenommen.
1965 erklärte die DDR die Absicht, den alten Zustand wieder zu beanspruchen-ein russischer Offizier soll damals das Gegenteil festgesetzt haben. Seither war das kein Gesprächsthema mehr und der Zustand ist bis zum Fall der Grenze 1989 geblieben!
(Vorerst) Ende


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zuletzt bearbeitet 25.06.2017 | Top

RE: Ehemalige Grenze zur DDR-Grabfeld-Königshofen

#30 von maniac , 27.06.2017 09:26

Danke Gerd, du hast dir wieder einmal eine wahnsinnige Mühe gemacht!

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