Ein weiterer Einschnitt erfolgte 2003, als der Verlag des Fränkischen Tags in Bamberg die Mehrheit an der Baumann GmbH & Co. KG übernahm. Seit 2009 gehört das Coburger Tageblatt zur Mediengruppe Oberfranken. Dort steht es heute in einer gemeinsamen Unternehmensstruktur unter anderem mit dem Fränkischen Tag, der Bayerischen Rundschau und der Saale-Zeitung. Die überregionale Berichterstattung wird innerhalb dieser Struktur gemeinsam organisiert, während die lokale Berichterstattung weiterhin auf die jeweiligen Verbreitungsgebiete ausgerichtet ist.
Wie die gesamte Tagespresse steht auch das Coburger Tageblatt seit Beginn des 21. Jahrhunderts vor erheblichen Veränderungen. Sinkende Printauflagen, das Internet, soziale Medien und veränderte Lesegewohnheiten haben das traditionelle Geschäftsmodell regionaler Tageszeitungen grundlegend verändert. Gleichzeitig wurden neue digitale Angebote geschaffen. Seit 2012 wird das Tageblatt beispielsweise auch als E-Paper angeboten.
Eberhard Friedmann in dem Gebäude das Parkhotel. Aus dem ursprünglich privaten Landhaus wurde damit ein Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb. Die Bezeichnung „Parkhotel“ dürfte nicht zuletzt auf die großzügige Gartenanlage Bezug genommen haben, die das Haus am Hang umgab. Zeitgenössische beziehungsweise spätere Erinnerungen beschreiben das Anwesen als repräsentatives Gebäude mit einem terrassierten und teilweise aufwendig gestalteten Garten.
Die eigentliche Geschichte des Parkhotels war offenbar vergleichsweise kurz. Bereits 1919 wechselte das Anwesen erneut den Eigentümer. Als Besitzer wird nun der Korvettenkapitän Friedrich von Weidebach genannt. Damit scheint auch die erste Phase des Hotelbetriebes beendet gewesen zu sein. Seit 1924 gehörte das Gebäude dem Kaufmann Oswald Henning. Im Anwesen beziehungsweise einem Seitenflügel befand sich später zudem die Korbwarenfabrik Henning & Müller. Die Bezeichnung „Parkhotel“ blieb im Coburger Sprachgebrauch dennoch über Jahrzehnte mit dem Gebäude verbunden.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor das einst repräsentative Anwesen zunehmend seinen ursprünglichen Charakter. Das Gebäude wurde unterschiedlichen Nutzungen zugeführt und teilweise in Wohnungen aufgeteilt. Ältere Coburger erinnerten sich noch an die groß angelegte Gartenanlage am Hang sowie an Terrassen und Nebengebäude. In den frühen 1970er Jahren befand sich das ehemalige Parkhotel offenbar bereits in einem schlechten baulichen Zustand. Für 1973 wird ein Brand in dem Gebäude überliefert.
Sein endgültiges Ende stand schließlich im Zusammenhang mit einer der tiefgreifendsten Veränderungen des Coburger Stadtbildes der Nachkriegszeit. Beim Ausbau der Bundesstraße 4 und der sogenannten Stadtautobahn musste die Bebauung am Neuen Weg teilweise weichen. 1978 wurde auch das ehemalige Parkhotel abgebrochen. Damit verschwand ein Bauwerk, das mehr als ein Jahrhundert lang die westliche Stadteinfahrt mitgeprägt hatte.
Die Geschichte der Villa Koeppen spiegelt damit mehrere Phasen der Coburger Stadtentwicklung wider: zunächst den Villenbau des wohlhabenden Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, anschließend die Entwicklung Coburgs als Fremden- und Aufenthaltsstadt mit gehobener Hotellerie und schließlich die tiefgreifenden städtebaulichen Veränderungen der 1960er und 1970er Jahre. Gerade der Abriss für den Straßenbau macht das ehemalige Parkhotel heute zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wie stark sich das westliche Coburger Stadtbild innerhalb weniger Jahrzehnte verändert hat.
Nach mehr als sechs Jahrzehnten endete 1971 die unmittelbare Verbindung des Tageblatts mit der Verlegerfamilie Colbatzky. Friedrich-Herbert Colbatzky verkaufte die Zeitung an den E. C. Baumann-Verlag in Kulmbach, der auch die Bayerische Rundschau herausgab. Der Verkauf bedeutete zwar das Ende des klassischen Coburger Familienverlages, nicht aber das Ende des Zeitungstitels. Im Gegenteil wurde das Tageblatt nun stärker in regionale Verlagsstrukturen eingebunden.
Auch räumlich endete bald eine Epoche. Das traditionsreiche Tageblatt-Gebäude in der Mohrenstraße 17 wurde 1973 im Zusammenhang mit dem Bau des Kaufhof-Warenhauses abgebrochen. Damit verschwand ein Bauwerk, das fast ein halbes Jahrhundert lang sichtbares Symbol der Coburger Zeitungsgeschichte gewesen war.
Mit der Eingliederung des Neustadter und Rödentaler Tageblatts entstand zugleich ein stärker auf das gesamte Coburger Land ausgerichtetes Zeitungsprodukt. Die Geschichte des Tageblatts war damit zunehmend Teil einer überörtlichen Entwicklung: Die Konzentration ehemals selbstständiger Lokalverlage in größeren Medienunternehmen wurde seit den 1970er Jahren zu einem allgemeinen Kennzeichen der deutschen Presselandschaft
Nach Kriegsende konnte das Coburger Tageblatt zunächst nicht einfach wieder erscheinen. Die amerikanische Militärregierung verfolgte beim Wiederaufbau der deutschen Presse ein Lizenzsystem. Neue Zeitungen durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung herausgegeben werden. In Coburg erhielt der Journalist Peter Maslowski die Lizenz Nr. 15. Am 25. Januar 1946 erschien daraufhin erstmals die Neue Presse. Sie nutzte die ehemaligen Verlagsräume des Coburger Tageblatts in der Mohrenstraße.
Für die Familie Colbatzky bedeutete dies eine komplizierte Situation: Zwar wollte sie an ihre Verlagstradition anknüpfen, doch die bestehenden Betriebsräume waren an die Neue Presse verpachtet und eine Wiederherausgabe des Tageblatts zunächst nicht möglich. Erst mit dem Ende des alliierten Lizenzzwangs und der Wiederherstellung der allgemeinen Pressefreiheit änderten sich die Voraussetzungen. Am 22. September 1949 ließ die Familie Colbatzky zunächst eine Probenummer erscheinen. Darin kündigte sie an, an die Tradition einer unabhängigen Tageszeitung anzuknüpfen. Am 1. Oktober 1949 erschien dann mit der Nummer 1 die erste reguläre Nachkriegsausgabe des Coburger Tageblatts. Hans-Georg Ehrhardt unterstützte das Unternehmen, während Hanns Thormann Chefredakteur wurde und dieses Amt bis 1962 ausübte.
Damit entstand jene für Coburg bis heute kennzeichnende Situation zweier konkurrierender Tageszeitungen. Coburger Tageblatt und Neue Presse entwickelten sich zu zwei eigenständigen publizistischen Stimmen der Stadt und des Landkreises.
Die Weimarer Republik war in Coburg von einer außergewöhnlich vielfältigen Presselandschaft geprägt. Neben dem Coburger Tageblatt erschienen unter anderem die konservative Coburger Zeitung und das sozialdemokratische Volksblatt. Anfang der 1930er Jahre trat mit der Coburger National-Zeitung ein ausgesprochen nationalsozialistisches Konkurrenzblatt hinzu. Die politische Radikalisierung Coburgs wirkte sich unmittelbar auf diese Pressevielfalt aus. Das Tageblatt stand aufgrund seiner liberalen Tradition im Gegensatz zur nationalsozialistischen Pressepolitik. Während Zeitungen im demokratischen System miteinander um Leser, Anzeigen und politische Deutungshoheit konkurriert hatten, zielte das NS-Regime nach 1933 darauf, die Presse institutionell, wirtschaftlich und inhaltlich gleichzuschalten.
Für Friedrich Colbatzky und sein Unternehmen hatte dies einschneidende Folgen. 1936 wurde der Verlag enteignet. Damit verlor die Familie die Kontrolle über das von ihr jahrzehntelang aufgebaute Unternehmen. 1940 wurde das Coburger Tageblatt mit der nationalsozialistischen Coburger National-Zeitung zusammengelegt; 1942 verschwand schließlich auch der Zeitungstitel. Die Entwicklung des Tageblatts verdeutlicht damit exemplarisch, wie die einst pluralistische lokale Öffentlichkeit während der NS-Diktatur systematisch beseitigt wurde. Ab 1940 blieb die Coburger National-Zeitung als einzige örtliche Tageszeitung übrig. Ihre letzte Ausgabe erschien am 10. April 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Coburg
Zwischen 1893 und 1908 prägte Otto Kirchhof aus Sondershausen die Zeitung als Herausgeber. 1908 übernahm Friedrich Colbatzky (1870–1942) die verlegerische Verantwortung. Mit ihm begann eine besonders wichtige Phase in der Entwicklung des Tageblatts. Colbatzky hielt grundsätzlich an der liberalen Ausrichtung fest, bemühte sich zugleich jedoch um eine breitere Verankerung des Blattes in der Bevölkerung.
Welche politische Bedeutung Tageszeitungen damals besaßen, wurde besonders nach dem Ende des Ersten Weltkriegs deutlich. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie und der Entstehung des Freistaates Coburg stellte sich 1919 die Frage, ob Coburg Teil des geplanten neuen Landes Thüringen werden oder sich Bayern anschließen sollte. Die Coburger Presse beteiligte sich intensiv an dieser Auseinandersetzung. Während das sozialdemokratische Coburger Volksblatt überwiegend für die thüringische Lösung eintrat, boten sowohl die Coburger Zeitung als auch das demokratisch-liberale Coburger Tageblatt vor allem den Befürwortern eines Anschlusses an Bayern Raum. Bei der Volksbefragung am 30. November 1919 sprachen sich schließlich 88,3 Prozent der gültig Abstimmenden gegen den Anschluss an Thüringen aus; dies wurde politisch als Entscheidung für Bayern interpretiert. Die Stadt Coburg selbst hebt hervor, dass Colbatzky und sein Tageblatt mit ihrer Berichterstattung und Kommentierung an dieser öffentlichen Meinungsbildung beteiligt waren.
In den 1920er Jahren entwickelte sich das Tageblatt zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Mit wachsender Auflage reichten die älteren Betriebsräume nicht mehr aus. 1926 ließ Friedrich Colbatzky an der Mohrenstraße 17 ein modernes Verlagshaus errichten, das nach Plänen des Architekten Arthur Bergmann entstand. Das Gebäude wurde zu einem weithin bekannten Bestandteil des Coburger Stadtbildes. Um 1930 erreichte das Tageblatt eine Auflage von mehr als 10.000 Exemplaren.
Damit hatte sich die Zeitung innerhalb von kaum fünf Jahrzehnten von einer liberalen Neugründung zu einem der wichtigsten publizistischen Unternehmen des Coburger Landes entwickelt.
Das Coburger Tageblatt gehört zu den traditionsreichsten noch bestehenden Institutionen der Coburger Medienlandschaft. Seit seiner Gründung im Jahr 1886 hat die Zeitung mehrere politische Systeme, zwei Weltkriege, die nationalsozialistische Diktatur, eine erzwungene Unterbrechung ihres Erscheinens und schließlich den grundlegenden Wandel der Medienwelt im digitalen Zeitalter erlebt. Ihre Geschichte ist deshalb weit mehr als eine reine Verlagsgeschichte. An ihr lässt sich zugleich nachvollziehen, wie sich Öffentlichkeit, politische Meinungsbildung und gesellschaftliche Kommunikation in Coburg seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert verändert haben.
Eine liberale Neugründung im Jahr 1886
Die erste reguläre Ausgabe des Coburger Tageblatts erschien am 1. Juli 1886. Zu den maßgeblichen Initiatoren gehörte der Coburger Hofbuchhändler Ernst Friedrich Riemann. Alfred Sauerteig beschrieb die Gründung später in seiner 1949 erschienenen „Coburger Zeitungsgeschichte“ als gemeinsames Unternehmen einer Reihe „liberal gesinnter Männer“ und Riemanns. Bereits der ausführliche Untertitel – „General-Anzeiger für Stadt und Land – Organ für Politik, Lokalgeschichte, Handels- und Geschäftsverkehr“ – verdeutlichte den umfassenden Anspruch des neuen Blattes. Neben politischen Nachrichten sollten lokale Ereignisse ebenso berücksichtigt werden wie Informationen aus Handel, Landwirtschaft und Industrie. Das Tageblatt verstand sich damit von Beginn an sowohl als Nachrichtenmedium als auch als wirtschaftliches und gesellschaftliches Kommunikationsforum für Stadt und Coburger Land. Stadtgeschichte Coburg Die Zeitung trat in eine bereits entwickelte Coburger Presselandschaft ein. Seit 1861 bestand die Coburger Zeitung, die ursprünglich auf Initiative Herzog Ernsts II. entstanden war und sich später stärker national- beziehungsweise rechtsliberal und schließlich nationalkonservativ orientierte. Mit dem Coburger Tageblatt erhielt die liberale Öffentlichkeit nun ein eigenes, zunehmend einflussreiches Medium. Damit spiegelte die Coburger Presse jene politische Ausdifferenzierung wider, die für das Kaiserreich charakteristisch war: Zeitungen waren damals meist wesentlich deutlicher als heute bestimmten politischen Milieus zuzuordnen. Wikipedia Die ersten Druck- und Vertriebsräume des Tageblatts befanden sich im Hintergebäude Steingasse 16. Bereits 1888 wurden zusätzliche Annahmestellen für Anzeigen und Abonnements in Sonnefeld und Neustadt bei Coburg eingerichtet – ein frühes Indiz dafür, dass sich die Zeitung keineswegs allein an die Einwohner der Residenzstadt richtete. Noch im selben Jahr wechselte der Betrieb wegen des steigenden Platzbedarfs zum Gemüsemarkt 1. 1904 kam das Anwesen Oberer Bürglaß 5 hinzu.
Noch 1931 waren 23 Gemüsehändler auf dem Coburger Gemüsemarkt vertreten. Doch gleichzeitig kündigte sich eine Entwicklung an, die den Charakter des Platzes grundlegend verändern sollte: die Motorisierung. Bereits 1928 eröffnete am Gemüsemarkt 2 eine der frühen Coburger Tankstellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg beanspruchte der Autoverkehr zunehmend den öffentlichen Raum. Der historische Gemüsemarkt verwandelte sich immer stärker in eine Verkehrs- und Parkplatzfläche.
Damit wiederholte sich gewissermaßen die Geschichte: Rund acht Jahrzehnte zuvor war der Gemüsemarkt aus der Spitalgasse verdrängt worden, weil er dort den zunehmenden Verkehr behinderte. Nun vertrieb der Verkehr die Händler auch von dem eigens für sie angelegten Platz.
Ein besonders sichtbarer Einschnitt erfolgte 1969. Der ehemalige Spitalhofbrunnen, der nach der Anlage des Platzes als Gemüsemarktbrunnen weiterbestanden hatte, wurde entfernt. Gleichzeitig wurde der Platz verkehrstechnisch umgestaltet und eine Durchfahrt in Richtung Georgengasse und Theaterplatz geschaffen.
Das historische Marktareal verlor damit weitgehend seine ursprüngliche Funktion. In den folgenden Jahrzehnten dominierte zunehmend die Nutzung als Parkplatz.
Eine Tradition lebt weiter
Ganz verschwunden ist der Coburger Gemüsemarkt jedoch nicht. Er hat lediglich seinen Standort gewechselt. Heute findet der unter diesem Namen geführte Markt jeden Dienstag und Freitag von 8 bis 13 Uhr auf dem Coburger Marktplatz statt. Noch immer gehören Direktvermarkter und Gemüsebauern aus der Bamberger Gegend zu seinen Beschickern. Damit lebt eine Verbindung fort, deren Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen
Die Händler aus dem Raum Bamberg prägten den Platz so sehr, dass ihre Herkunft selbst in die Geschichte der angrenzenden Häuser Eingang fand. Im Haus Gemüsemarkt 1 eröffnete 1887 eine Gastwirtschaft mit dem bezeichnenden Namen „Stadt Bamberg“. Die Bamberger Gemüsehändler wurden in Coburg mitunter scherzhaft als „Zwiebeltreter“ bezeichnet – ein Name, der zugleich an ihre wichtige Rolle beim traditionellen Coburger Zwiebelmarkt erinnert.
Auch baulich entwickelte sich der Platz weiter. An der Stelle des ehemaligen Pächterhauses des Spitalhofs entstand 1869 das heutige Gebäude Gemüsemarkt 1. Dabei wurde ein bemerkenswertes Relikt des Vorgängerbaus wiederverwendet: die 1737 entstandene Türrahmung mit der Darstellung des heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Sie erinnert bis heute an das Georgenspital, aus dessen Wirtschaftshof der Gemüsemarkt hervorgegangen war.
Zeitweise entstanden rund um den Markt auch gastronomische Angebote. Neben der „Stadt Bamberg“ bestand zwischen 1897 und 1905 die Restauration „Zum Gemüsemarkt“ im Haus Nummer 3. Für die stark angewachsene Zahl der Marktbesucher musste zudem die Infrastruktur verbessert werden: 1890 errichtete die Stadt ein gusseisernes öffentliches Bedürfnisanstalt, die 1910 durch eine neue Anlage ersetzt wurde.
Der Platz entwickelte sich darüber hinaus zu einem kleinen gewerblichen Zentrum. Auch die Coburger Pressegeschichte hinterließ hier ihre Spuren: Das 1886 gegründete Coburger Tageblatt verlegte seine Druckerei bereits 1888 an den Gemüsemarkt 1.
Noch 1867 und zu Beginn des folgenden Jahres wurde ein großer Teil des Spitalhofs abgebrochen. Auch die alte Mädchenschule verschwand, wodurch eine zusätzliche Verbindung zum Theaterplatz entstand. Der neue Platz erhielt zunächst den Namen Bürglaßplatz. Im Mittelpunkt blieb der ehemalige Brunnen des Spitalhofs erhalten. Zugänge bestanden zum Unteren Bürglaß, zum Steinweg und nun auch zum Theaterplatz. Auf Anregung des Stadtbaumeisters Julius Martinet wurde außerdem die städtische Waage an den neuen Markt verlegt.
Damit war nicht nur ein neuer Markt entstanden. Der Abbruch des Spitalhofs veränderte zugleich die städtebauliche Situation zwischen Steinweg, Bürglaß und Theaterplatz grundlegend. Noch heute zählt die Öffnung dieses Bereichs zu den charakteristischen Eingriffen in das Coburger Stadtgefüge des 19. Jahrhunderts. Auch die amtliche Denkmalliste hebt den durch den Abbruch des Spitalhofs geschaffenen Gemüsemarkt als Bestandteil des historischen Stadtbildes hervor.
Der erste Markt im Jahr 1869
Am 23. Oktober 1869 fand auf dem neuen Platz der erste offizielle Gemüsemarkt statt. 22 Händler boten ihre Waren an; vorgesehen war der Platz sogar für 38 Gemüsebauern.
Viele der Händler kamen aus Bamberg und Hallstadt. Gerade diese Verbindung sollte die Geschichte des Coburger Gemüsemarkts über viele Jahrzehnte bestimmen. Zunächst waren die Gärtner allerdings wenig begeistert von ihrem neuen Verkaufsplatz. Bei schlechtem Wetter verwandelte sich dessen unbefestigter Untergrund in Schlamm, in dem die schwer beladenen Wagen stecken blieben. Einige Händler drohten sogar, Coburg künftig zu meiden und ihre Waren stattdessen in Hildburghausen oder Sonneberg anzubieten. Die Stadt reagierte: 1870 wurde der Platz gepflastert.
Danach entwickelte sich der Markt schnell zu einer festen Institution. Zwischen den Gemüsefrauen aus dem Bamberger Raum und ihren Coburger Kundinnen entstanden langjährige Beziehungen. Nach 1875 setzte sich schließlich auch offiziell die Bezeichnung „Gemüsemarkt“ für den zuvor Bürglaßplatz genannten Platz durch.
Wie stark der Markt frequentiert wurde, zeigt eine bemerkenswerte Zählung aus dem Jahr 1896. Am Morgen des 15. August wurden innerhalb von nur zwei Stunden 485 Personen gezählt, die allein über den Zugang vom Steinweg zum Gemüsemarkt gelangten.
Der Gemüsemarkt gehört zu jenen Orten der Coburger Innenstadt, deren heutiges Erscheinungsbild kaum noch erkennen lässt, welche Bedeutung sie einst für das alltägliche Wirtschaftsleben der Stadt besaßen. Mehrere Jahrzehnte lang kamen hier insbesondere Gärtner und Gemüsebauern aus dem Raum Bamberg und Hallstadt zusammen, um ihre Waren an die Coburger Bevölkerung zu verkaufen. Entstanden ist der Platz jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – als Ergebnis einer grundlegenden Neuordnung der innerstädtischen Märkte.
Der Gemüsehandel in der Spitalgasse
Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts besaß der Gemüsehandel keinen eigenen Platz. Die Händler boten ihre Waren vor allem in der Spitalgasse an. Dies wurde zunehmend zum Problem. Nach der Eröffnung des Coburger Bahnhofs im Jahr 1858 nahm der Verkehr in der Stadt deutlich zu. Gerade an Markttagen sorgten Verkaufsstände, Fuhrwerke und die mit Gemüse beladenen Wagen in der engen Spitalgasse für erhebliche Behinderungen. Hinzu kamen Beschwerden über Schmutz und Abfälle. Gleichzeitig veränderte sich das Selbstverständnis Coburgs: Als herzogliche Residenzstadt sollte die Innenstadt repräsentativer werden, und auch die Spitalgasse sollte sich stärker zu einer modernen Geschäftsstraße entwickeln.
Eine Verlegung des Gemüsehandels wurde deshalb schon früh diskutiert. Bürgermeister Oberländer schlug 1862 den neu angelegten Albertsplatz als Standort vor. Drei Jahre später wurde sogar über eine eigene Gemüseverkaufshalle im Bereich von Bader- und Webergasse nachgedacht. Beide Projekte konnten sich jedoch nicht durchsetzen.
Ein neuer Platz auf dem Gelände des Georgenspitals
Die entscheidende Möglichkeit eröffnete sich wenig später am damaligen Spitalhof. Das Areal gehörte zum historischen Georgenspital und wurde landwirtschaftlich genutzt. Nachdem der Pachtvertrag des letzten Bewirtschafters Anfang 1867 ausgelaufen war, untersuchte eine städtische Kommission den Gebäudebestand. Stallungen und Remisen erwiesen sich teilweise als baufällig; auch die benachbarte alte Mädchenschule befand sich in schlechtem Zustand. Statt erhebliche Summen in die Gebäude zu investieren, entschied sich die Stadt, das Gelände neu zu ordnen und hier einen großzügigen Gemüsemarkt anzulegen.
Für Nathan und Bella Ludwig blieb eine Flucht aus Deutschland aus. Während der Novemberpogrome 1938 wurden beide zusammen mit anderen jüdischen Coburgern aus ihrer Wohnung geholt und durch die Stadt getrieben. Nathan und weitere jüdische Männer wurden anschließend festgesetzt. Anfang 1939 musste er schließlich auch seinen Gewerbeschein zurückgeben. Am 22. Juli 1939 starb Nathan Ludwig im Alter von 67 Jahren in Coburg. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof der Stadt beigesetzt.
Bella Ludwig blieb allein zurück. Ende Oktober 1941 musste sie in das sogenannte „Judenhaus“ in der Ketschengasse 6 ziehen. Zudem wurde sie zur Zwangsarbeit in der Porzellanfabrik Griesbach in Cortendorf verpflichtet. Am 27. November 1941 deportierten die Nationalsozialisten Bella Ludwig zusammen mit weiteren Coburger Juden zunächst nach Nürnberg und anschließend in das Ghetto Riga. Wann und unter welchen Umständen sie dort oder an einem anderen Ort ermordet wurde, ist bislang nicht bekannt. Gesichert ist lediglich, dass sie die Deportation nicht überlebte.
Ausgrenzung und Verlust der wirtschaftlichen Existenz
Mit der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur verschärfte sich die Situation der Familie erheblich. Dabei hatte die antisemitische Radikalisierung in Coburg bereits vor 1933 eingesetzt.
Ende 1934 verließ Erna Hilde Ludwig Deutschland und ging in die Niederlande. Nathan Ludwig wiederum wurde 1935 von den Maßnahmen der Coburger Stadtverwaltung gegen jüdische Viehhändler getroffen. Ihm wurde die Gewerbeerlaubnis entzogen. Beschwerden gegen diese Entscheidung blieben erfolglos. Ludwig verlor damit die Grundlage seines bisherigen Berufs und versuchte anschließend unter anderem als Wäschevertreter und Handlungsreisender den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern.
Im März 1936 endete schließlich auch die Verbindung der Familie mit ihrem langjährigen Zuhause. Nathan und Bella Ludwig mussten die Wohnung in der Brückenstraße 3 verlassen und zogen in das Haus des jüdischen Papierhändlers Kaufmann in der Bahnhofstraße 25a. Die Quellen erlauben keine eindeutige Aussage darüber, ob dieser Wohnungswechsel unmittelbar politisch erzwungen wurde; er fällt jedoch in eine Zeit zunehmender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung.
Zwei Töchter – zwei Fluchtgeschichten
Für die beiden Töchter bedeutete die nationalsozialistische Verfolgung schließlich die Flucht aus Deutschland.
Erna Hilde Ludwig ging bereits Anfang Dezember 1934 nach Amsterdam. Dort heiratete sie 1936 den jüdischen Handlungsgehilfen Louis van Koppelen. Das Paar hatte eine Tochter, Sara, und lebte später in Den Haag. Mit der deutschen Besetzung der Niederlande 1940 geriet die Familie erneut unter nationalsozialistische Herrschaft.
Im August 1942 wurden Erna Hilde, ihr Mann und ihre kleine Tochter aufgegriffen, über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort getrennt. Erna Hilde und die fünfjährige Sara wurden am 23. August 1942 ermordet. Louis van Koppelen überlebte die Shoah. Das Coburg-Magazin-Forum zeichnet diesen Lebensweg ebenfalls ausführlich nach.
Der jüngeren Tochter Anneliese Ludwig gelang dagegen die Flucht. Sie heiratete am 28. Mai 1936 in Coburg Wilhelm Oppenheimer. Im Oktober 1937 verließ das Ehepaar Deutschland und emigrierte nach Kolumbien. In Popayán wurde 1939 ihr Sohn Georg geboren. Nach Jahrzehnten im südamerikanischen Exil kehrte Anneliese 1965 nach Deutschland zurück und lebte später in Köln, wo sie 2001 starb.
Nathan Ludwig wurde am 12. Oktober 1871 in Gleicherwiesen geboren. Der Ort besaß eine traditionsreiche jüdische Gemeinde, und wie zahlreiche jüdische Familien der Region war auch die Familie Ludwig mit dem Viehhandel verbunden. Im Januar 1911 heiratete Nathan die aus Simmershausen stammende Bella Kahn, geboren am 16. Februar 1888. Nach ihrer Hochzeit zog das Paar nach Coburg, wo Nathan seine Tätigkeit als Viehhändler fortsetzte. Zunächst lebten die Ludwigs im Haus Brückenstraße 1, der heutigen Gartenstraße 1. 1912 wurde Tochter Erna Hilde, 1913 Tochter Anneliese geboren.
Nathan Ludwig konnte sich in Coburg wirtschaftlich etablieren. Während des Ersten Weltkriegs wurde er unter anderem mit der Beschaffung von Schlachtvieh für das Heer, Lazarette und Kriegsgefangenenlager beauftragt. Zudem ist er als Spender für verschiedene Hilfsaktionen nachweisbar. Seine wirtschaftliche Entwicklung ermöglichte es ihm schließlich, 1919 das Haus Brückenstraße 3 zu erwerben. Damit verfügte die vierköpfige Familie erstmals über ein eigenes Wohnhaus.
Das Zuhause der Familie
Für Erna Hilde und Anneliese wurde das Haus zum Ort ihrer Kindheit und Jugend. Erna Hilde war sieben Jahre alt, als die Familie einzog, Anneliese sechs. Bella Ludwig führte hier den Haushalt und kümmerte sich um die Familie, während ihr Mann seinem Viehhandel nachging.
Die 1920er Jahre brachten jedoch tiefgreifende Veränderungen. Nach dem Ersten Weltkrieg nahmen antisemitische Agitation und politische Radikalisierung in Coburg erheblich zu. Gleichzeitig geriet Nathan Ludwigs Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1929 wurde über sein Vermögen ein Konkursverfahren eröffnet. Zwar konnte er seinen Viehhandel anschließend weiterführen, doch die finanziellen Probleme blieben bestehen.
1932 musste Ludwig das Haus verkaufen. Ob dies unmittelbar auf den Konkurs zurückzuführen war, lässt sich nach dem derzeitigen Quellenstand nicht eindeutig beantworten. Die Quellen nennen als neue Eigentümer im August 1932 das Malermeistersehepaar Louis und Julie Motschmann und noch im Dezember desselben Jahres eine Erbengemeinschaft Motschmann. Die Ludwigs durften zunächst weiterhin in ihrer bisherigen Wohnung bleiben.
Das Haus Gartenstraße 3 gehört auf den ersten Blick zu den zahlreichen historistischen Wohnhäusern, die das Coburger Stadtbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts prägen. Doch hinter seiner Fassade verbirgt sich eine Geschichte, die weit über die Architektur hinausreicht. Von 1919 bis 1932 gehörte das damalige Haus Brückenstraße 3 dem jüdischen Viehhändler Nathan Ludwig. Für ihn, seine Frau Bella und die beiden Töchter Erna Hilde und Anneliese wurde es zum familiären Mittelpunkt – und später zu einem Erinnerungsort an die Verfolgung der Coburger Juden während der NS-Zeit.
Ein Wohnhaus des späten 19. Jahrhunderts
Das zweigeschossige, traufständige Wohnhaus mit Satteldach, Zwerchhausrisalit und stehenden Gauben steht heute unter Denkmalschutz. Seine Fassade verbindet Ziegelmauerwerk mit Sandsteingliederungen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege datiert den historistischen Bau auf 1895 und nennt den Maurermeister Martin Renner als Erbauer.
Die hier im Forum zusammengetragene Häusergeschichte ergänzt diese Angaben. Demnach gehörte das Grundstück 1874 noch dem Handelsgärtner Carl Dehler und war zu diesem Zeitpunkt unbebaut. 1896 erwarb Martin Renner das Grundstück und errichtete dort ein Wohnhaus für sich selbst. Die geringfügige Abweichung zur amtlichen Datierung dürfte mit Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit zusammenhängen. Bereits 1901 wird der Fabrikant Emil Krafft, 1902 der Stadtschreiber Andreas Rauschert als Eigentümer genannt.
Seine besondere stadtgeschichtliche Bedeutung erhielt das Gebäude jedoch durch die Familie Ludwig.
Schon wenige Jahre nach seiner Fertigstellung wechselte das Anwesen offenbar den Besitzer. Die zusammengetragenen Angaben zur Geschichte der früheren Brückenstraße nennen für 1908 das Bankhaus Schraidt & Hoffmann. Dabei handelte es sich um ein traditionsreiches Coburger Bankhaus, das bereits im 19. Jahrhundert überregional tätig war. Für 1919 nennt die Häuserchronik den Werkmeister Karl Stündel, für 1955 die Stadt Coburg.
Das Jahr 1919 brachte auch eine bauliche Veränderung. In die markante Hausecke wurde damals ein Ladengeschäft mit kleiner Freitreppe eingebaut. Damit wandelte sich das ursprünglich reine Mietwohnhaus zumindest teilweise zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Dieser Eingriff gehört mittlerweile selbst zur über hundertjährigen Baugeschichte des Gebäudes.
Damit ist Gartenstraße 1 weit mehr als lediglich ein schönes Gebäude aus der Zeit um 1900. Das Haus erzählt von der baulichen Erweiterung Coburgs, vom Wirken des Architekten Paul Schaarschmidt, von wechselnden Eigentümern und Nutzungen und zugleich von den Menschen, die hier lebten. Seine aufwendig gestaltete Architektur macht es zu einem markanten Zeugnis des Coburger Stadtbildes an der Schwelle vom Historismus zum Jugendstil. Seine Bewohnergeschichte verbindet das Gebäude darüber hinaus mit den politischen und gesellschaftlichen Brüchen des 20. Jahrhunderts.
An der Ecke Gartenstraße und Blumenstraße steht mit dem Haus Gartenstraße 1 eines der auffälligsten Wohngebäude der Coburger Heiligkreuzvorstadt. Seine Geschichte reicht in die Zeit um 1900 zurück, als sich das Stadtgebiet nördlich der Altstadt zunehmend verdichtete. Zugleich erinnert das Gebäude daran, dass Straßennamen und Hausnummern keineswegs unveränderlich sind: Zur Zeit seiner Erbauung lautete die Adresse noch Brückenstraße 1. Der heutige vordere Abschnitt der Gartenstraße gehörte ursprünglich zur Brückenstraße, die von der Heiligkreuzbrücke in Richtung Lauter führte.
Das Wohnhaus wurde 1902 für den Coburger Kaufmann Hermann Schmidt errichtet. Mit der Planung war Paul Schaarschmidt beauftragt worden, der sich kurz zuvor in Coburg niedergelassen und 1901 ein eigenes Baugeschäft gegründet hatte. Schaarschmidt entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Coburger Architekten und Baumeister des frühen 20. Jahrhunderts. Zahlreiche noch heute stadtbildprägende Häuser gehen auf ihn zurück. Gartenstraße 1 gehört zu seinen frühen selbständigen Entwürfen. Ursprünglich handelte es sich um ein Mietshaus mit vier Wohnungen.
Architektonisch nimmt das Gebäude eine besondere Stellung ein. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt Gartenstraße 1 heute unter der Denkmalnummer D-4-63-000-862 und beschreibt es als viergeschossiges, historisierendes Eckgebäude mit Krüppelwalmdach und Zwerchhausrisaliten mit geschweiften Giebeln. Die ausführlichere Denkmalbeschreibung macht deutlich, wie sorgfältig Schaarschmidt die exponierte Ecklage nutzte: Beide Straßenfronten werden durch vorspringende Zwerchhausrisalite gegliedert. Zur Gartenstraße tritt ein über zwei Geschosse reichender, neugotisch dekorierter Konsolerker hinzu. Große Kreuzstockfenster, ein Eckstrebepfeiler und eine kleine welsche Haube heben den Eckbereich zusätzlich hervor. Im Inneren hat sich unter anderem das Treppenhaus mit gedrechselten Geländersäulen erhalten.
Auch das Zentrum der ehemaligen Domäne wurde grundlegend umgestaltet. Gustav Dietrich verließ den Festungshof im Februar 1910. An die Stelle der landwirtschaftlichen Gutsanlage trat ein repräsentativer Neubau nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Witt & Bischoff. Das 1910 errichtete, heute denkmalgeschützte Gebäude bildete die Grundlage des späteren Hotels Festungshof.
Ganz verschwunden ist die ältere Geschichte möglicherweise dennoch nicht. Nach Darstellung der heutigen Eigentümer des Anwesens Festungshof 2 soll das frühere Wohnhaus des Domänenpächters 1910 zerlegt und am benachbarten Standort als Waldwärterhaus wieder aufgebaut worden sein. Andere Darstellungen berichten dagegen, dass ein Arbeiterwohnhaus der Domäne nach Oeslau versetzt worden sei und am Festungshof ein neues Forsthaus entstand. Die Überlieferung zur Verlagerung einzelner Gebäude ist deshalb nicht völlig einheitlich. Eine endgültige Klärung müsste auf Grundlage der erhaltenen Bau- und Domänenakten des Staatsarchivs Coburg erfolgen.
Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Festungshof zu einem bemerkenswerten Ort der Coburger Stadt- und Landesgeschichte. Auf demselben Höhenrücken lassen sich sehr unterschiedliche Nutzungen nachvollziehen: eine frühe Schäferei, ein herrschaftliches Kammergut, ein großflächiges Domänengut, schließlich Forstwirtschaft, Militär, Tourismus und Gastronomie. Die Auflösung von 1910 markiert dabei die entscheidende Zäsur.
Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entschloss sich die herzogliche Domänenverwaltung, den bisherigen Großbetrieb aufzugeben. Die Auflösung wurde bereits in den Jahren zuvor vorbereitet und 1910 endgültig vollzogen. Im Staatsarchiv Coburg hat sich hierzu die Landtagsakte mit dem eindeutigen Betreff „Auflösung des Domänengutes Festungshof sowie Erbauung eines Waldwärterhauses dort“ erhalten. Sie dokumentiert, dass die Aufgabe des Gutes keine beiläufige Veränderung, sondern eine förmliche Neuordnung des Areals war.
Mit dem Ende der Domäne änderte sich auch die Nutzung der zugehörigen Flächen. Besonders bedeutsam war die Brandensteinsebene, das größte zusammenhängende Wiesen- und Feldstück des Gutes. Sie wurde dem in Coburg stationierten III. Bataillon des 6. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 95 als Exerzierplatz überlassen. 1913 richtete das Militär dort einen Flugstützpunkt ein, aus dem später der Flugplatz Coburg-Brandensteinsebene hervorging. Ein Raum, der lange überwiegend landwirtschaftlich genutzt worden war, erhielt damit zusätzlich eine militärische Funktion.
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Über viele Jahrzehnte wurde der Hof durch wechselnde Pächter bewirtschaftet. Für den Beginn des 19. Jahrhunderts ist Johann Nicol Angermüller überliefert. Ab 1806 hatten zeitweise die Gemeinden Unterlauter und Bertelsdorf die Domäne gemeinsam gepachtet. Es folgten unter anderem Johann Peter Fischer, Johann Valentin Bauersachs, Stephan Höhn, Johann Nicol Leuthäußer sowie Adam und Friedrich Späth. Die lange Reihe der Pächter verdeutlicht die Kontinuität des Festungshofes als regulär verpachtetes herrschaftliches Landgut.
Die letzte und zugleich bekannteste Phase der Domänengeschichte verbindet sich mit Gustav Ludwig Dietrich. Er übernahm den Festungshof 1890 und blieb bis zu dessen Auflösung der letzte Pächter. Dietrich gehörte um 1900 zu den wichtigen Persönlichkeiten der Coburger Landwirtschaft und hatte im Laufe seines Berufslebens mehrere Domänengüter bewirtschaftet. Unter seiner Ägide trat neben die Landwirtschaft bereits eine neue Funktion des Ortes. Gegenüber den Gutsgebäuden ließ er die sogenannte „Mooshütte“ errichten, eine mit Moos verkleidete Holzhütte, in der Spaziergänger Milch, Buttermilch und Butterbrot erhalten konnten. Die kleine Einrichtung wurde besonders bei Familien und Kindern beliebt.
Mit der Mooshütte deutete sich bereits der Wandel an, der den Festungsberg im frühen 20. Jahrhundert erfassen sollte. Die Umgebung der Veste wurde immer stärker als Spazier- und Ausflugsgebiet wahrgenommen. Der Festungshof lag dabei günstig: nahe der Veste, zugleich aber von Wald und offenen Flächen umgeben und mit weitem Blick auf Coburg. Die touristische Nutzung, die später das Erscheinungsbild des Ortes bestimmen sollte, begann somit nicht erst mit dem Hotelbau, sondern entwickelte sich bereits in den letzten Jahren der Domäne.