RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#11 von Stammbus , 28.02.2018 21:23

Galt diese "Adlung gegen Bares" auch für den Titel "Hoflieferanten"?

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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#12 von Christian , 01.03.2018 08:53

teilweise,-)

Es gab auch Unternehmen, die sich den Titel redlich verdient hatten. Es gab im Übrigen zwei verschiedene Titelformen. Der einfache Titel Hoflieferant besagte, dass man den Hof als Ganzes mit seinen Waren belieferte. Der Zusatz "Herzoglicher" "Königlicher" oder gar "Kaiserlicher" Hoflieferant besagte, dass man die Fürstenfamilie direkt mit Waren versorgte. Über diese Titulatur kann man heute noch sagen, wer da konkret mit den Unternehmen versorgt wurde.


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#13 von Christian , 01.03.2018 09:09

Bis zum heutigen Tag ist Ernsts Verhältnis zur Damenwelt berühmt-berüchtigt. 1842 hatte er die Prinzessin Alexandrine von Baden geheiratet. Schon damals war der Erbprinz an den Höfen als Schürzenjäger bekannt. Dieses Verhalten legte er auch nach der Hochzeit nicht ab. Ernst hatte unzählige Affären und Mätressen, die im Volksmund "Vorleserinnen" genannt wurden. Besonders Sängerinnen und Schauspielerinnen hatten des dem Herzog angetan. Das genealogische Handbuch und Sandner erwähnen in diesem Zusammenhang drei uneheliche Kinder. Getraude Bachmann konnte gar fünf Kinder archivalisch nachweisen. Die Dunkelziffer mag hier höher liegen. Auch die Zahl der Affären und Mätressen ist heute unbekannt. Die damals schon vorhandene Klatschpresse berichtete, dass der Coburger Festungsberg voll von prächtigen Villen stehe, die Ernst für seine Liebhaberinnen habe errichten lassen. Tatsächlich ist dies übertrieben. Dass der Herzog sich um seine Vorleserinnen kümmerte, ist aber korrekt. So ließ er 1868/69 für die französische Sängerin Rosine Stoltz, mit der er einen unehelichen Sohn hatte, das neue Schloss Ketschendorf errichten. Gleichzeitig adelte er sie zur Freifrau von Ketschendorf. Seiner letzten Vorleserin, der Hofschauspielerin Jenny Mejo, ließ er 1891/92 ebenfalls eine Villa, das Haus Pilgramsroth 5, erbauen.

Wie nun die Ehe mit Alexandrine aussah, wurde bisher nicht erforscht. Sie blieb jedoch kinderlos, da die Herzogin durch einen Reitunfall keine Kinder mehr bekommen konnte. Von ihrer Seite brachte sie jedoch Ernst Liebe und Zuneigung entgegen. Die Entschlüsselung dieser von Ernst betriebenen Drei-Ecks-Beziehungen dürfte noch spannend werden.


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#14 von Rolf Metzner , 01.03.2018 17:28

Zitat von Christian im Beitrag #13
Bis zum heutigen Tag ist Ernsts Verhältnis zur Damenwelt berühmt-berüchtigt..........



Naja, bei so einem "Mannsbild" ist wohl manche Frau schwach geworden (Francis Bedford, 1857):

Francis Bedford, 1857, Herzog Ernst II, ROYAL COLLECTION TRUST (25).jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


 
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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#15 von Stammbus , 01.03.2018 20:02

Die tiefgründigen wissenschaftlichen Forschungen, die in diesem Forum zu diesem Thema bereits betrieben wurden, sind ja hier dokumentiert

Das "Lustschlössle des Herzogs"

Jetzt, da der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung abgeschafft ist, kann man sich ja aus der Deckung wagen


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#16 von Christian , 02.03.2018 09:20

Wieder einmal typisch. Da veröffentlicht man verschiedene Aspekte der Vita Ernst II. und das interessanteste sind wieder einmal die Frauengeschichten.


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#17 von Christian , 02.03.2018 09:21

Das letzte Lebensjahr Ernsts II. war bereits von Krankheit geprägt. Es machten sich die typischen Alterserscheinungen (Demenz, wahrscheinlich sogar Alzheimer) bemerkbar. Nach einer Jagd bei Reinhardsbrunn im Thüringer Wald Anfang August 1893 erlitt der Herzog einen Schlaganfall, der seine rechte Seite lähmte und das Sprechen stark einschränkte. An den folgen dieses Schlaganfalls starb der Herzog am 22. August in Schloß Reinhardsbrunn. Per Eisenbahn wurde der Leichnam nach Coburg überführt und nach einem Trauerzug durch die Stadt und einem Gottesdienst in der Morizkirche im Herzoglichen Mausoleum auf dem städtischen Friedhof am Glockenberg überführt. Dieses Mausoleum hatte Ernst selbst zwischen 1853 und 1858 als Grablege für seine Familie errichten lassen. Hier wurde nochmals die politische Grundeinstellung des Herzogs deutlich. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren und seinem späteren Nachfolger Carl Eduard war es ihm sehr daran gelegen, nicht auf einem privaten sondern auf einem öffentlichen, städtischen Friedhof beigesetzt zu werden. Er dokumentierte damit seine Grundhaltung, dass er lediglich der erste Bürger seines Landes sei (pares inter pares) und deshalb auch auf einem Friedhof bestattet werden möchte, wo auch seine Untertanen ihre letzte Ruhe finden. Die Abschaffung der Formel "Herzog von Gottes Gnaden" im Jahre 1848 unterstreicht diese Haltung, dass sich Ernst für etwas nicht besonderes hielt.


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#18 von Christian , 03.03.2018 09:41

Auch nach Ernsts Tod polarisierte er die Anhänger diverser politischer Überzeugungen. Begründet lag dies im Ziel der Anhänger des Herzogs, ihm ein Nationaldenkmal in Coburg zu stiften, dass in einer Reihe mit dem Niederwalddenkmal bei Rüdersheim, dem Kyffhäuser-Denkmal oder dem Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald stehen sollte. Entwürfe für so ein Denkmal gab es zuhauf. Der Standort oberhalb der Arkaden im Hofgarten war schnell gefunden. Das aber so ein bombastisches Monument auch Kritik hervorrufen würde, konnte man bei der umstrittenen Person des Herzogs erwarten.

1894 veröffentlichte der Kladderadatsch (eine Satire-Zeitschrift der Kaiserzeit) unter dem Titel "Ehre, vom Ehre gebührt" seinen Entwurf für ein Denkmal Ernsts II.



Franz Eberlein beschrieb dieses Bild wie folgt:

Auf einem übergroßen Sockel steht als Gnom der in Schützenseppluniform gekleidete Fürst, das Füllhorn der Auszeichnungen in der einen, die Fahne des Nationalvereins in der anderen Hand, neben ihm befindet sich ein Foliant mit der Aufschrift „Merkwürdigkeiten“., der auf die Selbstbiografie „Gedanken und Erinnerungen“ anspielt. Die auf einem Ring unter der Figur sitzenden Papageien deuten wahrscheinlich an, dass der Herzog manches nachgesprochen haben soll. An der Sockelstirnseite erinnert ein Bildwerk an die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1849; die Unterschrift „Eckernförde“ weist darauf hin. Herzog Ernst war hier Befehlshaber der Truppen, die einen dänischen Landeversuch abwehren sollten. Während des Höhepunktes der Kämpfe und den anschließenden Verhandlungen mit den aufgebenden Dänen war er allerdings nicht aufzufinden. Er hatte sich bei der Umgehung eines Moores verritten und kam zu spät. Der Karikaturist legt diese Begebenheit allerdings als Flucht aus, wie das wegwärtsgaloppierende Pferd andeuten soll. Die im Vergleich zum Herzog großen Bläser stellten sein Umfeld dar, die den Ruhm ihres Herrn verkünden. Die Theatermasken weisen auf seine zeitweilige Stellung als Intendant des Hoftheaters hin, aber auch auf die künstlerische Betätigung des Herzogs besonders im Theaterbereich. Übergroß und daher unübersehbar sind die am Fuß sitzenden Frauen. Sie deuten ihren Einfluss auf den Fürsten an und zeigen als „Vorleserinnen“ sein Verhältnis zur Frauenwelt. Nicht zu vergessen ist das Schild „Das Lachen ist in der Nähe des Denkmals verboten!“.

Schließlich kam es 1899 zur Einweihung des heutigen Reiterdenkmals zur Ehrung des Regenten.


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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#19 von Rolf Metzner , 03.03.2018 14:03

Zitat

............
Schließlich kam es 1899 zur Einweihung des heutigen Reiterdenkmals zur Ehrung des Regenten.


Hier die Einweihungsfeier:

Denkmal Herzog Ernst II, Einweihungsfeier 1899.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


 
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RE: Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

#20 von Christian , 05.03.2018 09:22

Die Regierungsjahre Ernsts II. wurden schließlich – vor allem in der Rückschau nach 1918 – zu einem goldenen Zeitalter Coburgs verklärt, was in einer folkloristisch-nostalgischen Weise bis heute geschieht. Ein ähnliches Phänomen findet sich auch für die Regierungszeit des bayerischen Prinzregenten Luitpold, der 1912 starb. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche anekdotische Geschichten über Ernst veröffentlicht, welche die Volkstümlichkeit des Monarchen unterstrichen und zusätzlich die Sehnsucht nach der Zeit "vor Anno 14" widerspiegelten. Es waren vor allem Heimatforscher wie Heinrich Langbein (1864-1941), Emil Herold (1880-1946) oder Ernst Eckerlein (1904-1988), die diese Geschichten durch Zeitungsartikel und Aufsätze weiter trugen. Dazu gehören Geschichten wie "Ernst und der bayerische Holzhackerbua", "Ernst und die Buttermilch zu Rüttmannsdorf" oder was in Coburg noch heute bekannt ist: "Ernst und das sogenannte S...haus", welches an der Ecke Viktoriastraße/Judengasse stand. So lebt Ernst II. auch in dieser Fassette im kollektiven Gedächtnis weiter.

ENDE


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Coburger Oberbürgermeister - Ludwig Meyer (Beitrag vom 05.12.2009)



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