RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#151 von Gelöschtes Mitglied , 26.03.2016 12:31

Niemand soll der Mund verboten werden, ich würde halt gerne auch mal eine andere Meinung hören. Dazu ist ein Forum doch da oder? Einfach mal locker und tiefenentspannt bleiben und Kritik nicht immer gleich persönlich nehmen. Also nochmal: frohe Ostern


RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#152 von Christian , 26.03.2016 15:10

Sie müssen schon mit meiner Meinung und der von Stammbus vorlieb nehmen. Andere Meinungen lassen sich nicht erzwingen! Wenn sie hier vernünftig diskutieren möchten, dann sollten sie einen dementsprechenden vernünftigen Beitrag liefern, der ohne Populismus und Halbwahrheiten auskommt. Sie haben ja bewiesen, dass sie das können. Dann wäre es sicherlich auch hilfreich, sich nicht hinter einem Pseudonym zu verbergen sondern mit einem offenen Visier für seine Meinung einzustehen.

Zu ihrer Kritik: Sie müssen sich nicht wundern. Wie es in den Wald hinein schreit, so schreit es auch heraus. Das wird man Ihnen sicherlich auch schon mal gesagt haben. Ich persönlich sehe in diesem Fall gar keinen Einlass von dieser bisher gefahrenen Linie abzuweichen. Ich werde auf weiterhin auf Kommentare von Ihnen antworten, wenn diese nicht das Niveau einer objektiven Betrachtungsweise erreichen. Denn das sollte hier der Anspruch sein.

Im Übrigen habe ich ihre Kritikpunkte an Prof. Melville übersendet. Ich denke mal, das ich Ihnen da sehr entgegen gekommen bin, da dass doch die richtigere Adresse für ihr Anliegen zu sein scheint.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#153 von Stammbus , 26.03.2016 18:43

Also ich bin bei weitem nicht immer der gleichen Meinung wie Christian (oder gar Prof. Melville). Ganz im Gegenteil.

Aber ich schätze es sehr, hier seine Meinung zu lesen.

Dass ein Admin sich mit Meinungsäußerungen zurück halten muss, kenne ich so nicht. Er darf nur nicht andere Meinungen unterdrücken. Oder als Forumsregel aufstellen: "Sinnlose Posts werden kommentarlos gelöscht", wie das ein anderes Forum zum Thema Coburg postuliert. Und das habe ich bisher hier nicht beobachtet.

Wenn Christian dieses Forum vor einiger Zeit nicht übernommen hätte, wäre es nicht mehr existent. Dafür gebührt ihm - ungeachtet unterschiedlicher Auffassungen insbesondere in der Bewertung neuester Coburger Geschichte - großer Dank. Auch und gerade für seine zahllosen inhaltlichen Beiträge. Und mit dieser Meinung bin ich mit Sicherheit nicht allein.

Frohe Ostern auch von mir. Ostern ist das Fest des Friedens.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#154 von Stammbus , 26.03.2016 18:47

Zitat von Albert77 im Beitrag #149
WES BROT ICH ESS DES LIED ICH SING !!!





Gilt das auch für die Biografie von Max Brose? <räusper>

Und anstelle des Landkreises würde ich zu dem Thema auch nichts sagen, sonst wird mir noch eine Zahlungsaufforderung geschickt.

Die Stadt Coburg könnte ja mal von selbst auf die Idee kommen, beim Landratsamt oder bei den Bürgermeisterkollegen des Landkreises anzuklopfen und darauf zu verweisen, dass das Herzogtum und die Nazihochburg Coburg nicht nur aus der Stadt bestand. Neustadt war z.B. auch eine Hochburg der Nazis.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#155 von Gelöschtes Mitglied , 26.03.2016 21:51

Stammbus: wahre Worte! Christians Verdienste will doch hier niemand in Abrede stellen.

Das mit dem Brosebuch sehe ich genauso wie Sie. auch da galt meiner Meinung nach dieser Spruch. vielleicht noch mehr als bei Büschel. Warum schreibt niemand unabhängig von der Firma Brose ein Buch über Max? Das die stadt nicht auf den LK zugeht wundert mich gar nicht, ohne die Brosesache wären die doch nie auf die Idee mit der Aufarbeitung gekommen.
Das werden sie aber bald auch nicht mehr zugeben.

Ihnen auch frohe Ostern aus dem schönen Allgäu wohin auch immer!


RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#156 von Christian , 26.03.2016 22:31

Ich wusste gar nicht das Büschel ein Auftragsschreiber des Herzogshauses ist. Haben sie dazu konkrete Informationen?


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#157 von Stammbus , 27.03.2016 14:04

Die Nazidiktatur war kein System einer oder weniger Personen, weder Adolf Hitler, noch Carl Eduard, noch Max Brose, noch sonst wem.

Sie hatte vielfältige Ursachen. Das hat Harald Sandner offenbar noch nicht so ganz erkannt, der sich weit gehend auf Personen zu fokussieren scheint. "Hitlers Herzog" bezeichnet er selbst als Biografie. Und jetzt erregt er neues Aufsehen mit seiner Untersuchung, wie oft Hitler an diesem oder jenem Ort war. Dabei ist das nur am Rande interessant. Sandner streut einen alten, bewusst verbreiteten Irrtum, dass eine Diktatur immer nur da ist, wo die jeweilige Leitfigur präsent ist. Das ist Unsinn und leicht zu widerlegen. Wenn es so (gewesen) wäre, wäre es ein leichtes (gewesen), jede Diktatur aus den Angeln zu heben. Aber diese Irrlehre wird vor allem von denen verbreitet, die hinterher sagen, sie hätten das alles nicht gewusst/gewollt/mitgemacht ...

Wenn die bevorstehende Arbeit für Coburg gründlich und gut wird, wird sie sowohl die im Coburger Land verantwortlich und "prominent" handelnden Personen und ihr Agieren als auch die im Coburger Land begünstigenden Verhältnisse für den besonders frühen Aufstieg des Nationalsozialismus im Coburger Raum ausleuchten. Das ist notwendig und richtig, und dafür wird das Geld sinnvoll ausgegeben.

Betrachten Sie meine Äußerungen zu einer wünschenswerten oder auch angebrachten finanziellen Beteiligung des Herzogshauses oder des Landkreises bitte nicht im mindesten als Distanzierung von dem mit großer Mehrheit gefassten Stadtratsbeschluss.

Ich distanziere mich allerdings heftig von dem Beschluss, die von-Schulthes-Straße in Max-Brose-Straße umzubenennen.

Nebenbei: Ein richtig gutes Buch schreibt man nicht so mal einfach. Richtig gut ist es, wenn es mehr als Fakten aufzählt, oder wie damals Rudolf Priesner mit seinem unsäglichen Werk über Carl Eduard, eine reine Apologetik vom Leder lässt. Richtig gut ist ein Buch (jedenfalls ein Sachbuch), wenn es neue Zusammenhänge vermittelt. Das braucht seine Zeit. Die Auflagen für solche Sachbücher sind zudem sehr niedrig, egal wie teuer sie sind. Mit "Book on demand" kann man zwar heutzutage das verlegerische Risiko mindern, aber keine breite Werbung betreiben.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#158 von Christian , 27.03.2016 17:05

Wenn man jetzt diese Zeit aufarbeitet, wird man sich selbstverständlich auch mit Carl Eduard befassen. Er ist eine Schlüsselfigur dieser Epoche.

Ich gebe dir Stammbus absolut recht. Priesner schuf mit seiner Biografie ein übles Machwerk, heute kaum noch lesbar. Dennoch ist es ein wichtiges Buch! Ja wirklich! Und ich sage auch warum.

Es lässt tief in die Mentalität einer Stadtgesellschaft blicken, wenn ein solches Buch noch 1977 auf den Markt kommt und mit Ausnahme der Herzogshauses niemand sich gegen diese Darstellung verwehrt sondern diese eher noch getragen wird. Die Stellungnahme von Prinz Friedrich Josias ist heute noch im Staatsarchiv Coburg einsehbar.

Zum anderen gibt dieses Buch auch einen Einblick in die Mentalität in den 1920er Jahren. Ein kleines Beispiel bei Priesner auf Seite 54. "Dabei gab es, besonders bei den sogenannten Deutschen Tagen, sehr wohl Anrempeleien. Aus den Umherstehenden fuhren zuweilen Schimpfworte und Drohungen dazwischen; beim Vorbeigehen des Herzogs herrschte meistens Zurückhaltung." Und weiter auf S. 55: "Das Volk sah in Carl Eduard die verehrenswerte Person, den in seiner Würde unantastbar Erhobenen." Derartige Textpassagen sagen sehr viel über die Beziehung zwischen dem Ex-Herzog und seinen früheren Untertanen aus. Es gibt da noch andere Beispiele. Darin liegt auch einer der Schlüssel, warum Coburg relativ früh eine NS-Hochburg wurde.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#159 von Stammbus , 27.03.2016 17:10

Völlig Deiner Meinung.

1977 hätte sich außerhalb von Coburg kaum noch jemand getraut, so ein Buch zu veröffentlichen.

Deshalb meine ich ja: Die 265.000 EUR sind die Zinsen für die Geschichtsklitterung und unterbliebene Vergangenheitsbewältigung der letzten 70 Jahre.

Verdrängen kommt immer teuer. Das gilt für den einzelnen Menschen wie für die ganze Gesellschaft.


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RE: Arisierung jüdischen Eigentums in Coburg

#160 von Christian , 27.03.2016 17:51

Genau,

und gerade diese Wechselbeziehungen zwischen Carl Eduard und der Bevölkerung gilt es zu untersuchen. Denn wie du bereits richtig gesagt hast, reicht es da nicht aus sich allein auf den Herzog zu stürzen. Carl Eduard kann etwas aussenden, aber er braucht auch Empfänger dafür die darauf reagieren, sei es positiv oder negativ.


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