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Dieses Thema hat 98 Antworten
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 Coburger Geschichte
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Rolf Metzner Offline




Beiträge: 1.654
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14.04.2016 19:56
#31 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #30

.....Erst als 1952 die bei Kriegsende 1945 in die Zisterne geworfenen Munition mitsamt dem Schlamm fortgeräumt wurde, stieg Dr. Vogt hinunter und entdeckte das unterirdische, aus großen Quadern ohne Mörtel(!) gemauerte Gewölbe wieder, das die Jahreszahl 1531,das Steinmetzzeichen und die Buchstaben CK trägt. Seine viereckige Öffnung liegt 70cm über dem Steingrund der Zisterne. Kriecht man hindurch, so stößt man sogleich auf eine kleine Mauer mit Schleusenöffnungen; in einer Zwischenkammer sollte der schlammige Bodensatz hier nochmals zurück gehalten werden. Das Gewölbe ist 4,5m breit und verläuft 7,5m tief parallel zur südlichen Wehrmauer; es ist im Scheitel 3m hoch.......


Hier ein Foto dieses Zisternengewölbes:

unterirdisches Gewölbe der Zisterne.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)

gerd Offline



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22.04.2016 17:40
#32 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Artikelsbriefe
Unter dem Landeshauptmann M.von Wallenrod war 1565 der des Lesens und Schreibens "vom lieben Gott nicht begabte" Hans Werner Befehlshaber der Veste, dem 1567 Hauptmann Hans Rost folgte.Über ihn beschweren sich alsbald der Zeugwart,der Büchsenmeister und die Landsknechte der Veste,weil er zu hohe Anforderungen im Wachdienste an sie stellte und sie bei der Auszapfung des Weines-beim Maß um 3 Pfennige-überteuerte.
Rost "beschränkte "ihres Vollsaufens halber" den Stadturlaub der Landsknechte,worauf sie ihm "die Rohre in die Seiten hielten".1568 trat Jobst von Witzleben an seine Stelle,der auf Grund eines 1569 aus Weimar datierten Artikelsbriefes die Landsknechte feierlich neu vereidigte und in eine strenge Zucht nahm.
Es wurde vorgeschlagen,die bei geringer Besoldung aufgenommenen "leichtfertigen" Wächter durch fromme und "unverdächtige" mit besserer Löhnung zu ersetzen.Es befanden sich zu dieser Zeit 10 Landsknechte,12 Wächter,je ein Hausvogt,Küchenschreiber,Büchsenmeister,ferner Torwächter und Türmer (mit Trompeten) im Dienst.
Dann traten 1569 die neuen Artikel in Kraft:
Alle Knechte müssen auf vier Jahre verpflichtet werden.Wenn nicht zur rechten Zeit gleich ihre 40 Gulden ausbezahlt würden,sollten sie ihren Dienst gebührend weiter versehen und Geduld haben.Kein Knecht darf ohne Erlaubnis des Hauptmannes von der Festung in die Stadt oder sonsthin-bei Leibesstrafe. Ans Leben sollte es den Knechten gehen bei: Verräterei,Meuterei,Schlägerei oder Bruch des Burgfriedsens!
Zur Übung im Kriegsbrauch verlegte von Witzleben 1570 über 40 Coburger Bürger auf die Veste,was den Rat der Stadt zu einer beschwerde beim Landesherrn veranlaßte.Johann Wilhelm befahl,die Bürger wieder abzuschaffen und zu beurlauben.
Inzwischen wuchsen die unmündigen Söhne Johann Friedrichs des Mittleren heran.Sie wurden durch Reichstagsbeschluss in die väterlichen Besitzrechte eingesetzt.Wohl oder übel teilte Herzog Johann Wilhelm von Weimar 1572 mit den beiden so,das sie mit Gotha auch Coburg erhielten.Sie wurden bis 1586 der Vormundschaft der Kurfürsten von Sachsen,Brandenburg und der Pfalz unterstellt.Der Kurfürst August von Sachsen benutzte die Gelegenheit und bemächtigte sich "käuflich" eines erheblichen Teiles des Geschütz und Munitionsbestandes der Veste - eine herbe,nie mehr zu ersetzende Einbuße am Waffenpark,die der verschwenderischste der Vormünder gelassen einsteckte,ehe er wenige jahre später Schwiegervater des einen der jungen Prinzen wurde!
1581 wurden laut Inventar nach Leipzig geschafft:
1 große,1 mittlere Steinbüchse,4 halbe Kartaunen,3 große und 4 kleine Quartierschlangen,7 Innsbrucker und 3 halbe Schlangen,2Steinbüchsen "Schildkröten",4 Keilstücke,4 Straubüchsen,1 großer Feuermörser,ferner Kammerstücklein,11 Mörser,8 Schrotfässer,Kugeln und anderes Zubehör.
Es waren insgesamt 60 Geschütze welche die Veste auf Nimmerwiedersehen verlor!
1586 kamen endlich dei beiden jungen Prinzen zur gemeinschaftlichen Regierung,von denen der ältere 1596 die Coburgischen Lande mit einigen Thüringischen Ämtern allein übernahm:
Herzog Johann Casimir, einer der bedeutendsten Regenten,die das Herzogtum je besessen hat.(so Walther Föhl!)
Leider machte J.C. die Veste zu einer peinlichen Familientragödie,weil er glaubte ,einen Beweis für die eheliche Untreue seiner von ihm stark vernachlässigten Gemahlin Anna in der Hand zu haben,die er sich als kursächsische Prinzessin vom Dresdener Hof geholt hatte.Er ließ sich von ihr scheiden und sperrte sie ins Kloster Sonnefeld ein, später dann an seinen sichersten Platz: ab 1603 auf der Veste.F.f.

Christian Offline



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23.04.2016 20:16
#33 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Bei der Bezeichnung "stark vernachlässigt" ist mir ein Lächeln übers Gesicht gehuscht.

gerd Offline



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24.04.2016 14:52
#34 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

..ich nehme an, Christian, das du mittlerweile über das Thema mehr weist, als wie es die Geschichtsschreibung über Jahrhunderte getan hat?...

Christian Offline



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24.04.2016 19:53
#35 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Ja. Diese Aussage würde ich heute nicht mehr unterschreiben. Die Durchsicht der Akten hat da erstaunliches zu Tage gefördert.

gerd Offline



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24.04.2016 20:04
#36 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Trotz aller strengen Haftanordnungen spann die Frau dort ihre Fäden mit einen ebenfalls inhaftierten Kammer-Rat und einen ungetreuen "Unflat" von Wachtmeister, der öffentlich hingerichtet wurde. Die Herzogin selbst blieb auf der Veste in Gefangenschaft, bis die noch immer schöne Frau mit 45 Jahren (der Herzog hatte längst zum zweiten Male geheiratet)1613 durch einen stillen Tod von einen nicht durch ihre Schuld kinderlosen, zwar selbst verspielten, aber unverdient grausamen Dasein befreit wurde. "Mit Jammer und Elend habe ich mein Leben verbracht und ich könnte mit Jacob sagen: wenig und bös´ war die Zeit meines Lebens!"(so nach W.Föhl-in alten Akten im Staatsarchiv mag manches anders dargestellt sein!)
Ihr Liebhaber, Ulrich von Liechtenstein, blieb weiter in seinen Coburger Stadtturm auf Kosten seiner Sippe gefangen. Erst als der unerbittliche Herzog 1633 verschied, wurde er frei-starb aber wenige Tage darauf noch im Kerker.
Casimir war ein gestrenger, humorloser und ordnungsliebender Herr, dessen einzige Passion Bauen, Jagen und mannhaftes "Bechern" waren.Er verschärfte in einen neuen Artikelsbrief vom 23.Juli 1605 das Betreten der Festung Jedermann -und sei es der eigene Bruder-ohne schriftlichen Befehl von ihm oder dem Hofmarschall bzw. Kanzler, durfte niemand die Veste betreten. Die Torwächter und Nachtwachen wurden scharfen Bestimmungen unterworfen, deren übertreten leicht zu einer Strafe "nach unserer Willkür am Leib und Leben" führte. Wachtmeister und Zeugmeister bekamen neue Bestallungen.
Casimirs ernste Sorge galt auch dem Aufstellen vollständiger Inventare (1604),die alle Waffen und Räume nebst den Einrichtungen zu umfassen hatten. Vor allem aber veranlaßte ihn seine zwar hinhaltende, aber auch vorausschauende Politik, Veste und Stadt Coburg für kommende Kriegsfälle in einen möglichst wehrhaften Stand zu setzen, der ihm eine neutrale Haltung bis weit in den Dreißigjährigen Krieg hinein getreu seiner Devise "Fried ernährt,Unfried verzehrt" erlaubte.
Casimir holte sich nicht nur mehrfach in Nürnberg neue Geschütze und Munition, sondern zog auch auswärtige Baumeister heran, um die Veste mit den neuesten fortifikatorischen Errungenschaften zu versehen.F.f.

Stammbus Offline



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25.04.2016 13:19
#37 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zitat von Christian im Beitrag #35
Die Durchsicht der Akten hat da erstaunliches zu Tage gefördert.


Wir hoffen, Du wirst uns an Deinem Wissen noch teilhaben lassen

Christian Offline



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25.04.2016 14:23
#38 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Über Herzogin Anna habe ich bereits einen sehr gut besuchten Vortrag im Staatsarchiv gehalten, auch gerade wegen des Interesses an dieser Ehekrise. Kurz gesagt: Beide Partner besaßen unterschiedliche Vorstellungen über das Ausleben von Sexualität. Dazu kam der Druck einen Erben auf die Welt zu bringen. Deshalb gingen beide! Partner dann außereheliche Wege.

gerd Offline



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27.04.2016 11:10
#39 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Die Landstände hatten 60 000 Gulden für den Ausbau der Veste bewilligt,40 000 davon wurden bei der Landkasse eingelegt,20 000 im Jahre 1615 für Bauarbeiten ausgegeben, zu denen der bayerisch-kulmbachische Stadtbaumeister Gideon Bacher als Leiter berufen wurde.
Im Jahr 1614 entstanden neu die beiden Basteien an der Südseite zum Schutz des jetzigen Haupttores .Sie wurden benannt "Rautenkranz" und "Bunter Löwe". Auch an den anderen Basteien wurde gearbeitet. Auf der Westseite wurde die Bärenbastei ausgebaut, die ihren Namen von den in einen Zwinger auf der Bastei gehaltenen Bären erhielt.
Zunächst beaufsichtigte die Arbeiten Oberst von Fuchs, an dessen Stelle 1615 Oberst von Luccan trat. Alle Basteien wurden "aufgetragen", das heißt dem Berg vorgebaut.(Dabei werden Teile der Ringmauer neu errichtet worden sein, die sich an vielen anderen Stellen sonst dem Kalkstein des Berges wie eine Außenschicht eng anlegt)Die beiden keilförmigen Südbasteien besitzen schräge geneigte Mauern, auf deren Schneiden als wirkungsvollen Schmuck Bacher je einen kleinen Auslug Turm mit einer Kugel auf dem flachen Dach aufsetzte.
Unter ihnen wuchsen aus der Schnittlinie der Mauern mächtige, in Stein gemeißelte, einst farbige (!) Wappen eines trefflichen Barock-Künstlers hervor: an der westlichen Bastei auf zwei Consolen mit Eberköpfen der sächsische Rautenkranz, an der östlichen ein Löwe mit zwei stehenden langflügeligen Greifen als Wappentier.
Nach Benno von Zehmen sollen die beiden Wappen erst 1633 bei der Reparatur beider Basteien nach Wallensteins Abzug, von Cornelius von Ass angebracht worden sein.
(Demnach waren die Basteien von den aufgestellten Geschützen Wallensteins beschossen worden, was eine Reparatur erforderlich machte)In das aus Quadern gebaute Hauptgesims, dessen derbes Profil gut zum Charakter der Festungsanlagen passt, wurden oben offene Schießscharten für Kanonen eingeschnitten. Beide Bastionen haben in ihrem Inneren Kasematten.(Eingänge um 1850 vermauert)
Die wesentlich gößere ,zur Stadt hin weit vorgeschobene und sie beherrschende Bären oder Kanonenbastei auf der Westseite ist aus älteren Vorbauten hervor gegangen. Auch sie wurde künstlich aufgeschüttet. Einige zierliche Formen am Auslug-Turm und dem Hauptgesims mit den einen riesenhaften Zahnschnitt bildenden Kragsteinen lassen auf einen etwas älteren Baumeister schließen; auch zeigen mehrere Spuren von zugemauerten Öffnungen und Schießscharten, daß an ihr mancherlei Veränderungen vorgenommen worden sind. In der Bastei wurden drei Räume eingebaut. Der dritte ist ein mehr zur Mitte hin gelegener unterirdischer Raum mit starkem Gewölbe, ohne Fenster oder Scharten, also wohl ein bombensicherer Munitionsraum. Die zweite Kasematte befindet sich an der Südmauer, die erste in der äußeren Westecke. Zu den Kasematten führen lange Treppen von der Oberfläche der Bärenbastei hinab. Eine der Kasematten liegt auf Höhe der Grabensohle und ist mit Schießscharten versehen, von wo aus der Graben mit Handfeuerwaffen verteidigt werden konnte.( Bei späteren Arbeiten an der Bärenbastei dürfte eine(?) der Kasematten beseitigt worden sein)F.f.

gerd Offline



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28.04.2016 09:21
#40 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Wallenstein
Auf der Leipziger Fürstenversammlung von 1631 kam Herzog Johann Casimir zu dem Entschluß,seine bisherige neutrale Haltung im großen Religionskrieg aufzugeben und sich Kursachsen und damit Schweden anzuschließen.Wenn er mit dieser Parteinahme den Truppendurchzügen und Schädigungen seines Landes entgehen zu können glaubte,wurde er gründlich enttäuscht.Im September 1632 schrieb ihm der Generalstatthalter des fränkischen Kreises,Herzog Bernhard von Weimar,der König von Schweden ließe ihm mitteilen,daß General Wallenstein auf Bamberg marschiere und damit das Coburger Land in Gefahr geriete.Er möge seine besten Sachen und Proviant auf die Festung Coburg bringen,einige hundert Malter Mehl mahlen und ebenfalls hinaufschaffen lassen. Die Festung möge er dem Oberstleutnant von Zehmen, besser aber den schwedischen Oberst Taupadel anvertrauen. Casimir sorgte vor, so gut er konnte, verließ schleunigst die Stadt und begab sich nach Schloß Tenneberg bei Gotha.
Am 28.September 1632 stand früh um 7 Uhr bereits der feindliche Vortrab vor den Mauern der Stadt Coburg. Als die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und dem Kurfürsten Maximilian von Bayern folgten, fanden sie tapfere Gegenwehr von Seiten der Bürger und der Schweden. Aber schon am Nachmittag diesen Tages mußte sich die Residenzstadt "auf accord" übergeben ,da sie mit ihrer geringen Besatzung sich gegen Wallensteins 8000 Mann unmöglich länger verteidigen konnte.
Taupadel war mit acht Kompanien Dragonern auf die Veste gezogen und erreichte durch Ausfälle, daß die in der Stadt kämpfenden Schweden mit ihrem Kapitän sich zur Veste durchschlagen konnten. Zu seinen 450 Dragonern kamen weitere 200 Mann, dazu zahlreiche Flüchtlinge aus der Stadt. So beherbergte die Veste über 800 Mann nebst etwa 500 Pferden. Da der Proviant knapp war, mußte Taupadel um jeden Preis Schlachtvieh bei seinen Ausfällen erbeuten, was ihm mit einer Coburger Herde von 100 Hammeln auch gelang. Dann wurde die hölzerne Brücke beim damaligen Haupteingang an der Westseite bei der Bärenbastei abgebrochen. Die "Alte Brücke" beim heutigen Südeingang zählte zu dieser Zeit nicht mehr, lag sie doch im Wirkungsbereich der Artillerie Wallensteins, der vom Fürwitz aus und vom Rögners Berg (Brandensteinsebene) die Festung unter Feuer nahm.
Niemand konnte jetzt in die Festung hinein fahren oder reiten; es gab nur mehr den Weg über Leitern von 40 Sprossen den hohen Wall hinauf und durch kleine Ausfallpförtchen im Graben über Treppen ins Innere der Festung .
Wallenstein zögerte zunächst, schließlich griff er sich einige angesehene Bürger und sandte sie mit einem Trompeter vor die Veste, um den Kommandanten bei Strafe des Gehenktwerdens zum wiederholten Male zur Übergabe aufzufordern. Taupadel ließ dem Herzog von Friedland frohgemut vermelden, er selbst habe für ihn nur Kraut und Lot und die Spitze seines Degens...wenn er die haben wolle so solle er nur kommen!...
Beide Parteien waren aber schon in Hitze geraten, denn der erste heftige Angriff am 29.September war fehl geschlagen. Wallenstein hatte zwei Mörser auf dem Fürwitz, einer Erhebung gegenüber der Hohen Bastei, aufgepflanzt. ......"machte Laufgräben auf der Höhe querüber und warf mächtige Granaten in die Festung, tat aber keinen Schaden wegen fleißiger Hut und Wacht derer in der Festung, welche die Granaten mit nassen Kuhhäuten dämpften-außer einer, die niedergefallen und zersprungen"
Die Schweden in der Festung "schliefen auch nicht, spielten wakker unter die Kaiserlichen mit Stücken, Doppelhaken, Musketen und Feuerröhren"-unterhielten also eine muntere Schießerei, die tagelang und bis in die Nächte hinein weiter ging.F.f.

gerd Offline



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30.04.2016 09:52
#41 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Die Kaiserlichen besetzten trotz aller Ausfälle Taupadels zwei Scheunen und ein Wohnhaus außerhalb des Walles und umringten die Veste mit Laufgräben. Durch die Aussage eines Gefangenen erfuhr Taupadel, daß der Hauptsturm am 3.Oktober erfolgen sollte, nachdem in der Nacht vom 30.September auf den 1. Oktober der Versuch gemacht worden war, "die Futtermauer gegenüber der neuen Bastei zu ruinieren, wurden aber von einem Konstabler mit 20 Handgranaten also bewillkommt, daß es ihnen nicht gefallen, mußten Reißaus geben..."
Während rings im Lande das Sengen und Brennen anhob, Eisfeld, Heldburg, Rodach ,Ummerstadt in Flammen aufgingen, schickte sich Wallenstein zum letzten Sturm auf die Veste an, deren Besatzung Not zu leiden begann an Bier, Brot und anderen Lebensmitteln. In den großen Brunnen im östlichen Burghof war ein Schäferhund gefallen und verdarb das Wasser.-500 Kaiserliche gelangten mit Sturmleitern in den Graben und begannen die Basteien zu erklettern. Taupadel stellte seine Soldaten nicht nur an die Mauerkränze, sondern ließ durch einige beherzte Abteilungen im Graben selbst Feuer geben und den Angriff abschlagen, wobei gleichzeitig die feindliche Artillerie zum Schweigen gebracht wurde. Mit nur einigen Mann Verlusten hat sich die Veste in diesen stürmischen Tagen durch die Unerschrockenheit der Besatzung und der ausgezeichneten Werke gegen den mächtigen Friedländer bewährt. Wallenstein sah, das ihm die Einnahme der Festung nicht gelingen würde, er steckte sein Lager und den Schafhof in Brand und rückte am 5.Oktober 1632 ab, da von Schweinfurt her Truppen Herzog Bernhards im Anmarsch gemeldet wurden. Er nahm eine Anzahl fürstlicher Räte, auch einige Frauen, aus Coburg als Geiseln auf seinen Weg nach Sachsen mit. Die Stadt, vor allem das Zeughaus und die Ehrenburg waren gründlich geplündert worden.
Taupadel fügte dem abziehenden Feind noch erheblichen Schaden zu , zog dann seine Mannschaften von Coburg ab und ließ nur eine Kompagnie unter Kapitän Griesheim auf der Veste zurück.
Trotz allem Jammern über die drückenden Verpflegungs-und Unterhaltskosten für seine Truppe wußte man im Coburgischen, was sich gehörte: dem schwedischen Obersten wurden als dankbare Anerkennung für sein soldatisches Verhalten 1000 Reichtaler samt goldener Kette und fürstlichem Bildnis zugestellt. F. f.

gerd Offline



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04.05.2016 18:34
#42 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Lamboy
Mit dem glücklich abgewehrten Ansturm Wallensteins war aber der Krieg keineswegs beendet.Bernhard von Weimar wünschte sich vorzusehen.Der Feind stand nicht allzuweit von Coburg entfernt in ungewisser Marschrichtung.Johann Casimir hielt sich weiter im Abseits.Darum veranlasste er, das Holz,Korn,Salz und Proviant auf die Veste geschafft wurde, auch die noch verbliebenen Möbel und Wertsachen aus der Ehrenburg.--(Welche Auswirkung diese Auseinandersetzung auf die Bewohner der Stadt und des Landes hatte, kann man sich unschwer vorstellen,-aber hierüber schweigt diese Chronik!)-- Er beauftragte im Frühjahr 1633 den seinem Hauptquartier beigegebenen schwedischen Ingenieur Cornelius von Ass,die vom feindlichen Geschütz arg zugerichtete Sternbastei wieder herzustellen und die anderen Befestigungswerke instand zu setzen.Die Belagerung hatte gezeigt,daß der Fürwitz im Osten der Veste eine sehr ernste Gefahr darstellte.So ließ Bernhard von Weimar die Höhe möglichst weit abtragen.
Als die kaiserlichen im September 1634 wieder einfielen,flohen viele Coburger mit Hab und Gut auf die Veste.Es kam zu keiner Belagerung.Die Kompanie Griesheim,die verstärkt werden sollte,war in Coburgische Dienste getreten.Aber der Kapitän hatte nicht verstanden,bei sich selbst und bei seinen verwilderten Soldaten Disziplin zu halten.Die Zucht hatte natürlich in dem langen Kriege gelitten. Nun fiel Gustav Adolf bei Lützen und auch der Herzog Johann Casimir mußte im Juli 1633 das Zeitliche segnen.Sein Nachfolger Johann Ernst beschwerte sich bitter über das Rauben und Plündern und das Übelhausen der Soldaten auf der Veste.
Der Zwiespalt unter den Offizieren auf der Veste sollte im bald eintretenden Ernstfall der Veste zum Verhängnis werden.
General- Wachtmeister Freiherr von Lamboy plackte Coburg mit einer Forderung von 10 000 Reichstalern und zog am 26.Oktober 1634 mit neuen Forderungen in die Stadt, die ihm vertragsgemäß übergeben wurde, "außer der Festung, welche für sich unter des evangelischen Bundts Generalcommando".Lamboy aber nahm die Ehrenburg als Hauptquartier und begann unverzüglich die Veste zu belagern, als eine Art Zeitvertreib im Winterquartier.Er verfügte über 2500 Mann, die meist im Lande verstreut umherzogen und besaß nur zwei Geschütze, mit denen gegen die Veste wenig auszurichten war. Erst im Dezember 1634 erhielt er von Piccolomini zwei weitere Regimenter Verstärkung und betrieb dann die Belagerung mit größerem Nachdruck. Ab Januar 1635 war es zu spät, die Veste von Eisenach oder Weimar aus mit 500 Reitern und 200 Mann Fußvolk entsetzen zu lassen. F.F.

gerd Offline



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10.05.2016 19:42
#43 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Es ist richtig, das der kurz vorher eintreffende Kommandant von Zehmen weder die von Bernhard von Weimar noch von seinem Landesherren Johann Ernst versprochenen Unterstützungen an Mannschaften erhalten hat. Er versuchte sein Bestes zu tun, ja sogar wieder Fuss zu fassen in der nach seiner Meinung vorschnell übergebenen Stadt. Es gelang ihm, Rinder und Schafe bei glücklichen Ausfällen auf die Veste zu treiben und weitere Lebensmittel zu beschaffen. Als Brennholz nicht mehr vorhanden war, wurden Balken vom Dachstuhl des Fürstenbaues verheizt.
Am 16. November legten die Belagerer an die Pallisaden unter das Tor Feuer,(siehe hierzu ein Foto vom Modell der Veste in der Bildergalerie) wurden aber vertrieben durch ( Hand )-Granaten, Pechkränze und Sturmtöpfe- mit gepulvertem, ungelöschten Kalk und mit Wasser gefüllte Geschirre. Die Artilleristen hatten jetzt und später ihren Spass mit Lamboys "Stücklein", die in den Garten unter der Festung aufgepflanzt waren. Am 7.März schossen sie von unten sechsundzwanzigmal vorbei, ehe sie merkten, daß ihre angeblichen Treffer nur durch Aschtöpfe markiert wurden, die von der Besatzung der Veste an der Mauer zum Platzen gebracht wurden. Dann erst schossen sie besser-in die Schießscharten hinein.
Auch sonst blieb die Besatzung nicht müßig: sie unternahmen Ausfälle, bei denen die Dragoner die feindlichen Reiter in den Bereich der Geschütze zu locken versuchten oder auf die allenthalben um die Veste ausgelegten Lähmeisen (Fußangeln) oder mit starken Nägeln versehenen Lähmbretter.("Krähenfüsse" sind heute noch in den Kunstsammlungen der Veste zahlreich zu besichtigen!)
Dies alles war nur der Auftakt, der den Befehlshaber der Veste keineswegs so tief bekümmerte wie das Ausbleiben der versprochenen Hilfe und die Uneinigkeit unter den Offizieren. Herzog Johann Ernst sandte dem verzagten von Zehmen am 10.Februar 1635 einen Brief, der als umerzieherischer Appell an die Ehre des Soldaten auch heute noch seine volle Gültigkeit besitzt.F.f.

gerd Offline



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12.05.2016 20:22
#44 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Der Herzog schreibt an von Zehmen: " ...befehle Euch hiermit ernstlich daß Ihr unsere Festung bis auf den letzten Blutstropfen verteidigt und will von keiner Übergabe wissen. Tut Ihr nun wohl, so versichere ich Euch es soll Euch mit solchem Dank belohnet werden daß Ihr damit sollet zufrieden sein. Tut Ihr aber übel und lebet dem Allem nicht nach, so wird man es von Eurem Kopf fordern."
Die gegnerischen Maßnahmen waren bis Ende Februar soweit fortgeschritten, daß kein Hund mehr aus der Festung hinauskam. Der Feind arbeitete sich täglich mit 500 Mann in dem nicht mehr gefrorenen Boden näher an die Mauern heran und legte sich hinter den keineswegs tief genug abgetragenen, jetzt mit Pallisaden bewehrten Fürwitz. Laufgräben umschlossen die Festung vollkommen, große Mengen von Faschinen, Schanzkörben und Sturmleitern standen bereit, das Schießen der Jäger und Dragoner hörte bei Tag und Nacht nicht auf.
Höchst unangenehm waren die Fortschritte an den zwei Minen, die zahlreiche bei der Belagerung von Würzburg geschulte Bergknappen durch das harte Felsgestein stetig vorantrieben. Die erste Mine wurde vom Herrengarten an der Südseite unterhalb der neuen Bastei(Bärenbastei) gegen den Blauen Turn gebohrt. Die andere gegen den Roten Turm, der den Zugang zum damaligen westlichen Haupttor am Ende des großen Haupttunnels deckte. Die Besatzung der Veste unternahm Mitte März einen erfolgreichen Ausfall, wobei der Feind aus den Laufgräben vertrieben,25 Mann getötet, die Mine besetzt, die Werkzeuge erbeutet und mehrere Minierer samt ihrem Hauptmann gefangengenommen wurden. Dabei erfuhr man von dem Entschluß des italienischen "Principal-minierers" unter den Stock der Veste zu gelangen, eine dritte Mine sei bereits angefangen und Lamboy gewillt, alle drei zugleich sprengen zu lassen.
Anderntags begannen Soldaten der Veste vom Graben aus Contraminen anzulegen, welches "aber aus gewissen Gründen" unterblieb. Lamboy, der Wind von politischen Veränderungen bekommen hatte, betrieb jetzt die Belagerung mit erhöhtem Nachdruck. Er ließ unverdrossen an den Minen weiter arbeiten und lud schließlich die Besatzung ein, sich von der drohenden Gefahr und der Sinnlosigkeit einer weiteren Verteidigung selbst zu überzeugen. Ihm war der Zwietracht unter den Offizieren ebensowenig ein Geheimniss geblieben wie die wachsende Zahl der Kranken(60 Mann)
Da die Wachen auf den Werken nur mühsam besetzt werden konnten, ließ Lamboy eines Nachts eine Abteilung an das Festungstor vorgehen, um es mit Pechkränzen in Brand zu stecken. Zufällig bemerkte die Besatzung der Veste die Gefahr und vertrieb den Feind mit ( Hand)Granaten. Seit diesem nächtlichen Überfall wurde mit allen Mann wieder fleißig Wache geschoben!!
F.f.

gerd Offline



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13.05.2016 12:36
#45 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Der bisherige Kommandant der Veste Heldburg, von Seckendorf, der sich nach dem Fall seines festen Platzes auf die Veste Coburg geflüchtet hatte, begab sich mit drei Mann zu den Kaiserlichen und besichtigte die Minen: "Man fand daß die Hauptmine nach dem blauen Turm 92 Schritte die andere nach dem Roten Turm gerichtete Mine nur halb so lang sei, beide also bis jetzt wohl schwerlich die Veste erreicht haben konnten"
Wohl brach man nun aus Furcht vor den Folgen einer Sprengung die baufällige Rossmühle in der Nähe des Blauen Turmes ab und beschloß im Fall eines Sturmes nur den Östlichen Burghof zu verteidigen, den man sofort mit Balken verrammelte.
Aber die Gefahr seitens der Minen war denn doch noch nicht so weit gediehen, daß eine Kapitulation begründet schien.
Die von Herzog Johann Ernst von April bis August 1635 angestellten Untersuchungen ergaben später, daß in Wirklichkeit keinerlei Grund zur Verzweiflung gegeben war. Es herrschte keine unmittelbare Not an Lebensmitteln. Es fehlte zwar an Mühlen, um das Korn zu mahlen. Aber über 1800 Simmern Weizen,1200 Simmern Korn, anderer Proviant, so ein großer Vorrat an Erbsen, waren vorhanden, Holz hätte man sich " mit Einreißung etlicher Gebäude so bald erstattet, sonsten nichts gefehlet" , sagte der Hauptmann von Birkig bei seinem Verhör aus. Auch die Verteidigungsmittel waren in Ordnung: man besaß für 2 Jahre Salpeter, gegen 100 Zentner Pulver,200 Zentner Blei,40 000 Bleikugeln und so fort.
Vor allem aber war die Stimmung unter den Soldaten und bürgerlichen Verteidigern prächtig. Zwar gab es eine Anzahl von Maroden, aber insgesamt bestand kein Zweifel, daß alle anderen bis zum letzten Mann zu fechten begehrten. Wenn schon der Proviantverwalter von keinen Notständen auszusagen wußte, so betonte der Zeugmeister beim Verhör, er habe von den Dragonern und Soldaten übereinstimmend gehört, daß sie es allesamt frisch wagen und "eher die vom Adel niederschießen wollten, als die Festung solchergestalt aufgegeben werden sollte" Und damit ist der entscheidende Punkt berührt. F.f.

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