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Dieses Thema hat 98 Antworten
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 Coburger Geschichte
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gerd Offline



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27.06.2016 07:04
#76 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Herzog Franz Anton und seinem Hause wurde übel mitgespielt. Die Franzosen nahmen Besitz vom Lande, Napoleon legte dem Herzogtum Coburg -Saalfeld vom Hauptquartier Naumburg aus am 7. Nov. 1806 eine Kontribution von 885 000 Gulden auf. Am übelsten aber erging es der Veste: sie wurde nach der Schlacht von Jena einfach links liegen gelassen.
Napoleons Steuer war zwar durch den Beitritt des Herzogtums zum Rheinbund auf Grund einer kaiserlichen Verfügung wieder aufgehoben , das Geld jedoch (so schnell wie noch nie seitens der Regierung) herbeigeschafft worden. Minister Kretschmann war zu erfreut über diese riesige Summe. Die Stände verlangten aber die Rückgabe der Kontributionen, besonders nachdrücklich der Landschaftsdeputierte Freiherr von Imhoff auf Hohenstein. Ihn ließ Kretschmann am 9.Januar 1807 "aufheben" und von Soldaten auf die Festung abführen. Nun wurden die an ihren Geldbeuteln betroffenen Bauern des Itzgrundes hellwach , läuteten die Sturmglocken und zogen vor das Haus
des verhaßten Kretschmann, bei der Ehrenburg. Ließen sich
von keinen Aristokraten beruhigen,sprengten das alte Steintor und zogen hinauf zur Veste,um Imhoff zu befreien.
Was also nicht einmal in der Zeit der Bauernkriege hierzulande möglich gewesen war,geschah nun: die Bauernhaufen drohten das-allerdings recht schwach gewordene-Festungstor zu stürmen.Als Imhoff ihnen erklärte,er würde die Veste nicht verlassen, selbst wenn ihnen der Sturm gelänge,wichen sie nicht.Da jedoch das Tor geöffnet wurde,drang keiner in die Veste ein.
Als der greise und beliebte Prinz Franz Josias von Sachsen,der Reichsmarschall,sein Pferd sattelte und auf die Veste ritt,wurden schließlich die aufständischen Bauern zum friedlichen Abzug in ihre Dörfer bewogen....
Herzog Franz Anton überlebte die Beschlagnahme seines Landes nur kurze Zeit.Als er im Jahre 1806 starb,hinterließ er seinem Sohn Ernst I. mehr an Ansprüchen als an Gütern.F.f.

gerd Offline



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30.06.2016 06:57
#77 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Ernst I. war zu dieser Zeit General im Kaiserlich-Russischen Diensten; durch Vermittlung des Kaisers Alexander erhielt er im Tilsiter Frieden sein rechtmäßiges Erbe zurück. Er hatte für die Europa Armee Napoleons die Coburger Kontingente aufzubringen, die in den Feldzügen in Tirol, Spanien und Russland fast 2000 Mann verloren.1813 schloss sich der Herzog den Alliierten gegen den Korsen an, im Mai 1814 lag er schon mit dem V. deutschen Bundes - Korps vor der Festung Mainz. Als er nach dem Fall dieser Festung die ihm eingeräumte Kriegsbeute ansah, dachte er an die fehlende Armierung seiner Veste und beschloss, die Geschütze und Munitionswagen nach Coburg zu schaffen. Aber diese, den Mainzern abgenommenen Kanonen waren eigentlich bayerischer Herkunft, sie wurden noch auf dem Transport, in Hanau und Aschaffenburg, von bayerischen Truppen in Beschlag genommen und trotz aller Proteste nicht wieder herausgegeben. Immerhin erhielt der Herzog als Trost sechs kurfürstlich-sächsische Geschütze älterer Bauart in Mainz, die 1815 zusammen mit vier von einen Coburger Kontingent eroberten französischen Sechzehnpfündern auf der Veste aufgestellt wurden.-Wahrlich eine kümmerliche Bestückung, wenn man an das 16.Jahrhundert denkt, in dem die Artillerie der Veste nach Umfang und Technik ihren höchsten Stand besessen hatte.
Nach den Einebnungsarbeiten an der Nordseite der Veste 1815 wurde von 1827 bis 1838 unter dem Beistand des Freiherrn von Schauroth der vielfach in Trümmern liegende Außenwall mit seinen morschen Pallisaden und der breiten Krone dem umgebenden Erdreich gleichgemacht. Die trostlose und an einen Steinbruch gemahnende Wüstenei verwandelte sich in einen Garten mit Spazierwegen. Die äußere Ringmauer, die bisher durch den starken Erdwall bis an die Zinnen verdeckt gewesen war, trat nun frei hervor.
Doch musste ein Teil des alten Festungs-Grabens stehen gelassen werden, da sonst niemand mehr an das Haupttor hätte gelangen können. So blieb ein den Zugang zur Brücke deckendes Stück ramponierter Mauer erhalten, das an der Contre-Escarpe am Ende der 134 steinernen Treppenstufen beginnt und bis zu dem Fahrweg auf der anderen Seite reicht. Es wurde späterhin von zwei steinernen Schilderhäuschen flankiert, dessen eines die (ungerechtfertigte) Bezeichnung "Tetzel-Kanzel" vom früheren Standort am Steintor her trägt.
Der langsame aber sichere Verfall ging an der Veste weiter. Es war kein Geld vorhanden um grundlegende Wiederherstellungsarbeiten auszuführen. F.f.

gerd Offline



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03.07.2016 15:24
#78 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Auch bei den Beamten war kein Bedürfnis (als für die unbedingt notwendigen Reparaturen) vorhanden. Das Bürgertum brauchte einen Anstoss, sein Augenmerk auf diese kostspieligen und unmittelbar nur wenig einbringenden Arbeiten zu sammeln. Wäre dieser Anstoss nicht durch den Herzog erfolgt, stünde wahrscheinlich heute eine weitere Ruine in unserem Lande da..
Ehe der Herzog 1837 die Mittel für den Beginn der Wiederherstellungsarbeiten an der Veste aus seiner Privatkasse bereitstellte, waren lange Überlegungen und Pläne über die Neugestaltung voran gegangen. Sie reichten bis zum Jahr 1814 zurück. Bei einem Besuch im Dom zu Mainz, lernte Ernst der I. einen Maler kennen, der die Denkmäler dort zeichnete. Es war der aus rheinischer Familie stammende Karl Alexander von Heideloff (1788.1865)
Der Herzog berief den achtundzwanzigjährigen Künstler 1816 nach Coburg, wo er als Architekt für das Schloß Rosenau tätig wurde. Damals entstanden wohl die 26 einfarbigen Zeichnungen der Veste Coburg, die uns eine gute Vorstellung von ihrem Aussehen vor der ersten Wiederherstellung geben. Jeder Darstellung wurde ein mehrfarbiger, streng "gothisch" gehaltener Erneuerungsvorschlag gegenübergestellt. Wären diese Projekte ausgeführt worden, so stünden wir heute resignierend vor einem akademischen Schmuckkasten, einer Laubsäge- Gotik-Veste. Alle diese Ansichten und Entwürfe, von denen kein einziger verwirklicht worden ist, sind 1840 zusammen gebunden worden in einem Album, das sich im Kupferstich-Kabinett der Veste befindet.
1821 schied Heideloff aus den Dienst des Herzogs aus und wandte sich nach Nürnberg, wo er Konservator der städtischen Kunstdenkmäler (bis 1854) wurde.
Heideloff hat nicht ständig die Arbeiten auf der Veste beaufsichtigt, sondern seinen Schüler Carl Görgel bestimmt ,der im vormaligen Pfarrhause der Veste eine eigene Wohnung bezog. Das der Architekt Görgel selbst Pläne für die Wiederherstellung beigesteuert hat, zeigen die Entwürfe für die "gothische" Neugestaltung "der alten Zimmer" im Fürstenbau und der Kemenate ,die in der Plansammlung des Staatsarchivs erhalten sind.
Georg Rothbart erscheint mit einen Bericht zu den Arbeiten damals. " Was der Zahn der Zeit verschont hat, ließ der Schlechte
Geschmack des 17ten und 18ten Jahrhunderts noch vollends verunstalten. Die ehemaligen Prunkzimmer, der Rittersaal wurden der Aufbewahrungsort für alte Gewehre und Geräte. Die schönen Türen des Rosenzimmers wurden zu Zeiten mit Kalk übertüncht, die an historischen Merkwürdigkeiten reiche Waffensammlung lag zerstückelt, vom Rost angefressen in feuchten Gewölben, so daß das Ganze in kurzer Zeit für immer seinen Untergang entgegen zu gehen drohte"...
So wurde denn mit großem Kostenaufwand im Jahre 1837 von dem Architekten Carl Görgel unter der Oberleitung Heideloffs rüstig ans Werk gegangen. Die ehemals glänzenden fürstlichen Zimmer stehen nun wieder in ihrer früheren Pracht da. Der Waffensaal strahlt wieder im Glanze vieler hunderter von Waffenstücken aller Zeiten besonders alter Rüstungen, die in einem Gewölbe der Veste aufgefunden wurden. Das Ganze ist bis auf die noch im Bau begriffene Kirche vollendet".F.f.

gerd Offline



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05.07.2016 12:15
#79 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Auch dieser Abschlußbericht bestätigt, daß "unter Heideloff" nur Innenräume restauriert worden sind. Sein Name taucht nach 1844 in den Akten nicht mehr auf, seine Zusammenarbeit mit dem Herzog Ernst I. hat mit des Fürsten Tod im Januar 1844 ein Ende gefunden, ohne daß es zu größeren Änderungen an der Außengestalt der Burgbauten gekommen ist. Mit dem Tode Görgels 1846 war die erste Phase der bescheidenen Restaurierung abgeschlossen.-Dennoch bürdet man Heideloff-Görgel bis heute die Verantwortung für die meist wenig erfreulichen Ergebnisse des ganzen Bauabschnittes bis 1860 auf. So sagt O. Doehring: "Der Gedanke Heideloffs war an sich großartig, gleich den Entwürfen, die er schuf. Leider aber hat er ohne genügende Rücksicht auf den historischen Wert der erhaltenen Teile und Reste vieles vernichtet, was der Forschung und Würdigung förderlich und nützlich wäre. Die Heideloffschen Pläne trugen den Charakter dessen, was man sich damals mißverständlich und unter dem Einflusse unklarer romantischer Ideen unter Gotik vorstellte. Überall wurden überflüssige Kreuzblumen und Maßwerke, regelmäßige Zinnen hinzugefügt. Die Zwiebeltürme der Renaissance verschwanden durchweg. Ebenso die gedeckte Batterie, an deren Stelle später die Terrasse der ehemaligen Wirtschaft entstand. Dem Verfall aber bekämpfte Heideloff nur wenig und oberflächlich".
An diesem Urteil, an dem bis heute im wesentlichen festgehalten wird (so W. Foehl 1955!)...ist fast alles unzutreffend, weil es von falschen Voraussetzungen ausgeht. Es trifft zu, daß Heideloff-wahrscheinlich in und nach seiner Coburger Zeit-Pläne für den Umbau der Veste entworfen hat. Vergleicht man sie mit den in der Jahrhundertmitte tatsächlich ausgeführten Bauten, so wird sofort klar, daß keines seiner konsequenten Vorhaben (Bergfried auf der Hohen Bastei, palasähnliche Bauten im Westhof, Umwandlung des Hohen Hauses) verwirklicht worden ist. An historisch wertvolle Gebäude hat Heideloff keine zerstörende Hand angelegt.F.f.

Stammbus Offline



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05.07.2016 21:28
#80 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Da stellt sich bei mir wieder mal die Frage, wer verantwortlich ist/war: Der Architekt oder der Bauherr.

Und ob Einschätzungen aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts objektiv sind, oder nicht vielmehr die Rolle von C.E. bei der Veste-Renovierung im frühen 20. Jahrhundert in ein besseres Licht rücken sollen.

gerd Offline



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12.07.2016 07:48
#81 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

...Trotz Verzögerung...es geht weiter.
gerd

gerd Offline



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14.07.2016 10:52
#82 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Im Jahr 1846 stirbt Görgel. Sein Nachfolger stellt fest, daß der große Giebel über der Kirche baufällig sei und hält einen vollständigen Abbruch für angebracht. Aus den bisherigen Umbau und Herstellungsarbeiten ergibt sich zweierlei:
Mit dem Tode von Herzog Ernst I. fanden die lang überlegten Bauvorhaben ein plötzliches Ende-wir dürfen hinzufügen: wie bei der Kirche so bei allen anderen Plänen-und die vorsichtig restaurierenden Architekten Heideloff und Görgel wurden abgelöst von jüngeren, unerfahrenen Kräften, die gründlich abzubrechen und aufzuräumen gedachten.
Der Abriss der Peter und Pauls-Kirche begann 1847.Dem ging die Gefahr der Baufälligkeit voraus.
Die Kirche blieb ein Kreuz, mit dem sich niemand recht beladen wollte. Der Baumeister Streib erhielt 1851 den Auftrag, die Kirche im byzantinischen Stile wieder aufzubauen. Da die Gelder knapp waren, scheint der Bauunternehmer an Material gespart zu haben. Streib unterlies es, auf die unsicheren Gerüste zu klettern und die Ausführung zu kontrollieren. So stürzte nach Fertigstellung der Kapelle ein Teil des Giebels mitsamt dem Türmchen ein. Der Herzog machte Streib den Vorwurf mangelhafter Ausführung und pflichtwidriger Geschäftsführung und erlegte ihm Rückerstattung aller durch den Einsturz erwachsener Baukosten auf. Hiergegen brachte Streib zahlreiche Entschuldigungen vor, bekam die Hälfte erlassen und schließlich nach untertänigster Bitte sogar die ganze Summe!
Damit konnte sich wohl der später als Lehrer tätige Hofbaumeister Streib, nicht aber der im September 1852 zum Direktor der neuen Baugewerkschule in Coburg ernannte Hofmaler Georg Rothbart (1817-1896) zufrieden geben, der als Maler schon unter Görgel im Fürstenbau gearbeitet hatte. Er war inzwischen zum Bau-Inspekteur aufgerückt und schrieb am 16. Okt. 1852 an das Staatsministerium einen Bericht, wo er auf die Probleme bei den Bauarbeiten mit der Kapelle einging.
Herzog Ernst II. hat an der Vollendung dieser "durchaus verunglückten" Wiederherstellung offenbar jegliches Interesse verloren. Die Kirche blieb liegen als hässliche Ruine. Sie bildete bis 1900 den störendsten Fleck in dem Gesamtbild der Veste.
Ein halbes Jahrhundert später wurde sie zum Ausgangspunkt des Festungsneubaus unter Herzog Carl Eduard-wobei sie als letzter Bau endlich die heutige Form fand.
Seit 1845 zwangen ernste Schhäden an der südlichen Wallmauer zum Einschreiten. Es handelte sich um das baufällige Stück zwischen dem Eingang in den Osthof und den Invaliden Wohnungen mit dem auf der Mauer ruhenden Gebäuden: das Barthsche Weingärtnerhäuschen, die Hauptwache und die Gebäude auf der rechten Seite des Haupttores. Sie wurden zum Abbruch bestimmt, die Wache sollte verlegt , schließlich durch ein neues Gebäude ersetzt werden-:aber das Geld fehlte. Gleichzeitig liefen Reparaturen am Zuchthausgebäude(Hohes Haus).Die Reparatur am Eselsturm unter der Hohen Bastei wurde dringlich. Der unterirdische Gang, der vom östlichen Flügel des Fürstenbaues und über eine Wendeltreppe zu einer Ausfallpforte im Graben und zum dortigen Brunnen führt, von wo die Esel das Wasser heraufgebracht hatten, wurde durch vermauern der Ausfallpforte versperrt. Der Turm selbst wurde durch abtragen bis zur Höhe der Umfassungsmauer und Ausfüllen mit Erde "repariert", wie endlich auch 1848 die Wallmauer erneuert wurde.
Abgesehen von jenem im Herzoglichen Bauamt tätigen Architekten Fischer-Birnbaum war mit Rothbart ein neuer Erbe des Heideloffschen Auftrages aufgetreten, der mit seinen Bauten wesentlich mehr zu dem Aussehen der Veste im 19. Jahrhundert beigetragen hat, als bisher angenommen.
Ende 1851 war der Blaue Turm so reparaturbedürftig geworden, daß die Gewölbe heraus genommen werden mußten. Man versuchte durch Verschalen der Öffnungen die Reparatur hinauszuschieben, bis sich Herzog Ernst II. persönlich um die Frage kümmerte. F. f.

gerd Offline



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15.07.2016 13:38
#83 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Er teilte seiner Landesregierung am 6.Juli 1852 mit: "Wir beabsichtigen den über dem Haupteingang auf hiesiger Festung befindlichen Turm nach der beiliegenden Zeichnung des Hofmalers Rothbart in Crenau-Styl herstellen zu lassen und wünschen, daß die Außendekoration des sogenannten Blauen Turmes damit in Einklang gebracht werde..."
Mit diesen unmittelbaren Herzoglichen Befehl zu dem Plan Rothbarts müssen aber auch die Worte R. Teufels in Einklang gebracht werden: "Der Architekt Heideloff hat dann eine ,nach seiner Meinung nach gotische Turmspitze mit vier Ecktürmchen aufgesetzt und einen gotischen Spitzbogen dem Mauerwerk als falsches Tor vorgeblendet. Bei der letzten Wiederherstellung der Veste vor dreißig Jahren wurden Turmspitze und Torblende wieder beseitigt und der Turm nach altem Vorbild mit seiner blauen Haube versehen, so daß er jetzt wieder sein altes, wenn schon nachmittelalterliches Gewand hat."
Rothbart hat sich an allen wesentlichen Teilen der Veste versucht. Er hat insbesondere mit seinem 1852 begonnenen,1854 beendeten Bau des massiven Wirtshauses auf der südöstlichen Festungsmauer(Vorläufer der heutigen Burgschenke)und der Halbmond-Terasse an der Hohen Bastei der Veste zu jenem Aussehen verholfen, daß die nachfolgenden Generationen mehr oder weniger scharf ablehnten. Er übersandte ferner im Juli 1853 der Regierung: " die Zeichnung und den Kostenanschlag zu dem zu erbauenden Strebepfeiler am Fürstenbau auf der Festung", bei dem allein es nicht blieb. Denn eine Untersuchung im August des gleichen Jahres ergab, das der Dachstuhl des Fürstenbaues "am Eck, welches vom Hause abgetrennt, aus aller Verbindung gekommen ist" und der dadurch auf die Mauer ausgeübte Schub Hauptursache eines entstandenen Risses im Bau geworden war. So restaurierte Rothbart am Äußeren des Fürstenbaues, dessen Längsfronten nur noch geringe Spuren des romanischen Bauwerkes aufweisen, dessen inneres 1860 vollständig umgebaut wurde, nachdem Görgel 1837-1846 damit gerade fertig geworden war. Rothbart errichtete schließlich auch die steinerne Brücke von der Contre-Escarpe zum Haupttor der Veste.
Gewiß darf man an die Erneuerungsarbeiten, die Bodo Ebhardt 1900 eine " vom heutigen künstlerischen Standpunkte unglückliche Modernisierung der Baulichkeiten" genannt hat, nur den Maßstab der unvollkommenen Kenntnisse jener Zeit von dem Wesen der mittelalterlichen Baukunst legen.
Mit den Abreißen des "Regelwidrigen" hat Heideloff vorsichtig in einigen Gemächern begonnen, seine Epigonen aber haben ihn darin weit übetroffen. Sie tragen die Hauptverantwortung. Es fielen die Schweifkuppeln der Renaissance und des Barock auf den Dacherkern des Hohen Hauses, auf dem Blauen Turm, dem alten niedrigen Turm des südlichen Haupttores, der 1857 nach dem Wegfall der gedeckten Batterie einen neuen arg verzierten hohen Turm bekam. Der alte gedeckte Wehrgang auf der hohen inneren Ringmauer wurde abgebrochen, statt dessen langweilig-regelmäßige Zinnen angelegt. Das Brunnenhaus und die Schmiede im Osthof, in deren Oberstock die Festungsschenke gewesen, beides alt -Hennebergische Fachwerkbauten mit geschnitzten Säulen aus dem 17/18 Jahrhundert, wurden 1847 abgebrochen, die weniger belangvollen Invalidenwohnungen im Osthof folgten 1851,das Pfarrhaus links neben dem Haupteingang an der Ringmauer verschwand 1860,im gleichen Jahre die Fachwerk-Bauten neben dem Hohen Hause.
Von den Neubauten Rothbarts ist heute kaum mehr etwas erhalten. Das an den großen Vorbildern mittelalterlichen Burgenbaues geschulte Talent Bodo Ebhardts hat fast alles unseren Blicken gnädig entzogen. F. f.

gerd Offline



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18.07.2016 20:15
#84 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Mit Carl Eduards Regierungsantritt begann auch für die Veste Coburg ein neuer Lebensabschnitt .Er hatte sie schon im Jahre 1900 kennen gelernt. Kaiser Wilhelm II. war es, der die Bekanntschaft des Herzogs mit dem Architekten Bodo Ebhardt vermittelte, der soeben die Hohkönigsburg wieder hergestellt und sich eingehend mit dem Veste -Bau vertraut gemacht hatte.
Gleichgerichtete Interessen Carl Eduards führten nun zu einer engeren Fühlungsnahme und einer langjährigen Zusammenarbeit mit Ebhardt. Tatsächlich gebührt dem Berliner Architekten der Ruhm der Ausführung; die Pläne wurden jedoch ganz wesentlich von Herzog Carl Eduard mitbestimmt.
Einer Forschungsarbeit unterzog sich ab 1898 Ebhardt, indem er in jahrelanger Bemühung die noch vorhandenen geschichtlichen Unterlagen zusammen trug, alte Pläne und Abbildungen sammelte, die gewaltige Bauanlage genau vermaß und in Lichtbildern festhielt.Das alles enthüllte Ebhardt 1901 in seinem Sammelwerk "Deutsche Burgen".
Diese, für die neuen Planungen wertvollen Vorarbeiten lagen nun bereit,als sich Herzog Carl Eduard mit dem fortschreitenden Verfall der Veste befaßte.
Eine Geldsammlung des Coburger Landes, überreichte Bürgermeister Hirschfeld anlässlich der Hochzeit des Herzogs,welche als Grundlage zur Wiederherstellung der bis dahin als Bauruine existierenden Kapelle verwendet werden sollte.
Während sich die Pläne und Wiederherstellung der ganzen Burg festigten,begannen die Arbeiten noch im Jahre 1906.Als Baumeister kam nur Bodo Ebhardt in Frage.
Die Aufgabe der Geldbeschaffung übernahm ein 1905 gegründeter Festungsbauauschuß, dem der Präsident des Coburger Landtages O.Arnold, von Wangenheim, Exzellenz Schmidt u.a. angehörten. Dieses Komitee konnte neben den Zuschüssen aus der herzoglichen Kasse 2 1/2 Millionen Mark aus einer schon vor 1914 genehmigten preußischen Lotterie entgegen nehmen.
Nachdem die (besonders gründlich im Jahre 1909) vorgenommenen Untersuchungen den üblen Zustand mancher Bauwerke der Veste aufgedeckt hatten, galt als erklärtes Ziel die Rettung der Veste vor dem unvermeidlichen Verfall.
Die Ausführung der äußerst vielseitigen Arbeiten stellte die Bauleitung vor ungewöhnliche Schwierigkeiten technischer und wirtschaftlicher Art. Da sich der Umfang der Um- und Ausbauten vorher oft nicht übersehen ließ, wurde das übliche Verdingungssystem ausgeschlossen und alle wesentlichen Arbeiten auf der Baustelle selbst ausgeführt. So bildete sich auf der Veste, wie in alten Zeiten eine eigene Bauhütte aus Maurern, Zimmerleuten, Steinmetzen, Schmieden, Kunstschlossern usw. Alle vorwiegend aus dem Coburger Land. F. f.

gerd Offline



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20.07.2016 11:00
#85 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Diese Schaffensweise steigerte die Freude der Bauhandwerker an ihrer Arbeit. Es entwickelte sich ein förmlicher Wetteifer bei der Überwindung der Schwierigkeiten. Unter den Steinmetzen bei ihren Steinschnitten, Maßwerken, Wappen und Figuren , unter den Zimmerleuten beim Aufstellen der kunstgerechten mächtigen liegenden Dachstühle , beim Einbringen der Täfelungen und Treppen, bei den Handschmiedearbeiten der Schlosser. Die Modelle für alle Bildhauerarbeiten wurden anfangs in der Berliner Werkstatt Ebhardts angefertigt. Später dann von Meister Theiß unter ständiger Aufsicht von Ebhardt auf der Baustelle unmittelbar aus den Steinbossen gehauen.
Alle Baustoffe für die Veste wurden nach Möglichkeit grundsätzlich aus der Nachbarschaft geholt: das Eichen- und Kieferholz aus den herzoglichen Waldungen, der graue Sandstein aus den Brüchen unweit von Coburg, der grobkörnige, vom tiefsten Goldrot bis zum hellen Gelb spielende Sandstein aus dem Maintal bei Lichtenfels. Es wurde Wert darauf gelegt aus dem außerordentlich umfangreichen Vorrat an altem Material in allen Teilen der Burg zu schöpfen, von den Steinquadern angefangen über die alten Täfelungen bis zu den Tür-Schlössern, Geräten und Möbeln.
Das heranschaffen der Baustoffe erforderte bei der Lage der Burg hoch über der Itz und der starken Abnutzung der Parkanlagen des Hofgartens besondere Überlegungen. Die Lösung fand Ebhardt mit der Errichtung einer elektrisch betriebenen Drahtseilbahn, die an der Nordseite der Veste senkrecht bis auf die Talsohle hinabführte und die bequemste Anfuhr von der Eisenbahn, aus den Wäldern und Steinbrüchen der Nachbarschaft weit über ein Jahrzehnt reibungslos sicherte.(Siehe hierzu den Bericht mit Bildern von Rolf im CM Forum)F.f.

Stammbus Offline



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20.07.2016 16:14
#86 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Zitat von gerd im Beitrag #85

Alle Baustoffe für die Veste wurden nach Möglichkeit grundsätzlich aus der Nachbarschaft geholt: das Eichen- und Kieferholz aus den herzoglichen Waldungen, der graue Sandstein aus den Brüchen unweit von Coburg, ...


Hat C.E. das Baumaterial ohne Berechnung zur Verfügung gestellt, oder über die Lieferung zumindest einen Teil seines Beitrags refinanziert?

Zugereister Offline



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20.07.2016 20:09
#87 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Wie groß war eigentlich der finanzielle Beitrag den C.E. aus seiner Privatschatulle gezahlt hat?

Christian Offline



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20.07.2016 21:04
#88 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Soweit ich sehe, ist die Beteiligung Carl Eduards am Vesteumbau noch nicht hinreichend beschrieben worden. Sandner erwähnt lediglich eine finanzielle Unterstützung, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Die bisher beste Darstellung findet sich bei Esther Reinharts Biografie von Max Oscar Arnold, erschienen in der Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg, 2008. Dort findet sich auch ein Kapitel über die Finanzierung der Bauarbeiten.

gerd Offline



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21.07.2016 15:23
#89 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Auf die gestellten Fragen, wie weit sich C.E. finanziell beteiligt hatte, ist bei W. Föhl nichts zu finden.
Lediglich wird auf die Lotterien eingegangen, welche den Veste Umbau finanzierten.

Zugereister Offline



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21.07.2016 17:42
#90 RE: RE:Veste Coburg Zitat · antworten

Nicht nur Lotterien sondern zum Schluss auch Bayern finanzierten das Bauvorhaben dessen Kostenexplosion ein bisschen an die die Elbphilharmonie erinnert.

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